Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) in evolutionärer Perspektive

Die Beschreibung der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) als Oberbegriff für rassistische, kulturalistische, sexistische und generell abwertende Verhaltensweisen gehört meines Erachtens zu den größten Leistungen der Geistes- und Sozialwissenschaften der letzten Jahre. Evolutionär kannte schon Charles Darwin das Problem: Fast alle Lebewesen beschränken ihre „Sympathien“ – wenn überhaupt – auf nahe verwandte Artgenossen. Selbst unsere nächsten Verwandten – wie Schimpansen oder Gorillas – könnten keinen Bus besteigen und keinen Kindergeburtstag feiern, ohne dass es zu gefährlichen, gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen „Fremden“ käme. Unsere Vorfahren erwarben über tausende von Generationen mehr und mehr die Fähigkeit, sich zu immer größeren und komplexeren Gruppen zusammen zu schließen. Doch auch uns bleibt noch der Atavismus (das evolutionäre Überbleibsel), nach dem wir Andere, Fremde, Schwache ausgrenzen und insbesondere unter Streß und Frust unsere je eigene Gruppenidentität durch Vorurteile und Grausamkeit gegenüber Nicht-Zugehörigen zu festigen versuchen – von der rechtlichen Diskriminierung bis hin zum massenhaften Mord.


Vortragsfolie: Michael Blume.
Deutsche Soldaten treiben Juden zusammen, südafrikanische Pogrome gegen Flüchtlinge aus Simbabwe.

Die „Begründungen“ der Slogans wechseln dabei fast beliebig. So bekunden beispielsweise Antisemiten seit jeher „Die Juden sind unser Unglück!“ und „legitimieren“ dies pseudo-biologisch („fremde Rasse“), pseudo-religiös („von Gott verflucht und verworfen“), pseudo-politisch („Ohne Juda, ohne Rom, errichten wir nun Deutschlands Thron!“) oder auch pseudo-kulturalistisch („archaische Traditionen, die nicht mehr in unsere Zeit passen“). Ebenso wurden und werden gegen Sinti und Roma Vorurteile aus den verschiedensten Schubladen ausgebracht – die die Ausgrenzung der Gruppe verfestigen und damit wiederum die Vorurteile bestätigen!

Während entsprechend Hassende immer wieder bestrebt sind, die verschiedenen, bedrängten Gruppen gegeneinander auszuspielen, zeigt die empirische Analyse einen engen Zusammenhang des GMF-Syndroms: Wer Feindseligkeit gegen Muslime hegt, wird auch Behinderte öfter verachten, die Emanzipation von Frauen häufiger ablehnen und sich eher „zigeunerfreie“ Innenstädte wünschen (usw.).


Aus: Aus Politik und Zeitgeschichte (ApuZ), 16.04.2013, kostenfreier pdf-Download

Und so kann es auch nicht verwundern, dass GMF häufiger (aber nicht nur!) in Milieus auftritt, die selbst bedrängt werden – und nun nach Möglichkeiten suchen, „nach unten zu treten“. So beobachten Eva Groß, Andreas Zick und Daniela Krause:

Ängste, Ohnmacht, ökonomische Unsicherheitsgefühle und Abstiegsängste machen Menschen anfällig, jene abzuwerten, die in der gesellschaftlichen Hierarchie unten lokalisiert werden. Dabei sind jene Bürger, die selbst prekären sozialen Schichten, Milieus oder Gruppen angehören, auf den ersten Blick anfälliger für die leichtfertige Zustimmung zu menschenfeindlichen und die Ungleichwertigkeit markierenden Einstellungen. Oft ist die prekäre Lage auch mit Bildungsdefiziten verbunden, die anfällig machen, Abwertungen zuzustimmen. Gemeinsam mit den Einflüssen der oben skizzierten subjektiven Einschätzung von Bedrohung und Verunsicherung spricht einiges für die klassische Beobachtung eines „Arme-Leute-Rassismus“.

Allerdings besteht auch bei wohlhabenderen und formal gebildeteren Schichten schnell die Bereitschaft, GMFen aufzugreifen, wenn sich damit der eigene Status sichern lässt. Man denke an den „Erfolg“ von Thilo Sarrazin (SPD) auf Kosten v.a. muslimischer Zuwanderer oder an BILD-Kampagnen gegen „Sozialschmarotzer“. Und so verroht auch das gehobene Bürgertum bisweilen schnell:

Analysen über die Zustimmung zu abwertenden Meinungen in verschiedenen Einkommensgruppen zeigen einen seit 2009 teils sprunghaften Anstieg von Menschenfeindlichkeit in höheren Einkommensgruppen. Für diejenigen Gruppen, die im Zuge der Ökonomisierung des Sozialen als Zielscheibe von Menschenfeindlichkeit an Konjunktur gewinnen, da sie für das Stigma der ökonomischen Nutzlosigkeit beziehungsweise verminderten Leistungsfähigkeit besonders passgenau infrage kommen (Langzeitarbeitslose, Obdachlose, Ausländer, Menschen mit Behinderung, aber auch allgemein neu Hinzugekommene), ist sehr deutlich zu sehen, dass auch und insbesondere bei Befragten aus den höheren Einkommensgruppen in den vergangenen drei Jahren die Abwertungen signifikant angestiegen sind. Dies kann als Indiz für die Verteidigung bestehender Statushierarchien durch die starken Gruppen in Krisenzeiten, in denen diese ins Wanken geraten könnten, gewertet werden. Für die als „nutzlos“ und „Minderleister“ etikettierten Gruppen konnten wir zum letzten Erhebungszeitpunkt auch einen Anstieg der Abwertungen in der Gesamtbevölkerung beobachten.

Auch Alter, Krankheit und Einsamkeit können GMFen verstärken. So berichtete auch der SPIEGEL vor Kurzem über den grassierenden Rassismus in Altersheimen, in denen Pflegerinnen und Pfleger vor allem dann beschimpft werden, wenn sie nicht der gleichen ethnischen Gruppe wie die zu Pflegenden angehören.

Toleranz und „Political Correctness“ als Kulturleistung

Es ist also wenig überraschend, dass sich Hassende wütend gegen „die Gutmenschen“ und deren „political correctness“ wenden: Denn tatsächlich erfahren sie, dass ihre tiefen Ressentiments durch kulturelle Regeln in Schach gehalten werden (sollen). Doch klar ist auch: Gäben wir Menschen diesen Ausbrüchen erst einmal nach, wäre ein Zusammenleben in großen und vielfältigen Städten nicht mehr möglich – unsere Zivilisationen würden zusammen brechen. Und: Die GMF-Syndrome entstehen aus inneren Antrieben heraus, weswegen die höchste Fremdenfeindlichkeit gerade auch dort bestehen kann, wo kaum Zuwanderer leben. Auch in Japan fühlen sich Rechtsextreme von Überfremdung bedroht – obwohl das Land seit Jahrzehnten eine restriktive Zuwanderungs- und Integrationspolitik betreibt und entsprechend schnell altert. GMF ist ein kultureller Rückfall, wird nie satt und es löst keine Probleme!

Ein persönliches Schlusswort

Einen Einwand, den ich wichtig finde, ist derjenige, dass GMF nie nur ein Problem „der anderen“ ist. Die größten Kritiker der Elche sind oft selber welche – wie ich als Schüler von Alt-68er-Lehrenden und Mitschüler von Aktivisten der „anarchosyndikalistischen Front“ mehr als einmal erfahren durfte. Ob Linke, Christen, Türkinnen, Israelis, Atheisten oder Wissenschaftlerinnen – niemand von uns ist dagegen gefeit, auch selbst GMFen auszuprägen, so komplex die Pseudo-Rechtfertigungen dafür auch gewoben werden.

Wenn ich (auch) hier auf Natur des Glaubens also dagegen aufzuklären versuche, dann nicht, weil ich behaupten könnte, selbst dagegen immun zu sein: Ich bin es nicht. Gerade weil ich seit Jahrzehnten im interkulturellen, interreligiösen und internationalen Bereich arbeite, erlebe ich immer wieder Situationen, in denen auch ich selbst an meine innere Grenzen komme. Die urmenschlichen Bedürfnisse nach Sicherheit, Übersichtlichkeit, gefestigter Gruppenzugehörigkeit und Heimat kann ich sehr gut nachvollziehen!

Wenn wir aber als Kulturen und Zivilisationen weiter voranschreiten wollen, dann müssen wir den Atavismen in uns selbst auch immer wieder begegnen: Generation für Generation. Die schlummernde Bereitschaft zu Furcht und Hass ist Teil unseres evolutionären Erbes, die Fähigkeiten zu Kultur und Reflektion aber nicht weniger. Und so will ich mit einem Zitat von Charles Darwin schließen, der genau diese Aspekte schon gesehen und beschrieben hat.

Wenn der Mensch in der Cultur fortschreitet und kleinere Stämme zu grösseren Gemeinschaften vereinigt werden, so wird das einfachste Nachdenken jedem Individuum sagen, dass es seine socialen Instincte und Sympathien auf alle Glieder derselben Nation auszudehnen hat, selbst wenn sie ihm persönlich unbekannt sind. Ist dieser Punkt einmal erreicht, so besteht dann nur noch eine künstliche Grenze, welche ihn abhält, seine Sympathien auf alle Menschen aller Nationen und Rassen auszudehnen. In der That, wenn gewisse Menschen durch grosse Verschiedenheiten im Aeussern oder in der Lebensweise von ihm getrennt sind, so dauert es, wie uns unglücklicherweise die Erfahrung lehrt, lange, ehe er sie als seine Mitgeschöpfe betrachtet. Sympathie über die Grenzen der Menschheit hinaus, d. h. Humanität gegen die niederen Thiere scheint eine der spätesten moralischen Erwerbungen zu sein. Wilde besitzen dieses Gefühl, wie es scheint, nicht, mit Ausnahme der Humanität gegen ihre Schoossthiere. Wie wenig die alten Römer dasselbe kannten, zeigt sich in ihren abstossenden Gladiatorenkämpfen. Die blosse Idee der Humanität war, soviel ich beobachten konnte, den meisten Gauchos der Pampas neu. Diese Tugend, eine der edelsten, welche dem Menschen eigen ist, scheint als natürliche Folge des Umstands zu entstehen, dass unsere Sympathien immer zarter und weiter ausgedehnt werden, bis sie endlich auf alle fühlenden Wesen sich erstrecken. Sobald diese Tugend von einigen wenigen Menschen geehrt und ausgeübt wird, verbreitet sie sich durch Unterricht und Beispiel auf die Jugend und wird auch eventuell in der öffentlichen Meinung eingebürgert.

Ich glaube, billiger als durch das Ringen mit unseren Atavismen ist ein glückliches, modernes und vielfältiges Leben nicht zu haben.

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

139 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

    Die Beschreibung der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) als Oberbegriff für rassistische, kulturalistische, sexistische und generell abwertende Verhaltensweisen gehört meines Erachtens zu den größten Leistungen der Geistes- und Sozialwissenschaften der letzten Jahre.

    Wobei diese Systematisierung – Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – speziell eine Leistung Wilhelm Heitmeyers darstellt, international weniger beachtet [1] & konzeptionell zweifelhaft ist.

    Die Kulturanthropologie und die Philosophie sind ohnehin auch kulturalistisch unterwegs.
    Die GMF neigt dazu Islamkritik als Islamophobie zu diffamieren, sie dient oft dem Multikulturalismus und dem Relativismus als Grundlage und als ideologische Rechtfertigung.

    MFG
    Dr. W (der gegen eine angemessene Zusammenfassung der X-Ismen aber nichts hätte, ganz im Gegenteil)

    [1] erkennbar u.a. auch an der Nichtverfügbarkeit anderssprachiger Wikipedia-Inhalte zur ‚group-focused enmity‘

  2. @Webbaer

    Ich wusste, dass Ihnen der Beitrag „gefällt“. Er ist auch in besonderer Weise an Sie gerichtet… Und ja – auch die Islamophobie fällt unter diesen Begriff. Wer nach Breivik und NSU immer noch Hass auf Muslime verharmlost, hat ein inneres Problem, zeigt GMF.

  3. Herr Blume

    Der Schreiber dieser Zeilen systematisiert den Islam, beschreibt ihn bspw. als zu den Werten der Aufklärung diametral stehend, als Wertzuweisung für Personengruppen pflegend und als die Gewaltanwendung gelegentlich ritualisierend, aber er tut eines ganz sicher nicht: die Glaubensträger pauschal anzugreifen.

    Betrachten Sie die erhaltene kommentarische Nachricht gerne einfach nur als Kritik und als Feedback.

    MFG
    Dr. W

  4. Pseudo?

    In Ihrem oberen Beispiel bzgl. des Antisemitismus ist das „pseudo“ lediglich bei „biologisch“ angebracht. Denn biologisch können die, den Juden unterstellten Charaktereigenschaften, nicht erklärt werden, bzw.: Die Biologie kann zeigen, dass sie eben keine biologischen Grundlagen haben.
    Im Fall von Kulturen, Religionen und Politik ist das etwas völlig anderes: Die Politik der Nazis war ja keine Pseudo-Politik, sondern eben ganz konkrete Politik! Und auch religiös konnten die Christen die Juden ganz konkret ablehnen, da diese ihren Heiland eben nicht als den Heiland akzeptierten, was konkret das gesamte Christentum in Frage stellt. Selbstverständlich konnten auch die Heiden die Christen und Juden ganz konkret aus religiösen Gründen ablehnen. Da kann ich kein „Pseudo“ erkennen.

  5. GMF: Atavismus oder Notwendigkeit

    Schon Schimpansen führen regelrechte Kriege gegen andere Gruppen und man wird den Verdacht nicht los, dass eine Gruppenbildung egal ob unter Schimpansen oder Menschen immer mit einer Abgrenzung gegen andere Gruppen einhergeht und diese Abgrenzung auch sehr schnell in Feindschaft umschlagen kann.
    Heute in unserer pluralistischen Gesellschaft kann man zu mehreren Gruppen gleichzeitig gehören und auch fast komplementär mit mehreren Gruppen verfeindet sein, wobei die Gruppen auch soziale und ökonomische sein können was sich dann etwa in Elminiationsgedanken gegenüber verhassten sozioökonomischen Gruppen ausdrückt. Kommunisten/Sozialisten wollen dann mit allen Kapitalistenschweinen kurzen Prozess machen , Feministinnen alle Männer aus Schulen oder anderen Einrichtungen verbannen, Neoliberale am liebsten den Sozialstaat ab- und damit wieder klare Verhältnisse schaffen.

    Abbildung 1 ist insoweit unvollständig ale es nur gerade die typischen Opfergruppen auflistet, also Menschen anderer Rasse/Kultur/Religion, Randständige und Menschen anderer sexueller Identität in wahrgenommener Minderheitenposition. Es stimmt zwar, dass der Stärkere seine Gruppenfeindlichkeit gegenüber Schwächeren mehr durchsetzen kann, aber es gibt auch Gruppenfeindlichkeit von Menschen, die sich in einer schwächeren Position erleben, gegenüber Gruppen in stärkerer Position oder gegenüber andersartigen Gruppen, die sich aber ebenfalls in einer schwachen Position befinden.

    Gruppenbildung scheint für den Menschen notwendig zu sein. Ein grosser Teil des Erfolgs des Menschengeschlechts geht auf die soziale Kooperation in Gruppen zurück und es gilt auch, dass vereinsamte oder asoziale Genies oft nicht viel Gutes bewirken und auch nicht Gutes hinterlassen.

    Doch Gruppenbildung scheint auch implizit eine aggressive Komponente zu haben. Oft werden Gruppen überhaupt erst gebildet weil man einen gemeinsamen Feind hat. Auch in der Politik lässt sich das beobachen. Einige Parteien entstehen gerade aus einer Gegenposition gegenüber etablierten Parteien heraus und ganze Wahlkämpfe leben von gegenseitigen Verunglimpungen und regelrechten Feldzügen gegen die jeweils andere Partei.

    Es gibt also oft eine Feindschaft gegenüber anderen Gruppen schon bei der Gruppenbildung und wer feindliche Einststellungen gegenüber fremden Gruppen bekämpfen will, bekämpft damit möglicherweise auch die Bildung von Gruppen überhaupt.

  6. Herr Holzherr

    Es gibt also oft eine Feindschaft gegenüber anderen Gruppen schon bei der Gruppenbildung und wer feindliche Einststellungen gegenüber fremden Gruppen bekämpfen will, bekämpft damit möglicherweise auch die Bildung von Gruppen überhaupt.

    Selbstverständlich gibt es Gegnerschaften von Gruppen, die sich auf natürliche Art und Weise gebildet haben, der Knackpunkt an der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ist aber die Menschenfeindlichkeit.

    Diese soll es nicht geben in diesem Kulturkreis, im Kulturkreis der Systeme der Aufklärung.

    Herr Heitmeyer und sein Team haben also durchaus ein wichtiges Thema aufgegriffen, aber -wie der Schreiber dieser Zeilen findet- wesentlich zu weit gegriffen, weil auch die von Ihnen genannten kompetitiven Gruppen zumindest in Teilen meinend.

    MFG
    Dr. W

  7. Un-Kultur & Un-Wahrheit

    „… (das evolutionäre Überbleibsel) …“

    – Die Ursache all unserer immernoch instinktiven Probleme in systematisch-gepflegter Bewußtseinsschwäche von Angst, Gewalt und „Individualbewußtsein“, ist der nun als FREIHEITLICH erklärte Wettbewerb um …!

    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist so, in den stumpf-, blöd- und wahnsinnigen Symptomatiken des geistigen Stillstandes seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ (unser erster und bisher einzige GEISTIGE Evolutionssprung), absolut kein Wunder, Phänomen oder …!

    „Ist dieser Punkt einmal erreicht, so besteht dann nur noch eine künstliche Grenze, welche ihn abhält, seine Sympathien auf alle Menschen aller Nationen und Rassen auszudehnen.“

    – Solange die „freiheitliche“ Marktwirtschaft mit Ausbeutung und Unterdrückung das konsum- und profitautistische Denken des Menschen konfusioniert und beherrscht, wird Spaltung bis in den Tiefen des Bewußtseins mit Neurosen und Psychosen wirken!

    Wenn man sich Globalisierung und EU-Expansion anschaut, besonders im Blick die ehemaligen Staaten des Ostblocks, dann wird deutlich wie Spaltung ganz im Sinne der Profitler des MENSCHENFEINDLICHEN / MENSCHENUNWÜRDIGEN Systems ist!!!

  8. Humanität – „Diese Tugend, eine der edelsten, welche dem Menschen eigen ist, scheint als natürliche Folge des Umstands zu entstehen, dass unsere Sympathien immer zarter und weiter ausgedehnt werden, bis sie endlich auf alle fühlenden Wesen sich erstrecken.“

    – diese „Tugend“, ist ziemlich offensichtlich schon seit einiger Zeit vom System des nun „freiheitlichen“ Wettbewerbs assimiliert, wie alle ursprünglich edlen Ideale und … im System verkommen, wenn man mit zu großen Kompromissen dem System nachgibt.

  9. @Webbaer

    Ich denke, Sie machen sich da auch selbst etwas vor: „Den Islam“ abstrakt von Muslimen abwerten zu wollen geht ebensowenig wie „das Deutsche“ von den Deutschen (erkennbar z.B. bei den „Antideutschen“). Am Ende geht es immer um Menschen – und also auch immer um uns selbst. Verklemmte „Systemkritiken“ sind nachträgliche Rationalisierungen von Ressentiments – sind GMFen.

  10. @Martin Holzherr

    Ihren Beobachtungen kann ich weitgehend zustimmen. Und zugleich demonstrieren Sie damit auch unsere Chancen: Wir können die Prozesse reflektieren und friedlich gestalten.

    So werden Machtkämpfe in Demokratien nicht abgeschafft, sondern so geregelt, dass sie möglichst gewaltfrei und sachbezogen ablaufen. Im Idealfall streiten die Protagonisten hart („Wahlkampf“), lernen aber dennoch, einander als Menschen zu respektieren. Nicht leicht, aber Wir Menschen können das!

  11. Herr Blume

    Ihnen ist schon klar, dass diese Aussage – ‚Am Ende geht es immer um Menschen – und also auch immer um uns selbst. Verklemmte „Systemkritiken“ sind nachträgliche Rationalisierungen von Ressentiments – sind GMFen.‘ – im Zusammenhang mit der oben beschriebenen Islamkritik prohibitiv wirkt?

    MFG
    Dr. W

  12. Sachlichkeit

    In der Tat: Wir lieben unsere FeinBilder – und kaum eine Gruppe, die noch so heterogen sein kann, wird auf ein oder ein paar wenige Eigenschaften reduziert‘, um sie ablehnen zu können. Religionszugehoerigkeit, die Höhe des Bankkonto (sehr hoch oder das Gegenteil), Ernaehrungsgewohnheiten , politische Einstellungen oder was auch immer können Ausgangspunkt sein.
    Wenn es dann heisst: Die Banker, die Muslime, die Frauen, die SJW-Fahrer, die Oekos, die Klima Skeptiker (was’n Wort) sind unzulässige Verallgemeinerungen nicht weit. Ich arbeite im sozialen Bereich, da wird sie Welt gerne in Opfer und Täte Gruppen aufgeteilt, erste sind Menschen mit Migrationshintergrund, Arme, Sozial Benachteiligte als per es Gute, die andere sind z.B. Gutverdienende, in bestimmten Branchen Arbeitende oder Amerikaner – um nur ein paar zu nennen. Die eigenen Kriterien sind der Maßstab, man hält sich fuer tolerant und kritisiert nicht selten die Intoleranz der anderen.
    Manchmal passiert das aber auch im Eifer des Gefechts, dass eben nicht alle Banker fuer gierig, unmoralisch und verwerflich gehalten werden, oder alle Muslime als Gewalt bereit und Frauen benachteiligend angesehen werden, sondern nur in einer bestimmten Gruppe Verhaltensweisen als häufiger als durchschnittlich vor kommend angenommen werden.
    Teilweise lässt sich das durch den Sprachgebrauch regulieren, in dem man sagt, die jenigen dieser Gruppe, die sich so und so verhalten sind meines Erachtens aus diesem oder jenem Grund zu kritisieren – was natürlich nicht so elegant klingt. Hier sollten aber auch die Medien mit gutem Beispiel vorangehen.

  13. Surfen auf / im Zeitgeist

    „Wer nach Breivik und NSU immer noch Hass auf Muslime verharmlost, hat ein inneres Problem, zeigt GMF.“

    – ja, das ist ganz richtig, nämlich die ignorante Arroganz der systematisch-gebildeten Suppenkaspermentalität auf systemrationaler Sündenbocksuche, die kein Interesse an eindeutiger Wahrheit hat, damit der Tanz um den heißen Brei / das goldene Kalb möglichst ungestört weiter geht!

    Ein kurzer Nachtrag zu meinen vorherigen Beitrag:

    – … wenn man mit zu großen Kompromissen dem System nachgibt, so singt dann auch Joe Jackson in seinem Song soul kiss: „and all the Hippies work vor IBM and take control.“

  14. „Gutmenschen“ im „Recht des Stärkeren“

    „GMF ist ein kultureller Rückfall, wird nie satt und es löst keine Probleme!“

    – GMF ist ein LOGISCHES Symptom der Un-Kultur, welches aus den Intrigen der bewußtseinsbetäubenden Übersättigung durch konfusionierende Überproduktion von systemrationalen Kommunikationsmüll für den „freiheitlichen“ Wettbewerb entsteht und selbstverständlich keine Probleme lösen kann, bzw. nicht soll, denn wenn die GMF-Praktizierenden erkennen könnten wie absurd-gesteuert ihr Aktionismus ist, ZUR VERALLGEMEINERUNG IN SÜNDENBOCKFUNKTION, dann könnte und müßte Bewußtseinsentwicklung gegen die Hierarchie von und zu materialistischer „Absicherung“ einsetzen!

    „Denn tatsächlich erfahren sie, dass ihre tiefen Ressentiments durch kulturelle Regeln in Schach gehalten werden (sollen).“

    – und Herr Blume meint also da ist in den wachsenden Ressentiments nicht der geringste Funken Wahrheit, bzw. die „Treuhänder“ des Systems sind immer offen für Kritik und werden es schon machen, wenn …???

  15. Horst und Webbaer

    Irre ich mich oder ist der Artikel genau auf zwei Trolle wie Sie zugeschnitten?

    Man könnte fast sagen, dass die Kommentare erst den Artikelinhalt vervollständigen. Der eine will seine Islamophobie für sinnvoll erklären und redet selbstbezogenen Blödsinn daher und der andere will unbedingt im Hass einen Ausdruck reeller Probleme sehen. Suchen Sie sich aus, auf wen die jeweiligen Satzteile zutreffen, Sie sind nämlich austauschbar.

    Webbaer wird doch überall sonst schon seinem Trolldasein gemäß ignoriert. Seltsam, dass er hier Psychonarrenfreiheit genießt.

  16. @Kathrin Siebert

    Ich kann Ihnen nur zustimmen – so sehe und erlebe ich es auch. Bezeichnend war z.B. die damalige SPD-Kampagne für eine Extrasteuer für „Besserverdienende“. Damit wurde eine enorme Wirkung erzielt, bis der damalige SPD-Kandidat Scharping eine Gehaltsgrenze ausplauderte. Sehr vielen wurde plötzlich bewusst: Die „Besserverdienenden“ sind ja gar nicht immer die Anderen – das sind ja wir selbst! Und prompt stürzte die Kampagne ab…

    Oder die Unterschriftenkampagne von R. Koch (CDU) gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Der dazugehörige Text war eigentlich sehr differenziert, aber ich habe selbst erlebt, wie Leute an die Stände kamen, um „gegen Ausländer zu unterschreiben“.

    Legendär auch wieder Westerwelles Bauchlandung mit der Rede von der „spätrömischen Dekadenz“. Abgesehen davon, dass er selbst protestantische Tugenden nicht so recht zu verkörpern schien, wollte die große Mehrheit so etwas nicht hören. Dekadent und überschuldet haben gefälligst andere zu sein!

    Wir Menschen sind so. Aber es dürfte wohl sinnvoll sein, darüber hin und wieder nachzudenken, vielleicht auch mal zu schmunzeln – und vor allem wachsam gegenüber Auswüchsen zu bleiben.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar!

  17. @Vollhorst

    Ihr Kommentatorenname klingt mir wie ein Bekannter in den Ohren! 🙂

    Und Sie haben selbstverständlich Recht: Gerade auch die Kommentatoren auf Natur des Glaubens beglaubigen immer mal wieder die Texte darüber. Da hegt @Webbär seine für jeden außer ihm selbst klar ersichtliche GMF gegen Muslime und @Horst beschimpft grundsätzlich alle anderen Menschen – ohne dass man verstehen könnte, was er überhaupt will oder meint.

    Klar könnte ich das einfach löschen und manchmal greife ich auch ein. Aber unfreiwillig lehrreich und manchmal auch unterhaltsam ist es doch auch. 😉

  18. @Webbär

    Ja, Sie haben es erfasst: Islamophobie ist genauso widerlich wie Antisemitismus und Antiziganismus, die hier vor nicht einmal 100 Jahren auch ganz groß in Mode waren (und zum Teil immer noch sind). Und was hat er unserem Volk gebracht außer Tod, Schande und Verlust? Heute sind entsprechende Ausfälle – wie z.B. die Leugnung des Holocaust – sogar strafrechtlich bewehrt.

    Und warum sollten wir das gleiche Spiel nun noch einmal spielen? Reichen die bisherigen Übergriffe und Morde etwa noch nicht?

    Keine Familie, keine Gruppe und erst Recht keine vielfältige Gesellschaft funktioniert ohne Regeln. Ich verstehe, dass Sie einige dieser Regeln ärgern (vgl. oben den Abschnitt „Toleranz und „Political Correctness“ als Kulturleistung“) – aber billiger ist eine wirtschaftlich, demografisch und kulturell florierende Zivilisation nun einmal nicht zu haben.

    Und ich will die Hoffnung nicht ganz aufgeben, dass es auch Ihnen einen Tages gelänge, aus dem GMF-Schneckenhaus auszubrechen und ein weniger angstbesetztes, offeneres Leben zu führen.

  19. Herr Blume

    Sie meinen also, dass Islamkritik islamophob sein muss, wenn sie generalisiert daherkommt:
    ‚“Den Islam“ abstrakt von Muslimen abwerten zu wollen geht ebensowenig wie „das Deutsche“ von den Deutschen (erkennbar z.B. bei den „Antideutschen“).‘
    -> http://scilogs.spektrum.de/…p;blogId=12#comment-22480

    Die Feststellung, dass der Islam bspw. den Frauen und sogenannten Ungläubigen einen geringeren Wert als Mensch zuweist, wäre also islamophob, die Feststellung, dass der Islam mit der Gewaltanwendung in institutionalisierter Form kommt, bspw. in Form der Scharia, wäre islamophob und ebenso die Kritik am Antisemitismus, den der Koran trägt, gell?

    MFG
    Dr. W

  20. Aufgehübscht

    @ Vollhorst

    Trollig sind nicht die Kommentaren, sondern trollig ist der Artikel, der einen sozialwissenschaftlich diffusen Oberbegriff, der mehr durch seine Zeitgeistigkeit, als durch seine Definition besticht, mit einer unzeitgemäßen also historischen Äußerung Darwins aufhübscht.

  21. @Webbär

    Ganz genau! Solche pauschalisierten Aussagen über „den Islam“ entsprechen einerseits nicht der Realität und schwächen gerade auch islamische Reformer, Demokraten, Menschenrechtlerinnen etc.

    Echte „Kritik“ differenziert und zielt auf Verbesserungen. Indem Sie aber „den Islam“ als „System“ abwerten, üben Sie eben keine seriöse Kritik mehr, sondern mauern sich selbst in einem Wahnsystem ein. Wie es z.B. Antisemiten auch schon unheilvoll getan haben.

    Und, wie geschrieben – ich wünsche Ihnen wirklich, dass Sie da eines Tages wieder herausfinden mögen!

  22. @Borg

    Schön, dass Sie vorbeischauen – ich hatte mit Ihnen und einigen Ihrer politisch braunen Freunde bereits gerechnet!

    Und ich wollte Sie alle bei der Gelegenheit unbedingt fragen, wie Sie es finden, dass ausgerechnet der bayerische Verfassungsschutz nun „politically incorrect“ und „Die Freiheit“ ins Visier nimmt?
    http://www.sueddeutsche.de/…sfeindlich-1.1647727

    Erkennen Sie da ein Problem in Ihren Reihen an oder halten Sie auch die bayerischen Kollegen für naive, ferngesteuerte Gutmenschen?

  23. Herr Blume

    Echte „Kritik“ differenziert und zielt auf Verbesserungen. Indem Sie aber „den Islam“ als „System“ abwerten, üben Sie eben keine seriöse Kritik mehr, sondern mauern sich selbst in einem Wahnsystem ein.

    Dann trägt also bereits die Islamkritik an sich die Wurzel des Übels, wenn oder weil sie den Islam als System begreift?!

    Wie ginge denn I.E. Kritik am Islam, die nicht sozusagen aus sich heraus bereits islamophob ist?

    Geben Sie bitte mal ein Beispiel…

    MFG
    Dr. W

  24. @ Blume

    Wenn man alle möglichen Perspektiven auf die Gesellschaft undifferenziert und mit etwas Zeiitgeist angereichert, sowie Sie in einen Topf wirft und kräftig umrührt, kommt eine Farbe heraus, die von brauner Sch… kaum zu unterscheiden ist.

  25. @Webbär: Ein Beispiel für Kritik

    Nichts leichter als das: Verurteilen Sie z.B. kundig al-Qaida, würdigen aber auch mit gleichem Interesse mutige Reformer wie z.B. Mouhanad Khorchide („Islam ist Barmherzigkeit“). Beide gehören zur Realität des heutigen Islams, der ebensowenig wie irgendeine andere Weltreligion ein geschlossenes System bildet.

    Auch z.B. ein Literaturkritiker findet ja nicht einfach alle Bücher schlecht, sondern weiß gute und schlechte zu benennen sowie auch starke und schwache Aspekte innerhalb einzelner Werke. So einfach und doch so schwer funktioniert echte, seriöse Kritik.

  26. Beispiel für Kritik

    Verurteilen Sie z.B. kundig al-Qaida

    Aha. Wie genau verurteilen? (Ginge es dabei den Bezug zum Islam herzustellen und falls ja wie genau?)

    MFG
    Dr. W

  27. @Borg

    So ist es! Früher richtete sich der Zeitgeist v.a. gegen Juden („Juden sind unser Unglück!“), jetzt eben gegen Muslime. Wie Sie schreiben: Der gleiche, braune Sch… – und zugleich ein Beweis, dass GMF immer wieder nach den gleichen Mustern funktioniert und furchtbar unkreativ ist.

    Nun ja, immerhin stärken Sie mit Ihren Besuchen und Kommentaren meinen Blog und führen den Leserinnen und Lesern Ihre Ressentiments vor.

    Bekomme ich noch eine Antwort auf die Frage nach der V-Schutz-Beobachtung Ihrer Freunde?

  28. @Webbär

    Sie müssen für al-Qaida keinen Islambezug herstellen – das tun diese ja selbst. Ebenso, wie sich der Theologe Khorchide auf den Islam beruft – mit völlig anderem Befund. Da ist nix mit einem geschlossenen System – aber Sie haben die Wahl, welche Flügel Sie in diesem auch innerislamischen Konflikt stärken. Das ist es, lieber @Webbär, was ein echter, also konstruktiver Kritiker vermag.

    Ihnen eine gute Nacht und befreiende Träume!

  29. Herr Blume

    Wie genau gilt es I.E. al-Qaida zu kritisieren? [1]
    Sie wollten ein Beispiel geben…

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Bedenken Sie bitte auch, dass der Schreiber dieser Zeilen den Verdacht hegt, dass es (aus Sicht einiger Soziologen und Religionsforscher) gar nicht mehr möglich ist den Islam zu kritisieren ohne sozusagen gruppenbezogen menschenfeindlich zu werden.

  30. Fakten gegen Verleumdungem

    Laut einschlägigen Presseberichten wurden Sie und nicht meine angeblichen Freunde vom Verfassungsschutz kritisch beäugt. Hier sprechen Fakten gegen Verleumdungen.

  31. @Webbär

    Al-Qaida missbraucht den Islam zur Rechtfertigung von Terror und Gewalt – und zwar nicht zuletzt auch gegen andersdenkende Muslime, denen es den Glauben und das Recht auf Leben abspricht. Deswegen kann und muss Al-Qaida gemeinsam mit anderen Muslimen isoliert und besiegt werden. – So, lieber @Webbär, hier haben Sie eine Kritik an Zuständen im Islam, die zugleich differenziert und nicht die gesamte Religion bzw. „die Muslime“ angreift. Schwer ist das m.E. gar nicht, wenn man erst einmal die GMF-Brille abgenommen hat. Wagen Sie es! 🙂

  32. @Borg

    Oh ja, ich wurde vor ca. 10 Jahren auf dem Höhepunkt der ersten Anti-Islam-Hysterie „kritisch beäugt“ – und dann in allen Punkten frei gesprochen. Und bin bis heute stolz darauf, Zivilcourage gezeigt zu haben, als es auch in Sicherheitskreisen schick war, gegen Minderheiten vorzugehen, mit dem Ku Klux Clan zu sympathisieren usw.

    Sie sehen also: Hier schreibt kein naiver Gutmensch, sondern jemand, der schon so manche Schlacht geschlagen hat und genau das auch weiterhin tun wird. Und sich daher von Ihnen und den anderen Islamophoben a la Nürnberg 2.0 erst Recht nicht einschüchtern lässt. Ihr macht diesen Blog nur stärker! 🙂

  33. Herr Blume

    Sie waren hier gebeten ein Beispiel dafür beizubringen, das für Kritik am Islam steht, aber nicht islamophob ist.

    Und das kommt dabei heraus? Dass da welche den Islam missverstanden haben?

    Al-Qaida missbraucht den Islam zur Rechtfertigung von Terror und Gewalt – und zwar nicht zuletzt auch gegen andersdenkende Muslime, denen es den Glauben und das Recht auf Leben abspricht.

    Der Schreiber dieser Zeilen wettet mit Ihnen, dass Sie keine Kritik am Islam, die aus der von Ihnen vertretenen Sicht nicht „islamophob“ ist, beibringen können.

    Womit dann aber auch das Konzept der Islamophobie zumindest in der von Ihnen vertretenen Form obsolet wäre.

    MFG
    Dr. W (der für heute dankt, aber später noch mal reinschaut, alles sehr aufschlussreich heute mit Ihnen, danke)

  34. @Webbär

    Danke, dass Sie diesem Blogpost und auch @Vollhorst noch einmal Recht gegeben haben: Sie bestehen darauf, „den Islam“ als homogene Gruppe zu betrachten – obwohl Ihnen jede(r) Kundige vermitteln wird, dass eine solche Pauschalisierung bei über einer Milliarde Menschen und Hunderten Strömungen, Gemeinschaften und Konfessionen völlig unmöglich darzustellen ist. Zwar hatte ich einen Moment die verwegene Hoffnung, Sie würden vielleicht wirklich die Chance ergreifen, über Ihre Ressentiments gegen „den Islam“ (!?) nochmal nachzudenken, aber ich bin und bleibe dennoch Optimist. Zumal ich mich durch Ihre und andere entsprechende Kommentare und Klickzahlen im Engagement gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sehr ermutigt fühlt. Danke dafür (auch an @Borg)!

    Ihnen jetzt aber eine gute Nacht!

  35. Unkritischer Selbsterfahrungstrip

    Laut Presseberichten war der Verfassungsschützer, der Sie kritisch beäugt hat, ein promovierter Islamwissenschaftler.

    Über Ihre Magisterarbeit war er regelrecht schockiert, da er in Ihren Interviewpartnern nicht selten altbekannte Kundschaft des Verfassungsschutzes erkannte. Deshalb bezeichnete er Sie als völlig unkritischen »Selbsterfahrungstrip in Sachen Religion«.

  36. @Blume

    http://diepresse.com/…phobie-ist-kein-Verbrechen

    Es mag ja angehen, daß die Mehrheit derjenigen menschen, die sich heutzutage hier in Deutschland selbst als Muslime begreifen, so tolerant und friedfertig sind wie Ihre Schwiegereltern. Mir sind auch schon Jugendliche begegnet, die keinerlei irgendwie gewaltbereiten Eindruck machten und dennoch erklärten „klar bin ich Nazi“.

    Islamophobie ist nicht Hass auf Moslems, sondern Angst vor dem Islam. Nicht zwangsläufig vor dem Islam Ihrer Schwiegereltern, aber immer vor genau dem Islam, den Mohamed selbst seinen Jüngern vorlebte: eine waschechte „GMF-Ideologie“, zusammengesetzt aus Judenfeindlichkeit, Heidenfeindlichkeit, und ganz wichtig: der unstillbaren Gier nach Beute

    Sicher sind die wenigsten Moslems Warlords, Terroristen, Mörder, Vergewaltiger, Plünderer und Kinderschänder. Dennoch kann gerade es bei den friedfertigsten Menschen zu Irritationen führen, wenn ein Prophet als „leuchtendes Vorbild“ benannt wird, der eben all dies war – und zwar NICHT „im sündhaften Leben vor seiner Begegnung mit Gott“, sonder explizit in den letzten 10 Jahren seines Wirkens, als er die Macht erlangt hatte, die Umma nach seinen Glaubensgrundsätzen zu formen.

    So etwas kann einem schon Angst machen. Ob das eine Phobie ist – nun, eine Schlangenphobie ist solange sinnlos, wie man nur Kornnattern und Blindschleichen begegnet, in Angesicht einer Viper oder Kobra kann sie lebensrettend sein. Die Tat von Breivik war vor allem deswegen sinnlos, weil dieser Feigling sie nicht in einem Mudjaheddin-Terrorcamp in Pakistan begangen hat.

    Wenn ein Mullah in Ägypten feststellt, daß es den islamischen Ländern nur dewegen wirtschaftlich so schlecht geht, weil sie aufgehört haben, Raubzüge gegen den Westen zu unternehmen und Beute heimzuholen, dann hat sich genau dieser eine Muslim die Feindschaft aller „Islamophobiker“ redlich verdient. Das ist einfach eine abartige Denkweise, dem Vorbild des Karawanenräubers und Plünderers Mohamed in dieser Weise nachzueifern.

    Ich bin ja ein Anhänger der These, daß die größten Gegensätze nicht „rechts gegen links“ heißen, sondern „Ethischer Liberalismus“ gegen „(roter/grüner/brauner) Totalitarismus“. Dies ist KEINE GMF gegen Kommunisten oder Weltuntergangspropheten, weil es keine Feindschaft gegen Menschen ist, sondern gegen Ideologien. „Gegen Nazis“ zu sein wird erst dann zur GFM, wenn (wie kürzlich in Wuppertal geschehen) allein der Verdacht, in einem Auto könnte ein Nazi sitzen, dazu führt, daß Antifa-Grüppchen den Fahrer bespucken und das Auto bis zum wirtschaftlichen Totalschaden zu demolieren. „Gegen den Islam“ zu sein wird erst dann zur GFM, wenn ein Mann, der einer Frau mit Kinderwagen die Tür aufhält, dazu sagt „wenn Sie ein Kopftuch aufhätten, würde ich das nicht tun“.

    Der Grat zwischen Ideologie-Feindlichkeit und Menschen-Feindlichkeit ist also schmal und zeigt sich im Alltagsverhalten – und nicht in Posting wie denen des Bär oder Büchern wie denen von Sarrazin. (Okay, ich hab den Schund nicht gelesen, aber was an Zitaten veröffentlicht wurde, war zu belanglos, um den Vorwurf der Menschenfeindlichkeit zu rechtfertigen).

    Kann man den Islam des Mohamed ibn Abdallah als „totalitäre, auf Raub ausgerichtete Ideologie“ einstufen? man muß es nicht, aber es gibt Indizien, die diese Einstufung zumindest in den Bereich des logisch möglichen rücken. Muß jemand, der diese Einstufung vornimmt, deswegen alle Muslime hassen? Nein, er kann sie auch bedauern, weil sie einem falschen Propheten nachlaufen (z.B. wenn er radikaler Christ ist) oder sogar bewundern, wenn er einer gleichartigen Ideologie anhängt (Hitler würdigte den Islam anerkennend als „eine Religion von Kriegern, nicht von Sklaven“).

    Ja, ich gebe zu, daß ich in den letzten Jahren eine gewisse Abneigung gegen die Person Mohamed entwickelt habe. Deswegen habe ich noch lange kein Problem mit der kopftuchtragenden Apothekerin oder dem arabischsprechenden Elektronikhändler.

  37. @Borg

    Und schauen Sie mal, was dann am 31.07.2003 veröffentlicht wurde:

    „Stellungnahme des Staats- und Innenministeriums zu einem Bericht zu Islam-Experten

    Als „abwegig und an den Haaren herbeigezogen“ weisen das Staatsministerium und das Innenministerium die Veröffentlichung einer Tageszeitung zur Beschäftigung des Islam-Experten Michael Blume im Staatsministerium zurück. Der Verfasser werfe sogar spekulativ Behauptungen in Frageform auf, für die er jeglichen Beleg schuldig bleibe und erwecke so den falschen Eindruck, als würden seitens des Landes islamistische Bestrebungen toleriert.

    Das vom Verfasser vielfach ins Feld geführte Landesamt für Verfassungsschutz habe zu keinem Zeitpunkt Bedenken gegen die Verfassungstreue von Herrn Blume selbst geltend gemacht: “Weder er noch die von ihm mitinitiierte und -gegründete Christlich-Islamische Gesellschaft – so das Landesamt für Verfassungsschutz – waren und sind Beobachtungsobjekte.“

    Aufgabenbedingt könne es naturgemäß unterschiedliche Einschätzungen zu Chancen und Risiken des interreligiösen Dialogs im muslimischen Umfeld geben. Während Herr Blume den Auftrag habe, Politikberatung zu betreiben, sei es Auftrag des Landesamtes für Verfassungsschutz, verfassungsfeindliche Bestrebungen öffentlich aufzudecken und die Bekämpfung von Gefahren zu ermöglichen. Der interreligiöse Dialog müsse ein kritischer Dialog sein. Einerseits sei es zwingende Aufgabe der Politik, durch den interkulturellen und interreligiösen Dialog die Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Daueraufenthaltsrecht in Deutschland zu befördern. Gleichzeitig müsse die Politik aber auch mit Nachdruck darauf achten, dass verfassungsfeindliche Bestrebungen frühzeitig erkannt und unterbunden würden.“

    Auf diesen Freispruch 1. Klasse war und bin ich ebenso stolz wie darauf, in besagtem Jahr 2003 als doch noch recht junger Mann Zivilcourage gezeigt zu haben. Danke, dass Sie mich heute Abend nochmal daran erinnert haben! 🙂

  38. @Störk

    Wenn Sie in Ihrem letzten Kommentar einfach „Islam“ durch „Judentum“ und „Mohammed“ durch „Moses“ ersetzen, ergibt sich vielleicht eine neue Perspektive. So neu sind diese Argumentationsfiguren nicht – alles schon mal dagewesen. Und andere fanden – gerade auch in Deutschland – dagegen diese beiden Kriegsführer ganz toll und verurteilten z.B. die vermeintliche „Sklavenmoral“ von Jesus. Einheitliche Bewertungen von zentralen Personen der Weltgeschichte sind m.E. ohnehin nicht zu erwarten.

    Letztlich halte ich es schon für ausreichend, wenn und soweit es Ihnen gelingt, Ihre Abneigung gegen einzelne Menschen (und seien es Mohammed, Moses, Jesus, Buddha o.a.) nicht auf alle Menschen der entsprechenden Religionszugehörigkeit zu übertragen – wie Sie ja auch schreiben. Erst mit dieser Verallgemeinerung wäre es GMF. Und Hass zwischen Menschen gibt es leider schon immer genug – Respekt und Verständnis sind anstrengender, aber ohne sie geht es (m.E.) eben nicht.

  39. Gewissen der Nation versus Macht

    Man kann es ja auch so sehen: Moralische Überlegenheit ist die Waffe derjenigen, deren Macht begrenzt ist und die diesen Zustand als unbefriedigend erleben.
    Die Frage ist letztlich, ob es wirklich um eine vorurteilsfreie, nicht rassistische/sexistische Haltung geht (über die sich der einzelne letztendlich Rechenschaft ablegen muss) oder um Kompensation der vermeintlichen oder realen ‚Machtlosigkeit‘ in Form des ‚Gewissens der Nation‘.
    Würde letzteres zutreffen, wäre es besser sich die eigenen Machtwünsche einzugestehen und zu versuchen diese zu verwirklichen, als sich hinter einer vermeintlich so guten Moralität zu verstecken.

  40. @Detlef Piepke „Pseudo“

    Lieber Herr Piepke,

    auf Ihren Kommentar wollte ich noch eingehen: Die Entlarvung der GMF-„Argumente“ als pseudo-Legitimationen bezieht sich vor allem auf die Willkür, mit der rassistische, politische, kulturalistische etc. Aspekte geworfen werden. GMF baut eben gerade nicht auf einer differenzierten Betrachtung von Wirklichkeit auf, sondern sucht sich nur noch selbst zu bestätigen. Durch den schnellen Übergang in Verschwörungstheorien werden diese kruden Mischungen dann auch gegen Widerspruch gewappnet.

  41. @Blume … Pseudo

    Nun hatte ich meinen kleinen Kommentar als sachlich fundiert angesehen und keinen interessiert´s, weil die üblichen Verdächtigen ohnehin nur ihren Kleinkrieg ausfechten wollen.
    Nun kommt doch eine Reaktion, aber keine befriedigende.
    Sie wissen ja selber, dass z.B. Luther ein glühender Antisemit war und das Gegenteil eines Pseudo-Religiösen. Sein Antisemitismus war religiös und keinesfalls pseudo-religiös begründet. Auch Kultur und Politik hat immer gerne in der feindlichen Abgrenzung zu anderen Gruppen funktioniert, von „pseudo“ keine Spur! Psudo-biologische (oder auch physikalische) Begründungen gab es natürlich massenweise und nur da ist das „Pseudo“ gerechtfertigt.

  42. @Detlef Piepke

    Niemand behauptet, dass Luther ein „Pseudo-Religiöser“ gewesen sei. Aber heutige Theologinnen und Theologen verweisen doch darauf, dass seine antisemitischen Argumentationen theologisch fragwürdig bis unhaltbar seien.

    Ihr Argument kommt bei mir an: Nur wo eine direkte empirische Überprüfbarkeit der Thesen bestünde, könne man zwischen pseudo- und echten Argumenten unterscheiden. Mir geht es dagegen darum, zu zeigen, dass sich GMF durch wild zusammengestoppelte Argumente aus verschiedensten Bereichen zu legitimieren versucht – bei näherer Betrachtung bei fragwürdiger bis nichtexistenter Geltung. Und dies gilt auch für den späten Luther, der von den ev. Kirchen zu Recht nicht als unfehlbar ausgegeben wird!

  43. Kooperation

    Warum werden zwischen verschiedenen Gruppen die Möglichkeiten einer für beide Seiten bereichernden Kooperation nicht aktiv gesucht, erkannt, ergriffen? Warum nimmt man auf der eigenen Seite (teils hohe) Kosten und Risiken „im Kampf“ gegen andere Gruppen in Kauf, ohne greifbaren Gewinn? Warum verzetteln sich Menschen so gerne in die Fallstricke von Ressentiment, Feindseligkeit, Konkurrenz, usw., obwohl diese erkennbar zu gar nichts führen?

    Wie können die erforderlichen Fairness-Bedingungen für Kooperationen regeneriert oder neu geschaffen werden? Anders gefragt: Wie wächst Vertrauen in die Kooperationsbereitschaft meines Gegenüber und den gegenseitigen, fair verteilten Nutzen einer Kooperation?

    Wie sähe das konkret bei „dem Islam“ aus?

    Vielleicht wäre ein „spieltheoretischer“ Rahmen besser zur Beschreibung der tief eingefleischten Verhaltensweisen im Umgang mit der eigenen Angst angemessener.

  44. @Hoppe: Exklusive Gruppen

    Der Islam ist ein Beispiel für eine Gruppe, die andere hineinlässt, falls sie sich bekehren, die aber niemanden lebend herauslässt, denn für Abtrünnige gilt die Todesstrafe.
    Da dies schon vom Religionsgründer bestimmt wurde und die heutige Reislamisierung zu einer wörtlichen Auslegung des Korans und der Hadithe (verbürgte Äusserungen des Propheten) tendiert (dementsprechen werden Salafismus und Wahabitismus als wahrhaftigste Strömungen betrachtet) gibt es zwischen Anders- und Ungläubigen (im Islam ohnehin das Gleiche) und Muslims kaum Kooperationsmöglichkeiten die über den Austausch von Handelsgütern hinausgehen.

    Viele Gruppen, die ein Exklusivwissen oder -schicksal unter ihren Gruppenmitgliedern teilen, kennen hohe Eintrittsschwellen – es ist nicht leicht dazuzugehören. Religionen, die Apostasie als Verbrechen betrachten wie der Islam das tut, haben dagegen hohe Austrittsschwellen. Es gibt eigentlich für Gläubige ebenso wie für Abtrünnige nur einen Austritt: den Tod.

  45. @Martin Holzherr

    Ihr Kommentar ist sachlich falsch (es gab und gibt islamische Strömungen, für die Religionsfreiheit auch den Glaubenswechsel einschließt), unhistorisch (die Todesstrafe für Abfall vom Glauben findet sich auch in der Bibel) und in der Summe schlichtweg islamophob. Wenn Sie z.B. schreiben, es gäbe „zwischen Anders- und Ungläubigen (im Islam ohnehin das Gleiche) und Muslims kaum Kooperationsmöglichkeiten die über den Austausch von Handelsgütern hinausgehen.“ dann kommt mir als Ehemann einer muslimischen Frau schlicht das Kotzen! Schämen Sie sich eigentlich überhaupt nicht für die auch noch faktisch unwahre Hetze, die Sie hier verbreiten?

    Ich lasse Ihren üblen Kommentar hier einfach stehen, damit sich Leserinnen und Leser ein weiteres Beispiel für GMF konkret anschauen können. Und interessant auch: Obwohl der obige Blogpost ganz allgemein GMF thematisiert (z.B. auch den Antisemitismus, Sexismus etc.) stürzen sich hier einige gleich wieder (nur) auf die Muslime.

    Insofern ist das hier schon eine beklemmend-realistische Bestandsaufnahme aktueller Zustände…

  46. @ Michael Blume:Apostasie als Sündenfall

    In der Praxis wurden der Koran und die Hadithe zu verschiedenen Zeiten verschieden und verschieden streng ausgelegt.
    Doch, wie ich geschrieben habe, geht die jetztige Reislamisierung Richtung wörtliche Auslegung und Hardcore-Islam.
    Und in dieser „wahren“ Version des Islams ist Glaubensabfall eine Todsünde und kann oder muss mit dem Tod bestraft werden.

    Interessant finde ich ihre Reaktion, eine neutrale Beschreibung eines Sachverhalts als Islamophobie zu beurteilen. Das heisst doch, dass sie einen Islam nicht akzeptieren können, der die Tötung von Abtrünnigen erlaubt oder sogar befiehlt. Doch diesen Islam gibt es. Tatsächlich kann man das aber vor dem Hintergrund der Menschenrechte nicht rechtfertigen. Es gibt Dinge, die im Rahmen des Islams gelehrt und geglaubt werden, die sich kaum mit den Menschenrechten vertragen.
    Trotzdem kann man sich mit dem Islam arrangieren. Er ist kein Problem für uns, wenn seine Glaubenssätze für uns nicht gelten und Menschen hier vor den letzten Konsequenzen einer stregen Koranauslegung geschützt werden.

  47. @Michael Blume: Orden sammeln

    Das ist wirklich einer der besten Einträge, den ich seit langem hier gelesen habe, und wohl der beste zu diesem überhaupt, an den ich mich erinnern kann. Das war eine echte Freude, das am Sonntag zu lesen!

    @Michael Blume: Wenn es nicht zuviel Zeit kosten würde, könntest Du Dir als neues Hobby „Beleidigungen sammeln“ zulegen. Der Trick: Immer zu jedem Vorwurf auch den Vorwurf des Gegenteils heraussuchen und diese gemeinsam wie Orden aufheben. Beispiel: „Zu lasche“ Diskussionskultur vs. „zu harte“ Moderation. Wenn man diese Vorwürfe nebeneinander hält, hat man wenigstens noch ein wenig Spaß daran und es beruhigt.

  48. Frohe Ostern!

    Die Unterscheidung in Gläubige und Ungläubige ist ein gutes Beispiel für GMF.

    Ein liberaler und aufgeklärter Islam, der die Kraft und den Mut hat sich gegen religiös-reaktionären Kräfte zu wehren, wird seinen Platz in Europa finden. Hasspredigten und Aufwiegelung gegen anders oder ‚Ungläubige‘ dürfen in islamischen Gemeinden ebensowenig akzeptiert werden wie Rechtsextremismus nebst Aussländerfeindlichkeit in christlichen.

    @Blume
    wenn man gelegentlich ihren Blog verfolgt kann man die sich Ihre stereoype Reaktion auf provokante oder auch nur kritische Kommentare jeweils dazudenken.
    Erkenntnisgwinn ist dann stets: Blumes Welt besteht immer noch aus Rassisten bzw Islmophobisten und Guten. Die Guten sind per Definition diejenigen, welche Blumes Weltsicht weitgehend teilen.
    Dass Sie und Ihresgleichen der m.E. liberalen Mehrheit der Menschen moslemischen Glaubens in Deutschland einen damit Bärendiest erweisen liegt ohnehin jenseits Ihres Horizonts.
    Aber Claqueure mit ebenso schlichtem Weltbild sind Ihnen natürlich sicher.

  49. Kollision von Gruppe + Person

    Viele Gruppen definieren sich über Ausgrenzung was regelmässig zu Konflikten führt, wenn sich Menschen „inkompatibler“ Gruppen zusammenfinden.
    So waren gemischtrassige Partnerschaften unter dem Apartheitsregime verboten. Und eine Ehe zwischen Muslimen und Andersgläubigen kann für beide Seiten sehr gefährlich werden.
    Solche Konflikte sind auch regelmässig Themen in der Literatur und dem Theater, man denke an Romeo und Julia.
    Die „Lektion“ der Reflektion in den Künsten ist dann meist, dass die Liebe stärker ist als die geschriebenen oder ungeschriebenen Verbote, die durch die Gruppenzugehörigkeit bestehen.

    Heute gibt es vielleicht das wirklich neue Phänomen des Weltbürgers der sich aus der engen Abhängigkeit von einer einzelnen bestimmenden Gruppe gelöst hat. Ein Weltbürger definiert sich wohl per definitionem weder als Muslim noch als Christ, sondern er ist Werten verpflichtet, von denen er glaubt, dass sie für alle Menschen gelten. Das sind zwar nur wenige Werte und einige Rechte. Aber der wirklich überzeugte Weltbürger glaubt auch, dass es gar nicht mehr braucht. Es braucht nicht mehr Abhängigkeit, sondern weniger.

  50. Ab jetzt wird gelöscht

    Lieber Herr Holzherr,

    Ihre neuen Einlassungen über vermeintlich „inkompatible“ Menschengruppen zeigen sehr deutlich, wer hier ausschließt. Sie warnen vor ethnisch oder religiös gemischten Ehen – ohne zu reflektieren, dass es alleine in Deutschland zehntausende davon gibt.

    Auch Ihrer Annahme, „Ein Weltbürger definiert sich wohl per definitionem weder als Muslim noch als Christ…“ kann ich nichts mehr hinzufügen, denn sie besagt sehr eindeutig: Da ich als Christ eine Muslimin geheiratet habe, bin ich für Sie kein echter Christ mehr.

    Ekelhaft.

    Nun ja, ich denke, jeder und jede konnte sich hier jetzt über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit kundig machen – und einige Beispiele dafür lesen. Aber jetzt ist es auch genug: Von nun an werde ich strikt alle beleidigenden und menschenverachtenden Kommentare auf Natur des Glaubens löschen. Es reicht jetzt wirklich.

  51. @Blume, @Holzherr

    Was geht denn hier ab? Ist das noch SciLogs??

    Ich hatte den letzten Kommentar von @Holzherr völlig anders verstanden, Michael. Ich hatte verstanden, dass er **sämtliche** Gruppenzugehörigkeiten zugunsten des reinen Menschseins relativiert (nicht nihiliert) sehen möchte, das uns alle AUSNAHMSLOS verbindet.

    Ich vermute, er beglückwunscht Dich dazu, dass Du eine Frau geheiratet hast, die Du liebst und sie Dich. Muslima, Christ – das ist zweitrangig. Aber *** aus Sicht der jeweiligen Religionsgemeinschaften *** ist das möglicherweise ein Problem. Und hier hakt @Holzherr ein.

    Auf jeden Fall ist die Entwicklung der Kommentare zu Deinem Blog ein Exempel für die Entstehung von Missverständnissen und am Ende Gewalt, fürchte ich. Hier werden fundamentale Regeln eines fruchtbaren, sachlichen Dialogs mit Füßen getreten – ganz zu schweigen von dem Anspruch, dass es auf den SciLogs um Wissenschaft gehen sollte.

    Ich würde das an Deiner Stelle hier abbrechen, schätze ich …

  52. @Michael Blume und @Martin Holzherr

    Michael, wenn Du alle Kommentare löscht, die eine andere Meinung vertreten, dann kann man sie doch gar nicht mehr wiederlegen. 🙁 Dabei juckte es mich gerade bei dem Kommentar von @Martin Holzherr in den Fingern dies zu tun. Ich hatte meine Gegenrede schon fertig, als ich Deinem Kommentar las. Deshalb werde ich sie noch abschicken.

    „Und eine Ehe zwischen Muslimen und Andersgläubigen kann für beide Seiten sehr gefährlich werden.“

    Das kommt sehr darauf an, wo das Ehepaar lebt. In Europa dürfte das sicher kein Problem sein. Sieht man mal von Ländern wie Saudi-Arabien etc. ab, in denen eine gemischte Ehe sowieso nicht erlaubt ist, dann ist doch jeder Bürger in erster Linie den weltlichen Gesetzen seines Staates verpflichtet.

    „Solche Konflikte sind auch regelmässig Themen in der Literatur und dem Theater, man denke an Romeo und Julia.“

    Dieser Vergleich hinkt, denn William Shakespeare veröffentlichte seine Tragödie im Jahre 1597. Seitdem sind einige Jährchen vergangen. Und da sie in Italien spielt vermute ich einfach mal, dass die beiden verfeindeten Familien katholisch waren.

    „Heute gibt es vielleicht das wirklich neue Phänomen des Weltbürgers der sich aus der engen Abhängigkeit von einer einzelnen bestimmenden Gruppe gelöst hat. Ein Weltbürger definiert sich wohl per definitionem weder als Muslim noch als Christ, sondern er ist Werten verpflichtet, von denen er glaubt, dass sie für alle Menschen gelten.“

    Weltbürger gab es auch früher schon, ja es gab sogar mal eine Weltbürgerbewegung, der Personen verschiedenen Glaubens und auch Atheisten angehörten. Anscheinend gelingt es bestimmten Menschen immer wieder mal miteinander zu kooperieren.
    Jules Lemaitre sagte einmal: „Toleranz ist die Nächstenliebe der Intelligenz.“

  53. @Christian Hoppe & @Mona

    Ja, ich befürchte auch, dass sich einige hier nur immer weiter aufschaukeln würden. Und mir reicht es mit dem Hass. (Und wenn @Holzherr sich tatsächlich über Liebe auch zwischen Christen und Muslimen freuen würde, warum schreibt er dies denn nicht einfach, @Christian, sondern warnt davor, solches sei „gefährlich“?) Nein, wer bis hierher noch nicht nachgedacht hat, den werde ich auch nicht mehr erreichen.

    Gerade hat auf Twitter der erste Fox News-Kommentator zum Mord an allen Muslimen aufgerufen: “Let’s kill them all!“ http://www.globalpost.com/…ton-marathon-bombings

  54. @Michael Blume

    „Gerade hat auf Twitter der erste Fox News-Kommentator zum Mord an allen Muslimen aufgerufen“

    Ich finde es schon sehr befremdlich, dass der „erste Fox News-Kommentator“ den geifernden Mob da auch noch anfeuert. Aber das gemeine Volk ist häufig wankelmütig. Wäre es nicht gerade in so einer Situation wichtig, dass sich einige besonnene Menschen finden, die da etwas gegensteuern?

  55. @Mona

    Genau das scheint mir das Problem zu sein. Viele Menschen finden es an- und aufregend, mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (mit Hass) zu spielen – doch dann geht die Kontrolle schnell verloren. Millionen Tote haben uns Menschen nicht schlauer gemacht.

    Und wenn wir besonnene Stimmen erhoffen, so müssen wir selbst den Mut haben, diese zu sein. Auch wenn uns das bisweilen seitenweise Beschimpfungen einträgt…

  56. @Blume

    Da hat sich etwas sehr Grundlegendes verhakt, das sich immer wieder in Diskussionen mit ähnlichem Inhalt verhakt:
    Wo verläuft die Grenze zwischen berechtigter Kritik und Rassimus oder GMF?
    Es gibt Gruppen oder Zusammenhänge, die werden ganz selbstverständlich als kritikberechtigt angesehen, auch wenn diese Kritik pauschalierend ist: Politiker, die Pharmaindustrie, die Medien, die… Das ist noch nicht mal ein Weltuntergang, wer sich in bestimmte Bereiche begibt muss wissen , was da auf ihn zukommt und hart im Nehmen sein. Ein Josef Ackermann geht sicher nicht zum Therapeuten, wenn Occupy (vielleicht hasserfüllt) ihn als was auch immer tituliert. Aber darum geht es letztlich ja nicht, sondern um Gruppen, die als weniger wehrhaft gesehen werden, die den Schutz der Gemeinschaft (vermeintlich) benötigen, weil die pauschalierenden und ungerechtfertigten Zuschreibungen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe sie härter treffen, man davon ausgeht, dass sie sich weniger schützen können. Um ein ’neutraleres‘ Beispiel zu nehmen: Brüderle, Sexismus. Ist eine Journalstin hier Opfer, oder kann sie souverän damit umgehen, wenn so eine platte Anmache kommt, womit muss ich in dem Job umgehen können?
    Wo ist eine Äußerung nur kritisch und durch die Meinungsfreiheit abgedeckt, oder wo beginnt wirklich der Hass?
    Wo darf man auf problematisches Verhalten hinweisen, sachlich korrekt, ab wann ist es Diskriminierung?
    Keine Frage, Hass auf einzelne Gruppe ist abzulehnen, gleich wo er herkommt.
    das betrifft eben genannte Aufrufe genauso wie Mordaufrufe gegen Karikaturisten. In all diesen Diskussionen gibt es immer wieder Grauzonen, die nicht eindeutig zu klären sind. Statt andere der Nähe zum Nazisein zu bezichtigen sollte man vielleicht versuchen einen Konsens her zustellen, was in der Tat nicht sein sollte und einen Umgang finden mit auch manchmal harscher Kritik.

  57. @Clemens

    Ja, da bin ich sehr bei Ihnen. Die o.g. Autoren gehen sogar so weit, dass sie GMF nur dann als solche gelten lassen wollen, wenn sie sich gegen „schwache“ Gruppen richtet. Aber die evolutionären Gruppendynamiken sind ja die gleichen, auch wenn gegen „die Politiker“, „die Wissenschaftler“, „die Bullen“ (Polizisten), „die Bankster“ usw. Stimmung gemacht wird – nur können diese sich besser wehren und haben weniger Eskalationen zu befürchten (wobei auch das nicht immer stimmt, man denke an die RAF-Terrorangriffe auf Politiker & „Bosse“, den Terror von Maos Garden und der Roten Khmer gegen „Intellektuelle“ usw.). Ein trauriges Beispiel aus vielen Kulturen (auch heute noch) sind ja Hexenverfolgungen, die sich vor allem, aber nicht nur gegen sozial Schwächere richten. Oder man denke nur an sozialpsychologische Experimente wie „Die Welle“!

    Letztlich brauchen wir daher wohl auch immer Selbstreflektion und notfalls halt auch Leute, die gegen GMFen mutig aufstehen.

    Wo ist eine Äußerung nur kritisch und durch die Meinungsfreiheit abgedeckt, oder wo beginnt wirklich der Hass?
    Wo darf man auf problematisches Verhalten hinweisen, sachlich korrekt, ab wann ist es Diskriminierung?

    M.E. lässt sich die Unterscheidung bei der Verallgemeinerung treffen: Wenn z.B. ein Roma straffällig geworden ist, ist das selbstverständlich zu ahnden – aber es erlaubt keine Pauschalurteile über „die Zigeuner“. Wenn eine orthodoxe Jüdin Männern nicht die Hand geben möchte, kann man darüber verschiedener Meinung sein, sollte aber keine Vorurteile über „die Juden“ verbreiten. Wenn eine islamische Gruppe einen Terrorakt verübt, heisst das nicht, dass „die Muslime“ gewalttätig seien und dass Deutsche unfassbare NS-Verbrechen begangen haben, macht uns nicht alle zu „Tätern“. Also: In der jeweiligen Unterscheidung individuellen Verhaltens und kollektiver Zuschreibung liegt m.E. der Knackpunkt – zu schnell schließen wir vom einen auf das andere. Und so reichte es ja auch @Webbär in der obigen Diskussion gerade nicht, bestimmte Muslime zu kritisieren – er wollte „den Islam“ als „System“ abgewertet wissen.

    Keine Frage, Hass auf einzelne Gruppe ist abzulehnen, gleich wo er herkommt.
    das betrifft eben genannte Aufrufe genauso wie Mordaufrufe gegen Karikaturisten. In all diesen Diskussionen gibt es immer wieder Grauzonen, die nicht eindeutig zu klären sind. Statt andere der Nähe zum Nazisein zu bezichtigen sollte man vielleicht versuchen einen Konsens her zustellen, was in der Tat nicht sein sollte und einen Umgang finden mit auch manchmal harscher Kritik.

    Ja, das sehe ich grundsätzlich auch so. Allerdings wundere ich mich eben auch immer wieder darüber, dass einige gerne „harsche Kritik“ austeilen, aber nicht einstecken. Da werden flink mal Pauschalaussagen über „die Muslime“, „die Frauen“ (o.ä.) verbreitet – aber bei Widerspruch ist man beleidigt, fühlt sich verfolgt o.ä.

    M.E. ist auch hierbei größtenteils unbewusste Schichtung beteiligt: Viele finden es normal, auf vermeintlich schwächeren Gruppen herumzukritteln, aber Widerspruch wird dagegen als kränkende „political correctness“ empfunden, nach dem Motto: Ich darf ganze Völker und Religionen harsch beurteilen, aber niemand darf mich deswegen umgekehrt z.B. als intolerant oder rassistisch bezeichnen. Mancher „Kritiker“ will halt auf keinen Fall selbst kritisiert werden – was ja erst das „Aushandeln“ der Grauzonen ermöglichen würde.

  58. nationalismus als voraussetzung

    nationalismus,..die berechnende parteilichkeut für den staat in dem man genötigt ist mitzutun,qua gesetzesgewalt und vorgefundener eingerichteter ökonomie,,..das mitmachen müssen um über die runden zu kommen führt zu einer parteilichkeit zu der gewalt die alles erhält und garantiert,..man will sich darin bewähren,..anständig sein,..,…folglich weiß auch kaum jemand wer der böse nachbar ist,..wenn nicht die politische gewalt diese ziele vorgibt und nach weltlage auch mal korrigiert,…manche parteinahme für die eigene herrschaft von der man und frau sich was für sich verspricht,..geht mit den wechselhaften feindschaften im internationalen wettbewerb der nationen nicht ganz konform und verlegt sich auf ältere feindschaftsbilder und nationale ideale,…das sind dann die ewiggestrigen nationalisten und faschisten im unterschied zu den aufgeweckten modernen patrioten die alle wechsel im feindbild mitmachen,..

  59. passt vielleicht auch zum Thema

    „Türkischer Starpianist: Fazil Say wegen Blasphemie verurteilt (Spiegel online, 15.04.2012)

    Auf Twitter hatte der Künstler auch mit Blick auf die Koran-Beschreibung des Paradieses als Ort, an dem Bäche von Wein fließen, die Frage gestellt: „Ist das Paradies denn eine Kneipe für euch? Ihr sagt, auf jeden Gläubigen warten zwei Jungfrauen – ist das Paradies denn ein Bordell?““

  60. Kam gerade rein…

    Eine Studie sowohl mit spieltheoretischer Simulation wie empirischem Datenabgleich kam zu dem Ergebnis, dass sich in großen Schulen weniger interkulturelle Freundschaften bilden, da sich die jungen Leute leichter (und sicher oft unbewusst) in eigene Milieus zurückziehen konnten.
    http://www.sciencenews.org/…eup_of_friend_groups

  61. Kollateral

    „M.E. lässt sich die Unterscheidung bei der Verallgemeinerung treffen: …“

    So so, dann sind sie also auch der Meinung der Krieg gegen den „Terror“ in Afghanistan, dem Irak, bzw. ein Präventivschlag gegen das Volk Nordkoreas ist als unberechtigte GMF zu bewerten, oder muß das noch ausdiskutiert werden, welchen Grund für die Verallgemeinerung / den Tanz um den heißen Brei / das goldene Kalb man hier anwenden kann?!

    In der Verallgemeinerung steckt immer ein Funken Wahrheit, allerdings ist dieser Funken immer kontraproduktiv und destruktiv zum und für das System, was m.E. ein deutliches Zeichen ist, für z.B. die systematische Symptomatik im geistigen Stillstand und die Kontrolle der „Vernunft“:

    „Die Zensur is‘ die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition.“ Johann Nepomuk Nestroy

  62. @ Blume kam eben rein

    man kann daraus auch schließen, dass je größer und unübersichtlicher eine Gruppe wird, desto mehr entsteht das Bedürfnis sich Untergruppen zuzuordnen. Außerdem scheint es ja so zu sein, dass in der Fremde kulturellen Regeln manchmal stärker gefolgt wird als dies im Heimatland der Fall wäre, vielleicht um sich nicht zu verlieren. Das ist aber dann eine Frage der Identitätsbildung – und dies ist der eigentliche Hintergrund, letztlich auch eine mögliche Ursache hinter dem ‚GMF-Syndrom‘, gleich in welche Richtung sich das zielt.
    Es ist, könnte man so sagen, eine nicht gelungene Identitätsbildung, das gilt im Übrigen auch für alle Fundamentalismen, seien sie religiös und weltanschaulich. Fundamentalismus wiederum verunsichert auch sehr stark – die anderen – weil er aus dem Dialog austritt, nicht mehr verhandelbar ist. Ressentiments gegenüber dem Islam kommen möglicherweise teilweise auch aus dem erstarkenden Fundamentalismus.

  63. Mama lernt Deutsch @Michael Blume

    „…dass sich in großen Schulen weniger interkulturelle Freundschaften bilden, da sich die jungen Leute leichter (und sicher oft unbewusst) in eigene Milieus zurückziehen konnten.“

    Häufig hängt das auch damit zusammen, dass sie als Kinder nicht so gut Deutsch gelernt haben und sie sich deshalb in ihren eigenen Milieus wohler fühlen. Wichtig ist deshalb, dass ausländische Kinder so früh wie möglich Deutsch lernen. In einigen Bundesländern gibt es deshalb die Initiative „Mama lernt Deutsch“, die es ausländischen Frauen ermöglicht die Sprache selbst zu lernen um sie dann an ihre Kinder weiterzugeben.

  64. @Horst

    Ja, Horst – selbstverständlich und leider auch in Kriegen werden GMFen aktiv. Also kommt es genau auch dann auf den Verzicht von Verallgemeinerungen an und es bildet(e) sich langsam ein Kriegsrecht heraus, das beispielsweise Plünderungen und Massaker an der Zivilbevölkerung, Erschießungen von wehrlosen Gefangenen, den Einsatz von ABC-Waffen etc. einschränken soll. Dass und warum dies nicht immer gelingt, ist eines der Themen dieses Blogposts.

    Und zu Ihrem „Zensur“-Satz: Sie sind hier auf meinem Blog zu Gast und ich bin ein durchaus geduldiger Gastgeber. Aber es gelten hier eben auch meine Regeln, ebenso, wie Bewegungsfreiheit nicht bedeutet, dass jeder in Ihr Wohnzimmer stiefeln darf. Solange Sie also einfach ein paar Benimmregeln in Ihrem Individual- oder Kollektivbewußtsein präsent halten, bleiben Ihre Kommentare auch online. Wenn nicht, dann nicht.

  65. @Clemens & @Mona

    Exakt, @Clemens – auch die moderne Fundamentalismus- und Extremismusforschung verweist sehr stark auf das Scheitern von Identitätserzählungen als Hintergrund für Radikalisierungen: Hoch verbindliche Gruppen bieten (vermeintlich) eindeutige Identität, Zugehörigkeit und Anerkennung. Im Idealfall stabilisiert dies die Lebensführung, bis die Person selber oder deren Nachkommen schließlich doch wieder mehr Liberalität wagen können. Es kann aber auch in den Radikalismus und schließlich gewaltbereiten Extremismus abgleiten.

    Und, ja, GMF-Prozesse schaukeln sich hoch: Erleben wir „andere“ als Angreifende, so schließen auch „wir“ uns instinktiv und schutzsuchend enger in unsere Gruppen zusammen. Normalerweise wird dabei jede Seite die andere als Aggressoren auffassen: Islamische Extremisten verweisen auf westliche Kriegszüge und Armeen in zahlreichen islamischen Ländern, westliche auf den islamistischen Terrorismus als „Beweis“, dass je die anderen aggressiv seien. GMFen schaukeln sich gegenseitig hoch – man denke z.B. auch an weißen und schwarzen Rassismus (Ku Klux Clan, Black Panthers etc.) in den USA des letzten Jahrhunderts.

    @Mona
    In der Tat ist der Abbau von Sprachbarrieren bei Familien und Kindern ganz entscheidend dafür, dass Integration und Dialog gelingen können. Interessanterweise hat auch der konfessionelle Religionsunterricht eine gute Wirkung: Die Familien und Kindern werden in ihrer jeweiligen (z.B. islamischen, jüdischen, katholischen usw.) Identität „abgeholt“, lernen die religiösen Themen in deutscher Sprache zu behandeln und differenziert (d.h. nicht-extrem) auch im schulischen Kontext zu behandeln. Radikalisierungsprävention at its best (wenn auch, ironischerweise, wohl eher mit säkularisierender Wirkung). Inzwischen bewegen sich daher auch lange skeptische Länder wie Hessen und Bayern in der Frage des islamischen Religionsunterrichtes.

  66. Islamunterricht @Michael Blume

    „Inzwischen bewegen sich daher auch lange skeptische Länder wie Hessen und Bayern in der Frage des islamischen Religionsunterrichtes.“

    Meines Erachtens liegt das nicht so sehr an den „skeptischen Ländern“, als vielmehr daran, dass es bei den Vertretern des Islam keinen einheitlichen Repräsentanten gibt und man sich allein auf die vier großen Dachverbände verlässt, die da natürlich eigene Interessen verfolgen. Siehe dazu auch diesen Artikel in der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/…gspruefung-1.1566496

  67. @all: Martin Luther King jr. zu Gruppen

    Gerade zufällig gefunden, ein Zitat von Martin Luther King:

    „Es ist nun einmal eine betrübliche, aus der Geschichte sich ergebende Wahrheit, dass privilegierte Gruppen nur höchst selten ihre Vorrechte freiwillig aufgeben. Einzelne Menschen mögen, vom Licht der Moral geleitet, zur Erkenntnis finden und freiwillig Positionen aufgeben, die sie zu Unrecht einnehmen, aber – wie Reinhold Niebuhr uns erinnerte – Gruppen sind weit weniger als einzelne geeignet, moralisch zu handeln.“
    – Martin Luther King jr., „Warum wir nicht warten können“, Econ Verlag 1964, S. 104

  68. @Mona

    Schon aus der Tatsache, dass Hessen und Bayern zur Verwirklichung des Anliegens ganz (auch rechtlich) unterschiedliche Wege beschreiten, lässt sich erkennen – da können und müssen sich jeweils beide Seite bewegen. Weder die Länder noch die islamischen Verbände können das Thema alleine lösen. Und ich wollte einfach anerkennen, dass es (auch) in diesen beiden Ländern inzwischen vorangeht.

  69. Die Identitären

    Zur Debatte passt vielleicht ein Hinweis auf folgende neue Bewegung, von der ich erst kürzlich hörte (habe mich nicht damit beschäftigt, fiel mir aber jetzt bei dieser Debatte hier wieder ein):

    http://identitaere-bewegung.de/

    Weiß jemand mehr darüber?

  70. Unsinn

    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist schlicht und einfach Unsinn. Und nicht nur das; es handelt sich um einen bösartigen Kampfbegriff in der politischen Auseinandersetzung. Will man Frauen, die sich für Freiheit und Gleichberechtigung einsetzen und ein äußerst kritisches Verhältnis zum Islam zeigen, etwa Femen oder freeminds, denn mit dieser Floskel beschreiben? Sind die Kirchengegner der Giordano-Bruno-Stiftung gegenüber ihren katholischen Mitmenschen rassistische Feinde? Wissenschaftlich ist dieser Begriff absolut untauglich, da man hier unerschöpfliche Möglichkeiten hat, der Erklärungsgehalt sinkt auf null. Das ist nichts anderes als politische Propaganda, Demokraten sollten auf diesen Schwindel nicht hereinfallen.

  71. @pinetop

    Danke für Ihren Kommentar. Aber eine wissenschaftliche Widerlegung des GMF-Konzeptes kann ich Ihrem Kommentar nicht entnehmen. Und die empirischen Überschneidungen von verschiedenen GMF-Syndromen haben sich die Forscherinnen und Forscher ja nicht ausgedacht.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, finden Sie, dass man die Dynamiken „böser“ und „guter“ Gruppen nicht mit den gleichen Begrifflichkeiten beschreiben sollte. Dies erscheint mir aus evolutionärer wie aus methodischer Hinsicht fragwürdig.

    Denn selbstverständlich haben sich in der Vergangenheit auch linke Sponti-Gruppen schon bis in Gewalttaten hinein radikalisiert. Ebenso haben vermeintlich auch aufgeklärte „Kirchenkritiker“ etwa in Russland, China oder Nordkorea zu totalitären Verfolgungen und Ausschreitungen hinreißen lassen.

    Wo religiöse und weltanschauliche Gruppen zuviel Macht erhalten haben, waren die Versuchungen von GMFen nie fern. Egal welche Überzeugung wir auch vertreten sollten; wir sollten m.E. in der Lage sein, uns auch den dunklen Flecken der je „eigenen“ Geschichte und Gegenwart zu stellen und nicht annehmen, genau unsere Gruppe wäre dagegen gefeit…

  72. @Christian Hoppe

    Du hast m.E. Recht – die Identitären entwerfen sich tatsächlich als „reine“, vom Zerfall bedrohte Gruppe. So schreiben sie unter „Unser Ziel“ gleich einleitend:

    Uns Identitären geht es um den Erhalt unserer ethnokulturellen Identität, die heute durch den demographischen Kollaps, die Massenzuwanderung und die Islamisierung bedroht ist. Wir lieben unser Land und stehen zu unserer Tradition. Wir sind Patrioten. Als Patrioten können wir unser Heimat in der Stunde der Gefahr nicht im Stich lassen. Jeden Identitären drängt es zur Tat.

    Interessant ist dabei, dass sie nicht reflektieren (oder zumindest nicht erwähnen), dass natürlich auch ihre „ethnokulturelle“ Identität aus Mischungen erwachsen ist: Die Deutschen entstanden als Vielstämmenation, unsere Schrift ist lateinisch, unsere Ziffern sind arabisch usw. Auch von Religion ist nur negativ („Islamisierung“) die Rede, die christliche (oder neopagane?) Religion ist wohl, wenn überhaupt, unter „Tradition“ subsumiert und erhebt keinerlei z.B. ethische Forderungen.

    Spannend ist auch, dass die Identitären selbst auf tierisches Verhalten verweisen, um ihre Abgrenzung zu anderen zu rechtfertigen:

    Ihr Ziel ist es, dem einfachen Michel klar zu machen, dass sein gesunder Patriotismus, seine Liebe zum Eigenen und seine Bedenken über die maßlose Zuwanderung nichts mit verachtenswertem Rassimus und chauvinistschem Nationalismus oder Fremdenhasss zu tun haben. Eine Kohlmeise, die ihr Revier verteidigt, ist auch nicht kohlmeisenfeindlich!

    Und letztlich soll die eigene, bedrohte Identität dann doch wieder durch ein Feindbild und Bedrohungserzählungen stabilisiert werden:

    Als drastischster Erfolg von Multikulti erleben wir heute eine grassierende Islamisierung, deren Bekämpfung unser Hauptanliegen sein muss. Wir müssen dazu den Bürgern das Wesen des Islams und seine Inkompatibilität mit unserer Kultur und unserem Staat aufzeigen. Gleichzeitig müssen wir die Fortschritte der Islamisierung, ihren Zusammenhang mit der Masseneinwanderung genau beleuchten. Eine profunde Kenntnis über demographische und einwanderungsbezogene Daten sowie Fakten zur Islamisierung sind die Voraussetzung jeder Überzeugungsarbeit. Jeder Identitäre soll und muss sich dieses Wissen aneignen. Wir wollen mittels gezielter Schocks den Leuten ein islamisches Deutschland, wie es bald Wirklichkeit sein könnte, demonstrieren. Hier bieten sich etwa Ortstafel-Überklebungen, Muezzinrufe und natürlich die Informationsarbeit mittels Flugzetteln und Aufklebern an (wobei es wichtig ist, Straftaten zu vermeiden, da sie unserem Anliegen insgesamt schaden). Die Deutschen sollen genau wissen, wann sie Minderheit im eigenen Land sein werden, wie die Islamisierung vonstattengehen wird und was sie als Geduldete in einem islamischen Land erwarten würde.

    Neben diesem Islambasher-Mainstream fällt außerdem auf, dass z.B. Frauenfragen nur höhnisch-abwertend behandelt werden – und zwar in einem Zug mit christlichen Theolog(i)en und, klar, Osmanen:

    Sie palavern über ihre lächerlichen, jenseitigen Gender- und Schulddebatten wie die Weisen von Konstantinopel über das Geschlecht von Engeln, während die Osmanen bereits die Stadtmauern stürmten. Sie haben uns nichts mehr zu sagen, sie haben nichts mehr zu schaffen, ihre hohe Zeit ist vorbei.
    http://identitaere-bewegung.de/?page_id=38

    Defensiv-deutsche GMF destilliert – und wenn sie eskalieren würde, wären natürlich andere Schuld – darunter „die Politiker“, die selbstverständlich auch ohne jede Differenzierung etwa zwischen Franz Josef Strauß und Gregor Gysi zu einer abzuwertenden Gruppe zusammengefasst werden:

    Unsere Aufklärungsarbeit soll aber nicht von Hass geprägt sein und darf niemals in einer Verhetzung oder Beleidigung des Fremden enden! Wir wollen lediglich Informationen über ablaufende Entwicklungen und über kommende Tatsachen verbreiten. Die Unruhe und Sorge, welche die Leute dabei überkommen wird, haben nicht wir, sondern die Politiker zu verantworten! Diese Dinge nicht anzusprechen, würde nur einen späteren, womöglich brutalen Ausbruch zur Folge haben!

    Danke also für den Link, @Christian – dieses Beispiel passt tatsächlich richtig gut!

  73. Unsinn II

    Lieber Herr Blume, vielen Dank für die schnelle Erwiderung. Zu einer wissenschaftlichen Widerlegung wollte ich mich gar nicht bemühen. Ich muss bekennen, dass Sie mich auch der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bezichtigen können. Ich habe eine Abneigung gegen die Gruppen der Neonazis, Vergewaltiger und Raubmörder. Es ist doch auffallend, dass hier Gruppen zusammengefasst werden, von welchen man annimmt, dass sie eines besonderen Schutzes bedürfen oder für die man Sympathien hegt. Soll dies wissenschaftlich sein, wenn man nach seinen speziellen Werturteilen diese Gruppen zusammenstellt? Es ist sogar so, dass je mehr Möglichkeiten vorhanden sind, die Aussagen immer inhaltsleerer werden. Hier nähert man sich schon stark an Leerformeln an. Die Erklärung von Leerformeln, Tautologien und Zirkelschlüssen führt in die Wissenschaftsphilosophie und hier leistet noch immer Hans Albert die beste Aufklärung.
    Dass dieser Begriff in einer sich als wissenschaftlich verstehenden Soziologie nichts verloren hat ist das eine. Das andere ist der politische Kampfbegriff. Wie leicht ist es doch, jede Kritik an als sakrosankt erklärten Gruppen zum Schweigen zu bringen, wenn man mit dieser Floskel den Vorwurf rechter Gesinnung verbinden kann.
    Als Rationalist, als Liberaler und als Atheist übe ich u. a. auch Kritik am Islam. Es gibt Zeitgenossen, die mir wegen dieser Auffassung am liebsten eine rechte Gesinnung unterstellen wollen und glauben, dies mit dem Konstrukt der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ am kräftigsten bewerkstelligen zu können. Nicht mit mir, den Hut setzen die mir nicht auf.
    Mit freundlichen Grüssen
    pinetop

  74. Herr Blume

    Ihre Argumentation funktioniert ja so:
    1.) Islamkritik ist per se unangemessen, weil es DEN Islam nicht gibt. Eine Einschätzung die auch für den Koran wie die Scharia gilt oder gelten soll.
    2.) Wer Islamkritik übt, greift immer auch die Glaubensträger an.
    3.) …und handelt aus diesem Grund im Sinne der sogenannten Islamophobie, die menschenfeindlich ist oder sein soll.
    4.) Menschenfeindlichkeit ist nicht zu dulden.

    Dem Schreiber dieser Zeilen ist unklar, wie Sie die hier vorgestellte, für den Schreiber dieser Zeilen neue Sichtweise, positiv bewerben wollen.

    Erläutern Sie aber gerne: Warum gibt es so viele „Falschversteher“ in islamischen Kreisen?

    MFG
    Dr. W (der zudem gerne auf bestimmte Verfestigungen des Islam bei den Wahhabiten und Salafisten, bei den Moslembrüdern und bei den Khomeinisten im Iran hinweist, von den kämpfenden Gruppen ganz zu schweigen – das sind keine Minoritäten, sie umschließen die heiligen Stätten des Islam und expandieren, „wollen was“)

  75. Unsinn III

    Ich erinnere mich an einen Fragebogen, mit dessen Hilfe man islamfeindliche, also rechte, Gesinnung zu identifizieren glaubt. Wer z. B. der Auffassung ist, dass der Islam keine großen kulturellen Leistungen entwickelt, ist automatisch entlarvt. Das könnte man leichten Herzens ignorieren. Dass dieser Quatsch an einer wissenschaftlichen Hochschule ausgebrütet wurde, stimmt bedenklich.

  76. @pinetop

    Danke, dieser kritisch-konstruktive Dialog macht Spaß (und Sinn)!

    Sie schreiben: Ich habe eine Abneigung gegen die Gruppen der Neonazis, Vergewaltiger und Raubmörder.

    Gegen was und wen genau richtet sich Ihre Abneigung? Einmal geht es hier um Anhänger einer bestimmten, extremistischen Weltanschauung und zweimal um Menschen, die Verbrechen begangen haben. Selbstverständlich können und sollen Sie dagegen „Abneigung“ empfinden. Die Frage ist jedoch, ob Sie daraus das Recht ableiten, diese Menschen darauf zu reduzieren, sie zu vermeintlich homogenen und nicht zu ändernden „Gruppen“ zusammen zu fassen und ihnen deswegen Menschenrechte abzusprechen, Selbstjustiz zu üben etc. Dann wird es durchaus zur GMF – man denke z.B. an den Umgang von (nach ihrem Selbstverständnis) atheistisch-aufgeklärten Stalinisten mit „Konterrevolutionären“. Und ich darf daran erinnern, wie sich erst neulich auch in unserem Land Facebook-Meuten zu Mordaufrufen an einem (dann sogar unschuldigen) Tatverdächtigen hochpuschten! Und diese Leute waren nicht weniger überzeugt davon, auf der Seite „der Guten“ zu stehen, wie Sie es auch sind. Erfreulicherweise überwogen aber jene, die auch Tatverdächtigen und sogar Tätern die Menschenrechte nicht absprechen wollten.

    Wer z. B. der Auffassung ist, dass der Islam keine großen kulturellen Leistungen entwickelt, ist automatisch entlarvt.

    Ja, schon. Wir benutzen übrigens auch für unsere Kommunikation hier arabische Ziffern, um nur ein Beispiel zu nennen. 😉

    Es ist doch auffallend, dass hier Gruppen zusammengefasst werden, von welchen man annimmt, dass sie eines besonderen Schutzes bedürfen oder für die man Sympathien hegt. Soll dies wissenschaftlich sein, wenn man nach seinen speziellen Werturteilen diese Gruppen zusammenstellt?

    Wie oben geschrieben – genau dagegen wende ich mich auch. Natürlich wird jede Bewegung Argumente anführen, warum „ihre“ GMF etwas Besonderes ist und mit anderen, vorhergehenden auf keinen Fall verglichen werden darf, warum vielleicht andere Menschen, nicht aber sie selbst Gruppendynamiken unterliegen etc. Ich halte dagegen an der Auffassung fest, dass wir als Menschen allesamt Produkte der Evolution sind und keine(r) sich von unserem Erbe völlig lösen kann. Entsprechend scheint es mir angeraten zu sein, darüber aufzuklären und zum Reflektieren einzuladen. Wie Sie es ja auch gerade tun.

    PS: Kennen Sie vielleicht den Science-Fiction-Film „Enemy Mine“ (1985)? Noch unter dem Eindruck des Kalten Krieges gedreht, spielte er die Gefahren des GMF sogar im All durch. 😉

  77. @Webbär

    Sie fragten: Warum gibt es so viele „Falschversteher“ in islamischen Kreisen?

    Aus genau den gleichen Gründen, in denen es soviele „Falschversteher“ unter Christen, Hindus, Sozialisten und jeder anderen, großen Religion und Weltanschauung gibt. Darf ich z.B. daran erinnern, dass nicht Muslime innerhalb auch nur der letzten 100 Jahre zwei Weltkriege entfesselt, den Holocaust gegen Juden, Roma u.a. betrieben, Atombomben geworfen, die russischen und chinesischen Kulturrevolutionen mit je Millionen Toten ausgerufen haben (usw.)? Wenn daraus jemand Generalurteile über „das Christentum“ oder „die Aufklärung“ ableiten wollte, wäre genauso zu widersprechen, nicht wahr!?

    Ich halte Muslime (oder Juden, Hindus etc.) weder für bessere noch für schlechtere Menschen und glaube, dass wir am Besten vorankommen, wenn wir uns um Dialog statt um Arroganz bemühen. Und noch einmal der empirische Hinweis: Die allermeisten Opfer islamischer „Falschversteher“ sind andersdenkende Muslime!

    Oder wie es Jesus laut Matthäus 7,3 formulierte: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“

  78. Herr Blume

    Sie fragten: Warum gibt es so viele „Falschversteher“ in islamischen Kreisen?

    Aus genau den gleichen Gründen, in denen es soviele „Falschversteher“ unter Christen, Hindus, Sozialisten und jeder anderen, großen Religion und Weltanschauung gibt. Darf ich z.B. daran erinnern, dass nicht Muslime innerhalb auch nur der letzten 100 Jahre zwei Weltkriege entfesselt, den Holocaust gegen Juden, Roma u.a. betrieben, Atombomben geworfen, die russischen und chinesischen Kulturrevolutionen mit je Millionen Toten ausgerufen haben (usw.)? Wenn daraus jemand Generalurteile über „das Christentum“ oder „die Aufklärung“ ableiten wollte, wäre genauso zu widersprechen, nicht wahr!?

    Erinnern Sie aber auch gerne an diejenigen, die die Systeme der Aufklärung streng befürworten, und dass aus diesen Systemen nie Kriege untereinander und derartige Verbrechen hervorgegangen sind. [1]

    Sie wollen die Empirie, den aktuellen Stand zum Sich-Gegeneinander-Bekämpfen nicht so gerne äußern, gell. Aber glauebn Sie ruhig Ihrem Kommentatorenfreund: Es hat was mit der Suche nach Wahrheit und der Abkehr von religiös vorgefundener Wahrheit und angewiesener Aggression zu tun.

    Überhaupt ist der Schreiber dieser Zeilen des Vergleichens müde, wenn er aus einem durchaus als zusammenhängend zu verstehenden kulturellen Biotop regelmäßig Nachrichten und Handlungen zu notieren gilt, die eindeutig menschenfeindlich sind – und ihre Grundlage im Islam, im Koran, finden, sofern es -bei Ihnen- noch erlaubt ist derart zu systematisieren.

    Aber diese Argumentation war korrekt wiedergegeben, nicht wahr?

    MFG
    Dr. W

    [1] Hier mag der eine oder andere abfällig, hmmm, …, grunzen, aber allein das ist schon eine Meldung wert!
    Grundsätzlich killen Primaten gerne auch in näherungsweise konformen Biotopen, aber eben heute eben nicht im Kulturkreis der Aufklärung.

  79. Ende vom Unsinn

    Lieber Herr Blume,
    vielleicht können wir uns in folgender Weise näherkommen: Wir prüfen Sachvehalte kritisch-rational unter Beachtung möglichst vieler Informationen und versuchen zu einem hinreichend genauen Urteil zu kommen. Auch sind wir bestrebt nach Möglichkeit unseren Vorurteilen zu entkommen. Dann können wir kritisieren, und dann haben auch wir einen Anspruch darauf, selbst fair kritisiert zu werden.
    Mit freundlichen Grüssen
    pinetop

  80. @Webbär: Aufklärung & Kulturkreise

    Ganz abgesehen davon, dass schon die Frühgeschichte der Aufklärung einschließlich der Französischen Revolution sehr gewalthaltig war und auch vielfache Formen des Terrors hervorbrachte, musste ich bei Ihrer „Argumentation“ unwillkürlich an das Versagen deutscher Sicherheitsbehörden bei den NSU-Ermittlungen denken.

    Sie schrieben: Grundsätzlich killen Primaten gerne auch in näherungsweise konformen Biotopen, aber eben heute eben nicht im Kulturkreis der Aufklärung.

    Die „Argumentation“ verwendete auch der Kriminalhauptkommissar beim LKA-BW und hauptverantwortlicher Fallanalytiker Udo Haßmann, der auch im Mai 2012 vor dem NSU-Untersuchungsausschuss aussagte. Er schrieb 2007 zur NSU-Mordserie wörtlich:

    „Vor dem Hintergrund, dass die Tötung von Menschen in unserem Kulturkreis mit einem hohen Tabu belegt ist, ist abzuleiten, dass der Täter hinsichtlich seines Verhaltenssystems weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems verortet ist“. Wahrscheinlich sei daher auch, dass die Täter „im Ausland aufwuchsen oder immer noch dort leben“.
    http://www.migazin.de/…r-auslander-sein-mussten/

    Tja, und dann waren es doch keine Muslime, in deren Milieu man über Jahre hinweg fehl-ermittelte, sondern konfessionsfreie Biodeutsche…

    Mit GMFen bleiben wir auch unter unseren analytischen Möglichkeiten, lieber @Webbär…

  81. @pinetop

    Damit bin ich völlig einverstanden, mit einer Ergänzung: Wir müssen uns dabei darüber klar werden, dass wir Menschen mit Evolutionsgeschichte sind und unter unserer „kritischen Rationalität“ verborgen oft sehr viel ältere, tiefere und nicht immer ungefährliche Emotionen schlummern.

    Wenn ich mich selbst für zu rational halte, gehe ich einfach mal wieder ins Fussballstadion und lasse mich überraschen, was dort mit mir gruppendynamisch passiert… 😉

    Auf jeden Fall danke für die kritisch-konstruktive Debatte: Sie haben m.E. definitiv keinen „Unsinn“ geschrieben und (auch) mir viel gebracht!

  82. Herr Blume

    Mit GMFen bleiben wir auch unter unseren analytischen Möglichkeiten, lieber @Webbär…

    Genau so ist es, wenn Sichten zu Ideologien als ‚menschenfeindlich‘ aussortiert werden, wenn sie bspw. den Islam betreffen.

    Ein „GMF“, der sich bspw. sozialistophob nennen würde, wäre demzufolge als Immunisierungsargumentation genau so schnell entlarvt wie die sogenannte Islamophobie.

    Wobei diese hier nicht als entlarvt gilt, aus welchen Gründen auch immer, der Schreiber dieser Zeilen hält den in Bielefeld weltberühmten Wilhelm Heitmeyer dbzgl. für eine ungünstig wirkende Kraft.

    Aber man dreht sich im Kreis, man wird weiterschauen wenn die Sache wie absehbar weiter eskaliert ist.

    MFG
    Dr. W (der als Kontext hierauf verweist, sich aber nun gerne ausklinkt)

  83. Wow…

    Der Beitrag hat inzwischen über 3.000 IP-Zugriffe, davon knapp 1.000 seit gestern – und die Klickzahlen wachsen rasant weiter. Das ist ein neuer Geschwindigkeitsrekord – vielen Dank für das Interesse und Weiterempfehlen!

  84. Gespaltene Frauenwelt

    Ich sehe den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, wie manch anderer hier, ebenfalls mit Skepsis. Vor allem wenn es im Artikel heißt: Wer Feindseligkeit gegen Muslime hegt, wird auch Behinderte oft verachten, die Emanzipation von Frauen ablehnen und sich „zigeunerfreie“ Innenstädte wünschen …“

    Mir ist nicht bekannt, dass es eine Untersuchung darüber gibt, wer DIE „Islamhasser“ nun eigentlich sind, es scheint sie in den verschiedensten sozialen Milieus zu geben. Wahrscheinlich fällt dumpfer Ausländerhass nur stärker auf, der „in Milieus auftritt, die selbst bedrängt werden“. Auf Thilo Sarrazin dürfte das aber nicht zutreffen, und die oben erwähnte „Generation Identitaire“ fühlt sich ebenfalls durch „islamische Überfremdung“ eingeschränkt, obwohl sie sich ansonsten eher großbürgerlich gibt. Auch Berufsemanze Alice Schwarzer kämpft schon seit Jahrzehnten gegen die Unterdrückung von Frauen im Islam. Aktuell legen sich die „Femen“ mit dem Islam an und spalten die muslimische Frauenwelt, siehe hier:
    http://diestandard.at/…Muslimas-den-Mittelfinger

  85. @Mona

    Gehst Du denn davon aus, dass Frauen an sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit immun wären? Denn nach der GMF-Theorie wäre doch gerade die von Dir beobachtete, in verschiedenste Milieus und Gruppen „gespaltene Frauenwelt“ zu erwarten.

  86. Nochmal @Michael Blume

    „Gehst Du denn davon aus, dass Frauen gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit immun wären?“

    Nein! Du hast mich missverstanden, es geht hier doch um den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, der mir zu pauschal erscheint. Du schriebst: „Wer Feindseligkeit gegen Muslime hegt, wird auch Behinderte oft verachten, die Emanzipation von Frauen ablehnen …“. Ich wollte aufzeigen, dass islamkritische Menschen oft durchaus die Emanzipation der Frau befürworten, wie Alice Schwarzer. Und auf der anderen Seite gibt es sicher auch liberale muslimische Milieus, die ihre Frauen und Mädchen nicht unterdrücken. Es gibt also bei den verschiedenen Gruppen durchaus Überschneidungen. Aus diesem Grund kann man m.E. nicht von einer „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ sprechen, weil das einfach viel zu allgemein ist und da auch Personen darunter fallen, die vielleicht andere Ansichten vertreten obwohl sie zur Gruppe der Frauen oder zur Gruppe der Muslime gehören.

  87. @Mona

    Ach so, da hast Du natürlich Recht: Wenn Du Dir die o.g. Grafik anschaust, sind die empirischen Überschneidungen des GMF-Syndroms ja angegeben – zu Sexismus (also Frauen- oder auch Männerfeindlichkeit) beträgt der Wert nicht 1 (100% Übereinstimmung), sondern .54.

    Ich präzisiere aber gerne den obigen Satz in „die Emanzipation von Frauen häufiger ablehnen“. Ob auch bei Alice Schwarzer sexistische Haltungen mit Bezug auf Männer vorlagen oder -liegen, kann ich nicht abschließend beurteilen.

    Kurz gewundert hatte ich mich über Deinen Einspruch, weil wir ja bei der Biografie von Antoinette Brown Blackwell gerade auch über die Zersplitterung der Frauenrechtsbewegungen gesprochen hatten: So befürworteten z.B. durchaus manche weiße Frauenrechtlerinnen dennoch die Sklaverei oder das auf weiße bzw. höhere Einkommen beschränkte Wahlrecht und unterschieden sich die Interessen und Forderungen etwa von Frauen der Oberschichten (mit Kindermädchen) oft massiv von denen aus der Arbeiterschaft. Ich kann bei der Bildung von Milieus, Gruppen und Gruppenabgrenzungen keinen grundlegenden Unterschied zwischen Frauen und Männern erkennen, wenn sich auch Frauen v.a. in Agrargesellschaften häufiger in unterdrückten Verhältnissen befunden haben und befinden.
    http://scilogs.spektrum.de/…cherin-die-erste-pastorin

    Aber, wie geschrieben: Ich präzisiere den obigen Satz gerne und halte auch mal die Augen nach entsprechenden Studien offen.

  88. geistiger Stillstand

    Oder wie es Jesus laut Matthäus 7,3 formulierte: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“

    Tja, und wenn „Christ“ das im Sinne des Christus verstehen könnte / wollte, dann würde er erkennen, daß der Splitter im Auge des Bruders aus dem selben Holz ist und sich zu einem weiteren Balken …, gleich dem Balken … 😉 – aber: „NEIN NEIN NEIN“, ruft die SKM des „braven“ Bürgers 🙂 und schon haben wir wieder den allerschönsten und konfusionierenden Wettbewerb um …

    Wir sind alle im SELBEN Maß durchströmt vom Geist der „Gott“ ist, für …!?

  89. @Mona

    Ich bin Christ und Sozialist, also ein Mensch den es in den zeitgeistlichen Weltanschauungen garnicht geben kann / darf, deshalb wird mir das Christsein abgesprochen, wie die „Sozialisten“ mir das Sozialistsein absprechen – wenn es ein christliches Kloster, oder Sozialisten mit meinem Verständnis von Christus wirklicher Wahrhaftigkeit geben würde, für einen zweifelsfrei und eindeutig fusionierenden Weg, dann könnte ich die GMF als Troll zumindest in bester Gesellschaft „genießen“ 😉

  90. @Horst

    Es gibt auch heute noch christliche Gemeinschaften wie die Shaker (mangels Kindern aussterbend) oder Hutterer (aufgrund von Kinderreichtum massiv wachsend), die dem Kollektiven bis hin zur Gütergemeinschaft große, lebenspraktische Bedeutung beimessen. Schauen Sie sich gerne um!

    Allerdings muss man sich auch dort in eine Gemeinschaft einfügen und wohl eher auf seltsam verstümmelte Sätze und Beschimpfungen Andersdenkender verzichten. Nichts gegen „eindeutig fusionierte“ Weltanschauungen – solange deren Anhänger damit leben können, dass andere diese Fusion nicht zwingend nachvollziehen müssen…

  91. @Blume

    Ich kenne diese Gruppen und ich verstehe schon warum sie mich gern dort hätten 😉

    Das mit dem geistigen Stillstand, das will ihnen nicht …!?

  92. SKM überwinden

    „zwingend nachvollziehen“

    – darauf wird es letztendlich und zur Schande der Menschheit wohl auslaufen, entweder durch die Gewalt der Schöpfung, oder, was ziemlich unwahrscheinlich aber nicht unmöglich ist, durch die Gewalt der mutierten Menschenhand!?

  93. @Horst

    „Ich bin Christ und Sozialist, also ein Mensch den es in den zeitgeistlichen Weltanschauungen garnicht geben kann“

    Vermutlich leben Sie tatsächlich in der falschen Zeit. 🙂 Das Urchristentum hatte nämlich manches mit dem Sozialismus/Kommunismus gemeinsam. Aus diesem Grund beschäftigte sich beispielsweise Friedrich Engels eingehend damit.
    http://www.zeno.org/…hichte+des+Urchristentums/I

    In der Zeitschrift „Das weiße Pferd“ vertritt man die Ansicht, dass das Urchristentum aus machtpolitischen Gründen durch die Kirche verfälscht wurde:
    http://www.das-weisse-pferd.com/…hristentum.html

    Und „Der Theologe“ meint, dass bereits der Apostel Paulus die Boschschaft des Jesus von Nazareth verfälschte:
    http://www.theologe.de/theologe5.htm

  94. Technische Probleme: Code/ Formatierung

    So, jetzt wurde ein längerer Kommentar von mir nicht angenommen, und das mit der folgenden interessanten Begründung:

    „Leider können wir Ihre Anfrage nicht bearbeiten.

    Der eingegebene Authentifizierung-Code stimmt mit dem dargestellten Code überein.“

    Und ich dachte, das sei der Sinn der Übung!? Mein Text ist übrigens futsch 🙁 .

    Na ja, wo wir schon bei technischen Problemen sind: Entschuldigen Sie bitte die doofe Frage und dass ich sie hier im Kommentarbereich plaziere, und das, wo ich die Antwort, glaube ich, sogar schon einmal wusste:

    Wie kann man hier auf Scilogs Kommentare formatieren?

  95. @Quercus

    Oh, das ist ärgerlich und schade – der Text ist tatsächlich nicht gespeichert, ich konnte ihn nicht mehr freischalten.

    Ein Tip: Wenn so etwas passiert und Sie den Kommentar nicht vorher kopiert haben, so lässt er sich noch durch den „Eine Seite zurück“-Pfeil retten. Hatte den Ärger vereinzelt auch schon…

    In den Kommentarfeldern funktionieren die ganz normalen html-Befehle, zum Beispiel für Kursivschrift oder auch Fettdruck. Bitte aber auf das Schließen achten, da sonst die ganze Seite entsprechend eingefärbt wird… (Die Scilogs-Oberfläche steht vor einer Generalrenovation.)

  96. Identität

    Um noch einmal auf das Thema ‚Identität‘ zurückzukommen:
    Einerseits könnten Menschen, deren Identität nicht stabil ist, die möglicherweise auch sonst viel Verunsicherung erfahren haben, auch starke Herabsetzungen und diese nicht verarbeiten konnten eher zu Verallgemeinerungen neigen, die unter das oben beschriebene Phänomen feindlicher Haltungen gefasst werden können. Diese Verallgemeinerungen hätten dann die Funktion einer psychischen Stabilisierung. Das ist die individuelle Seite.
    Im breiten Spektrum der Ideologien werden aber auch immer Modelle angeboten der unterschiedlichsten Richtungen – also in Sekten, politischen oder ökologischen Gruppierungen, Religionen.
    Damit werden viele dieser negativen Verallgemeinerungen sakrosant, weil durch eine vermeintliche Mehrheit gestützt. Z.B. Zweifler am menschengemachten Klimawandel irren sich nicht einfach, sondern sind Klimaleugner (was wohl als Abwertung gemeint ist). Es gibt keinen Dialog mehr, Sachargumente spielen eine untergeordnete Rolle, die Person wird diskreditiert usw.
    Manche der Gruppierungen entwickeln autoritäre Züge, je fundamentaler es wird, desto mehr wird die Außenwelt abgelehnt (z.B. schicken manche bibeltreue Christen ihre Kinder nicht in die Schule, weil die als zur feindlichen/vielleicht auch sündigen Außenwelt gehörig abgelehnt wird*), es umgekehrt eine feindliche Einstellung eben dieser Außenwelt, man selber sieht sich als Vertreter des ‚Wahren/Echten/Wertvollen‘.
    Das Kunststück besteht jetzt darin, in einem solchen Zusammenhang Argumente anzubringen und sich selber gegen die von der anderen seite erfolgenden ‚Anfeindungen‘ zu schützen – besonders, wenn sich diese Gruppen innerhalb anderer gesellschaftlich anerkannter Gruppen befindet. Es ist leicht, Scientologen zu kritisieren, weil sie eine Gruppe für sich sind, aber die Gefährlichkeit von Atomkraft im Vergleich zu Wasserkraft gegenüber einem (gläubigen) Atomkraftgegner überhaupt zu erwähnen, kann einem schon den Verdacht einbringen, man sei mit der Atomlobby verbandelt.
    Müsste es nicht möglich sein, überall dort, wo sich tunnelblickartig Haltungen verfestigen, wo Wirklichkeit verzerrt wird, dies auch als solche zu benennen, wenn es letztlich zu pauschalierender Feindlichkeit anderen gegenüber führt?

  97. @Clemens: Identität (auch) im Web

    Ja, meine Hoffnungen und Bemühungen zielen ziemlich genau in diese Richtung: Ich denke nicht, dass es möglich oder auch nur wünschenswert ist, dass wir unsere sozialen Prägungen – mit all ihren Licht- und Schattenseiten – völlig überwinden. Aber ich glaube schon, dass wir (auch im Netz) eine Kultur entwickeln können, in der Ausuferungen rechtzeitig erkannt werden und ggf. gegengesteuert wird. Wir sind „Wildbeuter im Web 2.0“, aber niemand hindert uns doch daran, eine dazu passende, lebensförderliche Kultur aufzubauen. Hier ein (kostenfreier) Artikel mit ein paar Daten und Gedanken dazu:
    http://www.blume-religionswissenschaft.de/…e.pdf

  98. angemessener Umgang mit Feindlichkeit

    Da Sie sich ja sehr dafür einsetzen, wenn ich Sie richtig verstanden haben, dass Kritik sachlich bleiben sollte, wäre es schön ein paar Vorschläge zu bekommen, wie man z.B. Kritik an solch verhärteten Positionen/Fundamentalismen üben kann, ohne gleich alle anderen mit in Verruf zu bringen. Z.B. hat meines Erachtens die Skepsis gegenüber dem Islam – wenn sie nicht aus grundlegenden Ressentiments gespeist ist – nicht selten ihren Ausgangspunkt in der Feindlichkeit oder auch Alleinvertretungsansprüchen fundamentaler Gruppen, die ja automatisch auch eine Abwertung der hiesigen Bevölkerung beinhalteten.
    Wie verwahrt man sich Ihrer Meinung am besten dagegen, auch auf der politischen Ebene, wenn es geboten erscheint ist, dem Grenzen zu setzen?

  99. Clemens

    Es wäre schlauer das Aufeinanderprallen von Meinungen und Ideologien nicht zu psychologisieren („Hass“, „Feindlichkeit“), sondern als natürlich zu betrachten.

    Es gibt eben welche, die die beiden Sozialismen streng abgelehnt haben, dem Schreiber dieser Zeilen wurde noch als Antikommunist Abneigung gegen Slawen unterstellt, und welche, die den Islam aus sich heraus nicht gut finden.

    Worauf Sie vielleicht hinaus wollen: Ideologiekritik soll nicht pauschal Gruppen adressieren, es sei denn, die Gruppe hat es verdient. – Hier werden manchmal Fehler gemacht.

    MFG
    Dr. W

  100. @Clemens

    Sie merkten an: Z.B. hat meines Erachtens die Skepsis gegenüber dem Islam – wenn sie nicht aus rundlegenden Ressentiments gespeist ist – nicht selten ihren Ausgangspunkt in der Feindlichkeit oder auch Alleinvertretungsansprüchen fundamentaler Gruppen, die ja automatisch auch eine Abwertung der hiesigen Bevölkerung beinhalteten.

    Und sie fragten dann: Wie verwahrt man sich Ihrer Meinung am besten dagegen, auch auf der politischen Ebene, wenn es geboten erscheint ist, dem Grenzen zu setzen?

    Ich würde sagen: Indem man eben genau die feindseligen Gruppen – z.B. Al-Qaida – konkret und mit nachprüfbaren Argumenten benennt und nicht „den Islam / die Muslime“ pauschal verantwortlich macht – zumal Sie ja damit genau die „Alleinvertretungsansprüche“ dieser Extremisten auf den Islam anerkennen und deren Gewalttaten gegen andersdenkende Muslime auch noch rechtfertigen würden!

    So versuchte es @Webbär wieder mit Ideologiekritik soll nicht pauschal Gruppen adressieren, es sei denn, die Gruppe hat es verdient.

    Fragen Sie sich bitte selbst: Ab wann hat es eine Gruppe „pauschal verdient“? Die „Antideutschen“ finden beispielsweise, sie dürften die Deutschen und „das Deutsche“ aufgrund der unbestreitbar furchtbaren NS-Verbrechen pauschal abwerten. Dazu würde ich sagen: Nein, das geht nicht – weder sind die damaligen Opfer und Widerständler mit den Tätern in Pauschalhaftung zu nehmen, noch die Generationen, die mit dem Regime gar nichts mehr zu tun haben konnten. (Und sinnigerweise würden @Webbär & Co. sich auch wortriech verbitten, mit den NS-Tätern in einen Gruppen-Topf geworfen zu werden, nicht wahr!? 😉 )

    Ob antideutsch, islamophob, zigeuner-, frauen- oder männerfeindlich: Aus der Kombination von Verallgemeinerungen und Essentialisierungen kann m.E. nichts Gutes entstehen. Zu konstruktiver Kritik gehört, die Adressaten und Argumente konkret zu machen – und damit auf reale Verbesserungen statt auf pauschale Abwertungen hinzuarbeiten.

  101. @ webbaer Welches maß bei wem?

    Worauf ich hinaus will, ist dass wenn man Feindlichkeit gegen Gruppen ablehnt, dies gleichermaßen tun sollte, vor bei allem bei Gruppierungen oder Ideologien, die dies verbal oder aktiv befördern – also einfach, dass mit gleichem Maß gemessen wird.
    Das heißt für mich, dass gewaltbereite Gruppen gleich welcher Ausrichtung kritisiert werden (dürfen), Lebenspraxis und Diskriminierung, die andere unterdrückt ebenso.
    Z.B. haben sich Feministinnen hierzulande lange nicht dafür interessiert wie es hier Frauen mit Migrationshintergrund geht – wenn sie nicht gerade auch feministisch und aus einer gebildeten Mittelschicht kamen – aber steigen freudig auf die Sexismusdebatte um einen Politiker ein.
    Die Frage scheint ja manchmal zu sein, wenn Mormonen, Christen, Chinesen oder wer auch immer Frauen unterdrücken, ihre Kinder instrumentalisieren, wer kann das wann unter welchen Voraussetzungen kritisieren, auch die Frage, ob bzw. wie weit es einen linken Antisemitismus gibt, fiele darunter.

  102. Clemens

    Worauf ich hinaus will, ist dass wenn man Feindlichkeit gegen Gruppen ablehnt, dies gleichermaßen tun sollte, vor bei allem bei Gruppierungen oder Ideologien, die dies verbal oder aktiv befördern – also einfach, dass mit gleichem Maß gemessen wird.

    Das gleiche Maß ist zwingend erforderlich, korrekt.

    Übrigens gibt es auch noch andere Ablehnungen gegen Gruppen, die absehbarerweise im Hause Heitmeyer nie systematisiert werden, und zwar beispielsweise: gegen Rechte (vs. Rechtsradikale oder Nationale Sozialisten – politisch rechts zu sein ist in etwa so normal wie in der SPD zu sein – Anmerkung: der Schreiber dieser Zeilen ist nicht rechts), gegen Vermögende, gegen Unternehmer, gegen Finanzdienstleistende, gegen Atheisten, gegen diejenigen, die Heitmeyer gesellschaftlich ungünstige Systematisierung vorhalten…

    Es bringt, wie schon erläutert, nicht viel in der Feindlichkeit selbst ein Problem zu erkennen, wer ist bspw. nicht naziphob? – Derartige Psychologisierungen sind ein Hinweis darauf, dass ungünstig systematisiert wird, wichtich ist das Spezifische einer Ideologie und der Ideologieträger.

    MFG
    Dr. W

  103. @ Michael Blume

    Klar finde ich auch, statt ‚Türken sind schlechter integriert‘, wie es fast überall hieß, hätte es heißen müssen ‚in der Gruppe der Einwanderer mit… Hintergrund ist die Gruppe der schlecht integrierten am größten o.ä.‘.
    Bis dahin ist alles überschaubar. Aber der Heikle Bereich ist die Grauzone der jenigen, die nicht so einfach identifizierbar sind, eben nicht wie die Scientologen oder Neonazis oder Al Qiada eindeutig identifizierbar sind. Wie schnell wird die Nazikeule geschwungen? 😉
    Und wird Gewalt von Seiten Israel genauso bewertet, wie beispielsweise Gewalt gegen Christen in muslimischen Ländern? Wird Gewalt von muslimischen Jugendlichen gegenüber Deutschen Jugendlichen und die dahinter stehenden Haltungen bagatellisiert bzw. auf ihre vermeintliche ‚missliche‘ Lage zurückgeführt? Ist man gleich phobisch, wenn man AUCH Gründe in der Religion sieht, die solche Taten begünstigen? Wird es eher toleriert, wenn linke Gruppen Autos anzünden als wenn es rechte tun? Sind Bioverwender oder Vegetarier automatisch die besseren Menschen?

  104. @Clemens

    Wenn das GMF-Konzept dazu führt, dass wir uns hin und wieder (auch selbstkritisch) genau diese Fragen stellen, ist sein Zweck bereits mehr als erfüllt!

    Denn selbstverständlich wird es immer Grauzonen geben! Wenn ich als Fan des VfB-Stuttgart beim Spiel gegen Bayern München Stammesgesänge mit Bezug auf bayerische Lederhosen skandiere, begebe ich mich ebenso in eine „Grauzone“ wie jener Berliner, der über „zuviele Schwaben im Kiez“ schimpft. Dennoch bleibt dabei selbstverständlich eine Distanz etwa zu jenen „Ultra“-Fans, die dann tatsächlich auf Schlägereien aus sind (und m.E. die Ehrenbezeichnung Fan damit gar nicht mehr verdienen) oder zu jenen, die z.B. „schwäbische“ Autos in Berlin anzünden.

    Evolutionär sind m.E. immer fließende Übergänge zu erwarten – ab wann war der Mensch Mensch, ab wann ist ein Kind erwachsen und ab wann ist ein Sprechgesang ein Lied? Ich verstehe das GMF-Konzept immerhin als hilfreiches Werkzeug, um eskalierende Gruppendynamiken rechtzeitig erfassen, Grauzonen rechtzeitig benennen und damit ein Stück mehr Toleranz, Freiheit und Sicherheit in unserer Gesellschaft erringen zu können. Und ich fände z.B. auch GMF-Studien zu heute weit verbreiteten Feindbildern wie „den Bankern“, „den Politikern“, „den Männern“, „den Deutschen“ usw. sehr interessant!

  105. Herr Blume

    Ich verstehe das GMF-Konzept immerhin als hilfreiches Werkzeug, um eskalierende Gruppendynamiken rechtzeitig erfassen, Grauzonen rechtzeitig benennen und damit ein Stück mehr Toleranz, Freiheit und Sicherheit in unserer Gesellschaft erringen zu können. Und ich fände z.B. auch GMF-Studien zu heute weit verbreiteten Feindbildern wie „den Bankern“, „den Politikern“, „den Männern“, „den Deutschen“ usw. sehr interessant!

    Wenn Sie schon so weit sind, dann wäre es nicht mehr weit zu erkennen, dass es hier die Mittel der Politik bedarf, den offenen politischen Diskurs, und weniger einer Wissenschaftlichkeit, die Freund und Feind meint erkennen wie psychologisieren zu können.

    Bedenken Sie bitte: Hoch komplexe Systeme sind wissenschaftlich nur grob näherungsweise zu erfassen, die Beschreibung, Erklärung und die Prädiktion betreffend.

    Noch vor einigen Jahrzehnten wäre niemand auf die Idee gekommen sich im Apron des Wissenschaftlers zu erheben und politische Diskussionen zu bestimmen zu suchen.

    MFG
    Dr. W

  106. @Webbär

    Selbstverständlich wurden gerade auch in der Vergangenheit „im Namen der Wissenschaft“ Behauptungen über die vermeintliche Unterlegenheit von Frauen und Afrikanern, die vermeintliche „Andersrassigkeit“ von Juden usw. verbreitet. Und auch Sie wollen ja bislang gerade keine „wertfreie“ Wissenschaft, sondern abwertende „Systematisierungen“ über „den Islam“ verbreiten.

    Wissenschaft ist aber nicht dafür da, Vorrechte etablierter Schichten und die jeweiligen Ressentiments zu verteidigen, sondern die Realität immer besser zu verstehen. Und dazu gehört die auch empirisch belegte Erkenntnis, dass sich Antisemitismus, Islamophobie, Deutschenfeindlichkeit und andere GMFen aus den gleichen, evolutionären Wurzeln speisen und völlig vergleichbare „Systematisierungen“ versuchen. Und diese Erkenntnisse werden Sie ebensowenig wieder wegbekommen wie die Evolutionstheorie an sich, lieber @Webbär. Jammern und Schimpfen hilft da wirklich nicht weiter.

  107. Herr Blume

    In Boston wird gerade wieder [1] Islam geübt, ist das ein Faktum?

    MFG
    Dr. W (der auf Löschungen bittet zu verzichten und wenn Sie doch löschen, dann bitte nicht antworten)

    [1] falsch verstandener

    @Webbär, ich habe es nun oft genug geschrieben: Bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf Mehrfach-Spam und drohende Untertöne. Sonst wird auch in Ihrem Fall konsequent gelöscht und gesperrt. M.B.

  108. @Webbär

    Ein Terrorattentat ist ebensowenig „Islam geübt“ wie ein Drohnenangriff „geübtes Christentum“ ist.

    Doch Sie können es nun auch selbst beobachten: Die Menschen guten Willens aller Religionen und Weltanschauungen trauern gemeinsam um die Opfer. Mehr oder weniger offene Freude über den Anschlag äußern dagegen extreme Islamisten – und Islamophobe. Denn im Hass sind sie sich einig.

    Ob Sie die Genugtuung auch empfinden, die aus Ihrem letzten Kommentar sprach, müssen Sie schon selbst entscheiden…

  109. @Blume Grauzonen

    Aber gerade die Grauzonen sind die eigentlichen. Es ist leicht sich von Extrempositionen wie den Kreationisten, Nazis oder Al Qaida zu distanzieren, die Grauzone aber ist der Alltag, wo immer wieder Gradwanderungen erforderlich sind.
    Wie soll man es z.B. bewerten, wenn es (2009) laut einer Studie heißt, 40% der Türkinnen hätten Gewalt in der Ehe erfahren und eine Umfrage einer türk. Uni ergab, dass 60% der türkischen Männer es rechtens finden und die Hälfte davon als sogar geboten ansieht, ihre Frauen zu züchtigen. Kann/darf man außer der Kultur, auch Religion dabei als ein förderndes oder legitimierendes Element ansehen?

  110. @Clemens: Grauzonen aufklären

    Selbstverständlich können und sollen religiöse Traditionen in ihrer jeweiligen, komplexen Wirkung beschrieben und wo nötig auch kritisiert werden! Gerade an Ihrem Beispiel: Statt pauschal „den Islam“ für die familiäre Gewalt verantwortlich zu machen und damit auch noch jene zu stärken, die ihr Verhalten religiös rechtfertigen, macht es sehr viel mehr Sinn, jenen Menschen und gerade auch religiösen Funktionären den Rücken zu stärken, die gegen diese Praktiken arbeiten und aufklären.

    Analog hat sich beim Kampf gegen die in Afrika unter Christen, Muslimen und Naturreligionen verbreitete Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung gezeigt, dass ein bloßes Beschimpfen von Christentum, Islam und Stammesreligionen die Probleme nicht zu lösen vermag. Stattdessen werden gezielt religiöse Widerlegungen gegen diese Praktiken gefördert sowie auch berufliche Umschulungen z.B. für Beschneiderinnen angeboten.

    Wieder zeigt sich: Konkrete religiöse Traditionen haben konkrete Auswirkungen und können entsprechend gelobt oder kritisiert werden. Dagegen verhärten abwertenden Pauschalaussagen über „die Muslime“, „die Christen“ etc. die Fronten nur und helfen gerade nicht bei der Überwindung der jeweiligen Probleme.

  111. Hilfe Traditionen

    „helfen gerade nicht bei der Überwindung der jeweiligen Probleme“
    Was haben Religionen bisher anderes vollbracht als in ihren wohl gehüteten Fronten die Aufklärung zu verhindern?
    Kann man mit Traditionsdiskussionen Dogmatismus verniedlichen ohne weltfremd zu werden?

  112. @Herr Senf

    Wenn die Welt nur so einfach wäre, könnten Sie mir doch sicher problemlos den Terror auch vermeintlich „aufgeklärter“ Regime erkären (vom revolutionären Frankreich über die Sowjetunion, China, Kambodscha, Nordkorea etc.) – und zudem ein paar Zivilisationen benennen, die ganz ohne religiösen Traditionen ausgekommen wären? Immerhin kennen wir atheistische Bewegungen seit der indischen und griechischen Antike! Wenn religiöse Traditionen nur kosten und schaden würden – wie konnten sie sich dann evolutionär halten, sogar immer wieder erneuern?

    Wenn Sie wollen, sind Sie eingeladen, die Religionen und Weltanschauungen der Menschheit etwas differenzierter zu betrachten – und beispielsweise die wichtige Rolle religiöser Traditionen bei der Entdeckung der Menschenrechte, der Friedens- und Bürgerrechtsbewegungen, der Bildungs-, Sozial- und Entwicklungsarbeit (etc.) zu entdecken. Aber ich verstehe natürlich, dass eine simplere Schwarz-Weiß-Weltsicht einem sehr viel weniger abverlangt. Es ist Ihre Wahl.

  113. …Dagegen verhärten abwertenden Pauschalaussagen über „die Muslime“, „die Christen“ etc. die Fronten nur und helfen gerade nicht bei der Überwindung der jeweiligen Probleme.

    Anders gesagt, wir müssen uns „widerstandslos“ der rauen Gewalt beugen?

    Ist es nicht so, dass diejenigen, die die „Gewalt“ ausüben, ihre „Einstellung“ ändern müssten?

  114. @cryptic

    Wen meinen Sie denn mit „wir“, von denen keine (nie?) Gewalt ausgegangen sei? Haben Sie schon einmal auf einer Weltkarte nachgeschaut, wo überall derzeit amerikanische, europäische und russische Truppen operieren? Es ist auch möglich, sich kundig zu machen, wie viele zivile Opfer in den betroffenen Regionen zu verzeichnen sind. Und zuletzt könnten Sie feststellen, dass islamistische Terroristen vor allem andersdenkende Muslime angreifen – und alleine letzte Woche im Irak gleich mehrere Bomben mit vielen Todesopfern gezündet haben, die in unseren Medien jedoch auf wenig Interesse stießen.

    Mit simplen „Wir“ und „Die“-Unterscheidungen werden wir der Weltlage und unseren Herausforderungen nicht gerecht.

    PS: Noch ein Hinweis – auch wenn ich beileibe kein Pazifist bin, möchte ich doch darauf hinweisen, dass Christus tatsächlich dazu aufrief, Hass mit Liebe zu begegnen. Wer das lächerlich findet möge bitte aufhören, das „christliche Abendland“ zu beschwören…

  115. @ Blume

    Wir sind noch bei den Grauzonen. Ich denke einig sind wir uns, dass destruktives, schädigendes oder Menschen einengendes, behinderndes Verhalten benannt werden darf, wo immer es auftritt und von wem es auch ausgeübt wird, natürlich ohne zu pauschalieren.
    Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kritik an bestimmten Gruppen auch wenn sie angemessen formuliert wird, schnell in die rechte Ecke gestellt wird, als -phobisch markiert, und der Kritiker diskreditiert wird.
    Auch bei Ihnen entsteht dieser Eindruck, dass Sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werden, indem Sie mit zweierlei Maß messen, es aber hinter den Aufforderungen zu Toleranz verstecken bzw. mit persönlichen Angriffen und auch Unterstellungen reagieren. Dies erfolgt z.B., indem ‚pauschalierend‘ Äußerungen bestimmten Haltungen zugeordnet werden, auch wenn der Verfasser des Kommentars diese Haltung nicht dezidiert benannt oder gezeigt hat.
    Dies ist im Übrigen auch eine Strategie des GMF sozusagen in umgekehrter Richtung: Eine einzelne Person einer ‚geächteten‘ Gruppe zuzuordnen (Beispiel – Nazikeule); denn wenn das Individuum zu dieser Gruppe (die ja zu Recht zu verachten ist, z.B. als Nazi)gehört, ist seine Meinung auch nichts mehr wert.
    Dass dies den Dialog, der ja wünschenswert wäre, killt, muss nicht mehr erwähnt werden. Ich erlebe das so oft, dass es mir ein Anliegen war, mal zu thematisieren. Danke, dass das hier möglich ist.

  116. @Clemens

    Ja, ich sehe diesen Blog durchaus auch als „Erfahrungsraum“, in dem Leute auch mal einstecken müssen, die es sonst gewohnt sind, nur nach unten zu treten. Die ersten Jahre (!) habe ich es beim Bloggen mit großer Freundlichkeit versucht – dies wurde mir dann als „Gutmenschentum“ und Schwäche ausgelegt. Seitdem ich mir angewöhnt habe, deftiger zu formulieren, scheint es allen Beteiligten mehr Freude zu machen. Zumindest ist die Zahl der Kommentare, Kommentierenden und Lesenden immer weiter gestiegen – obwohl ich Trolle inzwischen konsequenter lösche. Und wer es anders haben will kann ja gerne auch woanders hin – das Netz ist groß und man macht es ohnehin nie allen recht.

  117. Interessanter Artikel, Herr Blume.

    zwei kleine Anmerkungen von meiner Seite:

    Ich finde es schade, dass Sie den religiösen Aspekt der GMF aussenvorzulassen scheinen. Liegt in der Aufteilung in gute Gläubige (Himmel) und schlechte Ungläubige (Hölle), welche zB die drei Abrahamitischen Religionen als grundlegendes Element teilen, nicht ebenfalls ein ganz wesentlicher prägender Ursprung für viele Formen GMF? Ich meine ja.

    Ein weiterer Aspekt, der mir in Ihrem Text zu fehlen scheint: Kritik an GMF darf nicht selbst als GFM missverstanden werden – sonst dehen wir uns im Kreis.

  118. @David

    Danke für die Rückmeldung!

    Was die Religionen angeht, stimme ich Ihnen zu: Auch Religionen begründen ja Gruppen, oft besonders intensive sogar, entsprechend werden sie sowohl Opfer von GMFen wie auch Hervorbringer von solchen. Bewusst hatte ich deswegen oben den Antisemitismus erwähnt, der sich ja einerseits gegen eine religiöse Gruppe richtet, aber auch selbst oft religiös begründet wurde und wird.

    Den zweiten Aspekt hoffte ich durch den Hinweis abzudecken, dass jede(r) – und auch ich selbst – immer wieder geneigt sein kann, GMFen auszuprägen. Wie oben geschrieben: „Die größten Kritiker der Elche sind oft selber welche.“

    Aber generell hoffe ich, dass der GMF-Ansatz noch sehr viel breiter diskutiert und reflektiert wird, als es ein Blogpost zu leisten vermag. Wenn Sie wollen, komme ich gerne hin und wieder auf das Thema zurück.

  119. @David

    „… sonst drehen wir uns im Kreis.“

    Aber genau darum geht es auch hier immer und immer wieder – die AUSSCHLIESSLICHE Kommunikation der GMF aus Sicht und in Funktion des „Rechts des Stärkeren“ 😉

  120. @Blume

    Gestern spät abends wurde der Kommentar nicht angenommen, was immer da nicht geklappt hat.
    Aber wenn ich es richtig verstanden habe, passt es ja auch zu dem was @David sagen wollte:
    Auf den Hinweis mit dem zweierlei Maß sind sie nicht eingegangen, welchen Grund hat das?

    „beim Bloggen mit großer Freundlichkeit versucht – dies wurde mir dann als „Gutmenschentum“ und Schwäche ausgelegt.“
    Abgesehen davon das Sachlichkeit das bessere Instrument ist, zeigt sich dass ein wesentlicher Punkt angesprochen wird, was die GMF betrifft: Wenn die eine Seite aggressiv ist, kommt man mit Verständnis und Freundlichkeit nicht unbedingt weiter, weil auf der aggressiveren Seite dies als Schwäche ausgelegt wird.
    Und in diesem Blog geht es noch moderat zu, aber gegen alles Extreme oder Fundamentalistische soll das dann funktionieren?
    Hinweis auf neonazistische/islamistische Gewalt sind jeder Zeit gestattet, wenn es aber z.B. um Gewalt im Zusammenhang mit dem Islam z.B. in den Familien (Grauzone) geht ist aus Ihrer Sicht viel größere Vorsicht geboten, selbst wenn es sich um Ergebnisse einer Studie handelt – warum?
    Ich vermute, dass es nicht nur um Nachweisliches/Belegbares (um nicht den Begriff der Wahrheit benutzen zu müssen) geht, sondern auch um Deutungshoheit geht, das zentrale Anliegen von Religion – korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege.
    Auch wenn man die Deutungshoheit einer anderen Religion wirklich oder vermeintlich angegriffen geglaubt wird, greift das den Anspruch die Deutungshoheit der eigenen Religion an – und selbst die evangelische Religion spaßt damit anscheinend nicht.
    Das gleiche gilt natürlich auch für alle Ideologien.

  121. @Blume: arabisch und islamisch

    Danke erstmal für die für die technischen Tipps.

    Das mit dem Eine-Seite-zurück-Pfeil war sogar mir schon bekannt, und auf den meisten Seiten funktioniert das ja heutzutage sogar, weswegen ich meine zwischenzeitliche Gewohnheiten, Kommentare, Forenbeiträge u.ä. in einer Textdatei zu schreiben und das Ergebnis in das Eingabefeld zu kopieren, seit einiger Zeit wieder abgelegt habe.

    Aber die html-Befehle sind sehr hilfreich.

    Wer z. B. der Auffassung ist, dass der Islam keine großen kulturellen Leistungen entwickelt, ist automatisch entlarvt.

    Ja, schon. Wir benutzen übrigens auch für unsere Kommunikation hier arabische Ziffern, um nur ein Beispiel zu nennen. 😉

    Man sollte arabisch und islamisch vielleicht nicht, auch nicht implizit, synonym verwenden, weder aktuell noch historisch, denn Araber gab es schon vor dem Islam.

    Zu den Ziffern: Ich habe mich schon immer, wenn von der arabischen Mathematik die Rede war, gefragt, in welcher Zeit hier die wichtigen Entwicklungen stattgefunden haben und wie weit hier arabisch auch islamisch bedeutet. Ihren Kommentar habe ich jetzt zum Anlass genommen, mal wenigstens auf Wikipedia nachzuschauen.

    Die Kurzfassung:

    – Die Ziffern, d.h. nicht nur die Schriftzeichen, sondern v.a. das Dezimalsystem und die Entdeckung der Null als Zahl, gehen auf indische Mathematiker (in vorislamischer Zeit, sollte man angesichts dessen, dass Teile Indiens später islamisch wurden, dazusagen) zurück.

    – Die Araber haben diese Grundlagen (sowie die Geometrie der griechischen Antike) übernommen.

    – Die große eigene Leistung der Araber war die Grundlegung der heutigen Algebra, und das zu islamischer Zeit.

    Es gab sie also, die Kulturleistung, aber offenbar war es nicht die Zahlen. Ehre, wofür Ehre gebührt.

    Jetzt könnte man natürlich versuchen herauszubekommen, wie viel der „islamische Faktor“ in der damaligen Kultur zu dieser Leistung beigetragen hat bzw. wie weit er eher bremsend gewirkt hat. Aber auch ohne irgendwelche Kenntnisse, die mir eine Aussage darüber erlauben würden, wage ich zu vermuten, dass man, wie im Verhältnis zwischen der europäischen Wissenschaftsgeschichte und der des Christentums, kaum zu einem eindeutigen Ergebnis kommen wird.

  122. html-Befehl???? Zitat fehlt!

    Das mit dem Zitat hat jetzt irgendwie nicht geklappt. Ich probier’s nochmal: Folgendes hätte natürlich als Zitat erscheinen sollen:

    Wer z. B. der Auffassung ist, dass der Islam keine großen kulturellen Leistungen entwickelt, ist automatisch entlarvt.

    Ja, schon. Wir benutzen übrigens auch für unsere Kommunikation hier arabische Ziffern, um nur ein Beispiel zu nennen. 😉

    So, der Befehl müsste stimmen, und ich könnte schwören, dass ich das eben schon genauso gemacht hatte 🙁 :

  123. Wieder nix

    Kann es sein, dass man zwei verschiedene Formatierungen (hier: kursiv innerhalb des Zitats) nicht ineinanderschachteln kann?

    Test

  124. Jetzt aber:

    Endlich die richtige Fassung:

    Wer z. B. der Auffassung ist, dass der Islam keine großen kulturellen Leistungen entwickelt, ist automatisch entlarvt.

    Ja, schon. Wir benutzen übrigens auch für unsere Kommunikation hier arabische Ziffern, um nur ein Beispiel zu nennen. 😉

    Der Befehl „Bockquote“ geht, „Cite“ nicht. Sorry für das Chaos, es sollte das letzte Mal gewesen sein, jetzt kann ich’s.

  125. @Quercus: Ziffern

    Lieber @Quercus,

    dazu kein Widerspruch von mir: Weder Religion(en), noch Kultur(en), noch Zivilisation(en) bilden ja abgeschlossene Bereiche, sondern stets interagierende Teilsysteme. Und entsprechend besteht kultureller, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher (etc.) „Fortschritt“ immer auch im Aufgreifen und Verbinden alter und benachbarter Ideen zu neuen Erzeugnissen.

    Bewusst habe ich deswegen nicht von arabischen Zahlen, sondern von Ziffern gesprochen. Sie finden dazu hier sogar einen eigenen Blogpost, in dem es u.a. heißt: Nehmen wir die Null, ohne die moderne Mathematik und all ihren Anwendungen (von der Ökonomie bis zur Astronomie) gar nicht denkbar wäre. Diese kleine, große Ziffer stammt aus – Indien, vorbereitet als sunya (= „die Leere“) durch die tiefsinnigen, metaphysischen Spekulationen in Hinduismus und Buddhismus. Sie wurde in der islamischen Welt aufgegriffen und in den Bestand der „arabischen Ziffern“ eingeordnet. In Europa war sie übrigens lange Zeit als potentiell „teuflisch“ verboten!
    http://scilogs.spektrum.de/…n-die-null-das-gewachsene

    Vielen Dank für Ihr lebhaftes Interesse, auch an den Kommentarfunktionen! 😉

  126. @Clemens

    Es ist ein bissel einfacher: Hier sollen Leute eingeladen sein, über ihre jeweiligen eigenen Vorurteile nachzudenken. Der übliche Modus – wir produzieren uns auf Kosten der gerade unbeliebtesten Minderheit, früher war es das Judentum, derzeit ist es der Islam usw. – ist andernorts im Netz schon so reichlich vertreten, dass ich ihn auf Natur des Glaubens nicht haben möchte. Stammtische gibt es genug, ich möchte hier gerne einen lebhaft debattierenden Salon. Und zwar für all diejenigen, denen es gefällt.

    (PS: Im aktuellen Blogpost über Martin Luther King jr. wirft mir ein anderer Kommentator übrigens nicht Islamfreundlichkeit, sondern Islamophobie vor. Sie sehen also: Wenn ich da jedem nachrenen würde, hätte ich keine Zeit mehr für Anderes.)

  127. Bravo. Sie haben etwas beschrieben, Ihr GMF wie Sie es nennen, wie wir es alle kennen und täglich seit unserer Geburt erfahren. Nun würde mich interessieren, was Sie mit diesem ertapptem Verhalten anstellen wollen? Möchten Sie, daß der Mensch sich ändert? Geht das denn nicht nur auf Kosten Ihrer Ideale, wenn es nur wenige tun? Müssen nicht vielmehr alle menschen zur selben Zeit diesen Schritt in eine bessere Menschenwelt tun? Und wenn das möglich wäre, bräuchten wir dann überhaupt einen Initiator? Ich denke nicht.

  128. @terence coman

    Tatsächlich glaube ich gar nicht, dass sich „der Mensch“ grundsätzlich „ändern“ kann – wir sind im Guten und Schlechten das Ergebnis von Millionen Jahren Evolutionsgeschichte. Und setzen diese unterschiedlich erfolgreich fort.

    Wenn die Wissensangebote auf NdG jedoch Menschen informieren, unterhalten und zum Nachsinnen anregen – wie es Ihr Kommentar ja andeutet -, dann bin ich bereits mehr als glücklich! Dafür blogge ich.

  129. Das verkennt völlig die realen Lebensumstände.

    Erstens: Eine Leistungsgesellschaft kann nur effizient arbeiten, solange wir bereit sind, die funktionale Leistungsfähigkeit unserer Mitmenschen nüchtern zu bewerten und damit ggf. auch abzuwerten. Eine Gesellschaft, die sich weigert, Menschen nach ihrer funktionalen Leistungsfähigkeit zu bewerten und Positionen entsprechend zu besetzen, wird ineffizient. (Sie als Beamter können diesen Zusammenhang relativ folgenlos ignorieren, aber ihre Gehalt hängt trotzdem davon ab, dass die Leistungsgesellschaft anderswo effizient bleibt.)

    Zweitens: In einer hochkompetitiven Gesamtgesellschaft können die meisten Personen am besten überleben, wenn sie sich einer Schutz- und Solidargemeinschaft anschließen. Gerade deshalb sind rassische, ethnische usw. Gemeinschaften nicht atavistisch, sondern werden gerade in modernen Gesellschaften wieder sinnvoll und zweckmäßig.

    Das Problem der „Gutmenschen“ ist, dass sie nicht gut genug sind. Sie machen gar keinen Versuch, die harten Lebensbedingungen (Konkurrenz, Angst um den Arbeitsplatz usw.) abzuschaffen. Sie wollen lediglich den kleinen Leuten suggerieren, dass es diese harten Lebensbedingungen nicht gibt, und wollen sie zwingen, auf ihre Hilfsmittel gegen diese Lebensbedingungen (stabile Familien, stammes-und volksgemeinschaftliche Netzwerke usw.) zu verzichten. Im Kern ist das ein Klassenkampf von oben, und die Ideologie der „gruppengebundenen Menschenfeindlichkeit“ ist eine Klassenideologie, mit der die Linksbourgeoisie nicht nur das Hirn anderer, sondern auch das eigene Hirn verkleistert!

  130. Nebenbei: Auch die evolutionären Überlegungen sind nicht einleuchtend.

    Die Evolution hat zur Anerkennung von Eigentumsrechten geführt. D. h.: Menschen haben gelernt anzuerkennen, dass nicht all inclusive ist, sondern dass es Sachen gibt, die NICHT ihnen gehören, sondern anderen.
    Im selben Sinne werden die Menschen auch lernen müssen, dass es vernünftiger ist, nicht alles „inklusiv“ zu machen, sondern partikulare Sondergemeinschaften anzuerkennen, zu denen NICHT sie gehören, sondern andere.

  131. @R. Möller: „Leistungsgesellschaft“

    Ihr Denkfehler in der Sache (den Sie z.B. mit Sarrazin gemeinsam haben) ist, dass Sie einen ökonomischen Leistungsbegriff über die Evolution legen wollen. Dadurch verzerrt sich nicht nur die Wahrnehmung. Idealerweise außerökonomische Tätigkeiten wie das Aufziehen von Kindern, das Pflegen von Eltern, das Sprechen von Recht oder auch das Halten von Gottesdiensten fallen ganz heraus.

    Aus evolutionärer Sicht ist es erst einmal unerheblich, mit welchem Einkommen wir – oder nahe Verwandte – abtreten. Die Frage ist: Haben wir Kinder und Enkel hinterlassen (Reproduktionserfolg)? Schon traurig, dass selbst Rechte in der ökonomistischen Denkfalle sitzen… )-:

  132. Pingback: Warum nehmen die Golfstaaten kaum Flüchtlinge auf? Von Ölreichtum und Kälte › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  133. Pingback: Netzkultur nach Paris und Brüssel: Trauerkritik, Terrorangst, Antisemitismus und das Gift der Menschenfeindlichkeit › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  134. Ist wer vom Menschenfeind spricht ein Menschenfreund, gar ein Gutmensch?
    Diese Frage stell der NZZ-Artikel Plädoyer für die Menschenfeinde.

    Der Autor meint, Menschen wegen gewissen Überzeugungen zu den Menschenfeinden zu rechnen, sei mindestens so problematisch wie von Gutmenschen zu sprechen. „Gutmensch“ wurde zum Unwort des Jahren xxxx gewählt. Doch eigentlich sollte man auch „Menschenfeind“ dort einordnen (bei den Unworten). Hier ein paar Ausschnitte aus dem Aritkel

    «Gutmensch», «Sozialtourismus», «Opfer-Abo»? Das ist böse. «Wutbürger», «Populist», «Menschenfeind»? Das ist in den Augen der Sprachpolizei erlaubt – es trifft ja, so der unausgesprochene Gedanke dahinter, die Richtigen.

    In FES-Studien offenbaren sich nicht nur Antisemiten, Rassisten oder rechtsextreme Gewalttäter als Menschenfeinde, sondern alle, welche die Meinung der Autoren nicht teilen, wonach traditionelle Rollenbilder menschenverachtend, Einwanderer per se eine Bereicherung oder bestimmte Religionen genuin tolerant sind.

    Besonderen Bedarf an Nacherziehung gibt es laut dem Bielefelder Misanthropen-Experten Andreas Zick bei der Risikogruppe der Senioren: «Rentner sind menschenfeindlich», erklärte er in einem Interview mit der «TAZ», illustriert war der Artikel mit dem Bild einer keifenden Oma.

    Auch mein Eindruck ist, dass Menschen aller politischen Überzeugungen – ob links oder rechts, aber je überzeugter, umso mehr – Feindbilder brauchen. Man darf hassen. Aber bitte, man soll die Richtigen hassen. Interessanterweise gibt es für bekennende Menschenfreunde gar nicht so wenig Menschenfeinde. Im oben zitierten Abschnitt meinte ja ein GMF-Forscher gar «Rentner sind menschenfeindlich». Wer so etwas sagt, hasst zwar die Rentner nicht unbedingt, aber er gibt zu verstehen, dass Rentner nicht die richtigen Gesprächspartner geht, wenn es um Toleranz und Menschenfreundlichkeit geht. Die richtigen Gesprächspartner, die Experten sind wohl letztlich nur die GMF-Forscher. In vielen von ihnen untersuchten Bevölkerungsgruppen aber gibt es Menschenfeinde zuhauf. Das führt zum naheliegenden Verdacht, dass GMF-Experten, die die Menschheit in Menschenfreunde und Menschenfeinde einteilen, selber einem Gruppenphänomen unterliegen: Der Neigung nämlich, Menschen zur eigenen oder aber zu einer mit Vorsicht zu geniessenden anderen, fremden Gruppe zuzuteilen.

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