Der deutsch-amerikanische Rassismus des Thilo Sarrazin

Als der Volkswirt und Senator a.D. Thilo Sarrazin (SPD) 2010 „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichte, plante ich eine Blogpostreihe – zumal der Mann auch über Seiten hinweg meine Arbeiten zitiert hatte und ich also „aus erster Hand“ seinen Umgang mit Wissenschaft beobachten konnte. Aber ich ließ mich nach einem ersten Post davon überzeugen, dass Sarrazin nur ein „verbitterter Eigenbrötler“ und „Rechthaber“ sei, dem man doch nicht noch mehr Aufmerksamkeit widmen sollte. Doch nach Lektüre des hervorragenden Sammelbandes „Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz: Von Galton zu Sarrazin“ um die Herausgeber Michael Haller und Martin Niggeschmidt musste ich erkennen – ich lag da falsch. Thilo Sarrazin ist kein verirrter Einzelgänger, sondern ein planvoller Rückübersetzer von Sozialdarwinismus und Rassismus nach Deutschland.

Bereits im 18. Jahrhundert hatte sich aus England heraus mit dem vermeintlichen „Bevölkerungsgesetz“ von Thomas Robert Malthus ein Diskurs ausgebreitet, nach dem Sozialfürsorge nur zur Vermehrung sozial schwacher Bevölkerungsschichten führe. (Hinweis: Da damals europaweit kaum ein Prozent der Bevölkerung den Bildungsschichten, aber bis zu zwei Drittel den Unterschichten angehörte, sind auch Sie & ich, liebe Lesende, mit höchster Wahrscheinlichkeit Nachfahren der damalig Verachteten).

Eugenik

In der Verbindung mit der neuen Evolutionstheorie entstand so im 19. Jahrhundert die Lehre der „Eugenik“ (griech.: „gute Geburt“), die vor einem „Niedergang“ der „hochwertigen Rassen“ (Dysgenik) warnte und stattdessen eine „Höherzüchtung“ forderte. Während die Kirchen die Eugenik ablehnten, fand sie sowohl unter rechts- wie linksgerichteten Bewegungen schnell Anhänger, die vom „neuen Menschen“ träumten und dafür unfassbare Verbrechen begingen. Der Soziologe Peter Weingart zeigt auf, wie ungebrochen Sarrazin diese wissenschaftlich längst widerlegten „Logiken“ wieder bedient und einführt.

Der Pioneer Fund und die „Bell Curve“

Anfang des 20. Jahrhunderts breiteten sich sozialdarwinistisch-rassistische Bewegungen in der westlichen Welt aus. Der Wissenschaftsjournalist Claus Sesin geht dem millionenschweren „Pioneer Fund“ nach, der 1937 von dem Textil-Magnaten und Nazi-Sympathisanten Wickliffe Draper gegründet wurde. In ihrer Gründungscharta strebte die Stiftung „Rassenverbesserung, speziell in USA“ sowie die „Repatriierung Schwarzer nach Afrika“ an – heute sitzen bekannte „Intelligenzforscher“ wie Richard Lynn in ihrem Direktorium. Der Fund förderte die Zusammenarbeit deutsch- und englischsprachiger Eugeniker und fördert weiterhin die Erstellung und Verbreitung rassistischer und eugenischer Schriften.

Aus den erheblichen Mitteln des Pioneer Fund wird seit Jahrzehnten wissenschaftliche Reputation erzeugt, indem rassistisch verwertbare Studien, Bücher und „Fachmagazine“ wie „Mankind Quarterly“ gefördert werden. Zahlreiche Widerlegungen und auch aufgeflogene Fälschungen konnten so kaum etwas daran ändern, dass sich im englischen Sprachraum ein Zitierkartell des pseudo-wissenschaftlichen Rassismus entfalten und mit Büchern wie „The Bell Curve“ (1994) auch in Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft wieder etablieren konnten. Aus diesen „wissenschaftlichen“ US-Quellen bedient sich Thilo Sarrazin, um, gekonnt vermischt mit seriösen Quellen, die Argumentationsmuster wieder nach Deutschland zu bringen. Fast schon bestürzend unkreativ ersetzte er dabei den Lieblingsgegner der US-Rassisten, die Afroamerikaner, durch das derzeitige Lieblingsziel der deutschsprachigen Rassisten, die Muslime.

Zu den heutigen Beiratsmitgliedern von „Monthly Quarterly“ gehört nach den Recherchen des Soziologen Andreas Kemper übrigens auch der Biologe Volkmar Weiss. Dessen Buch „Die IQ-Falle“ (2000) erschien im Leopold Stocker Verlag, der nach einem Urteil des Landgerichts Graz 2006 als „rassistisch“, „rechtsextrem“ und „antisemitisch“ bezeichnet werden darf. Auf Vorschlag der NPD in die Demografie-Enquetekommission von Sachsen berufen, zählt Volkmar Weiss neben Detlef Rost, Gunnar Heinsohn und Heiner Rindermann zu den deutschen Hauptquellen von Sarrazins These vom biologischen Qualitätsunterschied der Völker und der vermeintlich drohenden Dysgenik.

Juden – Ausgrenzung durch vergiftetes Lob

Wie der Historiker Sander Gilman aufzeigt, kamen schon die Pioneer-Fund-„Forscher“ zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf die wirkungsvolle Idee, zur Verschleierung ihres Rassismus neben der vermeintlichen „Minderwertigkeit“ schwarzer Menschen auch „höhere IQ-Ergebnisse“ asiatischer und jüdischer Minderheiten anzuführen. Was nach Lob klingt, unterstreicht aber damit nur, dass auch diese Gruppen dem Rassisten als möglicherweise verschwörerische Fremde gelten – und ihre innere ethnische, religiöse und weltanschauliche Vielfalt rassistisch bestritten wird. In Sarrazins Worten: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, das sie von anderen unterscheidet.“ Heutige Rassisten spielen religiöse und ethnische Minderheiten einerseits gegeneinander aus, isolieren sie aber andererseits auch gesellschaftlich als vermeintlich unaufgebbar Fremde – in den USA, und nun auch wieder in Deutschland.

Wissenschaftliche Aufarbeitung

Hatten die bisherigen, spannenden Artikel die deutsch-amerikanischen Hintergründe des Neo-Rassismus von Thilo Sarrazin & Co. erkundet, wenden sich die Psychologin Leonie Knebel und ihr Kolleqe Pit Marquardt mit einer Übersicht über die Wirrungen der IQ- und Intelligenzforschung kritisch dem „Versuch, die Ungleichwertigkeit von Menschen zu beweisen“ zu. Der Biologe Diethard Tautz, Direktor des Max-Planck-Instituts for Evolutionsbiologie, weist auf die „Irrtümer des Biologismus“ hin. Der Soziologe und Bildungswissenschaftler Coskun Canan weist schließlich empirisch auf, dass es trotz aller Schwierigkeiten und Diskriminierungen einen wachsenden Anteil auch türkischstämmiger Bildungsaufsteiger gibt – wie zuvor und daneben in anderen Zuwanderergruppen auch.

Fremden- und Verlustängste als menschliche Konstanten

Im Schlussteil arbeiten sodann der Historiker Thomas Etzemüller, der Bildungswissenschaftler Fabian Kessl und der Soziologe Rainer Geißler noch einmal vertieft auf, wie Ängste vor einer „Vermehrung der Falschen“ und dem „Abstieg der Nation(en)“ stets bestanden und in Zeiten von Veränderungen und Krisen immer wieder populär geworden sind. Real existierende Probleme (Integrations- und Bildungsdefizite, die Auflösung von Familien- und Gemeinschaftsstrukturen usw.) wurden dabei immer wieder auf biologisch-rassistische und pseudo-wissenschaftliche „Ursachen“ verkürzt – und dadurch gerade nicht gelöst. Finde die Logikfehler: Das vermeintlich höherwertige „Deutschland schafft sich ab“ – und die Minderheit angeblich „minderwertiger“ Muslime soll daran Schuld sein…

Fazit: Thilo Sarrazin und der Rassismus reloaded

Viele Menschen – auch in den Wissenschaften – glauben immer noch, dass der Bestsellererfolg von Thilo Sarrazin nur ein seltsames Einzelereignis eines isolierten Querdenkers markiert. Nach der Lektüre des inhaltsreichen und streckenweise geradezu spannenden Sammelbandes habe ich verstanden, dass dem nicht so ist: Thilo Sarrazin argumentiert keineswegs isoliert vom pseudo-wissenschaftlichen Rassismus, sondern reimportierte ihn aus den USA zurück nach Deutschland. Statt sich an ehrliche Ursachenanalysen zu machen, war es für große Teile unserer zunehmend alternden und kinderarmen Gesellschaft einfacher, mit „den Muslimen“ wieder eine Minderheit zu benennen, auf die sie die eigenen Ängste projizieren konnte. Auch im 21. Jahrhundert gilt: Jede Generation wird sich neu mit Varianten von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen müssen.

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

85 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Sarrazins These vom biologischen Qualitätsunterschied der Völker.“

    Ich habe „Deutschland schafft sich ab“ gelesen und nichts derartiges gefunden. Lediglich eine Distanzierung von einer solchen Aussage im Vorwort.

    Im Gegenteil widmet sich der Teil des Buchs, der Muslime behandelt, ausschließlich den „real existierende Problemen (Integrations- und Bildungsdefizite, die Auflösung von Familien- und Gemeinschaftsstrukturen usw.)“ Von „biologisch-rassistischen und pseudo-wissenschaftliche ‚Ursachen'“ habe ich da nichts gefunden.

    Vielleicht können Sie Ihre Unterstellung mal belegen?

  2. Intelligenz

    Es sollte vielleicht zuerst das Wesen der Intelligenz und dementsprechender Tests erläutert werden. IQ-Tests sind kulturgebunden und fragen kulturgebundene Fähigkeiten ab. [1]

    Desweiteren ist die Intelligenz nur schwierig feststellbar, lustigerweise weil sie letztlich an die unzureichende Intelligenzdefinition der hierfür zu unintelligenten Forscher und Forschergemeinde gebunden ist.

    Was nicht deren näherungsweisen Wert in Frage stellt, bspw. wenn Eignungen für bestimmte Vorhaben geprüft werden.

    Was mit ‚Rassismus‘ gemeint sein könnte in diesem Artikel scheint der ‚kulturelle Rassismus‘ zu sein, der Rassismus ohne Rassen, ein soziologisches Konzept aus der eher linken Szene – sehr zweifelhaft [2], aber durchaus fähig sich zu einem Blog und Medien füllenden Instrument zu entwickeln, ‚Rassismus‘ ist irgendwie geil, zumindest als Kampfwort.

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS: Achtmal ‚Rassismus‘ im Text, 14 mal zusammen mit den Kommentaren.

    [1] was zu einem beträchtlichen Teil die Ergebnisse erklärt
    [2] wenn schon die Semantik nicht stimmt…

  3. jüdische Gene

    Der Sarrazin-Satz „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, das sie von anderen unterscheidet.“ ist natürlich dämlich (wiewohl er zugegeben hat, dass diese Formulierung falsch war). Als Beispiel rassistischer/antisemitischer Ressentiments taugt er imo trotzdem nicht. Von Gil Atzmon stammt der Satz „Juden teilen mehr genetisches Material miteinander als mit ihrer nichtjüdischen Umgebung.“ (http://www.welt.de/…lich-ein-bestimmtes-Gen.html), von Stephen Pinker „This is why Jews, for example, tend to be genetically similar to their non-Jewish neighbours all over the world,…“ (The Blank Slate).
    Ungeachtet fachlicher Korrektheit der beiden Zitate (was ich nicht beurteilen kann) wäre es mindestens schräg, den beiden Autoren Antisemitismus vorzuwerfen.
    Gruss rectus

  4. Gentests

    … der gemeinten Art werden international auf jüdischen Inhalten beworben, auch auf Inhalten, die als liberal gelten.

    MFG
    Dr. Webbaer

  5. Sarrazins

    … Erklärung zum so abgeschlossen-abgewendeten SPD-Parteiausschlussverfahren:
    http://www.zeit.de/…in-spd-ausschluss-erklaerung

    Einzelne Aussagen hat Sarrazin an anderer Stelle zurückgenommen oder präzisiert, wie bspw. auch diejenige zum „Judengen“.

    MFG
    Dr. Webbaer

  6. Gelungener Artikel. Aber: „auseinander setzen“ (letzter Satz) gibt es nicht. Das Kompositum lautet nach wie vor „auseinandersetzen“! Bitte um Korrektur! Nieder mit der Rechtschreibdeform und der durch sie evozierten Idiotismeninflation!

  7. Sprachlichkeit

    Man ‚reimportiert‘ auch nichts ‚zurück‘ und es heißt ‚projizieren‘ zudem muss man ‚Logik‘ nicht in Anführungszeichen setzen, wenn man die Logik eines anderen ablehnt.

    Insgesamt scheint die Sprachlichkeit aber der Anforderungslage zu genügen und hebt sich fast vorteilhaft ab.

    Anregung: Bei (oft: wörtlichen) Zitaten und Zitaten, von denen man sich distanzieren will [1], kann durch unterschiedliche Wahl der Anführungszeichen unterschieden werden.

    MFG
    Dr. Webbaer (der oft auch den Gang zum Lektorat scheut)

    [1] Meta-Sprünge sozusagen

  8. @Jürgen Bolt & @rectus

    Wie sehr sich Thilo Sarrazin als Rassist geäußert und geoutet hat, zeigt ja auch sein neuerlicher Vergleich von Menschen- mit Pferderassen…
    http://derstandard.at/…schen-als-edle-Lipizzaner

    Sorry, da verteidigt Ihr einfach den Falschen (außer natürlich, dass für Euch schlecht kaschierter Rassismus genau das Richtige sei).

    @Webbär und Dlz

    Die sprachlichen Hinweise werden gerne aufgenommen. 🙂 Wobei ich doch hoffe, dass es sich nicht um Ersatzhandlungen ging, um der inhaltlichen Aúseinandersetzung auszuweichen. 😉

  9. @ Deppenleerzeichen

    „“auseinander setzen“ (letzter Satz) gibt es nicht.“

    Doch, es bedeutet aber etwas ganz anderes: Der Lehrer möchte Fritz und Franz, weil sie ständig Unfug machen, auseinander setzen; ist zwar etwas schief, aber geht. Die Bezeichnung „Deppenleerzeichen“ für das beispielsweise zwischen zusammen und stehen eingefügte dann, wenn zusammenstehen gemeint ist und nicht zusammen stehen, rechtfertigt sich eben dadurch, daß es zusammen stehen auch gibt, aber etwas anderes bedeutet, nicht etwa dadurch, daß eine von Sprachbürokraten beschlossene Regel verletzt wurde. Wer das tut, muß kein Depp sein.

  10. @Blume

    Wobei ich doch hoffe, dass es sich nicht um Ersatzhandlungen ging, um der inhaltlichen Aúseinandersetzung auszuweichen. 😉

    Kommt drauf an, wie schmerzfrei Sie sind, es ist z.B. dem Schreiber dieser Zeilen nicht klar, ob Sie den angemängelten Pleonasmus verstanden haben – wie auch die Sache mit dem unterschiedlichen Zitieren.

    Mängel am Inhalt sind ebenfalls weiter oben festgestellt worden, wenn auch, wie unter Kulturchristen üblich, so, dass niemand viel zu tunken hat.

    Ansonsten, kleiner Rat am Rande, machen Sie mal nicht so in Mainstream-Befindlichkeit, dazu ist die Rezipienz wohl hier nicht da, wir sind ja wissenschaftsnah unterwegs. Klar, es schmeckt Ihnen nicht, dass manche Wert auf selektive Einwanderung legen wie kulturalistische Ansprüche hegen, aber bedenken Sie bitte gerne auch, dass da in D auch noch Menschen leben, die es ausbaden müssen, wenn die Immigration und Integration völlig schief läuft.

    An diese Leute wendet sich u.a. auch „SS-Sarrazzin“.

    MFG
    Dr. Webbaer

  11. Verteidigung?

    Dass Sie aus meinem Kommentar mutmassen, mir kaeme schlecht kaschierter Rassismus recht (und womoeglich ueberhaupt ein Rassismus), finde ich unangemessen, sorry. Auch habe ich Sarrazin nicht verteidigt sondern gezeigt, dass aehnliche Aussagen von juedischen Wissenschaftlern (fachlich praeziser) ebenfalls getroffen wurden.
    Zudem haben Sie diesen Satz in einen Kontext („vergiftetes Lob“) gesetzt, in dem er nicht geaeussert wurde, weder im Buch noch in dem betreffenden Interview. Ob Sarrazin nun ein Rassist ist oder nicht, mit diesem Satz in diesem Zusammenhang gelingt die Beweisfuehrung jedenfalls nicht. Wenn ich nun meine, Ungenauigkeiten in Ihrer Argumentation zu entdecken, muss man mir nicht rassistische Tendenzen unterstellen.
    Gruss rectus

    • Dass die Saga von der hoeheren Intelligenz „der Juden“ durchaus ein vergiftetes Lob sein kann, habe ich in einem der Buecher von Inge Deutschkron gelesen, und zwar aus eigener Erfahrung in Nachkriegs-Deutschland dargestellt.

      Inge Deutschkron berichtete uebrigens auch von einem Deutschen, von dem ihr in der Zeit der Verfolgung gesagt wurde, er sei ein „guter Mensch“, also einer, der Juden helfen wuerde. (Dies noch zur Debatte um die Herkunft des Wortes „Gutmensch“).

      http://www.amazon.de/Ich-trug-den-gelben-Stern/dp/3423300000

  12. @Michael Blume

    „Sorry, da verteidigt Ihr einfach den Falschen.“

    Ich dachte eigentlich eher an Primärquellen als an den ‚Standard‘.

    Was ich von Sarrazin halte, tut übrigens nichts zur Sache. Was mir aber nicht paßt ist, auf einen Sündenbock einzudreschen, um sich vorteilhaft als Antirassist zu präsentieren.

    Sarrazin hat, soweit ich die Diskussion verfolgt habe (zugegeben nur halb interessiert), nie behauptet, Moslems seien Europäern genetisch unterlegen. Wenn Sie irgendeinen Beleg für diese Unterstellung haben, lasse ich mich gerne korrigieren. Aber bis dahin ermahne auch ich als Atheist die Einhaltung des 9. Gebots: „Du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen.“

    • Beispiel aus DSSA:
      „Das Muster des generativen Verhaltens in Deutschland seit Mitte der sechziger Jahre ist nicht nur keine Darwinsche natürliche Zuchtwahl im Sinne von »survival of the fittest«, sondern eine kulturell bedingte, vom Menschen selbst gesteuerte negative Selektion, die den einzigen nachwachsenden Rohstoff, den Deutschland hat, nämlich Intelligenz, relativ und absolut in hohem Tempo vermindert.“

      Das ist, wie u.a, aus dem Schlusskapitel „Ein Traum und ein Alptraum“ klar hervorgeht, auf muslimische Immigranten und solche aus Afrika sowie auf Angehoerige der Unterschicht gemuenzt.

      „Eine charakteristische Art von Formulierungen, mit denen Sarrazin etwas nahe legt, ohne es direkt zu behaupten – so dass er einerseits unweigerlich in einer bestimmten Weise verstanden wird und sich andererseits darauf berufen kann, er habe dies oder jenes doch gar nicht gesagt -, wird von Kritikern zuweilen als “verschwurbelt” bezeichnet.“

      Siehe Beispiel auf
      http://guttmensch.blogspot.com/2013/03/sarrazins-thesen-zusammenfassung.html

      und (u.a.) Kommentar „Die Kunst der gezielten Andeutung“ auf
      http://guttmensch.blogspot.com/2011/12/anbiederungen.html

  13. @rectus & Webbär

    Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass sich die beiden Zitate von Atzmon und Pinker, die Sie zur Verteidigung Sarrazins aufgefahren haben, diametral widersprechen?

    @Webbär
    Wenn Sie wirklich „wissenschaftsnah“ unterwegs wären, würden Sie den Rassismus nicht verniedlichen und verteidigen, sondern darauf hinweisen, dass unsere Wirtschaft & Gesellschaft mangels Kindern seit Jahrzehnten auf Zuwanderung angewiesen ist. (Und es beziehen auch Deutsche Hartz IV, sogar direkte Angehorige des Hobby-Lippizaners Sarrazin.) Für sehr viele Berufe wie Produktion, Handwerk, Pflege, Gastronomie finden sich längst nicht mehr ausreichend Eingeimische mehr. Wenn Sie, was ich Ihnen gönne, z.B. einmal ein hohes Alter erreichen sollten, so werden Sie sich auch von Pflegekräften mit Migrationshintergrund „ausbaden“ lassen müssen. Für rassistische Arroganz besteht m.E. also auch aus dieser Persektive kein Anlass.

  14. @Jürgen Bolt

    Wenn Sie rassistische Selbstaussagen Sarrazins nicht als Primärquellen gelten lassen und auch die obige Auswertung seiner trüben Zitatquellen nicht nachdenklich macht, so steht Ihr Pro-Sarrazin-Urteil wohl schon fest. Und wenn Sie es schlimm finden, gegen Rassismus aufzuklären, dann spricht das ja für sich. 😉

  15. Gemeinsames Gen als „Vergiftetes Lob“

    Dass es mit dem Rassismus nicht so einfach ist, zeigt gerade die Aussage „Alle Juden teilen ein gemeinsames Gen“.
    Unabhängig von der tieferen Absicht, die hinter diesem Satz steckt, könnte er überhaupt nur dann richtig sein, wenn man als Juden nur diejenigen meint, die eine jüdische Abstammung, also jüdische Vorfahren haben. Es gibt natürlich auch Konvertiten, also Juden (?) ohne jüdische Abstammung.
    Und nun kommt der kritische Punkt: In Israel ist die Auffassung, dass es ein jüdisches Gen gibt, ebenfalls rech verbreitet. (Zitat aus «Jüdisches Gen» erzürnt die Deutschen und macht Israelis stolz)„«Die Theorie des ‹jüdischen Gens› schlägt in Deutschland Wellen, wird in Israel nicht beachtet», titelt die linksliberale «Haaretz».Sowohl Sarrazin wie der Israelische Innenminister Eli Yishai glaubten an das «jüdische Gen», so die israelische Zeitung, aber nur Sarrazin würde dafür gegeisselt. „

    Die Frage ist nun, ob auch Juden, die an das jüdische Gen glauben, Rassisten sind, denn es liegt der Schluss nahe, dass „echte Juden“ – eben die mit dem richtigen Gen – die Konvertierten nicht als vollwertige Juden betrachten.

    Die tiefere Frage wäre also, ob Rassismus schon dann vorliegt, wenn man sich über die gemeinsame Herkunft defniert und andere damit ausgrenzen will oder zumnindest als fremd und andersartig betrachtet.

  16. Diametral

    „Ist Ihnen eigentlich aufgefallen…..“
    Nee, erstmal nicht. Aber dann muesste ja mindestens eine der beiden Aussagen falsch sein. Welche ist das?
    Gruss rectus

  17. @Holzherr & @rectus

    Holzherr, wie kommen Sie denn darauf, dass es nicht auch jüdische Rassisten geben könnte? Warum ist es denn so schwer zu verstehen, dass Juden ebenso vielfältig sind wie andere Menschen auch?

    @rectus
    Eine sehr gute Frage! JETZT sind Sie wirklich wissenschaftsnah! 🙂

    Und selbstverständlich haben „alle“ Menschen mit weit über 99% den Großteil ihrer Gene gemeinsam, sonst wären wir ja keine Art. Die darüber hinaus gehende Vielfalt ist eine Chance, keine Bedrohung.

  18. @Dr. Webbaer: Mainstream-Befindlichkeit

    „Klar, es schmeckt Ihnen nicht, dass manche Wert auf selektive Einwanderung legen“

    Das ist doch deutsches Staatsprogramm. Haben Sie noch nie etwas von Abschiebungen gehört? Noch nie von der Blue-Card nur für „Fachkräfte“?

  19. @Michael Blume: Abschiebungen?

    dass unsere Wirtschaft & Gesellschaft mangels Kindern seit Jahrzehnten auf Zuwanderung angewiesen ist.

    Wie leitet Sie aus diesem Sachzwang (ich vermute so wollen sie diese Angewiesenheit verstanden wissen) die Abschiebungen ab?

  20. @Michael Blume

    „Wenn Sie rassistische Selbstaussagen Sarrazins nicht als Primärquellen gelten lassen“ Ich habe im verlinkten Text keine gefunden. Nur vorurteilgesteuerte Interpretationen irgendeines Standard-Journalisten.

    Aber ich sehe schon, ich kann Sie nicht davon abhalten, sich am Rufmord an Sarrazin zu beteiligen. Wenn Sie sich eines hoffentlich fernen Tages von Petrus deswegen Vorhaltungen machen lassen müssen, sagen Sie aber nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

    Und wenn Petrus Sie dann zu mir ins Untergeschoß des Etablissements schickt, noch eine Warnung: Württemberger Wein trinke ich nicht.Da werden wir uns bei Medoc oder Chablis aussprechen müssen.

  21. @Ano Nym

    Das ist doch deutsches Staatsprogramm. Haben Sie noch nie etwas von Abschiebungen gehört? Noch nie von der Blue-Card nur für „Fachkräfte“?

    „Nicht ganz“ oder nix verstehen. Wie meinen Sie?

    Es wird aber ohnehin zurzeit hier nicht viel verstanden: Ist es so, dass Hinweise darauf, dass Sarrazin nicht rassistisch argumentiert, dadurch zurückgewiesen werden, dass der Hinweisegeber Rassismus verteidige und somit selbst rassistisch sei?

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich nun, noch ein schönes Wochenende wünschend, ausklinkt)

  22. @Jürgen Bolt: Jenseits

    Wenn ich mit Ihnen bei einem Gläsel roten Weines werden diskutieren dürfen, so wird es wohl keine Hölle sein! 😉

    Mit schwäbischen Schunkel- und Schmunzelgrüßen!

  23. @Dr. Webbaer: Erklärung

    Ist es so, dass Hinweise darauf, dass Sarrazin nicht rassistisch argumentiert, dadurch zurückgewiesen werden, dass der Hinweisegeber Rassismus verteidige und somit selbst rassistisch sei?

    Nein. Es wird darauf hingewiesen, dass der Sarrazinsche Rassismus neben dem schon bestehenden staatlichen Rassismus gesehen werden muss. Die Bundesrepublik reguliert die Zuwanderung, indem sie unbrauchbare unaufgefordert einwandernde Personen abschiebt und brauchbare Personen anwirbt (Abschiebung, und Blue-Card).

    „Kinder statt Inder“ bedient nicht nur ein rassistisches Ressentiment, es setzt die Existenz einer rassistischen Staatspraxis schon voraus.

  24. @peer

    Glauben Sie wirklich, Sie würden sich freier fühlen, wenn alle Menschen anderer Herkunft, Hautfarben, Religionen und Weltanschaungen aus Ihrer Lebenswelt verschwunden wären? Nein, lieber @peer – Rassismus führt nicht zu Freiheit, sondern zu immer mehr Angst, Hass und Enge. Man befreit sich nicht durch, sondern von ihm.

  25. Richard Lynn…

    … war das etwa derjenige, der herausgefunden hat, daß alle Weltklassesprinter, die jemals die 100m unter 10s gelaufen sind, westafrikanische Vorfahren hatten? Und dann den Bogen schlägt über schmalere Hüften bei beiden Geschlechtern zu kleinerem Hirnvolumen der afrikanischen Babies?

    Ich würde das ja mal damit in Zusammenhang setzen, daß schon der Neanderthaler ein größeres Hirnvolumen hatte als der „moderne“ Mensch und alle nicht-Afrikaner ein paar Prozente Neanderthaler-Gene mit sich herumschleppen…

    … offensichtlich kam es im Neanderthal nicht so sehr darauf an, die 100m unter 10s zu laufen…

  26. Als Sarrazin Ende August 2010 sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ herausgebracht hatte, kamen Kollegen und Bekannte auf mich zu und gratulierten mir. Denn für jedem, der mein Buch „Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik“ kannte, stand außer Zweifel, daß Sarrazin sich auf meine Vorleistung weit stärker gestützt hatte, als er durch seine Zitierungen zu erkennen gab. Sarrazins eigene Zutaten waren sein Stil, sein Antiislamismus und einige neuere Statistiken, wie die Entsprechung von IQ-Testwerten und PISA-Ergebnissen, die er aus Sonderdrucken kannte, die ich ihm 2009 nach seinem Interview in „Lettre International“ an seine Dienstadresse in Frankfurt am Main geschickt hatte.

    Den logischen Aufbau eines Vorgängerbuches zu übernehmen, ohne dabei seitenweise wörtlich abzuschreiben, das gilt nicht als Plagiat, wenn man sich zu der Vorlage bekennt. Als Frank Schirrmacher jedoch am 1.10.2010 Sarrazin bei einem Interview für die FAZ fragte, welche Vorleistung Volkmar Weiss für ihn erbracht hatte, sprach Sarrazin auch von „betrüblichen Verirrungen“ meinerseits. Das empört mich, mußten doch in dem Moment in seinem Kopf Texte gegenwärtig sein, die sich wie eine Zusammenfassung seines Buch lesen, nur daß sie von mir schon ein paar Jahre früher veröffentlicht worden waren.

    Darüber hinaus stellt Andreas Kemper in dem Kapitel „Die deutschsprachigen Quellen Sarrazins“, wie oben richtig ausgeführt, in dem Buch „Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz. Von Galton zu Sarrazin“ eine direkte Verbindungslinie zwischen Sarrazins Buch, „Der IQ-Falle“ und dem Bestseller „The Bell Curve“ her und triftt damit den Nagel auf den Kopf. Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich ursprünglich die Absicht hatte, die ersten drei Kapitel der Bell Curve nur zu übersetzen und das vierte, sehr auf amerikanische Verhältnisse zugeschnittene, Kapitel wegzulassen. Erst die Lizenzverweigerung des Verlags der Bell Curve für eine so gekürzte deutsche Übersetzung und eine Ermutigung durch Hans-Jürgen Eysenck – „Sie können das!“ – führte 2000 zu meinem eigenen Buch, das Sarrazin hocherfreut irgendwann im Jahre 2008 in die Hände bekommen hat.

    Inzwischen arbeitete ich schon längst wieder an einem viel tiefgründigeren Werk, das jetzt gedruckt vorliegt mit dem Titel: Die Intelligenz und ihre Feinde.

    Während Sarrazin es um Deutschland ging, geht es bei mir um die Zukunft der Industrieländer insgesamt. Wo Oswald Spengler 1923 im „Untergang des Abendlandes“ in blumenreichen Analogien schwelgte, findet man bei mir zwingende Sachlogik und Statistik

  27. @Stoerk: Richard Lynn

    Oh ja, der Lynn: Nicht nur Afrikaner, auch Frauen und Religiöse hat er schon als vermeintlich minderbemittelter beschrieben. Hier auf dem Blog war er schon 2008 mal Thema:
    http://scilogs.spektrum.de/…g-von-iq-und-religiosit-t

    Schon sarrazinesk, der Typ… 😉

  28. @Volkmar Weiss

    Schon fies, dass der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin mit Ihrem Rassismus zum Millionär geworden ist, gell? Es gibt einfach keine Solidarität unter Euch Eugenikern…

    Lieber Herr Weiss, wenn es Ihnen um die „Zukunft der Industrieländer“ ginge, dann würden Sie sich nicht für die NPD einspannen lassen. Rassistische Nationalisten haben immer nur Leid und Schande über die Völker gebracht – und außer finsteren Ängsten gegenüber „den Anderen“ kaum Bleibendes hinterlassen. Grüße an den Pioneer Fund!

  29. Mehr als falsch informiert

    Sie haben noch nie eine gedruckte Originalzeile von mir gelesen, sonst könnten Sie nicht so urteilen, Herr Blume. Ich habe niemals an einer NPD-Veranstaltung teilgenommen und niemals Geld über den Pioneer-Fund erhalten. Wenn man als Mann der Religion auftritt, dann sollte man selbst den Kriterien genügen, die man predigt. Was sagen Sie denn z. B. zu meiner (hier gekürzten) Rezension des Buches von Ulfkotte „Albtraum Zuwanderung“. Es folgt der Text:

    Rief ich sie wirklich? Oder wollte ich stattdessen vor solchem Geist warnen? Während Sarrazin daran gelegen war, den Einfluß des geistigen Gerüsts, den er mit meinem Buch „Die IQ-Falle. Intelligenz, Sozialstruktur und Politik“ vorgefunden hatte, möglichst kleinzureden, kann ich mich bei Ulfkotte über mangelnde Zitierung meiner Arbeiten nicht beklagen. …

    Das Erscheinen des Buches IQ and the Wealth of Nations (Human Evolution, Behavior, and Intelligence), in dem Lynn und Vanhanen über 100 Jahre Intelligenz-Testpraxis die internationale Bilanz ziehen, war zweifellos das bedeutendste Ereignis der Intelligenzforschung in den letzten drei Jahrzehnten. Schon wenige Tage, nachdem ich das Buch zusammen mit den PISA-Testergebnissen, siehe PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich, in den Händen hatte, konnte ich berechnen und nachweisen, daß die PISA-Testergebnisse mit den Testergebnisse der IQ-Tests fast identisch sind und sich damit gegenseitig bestätigen. Wer hätte das für möglich gehalten? Ich habe damals innerhalb weniger Tage die Umrechnungsformel von PISA-Tests in IQ-Werte und die Mittelwerte aller Länder, für die IQ-Tests und PISA-Tests vorliegen, auf meiner Homepage in Deutsch und Englisch frei zugänglich gemacht (darauf und auf den Google knol „Der IQ der Völker laut PISA-Studien“ ist zehntausendfach zugegriffen worden) und bald auch selber darüber veröffentlicht. Auf diese weiterführenden Arbeiten stützt sich auch Ulfkotte (und Sarrazin tat es auch, verschwieg es aber). Diese Übereinstimmung von PISA-Ergebnissen und IQ-Tests ist inzwischen weltweit in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen aufgegriffen worden und gilt unter Differentiellen Psychologen als bestätigtes Allgemeinwissen, nicht immer mit Zitierung der ursprünglichen Quelle. Es gibt dafür auch kein Patent: Die Umrechnungsformel zur Flächentransformation von PISA-Werten in IQ oder umgekehrt hat nicht den Charakter von Geheimwissen, sondern ist allgemeinverständlich.

    Ulfkotte kann sich also reichlich auf bestätigtes Wissen über IQ-Mittelwertunterschiede zwischen Völkern und Staaten stützen und auf Forschungsergebnisse über die Vererbung der Intelligenzunterschiede. Ulfkotte macht davon ausgiebig Gebrauch, im Unterschied zu Sarrazin, der sich in späteren Auflagen seines Buches Deutschland, vorn vor dem Titelblatt die Einfügung einer Zusatzseite abnötigen ließ, auf der er beteuert, nie etwas über IQ-Unterschiede, und noch dazu erbliche, bei verschiedenen Völkern geschrieben zu haben, siehe Ein Jahr nach Sarrazin: Eine Debatte und ihre Folgen.

    Was aber macht Ulfkotte aus den Daten? Daß die Deutschen einst einen IQ von 107 gehabt hätten, ist eine Zeitungsente, auf die er hereingefallen ist. Und daß der türkische IQ wegen Inzucht niedrig wäre, ist ein böses Märchen, das er bei Sarrazin aufgelesen hat. Doch bei folgendem Satz auf S. 48 stehen mir die Haare zu Berge: „Auch mit dem Import von Millionen Türken haben wir uns beim Thema Intelligenz und Persönlichkeit ganz sicher einen Bärendienst erwiesen. Denn jeder Einzelne von ihnen senkt – statistisch gesehen – nun unseren Länder-IQ.“ Die Türkei hat als Mittelwert der drei letzten PISA-Studien, an denen sie teilgenommen hat, den IQ 87; Deutschland den IQ 97. Nehmen wir an, der Mittelwert der Deutschen ohne die Einwanderer würde 100 betragen. Der mittlere IQ 87 drückt aus: 10% der Türken sind intelligenter sind als der Mittelwert der Deutschen, und 18% der Deutschen sind dümmer als der Mittelwert der Türken. Will Ulfkotte mit seinem dummen und sachlich falschen Satz das Selbstwertgefühl dieser 18% Deutschen stärken?

    „Betrachtet man aber die OECD-Staaten als Ganzes, dann ist der mittlere IQ der Einwanderer 2 Punkte höher als der bei den Einheimischen“ – auch das konnte Ulfkotte bei mir gut belegt lesen, aber hat es nirgendwo erwähnt. Der unterdurchschnittliche mittlere IQ der Einwanderer nach Mitteleuropa ist eine Ausnahme. Einwanderer sind an und für sich wegen ihres mittleren IQ kein Albtraum. Die krisenhaften Entwicklungen fänden auch ohne Einwanderer statt, werden durch sie in manchen Ländern nur verstärkt.

    Ein Rassist ist derjenige, der für eine Vorentscheidung, ob er die eine andere Person für einen bestimmten Arbeitsplatz einstellt, nicht die persönliche Leistungsfähigkeit der Bewerber zugrunde legt, sondern der schon aufgrund der Hautfarbe oder anderer äußerer Merkmale oder allein wegen der Volkszugehörigkeit eine Auswahl trifft und so einen Teil der Bewerber ausschließt. Ein Rassist ist, wer eine Person allein wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem anderen Volk diskriminiert, mißhandelt oder gar tötet. Für einen Rassisten sind die äußeren Merkmale oder die formale Zugehörigkeit zu einem anderen Volk das gleiche wie die Uniformen der Soldaten im Krieg. Wer eine Uniform trägt, gehört damit zu einer bestimmten Gruppe, die bei einer Auseinandersetzung zu den Freunden oder den Feinde gehört. Die Unterscheidung von Gruppen oder Rassen hat somit im Konfliktfall die Aufgabe, unter Umständen lebenswichtige Entscheidungen ohne Verzögerung treffen zu können. – Ulfkotte hat in seinem Buch eine Menge sehr beunruhigender Belege und Quellen über bereits stattfindende Konflikte gesammelt und in journalistischem Stil verarbeitet.

    Solange es Gruppenunterschiede und Konflikte gibt, solange wird es irgendwelche Formen von Rassismus geben. Für einen fähigen Bewerber, der allein wegen seiner Rasse von einem bestimmten Arbeitsplatz ausgeschlossen wird, ist das stets ein schlimmes Erlebnis, das ihn prägt. Aus gutem Grund gilt deshalb Rassismus im Alltagsleben aller fortgeschrittenen Gesellschaften als etwas Verwerfliches.

    Manche glauben, den Rassismus dadurch aus der Welt schaffen zu können, indem sie der Welt Farbenblindheit verordnen und den Begriff Rasse überhaupt abschaffen. Alle Menschen seien gleich und wer Gruppenunterschiede feststellt, in dem er z. B. den IQ testet, der wäre ein Rassist. Bei dieser zweiten Definition – der Definition der „Antirassisten“ von Rassismus – werden ganze Forschungszweige, die sich mit Unterschieden zwischen Menschen befassen, als „Rassismus“ und „Rassismus der Intelligenz“ verleumdet. Was ist nun schlimmer, Rassismus oder Antirassismus? Am schlimmsten ist eine Mitte der Gesellschaft, die sich vom sogenannten Antirassismus einschüchtern läßt, am gesunden Menschenverstand zweifelt und sich einreden läßt, durch Geld und guten Willen allein ließen sich Gruppenunterschiede aus der Welt schaffen und damit der Dummheit Tür und Tor öffnen.

  30. @Blume

    hat er sich denn schon mal auf Neanderthaler-Gene testen lassen?

    BTW, ich halte „rein deskriptiven“ Rassismus für absolut menschlich – wenn ich erwähne, das „Störk“ das ostfriesische Wort für „Storch“ ist, fallen den Leuten immer gleich Ostfriesenwitze ein – und wenn mir ein Gebrauchtwagenhändler in die blaugrauen Augen schaut, denkt der sicher auch daran, daß „blauäugig“ ein Synonym für „vertrauensselig“ ist. Ich habe damit kein Problem (ich habe mir beim Autokauf halt immer vorher ein Limit gesetzt, wie teuer es maximal sein darf, und eine Wunschliste, was unbedingt drin sein sollte, das Internet erlaubt einem ja, sich schon vorher schlau zu machen).

    Genauso habe ich kein Problem damit, daß die besten Sprinter tatsächlich schwarz sind (Hinrnvolumenmessungen führe ich nicht durch), die besten Turner tatsächlich „Schlitzaugen“ haben, und die besten Schachspieler russisch reden.

    Ich kann es nur nicht leiden, wenn jemand wie Sarrazin versucht, mit solchen Unterschiedlichkeiten politische Propaganda zu machen. Auch wenn Gleichheit eine Fiktion ist, führt an der Gleichheit vor dem Gesetz kein Weg vorbei – auch die sogenannte „positive Diskriminierung“ wie z.B. die Frauenquote ist letztlich nur Diskriminierung. Insofern denke ich, Sarrazin’s zweites Buch (das zum €uro) wäre besser sein erstes gewesen – auch wenn ich beide Bücher nur aus frei zugänglichen Sekundärquellen kenne, ich bin wählerisch, für welche Bücher ich Geld ausgebe.

  31. @Volkmar Weiss

    Dementieren Sie also, dass Sie auf Vorschlag der NPD in die Demografie-Enquete des Freistaates Sachsen eingezogen sind? Und im Beirat des „Mankind Quarterly“ sitzen? Finden Sie, dass ich überrascht sein muss, dass Sie Rassismus von sich wegzudefinieren versuchen, während Sie gleichzeitig an Konzepten von „Rassen“ und deren vermeintlich unterschiedlicher Intelligenzpotentiale festhalten?

  32. Diskriminierung = systematisches Problem

    Die Ansicht von Störk teile ich – deskriptive Klischees sind recht menschlich und sie lassen sich nicht beseitigen. Vielmehr können wir uns davon inhaltlich distanzieren und über die auf uns selbst bezogenen lachen. Und dafür sorgen, dass ihre Auswirkungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen beseitigt werden. Darum mag ich das Sarazzin-Buch genauso wenig wie manche Beiträge hier.

    Rassismus (im weiteren Sinne) beginnt für mich nämlich dort, wo man Gruppen gegeneinander ausspielt – und damit die Diskussion und die Nuancierung in der Sache vermeidet. Wo es also nicht um die Diskussion von Vor- und Nachteilen konkreter Entscheidungen geht, sondern um die verallgemeinernde Bewertung von leicht abgrenzbaren Gruppen.

    Was bringt es uns denn, wenn wir statistische Erhebungen in Wirtschafts- oder Bildungsfragen nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung aufschlüsseln? Können wir damit irgend etwas konstruktiv ändern?
    Ich sehe da keine Möglichkeit, denn wir wollen diese Unterscheidungen ja nicht, wir wollen ja multikulturell, multicolor, multireligiös und mulitvisionär sein. Also wollen wir die Auswirkungen dieser Gründe auf unsere Gesellschaft nicht bewerten (was immer mit ab- und aufwerten einhergeht), sondern wir wollen uns über diese Auswirkungen freuen, uns mit ihnen weiterentwickeln, mit ihnen leben.

    Sarazzins Buch macht aber genau das – und ist darum rassistisch.
    Intelligenztests machen (ob der von @Webbär angesprochenen wissenschaftlichen Unfähigkeit) heute noch genau das – und sind darum rassistisch.
    Genetische Gruppierungen machen genau das – und sind darum rassistisch.
    Bezeichnungen von Personen als Rassisten machen das ebenfalls – und sind darum rassistisch.
    Einseitige Abwertung geringer Kinderzahl macht das leider auch – und ist darum rassistisch.
    Positive Diskriminierung macht das genauso – und ist darum rassistisch.

     
    Wollen wir Rassismus wirklich bekämpfen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Dann müssen wir versuchen (denn es ist extrem schwer), alle Typisierungen auf änderbare Ursachen zurückzuführen. Also auf Ursachen und Unterschiede, die wir nicht tolerieren und nicht akzeptieren wollen, die also nicht zur Gesellschaft gehören.

    Bei der Gleichberechtigung etwa dürfen wir nicht mit den Proportionen anfangen, sondern wir müssen untersuchen, warum das eine Geschlecht in jenem Bereich das andere im anderen Bereich stärker vertreten ist. Und wir müssen dafür sorgen, dass die jeweiligen Bereiche auch mehr Wertungen des jeweils weniger vertretenen Geschlechtes integrieren. Dann gleicht sich der Unterschied nämlich ohne Zwang aus – oder wir haben noch nicht alles verstanden und müssen weiter suchen.

    Bei den Fragen der Kinderzahl und der Pflege etwa müssen wir uns mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen beschäftigen. Dazu dürfen wir aber nicht nach Religionen aufschlüsseln, sondern nach Kinderzahl. Wir müssen also nach den statistisch relevanten Gemeinsamkeiten von kinderreichen und kinderarmen Familien suchen. Und ich bin sicher, wir würden welche finden (auch wenn die quasi nebenbei mit Religionszugehörigkeiten korrelieren können): Wer nämlich Gemeinschaft mag und Leben im ursprünglichen Sinne, der hat eher viele Kinder (es sei denn sein Lebenslauf hat insofern fremdbestimmte Brüche). Wer hingegen materiellen Reichtum oder auserlesene Bildung vorzieht, der hat heute eher weniger Kinder (es sei denn er gehört zum statistisch wenig aussagekräftigen Millionärskreis).

    Und bei der Zuwanderungsfrage müssen wir untersuchen, warum denn Deutschland für viele hier gut Ausgebildete so wenig interessant ist – während es für anderswo gut Ausgebildete so sehr interessant ist. Oder was im Bildungssystem falsch läuft, dass wir Begeisterung nur in Bereichen wecken mit denen wir in der Wirtschaft anscheinend/scheinbar nichts anzufangen wissen.

  33. Warnung

    Wenn Sie meinen, Herr Blume, das Internet sei der Raum, in dem man ungestraft Lügen und Verleumdungen verbreiten könne, dann hat auch das Grenzen. Wenn sie auch für die deutschsprachige Wikipedia noch kaum zu gelten scheinen. Ich habe noch nie von diesem angeblichen Gerichtsurteil über den Inhalt „Der IQ-Falle“ gehört. Ich werde den Verlag auf Ihren Blogbeitrag hinweisen, und er mag dann entscheiden, ob es sich lohnt, gegen Sie juristisch vorzugehen.

    Im Gegenteil: Ich kann Ihnen u.a. Schreiben und Buchwidmungen von Ministern des Bundes und der Länder, von einem Richter des deutschen Bundesverfassungsgerichts und eines Direktors eines deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts vorweisen, die sich ausdrücklich alle mit Anerkennung auf „Die IQ-Falle“ beziehen. Das Buch hat im Hintergund eine gewisse Rolle bei der deutschen Elterngeldgesetzgebung (für Andreas Kemper ja auch schon eine Form der Eugenik) und bei der Beharrung des Freistaats Sachsen auf Bildungsstandards gespielt, also nicht nur für Sarrazin.

    Die Berufung in die Enquetekommission für Demographie des Sächsischen Landtags erfolgte im Frühjahr 2005 durch den Landtagspräsidenten Iltgen (CDU). Das allein war maßgeblich für mich und die bezahlte Freistellung zu den Sitzungen durch meine Dienststelle, neben der Achtung für die Funktion eines demokratisch gewählten Parlaments. Ich war von 1990 bis zur Rente 2007 Abteilungsleiter in einer Behörde des Sächsischen Innenministeriums und hatte mich 1993 mit einer empirischen Arbeit (fertiggestellt von 1984 bis 1990 am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften) über die Bevölkerungs- und Sozialgeschichte Sachsens auch als Historiker habilitiert.

    Das „Mankind Quarterly“ nennt mich in seinem Beirat etwa seit 1980. (Da „sitzt“ also niemand.) Ich hatte damals Grund, dem nicht zu widersprechen. Einige Leute versuchten damals mit allen Mitteln, die Drucklegung meines Buches „Psychogenetik: Humangenetik in Psychologie und Psychiatrie“ zu verhindern. Um einer drohenden Verhaftung entgegenzuwirken, mußte mir damals als Schutz jede Aufmerksamkeit in der internationalen Öffentlichkeit willkommen sein. Das Buch erschien dann tatsächlich im Herbst 1982, erhielt in Fachzeitschriften 33 Rezensionen und ist das einzige seriöse Fachbuch zu dieser Thematik, das je in einem kommunistischen Land gedruckt worden ist. 1990 konnte ich dann die „Psychogenetik“ als Habilarbeit für Genetik verteidigen. – Details über die Hintergründe, auch schon damals, können Sie in meinem neuen Buch „Die Intelligenz und ihre Feinde“ nachlesen. Auf den Seiten 398, 430 und 475 wird übrigens Michael Blume zitiert, lese ich im Register.

    Die Gene und Allele kombinieren und vererben sich weitgehend frei. Gene und Allele, die Verhalten und Leistungen beeinflussen, sind nicht an blaue Augen oder die Hautfarbe gekoppelt. Richard Lynn mag da (insgeheim) anderer Auffassung sein, ich weiß es nicht. Alle Genhäufigkeiten sind aber in allen Populationen mehr oder weniger unterschiedlich. Wer diese simple wissenschaftliche Feststellung nicht zur Kenntnis nehmen will, sie gar schon als Rassismus bezeichnet und von der Gleichheit aller Menschen ausgeht, der mag ja als naiv und fromm gelten, ist aber für mich kein Diskussionspartner, den ich Ernst nehmen kann. Das hier als mein Schlußwort.

  34. @Noït Atiga: Das Wollen des Unterschieds

    Und bei der Zuwanderungsfrage müssen wir untersuchen, warum denn Deutschland für viele hier gut Ausgebildete so wenig interessant ist

    Die Untersuchung können sie sich sparen: Die Auswanderer schätzen ihr persönliches Fortkommen anderswo als besser gewährleistet ein als in Deutschland.

    – während es für anderswo gut Ausgebildete so sehr interessant ist.

    Mein Eindruck ist eher der, dass im Moment anderswo nicht so gut Ausgebildete, denen es in den Herkunftsländern noch dreckiger geht als dem deutschen Subproletariat in Deutschland, auch nach Deutschland strömem.

    Das aber genau ist es, was niemand, der den Staat will, will. Kein Blume und kein Sarrazin. Der inhaltliche Streit geht eigentlich nur darüber, nach welchen Kriterien selektiert wird. Bei diesem Unterfangen hat Thilo Sarrzin die Eva Herman gemacht.

  35. @Volkmar Weiss

    Im Gegenteil – alle genannten Informationen stammen aus obigem Buch. Nun hatten Sie hier auch die Gelegenheit zur Stellungnahme dazu. Die für sich spricht.

    Das mit den Einschüchterungsversuchen können Sie gleichwohl bleiben lassen – an mir haben sich auch schon die Kerle von Nürnberg 2.0 die Zähne ausgebissen. Wenn Extremisten meinen Blog angehen betrachte ich das a) als Auszeichnung für relevantes Bloggen und b) als Aufruf zur Zivilcourage.

  36. Sarrazins Plagiat

    In meinem Artikel zu Sarrazins deutschsprachigen Quellen in dem oben besprochenen Buch hatte ich in einer Anmerkung auch auf ein direktes Zitat von Volkmar Weiss bei Sarrazin hingewiesen:

    Original Volkmar Weiss in der IQ-Falle (Weiss 2000: S. 27)

    „Wenn man natürliche Selektion als Ergebnis der unterschiedlichen Lebensbedingungen der Rassen annehmen müsse, könne man die Möglichkeit erblicher Rassenunterschiede auch im Psychischen nicht ausschließen.“

    Bei Sarrazin wird in „Deutschland schafft sich ab“ (Sarrazin 2010: S. 96) daraus:

    „Wenn man natürliche Selektion als Ergebnis der unterschiedlichen Lebensbedingungen von Ethnien annehmen müsste, so sein Schluss aus den vertiefenden Studien zur Vererbung von Begabungen, könne man die Möglichkeit erblicher Unterschiede zwischen Ethnien auch im Psychischen nicht ausschließen“

    Sarrazin wurde nach eigenen Aussagen vom Verlag gebeten, „Rasse“ durch „Ethnie“ zu ersetzen. Bei dem Zitat, wo es um Wilhelm Peters ging, der ja gar nicht von Ethnien, sondern von „Rassen“ sprach, macht die Bemerkung von Sarrazin keinen Sinn. Hier liegt meines Erachtens ein deutliches Plagiat vor. Die Aussage Sarrazins in Schirrmachers Interview, dass sich Sarrazin nur auf Weiss als DDR-Experten berief, scheint gelogen zu sein.

  37. Michelle Obamas (auch) weiße Vorfahren

    In den USA hat sich eine neue, schmerzhafte Debatte über Rassismus entzündet, weil nun deutlich wurde, dass auch Michelle Obama weiße Vorfahren hatte; ja, dass zwischen Weißen und ihren schwarzen Sklavinnen über lange Zeit hinweg viele Kinder gezeugt wurden. Während heutige Weiße lieber von Liebesbeziehungen ausgehen wollen, sind die meisten Nachfahren der Sklavinnen und Sklaven da sehr viel skeptischer:
    http://www.tagesspiegel.de/…tbrannt/6879950.html

  38. @Andreas Kemper

    Schön, dass Sie vorbei schauen! 🙂

    Wenn ich Volkmar Weiss richtig verstanden habe, so geht er ja noch von viel weitergehenden Entnahmen Sarrazins aus. Und auch darüber hinaus: Ist denn Ihres Wissens nach „Deutschland schafft sich ab“ überhaupt einmal analog zu anderen Prominenten auf Plagiate abgesucht worden?

    Bei den Seiten, in denen sich Sarrazin auf meine Arbeiten bezieht, gibt er zwar die Zitatstellen richtig an, verkürzt aber die Daten und Aussagen so massiv, dass sie bis fast zum Gegenteil verzerrt werden. Eigentlich hatte ich das ja einfach beruhen lassen wollen, werde es aber ggf. doch einmal aufgreifen.

  39. Plagiate

    Hallo Michael Blume,

    mir ist nicht bekannt, ob sein Text auf Plagiate untersucht wurde. Ich habe lediglich seinen Text mit dem von Volkmar Weiss verglichen. Es kommt aber selten ein Plagiat allein 😉

  40. @Michael Blume

    Einschüchterungsversuche sind auch für mich zunächst eine Auszeichnung und man darf ihnen nicht nachgeben, hat man dann doch etwas sehr treffend angesprochen – wogegen Argumente nicht mehr weiterzuhelfen scheinen. Andererseits ist man im Miteinander nicht so wirklich weiter gekommen und daher wünsche ich mir doch auch immer, dass man anschließend wieder über die Sache reden kann. Denn manchmal deutet der Einschüchterungsversuch auch auf eine von mir mitverursachte Problematik hin.

    Das problematische Buch müsste ich erst lesen. Doch vielleicht liegt ja hier (wie auch bei Sarrazins Werk) das Hauptproblem in der Darstellung und Aufschlüsselung? Denn beim Rückschluss von menschlichen Fehlern auf wissenschaftliche Werke bin ich ziemlich vorsichtig (auch wenn eine gesunde Portion Misstrauen generell angebracht ist) – der oben zitierte Gunnar Heinsohn hat z.B. (auch) wissenschaftlich einwandfreie und innovative Werke geschrieben.

    Übrigens: Sarrazin auf Plagiate zu untersuchen fände ich sehr interessant (könnte man ja mal bei vroniplag vorschlagen). Ich wäre gespannt, wie die Bevölkerung darauf reagiert – und es wäre pädagogisch durchaus interessant…

  41. Plagiate

    hm… – ich denke die Sache mit den Plagiaten sollten Sie wirklich noch mal aufgreifen, vor allem wenn Ihre Aussagen beinahe ins Gegenteil verkehrt werden.

  42. @Ano Nym: Das ist ja das Klischee

    ad 1: Ja, aber warum?
    ad 2: Damit kann ich nichts vergleichen – denn nicht so gut Ausgebildete wollen ja kaum aus Deutschland weg. Darum ist es doch viel spannender, die Gründe der gut Ausgebildeten für eine Zuwanderung zu untersuchen, und warum die nicht auch dahin auswandern wo Bildungsinländer hinwandern.
    In beiden Fällen gibt es Klischees, doch oft stimmen die nicht wirklich oder sind nur die bekannten Aus-/Umformungen der wirklichen Gründe.

    Zum Wollen von @Michael Blume kann er sicher besser schreiben. Doch ich habe ihn immer so verstanden, dass ihm diese Einwanderung nicht das Problem ist, sondern die Überheblichkeit ggü. den Einwanderern. Was ich übrigens genauso sehe, denn unsere (Wirtschafts)Politik ist nicht unschuldig an dieser Einwanderung…

  43. @Noït Atiga: Warum?

    ad 1: Ja, aber warum?

    – Job.
    – Mehr Gehalt oder mehr Kaufkraft fürs Gehalt.
    – Wetter.
    – …

    Um das zu ergründen reicht ein RTL-Reporter dazu brauchen Sie keinen Soziologen.

    nicht so gut Ausgebildete wollen ja kaum aus Deutschland weg.

    Machen Sie mal den Ersetzungstest: Ersetzen Sie das Verb „wollen“ durch a) „können“ und b) „dürfen“ und versuchen Sie sich mal mit einer kontruktiven Interpretation an den so gewonnenen Sätzen. Sie werden überrascht sein.

    Darum ist es doch viel spannender, die Gründe der gut Ausgebildeten für eine Zuwanderung zu untersuchen, und warum die nicht auch dahin auswandern wo Bildungsinländer hinwandern.

    Daran ist nichts spannend, weil da gar keine Unklarheiten bestehen: Es gibt bei den Auswanderen Länder-Präferenzen (Geschmacksurteile) und bei den aufnehmenden Ländern Einwanderer-Präferenzen und Kontingente. „Einwanderungspolitik“ heißt die Gesamtheit der Maßnahmen eines Staates, die verhindert, dass alle Auswanderer mit ihrer Präferenz zum Zuge kommen.

    ich habe ihn immer so verstanden, dass ihm diese Einwanderung nicht das Problem ist, sondern die Überheblichkeit ggü. den Einwanderern.

    Jemand der „Ausländer raus!“ brüllt, weil er glaubt, dass ein Arbeitsplatz, der von einem Ausländer besetzt ist, eigentlich ihm zustünde, der begeht einen Denkfehler und nicht einen Tugendverstoß.

    Sarrazin ist niemand, der „Ausländer raus!“ brüllt. Er ist auch niemand, der biologische Argumente fürs Brüllen liefern will.

  44. @Ano Nym: Oberflächlich

    ad 1: Das sind die oberflächlichen Gründe, aber dann müssten fast alle Gebildeten auswandern – was auch nicht passiert. Und bei der Berufung von Wissenschaftlern weiß man, dass ganz andere Faktoren reinspielen. Und natürlich kann man alle Fragen durch RTL-Reporter lösen lassen – die sind ja sowieso gründlicher und deswegen billiger und unvoreingenommener als Wissenschaftler.

    ad 2: Wenn Sie davon ausgehen, dass sowieso niemand in Deutschland bleiben will – dann bringt aber auch die Diskussion nichts. Man muss ja erstmal davon ausgehen, dass es auch positive Seiten im Ländle gibt.

    ad 3: Mag sein – aber damit ist man beim Problem immer noch nicht weiter. Warum gibt es denn diese Präferenzen, was sagen sie aus und wie kann man diese Ursachen zu einer Korrektur nutzen.

    ad 4: Den Zusammenhang verstehe ich nicht.

  45. @Noït Atiga: Zusammenhang

    ad 3: Mag sein – aber damit ist man beim Problem immer noch nicht weiter. Warum gibt es denn diese Präferenzen, was sagen sie aus und wie kann man diese Ursachen zu einer Korrektur nutzen.

    Das ist die Perspektive, die Leute (wie Sarrazin) einnehmen, die höchste Staatsämter bekleiden. Oder Leute, die sich vorstellen, sie müssten denken, als ob sie gerade höchste Staatsamter bekleiden.

    ad 4: Den Zusammenhang verstehe ich nicht.

    Ich sehe nicht, welchen Zusammenhang Sie sehen aber nicht verstehen. An welcher meiner Aussagen sind sie hängen geblieben?

  46. Irrtümer genetischer Laien (@ V. Weiss)

    Volkmar Weiss schreibt oben: „Die Gene und Allele kombinieren und vererben sich weitgehend frei. Gene und Allele, die Verhalten und Leistungen beeinflussen, sind nicht an blaue Augen oder die Hautfarbe gekoppelt. Richard Lynn mag da (insgeheim) anderer Auffassung sein, ich weiß es nicht. Alle Genhäufigkeiten sind aber in allen Populationen mehr oder weniger unterschiedlich.“

    Behauptungen zur vermeintlich starken Vererbbarkeit komplexer Merkmale wie Intelligenz und Verhalten werden am lautstärksten von Leuten vorgetragen, die von den molekularbiologischen Grundlagen (Genetik) eher wenig verstehen. Dazu zählt auch Thilo Sarrazin selbst, wie ich in meinem Buchbeitrag im obigen Sammelband (Kapitel: „Sarrazins dubiose US-Quellen“) nachgewiesen habe (u. a. S. 40 ff.). Besonders überzeugend hat Diethard Tautz – Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie und damit einer der führenden deutschen Spezialisten auf diesem Gebiet – die Scharlatanerie fachfremder Halbwisser in seinem Buchbeitrag „Genetische Unterschiede. Die Irrtümer des Biologismus“ entlarvt.

    Wieso wird den von Genetik-Laien (inkl. Psychologen) in die Welt gesetzten Vererbungs-Postulaten dennoch so viel Gehör geschenkt?

    Dies hat zum einen historische Wurzeln: Als in USA und anderen Ländern ab Anfang des 20. Jahrhunderts – viele Jahrzehnte vor der Entdeckung des genetischen Codes – eugenische Gesetze zur Zwangssterilisation geistig Behinderter verabschiedet wurden, beherrschten Psychologen die wissenschaftliche und politische Diskussion – und damit nach heutigem Standard Fachfremde. Auch im rassistischen Pioneer Fund, der nach 1945 trotz des Nazi-Holocausts weiter eugenische Forschung förderte, sind bis heute Psychologen tonangebend – allen voran Richard Lynn und der heutige Präsident J. Philippe Rushton. Deren Anmaßung politischer Richtlinienkompetenz kann man als Anachronismus betrachten.

    Eine weitere Erklärung ist das meist a priori feststehende Erkenntnisinteresse eugenisch orientierter Autoren: Charles Murray/Richard Herrnstein („The Bell Curve“), Richard Lynn und Thilo Sarrazin leiten aus ihren behaupteten biologischen und statistischen „Fakten“ fragwürdige Politikempfehlungen ab, die meist in Richtung Abschaffung oder Einschränkung von staatlichen Transferleistungen wie Sozialhilfe gehen, weil diese „dysgenisch“ wirken sollen.

    Insbesondere in Sarrazins Hauptquelle „The Bell Curve“ ist unschwer zu erkennen, dass die Politikempfehlungen die eigentliche Prämisse zum Schreiben des Buches waren, während die „Fakten“, aus denen die Politikempfehlungen scheinbar zwingend hergeleitet wurden, dazu passend „hingedreht“ wurden – nicht zuletzt dank zahlreicher Statistiktricks. Murray und Herrnstein arbeiteten somit vom Schwanz zum Kopf. Dies gilt auch für Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“. Erstaunlich ist das nicht, weil sich Sarrazin, wie Volkmar Weiss in seinem Blog-Beitrag noch einmal bestätigt hat, stark an „The Bell Curve“ orientierte.

    Auch im obigen Zitat von Weiss finden sich die für Genetik-Laien typischen Irrtümer:

    1. “ Gene und Allele, die Verhalten und Leistungen beeinflussen, sind nicht an blaue Augen oder die Hautfarbe gekoppelt.“

    Genetiker bezweifeln bis heute, ob Verhalten und Leistungen ÜBERHAUPT vererbt werden. Bis heute konnten keine Gene für Intelligenz nachgewiesen werden. Hinzu kommt, dass die Einflüsse von Genen und der Umwelt stark miteinander verwoben sind. Dies erkennt man unter anderem bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs. In den Zellen sind nicht die Gene selbst am Wirken (Gene sind lediglich inaktive Kopiervorlagen im Zellkern), sondern die von der Zellmaschinerie aus den Genen produzierten Proteine. Proteine können aber durch Umwelteinflüsse ein- oder ausgeschaltet werden. Dies kann z. B. durch Anhängen einer Phosphatgruppe an ein Protein geschehen. Wenn ein Protein, das aus einem Gen erzeugt wurde, inaktiv wird, so ist auch das Gen selbst faktisch inaktiv. Wird z. B. in einer Zelle das Protein, das bei Zelldefekten den Befehl zum Zellselbstmord (Apoteose) gibt, durch Umwelteinflüsse – darunter Umweltgifte – deaktiviert, kann die Zelle zur Krebszelle werden.

    2. „Alle Genhäufigkeiten sind aber in allen Populationen mehr oder weniger unterschiedlich.“

    Gene liegen in unterschiedlichen Varianten vor, die beispielsweise für blaue oder braune Augen kodieren. Diese Spielarten ein und desselben Gens werden „Allele“ genannt. Ungeachtet dessen hat jeder gesunde Mensch die gleiche Anzahl von Genen – sonst hätte es sich gar nicht gelohnt, im Rahmen des 2003 abgeschlossenen „Human Genome Project“ (HGP) das komplette menschliche Erbgut zu entschlüsseln. Mit dem HGP wurde prototypisch „das menschliche Genom“ sequenziert. Die Aussage „das menschliche Erbgut“ wäre anderenfalls gar nicht sinnvoll. Dies gilt für alle Ethnien – folgerichtig gab es beim HGP auch keinen „Sonderzweig“ für afrikanische, jüdische oder muslimische Gene. Richard Lynns und Thilo Sarrazins bis heute praktizierte Völkervergleiche sind somit wissenschaftlich obsolete Mythen aus dem 19. Jahrhundert.

    Ein weiteres großes Missverständnis in der Gen-Debatte – insbesondere hinsichtlich angeblicher „jüdischer Gene“ – ist, dass die menschliche Erbsubstanz (DNA) – jene rund drei Milliarden Basenpaare in den menschlichen Chromosomen – nur zu einem Bruchteil aus Genen besteht. Ein Großteil unserer DNA ist genetisch inaktiver „Nukleotid-Müll“. Wenn sich in diesem Teil der DNA durch Mutation eine Veränderung ergibt, so sind die Gene – und damit die sich aus den Genen entwickelnden Phänotypen – in keinster Weise betroffen. Solche Veränderungen in DNA-Bereichen, die keine Gene enthalten, sind für Genetiker dennoch sehr interessant, weil sie als so genannte genetische Marker herangezogen werden können. Mit Hilfe solcher Marker konnte der kalifornische Genetiker Luigi Cavalli-Sforza die vorgeschichtlichen Migrationen der aus Afrika stammenden menschlichen Urbevölkerung rekonstruieren und damit den ersten „genetischen Weltatlas“ vorlegen (siehe S. 44 f. meines Buchbeitrags). Dennoch sind solche Marker KEINE Gene. Mutationen biologischer Marker – auch solche im Genom jüdischer Populationen – sind daher auf der Ebene der Gene völlig irrelevant. Die begriffliche Vermischung von „Gen“ und „genetischem Marker“ ist eine weitere Großbaustelle in der weitgehend politisch motivierten Laien-Diskussion um Vererbung.

  47. Voellig unbeschriebenes Blatt

    @Sesin
    „Genetiker bezweifeln bis heute, ob Verhalten und Leistungen ÜBERHAUPT vererbt werden.“
    Hm, also muessen Spinnen erst in die Buecherei um zu lernen, wie man ein Netz webt? Und menschliche Saeuglinge in einen Nuckelkurs? Und zu den „juedischen Genen“: ich glaube, Sie schlagen da ein ohnehin schon totes Pferd, was diesen speziellen Ausdruck angeht allemal.

  48. @Sesin

    Direkt angesprochen, sollte ich antworten.

    Ihr journalistischer Blogbeitrag charakterisiert Sie, Herr Sesin, in Bezug auf Genetik als Laien, auf ähnlichem fachlichen Niveau wie Thilo Sarrazin.

    Dazu nur:
    1. Haben Sie noch nie von dem HapMap-Projekt gehört? Seit einigen Jahren bestimmt man bei den rund 27000 Genen des Menschen für die Millionen inzwischen bekannter Polymorphismen (SNPs und andere) die Allelfrequenzen bei einer Stichprobe aus China, aus Japan, aus Nigeria, bei Weißen in den USA, bei Schwarzen in den USA und bei Europäern. Inzwischen sind auch noch einige weitere Stichproben dazu gekommen. Die riesige Datenbank ist im Internet für jedermann öffentlich zugänglich, auch für Sie. Und siehe da: Jede Allelfrequenz ist in jeder Population anders. Schwarze aus den USA liegen stets zwischen den Werten aus Nigeria und Weißen usw.

    2. An dem Begriffswirrwarr, an dem Sie scheitern, sind die Genetiker selber mit Schuld. Für jeden Genetiker ist aber klar, daß, wenn von Genhäufigkeiten, Genfrequenzen die Rede ist, es nicht um das Vorhandensein eines Gens geht oder nicht, sondern um seine Schalterstellung, also die Allelhäufigkeit.

    3. Bedarf ich keiner Belehrung durch einen Journalisten oder einen Mäuse-Fachmann wie Herrn Tautz.
    Ich bin promovierter Humangenetiker (1972) und Genetiker (1990), habe nie den Kontakt zur Genetik verloren und kann mit molekulargenetischen Datenbanken und Forschungsergebnissen umgehen, ja sogar bis heute selbst welche auslösen. Meine vorletzte Publikation auf diesem Gebiet war: Payton, A. und 7 weitere Autoren (darunter Weiss, V.): Investigation of a functional quinine oxidoreductase (NQO2) polymorphism and cognitive decline. Neurobiology of Aging 31 (2010) 351-352. Meine neueste Original-Publikation (2011) zur Molekulargenetik des IQ diskutiere ich auch in meinem neuen Buch.

  49. @Ano Nym: Was wollen Sie sagen?

    Ich glaube, wir schreiben hier aneinander vorbei. Mein Ausgangspunkt war eine Antwort auf das von Michael Blume aufgeworfene Problem, dass Deutsche nicht mehr ausreichend Kinder für die Altersvorsorge hätten und deswegen Einwanderer brauchten. Meine Antwort darauf war:

    Und bei der Zuwanderungsfrage müssen wir untersuchen, warum denn Deutschland für viele hier gut Ausgebildete so wenig interessant ist – während es für anderswo gut Ausgebildete so sehr interessant ist. Oder was im Bildungssystem falsch läuft, dass wir Begeisterung nur in Bereichen wecken mit denen wir in der Wirtschaft anscheinend/scheinbar nichts anzufangen wissen.

    Denn prinzipiell haben wir genug Ausgebildete und die laufen uns weg – bzw. die Ausgebildeten sind es in falschen Bereichen, in Anbetracht der Arbeitslosenzahlen kann es ja nicht am Kindermangel liegen.
    Wenn man das lösen will, muss man die Gründe erforschen. Und da ist es (wenn wir uns nur auf Ein- und Auswanderung beziehen) allein sinnvoll, die Gründe der Auswanderer mit den Gründen der Einwanderer zu vergleichen. Wenn es nur um persönliche Präferenzen ginge, dann wäre der Schwund gering und die Zuwanderung unproblematisch. Beides ist ja nicht der Fall – also muss es andere Gründe geben, nach allem Anschein strukturelle. Und anders als Sarrazin will ich ja gerade nicht auf irgendwelche ethnische Gründe hinaus, sondern änderbare Gründe – und das sollte nicht nur für Menschen in höchsten Staatsämtern wichtig sein.

    Und bei ad 4 weiß ich nicht, wie Sie jetzt auf einen Tugendverstoß kommen oder auf Ausländer raus, wo es nur um die Fragen der Einwanderungspolitik ging?

  50. Talk bei Natur des Glaubens

    Lieber Herr Sesin, ganz herzlich heiße ich auch Sie hier willkommen!

    Wenn das so weiter geht, kommt Thilo hier auch bald vorbei… 😉

    Bloggen ist einfach der Hammer.

  51. @Noït Atiga

    Ich glaube, wir schreiben hier aneinander vorbei. Mein Ausgangspunkt war eine Antwort auf das von Michael Blume aufgeworfene Problem, dass Deutsche nicht mehr ausreichend Kinder für die Altersvorsorge hätten und deswegen Einwanderer brauchten.

    Das ist kein normales Problem normaler Menschen, sondern eines, das nur Herrschaftsfiguren (Sarrazin) oder solche Menschen haben, die meinen sie müssten so denken wie Herrschaftsfiguren (Blume). Dass Sie das Problem schon falsch verstehen und auch noch auf sich (Deutsche statt Deutschland) beziehen gesellt sich z.B. neben die Frage wer in den Herkunftsländern der Einwanderer die von denen dort vorgesehene Versorgung der Alten übernimmt.

    Und bei ad 4 weiß ich nicht, wie Sie jetzt auf einen Tugendverstoß kommen oder auf Ausländer raus, wo es nur um die Fragen der Einwanderungspolitik ging?

    Sie schrieben nämlich: „ich habe ihn [Blume] immer so verstanden, dass ihm diese Einwanderung nicht das Problem ist, sondern die Überheblichkeit ggü. den Einwanderern.“ Überheblichkeit (hybris) ist eine Sünde und als solche eine moralische Kategorie – wer tugendhaft ist, der sündigt nicht, das meinte ich mit „Tugendverstoß“.

    Ihnen erscheint aber nur als Überheblichkeit, was in Wirklichkeit ein geäußerter Denkfehler von Betroffenen ist. Personen und Kleinkinder, die sich tugendwidrig verhalten, bekommen auf die Finger geklopft, das macht Blume. Menschen, die sich irren, die klärt man über ihren Irrtum auf.

  52. @Ano Nym: Ich verstehe, warum

    … ich nicht verstehen konnte: Ich sehe beides anders.

    ad 1: Das sehe ich als normales Problem normaler Menschen an, jedenfalls in einer Demokratie. Und dass ich es auf Deutsche bezogen habe, das war ebenfalls richtig, denn in Deutschland Lebende anderen Kulturhintergrundes haben das Problem nicht. Es ist also schon ein mit der Nationalität verbundenes Problem.

    ad 2 (4): Das sehe ich ebenfalls anders. Hauptgrund ist dort die Überheblichkeit, nicht ein Denkfehler – auch wenn der die Überheblichkeit durchaus fördert. Wenn es nämlich nur um Denkfehler ginge, dann wären nicht soviele Emotionen beteiligt. Diese Überheblichkeit ist historisch begründet, und die deutsche Politik hat dieses historische Problem jahrzehntelang nicht aufgearbeitet – sondern nur durch Überheblichkeit auf anderen Gebieten zu sublimieren gesucht (was man an den Euro-Diskussionen schön sehen kann).

  53. Genetische „Fachmänner“

    @V. Weiss: Zu den Ergebnissen des 2003 abgeschlossenen Human Genome Project zählte, dass der Mensch rund 20.300 Gene hat, nicht wie Sie schreiben, 27.000.

    SNPs können übrigens auch in nicht-kodierenden Genom-Regionen liegen, wo sie für die Protein-Expression – und damit auch für die Umwelt/Erbe-Debatte – nicht relevant sind.

  54. Noït Atiga: Emotion

    Das sehe ich als normales Problem normaler Menschen an, jedenfalls in einer Demokratie.

    Die Herrschaftsform bestimmt, ob ein Problem des Staates auch eins der Menschen ist? Das erscheint mir ziemlich fragwürdig. Die Frage, wer in den Herkunftsländern die Altersversorgung übernehmen soll, haben sie übrigens ignoriert.

    Wenn es nämlich nur um Denkfehler ginge, dann wären nicht soviele Emotionen beteiligt.

    Dafür gibt es keinen Erfahrungssatz. Sie erinnern sich vielleicht an den Fall des Menschen, bei dem eine Hausdurchsuchung vorgenommen wurde und der – Denkfehler! – annahm, es wäre ein Killerkommando, das ihn nun töten wolle. Da waren ziemlich viele Emotionen im Spiel.

    sondern nur durch Überheblichkeit auf anderen Gebieten zu sublimieren gesucht (was man an den Euro-Diskussionen schön sehen kann).

    An der Euro-Diskussion sehe ich keine Überheblichkeit, sondern Länder die Positionen haben und Forderungen stellen.

  55. @Ano Nym: ‚Denkfehler‘

    ad 1: Ja, denn nur wenn sich alle Menschen an der Politik beteiligen (sollen), dann sind politisch relevante Probleme solche aller Menschen. Was die Herkunftsländer angeht, so ist das wohl noch nicht problematisch – Altersstruktur und Kinderzahl gleichen das dort meist noch aus.

    ad 2: Individuell und akut mag das stimmen – auf kollektiver und langfristiger Basis kaum. Aber meinetwegen begehen viele den ‚Denkfehler‘, ihre ‚deutsche‘ Ansicht sei allein richtig.

    ad 3: ‚Deutschland‘ wirft fast allen anderen Ländern Versäumnisse vor – die hätten ja nur so gut wirtschaften müssen wie ‚Deutschland‘, dann hätten wir das Problem heute nicht. Das ist aber überheblich, denn dieses angeblich ‚gute Wirtschaften‘ ist Teil des Problems – hat es doch zu der aktuellen Lage viel beigetragen, etwa durch das Auseinanderlaufen der Lohnkosten. Wenn ich mich richtig erinnere sind die seit Euroeinführung bezogen auf Deutschland anderso bis zu 25% gestiegen – hätte ‚Deutschland‘ also dort nicht so rigoros gespart (effektiv sind diese Kosten dort nämlich um etwa 10% gesunken), dann wäre der Unterschied geringer und die innereuropäischen Ungleichgewichte wären ebenfalls geringer. Für Europa als Ganzes wäre das deutlich besser, denn nach außen wäre dann vieles über Währung, Zinssätze und Co. korrigiert worden. Aber ‚Deutschland‘ hätten nicht soviel arbeiten können.

  56. @Jürgen Bolt: „Genforscher“ Sarrazin

    Was war mit dem Judengen? Was war mit dem Baskengen?
    Hat Herr Sarrazin öffentlich behauptet.
    Und nicht belegt!
    – Schon vergessen?

    Genforscher distanzierten sich von Sarrazins populistischen Aussagen.

    Und warum kriegte Herr Sarrazin ständig brausenden Applaus für sein Buch von der NPD? Das kann doch kein Zufall gewesen sein. Da gibt es Schnittmengen!

  57. herrn weiss‘ illusio

    @v. weiss: da Sie ja so triumphalistisch auf Ihre ausbildungsmeriten hinweisen – mich würde interessieren, was Sie überhaupt als historiker qualifizierte, studierten Sie doch eher solch nicht-historiographische fächer wie „Geographie und Germanistik“ sowie „Biologie“? das dünkt doch sehr sonderbar, hat aber offensichtlich den für Sie angenehmen strategischen effekt, dass Sie sich als allumfassenden, nahezu global zuständigen wissenschaftler darstellen/fühlen können – der sich darüber hinaus angeblich vollkommen unpolitisch von einer rechtsextremen partei für eine bestimmte funktion vorschlagen lässt.
    in all ihren stellungnahmen schimmert eine sehr unangenehme einwand- und kritikimmune selbstgefälligkeit sowie intellektuelle hermetik durch, die für sich wissenschaftliche objektivität und nichts als die wahrheit reklamiert – und sich offensichtlich auf eben dieser grundlage selbst zumutet, fundierte aussagen zu (sozial-)politischen fragen treffen zu können. pierre bourdieu schöpfte einmal den schönen begriff der „illusio“. bei Ihnen lässt sich wunderbar eine form der selbstillusionierung erkennen, die vor lauter genen und alleelen die ganzen geschichtlichen und soziologischen zusammenhänge nicht mehr erkennt bzw. erkennen will. es sei Ihnen deshalb angeraten, sich über den zusammenhang von irgendwelchen vulgär-biologistisch legitimierten IQ-konstrukten und entsprechenden menschenpark-programmatiken ebenso weiterzubilden wie über grundlegende wissenschaftsgeschichtliche und -philosophische fragestellungen. fangen Sie z.b. Ihre fortbildungslektüren mit einem klassiker an, Ludwik Fleck: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv.

  58. @Noït Atiga

    ad 3: ‚Deutschland‘ wirft fast allen anderen Ländern Versäumnisse vor – die hätten ja nur so gut wirtschaften müssen wie ‚Deutschland‘, dann hätten wir das Problem heute nicht. Das ist aber überheblich,

    Wenn Sie das schon kritisieren, ist es denn wenigstens auch noch falsch? Ich meine: Wenn es zutrifft, gibt es keinen sachlich begründeten Einwand gegen die Aussage, sondern bestenfalls einen des Stils oder der Umgangsformen.

    Dass es für jemanden, der gerade seinen Wagen wegen überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum gesetzt hat, nicht hilft, wenn man ihm sagt, dass er zu schnell gefahren ist, ist doch kein Argument dagegen, die dem Unfall zugrunde liegende Tatsache zu verschweigen und zur Grundlage von Schadenersatzforderungen zu machen.

    Das ist aber überheblich, denn dieses angeblich ‚gute Wirtschaften‘ ist Teil des Problems – hat es doch zu der aktuellen Lage viel beigetragen, etwa durch das Auseinanderlaufen der Lohnkosten.

    Oben haben Sie noch geschrieben, die anderen Länder hätten nur genauso gut wie Deutschland wirtschaften sollen – so laute der Deutsche Vorwurf –, dann wäre es doch gerade nicht zum Auseinanderlaufen der Lohnkosten gekommen. Ist der Vorwurf nun falsch oder nicht?

  59. @Ano Nym

    dann sollten Sie meine ausführungen nochmals durchlesen, darin steckt sogar ganz grundlegendes über das, was Sie die „sache“ nennen. die frage ist halt nur, was die „sache“ ist, wer oder was sagt, was „sache“ ist, wie sie mithilfe welcher mittel erkannt werden kann & was daraus alles folgt. es gab & gibt immer schon viel zu viele, die meinen zu wissen, was die „sache“ ist, bzw. dass sie überhaupt ist…
    d.h. in diesem zusammenhang, dass die grundlegenden prämissen radikal infrage gestellt werden müssen, da die rede von „IQ“, die daran gekoppelte rede von irgendeiner bestandserhaltung oder dem überleben eines „volks“ oder einer „nation“ ungemein voraussetzungsreich ist, aber eben nicht einfach vorausgesetzt werden kann. das ist allerdings eine kritische perspektivierung, die offensichtlich vielen essentialisten & substantialisten à la weiss oder sarazin schlechterdings nicht zugänglich ist…

  60. tagesschaiu: Ja hat er

    Was war mit dem Judengen? Was war mit dem Baskengen?

    An das Judengen kann ich mich erinnern. An ein Baskengen nicht. Die Belehrung von Sesin, dass nicht alles auf dem DNA-Strang Gen ist, auch wenn es in mir derzeit nicht verständlichen Gesichtspunkten auch manchmal Gen genannt wird, habe ich dankend zur Kenntnis genommen.

    Aber auf all das kommt es gar nicht an.

    […] Genforscher distanzierten sich von Sarrazins populistischen Aussagen.

    Aber doch nicht weil sie falsch wären oder sind oder unbelegt sind. Sondern deshalb, weil sie als rassistisch empfunden werden.

    Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit:

    http://www.heise.de/tp/artikel/37/37282/1.html
    Überschrift: „Mutanten mit Gedächtnisvorteil“.
    Zusammenfassung: „Eine in Nordeuropa bei 0,2 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung vorhandene Genvariante schützt Menschen vor Alzheimer“

    Ist der Inhalt rassistisch, ist der Autor ein Rassist?

  61. @franzferdl: Die Sache

    Ihre Gedanken sind verworren:

    […] d.h. in diesem zusammenhang, dass die grundlegenden prämissen radikal infrage gestellt werden müssen,

    Wer sagt das? Warum müssen sie in Frage gestellt werden? Wenn sie falsch sind, sind sie zu verwerfen, wenn sie stimmen, kann man sie schlecht in Frage stellen.

    da die rede von „IQ“, die daran gekoppelte rede von irgendeiner bestandserhaltung oder dem überleben eines „volks“ oder einer „nation“ ungemein voraussetzungsreich ist, aber eben nicht einfach vorausgesetzt werden kann.

    Wollen Sie sagen: Selbst wenn der Fortbestand Deutschlands tatsächlich vom IQ seiner Insassen abhinge, dürfe man das (z.B. wegen Auschwitz?) nicht so sagen? Das würden jedenfalls meine Aussage, dass Thilo Sarrazin die Eva Herman gemacht hat, bestätigen.

    das ist allerdings eine kritische perspektivierung, die offensichtlich vielen essentialisten & substantialisten à la weiss oder sarazin schlechterdings nicht zugänglich ist…

    Wenn man sich nicht erklären will, weil man sich erklären kann (magisches Denken und so), ist eine Kommunikation schlechterdings nicht sinnvoll möglich.

  62. @tagesschaiu

    „Was war mit dem Judengen?“ Daß Ethnien sich genetisch voneinander unterscheiden, ist banal, das sieht man schon an der Hautfarbe.

    „Und warum kriegte Herr Sarrazin ständig brausenden Applaus für sein Buch von der NPD?“ Sarrazin ist meines Wissens weder Rassist noch rechtsextrem. Daß ihm von der Seite applaudiert wird, kann man ihm nicht vorwerfen.

    Er hat in „Deutschland schafft sich ab“ zwei Thesen vorgestellt, auf die der Zeitgeist allergisch reagierte.

    Erstens: beruflicher Erfolg hängt mit einer vererbaren Eigenschaft zusammen, der Intelligenz. Zweitens Muslime sind im Durchschnitt weniger bildungsbereit als Angehörige anderer Kulturen.

    Der allergisch affizierte Zeitgeist hat diese beiden Thesen, um sie besser diffamieren zu können, zu einer zusammengezogen: Muslime sind genetisch weniger bildungsbereit, und Sarrazin ist ein Rassist.

    Das ist Politik. Nun ist oder war Sarrazin Politiker und hätte diese Entwicklung vorhersehen können und müssen. In diesem Sinn hat ihn auch einer der wenigen deutschen Politiker, vor denen ich wirklich Respekt habe, Helmut Schmidt, kritisiert: Er hat in vielem recht, aber den genetischen Kram hätte er weglassen sollen.

    Im Original hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=zHGdNO55U4A

  63. @Ano Nym: Grammatik bekannt?

    Ich habe beide Fragen beantwortet:
    … wirft vor … + Konjuktiv = Wiedergabe einer subjektiven, nicht unbedingt wahren Aussage.
    … ist (Indikativ) Teil des Problems = falsche Vorstellung, die nicht Lösung, sondern Mitursache war.

  64. @Noït Atiga

    Ich habe beide Fragen beantwortet:
    … wirft vor … + Konjuktiv = Wiedergabe einer subjektiven, nicht unbedingt wahren Aussage.
    … ist (Indikativ) Teil des Problems = falsche Vorstellung, die nicht Lösung, sondern Mitursache war.

    Es ergibt keinen Sinn, jemandem, der einem anderen etwas Unzutreffendes vorwirft, Überheblichkeit zu unterstellen.

    Wenn ich behauptete, dass meine Beiträge hier im Blog geschliffener formuliert wären als die von Michael Blume und wenn Sie mir darauf vorhielten, ich wäre überheblich, dann impliziert das, dass sowohl ich als auch Sie von der Richtigkeit meiner Feststellung ausgehen.

    Sie hatten geschrieben:

    ad 3: ‚Deutschland‘ wirft fast allen anderen Ländern Versäumnisse vor – die hätten ja nur so gut wirtschaften müssen wie ‚Deutschland‘, dann hätten wir das Problem heute nicht. Das ist aber überheblich,

    Daraus folgt, dass Sie den Versäunisvorwurf an fast alle anderen Länder teilen und nur meinen, das sollte man aber aus Anstandsgründen (?) so nicht aussprechen.

  65. @Ano Nym: Differenzen & Perspektiven

    Zunächst zum Ende – das ist falsch, denn schon grammatisch muss die Begründung der Überheblichkeit ebenfalls herangezogen werden, und die haben Sie beim Zitat weggelassen.

    Weiterhin reduzieren Sie die Bedeutung von „Überheblichkeit“. „Selbstgefällig herabsehen“ kann man nämlich nicht nur, wenn man Recht hat – sondern auch wenn man Unrecht oder insbesondere teilweise Recht hat. Selbstgefällig ist das vor allem dann, wenn man die Argumente der Anderen gar nicht erst hören will. Was insbesondere dann zutrifft, wenn es verschiedene Wege (oder Interpretationen) gibt – die alle möglich sind.

    Das war hier der Fall. Denn für ein einzelnes Land sind sowohl der ‚deutsche‘ als auch etwa der ‚französische‘ Weg möglich – mit ersterem wird man reicher mit letzterem glücklicher. Die ‚deutsche‘ Überheblichkeit liegt nun darin, den Reichtum als absolutes Maß zu setzen und den (auch) am Glück orientierten Ländern ihren fehlenden Geiz vorzuwerfen. Volkswirtschaftlich funktionieren beide Wege bei Einzelstaaten letztlich gleich gut, denn es wird über andere Wege weitgehend kompensiert. Nur in der Währungsgemeinschaft führt das gleichzeitige Einschlagen dieser konträren Wege zu den heutigen Spannungen, denn wenn Einige nur geizig sind und Andere nur glücklich – dann laufen u.a. die Lohnkosten auseinander wie oben skizziert. Soweit man sich nicht ausdrücklich auf einen Weg geeinigt hat, hätte ganz richtige Mittelweg darin bestanden, dass ‚Deutschland‘ nicht so geizig gelebt (seine Lohnkosten also nicht so extrem gesenkt) hätte und dass andere Länder nicht so extrem glücksbetont gelebt (ihre Lohnkosten also nicht so extrem erhöht) hätten.

    Wenn Sie das auf Schreibfragen übertragen wollen: Manche schreiben extrem kurz, andere extrem ausführlich – beides kann man kritisieren. Wenn ich aber schreibe: Alle Langschreiber haben keinen Stil, sie sollen so kurz formulieren wie ich. Dann ist das überheblich, denn das Langschreiben kann im Blog ja ob seiner Redundanz auch sinnvoll sein – weil etwa Kurzes nicht verstanden wird (wie mancher Ihrer oder meiner Einwürfe). Die Kritik ist also nur dann nicht überheblich, wenn man sich vorher auf ein Ideal geeinigt hätte – was hier ebensowenig der Fall ist wie bei der Wirtschaftspolitik in Europa.

  66. @Noït Atiga

    Zunächst zum Ende – das ist falsch, denn schon grammatisch muss die Begründung der Überheblichkeit ebenfalls herangezogen werden,

    „Muss“? Wer „muss“ was zu welchem Zweck „heranziehen“? Nur wer auf eine Begründung scharf ist, muss eine Begründung heranziehen. Das Behauptete wird auch ohne Begründung immer noch behauptet.

    Wenn ich äußere, dass meine Beiträge hier im Blog geschliffener formuliert wären als die von Michael Blume und wenn Sie mir darauf vorwerfen, ich wäre überheblich, dann ändert eine Begründung Ihres Überheblichkeitsvorwurfs nichts daran, dass Sie notwendig meine Äußerung teilen.

    und die [die Begründung] haben Sie beim Zitat weggelassen.

    Dann hole ich das jetzt nach. Hier Ihre ‚Begründung‘:

    Das ist aber überheblich, denn dieses angeblich ‚gute Wirtschaften‘ ist Teil des Problems – hat es doch zu der aktuellen Lage viel beigetragen, etwa durch das Auseinanderlaufen der Lohnkosten.

    Wohlwollend würde ich sagen, da ist ihnen „überheblich“ rausgerutscht, wo Sie „falsch“ oder „unzutreffend“ meinen, denn Sie distanzieren sich vom Vorbild des ‚guten Wirtschaftens‘, indem sie ihm Mitursächlichkeit für die Krise bescheinigen.

    Es ist aber in Wirklichkeit so, dass nicht das ‚gute Wirtschaften‘ die Schuld an auseinanderlaufenden Lohnkosten tragen soll, sondern die Tatsache, dass nicht in allen Staaten gleich gut gewirtschaftet werde. Insofern ist die „deutsche Haltung“ gerade zutreffend und nicht falsch.

    Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie in Ihrer Begründung gar keinen Grund für den Überheblichkeitsvorwurf nennen? Wieso nennen die es dann so?

  67. @Ano Nym

    herr oder frau nym: bei Ihnen muss man offensichtlich ganz von vorne anfangen. ihr ganz tiefgreifendes problem ist, dass sie davon ausgehen, dass es so etwas wie einen IQ gibt, dass man also intelligenz ganz objektiv, für jeden nachvollziehbar, quantitativ messen kann & dass sich daraus notwendigerweise qualitative sozialpolitische etc. konsequenzen ergäben. der voraussetzungenreichtum solcher redeweisen fängt dann damit an, dass das konstrukt namens „IQ“ seine ursprünge in rassistisch-eugenischen diskursen des 19. jahrhunderts hat & endet mit der feststellung, dass solche normalistischen test-anordnungen stets kulturell-relativ sein müssen, weil sie eine auswahl treffen, diesen aspekt als element der intelligenz zu messen, jenen und viele andere aber nicht, usw.
    d.h., den rat, den ich an weiss gerichtet habe, gebe ich gerne auch an Sie weiter. nutzen Sie das schlechte wetter & widmen Sie sich der einen oder anderen lektüre (fleck, aber auch chorover, der bereits genannte gould, uvm) – auch wenn Sie sich dadurch der gefahr einer empfindlichen kränkung ihres biologistischen weltbildes ausgesetzt sehen, es lohnt sich…

  68. @franzferdl

    bei Ihnen muss man offensichtlich ganz von vorne anfangen.

    Danke, wir kaufen nichts im Internet.

    ihr ganz tiefgreifendes problem ist, dass sie davon ausgehen, dass es so etwas wie einen IQ gibt, dass man also intelligenz ganz objektiv, für jeden nachvollziehbar, quantitativ messen kann & dass sich daraus notwendigerweise qualitative sozialpolitische etc. konsequenzen ergäben.

    Wo und mit welchen Bytes habe ich das Ihrer unmaßgeblichen Meinung nach geschrieben?

  69. @Ano Nym

    na, wer wird denn gleich ganz schnippisch von meiner „unmaßgeblichen meinung“ reden und gleichzeitig durch sein oder ihr antwort-verhalten genau diese unmaßgeblichkeit adeln?
    wie dem auch sei, ich beziehe mich nur auf Ihre direkt an mich gerichteten einlassungen & verweise deshalb auf Ihre fuchsige fangfrage: „Selbst wenn der Fortbestand Deutschlands tatsächlich vom IQ seiner Insassen abhinge, dürfe man das (z.B. wegen Auschwitz?) nicht so sagen?“
    es macht offensichtlich nur sinn solch eine frage in den äther zu werfen, wenn man, also Sie herr oder frau nym, davon ausgeht, dass so etwas wie der „fortbestand“ (was genau soll eigentlich fortbestehen?) der heiligen nation „deutschland“ irgendwie sachzwangmässig „vom IQ“ abhinge. ja wenn solch eine bahnbrechende erkenntnis unverrückbar irgendwann einmal, ganz ohne nebenwirkungen von irgendwem unabweislich und feierlich verkündet wird, ja dann können Sie meinet wegen auch endlich „auschwitz“ vergessen! nur zu, herr oder frau nym!

  70. @Ano Nym: Überheblichkeit

    Wer sich überhebt, verrät, dass er noch nie genug nachgedacht hat. – Christian Morgenstern, Stufen

    Und insofern überheben Sie sich vielleicht auch mit Ihrer Definition von Überheblichkeit, wenn Sie diesen Begriff nur bei absolut richtigen Aussagen zulassen. Überheblich heißt nämlich, sich selbst zu hoch einschätzend, auf andere herabsehend, anmaßend. Und das kann jedenfalls auch dann vorliegen, wenn eine absolute Aussage nur unvollständig ist.

    Und die ‚deutsche‘ Sicht auf die Wirtschaft ist wie oben dargelegt insofern überheblich, da unvollständig. Ist sie doch nur eine mögliche, aber nicht die einzig mögliche. Daher habe ich mich oben von keiner Ansicht distanziert, habe die Wirtschaftsfragen nicht gewertet; sondern nur die Beschränktheit der ‚deutschen‘ Sicht kritisiert. Hätten nämlich alle gleich gehandelt (egal nach welchem Modell), dann hätten wir kein Problem. Die ‚deutsche‘ Ansicht ist also überheblich, denn sie maßt sich eine unzulässige Verallgemeinerung der eigenen Wertungen an. (Andere Länder maßen sich das übrigens nicht an, sondern versuchen die Ansichten zu verbinden.)

    Gleiches gilt zumindest nach Ihrer hiesigen Diskussion für Ihr Sprachverständnis – vielleicht wäre die Lektüre der Wikipedia-Seite zum Holismus hilfreich. Falls die zu abstrakt oder unvollständig ist gibt es ähnliche Überlegungen auch im juristischen Kleid. Und der Rest Ihre Kritik dürfte sich mit dem so erweiterten Sprachverständnis auch erübrigen…

  71. @franzferdl

    es macht offensichtlich nur sinn solch eine frage in den äther zu werfen, wenn man, also Sie herr oder frau nym, davon ausgeht, dass so etwas wie der „fortbestand“ (was genau soll eigentlich fortbestehen?) der heiligen nation „deutschland“ irgendwie sachzwangmässig „vom IQ“ abhinge.

    Versuchen Sie sich doch erst mal mit etwas Unpolitischem:

    ‚Selbst wenn Sie tatsächlich HIV-infiziert wären, dürfte ich das hier nicht sagen?‘

    Macht diese Frage nur Sinn, wenn Sie HIV-infiziert sind?

  72. @Noït Atiga

    Und die ‚deutsche‘ Sicht auf die Wirtschaft ist wie oben dargelegt insofern überheblich, da unvollständig.

    Wenn bezogen auf einen brennenden Gegenstand die Aussagen

    – „Sie können den Brand mit Wasser löschen“ und
    – „Sie können den Brand mit Sand löschen“

    beide richtig sind, dann ist der Vorwurf des Hauptbrandmeisters „Sie hätten den Brand mit Wasser löschen können“ dann richtig, wenn Wasser vorhanden war.

    In der Tatsache, dass auch Sand vorhanden war und der Vorwurf nicht lautete „Sie hätten mit Wasser oder mit Sand löschen können.“ möchten Sie nun Überheblichkeit sehen? Das will ich nicht nachvollziehen.

    Hätten nämlich alle gleich gehandelt (egal nach welchem Modell), dann hätten wir kein Problem.

    Ist das jetzt eine Aussage oder eine Prämisse?
    Ist die jetzt wahr oder falsch?

    Die ‚deutsche‘ Ansicht ist also überheblich, denn sie maßt sich eine unzulässige Verallgemeinerung der eigenen Wertungen an.

    Ich sehe nicht, worin die unzulässige (damit meinen sie doch: „falsche“ oder „ein falsches Ergebnis produzierende“) Verallgemeinerung bestehen soll.

  73. @Ano Nym

    Sie könnten statt aids natürlich auch davon sprechen, ob jemand einen apfel isst oder welche farbe seine unterhose hat – sagen kann man viel und darf man viel, die frage ist halt, inwiefern sich etwas in eine lange geschichte des rassistischen diskurses einordnet – und inwiefern eben nicht.

  74. @Ano Nym: Revlupwarz

    Es war einmal vor langer Zeit, da lebten die Arcoal unter ihrem weisen Häuptling Ohle friedlich in Revlupwarz. Sie feierten alle Tage große Feste, denn es gab für sie nichts Schöneres als Gemeinschaft. In Zweisamkeit, im kleinen und im großen Kreis genossen sie voll Harmonie die Menschlichkeit ihres Stammes. Darum auch jagten sie nur sehr wenige Stunden und verbrachten den Rest des Tages zu zweit im Zelt, fröhlich plätschernd am Bach oder mit Tanz und Gesang vereint um ihre legendären, riesigen Lagerfeuer. Die Kleinen Arcoal hatten daran wahre Freude, denn diese Flammen brachten immer neue Schatten zur Welt und neues Licht. Und man konnte beide so wunderbar ärgern – ob nun mit dem Stock, dem Stein oder auch nur im Wettkampf um die stärkste Lunge. Die Älteren hingegen genossen din Wärme, scherzten mit oder über die Kleinen und waren froh, wenn sie ein wenig Fleisch hatten, dass sie in der Glut rösten konnten. Aber alle waren glücklich. Nicht nur irgendwie, nein GLÜCKLICH.

    Sehr zum Leidwesen der Ulfur, die unter ihrem missmutigen Häuptling Efel miteinander nicht viel anzufangen wussten. Daher waren sie den ganzen Tag damit beschäftigt, einander in der Ausstattung ihrer Höhlen zu überbieten. Das war allerdings nicht leicht, war doch ihr Gebiet von Revlupwarz noch karger als das der Arcoal. Daher hatten sie es sich nicht nur zur Gewohnheit werden lassen, den ganzen langen, trockenen Tag mit ihren Stammesgenossen zu jagen. Nein, sie verkrochen sich des Abends noch in die entferntesten Winkel ihrer Höhlen, um in totaler Abgeschiedenheit dem gelblichen Gestein wahre Kunstwerke abzuringen. Die Kleinen Ulfur hätten zwar lieber gemeinsam im kristallenen Feld getobt und zu den Arcoal hinübergelugt, doch das ging natürlich nicht. Denn dann wären aus ihnen nie richtige UlfUr geworden. Also durften sie von Geburt an alle Abende dem Papa zuschauen, wie er das Ulfurgestein umbildete. Und sie durften die kleinen Arbeiten übernehmen – etwa die gelben Späne zur Sammelstelle bringen. Nach getaner Arbeit waren Groß und Klein ebenfalls glücklich, die Schufterei war für heute vorbei. So richtig geschafft waren sie aber erst nach den großen Festen zu festen Tagen, denn dann musste alles perfekt sein und drum hatte keiner Spaß. Aber alle waren froh, dass es geschafft war.

    Nun hatten die Ulfur vielfach versucht, die Arcoal von ihrer Lebensweise zu überzeugen, irgendwie ohne Erfolg. Zwar hatten die Arcoal ihnen immer sehr aufmerksam zugehört und die Kunstwerke bestaunt, doch am Ende jedes Treffens hatten sie auf einem Lagerfeuer bestanden – so eine Verschwendung! Und wenn die Ulfur mal bei den Arcoal waren, um deren Arbeit zu erkunden, da gab es sowas gar nicht. Die Arcoal tanzten mit ihnen stattdessen den ganzen Tag um ihre Lagerfeuer und rösteten stolz alle ihre Beute der letzten Monate – so eine Verschwendung! Da musste man sich über den verfallenen Zustand der Hütten ja nicht wundern. Und erst diese Ausgelassenheit, grauenhaft – das war ja schlimmer als bei Kindern! Das musste man ändern, sofort! Aber wie?

    Da kam dem Jagrat um Efel (eine alte Institution der erfolgreichsten Ulfur) ein genialer Gedanke. Warum nicht den Arcoal einen Tausch anbieten. Man hatte ja durch die Arbeit der Ulfur-Frauen und Ulfur-Kinder mittlerweile mehr als genug Mais zum Leben und eigentlich verdarb die Jagbeute sowieso nur die Moral der Ulfur. Also bot man den Arcoal einen Diel an: Man wolle die Tagesergebnisse beider Clans im kristallenen Feld sammeln und vergleichen. Es sei den Arcoal aber sicher klar, dass die Ulfur nie soviele Späne produzieren könnten wie die Arcoal Abfälle hätten. Daher sei man auf eine geniale Idee gekommen. Es würde der kleinste Haufen gewinnen. Das sei ja für die Arcoal auch gar kein Problem, denn wenn die mehr arbeiteten und weniger lagerfeuerten, dann wären ihre Reste geringer. Das fanden die Arcoal ebenso überzeugend wie die Ulfur. Und auch die Vereinbarung freute beide. An den Gewinntagen der Arcoal bekämen diese von den Ulfur deren Jagbeute – und an den Gewinntagen der Ulfur sollten die Arcoal einen halben Tag bei den Ulfur jagen. Der Diel wurde alsbald feierlich von Efel und Ohle mit der Itratpfeife am kristallenen Feld besiegelt, natürlich mit Lagerfeuern der Arcoal und Umbildungsprozessen der Ulfur.

    Und zunächst übererfüllten sich die Erwartungen von Efels Jagrat. Nicht nur, dass die Arcoal ihr Lagerfeuern nicht lassen konnten und damit Unmassen von Abfall produzierten. Nein, sie jagten auch noch bei den Arcoal, die damit mehr Zeit zum Verschönern ihrer Häuser hatten. Genial! Was die Ulfur allerdings nicht ganz mitbekamen war, dass die Arcoal die Jagzeit auch zum Holzsammeln nutzen und damit ihren durch den Abfalldiel erzeugten Brennstoffmangel mehr als ausgleichen konnten und dass dieweil ihre Frauen das lebensnotwendige Fleisch leicht erbeuteten. So näherten sich nach einiger Zeit die Haufen auf dem kristallenen Feld an. Und es kam zu riesigen Explosionen. Erstmal waren alle erschrocken und eingeschüchtert, man schickte gemeinsame Erkundungstrupps aus. Aber deren Ergebnisse waren wenig schmeichlhaft: Die Ergebnisberge waren kleiner geworden, und schlimmer noch: nicht gleichmäßig, sondern mehr auf Seiten der arcoalschen Abfälle denn der ulfurschen Ergebnisse. Efel beharrte auf einer Anpassung des Paktes und Ohle stimmte wohlwollend zu. Nur: Mit jedem neuen Tagesergebnis wurden die Unterschiede deutlicher – Ulfurs Ergebnisberge wuchsen nun mehr als die Abfallberge von Arcoal.

    Wie nicht anders zu erwarten kam es zum Streit. Efel und sein Jagrat behaupteten, es läge einfach am vielen Feiern der Arcoal – würden die nämlich genauso arbeiten wie die Ulfur, dann würden ihre Berge genauso unproblematisch und genauso langsam wachsen. Schließlich hätten die Ulfur ihre gelben Späne seit Revlupwarzgedenken am kristallenen Feld abgelagert – wenn es also jetzt zu Explosionen käme, dann läge das ganz allein an den Arcoal!!! Die sollten endlich wie vereinbart anfangen zu arbeiten!!! Die Arcoal verstanden nicht so recht, was eigentlich geschah. Hatten sie doch ihre Abfälle bisher stets wieder genutzt und die hatten einerseits gut gebrannt und andererseits viel Holzsuchen erspart. Aber wenn man sie mal aufs kristallene Feld gebracht hatte, dann war da auch nichts passiert. Also wehrte man sich gegen die Vorwürfe der Ulfur und diskutierte um eine Anpassung der Nutzung des kristallenen Feldes. Die Ulfur wollten da natürlich nicht ran – schließlich hätten sie das nie teilen wollen, das wäre doch Grundlage aller Absprachen gewesen. Es ginge nur um den Vergleich der Tagesergebnisberge, mehr nicht. Und an diese Absprache hätte man sich zu halten: pacta sunt servanda!!!

    Die Arcaoal versuchten verzweifelt, ihre Festivitäten zu reduzieren, vergebens. Denn was blieb ihnen denn noch in diesen tristen Zeiten – wenn nicht ihre heißgeliebte Gemeinschaft? Darum auch sammelten sich ähnliche Abfälle und es kam immer wieder zu Explosionen im kristallenen Feld. Die ihnen die Ulfer natürlich vorwarfen – schließlich hatten sich die Ulfer in weitere Arbeit gestürzt und die nun größeren Mengen von gelben Spänen hätten überhaupt keine Probleme im kristallenen Feld erzeugt. Im Gegenteil läge jede Explosion nur und ausschließlich am unverständlichen festivitären Festhalten der Arcoal. Das müsse nun ein für alle Mal ein Ende haben – schließlich wollten die Ulfur das kristallene Feld nicht den unnützen Arcoal überlassen. Die lebten sowieso inzwischen nur noch vom Jagtransfer der Ulfur. Die Arcoal aber beriefen sich darauf, dass doch genau das die Voraussetzung des Dieles gewesen sei: Wenn ihr Abfallberg am Tagesende kleiner ist als der Ergebnisberg der Ulfur, dann bekommen sie die Jagtbeute.

    Und so ging es Tag für Tag, leider – zumindest für die Arcoal. Die liebten nach wie vor ihre Gemeinschaft, aber das Glück war nicht mehr ungetrübt – explodierten doch tagtäglich einige Ulfur in und über ihren Abfällen. Die Ulfur waren zwar ihrerseits auch nicht glücklich, aber sie hatten jetzt wenigstens Beschäftigung und mussten nicht mehr nur allein in der entferntesten Ecke ihrer Höhle ringen. So reich wie vorher waren sie aber auch nicht mehr, denn sie sahen Gefahr für ihre Lebensabendträume vom kristallenen Feld – wenn sie dann endlich einmal genug gerungen hätten. Aber ihre Späne explodierten ja nun fast tagtäglich und damit verschwand tagtäglich ein Teil ihrer Altersvorsorge.

    Die Ulfur-Kinder aber hatten endlich Freude, niemand verbat ihnen mehr das Spielen auf dem kristallen Feld, das immer noch in der Sonne glänzte. Tragischerweise verloren sie dort aber eines Tages auch ihren Anführer, den SohnEfel. Der hatte nämlich die arcoalsche Tradition der Lagerfeuer wiederbeleben wollen und war dabei in die Luft gegangen. Sein genialer Blutsbruder Thioph entwickelte daraufhin eine schlaue Theorie: Die Explosionen lagen wohl weder an den Ulfur noch an den Arcoal, sondern am gemeinsamen Wirken beider. Sie passierten nämlich immer dann, wenn neue Abfälle der Arcoal im kristallenen Feld auf Afälle der Ulfur stießen. Kurioserweise aber (außer beim Unfall von SohnEfel) nicht bei älteren Abfällen. So richtig klären konnte er es aber nicht, denn das wurde ihm von Efel verboten: Man müsse schließlich das Andenken des verdienten zukünftigen Ulfur-Häuptlings ehren!!!

    Und so streiten sie noch heute…

  75. Schlechte Nachrichten

    Sie tun zwar so, haben aber in Wahrheit nicht das geringste Interesse daran etwas zu verstehen. Das einzige was sie interssiert, ist das mittelmässige Geschwafel der politisch korrekten, linken Spiesser zum Thema….

    Jemand wie sie sollte mit Kommentaren zum Thema Intelligenz zurückhaltender sein, aber im Internet geht sowas ja. Denn wenn einem Gleich-„denkende“ zustimmen kann man das publizieren, anderes kann man zensieren, so wie das in der Republik bei ausnahmslos jedem Blog getan wird.

    (Obwohl mir klar ist, dass sie mit ihrem infantilen Weltbild dies niemals begreifen werden, ich bin weit weniger rassist als sie es sind….)

  76. Gruppenselektion?

    Vielleicht könnte uns ein Vertreter der sogenannten Gruppenselektion in diesem Blog einmal erklären, wie eine religiöse Gruppe – wie zum Beispiel die Juden – zu definieren ist.

    Immerhin ist diese Definition die Voraussetzung, um wissenschaftlich korrekt und mathematisch sauber über die vermeintlichen Reproduktionsvorteile zu diskutieren, die es ja im Durchschnitt für religiöse Gruppen geben soll.

    Und um Gene sollte es gehen, da sich der Begriff der Gruppenselektion auf Gene bezieht, und nicht auf Ideologien.

  77. @franzferdl: Abdanken, sofort!

    Sie könnten statt aids natürlich auch davon sprechen,

    Sie weichen der Frage aus. Ich hatte folgendes gefragt:

    ‚Selbst wenn Sie tatsächlich HIV-infiziert wären, dürfte ich das hier nicht sagen?‘

    Macht diese Frage nur Sinn, wenn Sie HIV-infiziert sind?

    Diese Frage haben Sie nicht beantwortet. Dann mache ich das für Sie: Die Antwort ist „Nein“. Und insofern ist Ihre Behauptung

    es macht offensichtlich nur sinn solch eine frage in den äther zu werfen, wenn man, also Sie herr oder frau nym, davon ausgeht, dass so etwas wie der „fortbestand“ (was genau soll eigentlich fortbestehen?) der heiligen nation „deutschland“ irgendwie sachzwangmässig „vom IQ“ abhinge.

    falsch, sie ist nur eine Unterstellung und kein akzeptabler Debattenbeitrag.

  78. @Tyler Volland

    Mir ist nicht klar, gegen oder für wen sich Ihr Ausbruch richten soll. Ist mit „linker Spießer“ Thilo Sarrazin gemeint? Oder halten Sie den erklärten Sozialdemokraten für „rechts“, einen ihm widersprechenden Christdemokraten aber für „links“?

    Ohne Ihnen zu nahe zu treten, möchte ich Sie doch darauf aufmerksam machen, dass es Themen gibt, die etwas komplexer sind als Links-Rechts-Schemata. Wenn Sie den obigen Beitrag genau gelesen hätten, hätten Sie zum Beispiel entdeckt, dass Eugenik sowohl von rechten wie linken Ideologen vertreten wurde, während die Mitte und die Kirchen dagegen waren. Auch Rassismus ist nicht nur ein „rechtes“ Problem, sondern wird derzeit z.B. kontrovers auch in der Homosexuellenszene diskutiert:
    http://www.fr-online.de/…-,1472798,16627116.html

    Vielleicht haben Sie die Zeit und Begabung, sich ein bissel tiefer und differenzierter zu informieren, hier oder anderswo.

  79. @Pseudo-Wissenschaftler

    So interessant ich die Debatten innerhalb der Biologie finde, so kann ich einer Anwendung von Konzepten wie „genetischer Gruppenselektion“ auf den Menschen nur widersprechen. Wer die von Ihnen erwähnten Juden als „genetische Gruppe“ auffasst hat m.E. weder Ahnung von Genetik noch vom Judentum.

    Wir Menschen mögen Veranlagungen haben, um kulturelle Gemeinschaften zu gründen – und diese bestehen zum Beispiel in großer Zahl auch „innerhalb“ der jüdischen Tradition. Aber das Judentum als eine genetische Gruppe aufzufassen – das wäre wirklich „Pseudo-Wissenschaft“…

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