ISS geht Schwan am ….. vorbei

Also gut, besonders gewählt ist die Ausdrucksweise nicht, aber überzeugen Sie sich selbst: es stimmt wirklich. Beim zweiten Überflug in dieser Nacht, beginnend um kurz vor 00:05 MESZ am 7.6.2014, passierte die ISS den Nordhimmel und zog in der Tat etwas unterhalb von Deneb vorbei (Originalgröße).

Überflug der ISS über Darmstadt am 7.6.2014, Blickrichtung nach Norden. Komposit aus einer Serie aus 9 Einzelaufnahmen, 00:05 - 00:10 MESZ. Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 200, 30 Sekunden Belichtungszeit pro Aufnahme

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Überflug der ISS über Darmstadt am 7.6.2014, Blickrichtung nach Norden. Komposit aus einer Serie aus 9 Einzelaufnahmen, 00:05 – 00:10 MESZ. Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 200, 30 Sekunden Belichtungszeit pro Aufnahme

Diesmal habe ich beim Zusammensetzen der Aufnahmen besser aufgepasst. Weder ist mir ein Stern verschütt gegangen, noch sieht man die Nahtstellen. Die Unterbrechungen kommen daher, dass zwischen Ende einer Aufnahme und Beginn der nächsten für das Auslesen des Chips und Auslösen des Verschlusses etwas Zeit gebraucht wird. In dieser Zeit ist die ISS zügig weiter gezogen. Sicher erkennen Sie in dieser Aufnahme viele bekannte Sternbilder. Neben dem Schwan den großen Bären, Cassiopeia und die Leier, beispielsweise.

Schauen wir uns den Schwan an – dort erkenne ich im langen Hals problemlos η, φ und βCyg (aka Albireo), χ jedoch nicht. So soll es auch sein, aber das wird sich im Laufe des Monats womöglich ändern. Wir werden sehen.

Ich war heute von etwa 22:15 bis 00:15 draußen, also gar nicht lange. In dieser kurzen Zeit ist die ISS zwei Mal über mich hinweg geflogen. Eigentlich unvorstellbar. Während ich ein bisschen gespechtelt und hier und da geguckt habe und im Grunde gar nicht viel geschafft habe, weil anderthalb Stunden an einem warmen Abend unterm Sternenzelt überhaupt nicht lang sind, hat das Raumschiff mit seiner Besatzung eben mal die ganze große Erde umrundet.

Natürlich weiß ich, dass das so ist. Ich sitze ja den ganzen Tag in meinem Büro im Weltraumkontrollzentrum und rechne solche Dinge aus. Aber es eine Sache, so etwas zu wissen und eine andere, es vorgeführt zu bekommen: „Kuckuck, hier bin ich schon wieder, ich war gerade über Asien, Australien, dem Pazifik, Amerika und dem Atlantik und jetzt bin ich wieder über deiner Wiese.“

Das ist Raumfahrt, Leute.

So, jetzt der Blick in die entgegengesetzte Himmelsrichtung:

Von rechts nach links: Zunehmender Halbmond, unter Leo, dann Mars, Spica, Saturn und der Skorpion, Darmstadt, 7.6.2014, 00:00 MESZ, Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 200, f2.8, 15 s

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Von rechts nach links: Zunehmender Halbmond, unter Leo, dann Mars, Spica, Saturn und der Skorpion, Darmstadt, 7.6.2014, 00:00 MESZ, Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 200, f2.8, 15 s

Der Mond wird in den vier kommenden Tagen auf seiner Bahn nacheinander Mars, Spica und dann Saturn passieren. Er ist heute noch westlich von diesen drei Himmelskörpern, bewegt sich aber mit mehr als 12 Grad pro Tag. Was man leider auch sieht, ist die eine, extrem störende Straßenlaterne, die diesen ansonsten fast perfekten Beobachtungsort zu ruinieren droht.

Zunehmender Halbmond am 6.6.2014, 22:47 MESZ. 65/420 Quadruplet Apochromat TSAPO65Q, Canon EOS 600D, ISO 800, 1/640s

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Zunehmender Halbmond am 6.6.2014, 22:47 MESZ. 65/420 Quadruplet Apochromat TSAPO65Q, Canon EOS 600D, ISO 800, 1/640s

Und hier ist er, wirklich nur der zunehmende Halbmond, der gerade ins zweite Viertel eingetreten ist, auch wenn das wegen der Überbelichtung in der vorherigen Panoramaaufname anders aussieht.

Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder. Neben meinem hauptberuflichen Engagement bin ich auch privat als Hobbyastronom aktiv, mein Interesse gilt hauptsächlich der Planetenbeobachtung. Zudem versuche ich, interessierten (insbesondere jungen) Laien die Faszination der Raumfahrt in öffentlichen Vorträgen, auch in Schulen, nahezubringen. Mein besonderes Anliegen ist es, in der Öffentlichkeit das Interesse an den Naturwissenschaften zu wecken. ---------------------------------------------------------------- Eines muss ich noch erwähnen. Eigentlich handelt es sich dabei um Selbstverständlichkeiten. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass solche expliziten Hinweise notwendig sind. Grundsätzlich sind Kommentare zu allen meiner Artikel willkommen, von wem auch immer. Dennoch erwarte ich die Einhaltung gewisser, sicher nicht übermäßig restriktiver Regeln: Kommentare sollen sich auf das Thema des Artikels beziehen. Ist dies nicht der Fall, zerfasert die Diskussion in Privatgespäche einzelner Diskutanten. Ferner ist es nun einmal so, dass einige wenige Individuen dazu neigen, Blogs einfach für ihre eigenen Zwecke zu kapern und die Diskussion zu einem Thema umlenken, das sie selbst interessiert, aber beliebig weit vom Thema des aktuellen Artikels ist. Elementare Höflichkeit gebietet, das zur Kenntnis zu nehmen, was ein Blogautor geschrieben hat. Ich behalte mir vor, einzelne Artikel, bei denen ein solcher Sachverhalt erkennbar ist, aus der Kommentarliste zu entfernen. Es ist natürlich so, dass es hier eine gewisse Grauzone gibt. Im Zweifelsfall lasse ich mit mir reden. Beim folgenden Punkt bin ich nicht mehr diskussionsbereit: Kommentare, in denen vorwiegend oder ausschließlich über meine Person oder über Dritte spekuliert wird, insbesondere dann, wenn dabei beleidigende, abwertende oder verächtlich machende Äußerungen verwendet werden, werden gelöscht. Kommt es bei einem Kommentator wiederholt zu solchen Vorfällen, muss er damit rechnen, in meinem Blog gesperrt zu werden. Dies gilt auch dann, wenn ein Kommentator sein kritikwürdiges Verhalten in einem anderen Blog im scilogs-Umfeld, aber noch nicht in "Go for Launch" begangen hat.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne Bilder – die ISS „fliegt durch den großen Wagen“. Das kann ich von Zuhause nie sehen.
    Den Überflug vom 07.06. habe ich leider verpasst, aber heute morgen, 09.06.2014, ca. 00:04 bis 00:10 Uhr, habe ich die Gelegenheit genutzt. Sehr helle ISS am Südhimmel inkl. „Flare“, als sie zwischen südlicher und südöstlicher Richtung zu sehen war. Sehr heller „etwas-mehr-als-Halbmond“. Und trotz klarer Sicht fast keine Sterne zu sehen. Entlang der ISS-Flugbahn waren das wohl Arktur (Bootes) und Altair (Aquila). Außerdem Mars und Saturn. In Flensburg war es zu der Zeit noch nicht richtig dunkel.

    • Michael Khan

      Der von Ihnen genannte Titel „ISS fliegt durch den großen Wagen“ gefällt mir besser als der, den ich verwendet habe – viel griffiger und eleganter. Naja, als ich den Blog-Artikel postete, war es schon sehr spät… Einen Flare der ISS habe ich noch nie beobachten können. Eventuell könnte der dadurch verursacht werden, dass einer der riesigen Solargeneratoren nicht genau wie die anderen ausgerichtet ist, so wie hier. Auf einem Foto müsste so etwas sehr dramatisch wirken.

  2. zum Titel: Danke für die Blumen.
    zum Flare: Hier ist mein Erklärungsversuch – mit Daten, die ich vorher nur abgeschätzt hatte, aber jetzt bei Heavens Above nachgelesen habe: Die Sonne stand zu der Zeit (ca. 00:07:20 Uhr) bei Azimuth 342,7° und Altitude -10,7°. (Deshalb war es in Flensburg noch nicht ganz dunkel.) Die ISS ging durch bei Azimuth 162,7° und Altitude knapp unter 47°. In der „Horizontalen“ also auf einer Linie, in der „Vertikalen“ nicht genau auf einer Linie, aber für eine kurze Erhöhung der Reflektion in meine Richtung sollte das gereicht haben.
    Mit Fotos kann ich leider nicht dienen – „ich guck nur selbst“.

  3. Michael Khan

    Das Bild mit der Strichspur hat es inzwischen auf die ESA-Webseite geschafft. Ist mir nicht so recht einsichtig, wenn die unter Dutzenden besserer Bilder wählen können, die Astro_Alex von oben herunter geschossen hat, aber es gibt in dieser Welt ja noch eine ganze Menge weiterer Sachen, die ich nicht verstehe.

    Wenn ich geahnt hätte, dass das so weite Kreise zieht, hätte ich ganz bestimmt eine andere Überschrift formuliert.

  4. Offenbar wurde nur die ISS-Spur gestitched und dann in ein Standbild einmontiert. Oder kam auch eine Kameranachführung zum Einsatz? Nach meiner Erfahrung zeigen die Sterne bereits bei 15s Exposure in der Vergrößerung deutliche Wisch-Spuren — hier sind aber nahezu runde Abbildungen zu bewundern.

    • Michael Khan

      Ihre Vermutung trifft nicht zu. Die ISS-Spur wurde nicht in ein Standbild montiert. Es handelt sich um eine Serie von Aufnahmen mit jeweils 30 Sekunden Belichtungszeit, die mit einer nicht nachgeführten, konstant in dieselbe Richtung schauenden Kamera gemacht wurden. Die Aufnahmen wurden in vertikale Segmente zerlegt, die jeweils die Höhe des gesamten Bilds und die Breite der jeweils enthaltenen Strichspur haben. Diese wurden zu der Gesamtaufnahme zusammengesetzt, die aber nicht breiter als eine Einzelaufnahme ist.

      Ich werde später die Einzelsegmente auf Picasa hochladen.

      Ab welcher Belichtungszeit Wischspuren durch die Erdrotation entstehen, hängt von der Brennweite ab. Vielleicht erstreckt sich Ihre Erfahrung nicht auf Objektive mit einer Brennweite von 10 mm, wie in diesem Fall verwendet. Da sind 30 Sekunden gerade noch möglich, ohne dass Strichspuren zu sehen sind.

      Man kann es auch nachrechnen:

      Das Fisheye-Objektiv Sigma EX 10mm f2.8 DC hat einen horizontalen Bildwinkel von 138 Grad. Der Chip der Canon EOS 600D hat eine horizontale Pixelanzahl von 5184. Pro Pixel also ein horizontales Blickfeld von 0.0266 Grad.

      Die Erde dreht sich mit mit etwa 361 Grad pro 86400 Sekunden, das wären 0.00417 Grad pro Sekunde. Die scheinbare Bewegung der Sterne ist bei Deklination 0 Grad, also wenn man senkrecht zur Rotationsachse der Erde schaut, am höchsten. Aber selbst da dauert es immer noch mehr als 6 Sekunden, nämlich 0.0266 Grad geteilt durch 0.00417 Grad/s, bis ein einziger Pixel überstrichen wird. Ein Stern wird aber auf mehr als einem Pixel abgebildet. Zudem ist die scheinbare Sternbewegung reduziert, wenn man nach Norden schaut, wie ich es in der betreffenden Aufnahme getan habe. Sie sehen den Polarstern zienlich genau in der Bildmitte. Das heißt, es dauert dann nochmals deutlich länger, bis auch nur ein Pixel überstrichen ist. 15-20 Sekunden sind gar kein Problem, 30 gehen gerade noch so.

      Siehe beispielsweise auch diese Aufnahmen, die mit demselben Objektiv und einer Belichtungszeit von 25 s gemacht wurden. Da sind auch keine Strichspuren zu sehen – außer natürlich bei den Satelliten.

      • Danke, das erklärt das Phänomen des stillstehenden Sternhimmels natürlich weitgehend. Ich war nur stutzig geworden, weil meine mit 10mm und sogar 14mm an der D800E gemachten Bilder tatsächlich bereits schon ab 10s Belichtungszeit erste Wischspuren zeigen — allerdings in 100%-Ansicht.

        • @holodeck
          Wenn ein Objektiv von nur 10 mm Brennweite bereits nach 10 s Belichtungszeit die Sterne nicht mehr als Punkte zeigt, kann es dabei nicht um einen ‚Wischeffekt‘ infolge der Erdrotation handeln, sondern ist durch optische Verzeichnung des Objektivs erklärbar. Diese nimmt insbesondere bei weitwinkligen Optiken mäßiger Qualität zum Rand hin schnell zu.

          • Na, speziell das 14er-Objektiv gehört zum Besten und teuersten, das man kaufen kann (vgl. MTF-Diagramme), und auch der Sensor ist eine Klasse für sich. Allerdings ist der schon vielfach reproduzierte Effekt natürlich wirklich gering und auch der hohen Auflösung geschuldet.

            Hier ging es mir nur um das prima facie zunächst unerklärliche Phänomen, wie der Sternhimmel bei der ca. 6x30s langen Aufnahme unbewegt bleiben konnte — und der Fotograf hat seine Slicing-Technik ja dann ausgezeichnet erläutert und aufgeklärt, wobei ich wieder etwas lernen durfte. Also vielen Dank nochmals.

  5. Hm… diese Strichspur der ISS ist ja irgendwie schön, aber eine richtige Herausforderung ist es meiner Ansicht nach, die vorüberfliegende ISS im Bild zu bannen. Es muss ja nicht unbedingt in Verbindung mit einem Transit sein, so wie hier, es würde ja schon genügen, wenn man die Station überhaupt erkennbar auf’s Bild bekommt, was wegen der schnellen Bewegung schon Herausforderung genug ist.

    • @Hans

      Es ist gar nicht so schwierig, die ISS als ausgedehntes Objekt mit der Kamera am Teleskop einzufangen. Für den Einstieg solltest Du es beim An- und Abflug versuchen – der dann flachere Sehwinkel und die durch die Perspektive langsamere Winkelgeschwindigkeit erleichtern die Aufgabe sehr. Es genügt ein Einsteigerteleskop und eine Digicam, die mittels Schraub- oder Klemmadapter hinterm Okular befestigt wird. Das Anpeilen der Raumstation geschieht über das Sucherfernrohr. Richtig gute Ergebnisse sind natürlich nur mit mehr technischem Aufwand zu erzielen, aber bei meinem Erstversuch hat die ‚Peil & Klick – Methode‘ mit einem Dobson-Teleskop auf Anhieb Aufnahmen geliefert, auf denen die Solargeneratoren deutlich erkennbar waren. Das Erstellen der vom Verfasser des Artikels präsentierten Weitfeldaufnahme dürfte mehr Überlegung und Zeitaufwand erfordert haben.

      • Michael Khan

        Ich denke, es ist müßig, aufzurechnen, was schwieriger oder einfacher ist. Bei Weitfeldaufnahmen geht es darum, ein möglichst großes Bildfeld möglichst ausgewogen darzustellen. Bei Teleskopaufnahmen geht es darum, ein in einem engen Blickfeld gesehenen Objekt möglichst hoch aufzulösen. Das eine hat mit dem anderen ichts zu tun. Genauso müßig wäre eine Diskussion, ob Tauchen besser, schwieriger, anspruchsvoller oder schöner ist als Bergsteigen.

        Ob ein Bild beim Betrachter ankommt, hängt nicht allein davon ab, wie schwierig es zu erstellen war. Oft waren diejenigen meiner Bilder, die den Leuten am besten gefielen, reine Glückstreffer.

  6. @holodeck

    Da Sie offenbar bestens ausgerüstet sind, steht eigenen fotografischen Versuchen, die ISS beim Flug über den Himmel abzulichten, nichts im Wege. Schöne Bilder (mit etwas Übung) und weitere Einsichten zum Thema ‚Theorie u. Praxis‘ winken als Preis für die – nicht unbedingt geringen – nächtlichen Mühen. Nur Mut! 🙂

  7. Michael Khan

    @Hans

    Ich will noch einmal unterstreichen, dass ich selbst nie behauptet habe, mein Überflug-Bild sei technisch besonders anspruchsvoll. Ich finde es noch nicht einmal besonders bemerkenswert und habe genau das auch explizit zum Ausdruck gebracht. Das Bild ist wenigstens nicht mehr mit so auffälligen Fehlern behaftet wie mein vorheriger Versuch.

    Was Leute wie Thierry Legault machen, spielt technisch in einer ganz anderen Liga, ist aber mit Panoramaaufnahmen nicht zu vergleichen.

    Was ich gemacht habe, ist wie folgt: Erst habe ich die Geometrie des Überflugs genau eruiert. Dann habe ich einen Standort gesucht, von dem aus ich freien Blick nach Norden, eine symmetrische Anordnung des Baumbewuchses im linken und rechten Bildrand und kein störendes Streulicht haben würde. Dann habe ich mit der Belichtungszeit und der ISO-Einstellung experimentiert, bis die Sterne im Bild so aussahen, wie ich sie haben wollte. Die Sternbilder sollen ja erkennbar sein, und ich will nicht zu wenige oder zu blasse Sterne haben, aber natürlich auch nicht, dass alles im Licht absäuft.

    Die Vorbereitungen dauerten etwa eine halbe Stunde. Als ich fertig war, war der Himmel wieder etwas dunkler als am Anfang, also musste ich schnell checken, ob das mit der Belichtung noch hinhaut. Dann hatte ich gerade noch ein paar Minuten zum Chillen. Dann kam auch schon die ISS hoch.

    Die nächsten Minuten waren entspannt, ich schaute verträumt der ISS nach und drückte immer auf den Auslöseknopf der Fernbedienung, wenn ich hörte, dass der Verschluss wieder zuging. Die ganze Zeit schaute ich nur in den Himmel, nicht ein Mal auf die Kamera. (Das ist bei Thierry Legault, dessen Arbeit ich sehr schätze, übrigens ganz anders, der ist so mit seiner Technik beschäftigt, dass er beim Fotografieren keine Zeit zum Gucken hat. Wäre mir ehrlich gesagt zu stressig)

    Als die ISS weg war, erwachte ich aus meiner Träumerei, in der ich nicht unten auf der Wiese, sondern mit an Bord war, sichtete die gemachten Fotos, freute mich, weil die scharf und gut belichtet waren, guckte noch ein bisschen am Sternenzelt rum und fuhr dann auch bald heim.

    Ich lud daheim die Bilder vom Kamerachip auf meinen Rechner, stellte die Panoramaaufnahme wie vorher beschrieben zusammen, lud die drei Bilder in den Blog hoch, schrieb den Artkel und haute mich aufs Ohr.

    Um die Zeit war ich wirklich todmüde, was auch die Wahl der Überschrift erklärt.

    Summa summarum deutlich mehr Vorbereitung als Fotografie, aber beileibe nichts, was nicht jeder andere genau so gekonnt hätte.

    Die öffentliche Reaktion wunderte mich schon. Das Bild wurde vielfach getweetet und kam auf die ESA-Webseite und auf SPON und was noch alles. Offenbar gefällt es den Leuten. Ich vermute, es gefällt wegen der sichtbaren Sterne.

    Ich habe natürlich nichts dagegen, aber ich kann nicht sagen, dass ich das Ausmaß des Interesses wirklich nachvollziehen kann.

  8. Okay, ich stelle mal wieder fest, dass ich irgendwas nicht auf anhieb verstanden habe. 🙁 Wahrscheinlich war es die ästhetische Konzeption, die Sie angestrebt haben und die mir nicht sofort klar wurde. Dafür scheinen es andere sofort verstanden zu haben, was für die positive Resonanz spricht, die das Bild bisher erfahren hat und wohl noch weiter erfahren wird…

    Dass das, was ein Herr Legault macht, in einer völlig anderen Liga spielt, ist klar. Der benötigt viel mehr Zeit zum vorbereiten und muss auch einen technisch höheren Aufwand treiben.

    Trotzdem schätze ich Ihre Bilder und Ihre Motivation, den Leuten zu erklären was und wie Sie es gemacht haben. Das ist inzwischen ein weiterer Grund, warum Ihr Blog mir sehr gefällt; zuvor waren es eher die raumfahrtspezifischen Dinge, über die ich mehr wissen wollte.

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