Chi Cygni vor Helligkeitsmaximum

Soeben weist mich Rainer Kresken, ein in astronomischen Fragen ausgesprochen gut informierter Kollege (nicht einfach nur “besser informiert als ich”, denn das würde nicht viel heißen) und Vorsitzender der Starkenburg-Sternwarte e.V., auf eine im Webauftritt der American Association of Variable Star Observers AAVSO publizierte Helligkeitskurve des veränderlichen Sterns χCyg hin.

Gemäß dieser Kurve schwankt die Helligkeit des Sterns mit einer Periode von etwa 14 Monaten zuletzt zwischen einem Minimum von +14mag und einem Maximum von heller als +4mag. Die Helligkeit folgt dabei keinesweges einer Sinuskurve, sondern steigt kurz vor dem Maximum sehr steil an, um dann über 8 Monate ziemlich linear wieder dem Minimum zuzustreben. Das Maximum steht nun kurz bevor. Der Stern ist jetzt bei etwa +8mag und könnte in einem Monat sein Helligkeitsmaximum durchlaufen.

Dann wird sich das Aussehen des Sternbilds (zumindest für einen aufmerksamen Himmelsbeobachter) sichtbar verändern. Sie finden χCyg im langen Hals des Schwans. Der Stern ηCyg ist leicht zu finden. χCyg ist dann etwa in einem Viertel der Entfernung zum Schnabelstern Albireo und könnte während seines Maximums so hell erscheinen wie ηCyg, wenn der bei desem Maximum wieder so hell wird wie beim vorhergehenden.

Den Schwan findet jeder. Er steht jetzt am Abend, wenn der Himmel nach Sonnenuntergang dunkel genug ist, im Osten, ausreichend hoch über dem Horizont. Man sollte sich in den nächsten Tagen noch mal das Sternbild anschauen und den Anblick einprägen und dann in einem Monat noch einmal schauen und vergleichen. Wieder einen Monat später dürfte er dann schon wieder sehr viel blasser geworden sein und wird vielleicht gar nicht mehr mit dem bloßen Auge beobachtet werden können.

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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