Zur Klarstellung: Was die Germanistik ist – und was sie nicht ist

Ordentlich eingedroschen wurde im SPIEGEL kürzlich auf die Germanistik. Sie sei inhaltlich zerfasert, die Sprache der Forschung zu esoterisch und überdies die wichtigsten Gegenstände mehr oder weniger ausgeforscht. Auch die Studierenden seien nicht die allerbesten, und unter den viel zu vielen Germanistikprofessoren an der Uni gebe es niemanden, der den Altvorderen das Wasser reichen könne oder sich mit relevanten Themen der Zeit befasse.

Die Diagnose, die der SPIEGEL-Autor (und Germanist) Marin Doerry der Germanistik am 6. Februar in einem langen Artikel gestellt hat, blieb natürlich nicht ohne Widerspruch. In der FAZ versuchten drei der Gewährsleute des Artikels die aus ihrer Sicht falschen Eindrücke, die Doerry aus den Gesprächen mit ihnen abgeleitet hatte, geradezurücken. In einem weiteren Beitrag in der FAZ verweist Stefan Martus auf die Erfolge des Fachs, die etwa darin bestehen würden, einen großen Teil des medial-kommunikativen Komplexes der Republik mit Personal zu bestücken. In weiteren Einlassungen in der FAZ wird in einem Leserbrief die Rückkehr der Germanistik zu ihren angeblichen Wurzeln als „Nationalphilologie“ gefordert, während der Germanist Helmut Glück darauf hinweist, dass es neben der Literaturwissenschaft, die Doerry ausschließlich betrachtet, auch die Mediävistik und die Linguistik gebe. Leider hätten alle drei ihren Fokus verloren, wenn sie sich mit so kuriosen Sachen wie Medien oder Prototypensemantik beschäftigten.

In dieser Debatte sind einige Dinge angesprochen, die ich klarstellen möchte, da sie wichtig sind für die Beantwortung der Frage, worin Sinn und Zweck der Germanistik zu sehen sind. Es handelt sich um drei Punkte:

1. Die Germanistik ist keine „Nationalphilologie“ und wird es auch nie sein

Wenn man Germanistik mit Deutschland gleichsetzt, dann unterschlägt man entweder diverse Länder, in denen das Deutsche ebenfalls gesprochen wird, oder man bezieht sich unausgesprochen auf eine Art Großdeutschland. Das Deutsche ist in sieben Ländern Europas Amtssprache (neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in Belgien, Luxemburg, Liechtenstein und Italien) und genießt in vielen weiteren Ländern den Status einer offiziellen Minderheitensprache. Die Germanistik wurde im 19. Jahrhundert als Nationalphilologie politisch vereinnahmt in einer Zeit, als Deutschland als Staat noch gar nicht existierte – und es damit auch noch keine Antwort auf die Frage gab, wo die Grenzen eines deutschen Nationalstaats überhaupt liegen. In Frankreich ist die Galloromanistik heute genauso wenig Nationalphilologie wie in Großbritannien die Anglistik. Nur in sehr wenigen Fällen deckt sich das Ausbreitungsgebiet einer Sprache mit einem Staatsgebiet – und für das Deutsche ist das ein für alle Mal nicht der Fall. Nur in der Zeit des Nationalsozialismus hatte die Germanistik als Nationalphilologie einen zweiten Frühling, und dies war nur durch den kollektiven Wahn, endlich ein „Großdeutschland“ erschaffen zu müssen, ermöglicht worden.

2. Die Germanistik ist nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkt

So wie sich die Romanistik mit romanischen Sprachen und Literaturen oder die Slavistik mit slavischen befasst, so bilden die Sprachen und Literaturen des gesamten germanischen Sprachraums den Gegenstand der Germanistik. Neben dem Deutschen gibt es je nach Zählung sieben bis neun weitere germanische Sprachen, die heute jeweils mehr als eine Million Sprecher aufweisen. Unter diesen ist das Englische die allergrößte, es wird aber aufgrund seines historischen und kulturellen Status im Fach Anglistik gesondert betrachtet. Die skandinavischen Sprachen Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch und Färöisch gehören jedoch ebenso zur Germanistik wie das Niederländische und das Afrikaans, das Friesische, das Luxemburgische, das Niederdeutsche und das Jiddische. Hinzu kommen Dutzende ausgestorbene germanische Sprachen oder Dialekte wie das Gotische, das Langobardische oder das Norn. Jakob Grimm, zusammen mit seinem Bruder Wilhelm einer der Gründerväter der Germanistik, hat dann auch in seiner „Deutschen Grammatik“ viele dieser Sprachen in ihrem Zusammenhang beschrieben, also eigentlich eine „Germanische Grammatik“ verfasst, die weit über das Deutsche hinausging.

3. Die Grenzen der Germanistik sind fließend

Zur Germanistik gehört deshalb eigentlich auch, was sich als Skandinavistik, Niederlandistik oder Frisistik in eigenen Instituten an den Universitäten findet. Nicht nur deshalb ist es ziemlich schwierig, von „der“ Germanistik zu sprechen, selbst wenn man nur die deutsche Sprache berücksichtigt. Die zentralen Bereiche bilden die Literaturwissenschaft, die Sprachwissenschaft und die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur. Letzeres wird gern vergessen, obwohl die allermeisten Absolventen der Germanistik als Lehrerinnen oder Lehrer die Unis verlassen und dieser Bereich deshalb als eine Art Lebensversicherung für die Existenz des Fachs anzusehen ist. Die Beschäftigung mit Sprache und Literatur kann auch historisch geschehen, und wenn man dies auf das Mittelalter bezieht, erhält man die Mediävistik. Die Erweiterung der Literaturwissenschaft auf kulturelle Hervorbringungen im allgemeinen, der Sprachwissenschaft auch auf andere Medien haben überdies verschiedene Spielarten der Kultur- und Medienwissenschaft hervorgebracht – je nach Standort noch immer unter dem Dach der Germanistik oder in eigenen Instituten. In neuerer Zeit ist die Computerlinguistik erst aus der Germanistik herausgetrennt worden, um sie mittlerweile als Spielart der Digital Humanities in diese wieder einzufügen. Es ist also kaum möglich, etwas zu „der“ Germanistik im Allgemeinen zu sagen, so unterschiedlich, wie ihre Teilgebiete sind.

Beitragsbild: Doppelporträt der Brüder Wilhelm Grimm (links) und Jacob Grimm von Elisabeth Jerichau-Baumann, 1855. Gemeinfrei.

Veröffentlicht von

www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Texttechnologie, die multimediale Wissenschaftskommunikation und der medienkulturelle Wandel durch die Digitalisierung. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim und des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungiert. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014).

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann den Artikel im Spiegel nicht lesen, aber was sind denn jetzt eigentlich die aktuellen Forschungsfragen der Germanistik? (Ernstgemeinte Frage)

    Journalisten auszubilden kann ja nun kaum der Daseinszweck für dieses Gebiet sein.

    • Der SPIEGEL-Artikel liegt leider hinter eine Bezahlschranke, tut mir leid. Das mit den Forschungsfragen ist nicht so einfach zu beantworten, weil die Germanistik halt in mehrere Teilbereiche aufgefächert ist, die methodisch und bezüglich des Erkenntnisinteresses recht unterschiedlich ausfallen. Zur Literaturwissenschaft will ich deshalb nichts sagen. Die Didaktik befasst sich natürlich sehr konkret mit den Materialien, Verfahren und Interaktionsprozessen bezüglich der Vermittlung der deutschen Sprache und auch von deutschsprachiger Literatur. Auch Deutsch als Fremdsprache ist nicht erst heute ein wichtiger Teilbereich. Über verschiedene linguistische Themen habe ich in diesem Blog ja auch immer wieder geschrieben. Ein Megatrend der Sprachwissenschaft in methodischer Hinsicht ist jedenfalls seit einigen Jahren die Korpusanalyse, weil in vielen Bereichen, etwa Grammatik, Lexik und auch in der Gesprächsforschung, mit digitalen Korpora die klassischen Fragestellungen – grammatische Struktur, Wortbedeutung und -verwendung und unterschwellige Strukturen in Gesprächen und Texten – sich viel tiefgehender, vor allem auch quantitativ untersuchen lassen und viele der Gewissheiten der bisherigen Sprachwissenschaft derzeit in Frage gestellt werden.

      • Ich benutze für Übersetzungen ins Deutsche häufiger das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (dwds.de). Ich finde es zu einseitig auf Zeitungsbelege orientiert. Zudem brauche ich auch historische Begriffe für Realien vor ca. 1800, die leider nicht ausreichend in diesem Wörterbuch vertreten sind. Mit dem Verschwinden der Realien durch Fortschritt und Wandel verschwinden auch die Wörter und die Bedeutungen. Man sollte/müsste mehr historische Texte digital erfassen, ich weiß aber nicht, inwieweit Textprogramme schon Frakturschriften gut lesen können.

        Andererseits: die Texte, die ich übersetze, können noch nicht von Übersetzungsprogrammen übersetzt werden und dabei darf es auch ruhig bleiben.

        • Zumindest Ihr erster Punkt hat etwas mit dem Urheberrecht zu tun, das sich ja gegenwärtig in der Debatte befindet (s. meinen letzten Blog-Beitrag). Viele Verlage, die ja von den Urhebern die Nutzungsrechte erworben haben, stimmen der Verwendung ihrer Texte in frei zugänglichen Korpora nicht zu. Am ehesten sind dazu noch die Zeitungsverlage bereit, deren „Ware“ ja besonders schnell verfällt. Mit dem derzeit diskutierten Referentenentwurf zur Urheberrechtsreform würde sich diese Situation erheblich verbessern, zumindest für eine wissenschaftliche Nutzung. Historische Korpora sind dagegen eine andere Baustelle – hier geschieht eine ganze Menge, es braucht aber tatsächlich seine Zeit, die historischen Text so zu erschließen, dass man auch wirklich etwas mit ihnen anfangen kann. Vollautomatisch geht das noch nicht.

    • Ich glaube, Sie haben meinen Beitrag nicht vollständig gelesen. Es geht ja unter anderem darum, dass die meisten Studierenden in diesem Fach (an meiner Uni etwa 70 Prozent) Lehrer werden und im Normalfall (momentan sowieso) nach dem Referendariat sofort eine Stelle erhalten. Die übrigen verteilen sich auf sehr unterschiedliche Teilstudiengänge, und die nur etwas aufgeweckteren unter diesen Studierenden wissen, dass kein klares Berufsbild auf sie wartet, und sie bauen entsprechend vor. Die Absolventen des Studiengangs etwa, für den ich verantwortlich bin, „Computerlinguistik und Texttechnologie“, bekommen praktisch alle nach dem Examen Stellen in IT-Unternehmen – und auch das ist ein „Germanistik“-Studiengang.

  2. Howdy, Herr Dr. Lobin, hierzu kurz ergänzt :

    Was ist Germanistik?

    Altsprachlich / etymperst einmal so verwiesen :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/-ismus#-ismus_und_-istik_als_Suffix

    Wobei der Ismus einen fortlaufend Zustand (vgl. auch mit Ideologien mit der Suffix ‚ismus‘) und die Istik einen fixen, zu einem besonderen Zeitpunkt festgestellten Zustand meinen könnte.

    Vgl. auch mit Islamismus und Islamistik (hier sind (oder waren, diese Berufsbezeichung ist ja nach 9/11 „ein wenig“ verlorengegangen) Islam-Wissenschaftler gemeint).

    Also sprachlich könnte es so klappen? (Vgl. auch mit ‚Ideologie‘ und ‚Ideologik‘!)


    Aber wie dies auch gedreht werden könnte, die Germanistik hat sich mit dem Deutsch-Sein (und dessen Auslegung) zu befassen, mit dem allgemeinen oder dem zeitweilig, oft aktuell festgestellten.

    ‚Nationalphilologie‘ klingt in diesem Zusammenhang für Ihren Langzeit-Kommentatorenfreund nicht schlecht.

    Es darf Deutsche (im Sinne eines Ethnonyms) geben. [1]


    Insofern hier noch und ausschnittartig aus Ihrem dankenswerterweise bereit gestellten Meinungsbeitrag herausgelöst (anders geht’s ja auch nicht >:-> ) :

    Die Grenzen der Germanistik sind fließend
    […]
    Es ist also kaum möglich, etwas zu „der“ Germanistik im Allgemeinen zu sagen, so unterschiedlich, wie ihre Teilgebiete sind.

    Hier könnte Relativismus vorliegen.
    Es gibt Die Germanistik. [2]

    MFG + schöne Woche noch,
    Dr. Webbaer

    [1]
    Ganz randseitig angemerkt, Frau Dr. Merkel trat hier kürzlich von politisch konservativer (pol. „rechter“) Seite bemerkt, abär auch von liberaler Seite bemerkt, womöglich „etwas“ ungünstig hervor und womöglich ebenfalls nicht bundesdeutsch verfassungskonform.

    [2]
    Diesen Jokus mit dem „Es gibt Den / Das / Die X nicht“ dürfen Sie gerne Ihrem Langzeit-Kommentatorenfreund ersparen.
    Begriffe „gibt es“ per se erst durch ihre Anwendung (und dann gibt es sie „richtig“ – ansonsten gerne Gegenbeispiele beibringen).

    • *
      Altsprachlich / etymologisch erst einmal so verwiesen

      (Huch! – Weitere Fehler können nicht ausgeschlossen werden, bitte möglichst gnädig sein, Dr. W prüft jetzt nicht noch mal alles – eine Korrekturmöglichkeit auch für Feedback-Gebende bliebe nicht schlecht.)

    • Deutsch wurde früher von vielen Menschen gesprochen, die keine Deutschen waren, sondern Böhmen, Juden, Polen etc. etc. Die Engführung von Nationalität und Sprache seit der Romantik hat hier verheerend gewirkt.

      • Schon richtig, Herr Stefan,

        allerdings sieht Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund den hiesigen werten Herrn Dr. Henning Lobin im Schlepptau bestimmter aktueller politischer Interessen, wenn er die Germanistik (vgl. ‚Zur Germanistik gehört deshalb eigentlich auch, was sich als Skandinavistik, Niederlandistik oder Frisistik in eigenen Instituten an den Universitäten findet. Nicht nur deshalb ist es ziemlich schwierig, von „der“ Germanistik zu sprechen, selbst wenn man nur die deutsche Sprache berücksichtigt.‘ + ‚Es ist also kaum möglich, etwas zu „der“ Germanistik im Allgemeinen zu sagen, so unterschiedlich, wie ihre Teilgebiete sind.‘) als per se undeutliches, gar schemenartiges Fachgebiet herauszustellen scheint.

        Insofern stand weiter oben auch, dass sich die Germanistik mit dem ‚Deutsch-Sein‘ zu befassen hat, sich natürlich nicht in das Gebiet der Nationalität (und deren Feststellung) vorwagen muss bis darf; aber es geht schon um das ‚Deutsch-Sein‘, womöglich im Sinne einer ‚Nationalphilologie‘.

        Zur spaßeshalber als Beispiel angebracht:
        Dr. W erklärt sich (qua Herkunft inkorrekt) gelegentlich zum ‚Deutsch-Sein‘, wie sich bspw. auch Juden (vorsichtshalber angemerkt: Dr. kein J) derart erklären, Yoav Sapir sei an dieser Stelle gegrüßt.

        Sollte die Germanistik nicht das ‚Deutsch-Sein‘ bearbeiten, wäre sie etwas anderes als Germanistik. (Und ja, es darf Deutsche und ‚Deutsch-Sein‘ geben. [1])

        MFG
        Dr. Webbaer (der sich vglw. sicher ist, dass einige zurzeit im Kontext EU-Kratie an die Nationalstaatlichkeit und an die Völker „ranwollen“)

        [1]
        Auch wenn derartige Joki aktuell und bundesdeutsch gegenzusprechen scheinen :
        -> ‚Das Volk ist jeder, der in diesem Lande lebt‘ (Quelle)

        • Bitte unterstellen Sie mir nicht raunend, Herr Dr. Webbaer, dass ich mich „im Schlepptau bestimmter aktueller politischer Interessen“ befände, wenn ich die Germanistik als unscharf umrissen darstelle, denn das trifft nicht zu. Mir geht es um Fakten zu diesem Fach. Schauen Sie sich beispielsweise die Struktur der Germanistik in der Universität Zürich an, wo Skandinavistik und Niederlandistik Teil von dieser sind, und vergleichen Sie dies mit der Situation an der Universität Münster, wo beides gegenüber „der“ Germanistik eigenständig ist. Natürlich befasst sich die Germanistik auch und im deutschen Sprachraum ganz zentral mit deutschsprachiger Literatur und mit der deutschen Sprache, mit dem „Deutsch-sein“ hingegen nicht. Dass sich ganze wissenschaftliche Disziplinen einem nationalen Empfinden unterstellen (das es ja bei vielen Menschen objektiv gibt, und ob das gut oder schlecht ist, ist eine politische und keine wissenschaftliche Frage), darüber sind wir glücklicherweise, einstweilen, hinweg. Und noch ein Wort zur „Nationalphilologie“, die wir nach Meinung mancher angeblich so dringend brauchen: Fragen Sie mal eine Germanistin oder einen Germanisten aus der Schweiz, was er oder sie davon hält. Das allein zeigt schon die Unzulänglichkeit dieses Konzepts.

          • @ Herr Dr. Henning Lobin :

            Wie etwas, auch wissenschaftlich, geübt wird, muss seinem Charakter entsprechen, der Charakter meint etwas Eingebranntes, es handelt sich im Fall Germanistik um die Bestimmung des Bemühens um das Deutsche.
            Nichts Schlechtes daran.
            Begriffe werden nicht rein wahlfrei durchgesetzt.

            Hier – ‚Dass sich ganze wissenschaftliche Disziplinen einem nationalen Empfinden unterstellen (das es ja bei vielen Menschen objektiv gibt, und ob das gut oder schlecht ist, ist eine politische und keine wissenschaftliche Frage), darüber sind wir glücklicherweise, einstweilen, hinweg.‘ – sind sich einige uneinig.
            Es gibt aber Deutsche, nationales Empfinden („Deutsch-Sein“, das auch spaßeshalber angenommen werden darf, Roberto Blanco und der schreckliche Akif Pirinçci seien an dieser Stelle gegrüßt) und eine dbzgl. Systematik.
            Wo soll denn sonst Germanistik herkommen?

            Vielleicht sind Sie hier ein wenig verklemmt und nur zum Vergleich angemerkt :
            Die Islamistik, die Statistik (!) etc. beanspruchen ein gewisses Gebiet, das ihnen, sprachlich, logisch (die Logik meint (letztlich) die Sprachlichkeit), eigen ist.

            Auch dort gilt es nicht Schimären herbeizuquatschen.

            Und noch ein Wort zur „Nationalphilologie“, die wir nach Meinung mancher angeblich so dringend brauchen: Fragen Sie mal eine Germanistin oder einen Germanisten aus der Schweiz, was er oder sie davon hält. Das allein zeigt schon die Unzulänglichkeit dieses Konzepts.

            ‚Argumentum ad populum‘, Sie haben Glück (oder Pech), dass Sie Ihr Kommentatorenfreund ernst nimmt.
            Auch: weil bewährt

            MFG
            Dr. Webbaer

          • PS hierzu :
            Dies hier – ‚im Schlepptau bestimmter aktueller politischer Interessen‘ – war ein wenig giftig formuliert, allerdings befindet sich jeder im Gefolge bestimmter, auch aktueller, politischer Interessen, politischen Zusammenseins.
            Es handelt sich also um eine Feststellung, vs. Unterstellung.
            Jeder ist sozusagen ein Kind seiner Zeit und folgt zwingend dementsprechend Moden.

  3. Ich kenne den Artikel im Spiegel nicht. Aber schon die Überschrift lässt bei mir die Alarmlampen leuchten. Die Germanistik kümmert sich doch überhaupt nicht mehr um die Historie der deutschen Sprache. Ich habe in 15 Jahren ein zweites Standbein unserer Sprache neben dem Indoeuropäisch gefunden und in einem Buch zusammengefasst. Wenn ich dieses Buch mit seinen Ideen und Nachweisen an eine Uni sende, erhalte ich keine Nachricht oder erhalte es freundlich aber ungelesen zurück. Dabei könnte es ganz neue Perspektiven eröffnen für unsere Studierenden und das Verständnis europäischer Sprachen. Es ist ein Trauerspiel!

    • Der übliche Weg, neue Erkenntnisse in eine Fachöffentlichkeit zu vermittelt, besteht darin, sie in Gestalt eines Artikels bei einer zum Gegenstand passenden Fachzeitschrift einzureichen, wo dieser begutachtet und dabei mit Anmerkungen und Kritik versehen wird. Versuchen Sie es einmal auf diese Weise.

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