Die (fast) unendliche Bibliothek von Babel digital durchwandern

Im Jahr 1941 veröffentlicht der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges in einem Sammelband eine Geschichte, die den merkwürdigen Titel „Die Bibliothek von Babel“ trägt. Darin schildert er im Stil eines Berichts eine fiktive Bibliothek, in der in wabenartig aneinanderliegenden Räumen Bücher aufgestellt sind, die auf 410 Seiten mit 40 Zeilen und 80 Zeichen eine zufällige Abfolge von 22 Buchstaben und drei weiteren Zeichen (Punkt, Komma, Leerzeichen) enthalten. Jede Verteilung der Zeichen in einem Buch kommt genau einmal in der Bibliothek vor. Borges beschreibt, wie die Menschen als „Bibliothekare“ in dieser Bücherwelt versuchen, Sinn in den Büchern und ihrer Aufstellung zu finden. Es ist ein großes Glück für sie, überhaupt auch nur ein Buch zu finden, in dem ein einziger sinnvoller Satz enthalten ist. Und trotzdem ist die gesamte Weltliteratur in dieser Bibliothek enthalten, sämtliche wissenschaftlichen Werke der Vergangenheit und der Zukunft, sämtliche Theorien und ihre Widerlegungen – und all diese Bücher mit nur einem anders gesetzten Zeichen, zwei anders gesetzten Zeichen usw.

Die Faszination, die Borges, der von 1899 bis 1986 lebte (und in Genf zu einer Zeit verstarb, in der dort Tim Berners-Lee die ersten Vorüberlegungen zum World Wide Web anstellte), bis heute ausstrahlt, geht nicht allein auf diese Geschichte zurück. Doch fügt sie sich besonders gut in das Bild eines Mannes, der seit Beginn seines sechsten Lebensjahrzehnts vollständig erblindet war und 1955 trotzdem Direktor der Argentinischen Nationalbibliothek wurde. Umberto Eco hat ihn in der Gestalt des greisen Bibliothekars Jorge de Burgos in „Der Name der Rose“ verewigt. Das Entstehungsjahr von Borges‘ sehr „informatikerhafter“ Vision der Bibliothek von Babel, 1941, fällt überdies mit der Entwicklung des ersten volldigitalen, speicherprogrammierbaren Rechners durch Konrad Zuse, der Z3, zusammen.

Wie viele Bücher stehen nun in dieser Bibliothek und wie groß ist sie? Der Mathematiker Daniel Schäfer kommt in einem Blog-Betrag zu diesem Thema zu der unvorstellbar großen Zahl von 101.845.281 Bänden. Verschiedene Schätzungen zur Anzahl der Atome im sichtbaren Universum, die man im Web finden kann, belaufen sich auf „nur“ 1080. Bei der Abschätzung der Größe der Bibliothek kann man Borges recht genau folgen. Der Architekt Alex Warren hat für seinen Blog verschiedene Visualisierungen der Gesamtstruktur und der einzelnen Waben dieser Bibliothek erstellt (eine davon bildet das Bild für diesen Beitrag). Daniel Schäfer kommt mit ähnlich großen Waben, wie sie auch Warren annimmt, für die oben genannte Zahl an Büchern auf eine Größe von 101.845.280 Kubikmetern, was 101.845.232 Kubiklichtjahren entspricht. Demgegenüber nimmt sich die Größe des Universum mit 1032 Kubiklichtjahren geradezu übersichtlich aus.

Wie gut, dass man nun nicht mehr darauf warten muss, diese unendlichen Weiten per Warp-Antrieb durchqueren zu können, sondern sich die einzelnen Bücher bequem in seinem Web-Browser anzeigen lassen kann. Das nämlich hat Jonathan Basile, ein Doktorand an der Emory University, schon im letzten Jahr mit seiner Web-Seite libraryofbabel.info realisiert. In jedem Raum der Bibliothek, die über eine hexadezimale Ziffernfolge hexatrigesimale Zeichenfolge identifiziert werden können, kann man sich den Inhalt der vier Bücherregale ansehen, die sich darin befinden. (Zwei der Wände werden durch Ein- und Ausgang belegt.) Oder man greift sich zufällig ein Buch heraus und geht es Seite für Seite durch, wie zum Beispiel dieses hier. Selbst für die mühsame Suche nach sinnvollen Zeichenfolgen gibt es eine Hilfestellung: Bei der Eingabe eines Suchstrings bekommt man zumindest eine Auswahl von Büchern vorgelegt, in denen diese Zeichenfolge enthalten ist – bis immerhin zu einer Länge von 3.200 Zeichen funktioniert das.

Diese Digitalisierung der Bibliothek von Babel macht sie allerdings kaum weniger monströs. Zwar ist ihr Umfang jetzt auf Laptop-Größe zusammengeschnurrt, doch ist es weiterhin zeitlich genauso aussichtslos wie vorher, die wirklich interessanten Werke darin aufzufinden. Die Hoffnung, ein Buch mit einem Überblick über die abschließenden wissenschaftlichen Erkenntnisse in seinem Fach hier aufzufinden, sollte man sich also besser nicht machen.

Anmerkung:

Das Beitragsbild ist einem Blog-Posting von Alex Warren entnommen: http://alexwarrenarchitecture3.blogspot.de/2011/02/library-of-babel-pin-up.html

Veröffentlicht von

www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Texttechnologie, die multimediale Wissenschaftskommunikation und der medienkulturelle Wandel durch die Digitalisierung. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim und des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungiert. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014).

34 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lustig, selbstverständlich ist auch Kurd Laßwitz´s ‚Die Universalbibliothek‘ (veröffentlicht 1904) in der Universalbibliothek vorhanden – wie auch dieser Kommentar.

    „Diese Digitalisierung der Bibliothek von Babel macht sie allerdings kaum weniger monströs.“

    Ja, kaum etwas wird leichter durch libraryofbabel.info, es bleibt weitgehend beim Alten: „Nicht in der Universalbibliothek müssen wir suchen, sondern den Band [Blog-Beitrag oder Kommentar], dessen wir bedürfen, uns selbst herstellen in dauernder ernster ehrlicher Arbeit.“

  2. Im Roman “Contact” von Carl Sagan gibt es Botschaft, die in den unendlich vielen Nachkommastellen der Zahl Pi verborgen ist.
    Das ist kein Wunder, weil in den unendlich vielen Nachkommastellen der Zahl Pi absolut jede Botschaft in allen ihren Variationen unendlich oft vorkommt.
    Sogar “karl” steht drin als “10001711”, das sind Zweiergruppen modulo 26.
    “00265278” bedeutet also “aaaa”, und “255177” bedeutet “zzz”.
    Von a bis v inclusive gibt es vier Zweiergruppen, und von w bis z inclusive gibt es drei Zweiergruppen, was letztere Buchstaben etwas benachteiligt.
    Hier findet man die Pi-Search Page:
    http://www.angio.net/pi/piquery

    • @ Karl Bednarik

      „weil in den unendlich vielen Nachkommastellen der Zahl Pi absolut jede Botschaft in allen ihren Variationen unendlich oft vorkommt.“

      Das ist noch Gegenstand von Diskussionen. Es ist bis jetzt ist nicht bewiesen, dass Pi eine Normale Zahl ist. Es könnten also einige (oder auch unendlich viele) Sequenzen in deren Nachkommastellen komplett fehlen.

      Man stelle sich mal vor, in Pi wäre z.B. die christliche Botschaft in keiner ihrer Variationen enthalten, in der Bibliothek von Babel wären sie trotzdem alle zu finden.

      Es gibt in der Bibliothek von Babel natürlich sowohl Bücher, in denen bewiesen wird, dass Pi eine normale Zahl ist, als auch solche, in denen das Gegenteil zweifelsfrei belegt wird (einige Beweise erstrecken sich über mehrere Bände).

      • Joker schrieb (29. September 2016 @ 09:39):
        > Es gibt in der Bibliothek von Babel natürlich sowohl Bücher, in denen bewiesen wird, dass Pi eine normale Zahl ist, als auch solche, in denen das Gegenteil zweifelsfrei belegt wird

        Es gibt selbstverständilch Bücher, die Zeichenketten enthalten, in denen das so (einzeln, oder sogar beieinander) steht.
        Und es gibt andererseit (die Vorstellung von perfekten und unermüdlichen) proof assistants …

        p.s.

        In Borges‘ digitalisierter Bibliothek besteht ernsthafte, ehrliche, wertzuschätzende Arbeit nicht in der Herstellung von weiteren Kopien der ohnehin vorhandenen Bände, sondern im (gern auch assistierten) Wikifizieren ihrer Inhalte.

      • Joker schrieb (29. September 2016 @ 09:39):
        > Es gibt in der Bibliothek von Babel natürlich sowohl Bücher, in denen bewiesen wird, dass Pi eine normale Zahl ist, als auch solche, in denen das Gegenteil zweifelsfrei belegt wird

        Es gibt selbstverständilch Bücher, die Zeichenketten enthalten, in denen das so (einzeln, oder sogar beieinander) steht.
        Und es gibt andererseit (die Vorstellung von perfekten und unermüdlichen) proof assistants …

        p.s.

        In Borges‘ digitalisierter Bibliothek besteht ernsthafte, ehrliche, wertzuschätzende Arbeit nicht in der Herstellung von weiteren Kopien der ohnehin vorhandenen Bände, sondern im (gern auch assistierten) Wikifizieren ihrer Inhalte.

    • Das ist kein Wunder, weil in den unendlich vielen Nachkommastellen der Zahl Pi absolut jede Botschaft in allen ihren Variationen unendlich oft vorkommt.

      Mächtigkeiten von Unendlichkeiten könnten hier derart kollidieren, dass dies nicht der Fall ist.

  3. Jorge Luis Borges Themen sind
    Fantastik (er gilt als Begründer des magischen Realismus),
    Unendlichkeit,
    Unsterblichkeit,
    das menschliche Erleben und seine Interpretation von Zeit und Zeitverlauf, Verwechslung und Täuschung darüber, was Real und was Imaginär ist.

    Ein unendliches Thema, eine unendliche Geschichte also. Denn es ist ein Denkansatz, eine Philosophie, die unendlich viel hervorbringen kann oder in einer anderen Auffassung nichts hevorbringen muss, weil alles schon in der Unendlichkeit vorhanden ist und es nur noch entdeckt werden muss – genau so wie alle Werke in der unendlichen Bibliothek seit ihrer Imagination schon immer vorhanden sind und von den Inquisitoren nur noch entdeckt werden müssen.

    In der einen oder anderen Form beschäftigt das Menschen immer wieder oder hat sie schon immer beschäftigt. Die Bibliothek von Babel ist nur ein Schnipsel aus Borges Buch Ficciones und das Buch Ficciones muss sich auch in der Biblitothek von Babel finden.

    Nicht zufällig ist Borges der Schaffer des magischen Realismus. Magie und Realität passt im von ihm erdachten Rahmenwerk gut zusammen. Das Magische und Fiktionale steht darin für das Unendliche und das Reale für eine (winzige) Selektion aus diesem unendlichen Fundus.

    • In der riesigen Anzahl der Paralleluniversen sind alle möglichen raumzeitlichen Anordnungen der Elementarteilchen realisiert.
      Unser Universum ist nur ein winziger Ausschnitt aller möglichen Ereignisse.

      • Karl Bednarik schrieb (30. September 2016 @ 11:50):
        > In der riesigen Anzahl der Paralleluniversen sind alle möglichen raumzeitlichen Anordnungen der Elementarteilchen realisiert.

        In der Anzahl (n ≥ 1) der Paralleluniversen, die tatsächlich Elementarteilchen enthalten, und die deshalb als real gelten (wobei man wohl nur für den Fall n > 1 von „Paralleluniversen“ spricht, und im Falle n = 1 schlicht vom „Universum“)
        waren, sind bzw. werden (nur) alle tatsächlichen raumzeitlichen Anordnungen der Elementarteilchen realisiert (sein).

        Ob die Menge all dieser tatsächlichen raumzeitlichen Anordnungen der Elementarteilchen dabei den gesamten Wertebereich ausschöpft, der durch den Messoperator zur Feststellung der raumzeitlichen Anordnung von Elementarteilchen in einem Paralleluniversum definiert ist,
        ob also die Gesamtheit aller (Parallel-)Universen dahingehend „normal“ ist,
        bleibt herauszufinden.

      • „In der riesigen Anzahl der Paralleluniversen […]“

        Paralleluniversen sind eigentlich gar nicht parallel. Und genau genommen ist jedes für sich nicht einmal ein Universum. (nach Douglas Adams)

        Aber natürlich verstehe ich – genauer: ich Leser meine zu verstehen – was gemeint ist, und Borges könnte recht haben mit seiner Lösung, das Universum (das andere die Bibliothek nennen) ist unbegrenzt und zyklisch.

    • Borges selbst hat eine Buchreihe mit fantastischer Literatur herausgegeben, die ebenfalls den Titel „Die Bibliothek von Babel“ trägt. Selbstverständlich sind auch alle Bände der Bibliothek-von-Babel-Buchreihe in der Bibliothek von Babel enthalten. Hier ein Tweet mit Bild dazu von jhermes.

  4. Pingback: Bibliothek von Babel | digithek blog

  5. Und trotzdem ist die gesamte Weltliteratur in dieser Bibliothek enthalten, sämtliche wissenschaftlichen Werke der Vergangenheit und der Zukunft, sämtliche Theorien und ihre Widerlegungen – und all diese Bücher mit nur einem anders gesetzten Zeichen, zwei anders gesetzten Zeichen usw.

    Vgl. auch hiermit:
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Infinite-Monkey-Theorem

    Blöd halt, dass die Semantik, die ausschlaggebend war bestimmte Kodierung zu entwickeln und zu pflegen, hier ausgesetzt bis nihilisiert wird.

    Gingen die Kodierungsvorschriften [1], die heutigen Bücher meinend, verloren (und könnten, mangels erkennenden Subjekten beispielsweise, nicht wiederhergestellt werden), wären sie nichts als Daten oder Staub sozusagen.

    Insofern ist natürlich Nichts in diesen im WebLog-Artikel beschriebenen Büchern enthalten, das Sinn ergibt; Erkenntnis wird in „n:m“-Beziehungen zwischen Sache oder dbzgl. Verhalt und erkennenden Subjekten verwaltet, als (soziale) Unternehmung.

    MFG + schönes Wochenende noch!
    Dr. Webbaer

    [1]
    Überflüssig an dieser Stelle, hier unter Experten oder „Experten“ zu erklären womöglich, der Schreiber dieser Zeilen tut es doch (ganz kurz):
    Erkenntnis (auch die Information * ist hier gemeint) wird mit Hilfe von Vorschriften kodiert und persistiert, und in der Folge möglicherweise dekodiert oder abstrahiert, in der Hoffnung, dass die Information in etwa so aufgebaut werden kann, wie vom derart Persistierenden einstmals beabsichtigt.

    *
    Streng genommen weiß „keine Sau“, was Information eigentlich ist.
    (Wobei technische (informatorische, die Formalwissenschaften sind gemeint) Informationsbegriffe hier ausgeklammert werden.)

  6. Noch eine Bemerkung zum Katalog, in Borges Text, „dem Katalog der Kataloge“.

    In der Universalbibliothek von Kurd Laßwitz sagt der Professor, „die Bibliothek [muß] auch ihren eigenen Katalog enthalten“.

    Das halte ich für fragwürdig. Alleine um ein Buch eindeutig zu referenzieren, müsste man seinen gesamten Inhalt angeben, bzw. einen gleichlangen Indexwert (die auf den Buchrücken angebrachten Titel sind nicht eindeutig). Für die Position an der das Buch zu finden ist, müsste man nochmal eine ebenso lange Beschreibung anhängen. Dazu braucht man aber eben jeweils genau ein Buch. Vielleicht könnte man sagen, die Bibliothek ist ihr eigener Katalog – wobei die Zuordnung ein Geheimnis bleibt.

    Man könnte zusätzliche Zeichen einführen, um Platz zu sparen. Auf libraryofbabel.info werden zur Identifikation eines Hexagons auch Ziffern verwendet. Ein solcher Katalog wäre aber nicht in der Bibliothek selbst vorhanden.

    Es dürfte also nicht erstaunen, dass der Ich-Erzähler einen solchen Katalog nicht gefunden hat.

    • @ joker :

      In der Universalbibliothek von Kurd Laßwitz sagt der Professor, „die Bibliothek [muß] auch ihren eigenen Katalog enthalten“.

      Es gibt hier keinen ‚äußeren‘ ‚Katalog‘ oder Index oder „Zeiger“.
      Vgl.;
      -> http://www.etymonline.com/index.php?term=catalogue
      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Index

      Büchersammlungen („Bibliotheken“) sind Einheiten, die gepflegt werden, sehr lustig vielleicht der Bibliothekar bei Terry Pratchett, sehr lustig abär auch die Rezipienz.
      (Oder auch die bundesdeutsche Abnehmerschaft, Andreas Brandhorst („Guter Mann!“) sei an dieser Stelle gegrüßt.)

      MFG
      Dr. Webbaer (der insofern nur an das allgemein mögliche „Denken in Schichten“ appellieren kann)

    • Ein Ausweg böte hier, wie auch schon von Schäfer beschrieben, eine Gödelisierung. Man müsste sich nur darauf verständigen, dass die Ziffern durch Buchstaben kodiert werden. Natürlich enthielte auch ein Band mit durch Gödelisierung ermittelten Signaturen nur einen Bruchteil des Katalogs, man kann aber darauf zählen, dass es irgendwo in der Bibliothek eine Fortsetzung dieses Katalogbandes gibt, und für diesen ebenfalls.

      • Mein Respekt gilt dem Mathematiker, der es geschafft hat, die natürlichen Zahlen zu gödelisieren, warum auch immer. Einen besonderen Ausweg darin zu erkennen, vermag ich allerdings nicht.

        Obwohl es mir als durchaus richtig erscheint, dass, wenn man als Fortsetzung auch den selben Band zulässt, auch mehrfach, man auch alle größeren Zahlen, resp. längeren Texte darstellen kann. Dazu hätte es aber weder einer Gödelisierung mittels Primzahlen noch einer so umfangreichen Bibliothek bedurft, das Alphabet hätte gereicht, oder einfach 0 und 1.

        • Etwas offtopic, nur weil Gödel doch noch einmal Thema wurde.

          Nicht nur für jene, die sich noch gar nicht mit Gödel beschäftigt haben, sei hier eine durchweg einsilbige (in Englisch), daher leicht verständliche, ohne eine einzige Formel auskommende Erklärung (eine Seite pdf) seines zweiten Unvollständigkeitssatzes verlinkt.

          @ Frank Wappler
          Was ahnen lässt, vor welchen Herausforderungen perfekte und unermüdliche „proof assistants“ eigentlich stehen.

          @VDS
          Eine Übersetzung ins Deutsche, die die Einsilbigkeit bewahrt, wäre wohl noch zu erstellen.

  7. Bei Ihnen, @Dr. Webbaer, bin ich, Leser, alles andere als sicher, daß ich ihre Sprache verstehe.

    Sie meinen, der Professor behaupte, einen Katalog müsse es in den Räumlichkeiten der Bibliothek geben, aber nicht unbedingt in der beschriebenen Buchform; der Protagonist in Borges Essay hätte eventuell nach einem Computer mit Katalogsoftware Ausschau gehalten?

    • @ joker :

      Wo genau ist hier der „Kick“?
      Eine Bibliothek enthält einen Index (als Buch) und insofern kann dieser Index nie umfänglich die Bücher, inklusive des Index-Buchs, meinen?!

      MFG
      Dr. Webbaer (der mit dieser Fragestellung sehr schnell fertig wäre)

      • @ dr. webbaer

        Es benötigt Platz. Die natürlichen Zahlen lassen sich nur schwer komprimieren. Z.B. kommen auf die ersten 8 natürlichen Zahlen genau 8 natürliche Zahlen und in Buchform benötigen die genau 8 Stellplätze.

        Angenommen eine Bibliothek besteht aus allen Bücher mit genau einer Seite, auf der jeweils nur eine Zeile mit 3 Zeichen steht. Es gibt nur 2 verschiedene Zeichen im Alphabet. Sie dürfen, um die Bücher zu inventarisieren, ihnen Aufkleber verpassen, auf denen aber wiederum nur die beiden Zeichen des Alphabets (beliebig oft) stehen dürfen. Sie können das auch Durchnummerieren oder Betiteln nennen, das ist Geschmackssache und Ihnen überlassen. Auch die Kennzeichnung der Stellplätze bleibt in ihrer Beliebigkeit, mit Ausnahme, dass Sie auch hier nur die Zeichen des Alphabets verwenden dürfen.

        Die Bücher sind nicht sortiert. Bitte erstellen Sie einen Katalog, dessen einzelner Band nur 3 Zeichen enthalten darf.

        Schön wäre es, wenn zu jedem Buch, außer dessen Stellplatz, noch eine kurze Inhaltsangabe im Katalog stände.

        • @ Joker (an anderer Stelle sind Sie als ‚joker‘, kleingeschrieben, adressiert worden, dies war ein Versehen, es ist sich hier verguckt worden) :

          Zufällig generierter Inhalt, egal wie kodiert, kann nur sehr sparsam komprimiert werden, dies war korrekt angemerkt.

          Insofern benötigte eine von „Affen“ erstellte Büchersammlung, frei von Semantik, Indices, die in etwa des Speicherbedarfs des „Gesamtwerks“ bedürfen. (Denn Wahnsinn (echte [1] „Zufälligkeit“) kann eben nur ein wenig komprimiert werden, unabhängig von der Kodierung.)

          Wo war der (bereits weiter oben angefragte) „Kick“?

          MFG
          Dr. Webbaer (dem besondere „Kicks“, Stichwort: Gödelisierung, ebenfalls und umfänglich entgangen sein müssten, lol – die Sache mit der Borges-Bibliothek ist ja kein ganz neuer Gag)

          [1]
          Neben-Gag:
          „Echte“ Zufälligkeit kann sich nicht gedacht werden, Zufallsgeneratoren funktionieren nur ganz grob über die „Schnittstelle Physik“.
          Scott Adams hat’s hier veranschaulicht:
          -> http://dilbert.com/strip/2001-10-25

          • „dies war korrekt angemerkt.“

            dies war gar nicht angemerkt.

            Es ist davon auszugehen, dass in der Bibliothek weder Zufall noch Affen am Werk sind.

          • @ Dr. Webbaer

            „Die Ruchlosen behaupten, daß in der Bibliothek die Sinnlosigkeit normal ist, und daß das Vernunftgemäße (ja selbst das schlecht und recht Zusammenhängende) eine fast wundersame Ausnahme bildet.“

            Welch schönes Beispiel für eine solch wundersame Ausnahme dieser Thread doch abgibt (auch wenn er nur dem in Klammern Stehenden entspricht).

          • Lolek! [1]
            Was soll das denn heißen, werter Herr Lobin?!

            Sehr wohl angemerkt!

            MFG
            Dr. Webbaer (der auf obige Nachricht von ‚Joker‘ (groß geschrieben) nicht eingehen konnte)

            [1]
            Es liegt hier der mögliche Komparativ zu LOL vor.

  8. @ Henning Lobin

    Gerade ist mir noch aufgefallen, eine Unachtsamkeit im Text:

    „In jedem Raum der Bibliothek, die über eine hexadezimale Ziffernfolge identifiziert werden können“

    Die benutzten Ziffernfolgen in der digitalen Bibliothek sind nicht hexadezimal, auch wenn sie auf den ersten Blick so aussehen mögen. Es werden neben den Ziffern 0-9 nicht nur die Buchstaben a-f, sondern alle des englischen Alphabets benutzt. Die Basis ist also nicht 16, sondern 36. Wie man dieses System nennt, ist mir leider nicht bekannt, mein Griechisch zu lückenhaft.

    • Joker schrieb (1. Oktober 2016 @ 01:45):
      > Es werden neben den Ziffern 0-9 […] alle des englischen Alphabets benutzt. Die Basis ist also […] 36. Wie man dieses System nennt, ist mir leider nicht bekannt […]

      Mein (Unser?) Wikilink assistant schlägt mir (uns?) „Hexatrigesimalsystem“ vor;
      und so weit ich weiß, wäre das durchaus im Sinne unserer Vorfahren.

      (Die Borgessche Bibliothek enthält natürlich auch alle anderen Namen, mit denen dieses System benennbar ist, sofern sie sich in knapp 410 Seiten aufschreiben lassen;
      ein bedeutender Anteil davon natürlich versehen mit dem Hinweis, dass es sich dabei jeweils um „den einzig cromulenten Namen“ dieses Systems handele …)

    • Vielen Dank für den Hinweis, da habe ich einen Fehler gemacht im Posting. Es muss also „hexatrigesimale Zeichenfolge“ heißen, ist im Text korrigiert. Die Eigenschaften dieses Systems scheinen mir bislang nicht besonders gut erforscht zu sein.

  9. Man benötigt dringend auch noch das Zeichen für den Zwischenraum (macht dann 37), und weniger dringend die verschiedenen Interpunktionszeichen (ungefähr 40 damit). Wenn man auch noch die Großbuchstaben haben will, dann kommt man auf einen ASCII-Code von 64 oder 128 Zeichen.

    • „Man benötigt dringend auch noch das Zeichen für den Zwischenraum“

      Auch mir ist nicht ersichtlich, warum zur Identifikation der Hexagons nicht einfach nur die 29 Zeichen verwendet wurden, die schon in den digitalen Büchern benutzt werden. Gut, aus Lesbarkeitserwägungen – für die Lesbarkeit von Texten und Zahlen gelten offensichtlich unterschiedliche Kriterien – hätte man allerdings gerade den Zwischenraum vielleicht durch eine 0 (oder ein ö) ersetzen können.

      Dann wäre es manchem Leser vielleicht einfacher gefallen, alle Buchstaben und Zeichen generell als Ziffern zu interpretieren. Aus dieser Perspektive würde jedes Buch in Borges Bibliothek genau eine natürliche Zahl mit 1.312.000 Stellen enthalten, inclusive führender Nullen, dargestellt in einem Stellenwertsystem zur Basis 25, sonst nichts. Der Leser könnte leicht nachvollziehen, dass im Prinzip in der Bibliothek einfach von 0 bis 1 E+1.845.281 gezählt wird. Nur die Ordnung mag etwas durcheinandergeraten sein und wurde ersetzt durch „Die Ordnung“.

      Jedem würde auch der Frevel deutlicher, den die Büchervernichter tatsächlich begangen haben. Man kann eine natürliche Zahl nicht einfach durch eine ähnliche ersetzen. Was bei Texten möglich scheint, funktioniert bei Zahlen nicht. Man kann schon nicht mehr unterbrechungsfrei zählen, eventuell wurde sogar eine besonders harmonische Zahl für immer vernichtet.

      • Hallo Joker,
        wie funktioniert der 29-Zeichen-Code bei den digitalen Büchern?
        Was machen die drei zusätzlichen Zeichen?
        Mit Dank für die Antwort im Voraus,
        und mit freundlichen Grüßen,
        Karl Bednarik.
        Anhang für Fanatiker:
        Zeichenwahrscheinlichkeit, Bild:
        http://members.chello.at/karl.bednarik/ZEICWAHR.jpg
        Zeichenwahrscheinlichkeit, Text, mühsam eingetippt:
        http://members.chello.at/karl.bednarik/ZEICWAHR.TXT
        Textbeispiel ohne Zwischenräume und Großbuchstaben:
        http://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?25231

        • (2. Versuch, jetzt mit weniger Links)

          Ich verstehe Deine Fragen nicht ganz. In der Digitalen Bibliothek werden anstelle der 22 Zeichen aus der Geschichte, die 26 (Klein-)Buchstaben des englischen Alphabets genommen. Leerzeichen, Komma und Punkt kommen jeweils hinzu.

          Die 22 Zeichen sollen vermutlich auf das hebräische Alphabet verweisen oder auf ein von Borges in „The Total Library“ Laßwitz zugeschriebenes, abgespecktes Alphabet (*).

          Die Autoren der Digitalen Bibliothek erklären: „We’ve decided to use a 26-letter alphabet to acknowledge the implicit Englishness of our library“ (https://libraryofbabel.info/theory3.html).

          Wie das Englische funktioniert, wirst Du nicht wissen wollen, wie man im Stellenwertsystem mit Basis 29 zählt vermutlich auch nicht. Zur Funktionsweise der Digitalen Bibliothek selbst könnte ich nur das wiederholen, was dort auf deren Seite beschrieben ist (speziell unter Reference Hex und Theory / Grains of Sand).

          (*)
          „Lasswitz arrives at twenty-five symbols (twenty-two letters, the space, the
          period, the comma)“ (https://libraryofbabel.info/Borges/TheTotalLibrary.pdf)

  10. @ Karl Bednarik

    Ich verstehe Deine Fragen nicht ganz. In der Digitalen Bibliothek werden anstelle der 22 Zeichen aus der Geschichte, die 26 (Klein-)Buchstaben des englischen Alphabets genommen. Leerzeichen, Komma und Punkt kommen jeweils hinzu.

    Die 22 Zeichen sollen vermutlich auf das hebräische Alphabet verweisen oder auf ein von Borges in „The Total Library“ Laßwitz zugeschriebenes, abgespecktes Alphabet (*).

    Die Autoren der Digitalen Bibliothek erklären: „We’ve decided to use a 26-letter alphabet to acknowledge the implicit Englishness of our library“ (https://libraryofbabel.info/theory3.html).

    Wie das Englische funktioniert, wirst Du nicht wissen wollen, wie man im Stellenwertsystem mit Basis 29 zählt vermutlich auch nicht. Zur Funktionsweise der Digitalen Bibliothek selbst könnte ich nur das wiederholen, was dort auf deren Seite beschrieben ist.
    http://libraryofbabel.info/referencehex.html ;
    http://libraryofbabel.info/theory4.html

    (*)
    „Lasswitz arrives at twenty-five symbols (twenty-two letters, the space, the
    period, the comma)“ (https://libraryofbabel.info/Borges/TheTotalLibrary.pdf)

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