Planetarium-Sternwarte Königsleiten endgültig geschlossen

Letzte Woche wurde es endgültig: Der Betrieb von Planetarium und Sternwarte Königsleiten werden ab sofort eingestellt.

Sternwarte und Planetarium Königsleiten

Sternwarte und Planetarium Königsleiten

Geschichte: Die Einrichtung wurde 1997 von dem Münchner Architekten Ottmar Beck an sein Apartment-Hotel gebaut. Der klare Sternhimmel über dem Almdorf passte zum Marketingkonzept des idyllisch gelegenen und aufgrund seiner Naturnähe beliebten Ferienort Königsleiten (Österreich). Dies versprachen ein reges Publikumsinteresse für solch ein Häuschen der Astronomie und man konnte davon ausgehen, dass es sich zu einem „Unique Selling Point“ (USP) für das Hotel entwickeln würde.

USP von Aparthotel + Restaurant Sterngucker

USP von Aparthotel + Restaurant „Sterngucker“

Ottmar Beck ließ sich von den Amateurastronomen der Münchner Volkssternwarte beraten, was man denn bräuchte, um Touristen den Himmel gut erklären zu können und baute dann nicht nur irgendeine Sternwarte, sondern eine wirklich außerordentliche Einrichtung: Die zwei von außen sichtbaren Sternwartenkuppeln beherbergen einen 8-Zoll-Zeiss-Refraktor und ein 60-cm-Cassegrain-Spiegelteleskop. Unter der Sternwartenterrasse befindet sich ebenerdig und von außen nicht sichtbar eine weitere Kuppel, unter der ein Zeiss-Kleinplanetarium (ZKP III) steht. Für den Fall von schlechtem Wetter, d.h. dass man die echten Sterne nicht sehen kann, kann man also dem interessierten Gast immer noch die künstlichen Sterne bieten.

Das höchstgelegene Planetarium Europas schließt.

Auf 1600 m ist es als das höchstgelegene Planetarium Europas im Guinessbuch der Rekorde eingetragen.

Im Foyer zwischen dem Restaurant und der Sternwarte wurde ein Astroshop untergebracht und können wartende Besucher auf einem Fernsehbildschirm Videoclips und Bilder sehen, die hier im Hause entstanden sind.

Foyer des Planetariums zu Weihnachten 2015

Foyer des Planetariums zu Weihnachten 2015

Herr Beck stellte damals einen Münchner Hobbyastronomen an, um das Haus zu betreiben und später sogar noch zusätzlich einen Astrophysiker, der auf einer halben Stelle forschte und auf einer halben Stelle abends in Königsleiten mit Sternwarte und Planetarium der Öffentlichkeit den Himmel erklärte. Da das Ensemble Teil des Hotelbetriebs war, machte es auch nichts, dass dabei die Kosten höher waren als die Einnahmen: Schließlich tranken Besucher des Planetariums, die ja nicht nur Hotelgäste waren, sondern bald aus der ganzen Region anreisten, auch mal nebenan im Restaurant einen Kaffee, gingen essen oder könnten im Rahmen von Betriebs- oder Familienfeiern wie Geburtstagen und anderen Jubiläen Astronomie und Gastronomie verbinden, so dass die Bilanzen unterm Strich positiv heraus kamen.

Soweit der gute Anfang, der jedoch zwanzig Jahre her ist. Nachdem der angestellte Hobbyastronom aufgrund seiner Heirat nach Griechenland ausgewandert und der Astrophysiker in den wohl verdienten Ruhestand gegangen waren sowie auch der greisende Münchner Architekt das gesamte Haus bereits verkauft hatte, wird das Aparthotel inzwischen seit acht Jahren von einer anderen Eigentümerfamilie betrieben, die allerdings kein Interesse an Astronomie hat. Im Rahmen eines Hotelbetriebs könnte man diese großzügig angelegten Gebäudeteile auch einer wirtschaftlicheren Nutzung zuführen bzw. andere USPs entwickeln und da es nun einmal Privateigentum ist, obliegt die Entscheidung zur Nutzung dem Eigentümer.

In der Vergangenheit war das Objekt mehrfach verpachtet worden, war unter privater Trägerschaft und auch zeitweise unter Trägerschaft eines ortsansässigen Unternehmerverbands und arbeitete stets mit der Unterstützung von Ehrenämtlern und Honorarkräften, zeitweise reisten sogar PraktikantInnen an, die aus anderen Planetarien kamen oder die Entwicklung von Lernstationen für eine Masterarbeit im Lehramt planten – es wurde verschiedenes ausprobiert.

Carsten Drauschke, Marilou de Jong-van Grinten und Wolfgang Planding - die drei langjährigen "guten Geister" von Sternwarte und Planetarium. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

v.l.n.r. Carsten Drauschke aus Cottbus, Marilou de Jong-van Grinten aus Den Haag und Wolfgang Planding aus München – die drei langjährigen „guten Geister“ von Sternwarte und Planetarium. Herzlichen Dank für die zuverlässige Unterstützung das viele Herzblut, das Ihr hier hineingesteckt habt!

Leider sind größere Investitionen in die Substanz aber zu keiner Zeit möglich gewesen: Die Gewinne allein geben das nicht her und der Eigentümer ist nicht gewillt, sich an größeren Investitionen zu beteiligen – er erbittet zudem ein Mitsprachrecht bei Versuchen des technischen Ausbaus. Eine Fulldome-Anlage beispielsweise, die mehr Gewinne einspielen würde als nur Live-Vorträge von Fachwissenschaftlern, wird kategorisch abgelehnt und darf nicht angeschafft werden. Ein rein wirtschaftlicher Betrieb ist so leider nicht möglich, Subventionen aus öffentlichen Mitteln werden nicht an private Unternehmen gegeben, sondern nur an gemeinnützige öffentliche juristische Personen und da der Eigentümer selbst keine Investitionen tätigen möchte, kann das Haus nicht aufgerüstet werden und daher wird auch kein Pächter gefunden – bzw. auch keiner erwünscht. Folglich kann es nicht weiter betrieben werden.
Ärgerlich ist das unterm Strich vor allem für die Beteiligten Anlieger, die sich in den vergangenen Monaten stark für den Erhalt engagierten:

Man könnte es „Schrödingers Planetarium“ nennen: Man wusste nie so genau, ob tot oder lebendig – und da Schrödinger der einzige Österreicher unter den Vätern der Quantenphysik war, passt die Metapher nochmal besser.

ZKP III Zeiss Kleinplnateriumsprojektor Skymaster Nr 531

ZKP III Zeiss Kleinplnateriumsprojektor Skymaster Nr 531

Schrödingers Planetarium

Königsleiten lebt vom Tourismus. Im Winter ist Ski-Saison, im Sommer Wandersaison; dazwischen gibt es jeweils anderthalb Monate Pause, in denen dort die Bürgersteige hochgeklappt werden – fast alle Wirtschaften haben geschlossen. Sternwarte und Planetarium hatten es aber in den letzten zwölf Monaten besonders holprig: Geöffnet bis Ostern 2015, dann Saisonpause (in der der Betreiber verstarb). Im Sommer geschlossen – aber niemand kannte mehr den Zugriff auf die Webseite, so dass die Schließung sich nur mühsam herumsprach und viele Gäste vergeblich anreisten. Stellenausschreibung. Notbetrieb im Rahmen von ersten Betriebstests im Oktober 2015; d.h. halboffen. Schließung im November wegen Saisonpause. Betreiberwechsel: Öffnung im Dezember, beginnende Skisaison und Weihnachtsgeschäft. Ende Jänner 2016 eine technische Havarie, damit nur Notbetrieb; zweite Februarhälfte geschlossen wegen Reparatur und aus politischen Gründen, um die dringende Notwendigkeit von Investitionen klar zu machen: Aber in der Politik sind Flüchtlingskrise und andere Themen wichtiger als die Rettung eines Planetariums. Anfang März für drei Tage offen gehalten von privatem Hobbyastronomen. Bisheriger Pächter/ Betreiber tritt von allen Verträgen zurück, daher also vom 5. bis 20. März wieder geschlossen. Ein neuer Betreiber findet sich; daher vom 20. März bis 08. April wieder geöffnet (wieder Betreiberwechsel). Saisonpause, also Schließung seit Mitte April. Im Hintergrund laufen Verhandlungen zum Betriebsmodell und Investitionen. Am 4. Mai konkretisierten sich die Nachrichten: Von verschiedenen Seiten erreichte uns die Nachricht „der Betrieb wird eingestellt“ und „bitte Privateigentum abholen“. Dieser letzte Auftrag ist nun am Wochenende 07./08. Mai von den betroffenen Personen ausgeführt worden.

Sternwarte geschlossen am Ende der Saison

Sternwarte geschlossen am Ende der Saison, April 2016.

Warum? – eine Chronik der Hergänge in den vergangenen zwölf Monaten

  1. Im Mai 2015 verstarb der bisherige Pächter, Dipl.Ing. Jürgen Huber. Er war ein Planetariumsingenieur, der in der DDR eine Grundausbildung Astronomie genossen hatte und nach Erfahrungen im erzgebirgischen Schneeberg dann nach Königsleiten gegangen war. Er betrieb das Haus acht Jahre lang auf eigene Rechnung, konnte (nicht üppig, aber hinreichend und gut) gerade von den Einnahmen leben – nur eben keine größeren Investitionen tätigen.
  2. Er hatte bereits grundlegende Mängel am Gerät festgestellt, den Eigentümer um Investition in die Bausubstanz gebeten und den defekten Antriebsrechner (DOS) in Reparatur geben müssen. Den geflickten Rechner erlebte er nicht mehr – aber er wurde im Sommer nochmals eingesetzt. Das ändert aber nichts an seiner Instabilität, was bei einem 20 Jahre alten und ununterbrochen in Benutzung befindlichen Gerät auch nicht arg wundert.
  3. Im Herbst 2015 sprang das Unternehmen „Verkehrsverein Königsleiten“ als Betreiber ein, schaffte zusätzliches Equipment im Wert von ca. 17.000 Euro an und stellte eine Astronomin ein,
  4. die (unterbezahlt und überqualifiziert) mit viel Engagement und ca. 2.5facher Arbeitszeit als laut Vertrag vorgesehen (und gewerkschaftlich erlaubt) den laufenden Besucherbetrieb sicherstellte sowie darüber hinaus neue Konzepte erarbeitete, fortwährend die marode Technik flickend reparierte und bei live-Vorträgen die Fehler im Betrieb so moderierte, dass die Besucher es nichts merkten.
  5. Der private Anliegerclub „Almdorfverein“ stellte eine vierstellige Spende bereit, mit der zwei neue Beamer gekauft werden konnten
  6. Die normalerweise konkurrenzbedingt zerstrittenen Königsleitener Gastwirte sahen diesmal unisono die Einrichtung von Sternwarte und Planetarium als USP des Ortes (also gar nicht mehr nur des einen Hotels, sondern für alle im Ort) und ließen sich zu einem CrowdFunding überreden.
  7. Zusätzlich beauftragte der Tourismusverband der Gemeinde (eine staatliche Einrichtung zur Tourismusförderung) vermittels einer vierstelligen Anschubfinanzierung eine professionelle Marketingfirma mit der Erstellung neuer Werbematerialien (Flyer, Poster, Presseaussendungen im ganzen Zillertal), so dass für den Sommer 2016 dann wieder bessere Besucherzahlen zu erwarten gewesen wären.
  8. Geplant war der Bau eines Fernwanderwegs vom Sterndorf Gummer in Südtirol nach Königsleiten: Das Projekt, für das wir EU-Fördermittel beantragen wollten und das recht aussichtsreich gewesen wäre, sollte die beiden Sterndörfer verbinden und sollte der erste Exoplanetenwanderweg weltweit werden! Der Antrag müsste in zwei Wochen eingereicht werden, was aufgrund der Schließung nun vermutlich geplatzt ist: Ich selbst kann jedenfalls aufgrund der Tatsache, nicht mehr dort tätig zu sein, an meiner eigenen Idee nicht mitwirken, selbst wenn sie jemand anders umsetzen würde.
  9. Schließlich hatte sogar der greisende Alteigentümer aufgrund einer persönlichen Liebe zur Astronomie eine Anschubfinanzierung von zwei Jahresgehältern zugesichert, um der Astronomin die Zeit zu verschaffen, das vorgeschlagene, langfristig stabil funktionierende und sich selbst tragende Betriebsmodell in die Realität umzusetzen.
Noch einmal durfte Orion im Winter 2015 seine Keule über dem Königsleitener Projektor schwingen.

Noch einmal durfte Orion im Winter 2015 seine Keule über dem Königsleitener Projektor schwingen.

ABER Da der Eigentümer keinerlei Beteiligung an dem Betrieb als astronomische Einrichtung in Aussicht stellte, waren alle willigen Unterstützer zögerlich. Einer nach dem anderen sprang ab, weil es keine Sicherheit gab, dass der Eigentümer diesen Gebäudeteil wirklich langfristig – d.h. für das nächste halbe Jahrhundert – entbehren möchte.

Das ist aber notwendig, wenn man eine langfristige gemeinnützige Lösung plant, die von einer Stiftung oder einem Verein getragen wird, der in erster Linie nicht wirtschaftliche Zwecke verfolgt und an sowohl Tourismusförderung angeschlossen als auch in aktuelle Forschungsprojekte (z.B. astrophysikalische Praktika für Studierende, Didaktikforschung insbesondere mit Blick auf die Entwicklung von Visualisierungen, sowie die Grundlagenforschung der Astronomen vor Ort – sei es Galaxienforschung wie früher bei Heinz Tiersch oder meine eigene Sternbilderforschung (wie jetzt im Winter)).

Anfang Mai 2016 waren nach zweimonatiger Wartezeit auch die letzten Unterstützer abgesprungen und wurde der Entschluss gefasst, den Gebäudeflügel nicht weiterhin zu verpachten. => Planetarium und Sternwarte Königsleiten – die jetzt zunächst wegen der üblichen Saisonpause geschlossen sind – bleiben wohl auch künftig geschlossen.

Künftige Nutzungskonzepte sind noch nicht bekannt gegeben worden.

Der letzte der Münchner Hobbyastronomen, der noch ein Fernrohr dort hatte, hatte letztes Wochenende im eigenen Interesse sein Teleskop wieder abgeholt. Es gibt also nun kein Privateigentum mehr dort. Was mit den Geräten des Hotels passiert (ob sie z.B. verkauft werden sollen), darüber gibt es bisher keine Information.

Instrumente in den Sternwartenkuppeln: ein 8-Zoll-Zeissrefraktor und ein 60 cm-Cassegrainspiegel, gebaut von dem Münchner Hobbyastronomen und Teleskopkonstrukteur Manfred Mauz

Instrumente in den Sternwartenkuppeln: ein 8-Zoll-Zeissrefraktor und ein 60 cm-Cassegrainspiegel, gebaut von dem Münchner Hobbyastronomen und Teleskopkonstrukteur Manfred Mauz

Vor Astroferien würde ich nun abraten: Der zeitweiligen Miete der Sternwarte durch Hobbyastronomen für eigene Projekte steht entgegen, dass das Hotel und das Dorf nachts hell beleuchtet sind: Im Eingang zum Restaurant, direkt vor der Sternwarte, gibt es Lampen im Boden, die wie in Einflugschneisen direkt nach oben strahlen, die Dächer von österreichischen Gastwirtschaften sind nachts von Lichterketten an den Spitzgiebeln illuminiert und nur eine der zwei Laternen vor der Sternwarte kann man ausschalten. Folglich ist für solche Beobachtungskampagnen die Lichtverschmutzung viel zu groß (ist halt keine Dark-Sky-Kommune und das ist wohl auch nicht erwünscht: die Hoteliers und Barbetreiber würden es als Einschränkung ihres Geschäfts sehen) und die VdS-Sternwarte Kirchheim und vergleichbare Hobby-Großteleskope in Melle (NRW) oder Namibia bieten dem geneigten Hobby-Spechtler bessere Beobachtungsbedingungen.

Sternwarte mitten im Dorf.

Sternwarte mitten im Dorf.

Die einzige vernünftige Nutzung der astronomischen Einrichtung war also die bisherige für abendliche Beobachtungen mit Urlaubern – da hatte man einerseits den Showeffekt der beeindruckend großen Geräte und andererseits durch den deutlich schöneren Sternhimmel als in den Volkssternwarten großer Städte auch die Freude des Himmelsanblicks. Für diese Nutzung ist der Eigentümer aber nicht mehr zu haben, weil sie zu wenig kommerziellen Gewinn abwirft bzw. die kommerziellen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden dürfen:
Das einzige, das man hier bisher duldete, war ein Fachastronom, der kenntnisreich live den Himmel erklärt und Einblicke in aktuelle Forschung gibt: Dieser Mensch sollte also Fachwissenschaftler, Lehrer und Journalist in einem sein. Doch allein die Eintrittsgelder (bei Ticketpreis von 9.50 €) werfen nicht genug Gewinn ab, um einen derart hoch qualifizierten Menschen zu bezahlen: erst Recht, wenn dieser jemand nicht nur den Sternhimmel erklären soll, sondern ein professioneller Redner sein soll, bei Kindervorstellungen auch pädagogische/ sozialarbeitende Kompetenzen haben soll, zudem auch die Planetariumstechnik bedienen und nötigenfalls auch selbst reparieren können soll, die Buchhaltung komplett allein machen soll, die Werbung allein organisieren soll (am liebsten auch professionell fotografieren können und Webseiten programmieren soll, damit auch dafür keine Kosten entstehen), mit Teleskopen umgehen und manuell interessante Objekte am Himmel ohne Goto-Automatik finden können soll … und stets freundlich und charmant an der Kasse mit Besuchern über Rabatt bei Eintrittsgeldern verhandeln können muss. Am besten sollte dieser Mensch zusätzlich auch noch Forschung machen, damit die Besucher den Eindruck haben, dass sie die dargereichten Informationen alle aus erster Hand bekommen. Aber selbstverständlich muss er nicht nur sein eigenes Forschungsgebiet kennen, sondern auch zu allem, was in den neuesten Nachrichten geboten wird, qualifiziert Auskunft geben können: sei es die Entdeckung von Gravitationswellen, Exoplaneten oder Verfahren der Integralrechnung in der alten babylonischen Astronomie (das alles war im Jänner 2016).

Solche Übermenschen und fachlich breit aufgestellten Super-Astronomen sind rar und wenn diese dann auch noch ein Nettogehalt bekommen, das vergleichbar ist mit dem eines auf Saison arbeitenden (also nicht fest angestellten) Kochs, hat man den Eindruck, dass hier etwas falsch läuft. Wozu nochmal hat man dann studiert und promoviert und nicht gleich einfach nur kochen gelernt? Das konnte ja nicht lange gut gehen: Schade!

Mach es wie die Sonnenuhr: Zähl die schönen Stunden nur.

Mach es wie die Sonnenuhr: Zähl die schönen Stunden nur.

Es herrscht also von allen Seiten Unzufriedenheit: Seitens des Betreibers, weil nicht genug Gewinn eingespielt wird, seitens der Besucher, weil die Technik merklich nicht up-to-date ist, seitens des Astronomen, weil die Besucher unzufrieden sind und nicht genug Geld in die Hand genommen wird (für angemessenes Gehalt sowie Investitionen), seitens des Eigentümers, weil er das verpachtete Eigentum nicht nach eigenen Wünschen gewinnmaximierend nutzen kann…

Nach diesem für alle frustrierenden Winter wurde daher also Ende April/ Anfang Mai beschlossen, das Haus nicht weiter mit Astronomie zu betreiben: Neben potentiellen Investoren haben auch alle potentiellen Betreiber aufgegeben: Die bisherigen Betreiber (juristische und natürliche Personen) sind daher zwischen Anfang März und Anfang Mai 2016 von allen Verträgen zurück getreten und der Eigentümer kann sein Eigentum nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen umgestalten und ist auch allein dafür verantwortlich.

Das Gute daran: Wir haben eine klare Entscheidung, die viele kleinteilige Verhandlungen und kleine Kriege in diesem beschaulichen Dorf beendet. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Frieden ist doch auch etwas schönes! Ich finde diese Entscheidung zwar fürs Dorf und die Region nicht besonders schlau, aber im Augenblick kann ich dort leider nichts mehr machen.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte (beide Diplomarbeiten in Astronomie), promovierte in Wissenschaftsgeschichte sowie Medienwissenschaften, Physikdidaktik. Sie ist seit 1998 als Astronomin tätig (manchmal an Universitäten, manchmal in Planetarien und öffentlichen Sternwarten). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. das ist leider sehr traurig nach den Ideen, die wir bei der GDP ausgetauscht haben und einem tollen Aufenthalt, den ich vor 17 Jahren dort hatte…

  2. Ewig schade um diese schöne Einrichtung! Wo wäre die menschliche Kultur, wenn alles immer nur unter dem kommerziellen Gesichtspunkt gesehen würde? Profitiert nicht etwa gerade der Kommerz vom kulturellen Bedürfnis der Menschheit? Dann sollte der Kommerz auch etwas für Wissenschaft, Kunst und Kultur übrig haben!
    Leider ist Königsleiten doch auch etwas weit von Ballungszentren entfernt, die häufig Quelle von ehrenamtlichen Mitarbeitern für Volkssternwarten sind, ohne die die Hauptamtlichen aufgeschmissen wären.
    Vielleicht ist ja doch noch nicht aller Tage Abend ……. ?

  3. Mitarbeiter sind nicht das Problem, weder haupt- noch ehrenamtliche: Es lagen alle Entwicklungspläne für eine gescheite Infrastruktur (Betriebsmodell, Businesspläne, Einbettung/ Anbindung an Forschung und Tourismus/Kulturprogramm, Werbekonzepte und -finanzierung…) auf dem Tisch! Das Problem ist einzig und allein, dass die Eigentümer das Haus anders nutzen und nicht verpachten wollen. Enteignungen wie nach 1945 führen wir aber nicht wieder ein!

  4. Sehr schade, um diese schöne Einrichtung! Danke für den ausführlichen Einblick in das Konzept, das ja offenbar über Jahrzehnte funktionierte, aber eben nur aufgrund des persönlichen Interesses der Eigentümer.

  5. Liebe Frau Hoffmann, herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Schrödingers Planetarium trifft es in der Tat sehr gut.
    Ich war im August mit meiner Familie dort und an der Kasse suggerierte man den Besuchern noch vage (auf meine Nachfrage, es war ein klarer Abend), dass es evtl. möglich sei, nach der Veranstaltung noch in die Sternwarte zu gehen um dort durch das Teleskop zu sehen.
    Es war ein sternenklarer Himmel und gerade die Sternwarte hatte uns besonders interessiert… aber dann hieß es, dass es zu bewölkt sei. Ein Umstellen bzw. Umschwenken des Teleskopes in eine andere Richtung (wo die Sicht besser sei) sei nicht möglich. Wir waren sehr enttäuscht; wir hatten 24 Euro für 2 Erwachsene und 1 Kleinkind bezahlt.

    Im Hotel angekommen habe ich dann recherchiert und bin auf Ihren Artikel gestoßen. Offensichtlich wird die Sternwarte noch „künstlich“ am Leben erhalten, obwohl das Herzstück bereits fehlt.

    Sehr traurig! Danke für Ihren Bericht! Er war sehr ernüchternd, aber auch aufschlussreich.

    • am Leben gehalten wird da gar nichts: es wird nur versucht, es tot zu machen und dabei den ahnungslosen Touristen noch ein wenig Geld aus der Tasche zu ziehen

  6. was soll denn nach meinung der eigentümer in dieser schönen einrichtung entstehen was es bisher noch nicht gibt? höher, weiter, schneller…. aber leider in die falsche richtung.
    bei solchem eigentum hat man eine gewisse gesellschaftliche verantwortung mit gekauft, das sollte den hotelbesitzern egentlich klar sein.
    schade, einfach nur schade… so viel engagement für die katz und sich dann noch mit diesem namen schmücken.

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