Sprache ist weder gerecht noch ungerecht: Die Politisierung der Alltagssprache

BLOG: Semantische Wettkämpfe

Wie die Sprache, so die Denkungsart
Semantische Wettkämpfe

In Sprache zeigt sich Wirklichkeit, und Sprache beeinflusst Wirklichkeit. Dieser Topos wird gebetsmühlenartig wiederholt. Vielleicht erreicht der Satz eines Tages den Selbstverständlichkeitsstatus des Satzes „Die Erde ist keine Scheibe, sondern hat eine Kugelgestalt“. Jedoch bevor dies eintritt, möchte ich noch auf unerwünschte Nebenwirkungen hinweisen. Dass ich prinzipiell in meinem Blog „Semantische Wettkämpfe“ mit allen meinen Beiträgen diesem Paradigma sehr zugeneigt bin, steht außer Frage. Aber das Kind darf nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, wie es mitunter geschieht. Deswegen geht es hier um das Sagen und Meinen und die Politisierung der Alltagssprache (meine Leseempfehlung dazu: Helmuth Feilke 2018 „Politische Kommunikation und Sprache“).

Worum geht es?

Wer sich in einer bestimmten Weise ausdrückt – z.B. anstelle von Flüchtlingen lieber von Geflüchteten spricht –, zeigt durch eine markierte oder gekennzeichnete Zeichenverwendung an, dass er für etwas Bestimmtes einsteht wie z.B. Gerechtigkeit und Gleichbehandlung in der Gesellschaft. Neben der symbolhaften Verwendung von Zeichen kommt eine sog. indexikalische Funktion (als Anzeige-Aufgabe) hinzu, also neben dem Inhalt des Gesagten soll noch eine Zusatzbotschaft – ein Supplement, eine Ergänzung – vermittelt werden. Wer also nicht von Flüchtlingen, sondern von Geflüchteten spricht, zeigt an, dass er dezidiert und an der Sprachoberfläche sichtbar (also im Sprachgebrauch) gegen Feindseligkeiten und Diskriminierung gegenüber Zugewanderten Stellung bezieht. Zur Motivation dieser Redeweise: Angeblich soll mit der Wortendung –ling im Ausdruck Flüchtling eine negative Konnotation fest verbunden sein (wegen z.B. Häftling, Sträfling), obwohl es mit Liebling, Säugling, Frühling auch Gegenbeispiele gibt. Im Folgenden soll es nicht um diese offene Streitfrage unter Linguisten gehen, aber hier kann man eine sprachwissenschaftliche Studie dazu einsehen.

Es stellt sich vielmehr eine andere Frage: Was ist mit Sprechern, die weiterhin von Flüchtlingen reden? Was zeigen sie an, entweder nichts oder etwa die Haltung, dass sie einem gesamtgesellschaftlichen relativ neuen Trend oder dem Setzen einer sozial-symbolischen Gerechtigkeitsgeste nicht folgen möchten – aus welchem Grund auch immer? Und müssen sie ausdrücklich formulieren und zusätzlich markieren, dass sie – trotz des Nicht-Setzens der Gerechtigkeitsgeste – sich von jeder Form der menschenverachtenden Feindlichkeit distanzieren?

Wortwahl mit Zusatzausflaggung

Wenn in der Alltagssprache Ausdrucksalternativen – so mein Beispiel 1 – wie Flüchtlinge versus Geflüchtete politisch und sozialsymbolisch aufgeladen werden und einer Ausdruckshülle ein politisches Fähnchen angeheftet wird, generiert man – vielleicht unabsichtlich und ungewollt – als Nebenwirkung eine Schwierigkeit, die viele Menschen sehr unangenehm finden: Sprachgebrauch im Alltag wird damit politisiert und zwingt zum Gesinnungsbekenntnis. Denn bei der Auswahl zwischen Bezeichnungsalternativen wird anscheinend oder tatsächlich jedem Ausdruck eine bestimmte Weltanschauung zugeschrieben. Es scheint dem jeweiligen Ausdruck etwas anzuhaften. Manche Sprecher möchten aber weiterhin unmarkierte Wörter verwenden und sind über diese Zuschreibungen (Markierungen) unglücklich. Dass sprachlichen Äußerungen stets Perspektiven immanent sind, habe ich hier in meinem Blog in vielen Beiträgen ausgeführt und stets als etwas Positives herausgestrichen: Wer über die angemessenen Worte beim Reden über die Welt oder das Finden der Wahrheit fair streitet, der entwickelt ein Bewusstsein für Worte bzw. Sprache und für die Sache selbst: „Sprache ist nie neutral und immer streitbar“. Das ist eine Win-Win-Situation – wenn Sie mir diese ökonomisch angehauchte Redeweise gestatten.

Wenn aber – aus Sicht vieler – bisher unauffällige Worte der Alltagssprache plötzlich als stigmatisiert dargestellt werden und die Alternativbezeichnung als die (einzig) nicht stigmatisierende etikettiert wird, dann findet durch die Markiertheit von Worten eine Zwangspolitisierung des alltäglichen Sprachgebrauchs statt. Da ist Vorsicht geboten – so sieht es auch Pro Asyl.

Und wie verhält es sich bei den Ausdrücken „russischer Invasionskrieg“ und „militärische Spezialoperation“ (Beispiel 2)?

Was kann man an Beispiel 1 & 2 zeigen?

Damit will ich zeigen, dass Sprecher in manchen Fällen mit ihrem Sprachgebrauch ein politisches Statement abgeben möchten und ein anderes Mal nicht. Das bedeutet in Bezug auf unsere beiden Beispiele: Seit dem 24. Februar 2022 gibt es eine neue politische Lage in der Weltpolitik (die unbeschreiblich viel Leid für die betroffenen Menschen bedeutet) – und diese muss nun mit Worten gefasst und diskutiert werden. An den Worten russischer Invasionskrieg versus militärische Spezialoperation erkennt man also die Denke, so wie ich dies in meinem Eröffnungsblogbeitrag „Wie die Sprache, so die Denkungsart“ ausführte: Der gewählte Ausdruck zeigt klar die politische Position an, ein neutrales Drittes scheint es nicht zu geben, kann es in diesem Fall vielleicht auch nicht geben. Die deutsche Politik beispielsweise will mit dem Wort „Zeitenwende“ wieder ins psycho-soziale Gleichgewicht kommen.

Der Unterschied zur alltagssprachlichen oder politiksprachlichen Formulierungsalternative Flüchtling – Geflüchtete ist der Folgende: Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, gibt es – leider – schon sehr lange (siehe zu „Begriff und Figur des Flüchtlings in historischer Perspektive“ den Beitrag von Jochen Oltmer 2021 auf der Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung). Es hat sich eine Konvention in der Bezeichnungstechnik herausgebildet.

Die neue zeithistorische Lage ab dem 24. Februar 2022 kennt hingegen keine Konvention, bei seiner Neu-Bezeichnung oder Erst-Benennung schaut man auf vergleichbare Ereignisse in der Geschichte, wählt nach eigenen Interessen und politischer Position eine Ausdrucksweise aus, die den Sachverhalt auch gleich bewertet: Ich beispielsweise spreche von „Invasionskrieg“ und beziehe damit klar Stellung – und verspüre auch den inneren Drang, beim Sprechen gleichzeitig eine politische Position anzuzeigen. Jedoch ist das nicht immer so!

Manchmal ist Zusatzausflaggung wichtig, manchmal nicht

Bei dem Verweisen auf Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, verspüre ich kein Bedürfnis, eine zusätzliche politische Gesinnungsmarke auszuflaggen. Ich sehe kein Problem bei der Verwendung des Ausdrucks Flüchtling. Denn ich kenne Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges, die sich selbst so bezeichnen und die1945 ihre Heimat verlassen mussten. Sie haben hier eine beeindruckende neue Existenz aufgebaut. Das ist so imponierend, dass ich bei dem Wort Flüchtling bleiben will – und damit Assoziationen an diese beeindruckenden Biographien gerne bestehen können. Und außerdem gibt es nach wie vor eine große Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft, wie man gerade wieder erfreulicherweise bei der Unterstützung der „Flüchtlinge aus der Ukraine“ sieht.

Wir haben es bei Flüchtlingen – Geflüchtete mit Bezeichnungsalternativen zu tun, die eine fast identische, aber doch nicht hundertprozentige Bedeutungsübereinstimmung aufweisen. Sie verweisen auf die gleichen Menschen, verfügen aber gegenwärtig darüber hinaus über eine Zusatzkomponente der Weltanschauung oder auch nicht. Wir meinen nicht nur etwas (indem wir etwas über die Welt aussagen), sondern wir adressieren mit dem Gesagten auch Menschen. Und nicht jede Adressatengruppierung hat den gleichen Code, was die Zusatzausflaggung (Anzeiger-Funktion) angeht. Wir haben es also mit einer Geste, mit einem „Handzeichen“ an die eigene oder fremde Gruppe zu tun. Sie kann Zugehörigkeit (Inklusion) oder Ausschluss (Exklusion) bewirken. Und was machen diejenigen, die keine Gruppe mit einer gestischen Attitüde (einem Signal) bedienen möchten? Die haben es schwer – und müssen sich gegebenenfalls gegen eine politisierende Interpretation ihrer Redeweise wehren.

Mit Sprache wird etwas bewirkt, in Sprache selbst ist nichts

Um nun den Punkt zu machen: Sprache ist weder gerecht noch ungerecht, mit Sprache kann allenfalls die Herstellung von Gerechtigkeit begünstigt werden – aber leider auch erschwert. Ich habe nichts gegen die Ausdrucksweise Geflüchtete, ich habe nur etwas dagegen, wenn denjenigen, die solch einer Formulierungsmöglichkeit oder einer vergleichbaren nicht folgen, per se und ohne Prüfung des sonstigen Kontextes etwas unterstellt wird, ihre Redeweise also zwangs-politisiert wird (wie geschehen in der Süddeutschen Zeitung vom 11.12.2015 „Wort des Jahres: Warum ,Flüchtlinge‘ abschätzig ist“). Es gibt keine Verpflichtung zur Gesinnungskundgabe: „Gebt Wortfreiheit jenseits der Verleumdung!“, lautet mein Aufruf oder we don’t need no education (Pink Floyd).

Ekkehard Felder ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Heidelberg. Er initiierte 2005 die Gründung des internationalen und interdisziplinären Forschungsnetzwerks Sprache und Wissen. Diese Forschungsgruppe untersucht diskurs- und gesellschaftskritisch die sprachliche Zugriffsweise auf Fachinhalte in zwölf gesellschaftlichen Handlungsfeldern – sog. Wissensdomänen (z.B. Recht, Wirtschaft, Medizin, Politik, Naturwissenschaft und Technik). Da Fachinhalte durch die Wahl der Worte geprägt werden und widerstreitende Positionen eine andere Wortwahl präferieren, ist ein Streit um die Sache auch ein Streit um Worte bzw. ein semantischer Kampf um die richtige Sichtweise. Deshalb heißt sein Blog bei SciLogs „Semantische Wettkämpfe – Wie die Sprache, so die Denkungsart“. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Fachkommunikation, der sozio-pragmatischen Diskursanalyse und der Untersuchung von Sprache als Indikator für Identität, Mentalität und Authentizität. 2010 gründete er mit den Kollegen Ludwig M. Eichinger und Jörg Riecke das Europäische Zentrum für Sprachwissenschaften (EZS). Als Fellow des Institute for Advanced Studies in Heidelberg (2008) und STIAS in Stellenbosch / Südafrika (2009) widmete er sich dem diskursiven Wettkampf um erkenntnisleitende Konzepte („agonale Zentren“). Felder ist Autor von fünf Monografien und (Mit-)Herausgeber diverser Sammelbände. Besonders bekannt ist die von ihm herausgegebene Reihe „Sprache und Wissen“ (SuW) bei de Gruyter und die dort mit Andreas Gardt herausgegebenen „Handbücher Sprachwissen“ (HSW).

24 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag. Ein wichtiges Thema, weil (um mit Putin zu sprechen) die Entnazifizierung der Sprache in vielen Fällen alles andere harmlos ist. Sind die neuen (Ersatz-)Begriffe moralisch aufgeladen und bringen sie auch noch eine Handlungsaufforderung mit sich, wird es besonders problematisch.

    So fasse ich den Begriff Geflüchtete gegenüber Flüchtling auch als Aufforderung auf, mehr Flüchtlinge/Geflüchtete aufzunehmen. Das ist sicher eine gute Sache, wenn Geflüchtete auf mehr Hilfsbereitschaft zählen können. Die Frage ist nur ob es für nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für das Land, welches mehr Geflüchtete als Asylanten aufnimmt, positiv herauskommt. In Frankreich gibt es nun mit Éric Zemmour und Marine Le Pen zwei rechtsradikale Präsidentschaftskandidaten. Da scheint mir Dänemarks Zurückhaltung bei der Aufnahme von Migranten (Flüchtlingen?) trotz der Härte (Härte statt Hygge) für das Land doch klüger, wenn die Alternative Rechtsradikalismus bedeuten würde. Nun ganz so einfach ist es nicht wie ich es hier dargestellt habe, denn Migranten sind nicht unbedingt Geflüchtete/Flüchtlinge. Eigentlich sollte man erwarten, dass in der heutigen Welt nicht Millionen von Flüchtlingen/Geflüchteten geben sollte. Wenn nicht leben wir in einer falschen Welt.

    • Howdy!
      Es ist in kollektivistischen Gesellschaftssystemen seit jeher üblich Sprache politisch zu überlagern, eine gewisse Sittlichkeit, die herrschaftskonform ist, soll so pflichtig werden; George Orwell hat hier womöglich mit seiner ‘Farm der Tiere’ (“die Schweine sind gleicher”, lol) als Erster so klar heraus gearbeitet.
      In der liberalen Demokratie, der Liberalismus ist ein schwierig zu implementierendes philosophisch-gesellschaftliches Konzept und das Gegenkonzept zum Kollektivismus (der vielleicht sozusagen den Ur-Zustand des hier gemeinten Hominiden meint), ist es so, dass Sprache frei ist und der Willkür der Sprecher oder Sprechenden überlassen bleibt, im individualistischen Sinne.
      Dr. Webbaer erkennt bei der moralischen Aufladung von nicht nur deutscher Sprache auch die Bemühung hin zum Kollektivismus.
      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  2. Alles richtig bzw. hier zustimmungsfähig, es wird neben der Bedeutung der Sprache zunehmend sogenannte Politische Richtigkeit hinzugebaut.
    Leider, wie einige finden, – zudem werden so ganze Bevölkerungsschichten, die entweder kein Interesse an angeblicher Richtigkeit von Sprache haben oder schlicht nicht in der Lage sind diese zusätzliche Schicht umfassend zu lernen, quasi markiert und von denjenigen, die das Virtue Signalling (kein böses Wort, oder?) angenommen haben, möglicherweise auch traktiert.
    Dr. Webbaer geht übrigens nicht davon aus, dass Nachrichten wie diese, die von ihm kommentiert werden, für das weitere persönliche Fortkommen nützlich sind.
    Mit freundlichen Grüßen + gute Arbeit
    Dr. Webbaer
    PS zu ‘Flüchtling’ und ‘Geflüchtete’ :
    Dr. Webbaer sieht hier Bedeutungsgleichheit (wie z.B. auch bei ‘anscheinend’ und ‘scheinbar’ – auch hier wird von einigen gebeckmessert), das eine Wort ist aber grammatisch geschlechtlich männlich und das andere wie gemeint unbestimmt, vielleicht “fahren” einige deshalb auf ‘Geflüchtete’ “ab”.
    Der “Duden”, kleine Randbemerkung an dieser Stelle, entwickelt sich übrigens, wohl Inhaberverhältnissen geschuldet, seit einiger Zeit ungünstig, vgl. bspw. auch hiermit :
    -> https://www.duden.de/rechtschreibung/Gefluechtete (denn eine biologisch weibliche Person muss so offensichtlich nicht vorliegen)

    • Ergänzend noch kurz zu dem ‘Flüchtling’ und dem (der) ‘Geflüchteten’ :
      Die Suffix ‘-ling’ ist interessant :
      -> https://en.wiktionary.org/wiki/-ling
      Der (die) ‘Geflüchtete’ ist eine Substantivierung des Partizip Perfekts.
      Während bei dem (der) ‘Geflüchteten’ also bereits die Handlung, die Flucht, abgeschlossen ist, ist beim ‘Flüchtling’ unklar, ob dies der Fall ist.
      Vermutlich ist der Begriff ‘Flüchtling’ logisch, sprachlich tauglicher.
      (Dr. W hat sich also, siehe oben, zu korrigieren.)

  3. Dr. W rät an :

    Wenn aber – aus Sicht vieler – bisher unauffällige Worte der Alltagssprache plötzlich als stigmatisiert dargestellt werden und die Alternativbezeichnung als die (einzig) nicht stigmatisierende etikettiert wird, dann findet durch die Markiertheit von Worten eine Zwangspolitisierung des alltäglichen Sprachgebrauchs [Text-Auszeichnungen vom Primärtext, von Dr. Webbaer übernommen] statt. Da ist Vorsicht geboten – so sieht es auch Pro Asyl

    .
    .. sich sprachlich versuchter Übergriffigkeit, die kollektivistisch angeleitet sein müsste, siehe oben, nicht zu beugen.
    Dr. W ist ein wenig “old-school”, hat bereits in einer Zeit gelebt, in der hier gemeinte sprachliche Übergriffigkeit nicht oder nur kaum (die sog. Neomarxisten, Adorno (+1969) und so, auch Marcuse meinend, auch den (zählebigen) deutschen Habermas (die kleinste Größe unter anderen Neoxmarxisten womöglich, Dr. W liest bei ihm gerne mal gelegentlich, er kickt noch) vorkam, vor 50 Jahren.
    Die Idee sog. Diskurshoheit zu gewinnen, was nur über das Sprachliche letztlich gelingen kann, ist neomarxistischer Bauart,
    diese Idee ist in den Siebzigern noch klar ausgesprochen worden.
    MFG
    WB

  4. Sehr kluge Bemerkung,
    der Flüchtling ist noch auf der Flucht.
    Zur Erinnerung , für die deutschen Flüchtlinge gab es einen eigenen Ausweis, den Flüchtlingsausweis. Dem Geflüchteten wird also eine Sonderstellung eingeräumt.

    Zweite kluge Bemerkung,
    die Diskkusrshoheit,
    die hat sich zum Nachteil der Neomarxisten herausgestellt. In der Tagespolitik hat sich die Sprache der Linken nicht durchsetzen können, weil die Leute sie einfach nicht mehr verstehen.

    • Wichtich (mittelniederdeutsch) ist die Sprache “as is” zu verstehen.
      Sie konnten, Kommentatorenfreund ‘hwied’, hier folgen, danke.

  5. Herr Felder
    zu Sprache ist weder gerecht noch ungerecht. Gleich darauf sprechen Sie von Politisierung.
    Das beinhaltet einen Widerspruch.
    Der Politikbebriff wird meistens normativ gebraucht, also als Wertbegriff der sich auf die Bürgerrechte und Pflichten bezieht und verbindlich sein soll.
    Daraus folgt, dass Sprache politisch korrekt sein soll.
    und dann behaupten Sie, dass die Sprache rechtlich indifferent sei, und das ist sie nicht. Man sollte also von Umgangssprache reden.
    So langsam setzt ja ein Umdenken in der Bevölkerung ein und spricht eben nicht mehr von Zigeunern und Negern.

    Beim Begriff Flüchtling ist eine Gegenbewegung zu beobachten, wenn von Wirtschaftsflüchtlingen geredet wird. Als ob ein Bauer, dessen Felder vertrocknen eine andere Wahl hat als sein Land zu verlassen.
    Im Amtsdeutsch redet man deswegen von “Personen mit Migrationshintergrund” um eine moralische und auch rechtliche Einordnung zu vermeiden.

    • Vielen Dank für Ihre Anmerkung, hwied. Den Widerspruch vermag ich nicht zu erkennen. Politik in der Bedeutung von “Kunst der Staatsführung” wird bei mir nicht normativ, sondern deskriptiv gebraucht. Die Schlussfolgerung Ihres Gedankengangs, dass “Sprache politisch korrekt sein muss”, kann ich von daher auch nicht teilen, da ich ja eine andere Prämisse – sprich einen deskriptiven Politikbegriff – zugrundegelegt habe.
      Herzliche Grüße, Ekkehard Felder

    • Das “N-Wort” ist lateinischen Ursprungs und in seiner Bedeutung unproblematisch, das “-Z-Wort” entstammt womöglich der türkischen Sprache und meint ‘arm’, ohne (Haus-)Besitz.
      Was hier problematisch ist, ist einzig der Versuch einiger illegitim sprachlich herrschen zu wollen.
      Amüsant ist aus diesseitiger Sicht auch die erst neulich erfolgte Meidung der Präfices bei den Migranten.

  6. Ich bin Flüchtling. Wenn sich die Flucht auch schon vor 62 Jahren zugetragen hat, bleibe ich in meinem Bewusstsein Flüchtling. Ich denke – ohne dies empirisch überprüft zu haben – geht es vielen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer flüchten mussten, ähnlich. Ich hatte in den letzten Jahren ehrenamtlich viel mit Flüchtlingen zu tun. Es ist also nicht nur eine Frage der Sprache, die wir (anderen) auferlegen, sondern auch des Bewusstseins der Betroffenen. Geflüchtete suggeriert mir, da ist etwas Abgeschlossenes, aber das Gefühl ist ja noch in mir. Es lässt sich nicht abschließen.
    Sprache sollte sich daher nicht nur auf amtliche Sachtatsachenbeschreibung beziehen, sie sollte auch offen sein für die Gefühle und die Lebenswirklichkeit derer, die wir mit unseren Worten bezeichnen.

  7. Ich finde es schlimm, wenn die Gesinnungssprache wichtiger ist als Menschen, die davon betroffen sind.

    Wir kennen dieses Problem aus den letzten Jahren – mit der Diskussion um die richtige Schreibweise: z.B. ´Arbeiter´ / ´Arbeiter*innen´.
    In allen Medien wurde und wird heftig über die korrekte Schreibweise diskutiert – aber dass Frauen 1/5 weniger verdienen als Männer; das interessiert dabei kaum.

    • KRichard
      15.04.2022, 13:24 Uhr

      Vielleicht ist das auch anders zu sehen, nämlich so, dass einige Feminist*Innen (m/w/d) fest daran glauben, dass der/die/das gender pay gap sich von selber schließt, wenn man/frau/es sich nur lange genug der korrekten Aussprache befleißigt. Schließlich hat das Tradition: Karl der Große ( alter weißer Mann ) soll ja nur deshalb in die Priesterausbildung investiert und Schulen eingerichtet haben, weil er des festen Glaubens war, dass die Gebete und Fürbitten nur dann wirksam seien, wenn man sie in Wortlaut und Aussprache korrekt widergebe.

      • @Maier
        Ein zweites Beispiel – damit Sie das Problem verstehen:

        Wenn man sich hauptsächlich darüber empört, ob/wie das Wort ´N* /Schwarze´ korrekt verwendet wird – aber tatsächliches Fehlverhalten gegenüber diesen Menschen akzeptiert, dann läuft etwas falsch.

        • KRichard
          16.04.2022, 04:59 Uhr

          Ein zweites Beispiel – damit Sie das Problem verstehen:

          Vielen Dank für die Nachhilfe – ich werde nächstes Mal den Spott deutlich als solchen kennzeichnen …

    • “Ich finde es schlimm, wenn die Gesinnungssprache wichtiger ist als Menschen, die davon betroffen sind.”
      Trifft das Problem im Kern, und die Sprache soll da wohl auch gezielt ablenken von den Problemen.

  8. @Martin Holzherr
    Kann Ihnen nur zustimmen, der Aufstieg des Rechtspopulismus hat viel zu tun mit der Auto-Aggression gegen unsere eigene Kultur, zu der natürlich auch die Sprache zählt.
    Ich bin wohl nur einer von vielen Millionen in Deutschland, die für die Flüchtlingshilfe sind, besonders aktuell, und die dann als “Belohnung” die Verhunzung unserer Sprache erhalten, etabliert noch dazu von Leuten, die sich sorgsam und gezielt aufhalten in Umfeldern, in denen praktisch nichts davon zu spüren ist.
    Ich empfinde es als bodenlose Unverschämtheit, wenn sprachlich in den Raum gestellt wird, ich hätte eine inhumane Haltung, weil ich die Verhunzung unserer schönen Sprache nicht mitmachen will, daher kann ich zumindest die Wut verstehen, die hinter der Wahl von Rechtspopulisten steht.

  9. Aus meinem Wörterbuch (Wahrig)

    Deutsch [<ahd. diutısc; zu ahd. diot, got. diuda „Volk“ …
    urspr. „volksmäßig, dem Volke eigen

    Es wird noch etwas dauern bis gerechte Sprache volksmäßig geworden ist.

  10. Als der Afghanistan-Krieg als Friedenseinsatz verkauft wurde, fing ich gleich an, vom Ersten und Zweiten Weltfriedenseinsatz zu faseln. Die Politkorr-Sprachpolizei kann sich also nicht beschweren.

    Bei der Russland-Ukraine-Nummer spreche ich vom Zickenkrieg oder Blutfehde. Ich komme ja aus der Ecke. Es ist Teil der Regionalkultur östlich der Oder, uralte Traumata zu konservieren, alte Wunden nie heilen zu lassen, nie zu bereuen, nie zu vergeben, sodass Konflikte nie wirklich enden, sondern bei jeder Gelegenheit zu bestialischen Rache-Feldzügen aus vermeintlicher Notwehr ausarten, mit Völkermord, Folter, Vergewaltigung und ähnlichen Must-have-Traditionen. Unreife kleine Jungs mit echten Knarren sind halt nicht ganz so lustig, wie die mit Spielzeug. Wenn Sie Ihrem Kind keine Streichhölzer anvertrauen würden, geben Sie einem Osteuropäer keine scharfen Waffen. Es sei denn, Sie sind ein Vollidiot, der es durch selbstherrliche Blauäugigkeit geschafft hat, dass Sie einen Haufen blutrünstiger Psychopathen brauchen, um Sie gegen einen anderen zu schützen. Dann aber nützen Sie die Zeit, um sich schleunigst noch größere Knarren zuzulegen, damit die Irren auch hübsch immer von Ihnen weg schießen. Aus Rache und Notwehr, einen Grund saugen sie sich spontan aus den Fingern, sobald die Gelegenheit da ist. Hat der Putin ja auch gemacht.

    Wie gesagt, die Politkorr-Sprachpolizei kann sich nicht über mich beschweren. So viel Zeit kann sie gar nicht haben.

    Zynische Sprache ist ein Ausdruck von Zynismus, einem Skalpell, das zwei Eigenschaften hat: Es legt die Wahrheit frei, egal wie sehr es weh tut, und es tut weh. Damit läuft seine Sprache immer Gefahr, von Leuten geschwungen zu werden, die Anderen nur weh tun oder ihre alternativen Lügen als Wahrheit verkaufen wollen. Wer sich selbst in Watte packt und nur beim Anderen die Eingeweide sehen will, hat höchstens geschnetzelte Teilwahrheiten zu bieten. Mit so einer mächtigen Waffe in der Hand, die Wahrheit und Schmerz in einem bringt, fühlt sich halt jeder stark. Ich weiß nicht, ob ich ihr gewachsen bin, aber ich gebe mein Bestes. Und wenn ich versage, wen juckt’s, noch so ein Spinner im Internet, der sich zum Affen macht, gibt es etwas Unwichtigeres auf der Welt?

    Ich hab’s sehr nötig, mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und dabei aufzupassen, dass ich echte Komplexe unterhalte, statt bloß Bescheidenheit zu heucheln, die dann doch mein Ego aufbläht. Ein Skalpell ist auch nützlich, wenn man das Stachelschwein spielen will, das lieber keine Freunde hat, als die falschen. Wenn man allein ist und nie auf Andere hört, ist man in einer Welt, in der die eigene Sichtweise die einzige scheint und einem vorlügt, die Wahrheit zu sein. Man fühlt sich wichtig, man fühlt sich mächtig, der Reality Check fällt aus, und wenn man dann doch mit der Welt konfrontiert wird, fühlt man sich tödlich beleidigt, weil die einen nicht als Einzigen Gott anerkennt und legt den Blutigen Putin aufs Parkett. Arroganz macht blöd, doch es fühlt sich an, als würde man klüger werden – der Fehler all der Politsekten, die sich ihre eigene Sprache und Weltanschauung zulegen. Bei Diktatoren, die sich mit Speichelleckern umgeben, ist der Effekt bloß stärker ausgeprägt.

    Ich mag keine Sprachpolizei, weil ich weiß, wie Sprache funktioniert – jedes Wort ist bloß ein Trigger, eine Taste, die eine ganze Assoziationsmaschine einschaltet, zu jedem gehört ein Weltmodell, ein Netzwerk voller Hyperlinks, jedes spielt auf einem anderen kognitiven Instrument, nützt eine andere Linse, um die Welt zu sehen. Wenn ich viele verschiedene Wörter benutze, viele verschiedene Umschreibungen, kann ich die Sache aus mehreren Perspektiven betrachten, oft zeigt eine Linse Informationen, die eine andere verbirgt. Ein Zickenkrieg zwischen Cheerleader-Primadonnas, kleine Jungs, die mit echten Waffen Krieg spielen und erst begreifen, was sie damit anrichten, wenn’s zu spät ist, wenn überhaupt – es kommt der Wahrheit jedenfalls näher, als die offiziellen Sichtweisen, die von starken Eigeninteressen gefiltert und verzerrt sind.

    Russischer Invasionskrieg, militärische Spezialoperation – wer hat Bock, so viel zu tippen? „Krieg“ reicht völlig. In dem Wort steht auch gleich drin, dass man zwei polarisierende Wahrheiten schon mal prophylaktisch nicht glauben sollte, auch wenn man noch keine Ahnung hat, wieso. Natürlich nur, wenn das den eigenen Interessen entspricht. Ich sehe, die Ukraine hat ein ernsthaftes Faschismus-Problem, das ihrer geografischen Position im braunen Putin-AfD-Gefälle von Ost nach West entspricht. Ich sehe, alle Gräuel, die ihr die Russen heute antun, hat sie in ihrer Geschichte Anderen angetan und für die Täter Heldendenkmäler errichtet. Ich sehe, dass sie eine Demokratie ist, und im Vergleich zu Russland, das kleinere Übel. Ich sehe, dass die Welt voller sehr sympathischer Menschen in sehr unsympathischen Staaten ist, welche der Menschen nicht wert sind, denn sie haben es nicht nötig, sich Ergebenheit ihrer Sklaven erst zu verdienen, da diese unfähig sind, ohne sie zu existieren. Ich sehe, dass ein primitiver Schläger wie Putin aufgehalten werden muss, weil er mit Macht nicht nur intellektuell und emotionell überfordert ist, sondern sein Versagen auf Andere abwälzt: Ein Gangsta, der eine disziplinierte Gang will, mit der er in dunklen Gassen Leuten die Uhren abziehen kann – er begreift nicht, dass Uhren nicht auf Leuten wachsen, und wenn sie lieber irgendwohin fliehen, wo sie hübsche Uhren machen, kaufen und behalten können, hetzt er ihnen hinterher, um sie zurück in seine Gasse zu zerren. Ich habe eine persönliche, höchst ambivalente Beziehung zur Ukraine, weil meine Großeltern einerseits den Völkermord in Wolhynien überlebt haben, andererseits Verwandte dort habe, die patriotische Ukrainer und die liebsten Menschen der Welt sind, was in mir den Wunsch weckt, meine persönlichen Konflikte zu lösen, indem ich ganz Osteuropa auf Freuds Couch schnalle und so lange mit Elektroschocks traktiere, bis es bereit ist, seine Traumata endlich aufzuarbeiten, damit die, die ich geerbt habe, mit mir sterben und wenigstens die Jugend die Chance hat, neu anzufangen, hoffentlich ein wenig reifer und weiser. Ich sehe, dass der Westen so viel Mist gebaut hat und stur weiterhin baut, dass Putin bei Weitem nicht unser einziges oder größtes Problem bleiben wird, und habe Angst, dass der Arschtritt, den er uns verpasst, als Denkanstoß genauso wirkungslos bleibt, wie all die anderen „Zeitenwenden“ zuvor – die Momente des Aufbruchs, die vom System schnell amortisiert wurden, sodass wir wieder in unsere stumpfe, hoffnungslose Trägheit versanken, die wir als Normalität kennen und lieben, das ewige saublöde, unersättliche Mastschwein, das nur ans Fressen denkt und auf den Schlachter wartet. Welche verfluchte, simplifizierte Gut-Böse-Ideologie hat ein Wort, das all das zusammenfasst?

    Flüchtlinge – ich hab sie schon mal mit anderen Migranten als Migger zusammengefasst, denn ganz egal, ob sie Miggringe oder Gemiggerte sind, so werden Sie behandelt. Natürlich ist das kein Wort, das für die Alltagssprache taugt, und beim (möglichst seltenen) Gebrauch würde ich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr auf den Kontext achten, damit der Sarkasmus nur von Leuten missverstanden wird, die Missverstehen beruflich betreiben, als Hobby perfektionieren oder weltanschaulich oder charakterlich gezwungen sind, jede Aussage als Beleidigung zu interpretieren. Also, der Politkorr-Polizei. Natürlich wird das Wort auch vielen Flüchtlingen/Migranten nicht gefallen, ganz egal, wie ich es benutze – ich kann ja nur bestimmen, was ich sage, nicht, was Andere hören, wer auf Nummer Sicher gehen will, bleibt bei möglichst neutraler, allgemein akzeptierter Ausdrucksweise. Ich halte es allerdings für weniger wichtig, wie man über Flüchtlinge spricht, als wenn man mit Flüchtlingen spricht. Es gibt da diesen alten polnischen Wahlspruch: „Nichts über uns ohne uns“, etwas, das sich jeder, der ernsthaft Demokratie spielen will, in Leuchtschrift auf die Innenseite der Augenlider tätowieren lassen sollte. Finde ich, Sie können es sehen, wie Sie wollen. Wenn Menschen um ihr Recht kämpfen, und mich das Schicksal auf die andere Seite der Frontlinie verschlagen hat, ist meine Aufgabe, zurückzutreten, nicht, mich als ihr Anführer oder Sprachrohr aufzuspielen. Wir müssen nur ein faireres Gleichgewicht aushandeln, damit sich die Rollen nicht umkehren – niemand weiß mehr, wie scheiße Diskriminierung ist, als die Diskriminierten, dass die Nummer kein Sieg mit wehenden Fahnen wird, sondern ein Deal auf Augenhöhe, ist vielleicht nicht das Gerechteste, doch sie dürften Verständnis dafür haben, dass ich ihr Leid nicht unbedingt kennen lernen will, bloß weil ich einsehe, dass ich meine Privilegien zu Unrecht genieße.

    Schätze mal, Menschen in einem Flüchtlingslager dürften wichtigere Probleme haben, als mit welchem Alien-Grunzen die EUnuchen sie schimpfen (gefragt hab ich sie nicht), und semantische Debatten zeigen vor allem, wie sehr wir es nötig haben, die Klappe zu halten und zuzuhören. Was ich tunlichst unterlasse, aber Weisere könnten sich das durch den Kopf gehen lassen. Die Frage ist also nicht so sehr, wie nennen wir es – sondern wie vermeiden wir es, die Frage zu einer Wichtigkeit zu hypen, die sie nicht verdient? Denn damit machen wir uns nur selbst unwichtiger, als das Problem erlaubt. Kinderkacke ist kein rein osteuropäisches Problem, nur sind die Windeln, die im Westen geworfen werden, eher mit Korinthen gefüllt als mit Sprengstoff. Schätze auch, in Europa ist selbst der kleinste Fortschritt ein Grund zum Jubeln.

  11. Bonuskommentar noch, ein ganz kleiner, beispielhaft an diesem Fragment festgemacht :

    Wer also nicht von Flüchtlingen, sondern von Geflüchteten spricht, zeigt an, dass er dezidiert und an der Sprachoberfläche sichtbar (also im Sprachgebrauch) gegen Feindseligkeiten und Diskriminierung gegenüber Zugewanderten Stellung bezieht. [Artikeltext]

    Stimmt das eigentlich?
    Oder liegen hier nur Vermutung und Gefühl vor?
    (Wörter wie ‘Geflüchtete’ geraten nicht selten, zeitversetzt, in neue (soziale, politische) Bewertung, ein wenig böse formuliert auch “Euphemismus-Tretmühle” genannt.)

    Aus diesseitiger Sicht sollte den Ideologen, die illegitim über die Sprache zu herrschen wünschen, nicht entgegen gekommen werden, nicht gesagt werden, dass sie irgendwie recht haben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der offensichtlich das (delirierte?) Konzept “Subtext” nicht sonderlich mag)

  12. Gut denken, gut reden, gut handeln,
    Das Reden hat seine Wurzeln im Denken. Das Handeln hat seine Wurzeln im Reden. Ja, im Reden, weil das Reden das begriffliche Denken voraussetzt. Und begrifflich Denken heißt, die Vor- und Nachteile, das Für und Wider miteinander abwägen.
    Deskriptives Denken ist assoziatives Denken, normatives Denken ist analytisches Denken (falsch, analytisches Denken wird normativ)

    In der Alltagssprache , beim small talk, verwenden wir beide Formen. Wenn es lustig unterhaltsam sein soll, dann achten wir mehr auf den Effekt als auf den Wahrheitsgehalt unserer Aussagen. Wir provozieren, wir beleidigen, wir informieren, wir loben . Wer da nur “klug rausschwätzt” der wird langweilig und ist für Frauen uninteressant.
    Nur nebenbei: Frauen reden über Menschen, Männer reden über Sachen.
    So ein Plausch beim Einkaufen gibt es nur zwischen Frauen.
    Jetzt zur Politisierung der Alltagsprache.
    Herr Felder, Sie haben also Recht mit ihrer Vermutung, dass Alltagssprache eher deskriptiv zu betrachten ist.

  13. Sprache ist ein Instrument der jeweils herrschenden Ideologie um ihr Weltbild zu transportieren. Sprache /Wörter sind dann sozusagen Krüge in die man die zu transportierende Ideologie gießt und die dann in das Unterbewusstsein der Sprechenden automatisch eingehen denn die verbinden damit dann stets den gewünschten Inhalt.
    “Flüchtlinge” sind in der Weltgeschichte meines Erachtens verschieden interpretierbar . So waren die Germanen innerhalb der Völkerwanderung auch “Flüchtlinge” denn sie flüchteten vor einer Klimaveränderung und veränderten so nebenbei dann auch noch die Welt. Was mich persönlich als Kind ,als Fan der nordamerikanischen Indianer immer bewegte, war die Tatsache dass diese europäischen Einwanderer damals ja dann auch sowas wie “Flüchtlinge” waren, was dazu führte dass diese dann die Ureinwohner ausrotteten, vertrieben bzw.
    ihre Kultur zerstörten. Siehe auch die Ureinwohner Australiens bzw. Südafrikas.
    In der DDR hießen diese “Flüchtlinge” dann Umsiedler was eine ideologische Komponente hatte da man diese Flucht im historischen Kontext von Ursache und Wirkung sah, also in Deutschland als Verursacher des Krieges. Die Weltgeschichte wird diesen Begriff in absehbarer Zeit- mit den Umwälzungen der Klimakatastrophe- garantiert wieder anders definieren als heute bzw. mit
    dem weiteren Einsatz von “Flüchtlingen” als politische Waffe, siehe Belorussland. Jeder Ausdruck hat also eine bestimmte Weltanschauung aber so wie ich mir die Welt anschaue bestimmt wohl die jeweils herrschende Ideologie.

    • Die Sprache dient zuvörderst dem sprechenden Subjekt einem anderen sprechenden Subjekt, das dann auch versteht, ähnlich spricht, <em<Inhalt [1] zu transportieren, zu kommunizieren, in der (nicht immer vagen) Hoffnung, dass auf der anderen Seite auch so verstanden wird, näherungsweise. [2]

      Die Idee Sprache politisch zu überlagern, ist vglw. neu, es gibt hier alte Konzepte wie bspw. so :

      -> https://de.wikipedia.org/wiki/JHWH
      -> https://en.wikipedia.org/wiki/Damnatio_memoriae

      Im Stalinismus wurden ähnlich Bilder, Konzepte und Namen “ausgekritzelt”, zum Beispiel so :

      -> https://www.welt.de/kultur/history/article13794477/Wie-Stalin-und-Ulbricht-Fotos-retuschieren-liessen.html


      Die Idee, über die Sprache auch politisch zu herrschen, ist eine kollektivistische, Kollektivisten glauben nicht selten daran, dass sich so auch Inhalt [1] ändern lässt, wenn die Sprache beherrscht wird.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

      [1]
      Sog. Inhalt meint die Sache und den Sachverhalt, die möglichst sinnhaft gebildete Sache, den Gegenstand, und die Beziehung zwischen Sachen, den Sachverhalt.
      Was hier Sinn ergibt, hängt von den Lebensgewohnheiten der erkennenden Subjekte ab.
      Dr. Webbaer ist Konstruktivist.

      [2]
      I.p. Sprachübermittlung, es wird sich ja tonalisch sozusagen irgendwie angegrunzt (wenn sich ehrlich gemacht wird, die Wissenschaft, die Akustik meinend, sieht es nicht (viel) anders, auch das sog. Rauschen meinend, ist auch so zu beachten) :
      -> https://en.wikipedia.org/wiki/Shannon–Weaver_model

  14. Sprache braucht auf Dauer gesehen Kompetenz.
    Wenn sich Bill Gates zur Zukunft des Computers äußert, dann wird das sicher eher geglaubt als wenn das die Klitschko Brüder tun.
    Das Wort gerecht wird dann im richtigen Sinne gebraucht, nämlich das, was richtig ist.
    Sprache in der Politik ist immer normativ, weil eine Absicht verfolgt wird.

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