US-Präsidentschaftswahlen, Daten und die postfaktische Gesellschaft

RELATIV EINFACH

Nachdem unter den Trump-Geschockten ja insbesondere die Überzeugung besteht, wir müssten der postfaktischen Gesellschaft widerstehen, hier ein paar Daten, die mir in meiner bisherigen Filterblase gefehlt hatten (bis mich jemand über Twitter darauf stieß).

Erstmal das Tortendiagramm inklusive Nichtwähler und denjenigen, die libertär/grün gewählt haben (Quelle Stimmen für Trump/Clinton: New York Times – kleine Änderungen nach wie vor möglich –, insgesamt abgegebene Stimmen und Wahlberechtigte laut Wikipedia):

piechartAlso: Weniger als ein Viertel der Amerikaner haben Trump gewählt. Weniger als ein Viertel (und: einen Tick mehr als bei Trump) haben Clinton gewählt. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten hat erschreckenderweise gar nicht gewählt.

Wieviele Stimmen?

Weiterer interessanter Datensatz (wieder aus Wikipedia: Wahlbeteiligung/Wahlberechtigte, Wahl 2016 und entsprechende Links für die anderen Wahlen): Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen für die Kandidaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen: vote-numbersHier sind die letzten vier, mit gekürzter y-Achse, damit die Unterschiede deutlicher abzulesen sind (aber Vorsicht: wie groß die relativen Unterschiede sind, sieht man an solch einem Diagramm natürlich nicht mehr):

vote-numbers-detailInsbesondere sieht man da: Nichts mit absoluter Wählermobilisierung für Trump. Weniger US-Amerikaner haben Trump gewählt als in den vorangehenden drei Wahlen. Der große Unterschied liegt bei den Demokraten: Die Zahl derjenigen, die demokratisch gewählt haben, ist seit Obama I im Jahre 2008 drastisch heruntergegangen.

Prozentzahlen: Anteil an den Wahlberechtigten

Nun kann man mit Recht sagen: Sollte man bei so einer Grafik nicht berücksichtigen, wie sich die Zahl der Wahlberechtigten insgesamt verändert hat? Ganz sicher. (Deswegen bin ich jetzt auch nicht darauf eingegangen, dass Hillary z.B. mehr Stimmen auf sich vereinigt hat als John Kerry 2004.)

[Nachtrag 14:00] Wie Knud Jahnke unten kommentiert, ist da noch das Problem des Unterschieds zwischen dem Alter nach Wahlberechtigten (Voting Age Population, das ist in den Grafiken meine Bezugsgröße) und tatsächlich Wahlberechtigten (Voting Eligible Population – abgezogen sind dabei insbesondere die Gefängnisinsassen). Der in den Grafiken angegebene Prozentsatz kann daher von dem Prozentsatz der tatsächlich Wahlberechtigten noch etwas abweichen. Als Korrektur für den Bevölkerungszuwachs insgesamt ist der Übergang zu diesem Prozentsatz aber nach wie vor nützlich.[/Nachtrag]

Hier also die Prozentzahlen der Stimmen, gemessen an der Zahl der Wahlberechtigten, die für demokratische/republikanische Präsidentschaftskandidaten in den letzten Wahlen abgegeben wurden: voters-frac-eligible

Da sieht die Situation ähnlich aus. Insbesondere hat Hillary einen vergleichbar hohen Prozentsatz aller Wähler auf sich vereinigt wie Bill Clinton bzw. Al Gore 1992, 1996 bzw. 2000. Und Trump einen höheren Prozentsatz als George H.W. Bush 1992 und Bob Dole 1996, ähnlich viel wie George W. Bush im Jahre 2000, und weniger als John McCain bzw. Mitt Romney bei den letzten beiden Wahlen sowie als George W. Bush im Jahre 2004.

Hier im Detail noch einmal die letzten vier Jahre:

voters-frac-eligible-detail

Wie gesagt: Weniger als die republikanischen Kandidaten der drei Jahre davor. Insofern kann man hoffen, dass die republikanischen Strategen in Zukunft nicht nur auf Krawall-Kandidaten wie Trump setzen sondern merken: soooo gut hat das gar nicht geklappt. Da waren sie mit den erfahreneren Kandidaten der Vorjahre besser gefahren.

Was heißt das?

Natürlich ändern solche Betrachtungen nichts am Ausgang der Wahl. Aber wenn man sich fragt, welche Lehren sich aus dem Trump-Sieg z.B. auch für Wahlen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern ziehen lassen, dann doch wohl vor allem die (alles andere als neue) Lehre, dass extreme Positionen größere Chancen haben, wenn die Wahlbeteiligung niedrig ist. Wer wütend ist, wählt, wem’s fast egal ist wählt nicht.

Wer so etwas bei uns verhindern möchte, muss die Wahlberechtigten zum Wählen bringen.

Donald Trump hat die Wahl weniger gewonnen als Clinton sie verloren hat. Mit den Prozentzahlen von 2004, 2008 oder 2012 wäre sie die nächste US-Präsidentin. Trump hatte keine große, aufbrandende Bewegung hinter sich, die das republikanische Wähleraufkommen der vorangehenden Jahre weit hinter sich gelassen hatte. Im Gegenteil. Trump hat insgesamt nur einen merklich kleineren Prozentsatz der Wahlberechtigten hinter sich bringen können.

Ich hoffe, dass man auch in den deutschen Medien dazu noch genauere Analysen wird lesen können – interessant wäre ja insgesamt, wieviele Wähler zwischen den Parteien hin- und hergewandert sind, im Gegensatz zu denen, die einfach nur zuhause blieben oder sich anders als sonst zur Wahl aufmachten. Auf, journalistische Freunde des faktenbasierten Analysierens! Bitte mehr Informationen!

Und weil ich ja gerade in meinem Beitrag Was heißt ein Präsident Trump für die Wissenschaftskommunikation? Transparenz bei der Wissenschaft angemahnt habe: auf Seite 2 sind die beiden Skripte mit meinen Zahlen, mit denen ich die Grafiken erstellt habe.

Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

32 Kommentare

  1. Auf, journalistische Freunde des faktenbasierten Analysierens!

    Es ging bei den US-Präsidentschaftswahlen darum die sogenannten Swing States oder Battleground States zu gewinnen, es ging nicht darum die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich zu vereinigen.

    Einige Staaten sind sozusagen fest in der Hand des jeweiligen Kontrahenten, so dass dort oft gar nicht aktiv, vor Ort, Wahlkampf betrieben wird.

    Donald J. Trump hat mit seinem Firmen-Flieger sehr konzentriert [1] diese Battleground States bearbeitet und deshalb die Wahl gewonnen, er hat es geschafft dort die von ihm gewünschte Wählermobilisierung zu betreiben (und vielleicht auch die gegnerische Seite ein wenig demobilisiert, übrigens auch ein legitimes Wahlkampf-Ziel).

    Insofern geht diese Einschätzung, richtig oder nicht – ‘(…) welche Lehren sich aus dem Trump-Sieg z.B. auch für Wahlen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern ziehen lassen, dann doch wohl vor allem die (alles andere als neue) Lehre, dass extreme Positionen [Hervorhebung: Dr. Webbaer] größere Chancen haben, wenn die Wahlbeteiligung niedrig ist.’ – womöglich an der Sache vorbei.

    Denn in der BRD und in anderen europäischen Staaten gibt es dieses Konzept mit den Wahlmännern und “sicheren Staaten” nicht.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Hillary hatte deutlich weniger Veranstaltungen, vielleicht auch “wegen Stamina”.
    >:->

    • Ja klar, den Aspekt mit Swing States und Electoral Collega hat die Berichterstattung ja auch durchgängig gut dargestellt – das weiß jeder, der sich einigermaßen für die Sache interessiert.

      Aber gerade weil das in Deutschland und anderswo nicht so abläuft, sind die Daten, die ich mir hier anschaue, für diese Fälle und für die Frage, welche Lehre wir daraus ziehen, relevant.

      Zur Zahl der Veranstaltungen: So hatte Mitt Romney’s team kurz vor den letzten Wahlen auch argumentiert und trotzdem verloren. Ist nicht ganz so einfach und wohl auch eine Frage unterschiedlicher Strategien, siehe z.B. dieser WashPo-Artikel

    • Hier ein vergleichbares Klagelied [1], diesmal von der DPA bereitgestellt und nur grob, wenn überhaupt, von der WeLT-Redaktion bearbeitet:
      -> https://www.welt.de/politik/ausland/article159396307/Das-wahre-Ergebnis-nur-jeder-Vierte-waehlte-Trump.html

      Sehr lustig die impliziten Wertungen in dieser “Berichterstattung”, die bereits von der Nachrichtenagentur so mit ihren Wertungen bereit gestellt werden konnte.

      [1]
      Opi W sieht hier schon Niveauunterschiede, nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen, Herr Dr. Pössel ist und bleibt besser, dennoch spielt der Klagegesang, sollte einer vorgelegen haben, auch Ratschläge meinend, bundesdeutsche und europäische Verhältnisse meinend, in einer Liga.

  2. Nicht Trump hat also gewonnen, sondern Hillary hat verloren: Die DemokratInnen blieben zuhause (trotz der historisch einmaligen Gelegenheit eine Frau als Präsidentin zu wählen). Hillary mobilisierte zu wenig – und das trotz eines gewaltigen Apparats an Helfern und Unterstützern.

    In den USA spielt die Mobilisierung der Wähler eine besonders wichtige Rolle, weil es dort viele eingeschworene Demokraten und eingeschworene Republikaner gibt. Wenn ein eingeschworener Demokrat oder Republikaner nicht mit dem Kandidaten einverstanden ist, wählt er nicht den Kandidaten der anderen Partei, sondern er bleibt zuhause.

    In pluralistischen Gesellschaft wie den USA sollten eigentlich Personen nicht eine solch dominierende Rolle spielen wie sie es tatsächlich tun. Eine pluralistische, multiethnische, auf Ausgleich von Interessen abzielende und Minderheitenpositionen schützende Gesellschaft sollte vielmehr um Stabilität besorgt sein. Um eine Stabilität, die nicht plötzlich die Lebensbedingungen einzelner Gruppen deutlich verschlechtert oder einzelne Gruppen stark bevorzugt. Ein Zweiparteien-System wie in den USA in der die Parteien in völlig unterschiedlichen (Wert-) Welten leben und in der nach dem Sieg einer Partei alles umgekrempelt wird, scheint mir ebenfalls nicht besonders gut zu einer pluralistischen Gesellschaft zu passen. Trumps isolationistisches, protektionistisches und nationalistisches Programm kann allerdings sogar in einer pluralistischen Gesellschaft Erfolg haben, denn das Versprechen We “Make America strong again” gilt ja für alle Bürger der USA, egal welcher Gruppierung und Glaubensgemeinschaft sie angehören. Es ist schwierig, der immer wieder aufkommende Meinung entgegenzutreten, Abschottung gegen das Ausland und Gruppenegoismus (um den handelt es sich nämlich hier) sei schlecht für die Entwicklung. Obwohl das ja zutrifft und die USA von der Immigration, dem Handel und der Verbindung zur Welt insgesamt profitiert haben. Doch Offenheit ist ein zartes Pflänzchen und die offene Gesellschaft ein immerzu bedrohtes Ideal.

    • Korrektur: Es müsste heissen:

      Es ist schwierig, der immer wieder aufkommenden Meinung entgegenzutreten, Abschottung gegen das Ausland und Gruppenegoismus (um den handelt es sich nämlich hier) sei gut für das Land. Obwohl das ja zutrifft

      Im Original habe ich gut mit schlecht velwechsert.

    • Selbst dass “die DemokratInnen” zuhause blieben, wissen wir nicht genau. Interessant wären halt die Wählerwanderungs-Zahlen: Wer hat gewechselt, wer ist zuhausegeblieben, wer extra/ungewöhnlicherweise nicht.

      • Zitat:

        Selbst dass „die DemokratInnen“ zuhause blieben, wissen wir nicht genau.

        .
        Eines wissen wir aber: Demokratinnen sind nicht wesentlich häufiger an die Urnen als Demokraten und Republikanerinnen nicht wesentlich weniger an die Urne als Republikaner. Frauen haben also nicht sehr stark eine zukünftige Präsidentin unterstüzt. Hillary konnte nicht von einem Frauenbonus profitieren. Dies zeigt auch der Guardian-Artikel The real ‘shy Trump’ vote – how 53% of white women pushed him to victory

      • Who voted for Donald Trump? White men and women

        Exit poll data found that 52 per cent of white women voted for Mr Trump, compared with 63 per cent of white men. By comparison, 80 per cent of black men voted for Hillary Clinton, who also attracted the support of 93 per cent of black women.

        Bei den Schwarzen wirkte der Frauenbonus: Schwarze stimmten überwiegend für Hillary, Männer zu 80%, schwarze Frauen gar zu 93%.
        Bei den Weissen aber wirkte der Frauenbonus kaum: 52% der weissen Frauen stimmten für Trump – und das nach all den öffentlich gewordenen frauenfeindlichen Äusserungen Trumps und seinem playboyhaften Verhalten gegenüber Frauen.

  3. Du hast die ~6 Millionen volljährigen US-Amerikaner vergessen, die aufgrund von aktuellen oder vorherigen Verurteilungen für Straftaten ihr Wahlrecht auf Zeit oder dauerhaft aberkannt bekommen haben:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Felony_disenfranchisement

    In Deutschland ist dies ebenfalls möglich, aber nur bei Straftaten, die sich gegen das Land an sich richten:

    http://www.wahlrecht.de/lexikon/ausschluss.html

    (Oder bei Betreuten, denen nicht zugetraut wird, auch bei Wahlen eine eigene Meinung zu haben.)

    Die Anzahl von Deutschen, denen aktuell das (aktive) Wahlrecht aufgrund von Straftaten aberkannt ist, liegt im Gegensatz zu den 6 Millionen in den USA bei: Null.

    http://www.stern.de/politik/wahl/wahlrecht-ausgegrenzt-und-ohne-vertretung-3425696.html

    • Oh, exzellenter und wichtiger Punkt! Das kann die Kurven in der Tat etwas verschieben. Soweit ich sehe, gibt es zu “Voting Eligible Population” aber gar keine systematischen Daten – zumindest zeigen Wikipedia und Google mir da gerade keine leicht zugänglichen Listen. Aber solange es keinen rasanten Anstiegs des Anteils der Inhaftierten insgesamt gibt, ist das Verhältnis Stimmen zu “Voting Age Population” natürlich immer noch ein einigermaßen gutes Maß, das zumindest den Einfluss des Bevölkerungswachstums insgesamt ausgleicht.

  4. Viele Wahlberechtigte gehen nicht zur Wahl, weil sie sich durch niemanden mehr vertreten fühlen. Einem Fernsehbericht zufolge hätten zwar viele junge Leute gerne Bernie Sanders gewählt, nach seinem Ausscheiden sahen sie Hillary Clinton jedoch nicht als gleichwertige Alternative an. Wir sollten unser Bild von den USA und den dort lebenden Menschen mal hinterfragen. Die amerikanische Gesellschaft ist tief gespalten und viele vertrauen dem Etablissement nicht mehr, weil es in den USA immer mehr Armut gibt. Fast 50 Millionen Menschen sind auf Lebensmittelmarken angewiesen. Im Januar 2016 wurde diese Hilfe für arbeitsfähige Erwachsene zudem auf drei Monate begrenzt. Wenn beispielsweise eine Kohlenmine schließt, dann verlieren sowohl Arbeiter als auch gut ausgebildete Fachleute ihren Job, die erneuerbare Energien einzig aus dem Grund ablehnen, weil sie dadurch ihre Arbeit verloren haben. Leider wurde es versäumt für diese Leute alternative Jobs zu schaffen.
    Siehe dazu auch: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/usa-die-gekaufte-demokratie-100.html

    Viele von diesen “Abgehängten” haben nun aus Protest Donald Trump gewählt, der versprochen hat Jobs zu schaffen. Um das zu erreichen möchte er das Rad wieder zurückdrehen, anstatt sich mit den Dingen, wie dem Klimawandel, auseinanderzusetzen. Er sagte bei seiner Antrittsrede jedoch auch, dass er sich bei seinem Vorhaben Amerika wieder groß zu machen Rat und Hilfe erhoffe. Ausgerechnet Bernie Sanders bietet diese Hilfe nun tatsächlich an:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahl-2016-bernie-sanders-bietet-donald-trump-hilfe-an-a-1120638.html

    • Auch da ist natürlich immer die Frage: Wie geht man damit um? “Wenn ich Bernie Sanders nicht haben kann, gehe ich gar nicht wählen, bäh” ist ja nun keine sehr zielführende Reaktion. Hatten die Sanders-Wähler Ideale? Und wenn ja, warum haben sie nicht danach geschaut, wer die noch am ehesten verkörpert, und entsprechend gewählt?

      Zu den Abgehängten: Auch die Haltung, dass jemand es alleine deswegen besser macht, weil er nicht zum Establishment gehört, kann man ja durchaus hinterfragen. Und sich anschauen, wie Politik eigentlich funktioniert, welche Fähigkeiten da sinnvoll sind, was möglich ist und was nicht.

      • Ich hätte das sogar noch drastischer gehalten, wenn ich Hrn. Sanders nicht haben kann, dann kriegt eben der blöde Trump die Stimme!
        Und wenn Sie dieses “die Clinton wähl ich nicht” für so eine enorme Aussenseiterhaltung halten, dann sollten Sie wirklich mal ein paar mehr Blicke aus der Filterblase in die passende Richtung herauswagen.
        Und ja, dass gilt für Deutschland auch, ich möchte gerne Sahra Wagenknecht als Kanzlerin haben, wenn aus irgendeinem völlig bescheuertem Grund aber nur Frauke Petry und Sigmar Gabriel zur Wahl stehen, kann ich jetzt schon mal ausschliessen, dass der Hr. Gabriel meine Stimme bekommen wird.

        Ich habe jetzt 25 Jahre Neoliberale Politik hautnah erleben dürfen von
        – der Treuhandanstalt über
        – Atomausstieg, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Ausstieg aus dem Austieg aus dem Atomaustieg
        – Agenda 2000 wasweichis, Hartz4
        – wir schenken der Versicherungsbranche eine Riesterrente und machen unsere Rente kaputt
        – gekaufte Mövenpick Steuersenkung
        – regelmässige Umsatzsteuererhöhungen
        – steinreiche Erben brauchen keine Steuern mehr bezahlen(denn (kleiner Scherz) dadurch können wir Arbeitsplätze sichern, haha, selten so gelacht)
        – Privatisieren, Privatisieren, Privatisieren
        – Schwachsinnig aber Alternativlos
        – Irak Krieg, Jugoslawien Krieg, Afganisthan Krieg, Irak Krieg, Syrien Krieg, Krieg gegen die Drogen, Cyberkrieg, Staatlich organisierte Kriminalität aka Geheimdienste
        – Wir werden mal wieder eine unliebsame Regierung los
        – CETA/TTIP/alle anderen Freihandelsabkommen
        – bis zu Wir sind die Guten

        Und ich habe so dermassen die Schnauze voll davon!
        Und da braucht mir auch keiner kommen mit ist doch alles halb so wild, geht dir doch gut, könnte doch alles noch viel schlimmer sein.
        Doch es ist so wild, genau diese Politik ist zu 100% verantwortlich für die aktuelle Situation in Deutschland, Europa und auf der Erde. Und wer tatsächlich glaubt, dass sich das in den nächsten 20 Jahren ohne ernsthafte Änderung in der Poitik und ohne grossen Knall zum Besseren wenden wird, der muss doch wirklich mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

        • Trump vs. Sanders: Das ist sicher eine Frage der Vorstellungen und Wünsche/Forderungen, von denen man sich leiten lässt. In den USA sind “liberal” und “conservative” ja bestimmte Pakete, in denen außer Vorstellungen zur Wirtschaft auch andere Haltungen zu Fragen zur sozialen Gerechtigkeit und anderen Themen “verpackt” sind. Von der Haltung zum Umgang mit Gleichberechtigung, gleichgeschlechtlicher Ehe, Abtreibung / Verhütung, gun control, Todesstrafe und, ja: auch zu Fördermaßnahmen für Benachteiligte vs. die Überzeugung, dass sich wirtschaftlicher Aufschwung irgendwie automatisch auf die weniger gut verdienenden überträgt.

          Wer eine größere Menge dieser Überzeugungen von Sanders teilt, dem dürfte schon klar sein, dass er/sie mit Clinton größere Chancen auf Politik in diese Richtung hat als mit Trump und, das hängt ja damit zusammen, den etablierten Republikanern mit denen die Posten der Trump-Administration zumindest zum Teil gefüllt werden. Vor diesem Hintergrund scheint es mir zumindest für solche Menschen nicht recht einsichtig, warum sie von Sanders zu Trump umsteigen.

          Zu den weiteren Themen, die Sie jeweils kurz hinwerfen: Mein vorherrschender Eindruck beim Lesen ist: Das ist alles nicht so einfach!

          Beispielsweise bei der Erbschaftssteuer, wenn Unternehmen vererbt werden. Dass der Wert eines Unternehmens nicht bedeutet, dass der Erbe den Gegenwert bar in die Hand bekommt, ist doch unbestreitbar. Und dass es ein Unternehmen in Schwierigkeiten bringen kann, wenn durch einen Erbvorgang auf einmal ein größerer Schuldenbetrag da ist, der abbezahlt werden muss, sehe ich auch ein. Wie man die negativen Folgen abwendet, darüber kann man wieder reden. Aber dass es um mehr geht als “Hej, lasst uns den Reichen noch etwas schenken!” finde ich einsichtig – und empfinde ein Weltbild, in dem diese Probleme schlicht ausgeblendet werden, zu simpel um tragfähig zu sein.

          Ditto mit den Kriegen, die Sie aufzählen. Jugoslawien beispielsweise. Wie geht man mit so etwas um? Bei Kriegsverbrechen in anderen Ländern wegzuschauen und nichts zu tun ist sicher nicht das richtige. Einzugreifen hat auch potenziell negative Folgen. Was macht man?

          Ähnlich ist es meiner Erfahrung nach mit so ziemlich allen Dingen, die politisch entschieden werden. Je nachdem, wo man den Schwerpunkt setzt, kommen unterschiedliche Menschen zu unterschiedlichen Schlüssen. Durchaus auch innerhalb von Parteien, über Parteigrenzen hinweg erst recht. Da etwas umzusetzen bedarf immer Überzeugungstägigkeit und Kompromissen. Das ist politisches Handwerk, und dafür haben einige Menschen Talent, andere weniger, einige haben mehr Erfahrung andere weniger – wie bei anderen Tätigkeiten auch.

          An diesem Punkt effektiv zu sagen: “Alles daneben, alles falsch, aber wenn ich jetzt Leute wähle, die meinen Ärger teilen, wird alles wieder gut.” halte ich für zu stark vereinfacht. So hört sich das bei vielen Trump-Anhängern aber für mich an. Magisches Denken für die Politik. Funktioniert aber nicht, weil die Welt eben komplizierter ist.

      • @Markus Pössel

        Zu Bernie Sanders: Dieser trat ohne die üblichen Wahlkampfspenden an und setzte sich für ein umfassendes Programm ein, das in erster Linie auf sozial schwächere Menschen zugeschnitten war. So hatte er u.a. versprochen die hohen Studiengebühren abzuschaffen und den Mindestlohn anzuheben. Für fast die Hälfte seiner Anhänger schien Clinton jedoch keine Alternative zu sein. Gut 20% wollten Trump wählen und der Rest verschenkte quasi seine Stimme an einen Außenseiterkandidaten. Näheres hier:
        https://www.freitag.de/autoren/shartig/it2019s-not-about-him-stupid

  5. “Postfaktisch” zu sein wird gerne dem rechten Gegner, also Populisten wie Trump und den Brexit-Propagandisten vorgeworfen. Wenn man mit Postfaktisch/Post-Truth schlicht meint, dass Fakten weniger zählen als Ideologie, und dass stur an längst widerlegten Argumenten festgehalten wird, so hat Postfaktizismus seinen Ursprung eher bei Linken, Grünen und Alternativen, wo sich Dinge finden wie die Ablehnung jeglicher Gentechnik mit nicht sachlichen Argumenten, der Verteidigung von Homöopathie oder von Impfgegnertum. Dabei handelt es sich inzwischen nicht nur um eine postfaktische Haltung, sondern um eine Post-Truth-Politik, denn es gibt inzwischen beispielsweise bundesdeutsche Politiker, die Homöopathie fördern, genmodifzierte Pflanzen grundsätzlich ablehnen oder gar Sympathie mit Impfgegnern zeigen. Das Post-Truth-Syndrom bedeutet letztlich nichts anderes als ein verzerrte Weltsicht zu besitzen und nicht bereit zu sein diese Weltsicht zu korrigieren, selbst wenn es Fakten und Ereignisse gibt, die das eigentlich nötig machen würden.
    Der Erfinder des Golden Rice beschreibt die Folgen einer Anti-GM-Food Haltung mit folgenden Worten:

    Ist es zu krass formuliert, wenn man darauf hinweist, dass täglich 6000 Kinder an Vitamin-A-Mangel sterben, obwohl mit dem Goldenen Reis eine kostenlose, nachhaltige Lösung existiert, die ohne Gentechnikhysterie seit 2003 hätte angewandt werden können? Was ist das Verhindern von Hilfe zur Vermeidung von mittlerweile Millionen von Toten und Blinden anderes als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

    und weist dann auf die verzerrte Weltsicht von “Ökofood”-Anhängern hin, indem er aufzeigt wie sie unliebsame Wahrheiten und Ereignisse einfach ausblenden:Erinnern Sie sich an den Fall mit den Salatsprossen in Norddeutschland? Wahrscheinlich nicht, denn die Medien haben kaum darüber berichtet, weil es politisch nicht opportun war. Die Biosprossen waren mit Bakterien infiziert, die im Biolandbau ganz normal sind, sich dort aber aussergewöhnlich vermehrt hatten. Mehr als 60 Menschen sind daran gestorben, und heute noch müssen Tausende deswegen zur Dialyse. Jetzt vergleichen Sie mal: 60 Tote, Tausende schwerstnierengeschädigte Menschen – wo war der mediale Aufschrei? Wenn als Folge der Gentechnik auch nur ein Mensch zu Schaden gekommen wäre, hätte es ein Riesenmedienspektakel gegeben.

    Zusammengenommen ergibt dies genau die postfaktische Haltung: Man bekämpft etwas im Namen von Argumenten, die bereits widerlegt wurden und schliesst zugleich die Augen vor Ereignissen und Fakten, die einem nicht in den Kram passen.

  6. Haben ungebildete weisse Männer und Frauen Trump gewählt? Dies liest man an vielen Stellen und auch Markus Pössel glaubt – und meint dies aus Statisken herauszulesen -, dass nur die Unbildung derTrump-Wähler einen Mann wie Trump ans Ruder bringen kann.

    Doch nur schon die paar Statistiken im Independent-Artikel Who voted for Donald Trump? deuten darauf hin, dass es nicht so einfach ist und dass eine massive Bildungsoffensive Präsidenten wie Trump nicht verhindern könnte.

    Denn Trump wurde zwar von weissen Männern mit geringer Bildung zu etwa 70% gewählt, hätte aber ohne weisse Frauenstimmen, ohne die Stimmen von je 30% Latinos und Asiaten, ohne den je 53%-igen Anteil in der Altersgruppe 45 bis 64 und über 65 und ohne all die Wähler mit einem deutlich höheren Einkommen als 50’000 Dollar pro Jahr, die in der Mehrheit für Trump gestimmt haben, die Präsidentschaft nicht für sich gewinnen können.

    Mein Schluss ist ein ganz Anderer: Nicht die Bildung hat die entscheidende Rolle gespielt, sondern die Rasse, das Einkommen und das Alter (Ältere eher für Trump).
    Und das passt zu Trump’s Wahlprogramm: Immigrationsstopp (wollen vor allem Weisse, denn viel der Immigranten sind Hispanos oder Asiaten), Steuersenkungen für fast alle (was sich aber bei höherem Einkommen stäker auswirkt), Zurück zu den alten Zeiten wo die USA mehr exportierten als importierten und fast alles aus den USA selber kam (was ältere Semester eher anspricht).

    Und warum hat Hillary nicht mehr Wähler mobilisiert? Weil Immigration,Niedergang der US-Industrie und als hoch empfundene Steuern momentan mehr US-Bürger beschäftigen als progressive Themen wie Frauen- und Minderheitenförderung. In der ganzen westlichen Welt gibt es gerade einen Backlash, eine Rückkehr zu Nationalismus und eine negative Einschätzung von Immigration und Globalisierung – nicht nur in den USA, auch in Europa.

    • Könnten Sie sich bitte mal etwas zusammennehmen? Ich habe es satt, mich immer wieder verteidigen oder Dinge geraderücken zu müssen, weil Sie mir munter Dinge unterstellen, die ich nie gesagt habe. Aus meiner Aussage (in einem anderen Artikel zumal!), dass aus dem Blick der Wissenschaftskommunikation Bildung eines der Themen ist, die man sich vor dem Hintergrund des Trump-Wahlsiegs anschauen sollte, machen Sie “dass nur Unbildung einen Mann wie Trump ans Ruder bringen kann”. Das ist etwas ganz anderes!

      Außerdem: Das hier ist kein allgemeines Forum. Kommentieren Sie gerne (möglichst kurz und prägnant) den Haupttext, aber nutzen Sie die Kommentarmöglichkeit hier bitte nicht als Publikationsplattform für allgemeine Ausführungen, die über den Blogbeitrag weit hinausgehen.

  7. Diese Wahl wurde also vor allen Dingen verloren — von Hillary Clinton.

    Natürlich nutzt das jetzt nichts mehr, und natürlich ist es vom einzelnen Wähler nicht grade “klug” zu sagen “wenns mein eigentlicher Wunschkandidat nicht ist, dann wähl ich eben gar nicht”. Aber dennoch, Parteien haben doch im politischen System auch die Verantwortung, den eigenen Anhängern möglichst wählbar erscheinende KandidatInnen aufzubieten. Und wenn man sich anschaut, wie lange Bernie Sanders bei den Vorwahlen eine starke Konkurrenz für Clinton sein konnte (nur durch die Unterstützung des Wahlvolkes, und _gegen_ den Willen der Führung der Dem. Partei!), dann hätte man damals schon Warnzeichen sehen können. Da hatte sich die Parteiführung aber wohl schon ganz fest auf Clinton geeinigt.

    Das Experiment wird man natürlich nie machen können, aber ich vermute wir könnten heute auch erfreut und erstaunt über die Wahl von Präsident Sanders sein…

    • @ Dominik Elsässer

      Ich würde in dieser Sache nicht allein der Parteiführung die Schuld geben, sondern auch die sog. Qualitätsmedien mit einbeziehen, die ständig nur über Engelchen Clinton und Teufelchen Trump berichteten. Clinton stand schon lange vor der Wahl als Siegerin fest, deshalb wurden sämtliche Warnzeichen ignoriert und man ging gleich zur Hofberichterstattung über. Nach der Wahl ist der Schock nun erst mal groß und man wundert sich, dass der Wähler, das unbekannte Wesen, sich entgegen sämtlicher Pressemeldungen für Trump entschieden hat.

      • Moment, welche Medien? Sicherlich, in Deutschland wurde Trump als vollkommen unqualifiziert für das Amt dargestellt (und das ist meiner Meinung nach auch einfach die Wahrheit!).
        Nur, was die deutschen Medien schrieben ist für den Ausgang der Wahl ja wohl kaum bedeutend gewesen. In den US Medien die ich so verfolgt habe wurde sehr wohl auch sehr kritisch über Clinton berichtet!

  8. Kleiner technischer Kommentar: Bei den Plots steht “Percentage”, es zeigt aber den relativen Anteil. Sollte also nochmal mit 100 multipliziert werden (sodass man bei 20%-30% ist), oder die Beschriftung der y-Achse müsste geändert werden. Ich denke aber, dass jeder Leser hier soweit mitdenken kann …

  9. »Insofern kann man hoffen, dass die republikanischen Strategen in Zukunft nicht nur auf Krawall-Kandidaten wie Trump setzen sondern merken: soooo gut hat das gar nicht geklappt.«

    Weiß nicht. Die Kandidaten des republikanischen Partei-Establishments haben sich in der Vorwahl ja gerade nicht durchgesetzt. Immerhin ist die republikanische Partei deutlicher basisdemokratischer als die Demokraten, wo die Parteielite ihr Gewicht sehr erfolgreich gegen Sanders für Clinton in die Waagschale geworfen hat. Schwer vorstellbar, dass Sanders in Michigan, Wisconsin und Pennsylvania schlechter als Clinton abgeschnitten hätte. Mit New Hampshire ging sogar ein Staat in New England nur »arschknapp« (Van der Bellen) an Clinton. Eher sollten die Strategen der Demokraten da in sich gehen.

    »Aber wenn man sich fragt, welche Lehren sich aus dem Trump-Sieg z.B. auch für Wahlen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern ziehen lassen, dann doch wohl vor allem die (alles andere als neue) Lehre, dass extreme Positionen größere Chancen haben, wenn die Wahlbeteiligung niedrig ist.«

    Die AfD schafft es aber derzeit Nichtwähler wie keine andere Partei zu mobilisieren. Deswegen steigt mit höherer Wahlbeteiligung auch der Anteil an AfD-Stimmen. Man schaue doch z.B. nach Sachsen-Anhalt, wo die AfD ihr bisheriges Rekordergebnis erreicht hat: Bei der letzten Landtagswahl war die Wahlbeteiligung höher als bei der zuvor.

    • Laut Independent hätte Sanders gegen Trump gewonnen (Donald Trump would have lost US election if Bernie Sanders had been the candidate und Sanders hat sich jetzt kurz nach der Wahl für eine begrenzte Zusammenarbeit mit Trump bereit erklärt:

      Acknowledging that the Trump campaign, like his own White House run, “tapped into the anger of a declining middle class that is sick and tired of establishment economics, establishment politics and the establishment media,” Sanders said he would work with the president-elect on certain policies.

      Fazit: Es ging bei dieser Wahl gegen das Establishment, sowohl bei Sanders als auch bei Trump. Sicher auch deshalb hat Clinton so wenig Stimmen erhalten.

  10. Wahlergebnisse sind schwierig zu interpretieren, denn
    1) Korrelation impliziert nicht Kausalität: Trump wurde von mehr Ungebildeten gewählt. Trump als gewählten Präsidenten der Ungebildeten zu bezeichnen ist aber wohl weniger zutreffend als ihn als gewählten Präsidenten des “Angry White Men” zu bezeichnen. Denn die Landbewohner und Industriearbeiter und die Angehörigen der unteren Mittelschicht, deren Arbeitsstellen wegrationalisiert wurden und die ihn wählten sind weniger gebildet, aber sie wählten Trump nicht unbedingt (oder nicht allein) aus Dummheit, sondern weil sie sich vernachlässigt und ungehört fühlten. Bildung heisst ja nicht nur und nicht einmal vor allem, dass man rationaler entscheidet, sondern mit Bildung sind auch ganz andere Lebenschancen und Lebensumstände verbunden.
    2) Das Wählerverhalten der Wahl von 2016 mit dem der vorherigen Wahlen zu vergleichen ist erhellend aber für eine Einordnung der Wahl unzureichend. Die Wahl 2016 zwischen Trump und Clinton war weit mehr eine Richtungswahl als die meisten Wahlen vorher , das war wohl den meisten Amerikanern sehr wohl bewusst. Vor allem für die Demokraten steht mit Trump viel mehr auf dem Spiel als es mit Bush, Romney oder McCain der Fall war. Und trotzdem gingen nicht mehr Demokraten an die Wahl 2016 als bei den anderen Präsidentenwahlen im 21. Jahrhundert. Offensichtlich wollten zuwenig Demokraten Trump verhindern und zuviele Demokraten konnten mit Hillary Clinton nichts anfangen.

    • Howdy, Herr Holzherr,
      nur hierzu kurz angemerkt:

      Korrelation impliziert nicht Kausalität: Trump wurde von mehr Ungebildeten gewählt.

      1.) Korrelation wird, wenn sie besonders stabil erscheint, das klassische Beispiel hier die Gravitationstheorie, die sozusagen selbst beweisend ist, täglich, als Kausalität bestimmt, wahlfrei und von erkennenden Subjekten.
      2.) Die Dichotomie “gebildet-ungebildet” bietet sich nicht an, jedenfalls nicht: für Gebildete.
      3.) Es darf zwischen formaler Bildung und an der Praxis orientierter Bildung unterschieden werden, formale Bildung kann auf dem Markt, also den allgemeinen gesellschaftlichen Austausch meinend, arm an Wert sein.
      Hier sind, böse formuliert, gerade auch “Geschwätzwissenschaftler” gemeint oder netter formuliert: die Humanities (die keine Wissenschaft sein müssen, wie viele auch meinen, also, dass sie dies nicht sind).
      4.) Vgl. mit dieser frisch hinzugekommenen Arbeit:
      -> http://www.pewresearch.org/fact-tank/2016/11/09/behind-trumps-victory-divisions-by-race-gender-education/ (die dritte Grafik von oben ist gemeint, die allerdings wegen ihrer Zeitnähe, zumindest: bei einigen, Misstrauen erregt – kA wie das Pew-Forschungszentrum so aufgestellt ist, innerlich politisch)
      5.) Es gibt auch derartige Datenlagen:
      -> http://www.theatlantic.com/business/archive/2012/11/does-your-wage-predict-your-vote/264541/ (die durchaus intuitiv sind, plausibel sozusagen, denn wer zuvörderst Minderheiten oder dezent formuliert: bestimmte Gruppen bewirbt, die zudem im Rahmen der sogenannten Affirmative Action besser gestellt werden, kann schon damit rechnen, dass die Wählerschaft weniger am Markt verdient und insofern in gewissem Sinne nicht wirklich gebildet ist, siehe 3)

      MFG
      Dr. Webbaer

  11. Die Landkreise in denen Trump gewonnen hat, machen 80% der Landfläche der USA aus. Trump hat also auf dem Land gewonnen, Clinton in der Stadt. Die New York Times hat das in den Artikel The Two Americas of 2016 gegossen.

    • Die Demokraten (Clinton) haben die US-Städte, die Schwarzen, die Latinos und die Indianer hinter sich. Clinton verlor, weil sie zuwenig mobilisierte, weil weniger Schwarze und Latinos für sie an die Urnen gingen als bei Obama. Zitat aus obiger NYT-Darstellung:

      Mrs. Clinton’s island nation has large atolls and small island chains with liberal cores, like college towns, Native American reservations and areas with black and Hispanic majorities. While the land area is small, the residents here voted for Mrs. Clinton in large enough numbers to make her the winner of the overall popular vote.

      Die Demokraten haben aber gute Zukunftsaussichten, weil es immer mehr Latinos und Schwarze in den USA gibt und diese vorwiegend für die Demokraten stimmen.

      • @ Herr Holzherr :

        Herr des Holzes sozusagen, in der Holzklasse reisend, auch kommentarisch:
        Sie argumentieren biologistisch / rassistisch und bleiben gebeten anders zu kommentieren.


        Ansonsten, auf die BRD bezogen und nicht biologistisch / rassistisch argumentierend, ist es wohl so, dass alsbald Segregation / Sezession stattfinden wird, wie auch in anderen europäischen Ländern, lustigerweise von großen Städten, auch Hauptstädten ausgehend.

        HTH (“Hope this helps”)
        Dr. Webbaer

        • Der Kulturgraben zwischen Stadt und Land und nicht etwa rassische oder biologische Unterschiede haben die Wahl in den USA (mit-)entschieden. Ähnliche, wenn auch nicht so ausgeprägte Kulturunterschiede gibt es auch in Deutschland. Die republikanischen und Trump-Wähler haben in den USA inzwischen eine Gedanken und Lebenswelt, die kaum noch etwas mit der Welt der Städter zu tun hat.
          Warum aber stimmen Latinos und Schwarze eher für die Demokraten. Weil es dort – bei den Demokraten -, die nötige Liberalität und Offenheit gibt, während sich Republikaner und Trump-Wähler durch Fremde bedroht fühlen.