Journalisten, Wissenschaftler und das leidige Gegenlesen

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… aber nicht einfacher
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Manche Debatten haben längere Halbwertszeiten als andere. Die Diskussion um die Frage, ob Journalisten Wissenschaftler ihre Texte vor der Veröffentlichung gegenlesen lassen dürfen/sollten/können, scheint dazu zu gehören: Hie die Wissenschaftler, die sich darum sorgen, dass ihre Arbeit und ihre Ergebnisse von den Wissenschaftsjournalisten richtig dargestellt werden. Dort die Journalisten, die “elementare journalistische Prinzipien” verletzt sehen, sobald einem Wissenschaftler das Gegenlesen erlaubt wird.

Ich hatte mich zu dem Thema schon 2011 zu Wort gemeldet (Blogbeitrag Unkontrollierte Journalisten), damals aus Anlass einer Debatte im englischen Sprachraum und einem aus meiner Sicht ziemlich polemischen Beitrag von Patrick Illinger in der Süddeutschen Zeitung.

Jetzt bin ich durch einen Gast-Blogbeitrag von Franz Miller, bis vor kurzem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Fraunhofer-Gesellschaft, auf “Wissenschaft kommuniziert” noch einmal auf das Thema gestoßen. Darin wird, zugegebenermaßen ziemlich knapp, eine Podiumsdiskussion auf der gerade zuende gegangenen WissensWerte beschrieben, einem jährlichen Forum für Wissenschaftsjournalisten.

Ob die Podiumsdiskussion aufgezeichnet wurde und vielleicht irgendwann einmal öffentlich gemacht wird, weiß ich nicht. Mir hat diese kurze Beschreibung aber eigentlich schon gereicht. Und ich frage mich gerade, warum das so ist – was ist eigentlich so nervig an diesem Text? Also, die Meta-Brille aufgesetzt und nachgebohrt. Erster Halbsatz:

In der Podiumsdiskussion zur leidigen Forderung vieler Forscher nach „Gegenlesen“ und „Autorisieren“

Äääääk! (Oder wie auch immer die richtige lautmalerische Umschreibung des roten Knopfes lautet, den der Quizkandidat drückt, wenn er eine Antwort weiß.)

Bitte keine Strohmänner. Die in Kommentaren und Artikeln z.B. der englischsprachigen Diskussion geäußerten Meinungen waren da durchaus differenziert – mein Eindruck ist, dass die moderaten Einschätzungen überwogen: dass Wissenschaftler den Journalisten anbieten sollten, auf Fehler gegenzulesen; das es jedenfalls nicht kategorisch falsch ist, wenn ein Journalist das Gegenlesen zulässt. Selbst der Artikel der drei Neurowissenschaftler, mit dem die Debatte damals nach Deutschland überschwappte, ist eher ein Plädoyer dafür, dass Gegenlesen-durch-Wissenschaftler nicht per se falsch ist; er ist kein Manifest mit harten Forderungen (“Ein Gespenst geht um im Wissenschaftsjournalismus…”).

Bedenken, Vorschläge, Angebote – all das ist in diesem Einstiegssatz auf die deutlich aggressivere “Forderung” reduziert. “Gegenlesen” (dürften viele Wissenschaftler sinnvoll finden) und “Autorisieren” (hier dürfte es, was ganze Artikel betrifft, deutlich weniger Zustimmung geben) werden sowieso gleich in einen Topf geworfen. Und mit “leidig” ist der Leser gleich von Anfang richtig eingestimmt: leidig, lästig, immer wieder kommt das vor, eigentlich unnötig, schade, dass man sich mit so etwas herumärgern muss, eigentlich doch eine unnötige Debatte…

Weiter im Text:

In der Podiumsdiskussion zur leidigen Forderung vieler Forscher nach „Gegenlesen“ und „Autorisieren“ stellte Patrick Illinger, Ressortleiter Wissenschaft bei der Süddeutschen Zeitung, unmissverständlich klar, dass er seinen Autoren kein „Gegenlesen“ erlaube. Es werden allenfalls wörtliche Zitate autorisiert.

Das wundert mich nicht. Wie gesagt: Zu Illinger und seinem Umgang mit dem Thema mehr hier.

Die Wissenschaftler begründen ihren Wunsch, die Artikel vor der Veröffentlichung zu lesen, meist mit dem Hinweis, fachliche Fehler zu vermeiden, die nicht nur der Zeitung, sondern auch ihrem Ruf als Experten schadeten.

Hm. Dass “die Wissenschaftler” ihren “Wunsch” (war es nicht eben noch eine Forderung?) mit dem Hinweis begründen, fachliche Fehler vermeiden zu wollen, kann ich durchaus nachvollziehen.

Aber der Nachsatz mit Schaden für die Zeitung und für den Ruf als Experte? Wenn man in einer Diskussion erst einmal dort angekommen ist, dass der Wissenschaftler dem Journalisten gegenüber begründen muss, warum fachliche Fehler vermeidenswert sind, sind doch eigentlich schon Hopfen und Malz verloren.

Noch weiter:

So naheliegend die Forderung auch sein mag, so sehr würde ein Gegenlesen elementare journalistische Prinzipien verlet[z]en, erklärte Illinger. Denn kein Leser möchte Artikel lesen, die von den Betroffenen korrigiert wurden.

Wirklich?

Kommt das nicht ganz darauf an?

Natürlich möchte kein Leser, dass Wissenschaftler Einschätzungen seiner Arbeit zurechtbiegen, kritische Aussagen abschwächen, persönliche Meinungen unterbringen kann usw. – geschenkt.

Aber ebenso sollte doch geschenkt sein: Kein Leser möchte Artikel lesen, bei denen die Betroffenen nachher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen ‘Mensch, dieser Journalist hatte ja nun wirklich keine Ahnung, da sind ja die elementarsten Dinge falsch dargestellt!’

Anders ausgedrückt: Wenn man Lesern einen Artikel vorlegt und fragt, ‘Lieber, Leser, das hier habe ich dem Wissenschaftler gezeigt, und er hat den Absatz korrigiert, wo ich Planetensysteme und Galaxien verwechselt habe, findest du das schlimm?’, dann dürfte man nur äußerst selten die Antwort bekommen ‘Ja, denn kein Leser möchte Artikel lesen, die von den Betroffenen korrigiert wurden.’

Irgendwo zwischen den beiden Extremen dürfte eine sinnvolle Praxis liegen. Meinte aber offenbar niemand, der da mitdiskutierte:

Und in diesem Punkt “kein Gegenlesen” war sich das Podium auch einig, auf dem Iris Lehmann vom Max Rubner Institut und ich für die Fraunhofer-Gesellschaft die Meinung der Forschungssprecher vertraten.

Schau’n wir mal, wer saß denn da, also: Franz Miller als Fraunhofer-Öffentlichkeitsarbeiter, seine Kollegin Dr. Iris Lehmann, Pressesprecherin des Max Rubner-Instituts, Patrick Illinger von der Süddeutschen Zeitung und der Journalistik-Professor Curtis Brainard.

Ernsthaft? Ihr habt eine Podiumsdiskussion “Sollten Journalisten ihre Artikel vorab [von] Wissenschaftlern gegenlesen und auf Richtigkeit kontrollieren lassen?” organisiert und dann (a) keine praktizierenden Wissenschaftler dazugeholt bzw. (b) offenbar niemanden dort hingesetzt, ob Wissenschaftler oder nicht, der sich in der vorangegangenen Debatte für den Nutzen von Gegenlesen ausgesprochen hatte?

Kopfschüttel. Seufz. Facepalm.

Martin Schneider, der Vorsitzende der Wissenschaftspressekonferenz, regte an, dies in einer Charta festzuhalten. Damit konnte zumindest in diesem Anliegen der Journalisten ein Konsens hergestellt werden.

Genau. Weil sich das Podium <irony>überraschenderweise</irony> einig ist, sollte das Gegenleseverbot jetzt allen verbindlich vorgeschrieben werden. Weil man sich dann gar keine Gedanken mehr machen muss, ob Gegenlesen in einigen Fällen sinnvoll ist und in anderen nicht. Vorbei das leidige Argumentieren, der Finger zeigt entschuldigend auf die Charta, “Hier stehe ich, ich darf gar nicht anders.”

Aber das alles lässt sich noch weiter steigern:

Dies den Wissenschaftlern beizubringen, wird aber noch viel Arbeit erfordern. Denn damit ist die Frage der Wissenschaftler nicht beantwortet, wie die Qualität im Wissenschaftsjournalismus gesichert werden kann und was sie dazu beitragen können.

Ich ärgere mich an dieser Stelle schon gar nicht mehr über das herablassende ‘beibringen’.

Vielmehr: Worum geht es denn? Um die Qualität des Wissenschaftsjournalismus. Alles andere sind nur Symptome. Die Nachfrage, ob man einen Text gegenlesen solle/könne, kommt doch nicht daher, dass Wissenschaftler so gerne lesen. In einer Welt, in der sich Wissenschaftler bei der Lektüre von Artikeln kaum jemals ärgern, dass dem Journalisten oder der Journalistin da ein ganz elementarer Patzer unterlaufen ist, wird auch kaum ein/e Wissenschaftler/in das Gegenlesen anbieten.

Insofern hätte die Podiumsdiskussion ganz einfach sein können. Man wird sich schnell einig, dass es nicht um Gegenlesen um des Gegenlesens willen geht, also: dieser Punkt ist abgehakt, und jetzt zu dem, was wirklich wichtig ist.

Stattdessen wedelt der Hund mit dem Schwanz. Das Podium hat sich geeinigt, jetzt muss nur noch den Wissenschaftlern beigebracht werden, was Sache ist. Und erst in diesem Zusammenhang; nachträglich; als Fußnote; da war doch noch was; ach übrigens; Stoff für zukünftige Diskussionen, aber offenbar nicht für diese – kommt das Thema Qualität auf den Tisch.

Auweia.

Auweia auch in eigener Sache, denn jetzt habe ich natürlich genau den gleichen Fehler gemacht und mich solange über diesen nervigen Text ausgelassen, wo die Kernfrage doch eine ganz andere ist. Aber das könnt ihr ja vielleicht in den Kommentaren ausbügeln?

Also: Wie sichern wir (Wissenschaftsjournalisten, Wissenschaftler, Artikelleser, Blogger, Wissenschaftskommunikatoren, Redakteure) die Qualität des Wissenschaftsjournalismus? Haben z.B. medienkritische Blogs in dieser Hinsicht eine Wirkung, oder jucken die niemanden? Wie gehen wir mit dem Spektrum der Wissenschaftsartikel um, von der Kurzmeldung der Lokalzeitung ohne eigenen Wissenschaftsredakteur bis zum ZEIT-Dossier – da sollten die Maßstäbe doch wohl verschieden sein? Wenn das Gegenlesen durch die Betroffenen ein Problem ist, sollten wir stattdessen empfehlen, dass ein/e Wissenschaftler/in gegenliest, der/die mit der im Bericht erwähnten Forschungsarbeit nicht direkt zu tun hat, sich aber bei den Grundlagen des Gebiets auskennt und so peinliche Schnitzer vermeiden kann? Der/die zumindest Alarm schlagen und sagen kann “Moment, wenn Kollege XY das wirklich so erklärt hätte, fände ich das höchst merkwürdig – das bitte noch einmal überprüfen”? Jenseits des bloßen fact-checking: Beim Thema XY weiß Journalist A ‘Ich rufe Prof. A an, der sagt mir ohne Hype, was Sache ist?’ Ist die Idee, dass ein guter Wissenschaftsjournalist seinen freiwilligen Beraterstab hat, realistisch? Oder schon längst Praxis?

 

 

Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

15 Kommentare

  1. Danke für diesen Beitrag, der die Diskussion nochmal kritisch beleuchtet! Ich möchte (als meine persönliche Meinung, aber gestützt auf meine beruflichen Erfahrungen) nochmal auf die Perspektive der Wissenschaftler hinweisen: Vielen Wissenschaftlern ist nicht bewusst, dass eine Autorisierung von Beiträgen bei Tageszeitungen und Publikumsmedien nicht üblich ist. Das liegt zum Teil daran, dass einige Fachmedien anders vorgehen. Hier fehlt das Wissen um die journalistische Arbeitsweise. Wenn Journalisten deshalb solche Anliegen nicht als Affront auffassen, sondern einfach erklären, dass das Autorisieren ganzer Artikel in ihrem Medium nicht üblich ist, wird das meist ohne Probleme akzeptiert werden.
    Persönlich finde ich es bei wörtlichen Zitaten bzw. bei der Beschreibung des Forschungsfelds durchaus sinnvoll und fair, wenn der Wissenschaftler diese vorab gegenlesen und ggf. korrigieren kann; dafür reicht aber der entsprechende Textabschnitt, es muss nicht der ganze Artikel sein.
    Wenn allerdings auch das ausgeschlossen wird, fürchte ich, dass weniger medienerfahrene Wissenschaftler dann gar nicht mehr für Interviews etc. zur Verfügung stehen. Zu groß ist die Sorge, “falsch rüberzukommen”. Wer selten Interviews gibt, fühlt sich unsicher, ob er alles so ausgedrückt hat, wie er es verstanden wissen wollte. Da geht es in erster Linie nicht um die “Kontrolle” des Journalisten, sondern um die “Selbstkontrolle”.

    • Dass da Aufklärungsarbeit unter den Wissenschaftlern nötig ist, stimmt auf alle Fälle. Als ich das erste Mal mit der Gegenlese-Problematik in Kontakt kam (ich hatte damals wohlgemerkt nur angeboten, nicht gefordert) hat mir der entsprechende Journalist auch freundlich erklärt, dass er das ganz allgemein nicht darf (der Artikel war in diesem Falle trotzdem fehler- und missverständnisfrei, das war halt ein guter Wissenschaftsjournalist).

      Und bei den persönlichen Zitaten ist das Autorisieren wohl auch unter den Journalisten nicht strittig. Ich wüsste nicht, dass jemand fordert, auch das zu verbieten.

  2. Als langjähriger Wissenschaftsjournalist (30 Jahre) und andererseits als Berater von Wissenschaftlern zur Kommunikation (12 Jahre), möchte ich gern vermeiden, dass beide Seiten aneinander vorbeireden. Dabei sollten Emotionen und Polemiken vermieden werden, denn sonst hört keiner mehr dem anderen zu.
    Die kritischen Anmerkungen von Markus Pössel zu der von Franz Miller in meinem Blog Wissenschaft kommuniziert dargestellten Podiumsdiskussion sind subjektiv logisch und schlüssig, aber sie geben die Sicht des einzelnen Wissenschaftlers wieder: Wie er sich Journalisten vorstellt, die Welt der Medien, die Leser usw. Nach den Regeln der deutschen Sprache (ein Fußball ist ein Ball, kein Fuß) gehören Wissenschaftsjournalisten aber nicht zur Wissenschaft, sondern zu den Journalisten und müssen deren Normen gerecht werden, dazu gehören etwa Unabhängigkeit, Kritikfähigkeit und Sorgfalt. Das erwarten auch die Leser/Zuschauer von ihnen. Korrektheit gehört übrigens nicht zu den journalistischen Normen, im Gegensatz zur Wissenschaft, sondern Sorgfalt! Zur Unabhängigkeit gehört auch, dass die Journalisten bestimmen, was veröffentlicht wird, nicht die Informanten.
    Aus all dem ergibt sich, dass es dem Journalisten obliegt, ob er im Rahmen der Sorgfalt einen Informanten bittet, einen Text, ein Zitat oder einen Textabschnitt gegenzulesen. Das hat sich bei Wortlaut-Interviews sinnvollerweise eingebürgert, die “Autorisierung”. Bei allen anderen Texten aber kann dies der Wissenschaftler nicht fordern, er kann bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit vielleicht darum bitten, und er kann es anbieten. Ich empfehle den Forschern, die ich unterstütze, es bestenfalls (je nach Interviewer mehr oder weniger vorsichtig) anzubieten. Aber ich bereite meine Wissenschaftler entsprechend auf das Interview vor, erkundige mich über den Journalisten, worüber er in der Vergangenheit geschrieben hat, lese einzelne Texte von ihm, ersehe daraus den Tiefgang, die Qualität und stelle meinen Forscher entsprechend ein, was ihn erwartet und wie er damit umgehen soll.
    Alle anderen Vorgehensweisen sind nicht praktikabel oder verstoßen schlicht gegen die im Grundgesetz vorgesehenen Freiheiten von Wissenschaft und Presse (auch wenn Wissenschaftler von Fachartikeln anderes gewohnt sind, wie Katrin Rübberdt oben richtig anmerkt). Nach meiner Erfahrung als Journalist bleibt es nicht bei der Korrektur von Fakten, ganz abgesehen, dass man Fakten so und so darstellen kann, dass es auch in der Wissenschaft keine einheitliche Sicht der Fakten gibt (was habe ich Ärger gehabt, wenn ich in einem Artikel zwei Seiten der gleichen Disziplin zu Wort habe kommen lassen), und die eigene Überzeugung, schließlich die Emotionen, gehen ganz schnell auch mit Wissenschaftlern durch (sie sind – glücklicherweise – auch nur Menschen, was man spätestens merkt, wenn man sie ein Porträt gegenlesen lässt).
    Mein Fazit: Kein grundsätzliches Ja oder Nein zum Gegenlesen, aber es liegt in der Verantwortung des Journalisten im Rahmen seiner Sorgfalt, ob er es für nötig hält oder nicht. Und es ist ein Beispiel, wie Wissenschaftler profitieren können, wenn sie von professionelle Kommunikatoren unterstützt werden.

    • Ich will mich jetzt nicht in die vielen Kleinigkeiten verlieren – die Frage, wie repräsentativ oder subjektiv meine Meinung ist, ob Korrektheit nicht eine notwendige Unterabteilung von Sorgfalt ist, ob Betriebsräte nun zum Betrieb gehören oder nicht, ob das Grundgesetz diese Debatte entscheidet etc.

      Denn insgesamt finde ich die Antwort, im Gegensatz zu der von mir monierten Zuspitzung und dem Ruf nach einem chartabasierten Generalverbot, durchaus vernünftig: Fordern ist in der Tat problematisch, anbieten sollte erlaubt sein, und es liegt in der Tat in Verantwortung des Journalisten im Rahmen seiner Sorgfalt, wie er oder sie vorgeht.

  3. Wenn man die Leser einer Tageszeitung fragen würde, wären bestimmt viele einverstanden damit, dass Wissenschaftler die wissenschaftlichen Beiträge auf sachliche Fehler durchsehen. Das glaube ich auch. Doch das ist nicht die Art von Journalismus, für die ich mich stark mache. Dieser Journalismus zieht seine Berechtigung zuallererst aus seiner Unabhängigkeit und unterscheidet sich auch dadurch von Wissenschaftlern, die gut schreiben können. Wenn ich schreibe, möchte ich die Leser im Sinn haben und nicht den Wissenschaftler. Ich glaube, dass man hier schon den Anschein einer Schere im Kopf vermeiden muss. Deshalb bin ich in diesem Fall grundsätzlich, obwohl ich sonst dazu neige, pragmatisch abzuwägen. Ein Journalist, der seine Artikel von Wissenschaftlern gegenlesen lässt, kann nicht wirklich unabhängig sein. Und um dieses Gut zu wahren, würde ich im Zweifel sogar fachliche Fehler in Kauf nehmen. (Ich glaube, Reiner Korbmann hat oben denselben Punkt gemacht.)
    Natürlich können Fehler die Glaubwürdigkeit eines Beitrags untergraben. Ein Journalist, der ein Planetensystem mit einer Galaxie verwechselt, hat nicht gründlich genug recherchiert – oder sich zu viel zugetraut. Wer nicht die Kapazitäten hat, fachlich ins Detail zu gehen, sollte sich auf andere Aspekte konzentrieren. Wenn eine Redaktion beispielsweise einen physikalisch unerfahrenen Praktikanten zum Vortrag über das “Gottesteilchen” schickt, dann sollte sie keine Zusammenfassung des Vortrags erwarten, sondern sich schon vorab einen anderen Zugang zum Thema überlegen.
    Für den Standardfall des Interviews eines etablierten Wissenschaftsjournalisten mit einem Wissenschaftler habe ich einen Vorschlag, der auf pragmatische Weise sicherstellt, dass man sich versteht: Der Wissenschaftler erhält nach dem Gespräch ein Gesprächsprotokoll vorgelegt, das er korrigieren und kommentieren kann. Bei mir sind das typischerweise drei oder vier Absätze, nach Themen geordnete Zusammenfassungen der aus meiner Sicht wichtigsten Punkte (mit Zahlen und Zitaten).

    • Diesen Kommentar finde ich hochinteressant, gerade weil mir der Gedankengang, der das Gegenlesen zum Grundsätzlichen erhebt, sehr fremd ist. Ganz will mir auch nicht in den Kopf, wo die Grenze ist – sich im gemeinsamen Gespräch von einem Wissenschaftler korrigieren zu lassen, dürfte für Journalisten völlig unkontrovers sein. Und sich im Gespräch nicht einlullen zu lassen, kritisch nachzufragen, nicht einfach die subjektive Meinung des Wissenschaftlers zu übernehmen doch hoffentlich auch. Wo ist der prinzipielle Unterschied zwischen dieser Situation und einer, wo der Wissenschaftler Rückmeldung zu einem bereits bestehenden Text gibt?

      Den Vorschlag, das Gesprächsprotokoll mit dem Wissenschaftler zu teilen und da dann Kommentare und Korrekturen zuzulassen, finde ich sehr gut. In den meisten der Fälle, die ich im Hinterkopf habe, wenn ich in der Gegenlese-Debatte für mehr Pragmatismus plädiere, hätte diese Art von Protokoll-gegenlesen wahrscheinlich bereits geholfen.

      Vielleicht liegt da ja der Kompromiss, mit dem Wissenschaftler ebenso etwas anfangen können wie Journalisten: Gegenlesen von Textbausteinen, Gesprächsprotokoll, Absätzen, bei denen der Journalist vielleicht auch einfach selbst sicherstellen möchte, dass seine Zusammenfassung nichts verfälscht – aber eben nicht des fertigen Artikels samt aller (evt. kritischen) Einschätzungen und Gewichtungen.

      • Meine erste Reaktion: zwischen dem journalistischen Produkt (in meinem Fall: einem Zeitungsartikel) und dem Material dafür (beispielsweise den Zitaten) gibt es einen qualitativen Unterschied. Deshalb ist es komisch zu fragen, wo die Grenze verlaufe. Aber ich glaube, dass ich einen Schritt weitergehen kann, denn die Analogie zum Interview finde ich interessant: Worin besteht der Unterschied zwischen der kritischen Frage eines Journalisten, die der Wissenschaftler pariert, und seiner Anmerkung zu einem kritischen Fazit im fertigen Text? In beiden Fällen ist der Journalist frei, mit der Äußerung zu machen, was er will. Ich würde sagen: im ersten Fall hat der Journalist (hoffentlich ergebnisoffen) nachgefragt, im zweiten Fall hat er aber seine Schlussfolgerungen schon gezogen. Im ersten Fall stellt der Wissenschaftler daher seine Sicht der Dinge dar, während er im zweiten Fall versucht, den Text vor der Veröffentlichung noch in seinem Sinn zu ändern. Das gilt selbst dann, wenn er nur einen vorsichtigen Vorschlag macht. In diesem Punkt unterscheidet sich der Artikel im Wissenschaftsressort nicht von einem auf den Politikseiten.

        • Da sind wir wahrscheinlich schon recht nahe am Knackpunkt; ich denke, was wir jetzt noch an Unterschieden haben, lässt sich zum großen Teil auf unterschiedliche Beispielvorstellungen in unseren Hinterköpfen zurückführen.

          Mir ging es beim Gegenlesen nie darum, dass es tatsächlich die endgültige Endfassung ist, die gegengelesen wird, und dass der Journalist dann garantiert nichts mehr ändert. Meinetwegen kann es ein fortgeschrittener Entwurf sein, und wenn ich meine Kommentare (die ich meist erläutere) abgeliefert hatte, dann bekam ich das, was der Journalist daraus machte – und erst das war dann ja die Endversion! – meist gar nicht mehr zu sehen.

          Und nicht zuletzt: Es ging mir nie darum, bei einem kritischen Fazit oder einer kritischen Frage kontra geben zu dürfen; das wäre in der Tat bedenklich. Wo’s um Einschätzungen, Kontroverses, Kritik etc. geht gelten natürlich ganz andere Maßstäbe. Aber dass ein Sonnensystem keine Galaxie ist, dass Gravitationswellen nicht in das elektromagnetische Spektrum fallen usw. – das beschreibt man missverständlich, wenn man es “meine Sicht der Dinge” nennt. Natürlich ist es auch meine Sicht der Dinge. Aber eben auch die Sicht von jedem anderen, der etwas von der Sache versteht. Das mit kontroversen Aussagen in einen Topf zu werfen, über die es unter den Wissenschaftlern unterschiedliche Einschätzungen gibt, dürfte uns hier nicht weiterführen.

          • Jetzt fällt mir ein anderes Beispiel ein: Der Journalist sagt schon im Interview, dass ihm die Studie seines Gesprächspartners komisch vorkommt. Dann versucht ihn der Wissenschaftler von dieser Meinung abzubringen. Ich würde auch hier sagen: das wäre der Versuch, den Journalisten zu überzeugen – also völlig okay. Wenn der Journalist aber seinen Artikel schickt, dann signalisiert er, dass er ihn im Grunde so drucken möchte. Dann ist es nicht mehr dasselbe, wenn der Wissenschaftler versuchen sollte, ihn von seiner Meinung abzubringen.
            Zu argumentieren, dass man beim Gegenlesen nur Sachfragen kommentiere, finde ich schwierig. Denn hier kann man schon fragen, wo die Grenze ist – und wie man sicherstellt, dass sie nicht überschritten wird. Ich habe großen Respekt vor den Zielen, die Wissenschaftler mit dem Gegenlesen verbinden, und will niemandem eine unlautere Absicht unterstellen. Aber wenn ein Journalist seinen fertigen Artikel gegenlesen lässt, wird er den Verdacht nicht mehr los, dass er PR betreibt.
            Dass mir dieser Punkt so wichtig ist, liegt also daran, dass er mein berufliches Selbstverständnis berührt. Ich will als Journalist glaubwürdig sein. Wäre mir allein daran gelegen, wissenschaftliche Erkenntnisse korrekt darzustellen, dann würde meine Glaubwürdigkeit davon abhängen, dass ich keine fachlichen Fehler mache. Aber darum geht es mir im Journalismus eben nicht.

  4. Ich kann den Konflikt gut verstehen, gehen doch wohl viele Wissenschaftler davon es, es ginge beim Wissenschaftsjournalismus nur um die Sachebene, eben die Forschungsergebnisse einem breiten Publikum richtig darzustellen. In diesem Fall wäre natürlich jede Hilfe “es richtig zu schreiben” bei allen willkommen. Diese Sicht der Dinge ist aber oft viel zu einseitig, geht es doch auch oft um EInschaetzungen, (wissenschafts-)politische Fragestellungen, Diskussionen innerhalb der Wissenschaft etc und da gibt es halt nicht richtig und falsch (was dann ggf korrigiert gehört).

    Wenn ich mit der Presse rede, gehört es auch zu meinem Risiko falsch verstanden zu werden (dann habe ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt) oder das auch Dinge im Artikel drinstehen, die mir so nicht gefallen.

    Daher halte ich es bei Pressekontakten immer so: Zunächst bemühe ich mich schon im Gespräch darum, dass keine offensichtlichen Missverständnisse entstehen. Und dann mache ich ggf _das Angebot_ über den sachlichen Teil des Berichts noch einmal drueberzuschauen und ggf zu kommentieren. Aber dabei stelle ich klar, dass es sich nicht um eine Korrektur sondern bestenfalls um Hinweise handelt und das es sich nur um ein Angebot handelt, dass selbstredend nicht angenommen werden muss. Autorisieren gibt es gar nicht, allerhöchstens in kontroversen Fällen von wörtlichen Zitaten. Mehr kann ich nicht verlangen und tue es daher auch nicht. Es ist ja auch der Journalist, der den Beitrag verantwortet, nicht ich.

    Wenn ein Journalist einen Politiker befragt ist das genau so. Da gibt es natürlich auch immer mal wieder Krokodilstränen, man sei aber falsch verstanden worden. Aber das ist eben so. Warum sollte es da bei Wissenschaftsjournalismus anders sein?

    Und dann gibt es (vor allem in politisch relevanten Situationen) natürlich noch die Möglichkeit von vornherein ein “Hintergrundgespräch” zu vereinbaren, dann kommt man aber eben gar nicht mehr vor. Da geht es darum, einem Journalisten ein bestimmtes Wissen zu vermitteln bzw die eigene Sicht darzustellen ohne dass man damit dann zitiert oder in Zusammenhang gebracht wird. Auch da ist dem Journalisten natürlich überlassen, zu entscheiden, was er draus macht.

    Und niemand ist gezwungen mit einem Journalisten zu reden. Wenn da jemand wiederholt die Sachen in den falschen Hals bekommt, bzw es einfach nicht versteht, redet man halt nicht mehr mit ihm oder macht ihm deutlich, dass man mit den vergangenen Ergebnissen nicht glücklich war.

    • Das klingt nach empfehlenswertem Vorgehen. Und, klar: Forderungen von Seiten des Wissenschaftlers wären nicht der richtige Weg.

      Du hast recht, dass es auch politische oder anderweitig kritische Themen gibt, und dass die Situation dann schon wieder ganz anders aussieht. Aber in den meisten Fällen sollte die Entscheidung, worum es sich gerade handelt – Wissenschaftler korrigiert einen einfachen Sachfehler; Wissenschaft versucht seine persönliche Einschätzung zu pushen – recht deutlich ausfallen können, oder?

  5. Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin bei Rainer Korbmann dahingehend, dass man das Gegenlesen anbietet und bei wörtlichen Zitaten aktiv darum bittet. Am Ende entscheidet der Journalist, was veröffentlicht wird. Ich weise in meinem Umfeld auch darauf hin, dass es dessen gutes Recht ist, im nächsten Abschnitt zu schreiben, dass der Wissenschaftler seiner Meinung nach Unsinn erzählt hat. Es ist Aufgabe des betreuenden Kommunikationsverantwortlichen, alle Beteiligten vorzubereiten und auch abzuklären, in welchem Kontext der Wissenschaftler angesprochen wird.
    Man sollte aber eben auch berücksichtigen, dass nicht alle Wissenschaftler Medienerfahrung haben. Wenn sie im Umgang mit Journalisten unsicher sind, ist das kein böser Wille. Dahingehend ist der Vergleich Wissenschaftsjournalismus – politische Journalismus (noch) nicht ganz zulässig. Wer in die Politik geht, rechnet damit, dass er auch in die Medien muss – Wissenschaftler (gleich, ob wir hier das jetzt gut finden), gehen nicht unbedingt davon aus. Wir arbeiten alle gemeinsam daran, das zu ändern, wie man den diversen Diskussionen entnehmen kann.

  6. Wenn das Gegenlesen durch die Betroffenen ein Problem ist, sollten wir stattdessen empfehlen, dass ein/e Wissenschaftler/in gegenliest, der/die mit der im Bericht erwähnten Forschungsarbeit nicht direkt zu tun hat, sich aber bei den Grundlagen des Gebiets auskennt und so peinliche Schnitzer vermeiden kann?

    Ja, das kann empfohlen werden. BTW, ist es wirklich so schlimm, wenn es einige Wissenschaftsjournalisten “auch mal” oder gar regelmäßig verbocken?

    MFG
    Dr. W

  7. @Alexander Mäder: Aber gerade das ist doch ein Beispiel dafür, dass es unterschiedliche Situationen gibt, der Journalist auch als solche erkennt. Unkontroverse Situation, Berichterstattung des Journalisten, der keinen Anlass sieht, die Studie zu kritisieren – Gegenlesen harmlos. Kontroverses Thema (in der Wissenschaft oder in der Gesellschaft), Wissenschaftler/Studie/Institution bekommt in dem Artikel auch Kritik ab – Vorsicht ist geboten. Diese Unterschiede fallen bei jenen, die Gegenlesen per Charta generell verbieten wollen unter den Tisch (wobei ich, wie gesagt, durchaus keine Probleme damit habe, Alternativen – Gesprächsprotokoll gegenlesen, einzelne Absätze durchsprechen etc. – zu erkunden).

  8. Nur ein paar Hinweise zur Beruhigung der Debatte. Ich habe einen längeren Bericht über die Wissenswerte geschrieben und dabei in wenigen Sätzen das Ergebnis des Diskussionsforums zum Thema „Gegenlesen“ zusammengefasst. Offensichtlich war das zu sehr verkürzt. Vielleicht hätte schon gereicht, wenn ich angefügt hätte, dass der Konsens in ganzer Länge hieß „Gegenlesen nur in Sonderfällen“. Es würde sich lohnen, das Thema in aller Ausführlichkeit zu diskutieren, doch dafür ist auch hier nicht der Platz. Daher nur ein paar Ergänzungen, die andeuten, wie differenziert die unterschiedlichen Argumente dargelegt und diskutiert wurden. Die Medienvertreter Illinger und Schneider beschrieben die Sicht der Journalisten und die üblichen Vorgehensweisen. Dabei sagten sie auch deutlich, dass die immer wiederkehrende Forderung der Wissenschaftler nach Gegenlesen der fertigen Texte die Journalisten ärgere, weil das elementaren Prinzipien des unabhängigen Journalismus widerspräche. Viele Journalisten fühlen sich dabei in ihrer Berufsehre angegriffen. Deshalb reagieren sie oft so unfreundlich. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen und selbstverständlich gibt es eine Fülle von anderen Abstimmungsprozessen. Nur das Vorlegen von ganzen Artikeln sollte in der Regel nicht verlangt werden. Interviews und wörtliche Zitate werden ohnehin den Gesprächspartnern zu Freigabe vorgelegt. Häufig werden auch schwierige Sachverhalte oder Fakten abgestimmt. Deshalb, so die Meinung der Journalisten, sollten Wissenschaftler endlich verstehen, dass zum unabhängigen Journalismus auch gehört, dass Zeitungsartikel die Sicht des Journalisten widergeben und nicht die des Wissenschaftlers.
    Iris Lehman und ich führten als Vertreter der Wissenschaft die Gründe ins Feld, warum Wissenschaftler so intensiv auf „Gegenlesen“ beharren. Es sind die häufigen, fachlichen Fehler, die nicht nur den Medien, sondern auch dem Wissenschaftler schaden. Außerdem überschreiten die Medien oft Grenzen, die seriöser Journalismus beachten sollte. Deshalb müsse man auch gemeinsam nach Lösungen suchen. Dabei gestanden die Journalisten zu, dass es andere Formen des Faktencheckens gäbe als das Vorlegen ganzer Texte. Im Übrigen finden viele Journalisten einen ganz pragmatischen und individuellen Zugang, denn sie entscheiden letztlich, wieviel sie dem Gesprächspartner zur Korrektur vorlegen und was sie davon übernehmen.
    Ich selbst kenne zu Genüge, was aus Texten wird, die von allen Beteiligten Gegengelesen werden. Ich weiß, wie kritisch oft der eine Wissenschaftler die Ergebnisse des anderen beurteilt. In der Wissenschaft gibt es eben nicht die eine Wahrheit, sondern viele oft widersprechende Bewertungen. Und viele Pressemitteilungen sind dann zwar fachlich richtig, aber von mangelhafter Qualität. Aber das ist ja auch keine unabhängige Berichterstattung, sondern eine klar parteiliche Information. Hier ist der Absender klar die jeweilige Wissenschaftsorganisation, in der Zeitung erwarte ich – erwarten die meisten – eine unabhängige Bewertung durch Journalisten. Genauso wichtig ist aber auch die fachliche Richtigkeit. Das eine sollte nicht gegen das andere ausgespielt werden.
    Im Übrigen können Wissenschaftler in den meisten Medien auch unter eigenem Namen Beiträge veröffentlichen, das ist aber dann auch genau gekennzeichnet als persönliche Meinung.
    Mein Fazit: Es geht um eine bessere Qualität der Wissenschaftsberichterstattung. Dazu müssen beide Seiten Wissenschaft und Journalismus beitragen. Sich gegenseitig uneinlösbare Forderungen vorzuhalten, führt in eine Sackgasse. Und man sollte auch akzeptieren lernen, wo die Grenzen des anderen sind. Wenn man nicht immer an derselben Hürde scheitern will, muss man – jenseits vom Gegenlesen – andere Wege einschlagen. Dazu sollten sich beide Seiten zusammensetzen. Insofern könnte die Debatte der Anfang eines fruchtbaren Dialogs sein.

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