Warum Angela Merkel und Willy Brandt recht haben – über Hoffnung, Utopie und Energie

Michaela Brohm-Badry

Vielleicht liegt das aktuelle Manko der traditionellen Volksparteien insbesondere in der Kraftlosigkeit ihrer Politiker. Große Staatsmänner und -frauen haben oft neue Perspektiven eröffnet, zukunftsgerichtet gedacht – ja, oft utopisch. Sie haben genau jenes Gefühl vermittelt, das in der positiv-psychologischen Forschung heute als das wichtigste gilt, um Gestaltungswillen zu stimulieren. Und genau darin treffen sich Angela Merkel und Willy Brandt.

Mit Verweis auf dpa zitiert der Fokus in dieser Woche aus einem Gespräch von Angela Merkel mit jungen Menschen in Goslar. Bezüglich der derzeitigen Situation der CDU habe sie angemerkt: „Ich glaube, dass im Augenblick uns etwas fehlt, und daran müssen wir arbeiten: Dass wir nicht positiv genug in die Zukunft schauen.“ Aufgabe der Politik sei, Perspektiven zu schaffen: „Wenn Politiker mir erklären, was alles gerade schlimm ist und was nicht geht und was schwer ist – dafür brauche ich keine Politiker. Das wissen die Menschen selber.“ Es seien – sagt Angela Merkel im Juni 2019 – vielmehr Politiker nötig, die sagten: „Wir schaffen das“. Sie habe auch damals gewusst, dass der Umgang mit dem Flüchtlingen eine große Herausforderung sei, aber „ich war immer davon überzeugt: So eine große Aufgabe stemmt man besser, wenn man sagt: wir schaffen das.“

Das wichtigste Gefühl

Überprüfen wir das Statement mal aus positiv-psychologischer Perspektive: Wenn wir auf die Suche nach wichtigen Gefühlen gehen, die Menschen stärken und wachsen lassen, finden wir eine Untersuchung von Willibald Ruch der Universität Zürich. Welche Gefühle sind besonders wichtig? Es sind:
• Hoffnung
• Enthusiasmus/Tatendrang
• Bindungsfähigkeit/Fähigkeit zu lieben
• Neugier
• Dankbarkeit

Brohm-Badry Blog

Hoffnung steht deshalb an erster Stelle, weil sie Halt gibt: Kranke gesunden, haben sie die Hoffnung, dass das neue Medikament wirklich wirkt (auch wenn es ein Placebo ist). Liebende bleiben in Krisen zusammen, haben sie die Hoffnung, wieder zusammenzufinden (Wir schaffen das schon, wir haben schon so viele Krisen überstanden). Geht die Hoffnung allerdings auf Abwege (Die/der Neue ist so spannend und viel besser …), wird sich das frühere Paar wohl eher trennen. Sterbende lassen los, haben sie die Hoffnung, keine Schmerzen mehr zu spüren oder dann bei Gott oder dem verstorbenen Partner zu sein. Schüler und Schülerinnen lernen, haben sie die Hoffnung, dass sie den Lernstoff brauchen und die Sache schaffen können.

Hoffnung und Utopien

Wollen wir Menschen aufbauen, sollten wir ihnen also Hoffnung geben: Du schaffst das! Du kannst das lernen. Nach jedem Wellental kommt ein Wellenberg. Das Schicksal öffnet mit jeder geschlossenen Tür eine neue. Wir finden wieder zusammen. Energie geht im Kreislauf der Welt nie verloren. Wir schaffen das!

Aus Perspektive der Motivationsforschung stärkt Hoffnung die Selbstwirksamkeitserwartungen und lässt Menschen dadurch aktiv werden, selbst wenn die Verwirklichung eher unrealistisch scheint. „Utopie“ bezeichnet aus dem Altgriechischen einen „Nicht-Ort“, eine fiktive Gesellschaftsordnung, die im Wortstamm mit der Eutopie (Eu meint „gut“) verbunden ist – dem guten Ort. Eine Utopie meint demnach eine fiktive, positive Gesellschaftsordnung.

Wir glauben also besser, wir schaffen das

»Wir wollen mehr Demokratie wagen«, rief Willy Brandt bei seiner Regierungserklärung im Oktober 1969 den Menschen zu. »Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden, im Innern und nach außen.« Und egal ob wir Brandts Visionen heute für überfrachtet halten oder für genial, es bleibt doch, dass er in den Menschen Hoffnung auf den menschlichen Umbau der Gesellschaft, auf eine offene Demokratie und auf eine friedliche, Ost und West vereinigende Zukunft weckte. Ein Vordenker von Frieden und Einheit, der seine Visionen verwirklichen will: Ein halbes Jahr später fährt er mit dem Sonderzug über den Todesstreifen nach Erfurt, vorbei an Volkspolizei und Staatssicherheit, und Menschen durchbrechen die Absperrgitter: »Willy! Willy! Willy ans Fenster!« Und Willy kommt ans Fenster. Der kurze Moment, in dem Willy Brandt als erster deutscher Westkanzler in Ostdeutschland am Fenster steht und nur durch seinen Blick zu den Menschen spricht, geht um die Welt. Eine Hoffnung, die Halt gab – im Osten wie im Westen. Auf »Willy«, den Hoffnungsträger, konnte man sich verlassen. »Wir wollen mehr Demokratie wagen« – ein Satz wie gemeißelt. Oder Jahre vorher: »Der Tag wird kommen, an dem das Brandenburger Tor nicht mehr an der Grenze liegt.« Und dann wuchs zusammen, was zusammengehört.

Utopien können die Realität von morgen sein. Wir glauben also besser, wir schaffen das. Ja, wir können das, und wenn wir es nicht können, können wir es lernen. Ja, wir sind so gut. Ja, wir sind so frei. Und wir brauchen Politikerinnen und Politiker, die uns diese fiktive, positive Gesellschaftsordnung liefern.

Literatur
In Teilen aus: Brohm-Badry, Michaela: Das Gute Glück – wie wir es finden und behalten können, EcoWin 2019

Website Brohm-Badry

Das Gute Glück (amazon)

Website Brohm-Badry Universität Trier

Michaela Brohm-Badry

Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Empirische Lehr-Lern-Forschung sowie Dekanin an der Universität Trier. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Motivation, Positive Psychologie, Leistung. Im Kern geht es somit um Konzepte, Strategien und Effekte positiver Energetisierung von Mensch und Organisation. Sie ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung (DGPPF).

24 Kommentare

  1. Angela Merkel bleibt letztlich eine „Realpolitikerin“, was bedeutet, dass reale Widerstände bei ihr mehr wiegen als jedes von ihr hochgehaltene Ideal: siehe Türkei-Deal mit dem sie letztlich das startete, was wir heute „Festung Europa“ nennen.

  2. Das Verhalten der SPD kann man nur noch als irrational bezeichnen – solange dieses Verhalten nicht korrigiert wird; ist ihr Programm uninteressant

    2017 bekam die SPD 20 Mio Erst-/Zweitstimmen mit dem Wunsch des Wählers, dass man politische Verantwortung übernehmen soll.
    Reaktion der SPD – wir wollen NICHT, wir gehen in die Opposition – ohne dass dieser Beschluss basisdemokratisch beschlossen wurde
    Nur auf ausdrücklichen Wunsch des Bundespräsidenten – bequemte sich die SPD dazu, den Wählerwillen zu erfüllen. Aber nur, wenn die SPD-Mitglieder dies basisdemokratisch beschließen. Man wollte eine demokratische Legimitierung für die GroKo
    Aber die Juso´s und die bay. SPD interessiert diese basisdemokratische Entscheidung bis heute nicht – die wollen raus aus der GroKo.

    Das was die SPD nach außen signalisiert ist eine klare Missachtung des Wählerinteresses und demokratischer Strukturen. Solange diese Verachtung des Wählers nicht korrigiert wird – ist die SPD für Wähler kaum noch von Interesse; ob mit oder ohne politische Ideen.

  3. (Zitat)Große Staatsmänner und -frauen haben oft neue Perspektiven eröffnet
    Das stimmt schon, aber meist unter günstigen äusseren Bedingungen.

    Willi Brandts Ostpolitik beispielsweise kam gerade im richtigen Moment: Kaum noch jemand glaubte an die Hallstein-Doktrin (Isolation der DDR bringt diese schliesslich zu Fall) und gleichzeitig brachte die Aussicht auf mehr innerdeutsche Kontakte und auf Handelsbeziehungen zwischen DDR und BRD viele Leute aus beiden politischen Lagern dazu, Vorteile in der Ostpolitik zu sehen.
    Auch John F. Kennedy’s Appel an den aktiven Bürger ( “Ask not what your country can do for you; ask what you can do for your country.”) und seine neue unbürokratische Art die Regierung zu führen kam gerade zur Zeit als in den USA ein allgmeiner gesellschaftlicher Aufbruch stattfand.

    Vielleicht sind es ja jetzt wieder Impulse aus der Zivilgesellschaft (Fridays for future), welche Politikern in Deutschland und Europa den Mut geben in der Klimapolitik voranzuschreiten.

  4. Die SPD hat, besonders unter Brandt, hat hauptsächlich immer nur den Spielraum nach links genutzt – die “sozialen Errungenschaften” nach dem “Wirtschaftswunder” – mit Schröder war dann Schluss damit, denn der hätte hart gegen das Unternehmertum und den Spekulanten sein müssen.
    Die CDU, die der Hauptspieler im Kreislauf des imperialistischen Faschismus ist, hat mit Merkel nun das Gegenteil zu Brandt erreicht – rechts geht es nur weiter mit den ganz harten Bandagen gegen die Lohnabhängigen, wozu sich wie zu erwarten die alten Bekannten formiert haben.

    Insgesamt kann man sagen: Die Unwahrheit hat mal wieder recht.

  5. Solche Sätze von Politkern können auch rhetorische Phrasen sein. Ich erinnere an Helmut Kohls Visionen von den “Blühenden Landschaften” im Osten Deutschlands. Heute wird über weite Teile dieser Landschaften das Lied vom Tod gespielt, sprich viele Dörfer sterben und Regionen veröden und was blüht ist das Unkraut. Dieser Kommentar suggeriert, dass Politiker sowas wie Visionen haben und das das Volk diesen Visionen unkritisch folgen muss. Ich habe keinerlei Vertrauen mehr zu Politikern mit ihren rhetorischen Phrasen. Warum sollte man ihnen glauben ? Nur weil sie angebliche Autoritäten sind und das Meinungsmonopol hinter sich haben ? Viele dieser Visionen sind leere rhetorische Worthülsen, die bei kritischer Hinterfragung inhaltslos sind, denen aber von den Medien ,die uns staatstreu erziehen wollen, Leben eingehaucht wird.

  6. Frau Brohm-Badry,

    ich finde es äußerst erstaunlich und befremdlich, daß Sie positives Denken mit dem nachweislichen Dauer-Versagen von Berufspolitikern in Verbindung bringen.

    Insbesondere Frau Merkel, in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin, ist die Garantin schlechthin des Stillstandes.

    Zur Erinnerung: Stuttgart 21, Baubeginn Anfang 2010, geplante Inbetriebnahme Dezember 2019, verschoben auf derzeit 2025, von 2,5 Milliarden auf derzeit 8 Milliarden (2019), Neuer Berliner Flughafen, Baubeginn September 2006, geplante Inbetriebnahme November 2011, verschoben auf derzeit 2020, von 800 Millionen auf derzeit 8 Milliarden (2019), Elbphilharmonie, von 77 Millionen auf ca. 800 Millionen, geplanter Fertigungstermin 2010, Eröffnung Januar 2017. Sanktionen für die Verantwortlichen? KEINE. Von diesen Beispielen gibt es tausende in unterschiedlichsten Ausprägungen.

    Ein Bundestagsabgeordneter hat nach 4 Jahren „Zugehörigkeit“ einen Rentenanspruch von ~ 1000€. Das entspricht ungefähr dem jetzt diskutierten Mindestrenten-Beitrag für Menschen die 35 Jahre (und mehr) gearbeitet haben. Marie von Ebner-Eschenbach: „Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit“ … und davon hat Deutschland offensichtlich genügend.

    Sie sind so weit weg von der Realität, daß es mir mit weiteren Details sinnlos erscheint, diese vorzubringen. Wenn Sie Leute erreichen wollen, dann müssen Sie diese emotionalisieren. Dies geschieht ja täglich über ein Spektrum von Hysteriewellen, insbesondere zum vermeintlich menschengemachten Klimawandel*. Fakten und eine sachorientierte Aufklärung stören da nur. Erstaunlich und bezeichnend, daß ich Ihnen hier Gustave Le Bon’s Psychologie der Massen (frei erhältlich als pdf im Internet) dringend als Leseempfehlung gebe.

    *Apropos Weltrettung und der Frage warum sind wir hier?
    Sofern man der englischen Sprache mächtig ist, gibt es eine sehr unterhaltsame „alternative Stimme“ zum Thema Welt(-Klima) retten. Siehe das youtube-video George Carlin – Saving the Planet Insgesamt sind die 8 Minuten von George Carlin ein – u.a. aus erkenntnisorientierter Sicht – hervorragendes „Theater-Stück“ zur irrationalen Besorgnis einer sich maßlos überschätzenden Menschheit.

  7. Aus diesseitiger Sicht gilt es zwischen Optimismus und Pessimismus, auch Zukunfts-Optimismus und Zukunfts-Pessimismus, Balance zu halten, es liegt sozusagen eine Schiene vor, auf der es sich individuen-seits einzuordnen gilt.
    Die auesseren Enden dieser Schiene sind, von Ausnahmefaellen und besonderen Situationen der Bedrohung einmal abgesehen, zu meiden, so dass sich i.p. Erwartungshaltung und wie im dankenswerterwerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel womoeglich auch intoniert individuell mittig eingeordnet werden darf.

    Zudem darf gewusst werden, dass Optimismus und Pessimismus generell im Emotionalen grundiert, das Fachwort an dieser Stelle, sind.
    Die Ratio kann naemlich so oder so anleiten, die hier gemeinte Praediktion.

    Dr. W ist bspw. eher ”Leichtfuss” oder sog. Sanguiniker, andere haben schwer zu tragen, mentalitaetsbedingt. – Diese Kollegen bleiben freundlich zu beruecksichtigen und ggf. ”mitzunehmen”, wie Dr. W findet.

    Bei ‘Wir schaffen das’ und ‘Yes, we can’ wird Dr. W allerdings grau, denn derart unsubstantiierter Optimismus ist nicht sein Ding, Sie verstehehen dies moeglicherweise, werte Frau Dr. Michaela Brohm.

    Plumper Populismus : njet!

    MFG, eine schoene Woche noch und weiterhin viel Erfolg
    Dr. Webbaer

  8. PS :

    ”Willy” war Realpolitiker, mit der sog. Realpolitik liegt sogar ein Germanismus vor, auch umgeben von Leutz der Gueteklasse Ehmcke, Genscher, Schmidt, Franke, v. Dohnany und Bahr.
    Er war wohl eher wie oben beschrieben ”mittig”.
    Und ”Willy’ war Patriot, wie er noch einmal in der Wendezeit gezeigt hat.

  9. Bonuskommentar hierzu ‘Ich habe keinerlei Vertrauen mehr zu Politikern mit ihren rhetorischen Phrasen. Warum sollte man ihnen glauben ?’ – Kommentatorenfreund ‘Querdenker’

    Es ist in Liberalen Demokratien moeglich Politiker zu waehlen, die in der Folge dann als Traeger von Mandat das Wahl- oder Staatsvolk beluegen oder welche, die dies nicht oder nur selten tun.

    In der BRD, so die nur hiesige kleine Meinung, die des Webbaeren, des Webbaerchens, will der Waehler belogen werden.

    Gruende hierfuer kann es viele geben, Dr. W geht davon aus, dass viele reine Waehler, also die die von ihrem Passivrecht auf Wahl keinen Gebrauch machen und oft kinderlos sind, einfach ein paar Jahre laenger Ruhe haben wollen bevor die Probleme aufbrechen, oeffentlich – und dann fuer jeden erkennbar.

    Zur Luege gehoren immer zwei, einer der luegt und einer der sich beluegen laesst.
    Dr. W hat dieses Zitat von einer Episode von ‘The Simpsons’ geklaut sozusagen, korrekt. – Homer hatte irgendwann diese Einsicht.

  10. Ich schätze beide Politiker, Brandt als auch Merkel.

    Brandt konnte tatsächlich das Land weiterbringen, in eine neue Richtung führen. Er hat die friedliche Wiedervereinigung vorbereitet.

    Merkel kann nur den hohen Lebensstandard verwalten und sorgen dass es möglichst lange so bleibt, dass vor allem die Arbeitsplätze erhalten bleiben um die nachteiligen Folgen (Drogensucht, Alkohol….) wie z.B. in Amerika zu vermeiden. Sie kann versuchen Deutschland, vielleicht auch die „Welt etwas besser“ zu machen. Bedeutet auch, z.B. „richtigen“ Kriegs Flüchtlingen ihr trauriges Los zu erleichtern.

    Die Medien und alle die uns Glauben machen wollten, wir könnten die „Welt schlagartig verbessern“, haben sich verrannt.
    Ich finde es positiv, wenn besonders auch die Medien, vorangehen und die Welt zu einer besseren Welt machen wollen. Angesichts der Waffentechnik bleibt auch kein anderer Weg, wir würden uns ausrotten. Nur, realistisch sollte dieser neue Weg schon sein.

    Ein extremer ideologischer „Kurswechsel“, wie er vergleichbar wäre mit der ehemaligen Installierung des Christentums, was die Abkehr von einem grundsätzlichen Konzept bedeutete, scheint nicht realistisch. Damals gab keine zwingend begrenzten Ressourcen, außer der Geduld der Menschen. (Matthäus 5 38-42, ist das Werbe Konzept, dass das Christentum begründete.)

    Bei diesem neuerlichen Versuch eines extremen ideologischen „Kurswechsel“ (alle Menschen „sorgen“ für einander statt sich gegenseitig zu bekriegen) hat man sich „übernommen“. Man hat auch die Manipulationsmöglichkeiten der Medien, die von den neuen sozialen Medien eingeschränkt werden, unterschätzt.

    Andererseits, die (armen) Menschen der ganzen Welt gleichsam nach „Deutschland einzuladen“, nicht von der Regierung, aber sehr wohl von den Medien und von grünen „Gutmenschen“, womöglich auch noch mit dem Euro zu ködern, so empfanden es letztlich die Menschen im Land, war absurd. Jeder potentielle Zuwanderer wäre „verrückt“, würde er diese Einladung ausschlagen. Unbegrenzte Massenzuwanderung musste aus Ressourcengründen zwangsläufig scheitern. Kann man sich jetzt gut vorstellen, wenn nicht nur 500 000 Wohnungen, sondern 5 Millionen Wohnungen fehlen würden….

    In der Zwischenzeit gab es den Türkei Deal, den ich für genial halte, im Vergleich zu einer Mauer. Eine Mauer hätte bedeutet, immense Kosten und hohen Zeitaufwand für den Mauerbau, Megastaus an der Grenze mit schwersten Folgen für die Wirtschaft, Mauerschützen, Mauertote, Verlust des Ansehens Deutschlands, Mauerprozesse gegen die Schützen und die politische Führung (wie ehemals gegen Honecker, Krenz …).

    Nunmehr haben wir es tatsächlich „geschafft“ und sollten zufrieden sein.

    Ein Problem dürfte bei uns die „gesetzliche Regelungswut“ im Land sein und das Bestreben alle Meinungen berücksichtigen zu wollen. Beides sehr positiv, mit teilweise absurden Folgen.

    Gestern wurde mir dies beim Fernsehfilm „Bornholmer Straße“ wieder (amüsant) bewusst. Die Grenzorgane der DDR hatten keine Befehle wie sie mit dem durch Günter Schabowski ausgelösten Chaos an der Grenze umgehen sollten.
    Der „Freudentanz der Grenzbeamten“ als sie endlich Befehle bekamen, wurde von Christian Schwochow köstlich inszeniert.

    Die Verzögerungen beim Flughafenbau in Berlin gehen letztlich auf die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen 1996 zurück. Die gesetzlichen Grundlagen für den Brandschutz waren plötzlich Makulatur als der Flughafen halb fertig war. Neu Vorschriften gab es nicht und konnten auch nicht plötzlich aus dem Boden gestampft werden. Es war einfach Pech für den Steuerzahler.

    In Stuttgart haben die nach Baubeginn aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Gestaltung des Bahnhofes zu Konflikten geführt, die logischer Weise zur Kostenexplosion führen mussten.

    Es sind „Demokratiekosten“.

    Genauso wie die Probleme beim Bau der Stromtrassen. Es geht um teuren Egoismus und Rechthaberei.
    In China zeichnen die Planer einen geraden Strich auf die Landkarte, am darauffolgenden Montag kommen sozusagen die Bagger….

    Es gibt 0 Euro Demokratiekosten.

    Wir haben eben eine Politik die unserer Mentalität entspricht und dafür müssen wir zahlen….

  11. Elektroniker,

    kennen Sie die Aufgabe, jemanden etwas Gesellschaftspolitisches erklären zu wollen, ohne jedoch ein authentisches Fallbeispiel im Zuge der Ausführungen direkt mit aufzuzeigen? [Siehe meinen Kommentar vom 22. Juni 2019]

    In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihren Kommentar. Er vervollständigt meine Aussagen. Nun können Kommentarleser an Ihrem »Verständnis« erkennen, wie deutscher Stillstand und »Volksvermögenmißbrauch« basisnah nicht nur widerstandslos hingenommen sondern als etwas Positives empfunden werden. [Siehe Ihren Kommentar vom 27. Juni 2019]

    Übrigens, »Demokratiekosten«, “gefällt” mir als Begriff. »Demokratiekosten« ist mindestens so „schön“ wie der Begriff »Kunde« [der Agentur für Arbeit] für Menschen, die »Arbeit suchen«.

    Ihren Euphemismus und u.a. Ihre Naivität werde ich Ihnen nicht nehmen können, aber achten Sie darauf, daß Sie zumindest bei der dokumentierten Wahrheit bleiben und keine Glaubensmärchen verbreiten.

    Sie schreiben:
    Die Verzögerungen beim Flughafenbau in Berlin gehen letztlich auf die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen 1996 zurück. Die gesetzlichen Grundlagen für den Brandschutz waren plötzlich Makulatur als der Flughafen halb fertig war. Neu Vorschriften gab es nicht und konnten auch nicht plötzlich aus dem Boden gestampft werden. Es war einfach Pech für den Steuerzahler.“

    Der Baubeginn des Neuen Berliner Flughafens ist September 2006! Ihre Angabe (“Die gesetzlichen Grundlagen für den Brandschutz waren plötzlich Makulatur als der Flughafen halb fertig war.”) ist falsch und Ihre darauf aufbauende Interpretation sowie Ihre Situationsbewertung werfen komplexe Fragen bezüglich Ihrer Realitätswahrnehmung auf.

  12. Die Gewerkschaften haben es vorgemacht, die Parteien machen es nach.
    Gemeint ist damit ist damit der Nachwuchs. Die Gewerkschaftssekretäre kamen noch vor 30 Jahren aus der Arbeitswelt und haben dort ihr Erfahrungen bezogen . Heute stammen die Gewerkschaftssekretäre aus der Gewerkschaft und haben sich nie in der Arbeitswelt bewähren müssen. Mit den bekannten Folgen.
    Die Spitzenkandidaten der Parteien kommen aus der Verwaltung oder sind Juristen.
    Die haben sich auch nie bewähren müssen. Die wissen nicht wie es ist, Hunger zu haben, sich einen neuen arbeitsplatz zu suchen, wenn man gekündigt worden ist.
    Denen fehlen die existentiellen Grunderfahrungen. Herr Merz schlägt als Alterssicherung den Erwerb von Aktien vor. Womit Herr Merz ?
    Der Mangel an Politprofis ist also ein grundsätzliches Problem, dass die AfD auf ihre, andere Weise löst.

  13. Elektroniker

    “Die Medien und alle die uns Glauben machen wollten, wir könnten die „Welt schlagartig verbessern“, haben sich verrannt.

    Wer sind/waren diese Medien und alle die ?

  14. Elektroniker

    Dieser Satz ist falsch: “Man hat auch die Manipulationsmöglichkeiten der Medien, die von den neuen sozialen Medien eingeschränkt werden, unterschätzt.”

    Richtig heißt er: “Man hat auch die Manipulationsmöglichkeiten der neuen sozialen Medien unterschätzt.”

    Einer derjenigen, die die neuen Medien zur Manipulation versuchen einzusetzen, ist der leider hier aufgeschlagene Dirk Freyling. Vor dem Besuch seiner Webseite kann ich nur warnen.

  15. fliegenklatsche

    “Der Mangel an Politprofis ist also ein grundsätzliches Problem, dass die AfD auf ihre, andere Weise löst.”

    Ja, genau. Es ist die Methode der NSDAP. Der Jude ist schuld.

  16. Stephan,
    Die NSDAP hat sich durchgesetzt, weil sie Feindbilder aufgebaut hat und zusätzlich eine Lösung angeboten hat. Und sie hat sich durchgesetzt, weil ihre Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten kamen. Vom Straßenkehrer bis zum Direktor einer Firma.Sie hatte deshalb keine Finazierungsprobleme.
    Bei der AfD ist das ähnlich, die ist wie ein VW-Golf, die wird von allen Bevölkerungsschichten gewählt.
    Dagegen sieht die CDU alt aus, wenn der mal die schwarze Mittelschicht ausgeht, dann stirbt sie wie die democrazia cristiana in Italien.

  17. Ja. Ich weiß. Immer findet sich für den Pöbel ein Jude. Schließlich müssen doch bestimmte Kräfte ihre Politik durchsetzen.

  18. Stephan ,
    in der Einleitung kommt ja Frau Merkel zu Wort und ich finde ihre Meinung richtig.
    „Ich glaube, dass im Augenblick uns etwas fehlt, und daran müssen wir arbeiten: Dass wir nicht positiv genug in die Zukunft schauen.“
    Praktisch gesehen kann man Nächstenliebe nicht per Gesetz verordnen (Helmut Schmidt)
    In diesem Zwiespalt befindet sich im Augenblick die Politik und die Schar der Unzufriedenen ist groß, wie der Zulauf zur AfD beweist.
    Die Unzufriedenen als Pöbel zu bezeichnen, finde ich nicht so toll, denn letzten Endes sind sie auch Wähler und haben das letzte Wort.
    Was mir persönlich fehlt ist ,dass die Rolle der Kirchen nicht gewürdigt wird. Im sozialen Bereich sind die Kirchen der größte Arbeitgeber. Und sie werden nicht gewürdigt.
    Das ist auch eine offene Baustelle.

  19. Die Kirche ist im Prinzip gar kein Arbeitgeber. 95…98% der Kosten in ihren sozialen Projekten werden aus Steuergeldern beglichen.
    Ich halte von Religionen und von Kirche überhaupt nichts.
    Leider ist der stark schwindende Einfluß der Kirche im gesellschaftlichen Leben ein ganz wesentlicher Faktor dafür, daß Zivilisation und Kultur systematisch vernichtet werden. Und zu sehr großen Teilen bereits sind.

  20. Stephan,
    Zur Kultur gehört die Religion. Das geeinigte Europa wäre ohne eine geeinigte Religion, das Christentum, nicht möglich. Und die religiösen Feste sind in unserem Jahreslauf so verankert, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt.
    Der Sozialgedanke ist ja nicht selbstverständlich, den findet man in unserer Gesetzgebung.

    Was jetzt die Werte angeht, dass man z.B. in der Öffentlichkeit nicht mit der Badehose spazieren geht, da findet schon noch ein Gruppenzwang statt.
    Beklagen würde ich eher die systematische Entmachtung von Justiz und Polizei. Der Polizist wird angepübelt und hat kaum Möglichkeit sich zu wehren. Das muss geändert werden, wenn der Staat seinen einfluß bewahren will.

  21. fliegenklatsche
    “Das geeinigte Europa wäre ohne eine geeinigte Religion, das Christentum, nicht möglich. ”
    Entschuldigung, das ist Unfug.
    Ein geeintes Europa geht nur über einen gemeinsamen Markt. Und der geht nur bei gleicher Arbeitsproduktivität (BIP/Kopf) jedes Marktteilnehmers.
    Das ist ja der Grund, daß ein geeintes Europa nicht geht.

  22. Gudea,
    der gemeinsame Markt existiert, weil er sich für alle rentiert.
    Es gibt keine bessere Alternative. Auch wenn ein Arbeiter in Süditalien weniger verdient, dann sind doch seine Ausgaben für Miete und Sozialabgaben niedriger.
    Wenn man das Einkommen in Deutschland real betrachtet, so verdient der Mittelstand im Augenblick netto weniger als noch vor 30 Jahren. Die Kosten und Steuern steigen, die Einkommen hinken hinterher. Man kann sich schon die Altersarmut ausmalen, die uns erwartet.
    Man darf den Statistiken nur bedingt glauben. Jeder Staat hat immer zwei Statistiken zur Hand. Eine negative, wenn es um die Zuschüsse von der EU geht und eine positive, wenn es um die nächste Wahl geht.
    Der Schwindel wird am Beispiel Irland klar. Nach der Statistik war Irland ein armes Land, (Anmerkung des Verfassers: arm an Geld)
    Irland hat sich seine Autobahnen von der EU bezahlen lassen.
    Wenn du aber mal nach Irland aufs Land fährst, wirst du sehen, dass fast jeder Ire ein eigenes Haus besitzt mit viel Grund drum herum, Nach der Statistik sind sie arm, tatsächlich wohnt fast jeder wie ein kleiner landlord.
    Übrigens wollen die Iren die EU nicht verlassen. Wer will deiner Meinung nach die EU verlassen ? (von England mal abgesehen, weil die gerade auf dem egotrip sind. )

  23. @ Stephan,

    8 Juli 2019 [23.25 Uhr] …„Einer derjenigen, die die neuen Medien zur Manipulation versuchen einzusetzen, ist der leider hier aufgeschlagene Dirk Freyling. Vor dem Besuch seiner Webseite kann ich nur warnen.“…

    Danke für diese Werbeaktion. Schade, daß leider nur wenige Leser den Kommentarbereich erkunden.

    Für alle die der Versuchung trotz Warnung nicht widerstehen können, wünsche ich spannende Unterhaltung bei der Expedition ins Ungewisse…gerne nehme ich die „gefundenen“ Gefahren der Leser meiner Ausführungen zur Kenntnis. Daß kann hier eine Kommentarabsonderung sein, wenn es zum Blogthema passt oder auch eine Email an mich. Sonnige Grüsse aus dem »Gefahrenbereich«

  24. @ fliegenklatsche
    keine Ahnung, was Ihre Antwort mit dem zu tun hat, was ich geschrieben habe.
    Ihr erster Satz ist Unsinn.

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