Religion, Kognition, Evolution von Sebastian Schüler

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Ein sehr guter Grund, zum jährlichen Scilogger-Treffen nach Deidesheim zu fahren, heißt Arvid Leyh und sprüht stets vor Ideen für die Wissenschaft(en). Wir haben nicht nur einen ähnlichen Bücher- und insbesondere Science-Fiction-Geschmack, sondern teilen auch die Begeisterung für interdisziplinäre Evolutionsforschung und die Liebe zum Familienleben: Wir sind Evo-Nerds. “Viva la Evolucion!” prangte also in diesem Jahr auf Arvids Shirt, das an sich geeignet wäre, orthodoxe Kommunisten, religiöse Fundamentalisten und Naturwissenschafts-Basher gleichermaßen auf die Palme zu bringen.

Ein Glück für Arvid (und mich), dass es solche Evo-Basher auf dem Scilogger-Treffen nicht gibt und wir uns stattdessen Erfreulichem zuwenden konnten – so der Krönung des neuen Scilogs-Preisträgers Joachim Schulz (Quantenwelt) (*Applaus!*) und dem Austauschen sonstiger, erfreulicher Nachrichten.

So hatte ich Unglaubliches zu berichten: Der deutsche Religionswissenschaftler Sebastian Schüler hatte zum Thema “Religion, Kognition, Evolution” promoviert und war dafür nicht etwa geteert und gefedert – sondern mit dem Dissertationspreis der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) ausgezeichnet worden!

Zu Recht? Und ob!

Sebastian Schüler: Religion, Kognition, Evolution. Eine religionswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Cognitive Science of Religion


Ausgangspunkt für Schülers Arbeit sind die vorwiegend kognitionswissenschaftlichen Theorien zur Religion, die sich erst in den letzten Jahren mit weiteren, evolutionären Perspektiven vernetzt haben. Und erfreulich: Schüler hat hier nicht nur die bereits etablierten Namen wie Pascal Boyer oder Justin Barrett im Blick, sondern auch neuere Innovatoren wie Jesse Bering und Ara Norenzayan und sogar die bislang wenigen, deutschen Jungforscher auf dem Gebiet wie Dirk Johannsen und, ahem, Michael Blume.

Diese Bandbreite an Perspektiven und Arbeiten diskutiert Schüler vor dem Hintergrund klassischer Religionswissenschaftler wie Emile Durkheim – und macht dessen Begrifflichkeit der “kollektiven Efferveszenz” wieder fruchtbar, um bestehende Lücken zwischen den Disziplinen zu überbrücken. Denn völlig zu Recht zeigt Schüler auf, dass die bisherigen Perspektiven zu oft nur die individuelle, kognitive Psychologie, das individuelle Gehirn in den Blick nahmen und dabei die körperliche und gemeinschaftliche “Dynamik ritueller Synchronisation als bio-soziale Koevolution” vernachlässigten. In Normalsprech gewendet: Schüler weist darauf hin, dass bei der Religion nie nur vereinzelt-denkende Hirne, sondern immer auch deren fühlende Körper im Kontext von Traditionen, Ritualen und Gemeinschaften agieren. Die potentielle Stärke der Religionswissenschaft – die Vernetzung unterschiedlicher Disziplinen – bringt er damit zur Geltung und nimmt neuere, integrative Ansätze (wie im aktuellen TED-Talk von Jonathan Haidt) gelingend vorweg. Das Buch ist sicher keine Einsteigerlektüre, aber gerade auch für die deutschsprachige Forschung eine echte Fundgrube an Beobachtungen, Ideen und Begriffen.

Schüler beweist, dass Religionswissenschaftler keine Angst vor Kognitions- und Evolutionsforschung haben müssen, sondern sich selbstbewusst, konstruktiv und korrigierend in das dynamische Forschungsfeld einbringen können. Und so dankt er nicht nur seiner Doktormutter Annette Wilke (Münster) und dem Zweitgutachter Hubert Seiwert (Leipzig), sondern auch seiner Frau Jeannine Kunert, die ebenfalls eine aufstrebende Religionswissenschaftlerin ist und ohne die Schüler nach eigenen Angaben “diese Arbeit wohl nicht geschrieben hätte.” Womit erneut bewiesen wäre: Auch die Evolution der Wissenschaften ist nicht nur ein kognitives Geschehen. Wir sind vielseitige Menschen – und in den besten Momenten gestehen wir uns das auch gegenseitig ein. Evo-Nerds wissen und leben das.

Also: Viva diesem Buch, viva Sebastian Schüler, viva den Familien – und viva la Evolucion!

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) & "Verschwörungsmythen". Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

16 Kommentare

  1. Hä?

    Wieso sollten Religionswissenschaftler auch Angst vor der Evolutionsforschung haben? Sie sind doch nicht mit den Religiösen zu verwechseln. Und selbst die müssen, je nach Lager, nicht unbedingt ein Problem mit der Evolutionstheorie haben.

  2. @Matthias

    Ja, sehe ich fachlich ganz genau so. Und habe mich auch lange gefragt, warum viele deutschsprachige Religionswissenschaftler beim Thema Evolution so emotional dicht machen, als hätte man ein Tabu verletzt. Bei den angelsächsischen Kollegen gibt es diese Evo-Furcht so nicht.

    Die Antwort findet sich m.E. in der Wissenschaftsgeschichte: Nicht wenige Religionswissenschaftler wie Mircea Eliade, Gustav Mensching und der Tübinger Ordinarius Jakob Wilhelm Hauer hatten sich, gerade auch in Abgrenzung von den Kirchen und Theolog(i)en, sozialdarwinistischen, rassistischen und nationalsozialistischen Strömungen angedient, vgl.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Wilhelm_Hauer

    So richtig aufgearbeitet wurde das in unserem Fach aber nie – stattdessen erklärte man den “Evolutionismus” als “Biologismus” und “Reduktionismus” einfach rückwirkend für gescheitert und grenzte sich nachträglich tabuisierend von Biologen & Co. ab. Wir haben verdrängt statt verstanden.

    Erst in der jüngeren Generation wächst langsam wieder der Mut, an den evolutionären Ursprüngen unseres Faches wieder forschend anzuknüpfen. Und irgendwann werden wir auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Sozialdarwinismen noch zu leisten haben, um die sich bislang nur wenige wie Horst Junginger verdient gemacht haben. Es bleibt also noch viel zu tun, und es wird noch einigen Mut brauchen…

  3. Es kommt noch schlimmer…

    @ Michael Blume

    Es kommt noch schlimmer, mir ist spontan kein deutscher bzw. in Deutschland lebender Evolutionsbiologe in der Zeit des Nationalsozialismus bekannt, der sich damals nicht der vorherrschenden sozial-darwinistisch rassistischen Strömung angedient hat.

    Namen und Zitate kann ich Ihnen auf Wunsch nachreichen. So richtig aufgearbeitet wurde das übrigens nie. Man zog sich eine Weile zurück und machte dann mit entnazifizierten Vokabular so weiter wie vorher.

  4. @ Geoman

    Hans Bluntschli, ein gebürtiger Frankfurter, Evolutionsforscher (vergl. Anatom), Chef der Senckenbergischen Anatomie in FFM, ist 1933 mit Grausen in die Schweiz gegangen. Nein, er war kein Jude.

  5. @Geoman & Helmut Wicht

    Nun, ich bin da neulich auch zufällig auf einen Sachverhalt gestossen, der mich ziemlich geschockt hat. Aber mir wäre unwohl dabei, über die Biolog(i)en zu urteilen, solange nicht mal mein eigenes Fach – die Religionswissenschaft – ihre eigenen Verstrickungen wirklich aufgearbeitet hat. Hätte es in Tübingen nicht den tapferen Horst Junginger gegeben – der jetzt in München lehrt – so hätte ich von der ganzen Materie wohl gar nichts erfahren. Dabei sollte es doch m.E. gerade für Religionswissenschaftler wichtig sein zu erkunden, woher und wie sich die breite Faszination für Sozialdarwinismus, Rassismus und Nationalsozialismus bis in Wissenschaftlerkreise hinein gespeist hat. Das Verdrängen von Leuten wie Hauer, das Tabuisieren der Evolutionstheorie als stellvertretend-billiges Ausweichen und dazu dann auch das Umdeuten von Evolutionsforschern wie Müller, Durkheim, Weber & Co. hat unser Fach auf jeden Fall methodisch entwurzelt und beschädigt. Wer heute noch versucht, zu menschlichen Universalien an der Evolutionstheorie “vorbei zu forschen”, wird international zu Recht belächelt. Ich habe immer wieder Schwierigkeiten, Kolleginnen und Kollegen anderer Länder zu erklären, warum das im deutschsprachigen Raum noch so verkrampft ist, sobald das E-Wort fällt – und kann die Verblüffung von @Matthias darüber völlig nachvollziehen. Insofern gibt die hervorragende Arbeit von Schüler und die erfreuliche Rezeption auch durch etablierte Kolleginnen und Kollegen doch Hoffnung, dass sich da langsam etwas bewegt. Und wenn wir mit der Evolutionstheorie umgehen können, wagen wir ja dann vielleicht auch bald den Blick auf die Abgründe unserer Fachgeschichte(n)…

  6. Darwinismus als Rassenbiologie

    Im Folgende seien einige mehr oder weniger bedeutende deutsche Darwinisten angeführt, die ihr Gedankengut den Nationalsozialisten angedient hatten:

    Otto Reche, Anthropologe (1879 – 1966: Ein radikaler Verfechter der NS- Rassenlehre. 1936, erschien sein Buch “Rasse und Heimat der Indogermanen”, Zitat: …, das gewaltige, erhebende und zugleich tragische Heldenlied der nordischen Rasse…

    Hugo Dingler, Wissenschaftstheoretiker (1881 -1954): Unterzeichnete das Bekenntnis der Professoren zu Adolf Hitler

    Wilhelm Gieseler, Mediziner und Anthropologe (1900 -1976): Professor für Rassenbiologie und Rassenkunde

    Christian von Krogh, Anthropologe (1909 1992): Habilitierte über die Rassengeschichte Nordwestdeutschlands

    Gerhard Heberer, Biologe (1901 -1973: Die staatspolitische Wichtigkeit der Abstammungslehre besteht darin, dass sie den Wurzelboden für die Rassenkunde bildet…Er war für seine antisemtischen Äußerungen bekannt. Und baute nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft ab 1947 am Zoologischen Institut in Göttingen eine Anthropologische Forschungsstelle auf…

  7. @Geoman

    Auf die sehr braune Vergangenheit von Prof. Heberer war ich auch gestoßen, nachdem mir sein Vorwort zu Darwins “Die Entstehung der Arten” sehr seltsam vorkam. Nicht etwa in einem antiquarischen Buch, sondern in der Nikol-Neuauflage von 2004!

    Oder denken wir an den Nobelpreisträger und “Vater der Ökologiebewegung” Konrad Lorenz.

    Sowohl Natur-, wie Kultur- und Geisteswissenschaftler sind in grosser Zahl der Faszination des Sozialdarwinismus erlegen. Und statt einer interdisziplinären Aufarbeitung erfolgte meist Verdrängung und Tabuisierung. Gruselig.

  8. Rassenbiologische Antisemit

    Das Nachwort zur Reclamausgabe von Darwins Artenbuch (1998) stammt auch von Gerhard Heberer. Darin besitzt der ehemalige rassenbiologische Antisemit die Frechheit, darwinistische ‘Rassendiskriminierungen’ anzuprangern.

  9. Auch eine Erklärungsspur

    Soll aber doch nicht so aussehen, als hätten Religionswissenschaftler was gegen Evolution überhaupt – so im Sinne entsprechender Kreationisten und anderer antiwissenschaftlicher Äußerungen.
    Was ich bisher bei manchen mitbekommen habe, läuft eher auf freundliches Desinteresse hinaus. Manche scheinen auch u.U. mit dem, was sie an schulischer Allgemeinbildung mitbekommen haben, zufrieden zu sein und halten es nicht für nötig sich weiter zu bilden oder gar entsprechende Gesichtspunkte mit einzubeziehen.
    Ja, das mit der braunen Vergangenheit ist mir (abgesehen das mit Konrad Lorenz) relativ neu. Und ich will natürlich nicht ausschließen, dass es darum bestimmte Tabu-Bereiche gibt, die nicht aufgearbeitet sind. Aber es gibt doch sicher auch folgende Gesichtspunkte, die nicht direkt damit zusammenhängen, aber bei konservativeren Religionswissenschaftlern greifen:
    Für die Inhalte der jeweiligen Religionen, religiösen Bilder und Geschichten scheinen ihnen evolutionäre Gesichtspunkte so wenig zu bringen wie solche evolutionären Gesichtspunkte etwa zur Interpretation musikalischer oder anderer künstlerischer Inhalte zu bringen scheinen. (Sie könnten etwas bringen – etwa in der Frage nach Ursymbolen wie Auge, Feuer….-, aber das muss hier ja wohl nicht ausgebreitet werden. ) ..
    Da dürften wohl auch Vorbehalte mitspielen gegenüber einer gewissen Interpretationsweise, in der Erklärungen, die herleitend aufzeigen, wie es zu einem Verhalten kommt – etwa bei Riten – manchmal damit schon beanspruchen, eine erschöpfende Erklärung zu sein. Erklären heißt manchmal Weg-Erklären: „Ist ja nur…“. Solche Vorbehalte sind nicht ganz unbegründet: Manche draufgängerischen Schnellerklärungen, besonders aus dem Lager der Biologen, geben schon öfters mal Anlass dazu. Im Zuge der neueren antireligiösen Polemik versteigen sich ja gerade Biologen gelegentlich zu religionswissenschaftlich relevanten Behauptungen, die aber mit Religionswissenschaftlern vom Fach überhaupt nicht abgeklärt sind.
    Ein gewisses Verständnis für diese konservativen Vorbehalte möchte ich also aufbringen,. Gibt ja auch in jedem Fach eigene Bereiche, die man zu Recht vor fachfremden Deutungen bewahrt. Aber die richtige Strategie wäre wohl, auch Gesichtspunkte aus der fächerübergreifenden Diskussion wenigstens mal aufmerksamer zur Kenntnis zu nehmen.

  10. @Hermann

    Noch den frühen Religionswissenschaftlern war das Forschen im Rahmen der Evolutionstheorie völlig selbstverständlich – Durkheim ist z.B. ohne diesen Hintergrund gar nicht richtig zu verstehen. Und heutige Religionswissenschaftler wären dazu m.E. ebenso in der Lage – und sind es in den jüngeren Generationen ja auch langsam wieder.

    Mir scheint in der Tat, dass sich weite Teile der deutschsprachigen Religionswissenschaft nicht zuletzt aus historischen Gründen in die Defensive verdrückt haben. Du hast Recht, dass es diese Argumentationsfigur gibt: Aber es ist meines Erachtens ein alberner Vorwurf an Biologen, diese würden Religion(en) nicht ausreichend differenziert verstehen. Natürlich tun sie das nicht – dafür sollten wir ja da sein. Nicht mitforschen und dann mäkeln, dass die Anderen nicht gut genug seien halte ich für keine zukunftsfähige Strategie. Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir solange warten würden, bis die Biologen Religion(en) alleine verstanden haben. 😉

    Ernsthaft: Am Buch von Sebastian Schüler gefällt mir, dass er aufzeigt, dass wir Religionswissenschaftler selbstbewusst, kritisch-konstruktiv und auf Augenhöhe in der Evolutionsforschung mitwirken können, wenn wir aus der Schmollecke kommen.

  11. ‘Mein Kampf’ auf dem Altar

    @ Hermann Aichele schrieb:

    “Ja, das mit der braunen Vergangenheit ist mir (abgesehen das mit Konrad Lorenz) relativ neu. “

    In streng katholischen Kreisen hieß es spöttisch, protestantische Pastöre hätten in der Zeit des Nationalsozialismus statt der Bibel Hitlers “Mein Kampf” auf dem Altar liegen gehabt.

  12. Nicht zu leicht fertig

    Och,@Geoman: Mögen andere vor ihrer Türe kehren, wir kehren vor unserer. Das ist – in Beziehung auf die von Ihnen genannten braunen Zusammenhänge – mir bereits in den ersten Tagen des Theologiestudiums gesagt worden. Und seither begleitet es mich, also fast ein halbes Jahrhundert. Dachten Sie wirklich, Sie müssten mich als protestantischen Theologen daran erinnern? Bei dem „mir relativ neu“ hätte ich das in Bezug aufs eigene Fach extra ausnehmen müssen. Also: Wir sind schon lange dran; und es ist gut zu sehen, dass andere auch dran arbeiten; und damit nicht zu leicht fertig sind – nicht zu leichtfertig.

  13. Belehrung war nicht meine Absicht

    @ Hermann Aichele

    Hätte ich gewusst, dass Sie protestantischer Theologe sind, hätte ich den Kommentar womöglich anders formuliert oder vielleicht sogar ganz auf die Anekdote verzichtet, denn es lag und liegt nicht in meiner Absicht, Sie als Protestanten herabzuwürdigen oder aufzuklären. Da gibt es in der Tat auch vor den Türen der Katholiken einiges zu kehren.

  14. @Geoman & alle

    Lieber Geoman, erlauben Sie mir, den fairen Kommentar an H. Aichele anzuerkennen. Ich hatte kurz befürchtet, die Debatte kippt ins Ungute, was ja online immer wieder schnell geschieht (und ich nehme mich da nicht aus).

    Gerade lese ich ein neues Buch über die Sarrazin-Mythen und habe vor, Horst Jungingers “Die Verwissenschaftlichung der ‘Judenfrage’ im Nationalsozialismus’ zu rezensieren. Das Thema wird also auf NdG auf wissenschaftlichem Niveau präsent bleiben.

  15. Friedenspfeife – @Geoman /@Blume

    Auf den Frieden pfeifen wollen wir ja nicht. War ja, Michael, noch gar kein richtig vergiftet eskalierender Streit. Wollte ich jedenfalls so nicht gesehen haben. Nur (halt erst nachträglich) klarstellen, wo ich Aufklärungsbedarf zugebe („war mir relativ neu“) und was ich dabei hätte ausklammern können. Ja, und wo ich eigentlich das ganze Berufsleben über dran bin.
    Was aus Wissenschaft schon alles gemacht wurde („Die Verwissenschaftlichung der Judenfrage“) – sicher an diesem fatalen Beispiel eine spannende Frage. Und bis heute immer wieder neu spannend: wer da aus welchen Gründen wen zu Aussagen manipuliert, nötigt… Vielleicht lernt man aus solchen Beispielen; und vielleicht am besten, wenn man die einen selber (aktuell) betreffenden Gefahren nicht vertuscht. Also, ist doch gut zu wissen, dass andere vor ihrer Tür kehren, dann kann man auch vor der eigenen Tür kehren.

  16. @Herrmann

    Ja, darum geht es mir: Dass wir die Vergangenheit interdisziplinär bearbeiten, um uns in der Gegenwart besser zu verstehen und für die Zukunft zu lernen. Das wird aber wohl nur gehen, wenn wir je auch die Verstrickungen der eigenen Disziplinen sehen und benennen. Die Verfehlungen anderer (engl. sehr schön: The Blame Game) sind stets leichter zu entdecken…

    Nein, Euer Disput kam mir auch noch gar nicht vergiftet vor – ich fand es aber nobel von @Geoman, dass er es auch gar nicht hat in die Richtung laufen lassen.

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