Neues Wissenschaftsbuch: The Nature of God – Evolution and Religion

BLOG: Natur des Glaubens

Evolutionsgeschichte der Religion(en)
Natur des Glaubens

Die interdisziplinäre Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen entfaltet sich weiter – und zunehmend (endlich!) werden auch deutsche und europäische Beiträge sichtbar. So gelang es dem Herausgeber (und Scilogger!) Ulrich Frey, für den neuen Band "The Nature of God – Evolution and Religion" sowohl international etablierte Forscher wie Gerhard Vollmer und Richard Sosis für Kapitel zu gewinnen, wie auch eine Anzahl jüngerer, deutscher und internationaler Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen.

Die Autoren vertreten unterschiedlichste Fächer, Perspektiven und Hypothesen. Und doch ist ihnen allen bereits gemeinsam, dass sie sich nicht mehr mit Spekulationen begnügen, sondern auf empirische Arbeiten der letzten Jahre beziehen und darauf aufbauen. Ihre Artikel sind damit zugleich Einladungen zum Weiterdenken und -forschen. "The Nature of God – Evolution and Religion" ist bei Tectum erschienen und kostet 24,90 €.

Inhaltsverzeichnis

Table of Contents 

1. Introduction –
Connections between evolution and religion
Gerhard Vollmer

2. From evolution to religion? About scientific
and non-scientific explanations of religious phenomena
Thomas Sukopp

3. Religious Concepts as Necessary Components
of the Adaptive Religious System
Benjamin Grant Purzycki/Richard Sosis

4. Religiousness in the era of genes
Caspar Söling

5. Can Religious Belief Be Explained Away? –
Reasons and Causes of Religious Belief
Justin L. Barrett/David Leech/Aku Visala

6. The Role of Religious Concepts
in the Evolution of Human Cognition
Rebekah A. Richert/Erin I. Smith

7. Harnessing the Placebo Effect:
Religion as a Cultural Adaptation
Matt J. Rossano 

8. Naturalistic Impositions
Hannes Rusch

9. Von Hayek and the Amish Fertility
How religious communities manage
to be fruitful and multiply – A Case study
Michael Blume
 

Information on the authors

Gesamtvolumen: 180 S., mit Grafiken

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft & promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger & christlich-islamischer Familienvater, Buchautor, u.a. "Islam in der Krise" (2017), "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019) u.v.m. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, Beauftragter der Landesregierung BW gg. Antisemitismus. Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren als „teilnehmender Beobachter“, um Digitalisierung zu erforschen, Religionswissenschaft leichter zugänglich und niedrigschwelliger diskutierbar zu machen.

8 Kommentare

  1. P.M. Magazin-Artikel

    Info: Im neuen P.M. Magazin 5/10 befindet sich ein allgemeiner Artikel, über Versuche, Religiosität bestimmten Gehirnfunktionen zuzuordnen: Wohnt Gott in unserem Gehirn?
    Sie Herr Blume werden 2x zitiert.

  2. Mathe 6

    Verzählt hab ich mich auch noch. Es sind 3 Zitate im P.M. Magazin. Da man bei der Suche nach Religiosität und nach Gott – im Gehirn, deutlich unterscheiden muss, finde ich Ihr letztes Zitat im P.M. Magazin 5/10 (S. 35) besonders gut: “Neurologen auf der Suche nach Gott sind wie Leute, die den Fernseher aufschrauben auf der Suche nach dem Nachrichtensprecher.” 🙂

  3. P.M.Magazin – Link: ZEIT Wissen

    Auf der P.M. Magazin Seite ist neben Ihrer Homepage auch ein ZEIT WISSEN Artikel verlinkt – in dem beschrieben wird, wie Pehr Granqvist den ´Gotteshelm´ überprüft hat. Dabei saßen die Versuchspersonen mit schwarzer Brille in einem schallisolierten Raum.

    Wenn ein Mensch zu wenig Außen-/Sinnesreize aufnimmt, dann beschäftigt sich das Gehirn mit seinen eigenen Gedächtnisinhalten. Ein schönes Beispiel dafür ist das Charles Bonnet Syndrom. Aber auch die Kristallkugel-Wahrsagerei funktioniert auf die gleiche Weise: Der Wahrsager sitzt in einem abgedunkelten Raum vor einer Kristallkugel auf dunklem Samt (=> Reizarmut) und es brennt eine Kerze. Das flackernde Kerzenlicht erzeugt auf der Glaskugel flackernde Muster, welche vom Gehirn in einem assoziativem Rückkopplungsprozess mit Gedächtnisinhalten verglichen und dabei verstärkt werden – bis der Wahrsager meint, etwas zu ´sehen´. In Wirklichkeit erinnert er sich bloß an irgend etwas.

  4. Habe folgendes auf Web.de gefunden:

    Schimpansen gehen mit dem Tod älterer Artgenossen ähnlich um wie Menschen: Sie kümmern sich in den letzten Stunden intensiv um den Kranken. Nach dem Tod halten sie Wache und spenden sich gegenseitig Trost. Womöglich wissen die Tiere sogar, was der Tod bedeutet.

    Cambridge – Der Tod eines Freundes oder Verwandten ist schmerzhaft. Rituale wie eine Trauerfeier helfen, den Abschied zu erleichtern. Offenbar gilt dies aber nicht nur für den Menschen, sondern auch für seine nächsten Verwandten – die Menschenaffen. Britische Forscher haben dies erstmals in einem Safari-Park beobachtet, in dem ein älteres Weibchen aus einer Gruppe von vier Schimpansen im Alter von über 50 Jahren friedlich starb.

    Die Tiere hätten sich ganz ähnlich verhalten wie Menschen, berichten James Anderson von der Universität in Stirling sowie Dora Biro von der Universität Oxford im Fachmagazin “Current Biology” (Bd. 20, S. R349 und R351). Sie hätten sich um eine erkrankte Artgenossin intensiv gekümmert, am Totenbett Wache gehalten und noch Tage bis Wochen nach ihrem Tod intensiv getrauert.
    Die Schimpansendame Pansy war vor ihrem Tod bereits längere Zeit krank und schwach gewesen. Mit Hilfe von Videokameras im Gehege konnten Anderson und seine Kollegen die Vorgänge rund um ihren Todeszeitpunkt äußerst genau rekonstruieren. So berührten Pansys Mitbewohner – ihre Tochter Rosie sowie die Schimpansendame Blossom und deren Sohn Chippy – sie in den letzten zehn Minuten ihres Lebens ungewöhnlich häufig.

    Sobald sie jedoch kein Lebenszeichen mehr von sich gab, hörten sie sofort damit auf. Rosie blieb in der folgenden Nacht in direkter Nähe des Leichnams, während Blossom und Chippy unruhig schliefen und sich überdurchschnittlich häufig gegenseitig lausten. Am nächsten Morgen entfernten die drei Schimpansen Strohreste von Pansys Leichnam, bevor dieser von den Pflegern aus dem Gehege gebracht wurde.
    Auch in den folgenden Wochen wirkten die drei Überlebenden niedergeschlagen: Sie fraßen weniger und waren ungewöhnlich ruhig. Zudem vermieden sie es, auf der Plattform zu schlafen, auf der Pansy gestorben war – obwohl dies zuvor einer der begehrtesten Schlafplätze gewesen war.

    Man könne daraus durchaus folgern, dass Schimpansen entgegen früherer Annahmen wissen, was Tod bedeutet, schließen Anderson und seine Kollegen. Zudem scheinen einige Verhaltensweisen im Angesicht des Todes evolutionär älter zu sein als vermutet. Die Forscher empfehlen daher, den Umgang mit sterbenskranken oder alten Menschenaffen zu überdenken.

    Völlig anders gehen Schimpansen offenbar mit dem Tod um, wenn er unvorhergesehen eintritt. Das zeigt sich vor allem am Beispiel von zwei Schimpansenmüttern aus Guinea, deren Kinder einer Atemwegserkrankung zum Opfer fielen: In beiden Fällen trugen die Mütter die Leichen noch 19 beziehungsweise 68 Tage mit sich herum und betrieben trotz fortschreitender Verwesung auch weiterhin Fellpflege.
    Erst nach der vollständigen Verwesung der Leichname verringerte sich die Intensität des Interesses, bis die Weibchen die toten Körper schließlich verließen – möglicherweise, weil ihr Körper zu der Zeit eine hormonelle Umstellung durchmachte und sich auf neuen Nachwuchs vorbereitete. Im Gegensatz zu Pansys Fall bleibe hier allerdings die Frage offen, ob die Mütter den Tod ihrer Kinder tatsächlich realisiert hatten, so die Forscher. Um das zu beantworten, seien weitere Daten nötig.

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