Avatar – Kinofortschritt gegen den Fortschrittszynismus

Natur des Glaubens

Als mich ein Freund der damaligen Rollenspiel-Clique für den 3D-Kinofilm "Avatar – Aufbruch nach Pandora" gewinnen wollte, war ich zunächst skeptisch. Wie Sie sehen, schätze ich (Computer-)Technik durchaus, doch bin ich ein Fan der Fantasie und fand es unlogisch, mir eine Welt anzuschauen, deren "Natur" zwar von Menschen erdacht, aber am Computer gestaltet wurde. Doch nach einigem persönlichen Dank, lieber Timo, nun auch einen per Blog!

Denn die Stunden mit 3D-Brille wurden weit mehr als ein unterhaltsamer Popcornabend! Der Film nutzt die modernsten Möglichkeiten von Technik und Wirtschaft nicht nur, um eine fantastische Welt zu erschaffen (die die Schönheiten der eigenen, echten Welt wieder ins Gedächtnis ruft) – er stellt dabei allzu säkular-rationalistische Fortschrittserzählungen auch in Frage. Er bestreitet die Widersprüche unserer vorherrschenden Homo oeconomicus-Kultur nicht, sondern treibt sie auf die Spitze. Wenn Sie so wollen, fragt er mit den Mitteln der Moderne an, ob es auch andere Wege des Lebens und Fortschritts geben kann, als die, auf die wir uns hin treiben lassen.

Das beginnt schon im Titel selbst: Avatare sind in den hinduistischen Traditionen Verkörperungen des Göttlichen in einem Menschen oder Tier – und im modernen Internet zugleich virtuelle Schein-Körper. In einem SPIEGEL-Interview warnte James Cameron denn auch davor, dass wir den im Film (auch) geschilderten Verfall des echten Körpers zugunsten virtueller Realitäten derzeit massenhaft ausprobieren.

Auch der Name der Welt Pandora bezieht sich auf Religion: Pandora bezeichnete wohl ursprünglich eine Muttergottheit (altgr. bedeutet Pandora die "Allgebende"), bevor sie in der spätgriechischen Mythologie die erste Menschenfrau der Erde und zugleich Überbringerin der Schönheit wie auch aller Übel (der "Büchse der Pandora") und zuletzt auch der Hoffnung wurde. Ein klug gewählter Name für das Rätsel Leben selbst… 

Das auf Pandora lebende Volk nennt sich Navi – hebräisch übrigens die Einzahl von Nevi’im, den Propheten (vgl. arab. nabi). Freilich vertreten sie keine Buchreligion, sondern einen schamanistischen Pan- und Monotheismus (einer Muttergottheit), der durch Ahnenverehrung ergänzt wird. Parallelen zum Schicksal der amerikanischen Ureinwohner, aber auch Anspielungen auf die neueren Nahost-Rohstoffkriege sind reichlich platziert.

Im Kern erzählt der Film eine Version der Gaia-Hypothese, wonach belebte Planeten ein Netzwerk natürlicher Wechselwirkungen evolvieren, das ggf. sogar so etwas wie Bewusstsein entwickeln könne. Die Erde der Menschen wird als "sterbender Planet" erwähnt, da die Menschen "ihre Mutter getötet haben". Nun wollen die meisten auch auf Pandora "mit Zuckerbrot und Peitsche" rationalistische Gewinnmaximierung und die Zerstörung gewachsener Lebensräume, Kulturen und Religionen fortsetzen, wogegen sich die (durchaus neugierigen und lernbereiten) Navi gemeinsam mit einigen (ebenso neugierigen und lernbereiten) Menschen wehren.

Mein persönlicher Charakterfavorit dabei ist übrigens die Nebenrolle der Wissenschaftlerin Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver), die zunächst als besonders kalt und arrogant erscheint, aber in Wirklichkeit von einem tiefen Respekt für das erfüllt ist, was sie erforscht. (Der Name bedeutet übrigens Grace = Gnade, Augustine = Augustinus. Wer die Botschaft jetzt auch noch nicht hat, dem kann kein Cameron mehr helfen…) Dass die Forscherin auch an der Heiligen Stätte der Navi gerne Proben entnehmen würde, ohne dabei den Anspruch zu erheben, die Überzeugungen der Navi entzaubern zu können – bravo! 🙂

Naja, Illusionen sollte man sich wohl keine machen: Auch dieser Kinofilm wird in unserer zynisch-materialistisch-hedonistischen und daher demografisch und ökologisch längst verfallenden Gesellschaft kein Umdenken einleiten. Aber wenn der eine oder die andere aus einem unterhaltsamen Spektakel auch ein paar Gedanken für sich mitnimmt, ob und wie eine lebenswerte Zukunft aussehen könnte, kann das nur gut tun.

Allen Leserinnen und Lesern, Fantasy-, Science Fiction-, Kino- und Wissenschaftsfans auf diesem Wege die besten Wünsche für freudvolle und, ja, gesegnete Weihnachten!

Michael Blume

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und promovierte über Religion in der Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Zuletzt erschienen "Islam in der Krise" (2017) und "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" (2019). Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt... Auf "Natur des Glaubens" bloggt er seit vielen Jahren wöchentlich, um Religionswissenschaft zugänglich und diskutierbar zu machen.

10 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Ein Grund mehr für mich in den Film zu gehen. Wobei mich in erster Linie die 3D Technik interessiert. Aber vielleicht regt der Film ja wirklich zu Gedanken an.

  2. Film der Spitzenklasse

    Ich stimme deinem Lob voll und ganz bei! Der Film ist absolute Spitze. Als SF-Fan seit mehr als einem halben Jahrhundert freut es mich doppelt, dass so etwas wie “Avatar” heute in die Kinos kommt und noch dazu ein großer Erfolg zu werden verspricht.
    Es spricht sehr für die inzwischen erreichte “Reife” des Regisseurs Cameron, dass er die großartigen 3D-Effekte völlig unspektakulär einsetzt – und eigentlich nur an zwei, drei Stellen, wo es noch dazu passt, den 3D-Effekt dem Zuschauer wirklich nahezu ins eigene Gehirn “drückt”.
    Hochinteressant finde ich, dass SF hier eine seiner wichtigsten Wurzeln völlig unverhüllt bloßlegt: Sehnsucht nach Religion.
    Genau genommen ist dies natürlich keine “Science” Fiction, sondern pure Fantasy. Genauer: Man kann genau sehen, wo das eine bei Cameron in das andere übergeht: Als er das Computerspiel-Scenario loslässt und fliegende Berge und Drachen samt Reitern einführt.
    Das gilt übrigens ähnlich auch für Frank Schätzings “Schwarm”. Die Gaia-Hypothese ist ja nichts anderes, als ein moderner, naturwissenschaftlich begründeter Versuch, den Kern jeder Religion wieder ins Bewusstsein zu heben: Die Sehnsucht nach und Achtung vor etwas, das größer ist als der Mensch.
    Sicher würde Sigmund Freud hier, mit Recht, einwenden, dass dies uralte Kindheitssehnsüchte sind. Aber sie gelten eben auch für den Erwachsenen. Und das “Universum” ist nun mal um einiges größer, als (gröenwahnsinnige) Menschen jemals sein werden.

  3. Final Fantasy

    “Final Fantasy: The Spirits Within” aus dem Jahre 2001 war der erste vollständig computeranimierte Kinofilm mit einer realistischen Darstellung von Menschen.

    Auch in “Final Fantasy” wurde so etwas ähnliches wie die Gaia-Mythologie zitiert.

    ***

    “Avatar – Aufbruch nach Pandora” erinnert an das Schicksal der Ureinwohner Nord- Mittel- und Südamerikas.

    Dabei sollte man bedenken, dass das Schicksal der Ureinwohner Südamerikas derzeit noch von uns beeinflusst werden kann.

    ***

    “Avatar: Das Spiel” habe ich auf der Xbox 360 einmal durchgepielt.

    Es hat natürlich eine sehr schöne Grafik.

    Ich gebe aber gerne zu, dass ich ein Fan von “HALO-1+2+3+ODST” bin.

    Aliens als böse Agressoren kann man natürlich viel leichter ohne Gewissensbisse abknallen.

  4. Rollenspiel

    Du hast früher Rollenspiele gespielt? Man lernt doch immer wieder interessante Seiten an den Menschen kennen.

    Was ich von Avatar gehört habe (inklusive Vorschau), hat mich eher abgeschreckt. Es wirkt auf mich allzu sehr als “Welt, wie wir sie gerne hätten” aus der Dose.

    Tipp zum Gegengucken: “Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein”, eine Verfilmung des gleichnamigen Buches der Brüder Strugackij. Dieser Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1989 wurde in der damaligen Sowjetunion gedreht. Die Menschen der Zukunft beobachten die menschlichen Einwohner eines anderen Planeten, welche jedoch noch im Mittelalter leben. Jegliche Einmischung ist verboten (vgl. die oberste Direktive bei Star Trek, auch wenn das neuer ist!). Statt der Technik stehen wesentliche ethische und moralische Fragen im Vordergrund. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Dialog über Gott. Der Film ist auf DVD erschienen und meines Wissens auch nicht sehr teuer (10 Euro).

  5. Antworten

    Nach einem wundervollen Weihnachtsabend mit der (wachsenden) Familie möchte ich natürlich gerne auch auf die Kommentare eingehen.

    @ Martin

    Ja, Du wirst ihn sicher genießen! Kannst uns ja dann schreiben, wie er Dir gefallen hat!

    @ Jürgen

    Wow, ja. Da sind wir einfach einer Meinung! Mich hatte auch positiv überrascht, dass Cameron die Technik in den Dienst einer Geschichte gestellt hatte, nicht umgekehrt. Ich denke, damit hat er Maßstäbe gesetzt.

    @ Karl Bednarik

    Ja, der Film schwelgt weder im Gestern noch Morgen, sondern verweist den Zuschauer auf das Heute zurück. Sowohl biologische wie kulturelle Vielfalt werden hier als schützenswert erlebt. Ich bin zwar grunsätzlich etwas skeptisch, ob sich Menschen durch Kinobotschaften erreichen lassen – aber schaden kann es nicht. Und auch der Hinweis mit den “bösen” Aliens, die man einfach abknallen könne, trifft ins Schwarze – genau diese “Strategie” vertreten diejenigen, die an die Rohstoffe heran kommen wollen: Dämonisiere den Anderen, dann lässt es sich ohne Gewissensbisse morden. Funktioniert auch heute noch, diese “Strategie”, auch im angeblich “aufgeklärten” Europa…

    @ Kunar

    Ja, ich war über Jahre hinweg Spielleiter für DSA, AD&D und Shadowrun. Es war ein geniales Hobby, dem ich wunderbare Stunden, Freundschaften und auch Fertigkeiten verdanke. Ich frage mich nur, ob sich meine Kinder noch für Pen & Paper werden begeistern können, da sie heute doch schon alles “Fantastische” prachtvoll computerserviert bekommen. Aber versuchen werde ich es! 🙂

    Und, nein, ein Utopia entwirft Avatar eigentlich nicht. Zwar wechselt man die Perspektive, bleibt aber doch Gast. Letztlich führt der Film uns unseren inneren Zwiespalt vor Augen: Einerseits in einer technologisch-rationalistischen Massenkultur lebend, andererseits in mythenreichen Wildbeuter-Kleingruppen evolviert. Im Film werden die Optionen durchgespielt: Rückkehr in die Wildnis, respektvoller Gaststatus oder Rückkehr in die “Zivilisation”. Dem Zuschauer bleibt es frei, zu grübeln, was ihm oder ihr läge.

  6. @ Avatar

    Fein.

    Nachdem auch das Feuilleton der FAZ, dessen Geschmack sich mit dem meinen deckt (oder sollte ich sagen: aus dem ich meinen Geschmack beziehe?), nachdem also auch dies Feuilleton des Lobes voll war, bin ich auch ins Kino gegangen.

    Au weia.

    Auf der (für mich) positiven Seite: ich beziehe meinen Geschmack offenbar _doch_ nicht aus der FAZ.

    Was den Film angeht – also bitte, das ist ja wohl der platteste, peinlichste Plot seit langem. Karl May plus Rousseau, lauter edle Wilde – da ist ja der “Lederstrumpf” im Vergleich richtig differenziert. Denn da gibt’s ja wenigstens ein paar böse Huronen. Hier aber nur brave Blaue, deren penetrantes Gutwesentum nur schwer zu ertragen ist. Ich halt’ das für den schieren (moralischen) Eskapismus, Flucht zu Gaia.

    Und was ist denn diese “Gaia”, die da beschworen wird? An den Ästen der leuchtenden Trauerweide hängend, hören die Blauen das Raunen der Ahnen. Aha. Man könnt’ auch ein altes Buch zur Hand nehmen und darin lesen, was die Altvorderen so dachten und meinten, aber das ist ja irgendwie spiessig. Direkte Teilhabe am grösseren Bewusstsein ist gefragt. Doch genau was die filmische/drehbuchmässige Umsetzung solcher Grenz-/Anders-Zustände des Bewussten angeht, bleibt der Film so gut wie alles schuldig. Dabei geht es doch: man denke an Filme von Tarkowski.

    Aber hier ging’s offenbar nur um die visuellen Knalleffekte. Ja, zugegeben: schicke Animationen, letztendlich aber ein Deja Vu: das “Schloss in den Pyrenäen” von Magritte, ein Dschungel wie von Henri Rousseau (der Maler diesmal), und ein paar Monsterchen, die mehr oder weniger direkt den mesozoischen und tertiären Abteilungen des Naturkundemuseums entsprungen zu sein scheinen. Gigers Aliens waren gänsehäutiger.
    Bah.

    Als nächstes guck’ ich mir den neuen Film von Emmerich an. “2012”. Den Weltuntergang. Ich erwarte “maximum bang for the buck”, keine Heilslehre, kein Gutmenschentum, keine message, sondern “good clean fun”, ohne irgendwelchen Sinnkleister. BummBängBoing. Sinnlos.

    Wie das Sein. Und von daher vielleicht sogar ehrlicher.

  7. @ Helmut

    Vielen Dank für Deine Eindrücke! Es wird Dich vielleicht überraschen, aber ich kann es nachvollziehen.

    Schau, Du schreibst selbst: Ich erwarte “maximum bang for the buck”, keine Heilslehre, kein Gutmenschentum, keine message, sondern “good clean fun”, ohne irgendwelchen Sinnkleister. BummBängBoing. Sinnlos.

    Und das ist genau das, was meiner Generation seit Jahrzehnten geboten wird – und wovon immer mehr von uns den Rand voll haben. Eine entzauberte, zer-analysierte, letztlich nur noch zynisch verzweckte Welt ohne innere Zusammenhänge (“Sinnkleister”, wundervoll!), in der die einen von Fressen zu Fressen hüpfen, während die anderen hungern. Das Versprechen, dass uns das glücklich machen sollte, hat sich nicht erfüllt.

    Wie das Sein. Und von daher vielleicht sogar ehrlicher.

    Vielleicht. Vielleicht aber auch nur arm. Vielleicht brauchen wir die Sehnsucht nach mehr – und vielleicht ist es ja doch nicht umsonst.

    Ja, Du hast Recht: die Archetypen in “Avatar” sind gut erkennbar und reichen nicht nur bis Rousseau, sondern letztlich bis zu Mythen über vorzeitliche Paradiese und der Vertreibung daraus. Die Kernerzählungen, Bilder, Hoffnungen sind nicht “neu”, müssen es auch nicht sein, sie spiegeln unsere menschlichen Erfahrungen seit langem, vielleicht schon sehr langem.

    Jede Generation wird neue Wege finden, sich die alten Fragen zu stellen und die alten Erzählungen anzulauschen. Zum Beispiel im Kino.

    Beste Grüße!

  8. Mehr als eine Fabel

    Die Wissenslogs haben einen neuen, hoch interessanten Blogger: Den Geowissenschaftler Daniel Lingenhöhl. Diesem ist der Schutz der letzten Regenwälder und dort lebenden Kulturen ein besonderes Anliegen – und sein erster Blogbeitrag heißt denn auch “Avatar in Paraguay”:
    http://www.wissenslogs.de/…08/avatar-in-paraguay

    Beklemmend und unbedingt lesenswert!

  9. Pandoras Büchse ist HIER

    Lieber Michael Blume:
    “Angetörnt” (im guten Sinne) durch Daniel Lingenhöhls ersten Beitrag, habe ich eben deinen Text zum Avatar-Film gelesen. Vielen Dank!
    Als SF-Fan seit den 50-er Jahren möchte ich gerne noch ein paar Infos beisteuern, woher James Cameron seine Anregungen bezogen hat. Es herrscht zur Zeit ja ein heftiger Streit unter den SF-Fans, wo Cameron überall “geklaut” hat. Das ist natürlich Unsinn, denn er nimmt einfach Ideen aus vielen Quellen auf (zum Teil vielleicht sogar “kryptemnestisch”, also ohne es bewusst zu wissen). Eine dieser Quellen ist sicher der Roman “Deathworld” von Harry Harrison, in dem eine derart brutale und menschenfeindliche Welt beschrieben wird, wie Pandora sie ja in der Tat für jeden ist, der sich nicht in dieses Ökosystem sinnvoll und sehr wachsam einfügt – keine Chancen also für “umweltblinde” Erdenmenschen!
    Es gab jedoch schon 1956 in dem SF-Magazing “ASTOUNDING” eine Novelle von Christopher Anvil mit dem Titel “Pandora´s Planet”.
    Dort ist interessanterweise die Erde, also unser Heimatplanet, “Pandoras Büchse”, welche leichtsinnigerweise außerirdische Aliens aufmachen, als sie eine Invasion starten.
    Nimmt man beides zusammen – Anvils Novelle und Camerons Film, kommt man zu der Überlegungen, dass dieser Konflikt zwischen (immer technischer werdender) Moderne und der Sehnsucht nach einer “heilen” (wenn auch nicht unbedingt menschenfreundlichen) Welt wohl der zentrale Konflikt überhaupt für Menschen sein dürfte – oder für intelligente Wesen überhaupt, egal wo im Universum?
    Was mich in diesem Zusammenhang erstaunt, ist die Tatsache, dass wir Menschen all dies bisher eigentlich doch – als Ganzes – recht unbeschadet überlebt haben. So völlig evolutionsfeindlich sind wir also doch nicht. Allerdings nur, wenn man sehr weit von der Bühne des Geschehens zurücktritt und Einzelschicksale – oder Schicksale ganzer Völker – einmal kühl minimiert oder ganz ausblendet.

  10. @Jürgen vom Scheidt

    Lieber Jürgen,

    auf diesem Wege erst einmal auch von mir alles, alles Gute zum Geburtstag!

    Und danke für den hervorragenden Kommentar. Bei diesem Absatz war ich sogar (positiv) baff:

    Nimmt man beides zusammen – Anvils Novelle und Camerons Film, kommt man zu der Überlegungen, dass dieser Konflikt zwischen (immer technischer werdender) Moderne und der Sehnsucht nach einer “heilen” (wenn auch nicht unbedingt menschenfreundlichen) Welt wohl der zentrale Konflikt überhaupt für Menschen sein dürfte – oder für intelligente Wesen überhaupt, egal wo im Universum?

    Denn: Der meinerseits außerordentlich geschätzte Friedrich August von Hayek nahm genau dieses an: Der Mensch stehe in einem Spannungsverhältnis zwischen dem naturnahen Leben in Kleingruppen, in dem er samt seiner Emotionen evolvierte – und dem Leben in modernen “erweiterten Ordnungen”, die Wohlstand und Sicherheit mit Entfremdungserfahrungen verbinden. Der von Dir geschilderte, innere Zwist wäre dann tatsächlich ein wesentlicher Aspekt heutigen, menschlichen (Er-)Lebens. Ich hoffe, dazu bald einmal mehr schreiben zu können!

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