Wie lange wissen wir um den drohenden Klimawandel?

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

Der Klimawandel ist mittlerweile in aller Munde. Das ist auch gut so, denn so langsam wird die Sache brenzlig. Genaueres und Aktuelle Daten und Fakten dazu findet sich bei meinem Blognachbar Stefan Rahmsdorf in der Klimalounge.

Wie lange wissen wir eigentlich um den drohenden Klimawandel? Wenn man die aufgeregten Debatten um wirksame Maßnahmen zu Klimaschutz in jüngster Zeit verfolgt, so kann einen der Verdacht beschleichen, hier würden ganz brandaktuelle Erkenntnisse behandelt.

Wir hätten handeln können

Das ist aber ein Irrtum. Alleine wenn man nur die Folge der internationalen Klimakonferenzen und der entsprechenden Abkommen verfolgt, kommen schon einige Jahre zusammen. Spontan kann man auf den Umweltgipfel von Rio de Janeiro von 1992 verweisen, bei dem eine globale Klimarahmenkonvention verabschiedet wurde, die Agenda 21: Hier ging es aber nicht alleine um das Klima.

Aber spätestens 1997 mit dem Weltklimagipfel in Kyoto hätte die Sache langsam Fahrt aufnehmen können. Ist ja auch nicht gestern gewesen, oder?

Wir hätten Wissen können

Aber auch die Klimakonferenzen sind ja nicht der Anfang, sondern eigentlich ein Höhepunkt des Bewusstseins über die Folgen unseres Tuns. Oder hätten es sein können. Denn die Debatte und unser Handeln hätte schon viel früher beginnen können. Kyoto ist schon mehr als 20 Jahre her, aber das Wissen ist noch älter.

Ich kann mich noch recht gut erinnern, dass mir persönlich die Theorie des Klimawandels 1983 begegnete, als Carl Sagan das Thema in der Serie “Unser Kosmos” behandelte. Da war ich, interessanter Weise, in einem ähnlichen Alter wie einige der Protagonistinnen der heutigen Schulstreiks.

Doch auch das war, wenn man genau hinschaut, schon recht spät. Ich bin unlängst über eine Folge der Sendung Querschnitt von Hoimar von Ditfurth gestolpert, die bereits 1978, also vor gut 40 Jahren, mit erschreckender Präzision auf den Punkt kam. Ich vermute mal, dass ich diese Sendung mit einigermaßen Wahrscheinlichkeit gesehen habe, als Kind und Jugendlicher habe ich solche Sendungen fast im Dutzend konsumiert, aber aus irgendeinem Grund ist sie dann nicht Haften geblieben. Mea culpa!

Schon 1978 war fast alles bekannt

Diese Sendung finde ich ein klein wenig erschreckend. Sie macht deutlich, dass fast alles, über das wir heute so erschrocken sind, also die Szenarien einer Welt mit galoppierendem Klimawandel, mit all den Rückkopplungseffekten und den verschiedenen Kipppunkten schon damals zumindest in groben Zügen bekannt waren. Und im Fernsehen in einer durchaus populären Wissenschaftssendung ausgestrahlt worden waren.

Die Folge (leider nur der erste Teil einer Doppelfolge) ist auch heute noch interessant anzuschauen, und das nicht nur wegen eines historischen Interesses. In ihr werden von Hoimar von Ditfurth und Volker Arzt sehr anschaulich die Klimasysteme der Erde vorgestellt. Kleine und recht anschauliche Experimente verdeutlichen die klimatischen Wirkungen der Polkappen und von Kohlendioxid. Über kleine Schwächen (warum auch immer der Einsteller auf Youtube aus einer knapp 45 Minuten Sendung unbedingt knapp 53 Minuten machen musste, indem er den Anfang wiederholt…) kann man getrost hinwegsehen.

Schneller und immer schneller…

Wenn man sich die Warnung am Ende der 45 minütigen Sendung anhört, scheint man in den letzten Jahren nicht wirklich weiter gekommen zu sein. Jedenfalls nicht in Richtung eines Ausweichens . Wirklich weiter sind wir nur in Richtung Kohlendioxidgehalts der Erdatmosphäre gegangen. waren es 1978 noch unterhalb von 340 ppm CO2, so liegen wir aktuell (11. Mai 2019) bei 415,26 ppm.  Und noch etwas: Wir sind schneller geworden, zumindest was Steigern des CO2-Gehaltes angeht. Sieg der Gehalt in der Dekade 1959 bis 1969 um durchschnittlich 0,86 ppm pro Jahr, so schafften wir in der Dekade 2000 bis 2010  schon 2 ppm pro Jahr. Das Jahr 2018 lag mit 2,87ppm Steigerung an vierter Stelle der höchsten jemals gemessenen Anstiege.

Ich hoffe ja, dass jetzt so langsam ein wenig Fahrt in die Sache kommt. Zugegeben, Gegensteuern ist weder einfach noch billig zu haben. Aber wenn wir so weiter machen wie bisher, wird uns das ganz heftig auf die Füße fallen. dafür, dass das Thema jetzt endlich (!) nach all den Jahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, kann man den Klimastreikenden nur zu dank verpflichtet sein. Nutzen wir die Zeit.

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

69 Kommentare

  1. Ja, ich kann mich erinnern, der “Point of no return” wurde schon in den siebziger Jahren definiert und auch schon längst überschritten.

    Und ja, es wird sich wohl nichts ändern, denn besonders wir Wohlstands- und Gewohnheitsmenschen sind darauf konditioniert, dass der Wettbewerb und die unternehmerische Abwägung das Maß an Freiheit und Wahrheit bestimmt.
    Also werden wir weiter für Import und Export eine zerstörerische Überproduktion von Kommunikationsmüll betreiben und auch das Klima einem heuchlerischen Populismus auf den “Sanktnimmerleinstag” überlassen!?

  2. “… kann man den Klimastreikenden nur zu dank verpflichtet sein.”

    Ja, es kann nur grosse Freude von allen Seiten der bewusstseinsbetäubten Anhänger des “freiheitlichen” Wettbewerbs sein, denn es fallen keine Worte die von einem Bewusstsein zu wirklich-wahrhaftigem Veränderungswillen zeugen, es ist alles nur ein grosses “Happening” im Sinne der herkömmlich-gewohnten Schuld- und Sündenbocksuche auf Seiten der “Verantwortungstraeger”.

  3. Nich nur Klimaveränderungen misst man in 30-Jahre Abschnitten auch klimawirksames Handeln, Klimapolitik also, muss man wohl in 30-Jahre Abschnitten messen.

    Phase 1 der Klimapolititk dauerte von 1990 bis 2020 wobei der Umweltgipfel von 1992 in Rio den Startpunkt setzte, schuff es doch das United Nations Framework Convention on Climate Change. Kurz vorher rief Helmut Kohl den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen ins Leben, der sich bis heute vor allem mit dem Klimawandel beschäftigt.
    Wie aber entwickelten sich die CO2-Emissionen? 1990 wurden weltweit 22.5 Gigatonnen CO2 ausgestossen. 2020 werden es 38 Gigatonnen sein, also mehr als 70% mehr als 1990.

    In Phase 2 der Klimapolitik von 2020 bis 2050 könnte es erstmals gelingen die CO2-Emissionen zum Stillstand zu bringen. Denn inzwischen reduzieren die bereits entwickelten Staaten ihre CO2-Emissionen jährlich um etwa 1 bis 2 Prozent während gleichzeitig die sich entwickelnden Staaten jährlich 2 oder mehr Prozent mehr Treibhausgase emittieren. Setzt sich dieser Prozess fort und beginnen auch Länder wie China ab 2030 ihre Emissionen zu reduzieren, so könnten die CO2-Emissionen im Jahr 2050 weltweit gleich hoch sein wie heute, also immer noch 38 Gigatonnen.

    In Phase 3 der Klimapolitik von 2050 bis 2080 könnte dann die Emissionen auf niedrige Werte von weniger als 10 Gigatonnen CO2 pro Jahr zurückgehen und zusammen mit negativen Emissionen, also der Extraktion von CO2 aus der Atmosphäre, könnte man sogar Klimaneutralität erreichen.

    Dieses Szenario ist das optimistischste das ich mir vorstellen kann. Selbst wenn dieses Szenario eingehalten wird, werden gegen Ende des Jahrhunderts die Durchschnittstemperaturen mehr als 2 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit angestiegen sein .

    Dieses optimistischste Szenario ist aber nicht das wahrscheinlichste. Aus vielerlei Gründen. Beispielsweise weil dutzende von Ländern rund um den Globus weiterhin Erdöl und Erdgas fördern und fördern wollen weil ihre Wirtschaft zu einem wichtigen Teil davon abhängt. Aber auch weil Energieträger wie Erdöl und Erdgas sehr schwer zu ersetzen sind. Schiffe und Flugzeuge wird man wohl auch im Jahr 2050 noch mit Erdöl und Erdgas betreiben. Im optimistischen Szenario würden es irgendwann einfach synthetisches Erdöl und Erdgas sein.

  4. hto,
    Bravo, das sind klare Aussagen.

    MH,
    die Energie durch Wärmekraft zu erzeugen ist ja die älteste und einfachste.
    Man muss die Politiker davon überzeugen , die Energie durch Photovoltaik zu erzeugen, am einfachsten durch Solarfelder in den Wüsten. Warum geschieht da nichts entscheidendes. ?
    Ganz einfach, weil die Industrienationen daran nichts verdienen können.
    Das ist das Hauptproblem. Wir überlassen die technische Entwicklung der Finanzwirtschaft und die ist am Cash flow interessiert, nicht an der Klimaerwärmung, außer man kann die auch
    zu Geld machen.
    Um es noch deutlicher zu sagen, die Klimaerwärmung ist eine Folge fehlendem moralischen Denkens.
    Deswegen sollten die Kirchen hier in die Pflicht genommen werden und der Klimawandel gehört in den Kirchen besprochen.

  5. @fliegenklatsche (Zitat): “Man muss die Politiker davon überzeugen , die Energie durch Photovoltaik zu erzeugen, am einfachsten durch Solarfelder in den Wüsten. Warum geschieht da nichts entscheidendes. ?”

    Ja, eine Kombination von Photovoltaik mit einem kontintenteüberspannenden Stromnetz könnte eine rein erneuerbare Stromversorgung ermögliche.
    Doch die heutige Energiepolitik fast aller Staaten will Energiesouveränität erreichen – also Selbstversorgung mit selbst erzeugter Elektrizität.
    Grund: Kaum ein Land vertraut seinen Nachbarn, geschweige den Erzeugerländern noch weiter weg (etwa in der Sahara).

    Tatsächlich muss ja Strom ständig, quasi jede Sekunde, zur Verfügung stehen. Und das ist am ehesten gewährleistet, wenn man über das Stromversorgungsgebiet die absolute Kontrolle hat. Diese Kontrolle wäre für Deutschland aber sehr viel geringer, wenn der Strom etwa aus der Sahara käme.

  6. Meiner Erinnerung nach war Hoimar von Ditfurth noch nicht einmal der erste Wissenschaftler, der gewarnt hat. Wenn ich mich nicht sehr täusche, hat 1973 bereits Heinz Haber in “Stirbt unser blauer Planet” ausführlich darauf hingewiesen. Und 1979 dann auch im TV bei “Professor Haber berichtet”.
    Also soll niemand sagen, dass die Fakten “plötzlich” auf den Tisch gekommen wären.

  7. @Rudi Koslowski

    Das ist in der Tat sehr interessant. Die Erkenntnisse in dem Dokument von 1971 liegen sehr exakt im Bereich der heutigen, in vielen Bereichen verbesserten Studien. Und die Voraussage von 370-380 ppm für 2000 war zutreffend.
    In dem Dokument steht allerdings auch etwas über die erwartete Hunger-Krise der Welt. Diese damals durchaus wissenschaftlich begründete Prognose habe ich erst kürzlich in “Homo Deus” über die 1960er ebenfalls gelesen und ebenso, dass diese völlig entgegen der Erwartungen abgewendet wurde [Anm.: die heute Hungernden liegen mindestens eine Größenordnung unter den Erwartungen vor Jahrzehnten für den jetzigen Stand der Weltbevölkerung]. Es wurde zu dieser Zeit sehr ernsthaft erwartet dass China zu einem Massengrab der Hungertoten sich entwickeln würde; wenig später begann das chinesische Wirtschaftswunder, das vorher niemand voraussah.
    Die Klimakrise ist natürlich zutreffend charakterisiert, aber ich frage mich ob wir in 50 Jahren diese ebenso locker hinter uns gelassen haben* wie zuvor die “Hungerkrise” und “Ölkrise” – wobei diese Krisen natürlich aus pessimistischer Sicht auch eine Neuauflage erfahren könnten, aber die Furcht davor ist jedenfalls gesunken.
    *weil irgendeine Transformation schneller geht als erwartet

  8. @Wizzy: Die Hunger-Krise – vorausgesagt etwa im Buch “The Population Bomb” – wurde unter anderem wegen der Grünen Revolution, also wegen der Kombination von Hochertragssorten und Düngemitteleinsatz, abgwendet. Ohne “Grüne Revolution” wäre ein grosser Teil Asiens in eine Hungerkrise geraten. Bangladesh, Indien und China.
    Die Klimakrise ist insoweit etwas völlig neues, als dass jetzt nicht nur etwas hinzugefügt werden muss – etwa Erneuerbare Energien- sondern es muss sehr viel entfernt werden: Kohle, Erdöl und Erdgas müssen weichen. Es zeigt sich aber immer wieder, dass es einfacher ist neue Technologien hinzuzufügen als alte Technologien innert kurzer Zeit zu eliminieren. Auch in Deutschland glaubten ja viele, dass das Hinzufügen von Windrädern und Photovoltaik-Panel die Kohelkraft von selbst zum Erliegen bringt. Das aber war nicht der Fall.

  9. @Martin Holzherr
    Es sind allerdings schon Szenarien denkbar, wo das Hinzufügen von Technologien wirksam sein könnte:
    – Geoengineering (bzw. Astro-Engineering mit Spiegeln im Weltraum)
    – Weitgehende Verdrängung von fossilen Brennstoffen durch synthetische Brennstoffe – dann könnte die Verbrennungstechnologie bleiben
    – Massive neuartige Energiequellen wie Kernfusion
    – Unvorhergesehen günstige Methode oder Weiterentwicklung von CO2-Capture-and-Storage (z.B. BECSS)

    Natürlich wird nichts davon ohne Anstrengungen kommen oder behebt uns unserer jetzigen Verantwortung zu möglichst starker Krisenmitigation. Aber wie die Vergangenheit zeigt sind manche Innovationen schwer vorherzusehen.

  10. @Onkel Michael 11.10.2019, 11:21 Uhr

    Waren das nicht eher Prognosen einer (auch damals gemessenen) Abkühlung? Ich kann mich daran auch erinnern, daß etwa die Kondensstreifen eher zu einer Abkühlung führen sollen. Wobei weder Hoimar von Ditfurth noch Heinz Haber Klimawissenschaftler waren. Und im deutschen Blätterwald gab es auch solche Prognosen.

  11. Zu hto:
    Diese von ihnen zitierten “Wohlstands-und Gewohnheitsmenschen” werden s wohl nicht begreifen. Sie werden weiterhin ihre 200 Brotsorten, ihre 200 PKW-Typen, ihre 200 Kaffeesorten usw. fordern und mindestens zwei mal im Jahr nach Mallorca fliegen wollen. Hinzu kommen die von den Ärmsten der Armen in den Dritte Welt Ländern produzierten “Geiz-ist Geil” Billigprodukte und zur Seelenberuhigung ,falls man eine spürt, ein kleinerer im Benzinverbrauch billigerer Zweitwagen. Vielleicht gibt es bald unterhaltsame Fernseh-Shows über den Klimawandel wo die Leute Schwimmwesten als Preise bekommen und Berichte vom Strand der Ostsee, der dann in der Nähe von Berlin liegt…
    – Satire aus –

  12. @ Wizzy

    In einem ganz anderen Sinn könnte die Technologische Singularität diese Transformation sein:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularit%C3%A4t

    Mit anderen Worten: In 100 Jahren muss nicht zwangsläufig kohlenstoffbasiertes Leben auf diesem Planenten den Ton angeben.

    Man mag den Gedanken für Spinnerei halten. Inzwischen halten allerdings eine ganze Reihe von Personen diese Möglichkeit für wahrscheinlich, die definitiv keine Spinner sind.

  13. Kritisch angemerkt hilft rein bundesdeutsches Bemühen nicht und derart lokale Maßnahmen (Spar-Maßnahmen am Ausstoß sog. klimarelevanter Gase sind gemeint) werden womöglich ins Leere stoßen, wenn andere, was absehbar ist, nicht mitmachen.
    Die internationale Situation ist dilemmatisch, denn wer seine Wirtschaft belastet, wird absehbar auch international an Einfluss verlieren – und andersherum (gemeint ist, wer industriell einfach weiter macht, wird an Einfluss gewinnen, politisch).

    MFG
    Dr. Webbaer (der im Abgang nicht vergessen möchte den Konsum des Scilogs mit dem Namen “Umweltforsch” nahezulegen; die Kollegen dort wissen um die im Kommentar genannte Problematik natürlich Bescheid und sind so freundlich zu erklären)

  14. @ “Onkel Michael”

    Andere erinnern sich daran, dass lange Zeit, zumindest bis 1980, mit einer neuen Eiszeit (!) gerechnet worden ist, an der der Mensch teilweise durch Umweltverschmutzung schuld sei.

    MFG
    Dr. Webbaer

  15. @Martin Holzherr 11.10. 08:59

    Ihr wohl leider realistisches Scenario kommt dann in etwa der Verdopplung der Treibhausgaskonzentrationen gleich. Bei einer Klimasensitivität von 1,5 – 4,5 Grad ist das dann auch genau das, was auf uns zukommt. Im Mittel 3 Grad, aber der Bereich von 1,5 – 4,5 Grad ist offenbar sehr ungenau. Wie warm es wirklich wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber in 10 Jahren werden wir es wohl deutlich genauer wissen, und im sich ungünstig entwickelndem Fall werden dann auch mehr Anstrengungen möglich sein.

    Offenbar haben wir wahrscheinlich eine rechtzeitige Abwendung des Klimawandels bzw. der Klimakatastrophe verpennt und verpasst. Einen möglichen Ausweg sehe ich dennoch. Es bleibt ja noch die Option einer grundlegenden Änderung der Konsumeinstellung der Menschen. Wenn es den Menschen dann doch wichtiger wird, an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten, und dafür einen Teil der Konsumgewohnheiten opfern, haben wir eine neue Situation. Wenn die Anstrengungen im Klimaschutz von einem Rückgang des Konsums begleitet werden, muss viel weniger investiert werden, und es stehen gleichzeitig viel mehr Mittel für die nötigen Investitionen zur Verfügung.

    Falls sich eine Änderung der Einstellung zum Konsum innerhalb von 20 Jahren auf breiter Basis entwickelt, kann das doch noch was werden, deutlich unter der Vordopplung der Treibhausgase zu bleiben. Das hängt auch direkt davon ab, wie rasant sich das Klima und auch schon das Wetter sich in diesem Zeitraum entwickelt. Die Menschen reagieren wesentlich konsequenter, wenn sie eigene persönliche Erfahrungen machen, als wenn nur eine Theorie Aussagen macht, auch dann wenn es eine gut gesicherte Theorie ist. Wobei der Bereich von 1,5 bis 4,5 zwar gut gesichert ist, aber dafür ist er umso ungenauer.

    Mit überraschenden Weiterentwicklungen von einzelnen Techniken kann man auch rechnen. Wenn z.B. Photovoltaik oder Akkus noch mal wesentlich kostengünstiger werden, wird das den Klimaschutz wesentlich beschleunigen können.

    Wer hätte 1985 damit gerechnet, dass sich der Kalte Krieg 5 Jahre später in Luft auflöst? Menschen und ganze Gesellschaften ändern sich ähnlich unvorhersehbar wie das Wetter, und sind langfristig noch schwerer einzuschätzen wie die Entwicklung des Klimas. Also Hoffnung gibt es schon. Aber auch Perspektiven für Katastrophenfreunde.

  16. @ Kommentatorenfreund ‘Tim’

    Mit anderen Worten: In 100 Jahren muss nicht zwangsläufig kohlenstoffbasiertes Leben auf diesem Plane[]ten den Ton angeben.

    Es ist gut möglich, dass zukünftig andere Problematik die im dankenswerterweise vom hiesigen werten Inhaltegeber in seinem WebLog-Eintrag zitierte Problematik sozusagen überschreiben wird.

    Manchmal glaubt der Webbaer, dass hier die Zwanghaftigkeit im Spiel ist, wenn Bär und Mensch mit Problematiken konfrontiert sind, die in ferner Zukunft wirksam werden.
    Statt sich in Anbetracht der Lage und der damit verbundenen Zeitlichkeit [1] ein Stück weit zurückzulehnen und janz entspannt Lage und Maßnahmen zu analysieren, wird, sogar erklärtermaßen, Panik promoviert; blöd halt, dass Panik kein Ratgeber ist.

    Dr. W rät an (neben dem oben bereits genannten Sich-Zurücklehnen) viel Geld in die Wissenschaft zu investieren, HIER könnte die BRD wirklich “Vorreiter” sein, denn es gibt da gewisse Möglichkeiten, die bspw. Kommentatorenfreund “Wizzy” zu skizzieren wusste.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    [1]

    Die Zeitlichkeit ist recht cool, wie Dr. W findet, aus anthropologischer Sicht, wenn bspw. bedacht wird, dass die hier gemeinten Erkenntnissubjekte erst vor vielleicht 500 Jahren beginnend ihre sog. selbstverschuldete Unmündigkeit sukzessive abzulegen wussten – und der Laden immer noch steht, haha.
    Nein, gemeint ist, dass “der Laden” erst und nur deshalb so steht, wie Dr. W im Web kommentieren darf.

  17. Der drohende Klimawandel (von dem im Titel die Rede ist) genügt als Handlungsimperativ nicht (zuviel hängt heute von Kohle, Öl und Erdgas ab). Als Handlungsimperativ wirkt erst der spürbare Klimawandel und darum auch hat Greta’s Schulstreik fürs Klima soviel Wirkung – weil er zum gerade jetzt spürbaren Klimawandel passt.

    Mit andern Worten: Je deutlicher der Klimawandel zu spüren sein wird, je mehr negative Folgen er zeitigt, desto mehr wird unternommen werden. Weil aber eine solche Reaktion auf schon spürbare Folgen zu spät kommt, wird es in Zukunft auch mehr Bereitschaft für Geoengineeringmassnahmen geben. Und noch stärker wird die Bereitschaft sein für lokale/regionale Massnahmen, die das lokale/regionale Klima vorübergehend beeinflussen. Hitzewellen etwa könnten mit Aerosoleinträgen in die Luft des betroffenen Gebiets bekämpft werden.

    Anstatt eine gemeinsame globale Anstrenungung gegen den Klimawandel könnte es also so kommen, dass betroffene Regionen alles mögliche (und Unmögliche) unternehmen um die schlimmsten Folgen abzuwenden.

  18. Ein Motivationsimperativ entsteht (gerade gesellschaftlich) “erst richtig”, wenn Schmerz eingetreten ist, die Vergangenheitsform ist gewählt, Herr “Holzherr” (die doppelten Anführungszeichen nur deshalb, weil Sie erklärtermaßen ein als solches unerkennbares Pseudonym verwenden, was im Web als unschicklich gilt).
    Dr. W kennt dies von der “Betreuung” wirtschaftlicher Systeme; die Entscheider interessieren oft bestimmte Prognosen aus dem Lager der Mathematiker sozusagen oft nicht sehr, denn diese Prognosen könnten auch falsch sein.
    Was richtig ist, also dass die Prädiktion sozusagen wissenschaftlicher Kräfte auch falsch sein kann.
    Wenn dann der Schmerz eintritt, kann es wiederum zu Überreaktion kommen, zu Aktivismus, der eben nicht zielgerichtet ist.

    Wenn Sie mal auf die Projektionen schauen, Herr “Holzherr”, die die Klimamodelle auswerfen – Klimamodelle werfen Projektionen aus, sog. Konfidenzintervalle, die recht breit sind, auch bei einer Konfidenz von 95 %, die gerne verwendet wird, eine Nicht-Erwärmung bis 2100 im Portfolio haben, sozusagen -, dann darf schon ein wenig abgewartet werden, wie einige finden, ob es tatsächlich so, wie prädiktiert, wärmer wird bzw. geworden ist.

    Die Situation ist also auch hier dilemmatisch, nicht nur in der internationalen Abwehr der (absehbaren, möglichen terrestrischen) Erwärmung.

    Am Rande notiert, so ganz happy wird auch der Schreiber dieser Zeilen bei der “Klimatologie mit dem CO2-zentrierten Erwärmungstrend” nicht, denn der Kohlenstoffkreislauf, das Fachwort an dieser Stelle, mit der sog. Klimasensitivität (hierzu gerne mal in die bekannte Online-Enzyklopädie reinschauen), ist nicht in sozusagen Dreisätzen zu verstehen, wenn das terrestrische hoch komplexe (“chaotische”) Klimasystem beschaut wird.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  19. @ Herr Dr. Gunnar Ries und nur ergänzend ;

    Hoimar von Ditfurth bezog sich seinerzeit auf die sog, (noch junge) Keeling-Kurve ;

    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Messstation_Mauna_Loa

    Er war Ökologist [1] und seine Meinung war seinerzeit, auch in Anbetracht der Kürze der Datenlage aus Hawai, eine Einzelmeinung.
    Eine Meinung, die auch der Konstruktion (!) des terrestrischen Klimas bedurfte, die es seinerzeit nicht gab.
    Hoimar von Ditfurth folgte seinerzeit auch der Mode, dass humaner Eingriff auf die Erde per se mit schwerwiegenden und (womöglich) unkalkulierbaren / abzulehnenden Risiken behaftet sei.
    Dr. W kann sich vorstellen, dass Hoimar von Ditfurth hier ein eher zufälliger Griff gelang, er ist fachfremd.

    Die Modellierung des terrestrischen Klimas [2] stammt post Ditfurth, damals konnten nicht “alle wissen”. Damals sagte der eine so und der andere so.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    [1]

    Der Ökologismus, vs. das sinnhafte ökologische Bemühen kann so definiert werden, dass der Ökologist, abweichend vom (biblischen) Dominium Terrae, der Natur einen intrinsischen (!) Wert beimisst.

    [2]

    Es liegt nichts anderes als das größte je vom hier gemeinten Primaten versuchte Vorhaben vor.
    Dr. W stellt dies gerne mal in dieser Fußnoten klar, keinesfalls gegenrednerisch.

  20. Eine Anmerkung dazu: Wir spüren und messen Wetter und berechnen daraus Klima. Und auf die Frage, welche Wetteränderungen sich aus den Klimaänderungen ergeben geben die Wissenschaftler heute nur sehr diffuse Antworten. Dies ist durchaus verständlich, da die Wettermodelle deutlich komplexer und mit viel mehr Unsicherheiten verbunden sind. Aber genau das ist für die Zukunft jeder Region doch die entscheidende Frage, denn wir müssen uns an diese Wetteränderungen anpassen. Nehmen wir als Beispiel die letzten beiden Sommer. Beide waren sehr heiß und lagen mit ihren Temperaturen deutlich über dem Durchschnitt. Der Sommer im letzten Jahr war aber bei uns außerdem noch extrem trocken, während die Trockenheit in diesem Jahr in den meisten Regionen Deutschlands eher kein Problem darstellte. Die Ergebnisse in der Landwirtschaft waren entsprechend unterschiedlich.
    Wir werden uns genau an diese Wetteränderungen anpassen müssen, aber dafür sind die pauschalen Aussagen der Klimaforscher oft wenig hilfreich, denn Wetter ist regional. Leider finden diese Differenzierungen in den Diskussionen nicht statt.

  21. Und noch eine Anmerkung: Das “Klimapaket” der Bundesregierung besteht aktuell primär in einer Verteuerung fossiler Brennstoffe. Dies kann durchaus dazu führen, dass die soziale Krise zwischen Armen und Reichen in unserem Lande weiter verschärft wird und irgendwann die Menschen auf die Straße gehen, weil sie sich Heizung und Mobilität nicht mehr leisten können. Wohin so etwas führt konnte man ja bei den Gelbwesten in Frankreich sehen. Das ist die soziale Situation hier im hoch entwickelten Deutschland. Und das ist auch heute schon ein Grund für das Desinteresse von Teilen der Bevölkerung an den Klimathemen. Für sozial schwache Schichten gibt es völlig andere Prioritäten.

  22. @Dr. Webbaer 11.10. 20:18

    Die reine Wirkung von CO2 auf den Strahlungshaushalt konnte auch zu Ditfurths Zeiten schon berechnet werden. Soweit ich weiß, ist die Klimasensitivität ohne Berücksichtigung alle Rückkopplungseffekte bei recht genauen 1,2 Grad, was sich auch ohne Supercomputer leicht berechnen lässt. Also eine Bemerkung Wert war das Thema damals auch schon.

    Heute wissen wir mehr, und haben aktuell einen Wert für die Klimasensitivität zwischen 1,5 und 4,5 Grad, den die modernsten Klimamodelle hergeben. So genau ist das jetzt ja auch nicht. Und was dann vielleicht noch evidenter ist, wir haben eine bereits eingetretene Erwärmung von 1,1 Grad.

    Zitat Dr. Webbaer:
    „Der Ökologismus, vs. das sinnhafte ökologische Bemühen kann so definiert werden, dass der Ökologist, abweichend vom (biblischen) Dominium Terrae, der Natur einen intrinsischen (!) Wert beimisst.“

    Also ich messe der Natur auch einen intrinsischen Wert bei. Als mitfühlendes Wesen ist mir das vollkommen selbstverständlich. Ich bewege mich inmitten einer lebendigen Welt, und meine Lebensqualität ergibt sich nicht nur aus den Beziehungen zu meinen Mitmenschen, sondern auch im Miteinander mit dem Rest der Natur. Ein bewusstes Dasein im ganzem Kosmos ist sogar Teil meiner Identität.

    Die Sorge um die Natur war vor dem Aufkommen der Weltreligionen auch weltweiter Standard. Die moderne reine Fixierung auf Geld und Profit ist bemerkenswert, und in der Weltgeschichte relativ neu. Die meisten Menschen finden dass auch nicht wirklich gut, und wissen nur noch nicht so recht, was sie dagegen machen können.

    Die biblischen Sprüche „Seid fruchtbar und mehret euch“, und „Macht euch die Erde Untertan“ würde ich heute als „Ihr könnt Verantwortung für das Leben übernehmen“ aktualisieren. Wir haben heute die Wissenschaft, die uns zeigt, wie die Ökosysteme funktionieren, und wir haben die Technik und das Geld, um hier wie ein Gärtner mit der Welt zu arbeiten, und das Gedeihen der Natur mit unserer Kultur zu vereinbaren.

    Einerseits sind wird mitten in einem anthropogenen Massenaussterben, anderseits haben wir mittlerweile auch die Macht, langfristig das Klima zu stabilisieren. Der Wechsel von Eiszeiten und Warmphasen in den letzten 3 Millionen Jahren tat der Natur nicht so gut, wenn wir das in Zukunft stabilisieren könnten, wäre das für die gesamte Natur eine gute Sache. Wie das geht, lernen wir ja gerade.

    Und wir haben es selber in der Hand, ob wir mit 10 Milliarden Menschen hier alles platt machen wollen, oder besser nur mit 5 Milliarden Menschen ein gutes Leben inmitten von viel freier Natur haben wollen. Nicht nur um unserer Selbst willen, auch wegen des Wertes, den wir der Natur zugestehen, wenn wir es den wollen.

    Ganz nebenbei betrifft die Möglichkeit, dass der Mensch womöglich auch das Leben mittels Raumfahrt im Kosmos verteilen könnte, nicht nur den Menschen. Auch die restliche belebte Natur der Erde hätte so eine weitere Perspektive. Und diese Perspektive wäre dann, kosmisch gesehen, die Naturkatastrophe wert, die mit der Entwicklung des Menschen zu verbunden sein scheint.

  23. Joe Sachse,
    Bravo, jede Lösung über Steuer und Gebühren ist eine unsoziale Lösung. Der Reiche fährt weiterhin zwei Porsche Cayenne, fliegt zum Frühstück nach Paris und zum Abendessen zurück nach Berlin.

    Den stört die Verteuerung wenig. Entscheidend ist , dass absolut weniger CO ausgestoßen wird. Das muss alle betreffen. Unabhängig vom sozialen Status unabhängig vom Zweck, gemeint sind hier Industriezweige, die CO2 produzieren,

    Und man muss sich Gedanken darüber machen, ob mit dem Rückgang von CO2 Ausstoß auch ein Rückgang des Bruttosozialproduktes hingenommen werden muss. Anders geht es nicht.

    Welche Partei vertritt diese Richtung ? Keine. Das ist die nackte Wahrheit.

  24. leider nur der erste

    Ist zwar ein VollpfostenKanal, doch dafür gibts nicht nur die beiden Teile am Stück und ohne (wahrgenommene) Schleifen, sondern als Bonus noch ein paar der üblichen KopfschüttelKommentare: Der Ast, auf dem wir sitzen.

    Schöner Reminiszenz-Artikel, Gunnar!

  25. fliegenklatsche
    Man muss die Politiker davon überzeugen , die Energie durch Photovoltaik zu erzeugen

    “Politiker” erzeugen keine Energie.

    Politiker machen Politik. Welche Politik sie machen, entscheiden die Wähler.
    Diese müssen Sie überzeugen.
    Dazu müssten Sie aber erstmal selber wissen, wovon genau, und wie genau das funktionieren soll. Und was es kosten würde.
    Ihre reichlich naive schwammige Forderung klingt nicht danach, als ob Sie dazu in der Lage wären.

  26. Dr. Webbaer
    …dann darf schon ein wenig abgewartet werden, wie einige finden, ob es tatsächlich so, wie prädiktiert, wärmer wird bzw. geworden ist.

    “ein wenig” ? Sie machen wohl Scherze.
    Die anthropogene Klimarwärmung wurde schon vor weit über hundert Jahren prognostiziert. Und seitdem ist es schon sehr deutlich wärmer geworden.
    Wie lange wollen Sie noch abwarten? Und worauf denn? Auf ein Wunder?
    MfG Frankfurter

  27. Das Einzige, was uns wirklich aus der Klimakrise hilft, ist Kernenergie, Kernenergie und nochmals Kernenergie. Dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe (also Kohle, Erdöl und Erdgas) aufhören muss versteht sich von selbst – aber das Problem bei Solar- und Windenergie ist, dass sie nur in Gegenden wirklich effizient nutzbar ist, wo kaum Menschen wohnen – nämlich in Wüstenregionen und auf den sturmumtosten Inseln der Subantarktis – und wir gegenwärtig weder die Möglichkeit haben, den dort erzeugten Strom ohne größere Verluste zu speichern oder ihn über Tausende Kilometer in die Verbrauchsregionen zu leiten. Was dagegen durchaus bereits existiert, und zwar nicht nur als Konzepte, sondern auch schon großtechnisch erprobt, sind Kernreaktoren, bei denen aufgrund ihrer Konstruktion die Hauptargumente gegen Kernkraft gegenstandslos werden: sie regulieren sich selbst, indem durch die Wahl des Brennstoffs und Verwendung schneller statt thermischer Neutronen bei steigender Temperatur die Kernspaltungsrate sinkt, so dass eine Kernschmelze mit radioaktiver Verseuchung der Umgebung ausgeschlossen ist; sie sind in der Lage, auch ausgebrannte Brennstäbe aus konventionellen Kernkraftwerken sowie sonstigen Atommüll als Brennstoff zu verwerten, so dass um Größenordnungen weniger Atommüll anfällt; dieser Atommüll strahlt überdies aufgrund seiner kurzen Halbwertszeiten nicht Zehntausende, sondern nur 300 bis 500 Jahre lang und ist dann unter die Radioaktivität von Natururan abgeklungen; schließlich ist es auch erheblich schwieriger als bei konventionellen Kernkraftwerken, aus den Spaltproduktionen Plutonium zur Kernwaffenproduktion abzuzweigen.

    Ein ungebremster Klimawandel wird Milliarden Menschen das Leben kosten – eine Abkehr von effizienten Quellen für elektrische Energie aber ebenfalls! Wir haben es in der Hand…

  28. Werte Damen und Herren,
    was, mich, bei aller Hochschätzung der Recherche von Herrn Ries überrascht hat, ist, dass er seine Zeitreise zu den Quellen unseres Wissens über den Klimawandel auf halbem Wege abgebrochen hat.
    Denn die erste physikalisch-mathematisch fundierte Berechnung, dass eine Vedopplung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu einem globalen Temperturanstieg von 5°C führen würde, stammt aus dem Jahre 1896 und wurde von dem späteren Chemie-Nobel-Preis-Träger Swante Arrehnius durchgeführt.

    Die Zeitspanne der Ignoranz und des Ausblendens dieses nachweisbaren Wissens ist also leider geradezu astronomisch.

    Hochachtungsvoll
    Georg Still

  29. @Yadgar 12.10. 21:24

    Ich vermute, Sie meinen kleine Flüssigsalzreaktoren, die keine Brennstäbe mehr haben, sondern das spaltbare Material in flüssigem Salz gelöst im Reaktorkern zirkuliert.

    Damit Kernkraftwerke zu den regenerativen Energien passen, müssen sie nur dann laufen können, wenn gerade Strom im Netz fehlt. Das geht mit konventionellen Kernkraftwerken nicht, die müssen Tag und Nacht durchlaufen. Wenn die Energiewende weiter fortgeschritten ist, müsste man den vielen dann überschüssigen Atomstrom auch wieder zwischenspeichern. Damit hätten diese Kraftwerke dann nicht mehr viel Sinn.

    In neu gebaute Kernkraftwerke kann man aber noch einen Speicher für heißes flüssiges Salz einbauen, dann kann die Turbine für die Stromversorgung in Minuten ans Netz und für ein paar Stunden Strom liefern, während der Reaktorkern die ganze Zeit durchläuft. Diese Technik hat man schon in Solarkraftwerken, die mit Spiegeln das Sonnenlicht bündeln, ausprobiert. Diese Kraftwerke können dann auch in gewissen Grenzen nach Bedarf Strom liefern.

    Die Variante der Flüssigsalzreaktoren soll auch in der Lage sein, Atommüll zu verwerten, und sicherer sein. Vollkommene Sicherheit kann ich mir aber nur schwer vorstellen, weil das Hauptsicherheitsproblem immer noch die Nachzerfallswärme ist, die auch nach Abbruch der Kettenreaktion weiter frei wird. Das ist eine direkte Folge der Kernspaltung und kann mit keinem Reaktordesign vermieden werden. Wenn dann die Kühlung eine Woche ausfällt, wirds wohl auch bei kleinen Flüssigsalzreaktoren gefährlich.

    Wie dem auch sei, ich bin kein Kraftwerkstechniker. Wenn so ein Flüssigsalzkernkraftwerk tatsächlich mehr Atommüll verbraucht, als es produziert, und wenn es nach Bedarf Strom liefern kann zu Kosten von unter 10 ct/Kwh, und wenn der Betreiber eine Haftpflichtversicherung findet, die bereit ist für wirklich alle Schäden eines Unfalls aufzukommen, dann hätte ich nicht mehr viel dagegen.

    Soweit ich weiß, hat man so einen kleinen Flüssigsalzreaktor mit Flüssigsalzwärmespeicher bisher noch nicht in Serie gebaut, und ich fürchte, das diese Technik nicht unter 10 ct / Kwh Strom liefern kann. Wenn doch ein Hersteller das schafft und die Dinger sich als Zuverlässig erweisen, bin ich überzeugter Kernkraftbefürworter, vorher aber nicht.

    Es wäre vielleicht schade für das schöne spaltbare Uran, möglicherweise werden wir das noch als Energiequelle für Raumschiffe brauchen, die zu anderen Sternen fliegen können. Das wäre für mich schon ein Argument, auch diese Kraftwerkstechnik nur solange zu betreiben, bis wir mit dem Ausbau von regenerativen Energiequellen weltweit fertig sind.

    Was ihre Einschätzung zu Solar und Windenergie betrifft, da unterschätzen Sie das Potential wohl deutlich. Windenergie lohnt sich vor allem an der Küste, aber auch im deutschen Hinterland, wo es inzwischen an günstigen Standorten auch ohne Förderung schon konkurrenzfähig ist. Hier fehlen zur Zeit einfach nur die Baugenehmigungen. Photovoltaik ist in gewissem Ausmaß auch in Deutschland sinnvoll, solange da nur wenig Überschüsse produziert werden. In der Wüste hat man damit zwar den meisten Ertrag, aber in Südeuropa ist der Ertrag auch jetzt schon zufriedenstellend. Und gerade bei Photovoltaik ist noch Potential da, dass die Paneele in Zukunft noch einiges billiger werden.

  30. @Tobias Jeckenburger
    “Wenn die Energiewende weiter fortgeschritten ist, müsste man den vielen dann überschüssigen Atomstrom auch wieder zwischenspeichern.”

    Wenn aber die Dekarbonisierung im Straßenverkehr ebenfalls gelingen soll, wird man diesen vermeintlich überschüssigen Atomstrom gut brauchen können… und bei weiterem Ausbau der Flüssigsalzreaktorien (oder auch der Flüssignatrium-Variante) könnte man den Strom z. B. zum Recycling aller möglicher Abfallstoffe bis hin zur Pyrolyse zur Rückumwandlung von organischem und Kunststoffmüll in flüssige Kohlenwasserstoffe (natürlich nicht, um sie in Motoren zu verbrennen, sondern als Rohstoffe für die petrochemische Industrie) verwenden!

  31. @Frankfurter 12.10.2019, 19:04 Uhr

    Was meinen Sie denn mit “vor weit über 100 Jahren”? Die Industralisierung fing erst vor 150 Jahren an. Und die damals vorherige Erwärmung war wohl eher natürlich (Ende der kleinen Eiszeit).

  32. Yadgar,
    Kernenergie ist eine unberechenbare Alternative. Bei jeder Tonne Uran werden ungefähr 20 kg PU im KKW erbrütet. Was man damit machen kann ist bekannt.
    Die unbedenklichste Art der Gewinnung von Elektrizität ist die per Solartechnik. Daran sollten wir uns orientieren. Und diese Art der Energiegewinnung sollte auch subventioniert werden.
    Und wenn es gelingt den Wirkungsgrad von Solarzellen, der derzeit bei etwa 10 % liegt zu steigern, dann wird auch die Solarenergie konkurrenzfähig.

  33. @Rudi Knoth

    Bereits um das Jahr 1860 konnte John Tyndall auf der Grundlage seiner damals durchgeführten Messungen die Klimawirksamkeit von Wasserdampf und Kohlendioxid einschließlich ihrer gegenseitigen Abhängigkeit im Hinblick auf globale Klimaänderungen klar nachweisen.

    Svante Arrhenius schließlich postulierte erstmals die Möglichkeit einer durch anthropogene Emissionen verursachten Erwärmung, auch wenn er den dafür nötigen Zeitrahmen ziemlich falsch einschätzte.

    Im Detail sind diese Punkte in einem sehr ausführlichen Wikipedia-Artikel dargestellt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsgeschichte_des_Klimawandels

  34. @ Herr Jeckenburger und nur hierzu kurz :

    „Der Ökologismus, vs. das sinnhafte ökologische Bemühen kann so definiert werden, dass der Ökologist, abweichend vom (biblischen) Dominium Terrae, der Natur einen intrinsischen (!) Wert beimisst.“ [Dr. Webbaer]
    “Also ich messe der Natur auch einen intrinsischen Wert bei.” [Ihre Nachricht]

    Gemeint war, dass die Natur einen intrinsischen (!) Wert habe, der unabhängig vom erkennenden Subjekt gegeben sei.
    Wer der Natur einen vom Erkenntnissubjekt unabhängigen (eben “intrinsischen”) Wert beimisst, ist Ökologist – so die Webbaersche Definition.
    (Ökologisten kommen bspw. mit Sprüchen dieser Art : “Ohne uns Menschen wäre die Erde besser dran!” oder “Mein Motto ist : Entschuldige, dass ich lebe!” oder mit dem Gag “Two planets meet: You’re looking bad earth, what’s up? – I have Homo sapiens! – Had it once, will be over soon!”.)

    Mit freundlichen Grüßen und schönen Tag des Herrn noch!
    Dr. Webbaer

  35. @Yadgar 12.10. 23:57

    Wenn die neuen Flüssigsalzreaktoren mehr Atommüll verwerten als sie produzieren, und die Haftpflichtversicherung gegeben ist, ist das für mich im wesentlichen nur noch eine Kostenfrage. Ich stell mit das aber sehr schwierig vor, sowas zu bauen. Die sehr heiße Salzschmelze mit den ganzen Spaltprodukten in einem Milieu von massivster radioaktiven Strahlung müsste eigentlich so aggressiv sein, dass der Reaktorkern nur 1 oder 2 Jahre durchhält, fürchte ich. Dann müsste man den Reaktorkern entsprechend oft quasi als Ersatzteil austauschen, was dann natürlich entsprechend teuer wird.

    Deshalb glaube ich das erst, dass das nicht zu teuer ist, wenn das tatsächlich einer fertig bringt, dass zu den erforderlichen moderaten Kosten zu bauen.

    Was Sie über die Möglichkeiten zur Verwertung von temporär überschüssigem Strom schreiben, ist ein Aspekt, der für das Gelingen einer kostenerträglichen Energiewende ganz entscheidend ist. Diese Verwertungsmöglichkeiten gelten natürlich nicht nur für Kernenergie, sondern auch für Solar- und Windenergie. Wenn man die Verwertung des Überschussstroms entsprechend organisiert, dann braucht man gar keine neuen Techniken der Stromspeicherung, auch nicht bei 100% Dekarbonisierung. Insgesamt würden aber bestehende Kernkraftwerke, die nur als Grundlast laufen können, dann doch im gesamten Mix nicht mehr gut zu gebrauchen sein. Neue Kernkraftwerke mit Hitzespeicher, die in gewissen Grenzen nach Bedarf Strom liefern können, wären aber eine gute Ergänzung zu den Regenerativen Energien. Wenn sie denn nicht zu teuer sind.

    Was die Möglichkeiten angeht, dass man beim Betrieb von Flüssigsalzreaktoren auch entstehendes Plutonium abzweigen kann, da bin ich mir nicht sicher, ob das ein Problem ist. Das Plutonium fällt doch auch in den derzeitigen Kernkraftwerken an, und ist teilweise sogar in den Brennstäben als Teil des Brennstoffs enthalten. Dennoch ist es technisch sehr schwierig das Plutonium daraus zu extrahieren, weil das alles so fürchterlich gesundheitsschädlich ist, damit umzugehen. Wer das schafft, der kann auch Uran anreichern und damit dann Atombomben bauen. Das ist auch schwierig, aber der Umgang mit reinem Uran ist vergleichsweise harmlos.

    Zur Photovoltaik in Deutschland: hier haben wir im Winter ein Minimum, wo wir aufgrund der Heizperiode den höchsten Energiebedarf haben. Bei Windenergie ist das genau andersrum, da haben wir auch in der Produktion im Winter das Maximum. Hier müssen nur Flauten von ein oder zwei Wochen überbrückt werden, bei Photovoltaik quasi die gesamte Heizperiode. Deshalb müssen wir neben neuen Stromleitungen für mehr europaweiten Energieaustausch vor allem auf Windenergie setzten, auch wenn die Windräder im Landschaftsbild mehr stören als die Solarpaneele. Das ist dann einfach drei mal kostengünstiger, und eben deswegen vermutlich die einzige Lösung, den deutschen Beitrag zum Klimaschutz zügig auf den Weg zu bringen.

  36. @Dr. Webbaer 13.10. 13:50

    Ich meine tatsächlich, dass Natur unabhängig vom Menschen selber einen Wert hat. Das Leben der Dinosaurier in ihrer Zeit hatte einen Wert für sich, meine ich.

    Auf jeden Fall ist darüber hinaus mir die Natur was wert, was in der Praxis wichtiger ist. Die Ökologisten, die Sie beschreiben, mag ich so sehr auch nicht. Bei allen Schwierigkeiten, die wir diesem Planeten machen, sind wir doch eine wesentliche Bereicherung. Wegen unserem Bewusstsein, unserer Kulturfähigkeit und auch für die Dienste, die wir potentiell dem Leben auf diesem Planeten leisten können.

    Also Ausbreitung unseres planetaren Lebens in der Galaxis, aber auch Stabilisierung des Klimas, dass es nicht zu weiteren Eiszeiten kommt, oder die Abwehr von Asteroiden.

    Inwieweit jetzt ein menschlich bereichertes Leben in mitten einer guten Kombination von Kultur- und Naturlandschaft besser ist als eine reine Naturlandschaft, ist schwer zu sagen, mit Tendenz zu positiv. Auf jeden Fall hat der Mensch selbst, und zwar jeder einzelne, einen intrinsischen Wert, den wohl manche Ökologisten wiederum ablehnen. Wenn ich als Mensch süchtig nach Tabak bin, oder Hunger auf Fleisch habe, wird mir das von Manchem vorgehalten, dass ich dazu nicht berechtigt wäre.

    So wie sich der Mensch allerdings teilweise verhält, kann man ihn doch auch als planetaren Krankheitserreger, der gleichzeitig immer noch intrinsichen Wert hat, betrachten. Das hängt zum Teil auch einfach mit der Zahl der Menschen zusammen. Der Organismus Weltökologie kann jedenfalls derzeit durchaus als etwas Homosapienskrank betrachtet werden. Wenn Populationsstärke und dazu passendes Verhalten sich aber wieder in planetar gesunde Bereiche bewegen, sind wir meiner Ansicht ganz klar eine Bereicherung, und keine Krankheit.

  37. @flegenklatsche:
    “Bei jeder Tonne Uran werden ungefähr 20 kg PU im KKW erbrütet. Was man damit machen kann ist bekannt.”

    Aber gerade die Dual-Fluid-Reaktoren lassen sich auch mit Thorium als Ausgangsmaterial betreiben, da entsteht kein Plutonium!

  38. @Tobias Jeckenburger:
    “Die sehr heiße Salzschmelze mit den ganzen Spaltprodukten in einem Milieu von massivster radioaktiven Strahlung müsste eigentlich so aggressiv sein, dass der Reaktorkern nur 1 oder 2 Jahre durchhält, fürchte ich.”

    Es gibt ja auch noch ein Reaktordesign, das flüssiges Natrium statt Flüssigsalz verwendet, den Brennstoff hingegen in festen Brennelementen belässt (jedenfalls, wenn ich
    https://nuklearia.de/2012/06/01/die-freiheitsmaschine-der-integral-fast-reactor-teil-1-einfuhrung/ richtig verstanden habe)… da hat man dann nicht das Korrosionsproblem (Natrium ist gegenüber Metallen reaktionsträge), dafür darf die Schmelze bloß nicht mit Luft oder gar Wasser in Berührung kommen – aber das sollte eigentlich kein Problem sein. Auch der IFR-Reaktor ist selbstmoderierend, fährt also bei Überhitzung automatisch herunter – und kann ebenfalls mit Thorium statt Uran betrieben werden.

  39. Seit wann „wir“ um einen drohenden Klimawandel wissen kann niemand auf gesicherter Basis sagen,
    denn nach den bisherigen Ergebnissen der Klimaforscher kann es auch sein, dass gar nichts droht und der Klimawandel sehr milde ausfällt.
    Auch wenn Svante Arrhenius –ein Vorfahre von Greta Thunberg- im Jahr 1896 aufzeigte, dass zunehmendes CO2 in der Erdathmosphäre zu einer Erderwärmung führen kann, wobei er auch damals schon Wasserdampf als einen möglichen Verstärker nannte, hat sich an wissenschaftlicher Erkenntnis bis heute kaum was daran geändert. Zentraler Angelpunkt ist die Frage wie stark sich zunehmendes CO2 auf die Temperatur der Erdatmosphäre auswirkt und wie es mit Rückkopplungseffekten aussieht, also ob es welche gibt und ob sich diese verstärkend oder abschwächend auswirken.
    Im Laborversuch misst man bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts in einem der Erdatmosphäre entsprechenden Gasgemisch eine „Klimasensivität“ (passender wäre „Temperatursensivität“) von 1,2 °C, d.h. die Temperatur steigt um 1,2 °C.
    Doch dieser Wert spielt für den IPCC offenbar keine Rolle, denn auf ihn wird seltsamerweise in den Berichten kein Bezug genommen – jedenfalls habe ich keine derartige Textstelle gefunden. Es wird dort die „Equililbrium climate sensivity“, abgekürzt ECS sowie ein anders definierter Wert, die TCR, beschrieben.
    Svante Arrhenius gab zuerst für die ECS einen Wert von 5 bis 6 °C an und änderte ihn dann später auf 4 °C. Im Charney-Report von 1979 wurde der ECS-Wert mit 3 °C ± 1,5 °C belegt, oder anders dargestellt, einem ECS-Wert von 1,5 °C bis 4,5 °C mit einem angenommen Mittelwert von 3 °C. Wie der Wert zustande kam ist hier beschrieben: https://en.wikipedia.org/wiki/Climate_sensitivity
    Tja, und bis heute hat sich daran trotz 40-jähriger Forschungsarbeit nichts geändert, außer dass der IPCC nun im letzten Report (AR5) den Mittelwert gestrichen hat und als ECS-Wert 1,5 bis 4,5 nennt, ergänzt um die Aussage, dass der Wert extrem unwahrscheinlich unter 1 °C und sehr unwahrscheinlich über 6 °C liegt. Der IPCC sagt damit genaugenommen, dass der ECS-Wert sogar im Bereich 1 °C bis 6 °C liegen könnte. Seine Quellen sind die entsprechenden Studien.
    Hier bei https://www.carbonbrief.org/explainer-how-scientists-estimate-climate-sensitivity ist die Thematik ausführlich erklärt, und hier sind die Studienergebnisse der letzten 20 Jahre aufgelistet:
    https://t1p.de/ihss
    Wenn man in der Tabelle nur die Jahre 2016 bis 2018 betrachtet sieht man, dass der ECS-Wert nach wie vor „umstritten“ bzw. in einem sehr großen Bereich unklar ist: er bewegt sich zwischen 0,39 und 8,15. Eine mathematische Berechnung eines Mittelwertes macht keinen Sinn, denn das ist nur eine Spielerei und hat absolut nichts mit dem realen ECS-Wert zu tun.

    Wie also sollen oder wollen die Klimaforscher „vorhersagen“, ob uns ein gefährlicher oder nur ein milder Klimawandel erwartet, wenn der wichtigste Wert für diese Prognose in einem solch riesigen Bereich von –angenommen eine der Studien seit 2016 ist passend- von ca. 0,4 bis 8 liegt? Deshalb wurden anstelle von Vorhersagen oder Prognosen die „Szenarien“ entwickelt, also wenn – dann –Berechnungen. Im letzten IPCC reports ist RCP 2.6 das Szenario mit dem milden Klimawandel und RCP 8.5 das mit dem „katastrophalsten“ Klimawandel, wobei es dazwischen noch weitere Szenarien gibt.
    Da nach wie vor die Klimasensivität des CO2 ungeklärt ist und man sich auch nicht mehr auf einen wahrscheinlichsten Mittelwert einigen konnte, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass nur das Szenario RCP 8.5 mit einer drohenden Klimakatastrophe eintreten werde. Genauso kann jedes andere Szenario bis zu RCP 2.6 (alles auf dem Stand des AR5 mit dessen „Redaktionsschluss“ im Jahr 2012 – es gibt vom IPCC hier nicht aktuelleres) eintreten und durch das von uns emittierte CO2 ein nur sehr milder Klimawandel ohne katastrophale Wirkungen eintreten.
    Dazu kommt nun auch noch, dass kürzlich eine Studie veröffentlicht wurde, die darlegt, dass die Klimamodelle eine flache Erde anstelle einer kugelförmigen Erde als Berechnungsgrundlage für die Einstrahlung der Sonne und der daraus resultierenden „Rückstrahlung“ des CO2 benutzen und damit einen noch unbekannten Berechnungsfehler der globalen Temperaturveränderungen haben:
    https://www.pnas.org/content/116/39/19330

    Schließlich lassen sich Aerosole und Wolken mit ihren sehr starken Einflüssen auf die in Bodennähe herrschenden Temperaturen nach wie vor nicht berechnen, so dass ein deutscher Klimaforscher dem „Spiegel“ zu den Möglichkeiten der Klimaberechnungen mithilfe der Klimamodelle sagte „es ist zutiefst frustrierend“: https://t1p.de/wfjm

    Auszuschließen ist zwar nicht, dass sich die Temperaturen um mehr als 2 °C im Durchschnitt erhöhen, aber es gibt keinen stichhaltigen Grund anzunehmen, dass eine Klimakatastrophe droht. Eine Berechnung der Klimazukunft scheitert an den nach wie vor mangelhaften Grundlagen.

  40. Das Wissen um den Klimawandel genügt nicht
    um auf Kohle, Öl und Erdgas zu verzichten, denn auf Heizen/Klimatisieren, auf Mobilität mit Auto, Lastwagen, Schiff und Flugzeug wird kaum jemand und kaum ein Staat verzichten, “nur” weil er damit mithilft den Klimawandel zu stoppen.

    Es braucht also einen Ersatz vor allem für Öl (Mobilität) und Erdgas (Heizen) und es braucht sogar für Kohle Ersatz, denn nichts ist so billig wie Kohle um Strom jederzeit zu erzeugen – nicht nur dann wenn gerade die Sonne scheint oder der Wind weht.

    Billiger, sauberer Strom löst das Klimaproblem zu 80%
    Gäbe es CO2-freien Strom für weniger als 3 Cents pro Kilowattstunde, dann wäre das Klimaproblem zu 80% gelöst, denn dann könnte man sogar mit Strom heizen (mit einer Elektroheizung), wäre doch dieser Strom “sauber” und billig. Auch Industrieprozesse, die Hochtemperaturwärme benötigen könnten mit solch billigem Strom anstatt heute mit Kohle betrieben werden. Autos würden mit Batterien, also mit Strom, angetrieben. Nur gerade Lastwagen, Flugzeugen und Schiffe könnte von billigem Strom allein nicht profitieren.

    Fazit: Sobald es billige, jederzeit aktivierbare und “saubere” Stromquellen gibt, ist das Klimaproblem zu 80% gelöst. Könnten Öl/Diesel oder Wasserstoff ebenfalls kostengünstig synthetisch hergestellt werden, wären sogar 90 bis 95% aller CO2-Quellen eliminiert und es blieben nur noch Zement und die Landwirtschaft als verbleibende Treibhausgasquellen – wobei die Landwirtschaft vor allem Lachgas und Methan erzeugt, kaum aber CO2.

  41. @Reinhard Koehrer 13.10.2019, 12:07 Uhr

    Daß der Mechanismus, warum auf der Erde die mittlere Temperatur auf dem jetzigen Wert ist, schon früh bekannt war, bezweifle ich nicht. Aber ob die Steigerung dieser Temperatur eine Folge der Industrialisierung war, war damals noch nicht klar. Denn es gab ja die “kleine Eiszeit” deren Ursache in der Aktivität der Sonne war.

    Gruss
    Rudi Knoth

  42. @Martin Holzherr 14.10. 11:03
    „Gäbe es CO2-freien Strom für weniger als 3 Cents pro Kilowattstunde, dann wäre das Klimaproblem zu 80% gelöst.“

    Klar wäre das eine Lösung. Aber das gilt doch auch für höhere Kosten als 3 ct/Kwh. Meine Gasrechnung berechnet mir 5,2 ct/Kwh plus Grundgebühr. Benzin kostet ca. 11 ct/Kwh, und für Strom zahle ich astronomische 24,2 ct/Kwh plus Grundgebühr.

    Zitat Wikipedia Stichwort Windenergie:

    „Laut Fraunhofer ISE (Stand 2018) können Windkraftanlagen mit 3,99 ct/kWh bis 8,23 ct/kWh zu niedrigeren Stromgestehungskosten produzieren als neue Steinkohle- und Gaskraftwerke, die Stromgestehungskosten von 6,27 ct/kWh bis 9,86 ct/kWh bzw. 7,78 ct/kWh bis 9,96 ct/kWh aufweisen. Auch Braunkohlekraftwerke haben mit 4,59 ct/kWh bis 7,98 ct/kWh etwas höhere Stromgestehungskosten als Windkraftanlagen an Land. Offshore-Anlagen sind aufgrund des größeren Bauaufwandes sowie höherer Finanzierungs- und Betriebskosten trotz mehr Volllaststunden deutlich teurer; ihre Stromgestehungskosten lagen 2018 bei 7,49–13,79 ct/kWh.“

    Neue Windkraftanlagen an Land produzierten also 2018 zwischen 4,0 ct/kwh und 8,2 ct/Kwh.

    Wenn wir hier einen Durchschnittspreis von 6 ct/Kwh nehmen, ist das nur knapp überm Gaspreis, und nur halb so hoch wie der Benzinpreis. Und nur ein viertel vom Strompreis für Privatverbraucher. Klar kommen hier noch die Netzdurchleitungen dazu, und eventuell auch Abregelungen, Speicherkosten bzw. Umwandlung in Wasserstoff bzw. Weiterumwandlung in Methan und flüssige Kraftstoffe, und wohl noch Steuern (?).

    Aber so viel teurer scheint das doch gar nicht zu werden. Ich denke, wir sind uns darüber einig, dass die Energiewende durchaus zu etwas höheren Energiepreisen führen darf – vielleicht 30% bis 50%? Es sieht so aus, dass das dicke genügt. Zumal die Stromkosten für die Privatverbraucher angesichts des derzeitigem astromomischen Niveaus dabei sogar sinken könnten, incl. dem Strom für Elektroautos.

    In den letzten Jahrzehnten war die Photovoltaik anfangs noch sehr teuer, und hat wesentlich durch die EEG-Umlage zu den derzeit astronomischen Strompreisen für die Privatverbraucher beigetragen. Die Preise für neue Photovoltaikanlagen sind aber inzwischen stark gesunken, und werden voraussichtlich weiter sinken.

    Zitat Wikipedia Stichwort Photovoltaik:

    „Seit 2018 sind neu gebaute große Photovoltaikanlagen die günstigsten Kraftwerke in Deutschland. … So werden sich bis 2025 die Erzeugungskosten in Mittel- und Südeuropa auf 4–6 Cent pro Kilowattstunde verringern, bis 2050 auf 2–4 Cent. Zugrunde liegen konservative Annahmen zur technologischen Weiterentwicklung von Solaranlagen.“

    Bei einer konsequenten Energiewende wird es mittelfristig teurer, aber mit dem Potential, in Jahrzehnten doch wieder günstiger zu werden. Offenbar sind die von Herrn Holzherr anvisierten 3 ct/Kwh durchaus in Sicht. Wir können aber kaum bis 2050 warten, und müssen jetzt schon anfangen in großen Umfang zu investieren.

  43. Seit wann „wir“ um einen drohenden Klimawandel wissen kann niemand auf gesicherter Basis sagen,
    denn nach den bisherigen Ergebnissen der Klimaforscher kann es auch sein, dass gar nichts droht und der Klimawandel sehr milde ausfällt.
    Auch wenn Svante Arrhenius – ein Vorfahre von Greta Thunberg – schon im Jahr 1896 aufzeigte, dass zunehmendes CO2 in der Erdathmosphäre zu einer Erderwärmung führen kann, wobei er damals schon Wasserdampf als einen möglichen Verstärker nannte, hat sich an wissenschaftlicher Erkenntnis bis heute kaum was daran geändert. Zentraler Angelpunkt ist die Frage wie stark sich zunehmendes CO2 auf die Temperatur der Erdatmosphäre auswirkt und wie es mit Rückkopplungseffekten aussieht, also ob es welche gibt und ob sich diese verstärkend oder abschwächend auswirken.
    Im Laborversuch misst man bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts in einem der Erdatmosphäre entsprechenden Gasgemisch eine „Klimasensivität“ (passender wäre „Temperatursensivität“) von 1,2 °C, d.h. die Temperatur steigt um 1,2 °C.
    Doch dieser Wert spielt für den IPCC offenbar keine Rolle, denn auf ihn wird seltsamerweise in den Berichten kein Bezug genommen, jedenfalls habe ich keine derartige Textstelle gefunden. Es wird dort die „Equililbrium climate sensivity“, abgekürzt ECS sowie ein anders definierter Wert, die TCR, beschrieben.
    Svante Arrhenius gab zuerst für die ECS einen Wert von 5 bis 6 °C an und änderte ihn dann später auf 4 °C. Im Charney-Report von 1979 wurde der ECS-Wert mit 3 °C ± 1,5 °C belegt. Wie der Wert zustande kam ist hier beschrieben: https://en.wikipedia.org/wiki/Climate_sensitivity
    Bis heute hat sich daran leider trotz 40-jähriger Forschungsarbeit nichts geändert, außer dass der IPCC nun im letzten Report (AR5) den Mittelwert gestrichen hat und als ECS-Wert 1,5 bis 4,5 nennt, ergänzt um die Aussage, dass der Wert extrem unwahrscheinlich unter 1 °C und sehr unwahrscheinlich über 6 °C liegt. Der IPCC sagt damit genaugenommen, dass der ECS-Wert sogar im Bereich 1 °C bis 6 °C liegen kann. Seine Quellen sind die entsprechenden Studien.
    Hier bei carbonbrief https://www.carbonbrief.org/explainer-how-scientists-estimate-climate-sensitivity ist die Thematik ausführlich erklärt, und hier sind die Studienergebnisse der letzten 20 Jahre aufgelistet:
    https://t1p.de/ihss
    Wenn man in der Tabelle nur die Jahre 2016 bis 2018 betrachtet sieht man, dass der ECS-Wert nach wie vor „umstritten“ bzw. in einem sehr großen Bereich unklar ist: er bewegt sich zwischen 0,39 und 8,15. Allein schon daran sieht man, dass im Gegensatz zu Präsident Obamas Aussage „science not settled“ ist.

    Wie also sollen oder wollen die Klimaforscher „vorhersagen“, ob uns ein gefährlicher oder nur ein milder Klimawandel erwartet, wenn der wichtigste Wert für diese Prognose in einem solch riesigen Bereich von aktuell ca. 0,4 bis 8 liegt? Man fand folgende Lösung: Es wurden anstelle von Vorhersagen oder Prognosen die „Szenarien“ entwickelt, also wenn – dann –Berechnungen. Im letzten IPCC reports ist RCP 2.6 das Szenario mit dem milden Klimawandel und RCP 8.5 das mit dem „katastrophalsten“ Klimawandel, wobei es dazwischen noch weitere Szenarien gibt. Aus heutiger Sicht auf Basis der IPCC-Berichte ist also nach wie vor sowohl ein milder Klimawandel als auch einer mit drastischen Auswirkungen möglich, wenn die CO2-Emissionen weiterhin zunehmen – „wir“ bzw. die Wissenschaftler können das nach wie vor nicht besser prognostizieren.
    Dazu kommt nun auch noch, dass kürzlich eine Studie veröffentlicht wurde, die darlegt, dass die Klimamodelle eine flache Erde anstelle einer kugelförmigen Erde als Berechnungsgrundlage für die Einstrahlung der Sonne und der daraus resultierenden „Rückstrahlung“ des CO2 benutzen und damit einen noch unbekannten Berechnungsfehler der globalen Temperaturveränderungen haben:
    https://www.pnas.org/content/116/39/19330

    Schließlich lassen sich Aerosole und Wolken mit ihren sehr starken Einflüssen auf die in Bodennähe herrschenden Temperaturen nach wie vor nicht berechnen, so dass ein deutscher Klimaforscher dem „Spiegel“ zu den Möglichkeiten der Klimaberechnungen mithilfe der Klimamodelle sagte „es ist zutiefst frustrierend“: https://t1p.de/wfjm Auch im AR5 wird auf dieses Problem ausdrücklich hingewiesen.

    CO2 führt fraglos zu einer Temperaturerhöhung in der Erdatmosphäre, worin ja auch so gut wie alle Klimawissenschaftler übereinstimmen, doch wie hoch nun wirklich der natürliche Anteil am Temperaturanstieg seit dem Ende der kleinen Eiszeit und Beginn der Industrialisierung ist, das konnte bis heute nicht bestimmt werden, das steht in keinem IPCC-Report und da laufen die Aussagen der Wissenschaftler weit auseinander – siehe die oben verlinkte Tabelle zum Stand der Wissenschaft bei der Klimasensisvität, die ja auch nicht von „Klimawandelleugner“ erstellt wurde und gepflegt wird, ganz im Gegenteil!

    Zur hier laufenden Diskussion über AKWs usw. eine ganz neue Meldung von SPON: Frankreich will wohl 6 neue AKWs bauen.

  44. @Tobias Jeckenburger: Deutschlands Energiekosten kann sich nur ein reiches Land wie Deutschland leisten, sicher aber nicht Indien oder Nigeria. Sogar im US-Bundesstaat Texas – im reichen Teil der Welt also – zahlt man nur gerade 3 Cents pro Kilowattstunde.
    Was Windkraft und Solarenergie betrifft, gilt heute, dass sie immer fossiler Backupkraftwerke bedürfen. Diese Backupkraftwerke müssen in der Lage sein auch dann noch genügend Strom zu liefern, wenn weder Wind bläst noch die Sonne scheint. Unter diesen Voraussetzungen ist ein Energiesystem mit hohem Anteil von Wind und Sonne immer teuerer als ein rein fossiles System, denn zu den Kosten für die Windkraftanlagen kommen die Kosten für die Backup-Kraftwerke. In Deutschland werden gerade Backupkraftwerke vom Typ Braunkohle durch Backupkraftwerke vom Typ Erdgas ersetzt.Gemäss dem Spiegel-Online-Artikel Strompreise könnten bis 2022 um mehr als 60 Prozent steigen (https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/strompreise-koennten-durch-kohleausstieg-deutlich-steigen-a-1290917.html ) könnte der Umstieg von Braunkohle als Backup auf Erdgas als Backup die Strompreise in Deutschland noch einmal deutlich ansteigen lassen. Dass Windenergie für sich allein sehr günstigen Strom produziert hilft da wenig, denn von Windstrom allein kann man nicht leben.

  45. der Link wird nicht angezeigt; in dem Fall bitte den Code in der Atdresszeile von Folge 1 hiermit ersetzen (ohne Anführungszeichen): “TETCYuxRNC4”

  46. Wie benutzt man Wind+Sonnenkraft zur vollständigen Dekarbonisierung

    Länder wie Deutschland nutzen heute Windturbinen und Photovoltaikpanel als Stromerzeuger und sichern die Grundlast und die Zeiten ohne Wind und Sonne mittels Kohlekraftwerken (und in Zukunft mit Gaskraftwerken).
    Damit erreicht man aber nur eine Teilkarbonisierung, denn die Windturbinen und Photovoltaikpanel erzeugen in diesem Szenario nur einen Teil des Stroms, der andere Teil wird durch Kohle- und Erdgaskraftwerke erzeugt.

    100%-Erneuerbar allein mit Windturbinen und Photovoltaikpanel kann Deutschland nur werden, wenn es allen Strom allein mit Windturbinen und Photovoltaikpanel erzeugt. Über eine sonnigen Mittag wird dann ein Vielfaches des gerade benötigten Stroms erzeugt und dieser Überschussstrom muss dann gespeichert werden. Als Kurzzeitspeicher (Stunde bis Tage) eignen sich Batterien, als Langzeit- und als saisonaler Speicher (Winterstromlücke) muss Strom allerdings in Wasserstoff oder gar Erdgas umgewandelt werden.

    Eine so beschriebene 100%-Erneuerbare Energieversorgung, die nur mit Wind,Sonne und Stromspeichern arbeitet, wird beispielsweise von Volker Quaschning ( Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin) propagiert.
    Als Ausbauziel für Wind sieht er etwa 200 Gigawatt Leistung, als Ausbauziel von Photovoltaik ebenfalls etwa 200 Gigawatt (siehe https://www.erneuerbareenergien.de/das-tempo-der-energiewende-muss-vervierfacht-werden ). Deutschland aber benötigt heute durchschnittlich nur 70 Gigawatt Stromleistung. Wenn sowohl der Wind voll bläst als auch die Sonne voll scheint, würde in Deutschland damit 5 Mal so viel Strom erzeugt werden wie es gerade benötigt. Dieser Überschussstrom muss in Batterien gespeichert oder zur Erzeugung von Wasserstoff/Methan eingesetzt werden. Wasserstoff- und Methan (Erdgas)-Speicher könnten dann auch zum saisonalen Ausgleich dienen.
    Ein insgesamt teures System. Aber auch schon das heutige System mit Erneuerbaren+Kohle/Erdgas ist teuer und vor allem: Deutschland muss irgendwann vollständig von Kohle und Erdgas wegkommen, wenn es seine selbst gesteckten Dekarbonisierungsziele erreichen will. Wenn Deutschland auf Erneuerbare setzt, dann kann es keine halben Lösungen geben, dann muss in der Tat Wind+Sonne masssiv ausgebaut werden und es müssen Speicherlösungen implementiert werden.

  47. Rudi Knoth

    Die Industralisierung fing erst vor 150 Jahren an. Und die damals vorherige Erwärmung war wohl eher natürlich (Ende der kleinen Eiszeit).

    Ja und?
    Trotzdem war die Wirkung von Treibhausgasen schon im vorletzten Jahrhundert bekannt.
    Und aufgrund dieses physikalischen Wissens wurde schon damals eine anthropogene Erwärmung prognostiziert.

    Und jetzt würde ich gerne wissen, wie lange wir denn noch “abwarten” sollten, bevor wir etwas unternehmen. Nochmals hundert Jahre?

  48. Wie lange brauchen wir noch für konzertierte Aktionen gegen den Klimawandel?
    Dieser Titel nennt den logisch nächsten Schritt nachdem nun die meisten davon überzeugt sind dass der menschenverursachte Klimawandel gerade stattfindet und gestoppt werden muss.

    Konzertiert müssen die Aktionen gegen den Klimawandel sein, weil es sich um ein globales Phänomen handelt zu dem jeder Konsument von Kohle, Öl, Erdgas und Zement beiträgt und wo jeder für sich genommen keinen Vorteil, sondern nur Nachteile hat, wenn er auf Kohle, Öl und Erdgas verzichtet. Trotzdem ist der Verzicht notwendig – und zwar für die Zukunft der Menscheit insgesamt, nicht für die Zukunft von Frau und Herr Meier im Speziellen.

    Kohle, Öl und Erdgas sind heute zentrale Mittel für die Erzeugung von Strom, für Mobilität, Raumheizung und – kühlung und für viele wichtige chemische Produkte wie Düngermittel oder Plastik. Ein vollkommener Verzicht auf das, was unserer technischen Zivilisation heute Kohle, Öl und Erdgas geben, ist kaum möglich ohne das Leben in Teilbereichen auf ein vorindustrielles Niveau herunterzuschrauben. Es braucht deshalb
    1) Ersatzenergien und Ersatzchemien, damit wir weiterhin Strom, Mobilität (Fahren,Fliegen,Reisen), Raumheiung/Raumkühlung, Dünger und Plastik einsetzen können.
    2) kostengünstige, ja sogar billige Ersatzenergien und Ersatzchemien, denn heute wird bereits 10% des Weltbruttoprodukts für Energie eingesetzt und wenn nichtfossile Ersatzenergien deutlich mehr kosten würden, dann wäre ihr Einsatz den bereits reichen Nationen vorbehalten und die ärmeren, sich erst gerade entwickelnden Nationen würden weiterhin fossile Energien einsetzen.
    3) Ersatzenergien und Ersatzchemien müssen in Jahren bis Jahrzehnten zur Verfügung stehen und nicht erst in 50 Jahren, denn es eilt: Jede ausgestossene Tonne CO2 verweilt grösstenteils Jahrhunderte in der Atmosphäre.

    All dies zusammengenommen kann nur bedeuten, dass wir alle Mittel einsetzen müssen, die uns zur Verfügung stehen und nicht nur vermeintliche Ideallösungen einsetzen sollten. Wer beispielsweise auf Erneuerbare schwört, der muss auch bereit sein Erneuerbare anders als nur dezentral zu erzeugen, falls das einfacher und schneller geht und er darf nicht einfach darauf warten bis genügend billige Batterien hoher Kapazität zur Verfügung stehen bis er schliesslich auf fossilen Backup verzichtet. Vielmehr sollte schon heute die Verwendung von Kohle, Erdöl und Erdgas bestraft werden (etwa finanziell), so dass Alternativen eine Chance erhalten.

    Fazit: Wir müssen den zukünftig notwendigen vollkommenen Verzicht auf Kohle, Öl und Erdgas schon jetzt vorbereiten/vorwegnehmen und alles unternehmen um als Gesellschaft und als Einzelne von Kohle, Öl und Erdgas wegzukommen. Dabei sollten wir parallel mehrere technisch/zivilisatorische Pfade verfolgen. Schon deshalb, weil es keinen Königsweg hin zu einer dekarbonisierten Gesellschaft gibt.

  49. @Backupkraftwerke

    Wenn wir Sonnen- und Windenergieproduktion auch auf Heizung und Mobilität ausbauen, brauchen wir dennoch nicht mehr Backup-Kraftwerke als für die reine Stromversorgung. Als Heizung bietet sich eine Kombination von Elektro- und Gasheizung bzw. sparsamer eine aus Wärmepumpen- und Gasheizung an. Die läuft dann nur auf Strom, wenn regenerativer Strom ausreichend zur Verfügung steht, wenn nicht läuft sie auf Gas, dass zuvor aus Überschussstrom hergestellt wurde und das ausreichend für die Heizsaison gespeichert werden kann.

    Auch bei der Elektromobilität kann man die Privatfahrzeuge auch zeitverzögert aufladen, weil typischerweise bei 30 km Fahrleistung pro Tag für 150 km aufgeladen werden kann. Dann kann man auch mal 3 Tage auf das Aufladen verzichten. Wenn die aktuellen Netzstrompreise auch an die Kunden über entsprechende Stromzähler weitergegeben werden können, würde bei Stromknappheit auch durch die entsprechend hohen momentanen Preise einiges an Leistung nicht mehr nachgefragt werden. So manche energieintensive Industrieproduktion würde dann vorübergehend ausgesetzt werden. Insgesamt bräuchten wir also gar nicht so viele Backupkraftwerke.

    Die derzeitige Umstellung von Kohle auf Gas bei den Kraftwerken macht dann auch Sinn, weil die zwar zunächst noch mit Erdgas laufen, aber dann später einfach auf synthetischen Wasserstoff oder Methan aus Stromüberschüssen umgestellt werden können.

    Das mit dem vollen Ausbau der regenerativen Produktion wird wohl mindestens 20 Jahre dauern, allein weil Kapital einerseits und Ausbaukapazitäten bei den Herstellern der Anlagen andererseits begrenzt sind. In den weniger reichen Ländern wird der Umbau wohl erst in Fahrt kommen, wenn Solarpaneele noch mal deutlich günstiger geworden sind, was allerdings in den nächsten Jahrzehnten auch zu erwarten ist.

    Also wir können das schaffen, und das auch bezahlbar gestalten, denke ich.

  50. @Tobias Jeckenburger: Solarpanel sind schon billig, teuer aber sind Batterien und Batterien sind die effizientesten Stromspeicher – viel effizienter als Wasserstoff, der zuerst mittels Eletrolyse erzeugt und später wieder mittels Brennstoffzelle verstromt wird.

    Warum Wasserstoff und Methan als Speichergas es immer schwierig haben werden
    Mit Batterien bleibt mindestens 80% der ursprünglichen Strommenge erhalten, mit der Umwandlung Strom zu Wasserstoff und zurück bleibt aber nur etwas mehr als 30% der ursprünglich erzeugen Strommenge erhalten. Sogar für den saisonalen Ausgleich (im Winter erzeugen Erneuerbare mit hohem Solarstromanteil weniger Strom als im Sommer) wäre es heute billiger anstatt Power2Gas einzusetzen, einfach sehr viel mehr Windturbinen und Solarpanel zu bauen als es im Sommer braucht.

    Heute wäre folgendes wohl die billigste Dekarbonisierungslösung für Deutschland:
    1) Wind-+Solarkraft so auslegen, dass es für den Winter reicht (das Zuviel im Sommer einfach abregeln).
    2) Batterien als Kurzfristspeicher bis maximal 1 Tag
    3) Längere Unterversorgungsphasen mit fossilen Kraftwerken abdecken, die in Reserve gehalten werden.

    Allein schon mit dieser Lösung könnte Deutschland seinen CO2-Ausstoss auf einen Viertel des Heutigen reduzieren.

    Sie schreiben noch (Zitat): Das mit dem vollen Ausbau der regenerativen Produktion wird wohl mindestens 20 Jahre dauern, allein weil Kapital einerseits und Ausbaukapazitäten bei den Herstellern der Anlagen andererseits begrenzt sind.
    Das stimmt wohl. Doch Deutschland hat seit ein paar Jahren seinen Zubau an Windkraft und Solarkraft so stark reduziert, dass es viel viel länger als 20 Jahre dauert. Ja es hat ihn so reduziert, dass es überhaupt nie eine 80 oder 100%-ige Deckung rein mit erneuerbaren Energien erreicht.
    Informieren sie sich bei Volker Quaschning. Der beklagt sich regelmässig darüber.

  51. Europa und hier vor allem Deutschland ist heute in einer Energiewende-Krise. Die gerade von der GroKo beschlossene Klimaschutzgesetz erreicht weder das selbstgesetzte CO2-Ziel für 2030 noch will es den Pariser Vertrag erfüllen.

    Deutschland schaltet AKW ab und hängt Erneuerbare auf Halbmast
    Deutschlands Energiewende bedeutete urpsrünglich schnelle AKW-Abschaltung und Kurs auf 80 bis 100% Erneuerbare bis 2050. Von diesen beiden Zielen ist nur noch die AKW-Abschaltung übriggeblieben. (Zitat SPON:In dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, wird für das Jahr 2040, anders als zunächst vorgesehen, kein nationales Ziel zur CO2-Einsparung mehr definiert. Auch das Versprechen, dass die Bundesrepublik bis 2050 Treibhausneutralität erreicht, wurde abgeschwächt; dieses Ziel solle nun nur noch “verfolgt” werden, heißt es deutlich unverbindlicher in dem Entwurf. )
    Die von der GroKo beschlossenen Ausbauziele für Wind- und Solarkraft dagegen sind so bescheiden, dass sie niemals die früher angepeilten 80% Dekarbonisierung bis 2050 erreichen können. Der Ausbauplan für Offshore-Wind wurde reduziert und die übrigen Ausbaupläne sind zu bescheiden um das Ziel zu erreichen.
    Stephan Rahmstorf schreibt dazu im Tweet:

    Die Bundesregierung will klammheimlich die Ziele des Pariser Abkommens aufgeben. Für dieses skandalöse Politikversagen werden spätestens unsere Kinder bitter bezahlen. Wenn die GroKo nicht die Kraft hat, Paris umzusetzen, sollte sie den Weg frei machen.

    Frankreich plant 6 Ersatz-AKWs, baut etwas EE und weiss nicht weiter
    Frankreich weiss nicht recht wie es sich orientieren will um seine eigenen Klimaschutzpläne zu erreichen. Noch vor ein paar Jahren wollte es seine AKWs schon bis 2030 auf die Hälfte reduzieren. Neu aber plant es 6 weitere AKWs um die bis 2030 abgeschalteten zu ersetzen wie in MIT-Review unter dem Titel Why France is eyeing nuclear power again (https://www.technologyreview.com/s/614579/why-france-is-eyeing-nuclear-power-again/) berichtet. Grund: Die französischen Politiker sind zum Schluss gekommen, dass sie nur so den Pariser Vertrag erfüllen können. Zitat aus dem Artikel (übersetzet von DeepL):

    In der Zwischenzeit stellten einige Energieexperten fest, dass sich Frankreich erst in diesem Sommer verpflichtet hat, bis 2050 klimaneutral zu werden. Das gilt für die gesamte Wirtschaft, was bedeutet, dass das Land die Klimabelastung nicht nur durch den Stromsektor, sondern auch in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen und in der Schwerindustrie reduzieren muss. Daher wollen die Beamten wahrscheinlich vermeiden, an dieser Stelle emissionsfreien Strom zu verlieren. Darüber hinaus produzieren Kernkraftwerke Wärme, die zur Steuerung wichtiger industrieller Prozesse genutzt werden kann.

    Fazit: Immer mehr europäische Länder realisieren, dass sie die selbst gemachten Klimaziele nicht erreichen können. Deutschland hat inzwischen kapituliert (es versucht sie gar nicht mehr zu erreichen) und Frankreich greift auf die Atomkraft zurück um sie dennoch erreichen zu können.

  52. @Martin Holzherr 16.10. 17:07
    „1) Wind-+Solarkraft so auslegen, dass es für den Winter reicht (das Zuviel im Sommer einfach abregeln).
    2) Batterien als Kurzfristspeicher bis maximal 1 Tag
    3) Längere Unterversorgungsphasen mit fossilen Kraftwerken abdecken, die in Reserve gehalten werden.
    Allein schon mit dieser Lösung könnte Deutschland seinen CO2-Ausstoss auf einen Viertel des Heutigen reduzieren.“

    Na das wär ja was. Wenn Photovoltaik noch günstiger wird, wäre das auch weniger teuer. Ich denke, dass man schon Nutzungen für den abgeregelten Strom in diesem Modell finden würde, insbesondere wenn die aktuellen Netzpreise an die Verbraucher weitergegeben werden. Neben Produktion von Wasserstoff, Methan und flüssigen Kraftstoffen, wäre z.B. eine Produktion von Aluminium, die nur im Sommer mit Überschüssen läuft, denkbar. Den nicht nutzbaren Rest Abregeln kann man dann immer noch.

    Neben dem Streben nach Selbstversorgung können dennoch über die Europäischen Fernleitungen durch Stromaustausch noch die Synchronisierung von Produktion und Nachfrage verbessert werden. Auch stelle ich mir den Einsatz von Photovoltaik in Südeuropa sehr lukrativ vor, bei den selben Kosten hat man dort teils den doppelten Ertrag wie in Deutschland. Hier werden sich wohl neue Stromtrassen in Nord-Süd-Richtung lohnen, wo dann auch umgekehrt Windstrom nach Süden transportiert werden kann, ja nach Wetterlage. Je weiter der Strom verteilt werden kann, desto mehr gleichen sich die lokalen Wetterlagen gegenseitig aus. Dann braucht man auch etwas weniger installierte Leistung, und hat weniger Bedarf bzw. weniger Laufzeiten und damit Energieverbrauch für die vorerst noch fossilen Backupkraftwerke.

    Ganz nebenbei könnte man auch den Fahrradverkehr in den Städten fördern, das spart nicht nur installierte regenerative Leistung, sondern spart den Radfahrern auch viel Geld, wenn die kein Auto mehr brauchen, weil man mit dem Fahrrad sicher und zügig überall hinkommt. Das wäre keine Konsumeinschränkung zum Nachteil der Stadtbewohner, sondern eine Bereicherung der Möglichkeiten im urbanen Leben.

    Was die Groko angeht, so scheinen tatsächlich die Lobbyisten der Kraftwerksbetreiber erfolgreich noch ein paar Jahre Laufzeit ihrer alten abgeschriebenen Kraftwerke heraus holen zu können. Und auch die Autoindustrie bekommt noch ein paar Jahre mehr, in denen sie fette, schwere Autos mit Verbrennungsmotor verkaufen kann.

    Wer wirklichen Klimaschutz haben will, kommt wohl nicht drum herum, die Grünen zu wählen, da gibt’s offenbar keine Alternative.

  53. @Tobias Jeckenburg: Am effizientesten sind über ein grossräumiges Stromnetz vernetzte Erneuerbare vor allem dann, wenn die Wind- und Solarkraftwerke am “richtigen” Ort stehen. Beispielsweise könnte sich Deutschland zu 100% mit Strom aus Windenergie versorgen, wenn die Windkraftwerke auf den Standorten Balkan, Nordatlantik/Nordsee und Nordskandinavien verteilt wären, denn diese 3 Standorte haben unabhängige Wetterregime. Das heisst, irgendwo in den drei Regionen Balkan, Nordatlantik/Nordsee und Nordskandinavien bläst fast immer Wind, so dass bei Vernetzung dieser 3 Standorte nur ganz selten zuwenig Strom produziert wird. Ganz anders ist es aber, wenn alle Windturbinen in der Nordatlanatik/Nordsee-Region konzentriert sind, denn in der gesamten Region kann es gleichzeitig eine Windflaute geben. Dazu gibt es nature climate-Artikel Balancing Europe’s wind-power output through spatial deployment informed by weather regimes ( https://www.nature.com/articles/nclimate3338 ) wo man liest (übersetzt von DeepL):

    Hier zeigen wir, dass Wetterregime eine meteorologische Erklärung für mehrtägige Schwankungen der europäischen Windkraft liefern und helfen können, neue Einsatzwege zu finden, die diese Schwankungen minimieren. Die durchschnittliche Erzeugung in verschiedenen Systemen liegt derzeit zwischen 22 GW und 44 GW und soll sich bis 2030 mit den aktuellen Planungsstrategien verdreifachen. Ein ausgewogenes Verhältnis der zukünftigen Windkapazitäten zwischen den Regionen mit unterschiedlichem Interregime Verhalten, das speziell auf dem Balkan und nicht in der Nordsee eingesetzt wird, würde diese Produktionsschwankungen jedoch nahezu eliminieren, die mittlere Erzeugung aufrechterhalten und die flottenweite Mindestleistung erhöhen. Die Solar-Photovoltaik könnte windschwache Systeme lokal ausgleichen, aber nur durch den zehnfachen Ausbau der aktuellen Kapazität. Neue Einsatzstrategien, die auf dem Verständnis kontinentaler Windmuster und einer europaweiten Zusammenarbeit basieren, könnten einen hohen Anteil an Windenergie ermöglichen und gleichzeitig die negativen Auswirkungen von Produktionsschwankungen minimieren.

  54. Hier ein interessanter Artikel vom 8.10.19 im Handelsblatt zur zukünftigen Energieversorgung Deutschlands:
    https://t1p.de/cafs
    Es werden so ziemlich alle kritischen Themen berührt, wie Abschalten der AKWs und dann der Kohlekraftwerk, Wind und Sonne, Speicherung, Strom aus Norwegen usw. – Resumee des Artikels: nur der Umstieg auf Gaskraftwerke hilft Deutschland weiter zu einer gesicherten Stromversorgung.
    Minister Altmaier hat wie angekündigt eine “Gasstrategie” vorgestellt, die man hier runterladen kann:
    https://t1p.de/axt2

  55. Deutschland wird nicht so schnell von fossilen Brennstoffen wegkommen – vollkommen wegkommen meine ich. Es könnte jedoch von Kohle und Erdöl in den nächsten 10 Jahren tatsächlich vollkommen wegkommen indem der Verkehrssektor auf Elektromobilität für Kleinfahrzeuge und Wasserstoff für Lastwagen umgestellt und Erdöl auch nicht mehr zum Heizen verwendet wird. Bleibt noch Erdgas. Erdgas wird es weiterhin brauchen um Dunkelflauten zu überbrücken, Heizen aber kann man auch mit Wärmepumpen – ohne Erdgas also. Damit hat Deutschland zwei Optionen bezüglich fossiler Brennstoffe: eine Zukunft mit sehr viel Erdgas, wo Erdgas zum Heizen und zur Stromproduktion verwendet wird und eine Zukunft in der Erdgas nur gerade in Dunkelflauten zum Einsatz kommt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Optionen im Verbrauch von Erdgas könnte ohne weiteres ein Faktor drei bis fünf sein. Das heisst: wird Erdgas nur gerade dann eingesetzt, wenn es nicht anders geht könnte der Gesamtverbauch an Erdgas im Jahre 2040 3 bis 5 Mal niedriger sein, als wenn Erdgas wie bis anhin geplant auch weiterhin zum Heizen und verstromen überall wo es sich anbietet, eingesetzt wird.

  56. @Wofgang Richter

    Interessante Links. Die Lobbyisten freuts, die Gasstrategie von Herrn Altmaier fördert zunächst schnell die deutschen Kraftwerksbauer, ist aber dennoch nicht ganz verkehrt. Immerhin erzeugt Erdgas nur halb so viel CO2 als Kohle, und ist allein deswegen schon für die Klimawende wirksam. Auch können neue Gaskraftwerke später, wenn die Erneuerbaren voll ausgebaut sind, auch teils oder ganz direkt mit gespeichertem Wasserstoff aus Stromüberschüssen laufen und so dann emmissionsfrei die Dunkelflauten überbrücken. Aber ohne einen Ausbau von Windturbinen und Photovoltaik kommen wir nicht wirklich weiter mit der Energiewende. Dafür müssen wir offenbar die Grünen wählen.

    Man muss hier bedenken, dass Wasserstoff 4 mal so viel Volumen pro Kwh Platz in den teils schon bestehenden unterirdischen Speichern verbraucht als Methan. Eventuell macht es von daher Sinn, möglichst viel Methan aus Überschüssen zu produzieren und für den Winter zu speichern, und den Wasserstoff aus den Überschüssen eher nur kurzfristig direkt zu speichern. Auch eine Wärmepumpenheizung braucht in der Regel die Option, bei Strommangel im Netz oder bei großer Kälte zusätzlich per Gasflamme zuzuheizen.

    Man kann hier auch das Methan aus den Biogasanlagen und der Müllentsorgung nach Möglichkeit erstmal speichern, und dann bevorzugt zum Zuheizen verwenden, wenn der Strom knapp ist. Bei Schiffen kann ich mir auch gut vorstellen, dass man die direkt mit flüssigem Wasserstoff betreiben kann. Ein Frachtschiff ist ein Großverbraucher, der viel Platz für einen großen isolierten Drucktank hat. Und wo Häfen sind, ist eine Küste und damit auch viele Windräder und damit viel regelmäßig anfallender Überschussstrom zur Herstellung von Wasserstoff.

    Wenn in Jahrzehnten die Photovoltaik entsprechend kostengünstig geworden ist, kann man vermutlich in Nordafrika sehr viel davon installieren, dann den Strom gleich in Wasserstoff umwandeln und per Pipeline in ganz Europa verteilen. Altmaiers neue Gaskraftwerke können dann auch mit diesem Wasserstoff laufen und hier relativ bedarfsgerechten Strom produzieren. Ist das eventuell kostengünstiger als den Strom per Hochspannungsleitung zu transportieren? Ich weiß auch nicht, ob uns nicht das Kupfer für Stromleitungen knapp wird. Neben der Energiewende gibt es ja noch die sich entwickelnden Schwellenländer, die Kupfer für den Neuaufbau eines Stromnetzes brauchen, und die vielen neuen Gebäude weltweit, wo auch jede Menge Stromkabel aus Kupfer installiert werden müssen.

  57. @tobias_jeckenburger

    Ich weiß auch nicht, ob uns nicht das Kupfer für Stromleitungen knapp wird.

    Servus,

    Im Stromnetz werden von Höchst- bis Niederspannungsebene hauptsächlich Aluminiumleiter verwendet.
    Kupfer wird aufgrund seines hohen Preises erst in der Gebäudeinstallation eingesetzt.

    Gruß,
    Felix

  58. Aussterben durchs Klima oder [nur] Leben in einer ganz anderen Welt?

    Eine 3 bis 4 Grad wärmere Welt ist eine völlig andere Welt, eine so andere Welt wie es die Welt der Eiszeit im Vergleich zur heutigen Warmzeit ist.
    Doch die Welt wird dadurch nicht untergehen – nur gerade die Klimata werden migrieren und zum Teil extremer werden. Und mit den Klimata werden wohl auch viele Millionen Menschen migrieren, noch mehr als es aufgrund der schlechten Lebensverhältnisse in Teilen der Welt heute schon tun.

    Wenn der emiritierte Klimaforscher und Mathematiker im SPON-Artikel
    Klimaforscher kritisiert den Greta-Hype “Das ist die Sichtweise des reichen Westens” ( https://www.spiegel.de/plus/klimaforscher-warnt-vor-panik-frueher-war-ein-sturm-einfach-ein-sturm-a-00000000-0002-0001-0000-000166490227 ) im Interview zu verstehen gibt, dass er von einer raschen Dekarbonisierung wenig hält, sondern die Lösung eher in Anpassungsmassnahmen sieht, dann wiederspiegelt seine Einstellung wohl weitgehend die politisch/gesellschaftliche Realität in der wir leben, eine Realität die gekennzeichnet ist durch das Primat der materiellen Wohlfahrt und zwar jetzt und ohne Unterbruch durch eine Art klimaaktivistisch motivierte Kriegswirtschaft, die alles in kurzer Zeit umbauen will.

    Wenn Storch sagt (Zitat): “Das ist unstrittig [fossile Brennstoffe müssen irgendwann verschwinden]. Aber auf ein paar Jahre früher oder später oder ein paar Zehntelgrad Erwärmung mehr oder weniger kommt es am Ende nicht an. Hauptsache, die Richtung stimmt.”, dann ist das im Grunde genau die Haltung der etablierten Politiker, aber auch der Gelbwesten, also der sozial eher benachteiligten, die nicht auf ihren bescheiden Wohlstand verzichten wollen zu dem auch ein Auto und eine billige, aber fossile Heizung gehört.
    Doch rein klimatisch betrachtet können ein paar Zehntel Grad sehr viel ausmachen. Der Unterschied zwischen einer um 1.5 Grad wärmeren und einer um 2 Grad wärmeren Welt ist etwa der zwischen einer Welt in der es weiterhin Korallenriffe gibt und einer Welt in der es keine mehr gibt, es ist der Unterschied zwischen einer Welt mit Hurrikanen und Taifunen allein in den mittleren Breiten und einer Welt mit Hurrikanen und Taifunen, die es bis an die europäische Südküste schaffen, es ist der Unterschied zwischen einer Welt mit einem Anstieg der Meeresspiegel um 50 cm versus einem Anstieg um mehr als 70 cm bis Ende des Jahrhunderts.

    Wie lange wissen wir um den drohenden Klimawandel? Viel zu lange!
    Dass Kohle, Erdöl und Erdgas weichen müssen trifft auf alle Fälle zu, denn irgendwann gehen diese fossilen Rohstoffe aus. Doch wir hätten schon viel früher mit dem Ausstieg beginnen sollen, denn ob dieser Ausstieg schneller oder langsamer passiert macht einen riesigen Unterschied nicht nur für ein paar Jahrzehnte sondern für ein paar Jahrhunderte. Mit dem jetzt fast ungebremsten Klimawandel sorgen wir für “spannende Zeiten”, für eine “aufregende Zukunft” für unsere Kinder. Ja, unsere Nachfahren werden nicht aussterben, aber sie werden ihre eigenen “Challenges” haben wie Massenmigration, Anpassungen an Extremwetter und Meeresspiegelanstieg und eine umgestaltete Umwelt und Natur. Dinge, die nicht passieren würden hätten wir nur etwas früher reagiert.

  59. Ergänzung zum meinem Kommentar vom 22.10.2019, 09:33 Uhr: Es ist Hans von Storch, der das SPON-Interview gab, in dem er Anpassung anstatt Aktivismus empfahl und wo er ein paar Zehntel Grad mehr Erwärmung durch Inaktivität in Kauf nahm.

    Tatsächlich machen aber ein paar Zehntel Grad globale Erwärmung mehr oder weniger recht viel aus. Doch es stimmt natürlich auch, dass Aktivisimus allein noch keine CO2-Emissionen einspart. Man muss schon das richtige tun um das zu erreichen und zudem muss man dieses Richtige in der ganzen Welt verbreiten. Die Klimamassnahmen, die Deutschland heute ergreift sind in der Tat für einen Grossteil der Menschheit schlicht zu teuer relativ zum Ergebnis (in 10 Jahren 5% weniger CO2).

  60. Alle sollten zur CO2-Reduzierung beitragen und so gut wie alle Länder haben sich im Pariser Abkommen dazu verpflichtet. Wirklich?
    Es läuft doch gerade andersrum: weltweit sind über 1200 Kohlekraftwerke im Bau und in der Planung, Länder wie Rußland, China und Indien scheren sich einen D**** um das Abkommen. Und nun zeigt eine neue Studie, dass die unterentwickelten Länder ihren CO2-Ausstoß vergößern müssen (und wohl auch werden) um den Hunger zu bekämpfen:
    https://www.sciencedaily.com/releases/2019/09/190916212510.htm

    Auch wenn Deutschland mit seimen 2,5% Anteil an den globalen CO2-Emissionen von heute auf morgen aufhören würde, es wäre nicht mal wie ein Tropfen auf den heißen Stein, es würde in kürzerster Zeit durch die Entwicklungsländer, Rußland, China, Indien usw. überkompensiert.

    Wie Deutschland versucht das Klima zu retten, das wird hier (leider hinter Zahlschranke, Anfang aber lesbar) massiv verspottet:
    https://www.wsj.com/articles/worlds-dumbest-energy-policy-11548807424
    Es stimmt ja auch, Sonne und Wind liefern nicht gerade dann die Energie wann sie gebraucht wird, und den elektrischen Strom über große Entfernungen herzuschaffen ist aufgrund der Leitungsverluste und auch der Kosten praktisch nicht machbar, mal ganz abgesehen von den Länderhoheiten, und die Stromspeicherung ist und bleibt -wer weiß wie lange noch- eine schöne Idee ohne die Chance einer Realisierung. Wer es nicht glaubt, der sollte mal einen Experten in einem Kraftwerk oder bei einem Netzbetreiber fragen.

    Wir sollten uns besser dem sich wandelnden Klima anpassen und dabei die sich nach und nach entwickelnden Alternativen und Verbesserungen des freien Marktes nutzen statt irgendwelcher staatlicher Lenkungsmaßnahmen, die letztlich nichts bringen. Wieviel Strom aus Wind und Sonne wir in Deutschland wohl in 10 Jahren noch haben werden? Ich tippe: halb so viel wie heute.

  61. @Wolfgang Richter

    Gemeinschaftliche Aufgaben bringen typische Schwierigkeiten mit sich. Wenn nur einer seinen Beitrag leistet und die anderen nicht, nützt das wenig. Das geht aber nur, wenn einige anfangen, das Problem zu lösen, und vorerst kann man nur hoffen, dass die anderen früher oder später mitziehen. Ein Versuch ist es wert. Wenn sich die Klimaerwärmung die nächsten Jahre entsprechend verschärft, steigen auch die Chancen, dass immer mehr Länder mitziehen.

    Wir wären sicher nicht die einzigen, die ihren eigenen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Wenn viel in Windenergie, Photovoltaik, Gasbackupkraftwerke und neue Stromleitungen investiert wird, werden hier auch die Preise weiter sinken, und sich auch immer mehr nicht so reiche Länder wirksame Klimaschutzmaßnahmen leisten können. Die Preisentwicklung bei den Photovoltaikpaneelen ist überaus erfreulich. In den südlichen Ländern, wo mehr als doppelt so viel Sonnenstrahlung einzufangen ist wie in Deutschland, wird sie womöglich bald ohne jede Förderung wirtschaftlich sein. Je schneller mehr und mehr Länder mitziehen, desto schneller kommt eine Lösung des Problems in Gang, und desto niedriger sind die globalen Temperaturen, bei denen wir dann am Ende landen werden. Vermutlich ist es überhaupt keine Frage, ob wir den Treibhauseffekt stoppen, sondern nur wann und auf welchem Niveau. Wir kommen da überhaupt nicht drum herum.

    Ich bin auch für eine möglichst ökonomische Energiewende, wenn sie denn gelingt. Die Lenkungswirkung z.B. einer langsam steigenden CO-Steuer würde auch die Kräfte des freien Marktes nutzen, und nach und nach immer mehr klimafreundliche Maßnahmen konkurrenzfähig machen. Andere Maßnahmen wie fahrradfreundliche Städte sind sowieso eine gute Idee, weil sie die Städte ganz wesentlich lebenswerter machen, neben dem Effekt für den Klimaschutz. Nicht nur die Luft wird besser, viele Stadtbewohner sparen auch viel Geld, wenn sie auf ein eigenes Auto verzichten können, weil sie zügig und sicher mit dem Fahrrad überall hinkommen.

    Was Anpassungsmaßnahmen angeht, so ist da aktuell noch nicht wirklich viel zu tun. Wir wissen nicht sonderlich genau, wie das Wetter und damit das Klima sich konkret in den nächsten Jahren entwickelt. Manch einer braucht bald eine Klimaanlage, und die Forstbetreiber müssen gucken, welche Baumarten sie in Zukunft noch anpflanzen können. Die Zeiten, in denen die Küstenstädte wegen des steigenden Meeresspiegels verlegt werden müssen, sind bei uns noch weit entfernt. Gegen Trockenheit kann die Landwirtschaft nicht viel machen, drohende Ernteeinbußen können wir kaum abwenden.

    Klimaschutz ist auch eine grundsätzliche Frage der Kultur. Wollen wir Verantwortung für das Leben übernehmen, und Teil der Lösung sein, oder interessiert uns nur der eigene Profit? Die Bewältigung gemeinschaftlicher Aufgaben würde ganz nebenbei auch die Menschen dieser Welt näher zusammenbringen.

  62. Gründe warum die Dekarbonisierung so langsam verläuft

    Behauptung: Man könnte schneller von Kohle, Erdöl und Erdgas wegkommen, wenn die Dekarbonisierung wirklich die oberste Prioriät hätte. Hat sie aber nicht.
    Warum nicht?
    1) Weil Länder in Erdöl und Erdgas investiert sind und verbleibende Reserven ausbeuten und verbrauchen wollen anstatt sie im Boden zu lassen
    2) Weil Länder auf denzentral erzeugte Erneuerbare setzen um energiesouverän zu bleiben obwohl die Technologie für eine rein dezentral erneuerbare Energieversorgung noch fehlt (es gibt keine billige Batterien für den Strombedarf ganzer Städte)
    3) Weil Länder AKWs abstellen und damit einen wichtigen Teil ihrer CO2-freien Stromerzeugung verlieren.

    Deutschland ist ein gutes Beispiel für die Punkte 2) und 3).
    – Ein wichtiger Grund für die bescheidenen CO2-Reduktionen Deutschlands in den letzten 10 Jahren trotz grossen Anstrengungen ist das Abstellen vieler AKWs.
    – Dass Deutschland heute kaum noch Windkraft und Solarkraft zubaut wiederum hat wohl damit zu tun, dass Deutschland vermeiden will, dass von Erneurbaren erzeugter Strom abgeregelt werden muss. Dies passiert vor allem dann, wenn der Anteil der Erneuerbaren hoch ist und keine Speicher existieren. Tatsächlich hat ja Deutschland keine nennenswerten Pumpspeicher und Batterien sind dafür heute einfach zu teuer.

    Prognose: Es braucht noch einiges bis Länder auf Erdgas und Erdöl freiwillig verzichten und bis sie bereit sind vernetzte Erneuerbare und/oder AKWs zu bauen. In den nächsten 20 Jahren ist keine radikale Beschleunigung der Dekarbonisierung zu erwarten – ausser es tauchen plötzlich spottbillige Batterien grosser Kapazität auf. Auf solche Batterien warten nämlich viele.

  63. @Martin Holzherr

    Was das Warten auf spottbillige Batterien grosser Kapazität angeht: sicher wären die supergut zu gebrauchen. Aber wir können doch die nächsten 5 Jahre schon mal einiges tun, also Investitionen, die in jedem Fall Sinn machen. Also Baugenehmigungen für Windräder in der Südhälfte von Deutschland und auch noch einiges an Photovoltaik ist da noch landesweit zuzubauen, ohne dass da viel abgeregelt werden muss. Auch neue Backupgaskraftwerke und neue Stromleitungen in Nordsüdrichtung sowie neue Stromzähler, die den aktuellen Netzpreis an die Verbraucher weitergeben können, wären jetzt sinnvoll. Und natürlich höhere CO2-steuern als sie das aktuelle Klimapaket vorsieht, damit diese Maßnahmen dann auch umgesetzt werden können.

    Zum Einstieg in die Elektromobiliät brauchen wir auch noch mehr und einheitliche Ladestationen. Wenn da mal was passiert, können wegen dem Strombedarf der Elektroautos auch wieder mehr emmissionsfreie Kapazitäten zugebaut werden, auch ohne billige Stromspeicher.

    Zum Atomstrom habe ich kein gutes Gefühl – aber klar spart der Treibhausgase ein. Die alten AKWs können allerdings nur als Grundlast laufen, das würde wieder gut zu neuen Speichertechnologien passen. Aber ob die kommen, weiß noch keiner.

    Das Abwarten und Verzögern hilft den Betreibern der alten abgeschriebenen Kraftwerke, und auch die Autoindustrie freut sich über jedes Jahr, in dem sie noch Diesel und Benziner verkaufen können. Wenn wir wirklich Fortschritte in der Dekarbonisierung haben wollen, brauen wir eine Regierung, die weniger die alten Industrien bedient und alle Möglichkeiten nutzt, die technisch einsetzbar und ökonomisch tragbar sind.

  64. @Thomas Jeckenburger (Zitat): EE-Experten wie Volker Quaschning und viele grüne Politiker fordern für Deutschland 200 GW Solarkapazität und 150 GW Windkapazität. Der Durchschnitts-Verbrauch in Deutschland ist aber nur 70 Gigawatt. Bei zugleich voller Sonne und vollem Wind wird also im EE-Vollausbau mehr als 5 Mal soviel Strom erzeugt wie verbracht wird. Dieses Zuviel muss abgeregelt oder aber gespeichert werden.
    Ihre Aussage dazu Thomas Jeckenburger ist falsch:
    “Also Baugenehmigungen für Windräder .. und auch noch einiges an Photovoltaik ist da noch landesweit zuzubauen, ohne dass da viel abgeregelt werden muss. “
    Es ist gerade anders herum: Schon eine Verdoppelung der Solarkapazität oder der Windkapazität gegenüber heute bedeutet dass viel abgeregelt oder gespeichert werden muss.
    Das wissen eigenltich alle, aber viele streiten es ab, weil sie es nicht wahrhaben wollen.

    Vor allem Solarenergie wird äusserst ungleichmässig geliefert. 80% aller Sonnenenergie eines Jahres wird zwischen 10 Uhr morgens und 16 Uhr abends erzeugt, also in 6 Tagesstunden mithin einem Viertel des Tages. Im Januar erhält Deutschland im Durchschnitt 5 Mal weniger Sonneinstrahlung als im Juni.

    Fazit: Ohne Lösung des Speicherproblems kann Deutschland nicht zu 100% Erneuerbar werden.

  65. @Martin Holzherr

    Ich vermute jetzt mal, dass der angesprochene Vollausbau von für Deutschland 200 GW Solarkapazität und 150 GW Windkapazität nicht nur für den aktuellen Durchschnittsstromverbrauch von 70 Gigawatt gedacht ist. Wenn wir Mobilität und Heizung zu einem guten Teil mit Strom abdecken, sieht die Rechnung schon ganz anders aus. Und die Elektroautos kann man bevorzugt laden, wenn aktuell genug Strom im Netz ist, die haben ja schon einen Speicher eingebaut. Und die Elektro- oder Wärmepumpenheizung braucht eben die Möglichkeit auch auf Gas oder Holzpellets zu laufen, wenn im Winter Dunkelflaute ist, braucht also auch kaum direkte Stromspeicher.

    Wenn der aktuelle Netzpreis über entsprechende Zähler an die Verbraucher weitergegeben wird, wird auch bei Dunkelflauten so manche Produktion ausgesetzt werden können. Das wirkt in gewissen Grenzen genauso stabilisierend wie Speicherlösungen. Als Künstler arbeite ich z.B. viel mit Ton, wobei das Brennen der Ware viel Strom verbraucht. Wenn der Strompreis dem aktuellem Angebot folgt, wäre es kein Problem mal ein oder zwei Wochen nicht zu brennen, und das später, wenn der Strom wieder günstiger ist, nachzuholen.

    Beim derzeitigen Stromverbrauch ist auch tagsüber mittags ein Maximum, und nachts wird deutlich wenig Strom verbraucht. Was die Winterlücke bei Solarstrom und die Dunkelfauten angeht, da brauchen wir auf jeden Fall zunächst die Gasbackupkraftwerke, vorerst noch mit Erdgas betrieben, später optional mit Wasserstoff und Methan aus als Gas gespeicherten Stromüberschüssen.

    „Fazit: Ohne Lösung des Speicherproblems kann Deutschland nicht zu 100% Erneuerbar werden.“ Das mag ja sein, aber 70 % oder 80 % sind drin, schätze ich. Ob man für den Rest dann Speicher braucht, oder mehr Fern-Stromtrassen oder mit den Stromüberschüssen Wasserstoff, Methan und Synthesesprit herstellt, da haben wir noch 15 oder 20 Jahre Zeit uns hier für eine Lösung bzw. eine Kombination daraus zu entscheiden. Vielleicht gibt es ja bis dahin die billigen Speicher. Noch gibt’s aber auch ohne billige Speicher genug zu investieren.

  66. @Tobias Jeckenburger: 200 GW Solar entspricht 30 GW durchschnittlich und 150 GW Wind entspricht 50 GW durchschnittlich. Zusammen also 80 GW, was etwa der heutigen Stromgesamtleistung Deutschlands entspricht.
    Ihr Annahme, 200 GW Solar + 150 Wind ergäben mehr Strom als heute in Deutschland produziert wird, ist also falsch. Grund: Der Lastfaktor von PV ist 15%, der von Wind etwa 33% oder anders formuliert: Die 200 GW Solarleistung entsprechen im Jahresdurchschnitt einer 30 GW-Leistung und die 150 Gigawatt Wind ensprechen im Jahresdurcschnitt 50 Gigawatt, denn Wind und Sonne sind nicht immer vorhanden (denken sie an die Nacht wo sie schlafen und es draussen dunkel ist).

    Sie schreiben dann (Zitat): Wenn wir Mobilität und Heizung zu einem guten Teil mit Strom abdecken, sieht die Rechnung schon ganz anders aus.
    Antwort: Richtig. Dann reichen nämlich die 200 GW Solar und 150 GW Wind nicht aus, dann sind sie viel zu wenig.

    Dann schreiben sie (Zitat): Und die Elektro- oder Wärmepumpenheizung braucht eben die Möglichkeit auch auf Gas oder Holzpellets zu laufen, wenn im Winter Dunkelflaute ist, braucht also auch kaum direkte Stromspeicher.
    Antwort: Ja, aber der übrige Strom fürs Licht, das Auto, für Prozessenergie (Industrie) für den Kühlschrank etc. die brauchen Strom – auch in der Dunkelflaute.

    Folgendes ist absolut korrekt (Zitat): Beim derzeitigen Stromverbrauch ist auch tagsüber mittags ein Maximum, und nachts wird deutlich wenig Strom verbraucht. Genau dafür gibt es spezielle Kraftwerke, die nur bei Engpässen dazugeschaltet werden (“Peaker”). Bei 100% Erneuerbaren aber werden die Peaks sehr viel ausgeprägter.

    Sie schreiben noch (Zitat): “Ohne Lösung des Speicherproblems kann Deutschland nicht zu 100% Erneuerbar werden.“ Das mag ja sein, aber 70 % oder 80 % sind drin, schätze ich

    Stimmt: 70-80% liegen drin mit folgendem Ansatz: Gaskraftwerke überbrücken nur Dunkelflauten, werden aber sonst abgestellt/stillgelegt. Batterien sorgen für die Überbrückung von stundenweisen Schwankungen. Heizungen wären vor allem Wärmepumpen. Prozesswärme für die Industrie würde elektrisch bereitgestellt.

    Fazit: 70-80% Erneuerbare zusammen mit Erdgas-Backup und Batterie- Kurzfristspeicher lägen also drin, aber die GroKo strebt dieses Ziel nicht einmal an. Dazu müssten nämlich sehr viel mehr Windturbinen und PV-Anlagen zugebaut werden als geplant.

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