Geo-Videos – Was uns Uranlagerstätten über mögliche Endlager verraten können

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Mente et Malleo

Ich hatte hier vor einem Monat schon einmal ein kurzes Video eingestellt, welches sich mit dem Verhalten radioaktiver Stoffe aus Uranlagerstätten beschäftigt, und was diese Vorgänge uns über eine mögliche Endlagerung radioaktiver Stoffe aus unseren Atomkraftwerken verraten können. Ich denke durchaus, dass die Beschäftigung mit den natürlichen Lagerstätten, worunter auch die natürlichen Reaktoren in Oklo zählen, uns einiges über das mögliche Verhalten unserer geplanten Endlager verraten können. Die Beschäftigung mit Geologie im allgemeinen und mit der Verwitterung im Speziellen kann uns also durchaus bei der Bewältigung einiger unserer drängenden Probleme helfen. Oder sie kann uns zumindest helfen, einige irrationale Ängste zu bewältigen und ein wenig mehr ratio in so manche Diskussion zu bringen.

 

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

11 Kommentare

  1. 1 leckes Endlager vs. 50 perfekte

    Die Videos zeigen, dass es funktionierende Endlager geben kann. Doch sie zeigen nicht, wie oft sich keine natürlichen Barrieren ausbilden.

    Es gibt also eine gewisse Ähnlichkeit zu menschengemachten Atomreaktoren. Wir wissen, das zwei Unfälle auf 100 lebenslang problemlos laufende Reaktoren die ganze Technologie in Frage stellen kann.

    Trotzdem glaube ich, dass das Endlagerproblem lösbar ist. Vor allem deshalb, weil die Abfallmenge sehr überschaubar ist. Schliesslich werden weltweit pro Jahr nicht einmal 20’000Tonnen hochradioaktiver Abfall erzeugt. Das hat in 500 LKWs Platz. Die geringe Menge erlaubt es auch, einigen Aufwand für die Entsorgung zu treiben. Persönlich bevorzuge ich aber prinzipiell überzeugende Lösungen über komplizierte mehrstufige Verfahren.

  2. Endlager und Langzeitsicherheit

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich arbeite schon länger in der Endlagerforschung und bin ebenfalls der meinung: das ist machbar. Es ist vor allem der Blick zurück, der uns hier hilft, zukünftige Prozesse zu modellieren. Hierzu habe ich mal vor einiger Zeit auf meinem Blog was geschrieben:

    http://www.kerngedanken.de/…d-ein-blick-zurueck/

  3. Wirtschaftlich?

    Natürlich muss die Endlagerung möglich sein – theoretisch könnte man ja auch alles auf den Mond schießen. Aber gibt es irgendwo ein echtes Konzept? Also ein wissenschaftliches und kein politisches?
    Wenn ich das richtig verstanden habe hat der natürliche Reaktor um die 10 t Uran(oxid?) verbrannt – weniger als ein Block der meisten AKW im Jahr. Klar sind die Mengen relativ gering vergleichen mit dem was wir sonst so an Müll produzieren nur wie groß wäre der Aufwand ein natürliches Lager in entsprechender Größe nachzubilden?

    Eine kleine Rechnung: Windenergie kostet laut allwissender Müllhalde derzeit etwas unter 1 €/W also gut 1 Mrd. für einen Park in der Größenordnung eines modernen AKW. Da nicht immer Wind weht und Speicher notwendig sind etc. schätze ich mal 2-3 Mrd. € um ein AKW mit 1000MW zu ersetzen.

    Zum Vergleich: Das AKW Mülheim-Kärlich (1300 MW) kostete vor rund 30 Jahren 3,6 Mrd. € zum bauen. Aktuell steht der 1600 MW Reaktor in Olkiluoto bei 5,5 Mrd. €

    Ganz grob über den Daumen wäre meine Schätzung (falls ich mich nicht grob verrechnet habe), dass ein AKW so viel kostet wie Windenergie inclusive Pufferspeicher. Also müsste schon vor der Endlagerfrage doch die Frage “Warum sollen wir dafür so viel Geld ausgeben” gestellt werden.

    So sehr ich moderne Technik befürworte – manchmal muss etwas einfach begraben werden (im wahrsten Sinne des Wortes) um vielleicht in Zukunft, wenn die bisher ungeklärten Fragen gelöst, sind wieder hervor zu kommen.

  4. eigentlich banal

    die Endlagerung ist für sich ein Klax, nur etwas teuer. Man nehme das radioaktive Material, binde es chemisch stabil in einem Feststoff und packe einen riesigen Überschuß an “Binder” hinzu. Und verbuddele das ganze. – Binden, verdünnen, verbuddeln (tief) – Aber leider ist das nicht ganz unaufwendig, denn man müßte den Müll erst sortieren und zwar nach Elementen, damit man geeignete “Binder” benutzen kann.

  5. Simon Wirtschaftlich ?

    Das ganze Zahlenspiel hat einen entscheidenden Fehler: Wo sind denn die erforderlichen Speicher, wenn der Wind nicht weht ? Ein derzeit unlösbares Problem, zumindest in den Größenordnungen, die erforderlich wären. Also bleibt, wie es sich in der Realität auch schon andeutet, nach der Abschaltung der AKWs nur die Investitionen in Gas- und die eigentlich auch verschmähten Kohlekraftwerke. Wir drehen uns im Kreis !

  6. Tatsächlich scheint es mir (aber ich bin kein Experte) dass die wissenschaftlichen Konzepte für die Endlagerung in Salzschichten durchaus vorhanden sind. Die Gegenargumente sind hauptsächlich politisch motiviert.

  7. Endlager im Salz

    Leider hat sich Deutschland durch die politisch motivierte Festlegung (Albrecht 1977) auf Gorleben einen objektiven Vergleich mit anderen Standorten und Materialien (Ton, Granit) verbaut. Da der Salzstock Gorleben nicht geeignet ist (fehlendes Deckgebirge, daher erhebliche Ablaugungen, starke Laugenzutritte in div. Bohrungen, Erdgaseinschlüsse im gesamten Körper) steht die vom Staat bezahlte Endlagersuche seit Jahren ziemlich hilflos da.
    S.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Salzstock_Gorleben

    Seit der ersten Erkundung des Salzstocks Ende der 1970er bis heute unterstützen übrigens alle damals leitenden Geowissenschaftler den Widerstand der Bevölkerung im Wendland aktiv.

  8. Wirtsgesteine und Abfallaufkommen

    Hier muss ich mich nochmal kurz einklinken: ich denke, dass Salz in der Tat das beste Wirtsgestein darstellt, die Eigenschaften die es im Vergleich zu Ton oder gar Granit hat, sind einfach zu gut. Auch hierzu habe ich mal was zusammengetragen:
    http://www.kerngedanken.de/…ch-teil-i-salzstein/

    Zu den Abfällen an sich: da hier wieder mal die Windenergie der Kernkraft gegenüber gestellt wurde, gebe ich zu bedenken, dass, selbst wenn wir nie die kerntechnische Energieerzeugung genutzt hätten, wir dennoch einen gewissen Teil an radioaktiven Abfall aus medizinischen und materialwissenschaftlichen Anwendungen sowie der Raumfahr hätten. Und der müsste ebenfalls entsorgt werden.

    Und ob es sich um 1.000 oder 100.000 m³ handelt ist dabei egal – ist ein Endlager gefunden welches die Anforderungen erfüllt, so kann es für beliebige Volumina ausgebaut werden.

  9. So hat halt jeder seine Präferenzen

    In den USA wurde auch bis in die 1980er das Salz als optimal für die Einlagerung bewertet, auch weil die dort vorhandenen Volumina wiklich gewaltig sind. Darauf gründete sich übrigens u.a. auch die vorzeitige deutsche Festlegung auf das Steinsalz.
    Mittlerweile sind die USA völlig vom Salz weg und haben sich auf ein vulkanisches “Wirtsgestein” festgelegt (Yucca Mountain).

    Und außerdem ist es schon ein Unterschied, ob man ein paar cbm aus Röntgen-Betrieben oder einige zehntausend cbm hochaktiven Misch-Mülls mit hoher Wärmeentwicklung “entsorgen” muss. Insbesondere, wenn man sich den immer weiter schrumpfenden Bereich im Salzstock Gorleben ansieht, der nach geologischer Bewertung und der Eigentumsrechte der Bewohner, überhaupt noch für die Einlagerung zur Verfügung steht.

  10. Jetzt entscheiden über 1 Million Jahre?

    Die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll für die nächsten 1 Million Jahre sollte gut überlegt sein – vor allem wenn sie als definitiv betrachtet wird. Denn was kann über einen Zeitraum von 1 Million Jahre schon definitiv sein.
    Es genügt nämlich nicht ein für diesen Zeitraum geologisch sicheres Endlager zu finden. Wir sollten auch sicherstellen, dass dieses Material nicht andersweitig verwendet wird als vorgesehen. Spätere Generationen könnten beispielsweise den immer noch sicher verpackten radioaktiven Abfall für die Kriegsführung einsetzen, wenn er dann mit vertretbarem Aufwand zugänglich ist.

    Sichere definitive Entsorgungsmethoden gibt es momentan nur wenige:
    1) die Transmutation von langlebigen in kurzlebige Nuklide
    2) die Nutzung von hochradioaktivem Abfall (Aktiniden) als Brennstoff für Atomreaktoren der 4. Generation (Stichwort: Brüter, fast reactor, Integrated fast reactor
    3) eventuell die gleichmässige Verdünnung von hochradioaktivem Abfall im Ozean (mir sind aber keine entsprechenden Versuche bekannt)
    4) Die Entsorgung durch sehr tiefe Bohrlöcher, die eventuell in Subduktionszonen hineinführen

    Warum auch sollten wir das Problem des hochradioaktiven Abfalls gerade jetzt definitiv lösen? Es stehen uns ja voraussichtlich keine grösseren Kriege bevor oder ein Zerfall der Zivilisation. Das heisst auch unsere Kinder können das Problem noch lösen. Allerdings sollte der Abfall möglichst schnell in sichere Zwischenlager oder rückholbare Endlager verbracht werden.
    Ich bin optimistisch, was unsere zukünftigen Fähigkeiten angeht und glaube , dass schon bald (das heisst in einigen Jahrzehnten) überzeugende Lösungen für den Abfall bereitstehen. Dabei will ich eine geologische Endlagerung gar nicht ausschliessen.

  11. @Torben Hoffmeister

    Ich habe ja extra 1-2 Mrd. € für Speicher pro GW Windleistung “eingeplant”.
    Sicher gibt es noch keine Patentlösung, aber das Argument, Kernkraft sei so billig halte ich für komplett unhaltbar (3-5 Mrd für Bau, 1-2 Mrd für abriss und unbekannt viel für die Entsorgung).

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