Die Vulkane Deutschlands – Vulkaneifel um Bad Bertrich

 

Vulkane, so ist wohl die landläufige Meinung, gibt es nur in anderen Ländern. Vielleicht fallen den Menschen noch die Vulkane in Italien ein, aber in Deutschland, wähnt man sich vergleichsweise sicher. Aber es ist (geologisch gesehen) noch nicht so lange her, dass es auch in Deutschland aktive Vulkane gab, und ihre Spuren sind manchmal noch erstaunlich frisch. Eine dieser vulkanisch geprägten Landschaften in Deutschland ist die Eifel, und in ihrem südöstlichen Ausläufer liegt der Ort Bad Bertrich.
Bad Bertrich eignet sich gut zum Kennenlernen der verschiedenen Ausprägungen des Eifelvulkanismus, die hier auf relativ engem Raum zu finden sind. Der Ort selber liegt im Üssbachtal, einem Flusstal, welches sich zum Zeitpunkt des aktiven Vulkanismus hier bereits weitgehend seine heutige Tiefe erreicht hatte. Der Vulkanismus war während der letzten Eiszeit (Weichsel bzw. Würm) aktiv und haben meist Basanite gefördert.

Bad Bertrich

Lavabrocken an den Dachslöchern. Hier wurden früher Pilze gezüchtet. Eigenes Foto.

Dachskopfvulkan – Schweißschlacken
Bad Bertrich

Die Müllischquelle. Eigenes Foto.

Der geologische Pfad beginnt am Ortsausgang nahe der Vulkaneifeltherme und führt uns zunächst an den so genannten Dachslöchern vorbei. Das sind Basaltfelsen, die zu einem NW-SE fließenden Lavastrom gehören, der seinen Ursprung im Dachskopf hatte. Der Dachskopfvulkan besteht hauptsächlich aus Schweißschlacken und basaltischen Blöcken. Der von ihm ausgehende Lavastrom hat das Tal weitgehend ausgefüllt und wird heute im Bereich der Müllischwiese von einem kleinen Berg aus devonischen Schiefern geteilt. Dieser stellt vermutlich einen alten Umlaufberg des ursprünglichen Tales dar, dessen Talschlinge zur Zeit des Lavastromes aber möglicherweise schon nicht mehr aktiv war.

Die Falkenlay – Steinzeithöhlen

Wenn man die Müllischwiese überquert, kommt man an der gefassten Müllischquelle vorbei. Auf der anderen Seite finden sich hangaufwärts erneut vulkanische Spuren. Dort liegen die Steinzeithöhlen in einem basaltischen Lavastrom in Richtung Müllischwiese, der in dem Vulkan Falkenlay seinen Ausgang nahm. Die Lava ist relativ porös und es scheint so, als wenn sie auch teilweise über Schweißschlacken geflossen ist. Diese Porösität hat im Laufe der Zeit zu etlichen höhlenartigen Vertiefungen und Abris geführt, die in früheren Zeiten Steinzeitmenschen bei der Jagd als Unterschlupf dienten. Rezente Spuren könnten darauf hindeuten, dass sie auch heute noch so manches Mal als Übernachtungsquartier dienen. Die Steilwand ist entstanden, als ein Teil des Falkenlay-Vulkans bei der späteren Bildung eines Maarvulkans, der Hardt, abgerutscht.

Bad Bertrich

Steilwand aus vulkanischen Ablagerungen unterhalb der Falkenlay. Unten Schweißschlacken, ober basaltische Lava. Eigenes Foto.

Bad Bertrich

Schweißschlacken. Eigenes Foto.

Bergauf gelangt man an die Quelle der Lava. Der alte Vulkan Falkenlay ist heute nur noch ein abgetragener Schlackenkegel mit einer herrlichen Aussicht auf die Umgebung.

Die Hardt und Facher Höhe – Pyroklastika

In dem Talkessel zwischen Dachskopf und Falkenlay befindet sich ein Maar, das als die Hardt bezeichnet wird. Seine rötlichen Pyroklastika überdecken weiträumig die anderen, älteren vulkanischen Ablagerungen der anderen Vulkane. Der basaltische Anteil der Tephra der Hardt ist nur sehr gering, einen sehr großen Anteil (>90%) machen devonische Sedimente wie beispielsweise Schiefer aus. Der Vulkan hat bei seinem Ausbruch ein kleines älteres Tal erweitert.

Bad Bertrich

Lavakaule. Pyroklastische Ablagerungen, möglicherweise vom Maarvulkan Hardt. Dessen Kennzeichen sind der sehr hohe Gehalt an devonischen Schiefern. Eigenes Foto

Bad Bertrich

Nahaufnahme der Lavakaule. Die Bruchstücke der devonischen Schiefer sind sehr gut zu erkennen. Eigenes Foto.

In einem alten Steinbruch, in dem früher Tuff gewonnen wurde, kann man an einer geschützten Steilwand noch die Tephraablagerungen gut erkennen. Dieser als Sedimentwand in der Lavakaule ausgeschilderte Aufschluss zeigt ebenfalls sehr deutliche Anteile an devonischen Schiefern. Mir ist aber nicht ganz klar, ob es sich hier um die vulkanischen Produkte der Hardt handelt, oder aber um die Laven des ebenfalls nahe gelegenen Vulkans Facher Höhe, die ebenfalls rötliche Tuffe und Wurfschlacken gefördert hat.

Ein Blick über die Eifel
Bad Bertrich

Das Üssbachtal hinunter in Richtung Mosel. Die Eifel stellt eine Hochebene dar, in die sich die Flüsse tief eingeschnitten haben. Eigenes Foto.

Wenn man einen der vielen Aussichtspunkte oberhalb Bad Bertrichs wie z. B. dem Moselblick, aber auch den Bismarckturm (der leider wegen Baufälligkeit gesperrt ist) erreicht. Hier kann man bei klarem Wetter das Üssbachtal bis hinab zur Mosel verfolgen. Man kann gut erkennen, dass die Eifel, ebenso wie der Hunsrück auf der anderen Moselseite, den Rest eines alten eingerumpften variszischen Gebirges darstellen, welches im Pliozän erneut herausgehoben wurde. Die Flüsse und Bäche schnitten sich durch die Hebung tief in das alte, eingeebnete Gebirge ein, so dass die Eifel ihre heutige Morphologie aus weitflächigen Hochebenen und tiefen Flusstälern erhielt.

Vulkane und Menschen – Die Therme
Bad Bertrich

Bad Bertrich von oberhalb des Römerkessels. Die Therme liegt am anderen Ende des Ortes. Eigenes Foto.

Von vielen Stellen an der Steilkante über dem Üssbachtal hat man auch einen guten Überblick auf Bad Bertrich und eine weitere Hinterlassenschaft seiner vulkanischen Vergangenheit. Und zwar eine,  die von den Menschen gerne genutzt wird. In zwar schon seit langer zeit, denn schon die Römer hatten über die Thermalquelle eine Therme gebaut und genutzt. Heute steht hier die Vulkaneifeltherme, in der man in dem 32,9C° warmen, Na-Hydrogencarbonat-Sulfat haltigen Wasser („Glaubersalz-Thermalwasser“) herrlich baden kann. Nach einer anstrengenden Wanderung durch die vulkanischen Erscheinungen der Gegend ist das durchaus empfehlenswert.

Allerdings sollte man sich auf dem Weg in den Ort noch eine Station vormerken. Westlich von Bad Bertrich lag ein weiterer alter Vulkan, das Seesenflürchen oder auch Elfenmaar. Der letztere Name basiert auf dem Elbesbach, der hier vorbei fließt. Wenn ich das richtig verstanden habe,  war er der elfte Bach bzw. der Standort der elften Mühle. Irgendwann ging dann die Phantasie durch und machte aus „Elbes“ eben Elfen, weil das wohl auch besser zu einem Kurort passt.

Das Runde aus dem Eckigen – die Käsegrotte

Dieser Vulkan ist Ursprung von mindestens zwei Lavaströmen, von denen einer bis in den Römerkessel (Kurpark) bei Bad Bertrich reichte. Der andere Lavastrom floss in Richtung Elbesbach und versperrte ihn hier. Hier, direkt an der Elfenmühle befindet sich die Käsegrotte (romantischere Menschen mögen sie als Elfengrotte kennen). Eigentlich handelt es sich hier um einen schlichten Stollen durch den Basaltstrom, durch den jetzt der Fußweg den Bach hinauf führt. Das interessante an der Stelle ist aber, dass der Basalt durch die Abkühlung in die typischen Basaltsäulen gegliedert ist. Diese sind dann noch einmal durch Klüfte parallel zur Stromüberfläche und damit senkrecht zu den Säulen gegliedert. Das alleine wäre sicher noch nicht übermäßig spektakulär, aber die Verwitterung hat im Laufe der Zeit aus etwas diesen geklüfteten Säulen geformt, das gestapelten Käselaibern verblüffend ähnlich sieht.

Bad Bertrich

Eingang in einen Lavastrom. Die Käsegrotte mit ihrer charakteristischen Verwitterungsform. Eigenes Foto.

Bad Bertrich

Die Verwitterung lässt den Basalt schalig abplatzen und verrundet so langsam die geklüfteten Säulen. Eigenes Foto.

 

Ich hatte ja schon darüber erzählt, wie die Verwitterung rundliche Formen schaffen kann. Hier kann man es in situ beobachten. Petrographisch ist die Lava von der Käsegrotte ein basanitischer LeucitNephelinit.

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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