385 Millionen Jahre alter Porno gefunden…

Jetzt wo ich alle hier unter Vorspiegelung falscher Tatsachen her gelockt habe, folgt die Enttäuschung natürlich auf dem Fuße. Erstens, es ist eine Animation. Und zweitens, es geht um Fische.

Zugegeben, um sehr alte Fische. Denn so ähnlich hat man sich wohl den ersten (Wirbeltier-) Sex unter der Sonne vorzustellen. damals, vor rund 385 Millionen Jahren. Da sah die Welt noch etwas anders aus, ebenso die Fische. Denn Fische, wie wir sie heute kennen, standen erst am Anfang ihrer Karriere (Knochenfische gab es ab dem Devon, möglicherweise bereits ab Silur).

Nein, unsre beiden Darsteller gehören einer heute ausgestorbenen Linie der Fische an, den Placodermi, oder auch landläufig Panzerfische genannt. Bei ihnen ist Kopf und Rumpf mit einen dem Dentin ähnlichen Gewebe gepanzert. Insgesamt aber waren sie wohl eine recht “erfinderische” Gruppe. Sie waren die ersten Wirbeltiere, welche Kiefer entwickelten (alleine schon dafür können wir ihnen eigentlich dankbar sein). Aber noch etwas anderes macht sie ziemlich bedeutungsvoll für unsere heutige Welt. Bei einem recht unscheinbaren Mitglied dieser Klasse mit dem Namen Microbrachius dicki und knappen 3 Zentimetern Panzerlänge konnten nun die ersten Hinweise für Sex, (also interne Befruchtung) bei Wirbeltieren gefunden werden. Die kleinen Panzerfische lebten im Süßwasser, wo heute Schottland liegt Das Männchen besaß gleich 2 knöcherne Penise (Klaspern genannt), die denen heutige Haie oder Rochen nicht unähnlich sehen. Die Weibchen hatten eine dazu passende knöcherne Struktur an ihrem Hinterteil. Aufgrund der Anordnung erfolgte die Paarung vermutlich seitwärts. Die Befruchtung im Inneren des Körpers hat einige gewichtige Vorteile, die uns sofort einleuchten (da dürfte wohl jeder so seine Idee haben…).

Daher ist es ziemlich faszinierend, dass es bei den Placodermen durchaus vermehrt Hinweise auf Sex gibt, während sie bei ihren direkten evolutionären Nachfolgern, den ältesten Knochenfische gänzlich fehlen. Es ist zu vermuten, dass die Fähigkeit zur internen Befruchtung zu irgendeinem Zeitpunkt wieder verloren ging. Und zwar bevor sich der letzte gemeinsame Vorfahre der modernen Knochenfische entwickelt hat. Zwar sehen die Klaspern der Knorpelfische denen der Placodermi ähnlich, sie bestehen aber aus gänzlich anderem Material, nämlich Knorpel und leiten sich von abgewandelten Bauchflossen her.

Bislang ging man eigentlich davon aus, dass, wenn erst einmal die interne Befruchtung entwickelt wurde, evolutionär kein Weg wieder zurück zu den alten Methoden führt. Wenn aber die Placodermi alle (so sie es denn hatten, aber es gibt auch dafür einige Hinweise, dass sie zumindest weiter verbreitet waren) über Klaspern verfügten, und sie die Vorfahren der heutigen Fische sind, ergibt sich also ein Problem. Die Fähigkeit muss also irgendwann wieder verloren gegangen sein. Warum auch immer.

Wir sollten aber ein klein wenig dankbar sein, dass sie allem Anschein nach irgendwann wieder erneut entwickelt wurde.

 

Und wie kann man sich so ein romantischen Treffen damals vor 385 Millionen Jahren in schottischen Seen und Flüssen so vorstellen?

 

Copulation in antiarch placoderms and the origin of gnathostome internal fertilization

Long, J., Mark-Kurik, E., Johanson, Z., Lee, M., Young, G., Min, Z., Ahlberg, P., Newman, M., Jones, R., Blaauwen, J., Choo, B., & Trinajstic, K. (2014). Copulation in antiarch placoderms and the origin of gnathostome internal fertilization Nature DOI: 10.1038/nature13825

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eins ehr interessanter Beitrag. Von den Panzerfischen hat mans ehr oft im Biologieunterrichtig gehört und zum Glück gab es die Evolution, die unsere heutigen Fische “geschaffen” hat. Ich glaube zur unserer Nahrung würde der Panzerfisch nciht gehören.

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