Die großen Fragen: Was nutzt Bewusstseinsforschung im Alltag?

Was ist Bewusstsein? Und was wissen wir, wenn wir diese Frage beantworten? Ansätze aus Kognitionswissenschaften und Philosophie – und was ihnen fehlt.

Heute diskutieren wir mit Leserinnen und Lesern von ZEIT Online über eine der großen Fragen an die Wissenschaft: Was ist Bewusstsein?

Es ist eine Frage, mit der man so manchen Prüfling in den Kognitionswissenschaften oder der Philosophie in Angst und Bange versetzen könnte: Was ist Bewusstsein? Und es ist die Frage, mit der die Moderation in die Diskussion einsteigen wird. Als ob jemand das so genau wüsste…

Philosophie des Bewusstseins

Klar, man kann es philosophisch aufziehen und erst einmal Fragen, worauf sich der Begriff bezieht: Auf ein Wesen als Ganzes, auf die Eigenschaften eines psychischen Vorgangs (“bewusst”) oder gar auf eine eigene Entität Bewusstsein, auf ein eigenständiges Ding?

In einem Artikel über den “Geist” erklärte ich vor Kurzem, warum ein verdinglichendes Denken mehr Probleme aufwirft, als es löst (Körper ist Geist). Ebenso, wie ich dort vorschlug, “Geist” bloß als Sammelbegriff für die psychischen Vorgänge zu verwenden, möchte ich es auch für “Bewusstsein” tun: Es ist keine eigenständige Entität, sondern ein Sammelbegriff für die bewussten psychischen Prozesse. Lebewesen mit Bewusstsein sind dann solche, die bewusste Prozesse haben; erstes Problem gelöst.

Was aber sind bewusste Prozesse? Auch hier hilft uns die Philosophie wieder weiter, jedenfalls als erste Orientierung. Kennzeichnende Merkmale sind demnach vor allem der subjektive Charakter und die qualitativen Eigenschaften: Der bewusste Prozess ist erst einmal nur demjenigen zugänglich, der ihn hat, und er hat eine bestimmte Erlebnisqualität. Ersteres wird manchmal als Erste-Person-Perspektive ausgedrückt, Letzteres als “wie es sich anfühlt”. Damit sind nicht nur Gefühle gemeint, sondern ein Erlebniseindruck überhaupt, etwa der Druck der Tasten gegen meine Finger oder die Wärme der Teetasse neben mir, wenn ich gleich einen Schluck trinke.

Phänomenologie

“Wie fühlt sich ein Sonnenuntergang an? Oder der Klang einer Trompete?” Bei diesen Fragen geht es um die Erlebnisqualität beim Ansehen eines Sonnenuntergangs (das kann auch auf einem Gemälde sein oder Ähnlichem) oder beim Hören einer Trompete. Sie lassen sich beantworten, wenn auch nicht einheitlich. Vielleicht verbinde ich mit Ersterem einen romantischen Kuss mit einer Jugendliebe, doch wäre jemand anders fast in der in rot getauchten See ertrunken. Es ist daher gut möglich, dass sich diese Erlebnisse für uns anders anfühlen.

Wie fühlte sich dieser Sonnenuntergang auf der Insel Texel im Frühjahr 2015 an? Eiseskalt!

Es sind jedoch keine rein philosophischen oder intellektuellen Fragen. So könnte etwa ein Blinder völlig berechtigt nach dem Gefühl eines Sonnenuntergangs fragen, oder ein Tauber nach dem Gefühl des Klangs einer Trompete. Wie würden Sie ihm oder ihr dies erklären? Dabei sind alle Antworten durch die uns verfügbare Sprache vermittelt – ein Poet wird wahrscheinlich anders antworten als ein Zwölfjähriger. In der philosophischen Disziplin der Phänomenologie oder der introspektiven Psychologie, die beide in der heutigen Wissenschaft ins Hintertreffen geraten sind, versuchte man sich an der Systematisierung und Verfeinerung solcher Beschreibungen.

Es gibt natürlich noch weitere Eigenschaften des Bewusstseins, doch ich will es hier nicht noch komplizierter machen. Interessanterweise fiel mir gerade beim Sortieren meiner Bücher für einen Umzug wieder einmal das Buch des amerikanischen Philosophen Daniel Dennett aus dem Jahr 1991 in die Hände. Die Chuzpe muss man erst einmal haben, sein Werk “Consciousness Explained” zu nennen – also nicht nur zu suggerieren, das Phänomen sei erklärt worden, sondern auch, dass man selbst diese Erklärung beigesteuert habe. (Nun gut, der Schreiber dieser Zeilen behauptete auf der Titelseite seiner Magisterarbeit, das Leib-Seele-Problem gelöst zu haben; das war aber auch mit einem Augenzwinkern in Richtung der Analytischen Philosophie des Geistes gemeint.)

Metaphern des Bewusstseins

Jedenfalls schrieb Dennett in der Einführung seines “Meisterstücks”…

Beim Thema Bewusstsein herrscht jedoch immer noch ein fürchterliches Durcheinander. Das Thema Bewusstsein zeichnet sich heute dadurch aus, dass es sogar die anspruchsvollsten Denker schweigend und verwirrt zurücklässt. Und, wie bei allen früheren Mysterien, bestehen viele darauf – und hoffen –, dass es niemals zur Demystifizierung des Bewusstseins kommen werde. (S. 22; meine Übersetzung)

…um dann seine Schlussfolgerung mit dem folgenden Satz zu beginnen:

Meine Erklärung des Bewusstseins ist bei weitem nicht vollständig. Man könnte sogar sagen, dass sie nur ein Anfang war… (S. 455; meine Übersetzung)

Hier sollte man als Leser vielleicht sein Geld zurückverlangen, insbesondere wenn es im Folgenden, also nach mehr als 450-seitiger Lektüre heißt:

Alles, was ich wirklich getan habe, ist das Ersetzen einer Familie von Metaphern und Bildern durch eine andere… Es ist bloß ein Kampf der Metaphern, sagen Sie – doch Metaphern sind nicht “nur” Metaphern; Metaphern sind die Werkzeuge des Denkens. Niemand kann ohne sie über Bewusstsein nachdenken, daher ist es wichtig, sich selbst mit den besten verfügbaren Werkzeugen auszustatten. (S. 455; meine Übersetzung)

“Metaphern des Bewusstseins” wäre wohl ein treffenderer und ehrlicherer Titel gewesen. Wie dem auch sei, die Frage, ob man es nicht vor allem mit Metaphern zu tun hat, sollte man sich auch in der heutigen Bewusstseinsforschung stellen. Erst kürzlich machte ich Christian Hoppe, der sich auch an der Diskussion auf ZEIT Online beteiligt, den Vorwurf, laufend den Begriff der Informationsverarbeitung metaphorisch zu verwenden.

Kognitionswissenschaft des Bewusstseins

Metapher hin oder her – in den Kognitionswissenschaften will man freilich nicht nur über Bewusstsein reden, sondern es auch erforschen. Wie man das tun kann, erklärte kürzlich der Neurophysiologie-Professor Andreas Engel in einem Artikel in Gehirn&Geist: Man zerlegt das große Problem in Komponenten, die sich einzeln untersuchen lassen, nämlich Wachheit (in Fachsprache manchmal: Vigilanz), Integration und Selektion. Dazu kommen laut Engel noch die Nebenaspekte Arbeitsgedächtnis und Motivation/Emotion.

Mit Integration ist gemeint, dass unser Nervensystem aus den unterschiedlichen und komplexen Wahrnehmungseindrücken der Sinnesorgane ein zusammenhängendes Erlebnis bildet: Wir sehen eben keine Fläche grüner, gelber, roter und violettfarbener Kleckse unter einem blauen Rechteck, sondern eine blühende Sommerwiese; dazu hören wir vielleicht noch das Summen von Bienen, das Zwitschern von Vögeln und das Rauschen von Blättern im Wind. Philosophen sprechen daher manchmal auch von der “Einheit” des Bewusstseins.

Tatsächlich gibt es eine vielversprechende neurowissenschaftliche Theorie darüber, wie diese Integrationsleistung zustande kommt: Es scheint, dass bestimmte Gehirnareale, die an der bewussten Wahrnehmung beteiligt sind, in einem schnellen Gleichtakt feuern, den so genannten Gamma-Oszillationen. Dazu kommt die Selektion, das heißt, dass wir in unserem Bewusstsein die Aufmerksamkeit auf etwas richten, etwa die Falter, die vor unseren Augen über die Wiese schmetterlingen.

Merkte: Erstens, dieses Verb gibt es im Deutschen tatsächlich (vgl. auch niederländisch vlinderen). Zweitens, der philosophisch geneigten Leserin ist im letzten Absatz natürlich aufgefallen, dass eine Wendung wie “in unserem Bewusstsein die Aufmerksamkeit auf etwas richten” nicht unproblematisch ist: Wie kann etwas in unserem Bewusstsein sein, wenn dieses doch nur ein Oberbegriff für bewusste Prozesse ist? Was ist “Aufmerksamkeit”? Und wie richtet man diese auf etwas?

Ich gebe zu: Ich rede hier metaphorisch – aber ich bin auch nur Mensch, mein Wissen ist begrenzt und ich will diesen Beitrag auch noch zum Ende bringen.

Das Rätsel Bewusstsein bleibt

Zu all diesen Prozessen gibt es natürlich wissenschaftliche Untersuchungen, wurden bestimmte Eigenschaften und Orte des Nervensystems in Zusammenhang gebracht… Doch bei allem Respekt für empirische Forschung: Nachdem man das große Ganze, den Oberbegriff Bewusstsein, in seine Teile zerlegt hat, hat man es nun mit der Schwierigkeit zu tun, die Teile wieder zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Und hierzu schreibt etwa Andreas Engel:

Die Erforschung jeder dieser Teilfunktionen verzeichnete in den vergangenen Jahrzehnten außerordentliche wissenschaftliche Fortschritte. So kennen wir heute recht gut die Struktur und die Arbeitsweise der Hirnbereiche, die für Wachheit, sensorische Verarbeitung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionen zuständig sind. Weniger gut verstanden ist allerdings noch, wie all diese Teilfunktionen ineinandergreifen, so dass daraus letztlich Bewusstsein entsteht. (Gehirn&Geist 2/2017, S. 15)

Es geht uns also ein bisschen wie Goethes Faust, der da klagt:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!

Ein Bindeglied zwischen Dr. Faust von 1808 und Andreas Engel könnte der Arzt und Physiologe Emil du Bois-Reymond (1818-1896) sein: In einem Aufsatz von 1880 formulierte er sieben große Welträtsel, von denen er die beiden Rätsel des Bewusstseins – wie Empfindendes aus Nicht-Empfindendem oder Denkendes aus Nichts-Denkendem entsteht – für prinzipiell unlösbar hielt. In seiner berühmten Rede von 1872 hatte er das so auf den Punkt gebracht: Ignorabimus! Lateinisch für: Wir werden es niemals wissen!

Ob sich die große Frage, was genau Bewusstsein ist und wie es genau funktioniert, jemals lösen lassen wird, wir wissen es nicht. Dennoch können wir festhalten, dass sich sowohl philosophisch als auch empirisch-wissenschaftlich heute schon viel über das Thema aussagen lässt. In der Praxis dürfte das aber am ehesten Patientinnen und Patienten zugutekommen, die an einer Bewusstseinsstörung leiden.

Verlorenes Orientierungswissen

Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wer sich von dieser Forschung Orientierungswissen für das eigene Leben erhofft, der sieht sich eher enttäuscht. Als Beispiel kann man hierfür die Pionierarbeit der Neurophysiologen David Hubel (1926-2013) und Torsten Wiesel (geb. 1924) anführen: Diese erzielten vor rund 60 Jahren einen Durchbruch zum Verständnis des visuellen Systems, also wie wir sehen können, und wurden dafür 1981 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Ist es jetzt so, dass wir in dieser Zeit gelernt hätten, mehr zu sehen, besser zu sehen, bewusster zu sehen, anders zu sehen? Leider nein. Der Gedanke der Schulung des Wahrnehmers würde am besten zur Phänomenologie oder introspektiven Psychologie passen – die mehr und mehr aus der wissenschaftlichen Fachwelt verdrängt wurden. Diese Disziplinen wurden den Standards “objektiven” Experimentierens und gesetzlicher Verallgemeinerbarkeit nicht gerecht: Damit wurde das Subjektive und das Individuelle, das die meisten Menschen am Rätsel Bewusstsein interessieren dürfte, gerade ausgeschlossen.

Da die westliche Wissenschaft und Philosophie auf dem Gebiet von Selbsterfahrung und lebensweltlichem Orientierungswissen nur noch wenig zu bieten hat, wenden sich eben immer mehr Menschen östlichen Lehren zu, die den Kontakt mit der Erfahrung und den Problemen der Alltagswelt nie verloren haben: So lässt sich meines Erachtens die steigende Beliebtheit von Achtsamkeit, Meditation, Qigong oder Yoga erklären. Das versucht man ansatzweise etwa durch “Mindfulness” wenigstens in die Psychotherapie zurückzubringen, nachdem man unsere eigene traditionelle phänomenologische Introspektion (wörtlich: Innenschau) als unwissenschaftlich diskreditiert hat.

Wem sollten Philosophie und Wissenschaft Nutzen aber, wenn nicht den Menschen? Natürlich kann man die Mechanismen der Psyche auf Ebene von Gehirnarealen, Zellverbänden, Molekülen, Atomen… immer weiter und immer feiner analysieren. Ob man so die großen Fragen der Menschheit lösen kann und weiter kommt als Goethes Faust, das darf allerdings bezweifelt werden.

P.S. Die Lösung des Leib-Seele-Problems durch den Schreiber dieser Zeilen stand übrigens nicht nur im Titel, sondern folgte danach auch wirklich in Form eines Ansatzes, der sich “nomische (= gesetzmäßige), überdeterminierende, superveniente mentale Verursachung” nannte. Der Hintergedanke war, dass sich das Problem von selbst erledigt, wenn man die richtigen Definitionen verwendet.

Hinweis: Dieser Beitrag erscheint parallel auf Telepolis – Magazin für Netzkultur.

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien. Die Diskussionen hier sind frei und werden nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bewusstsein ist für mich nicht nur individuell, sondern auch sozial.
    Wenn ein kleines Kind auf die Nase fällt, dann schaut es sich erst mal um, ob es sich lohnt zu schreien.
    Ist niemand da, schreit es nicht, wenn der Schmerz nicht übermächtig ist.
    Bewusstsein ist also eine Art Lebensäußerung, die die Mitmenschen mit einbezieht.
    Und dieses Bewusstsein wird geformt durch die Umstände, in denen ein Kind aufwächst. Sind die Umstände hart und gnadenlos, wird das Bewusstsein auch hart und gnadenlos. Es ist wie ein Spiegel der Umwelt.
    Das Kind nimmt dabei keine Wertung vor. Recht und Unrecht, das gibt es nicht. Die Welt ist wie sie ist.
    Erst wenn die Erziehung (Sozialisation) einsetzt, wird dieses Bewusstsein reflektiert.
    Was nutzt das im Alltag?
    Das man Kinder nicht sich selbst überlassen soll. Man muss sie erziehen.
    Das man Menschen ihr Fehlverhalten bewusst machen muss.
    Dass man bei psychisch Kranken Wege findet,, die Krankheit zu überwinden.
    Nur mal so ins blaue gedacht. (Ich bin auch nur Laie)

    • Ja Bewusstsein ist immer speziesspezifisch: Ein Hund hat ein anderes Bewusstsein als ein Mensch, denn ein Mensch hat eine andere Grundkonstitution, hat andere Ängste und Bedürfnisse und andere Quellen der Befriedigung. Dabei fasse ich hier Bewusstsein auf als ein Erleben mit der Qualität einer Gesamtschau, die jedem Einzelerlebnis und allen wahrgenommenen Dingen einen Platz zuweist.

  2. @R: Aufmerksamkeit

    Das ist ein interessantes Beispiel – aber wofür? Inwiefern hat das konkret mit Bewusstsein zu tun?

    Heulen hat eben (auch) eine soziale Funktion, etwa Aufmerksamkeit von den Eltern zu bekommen. Wenn die nicht da sind, ist Heulen in diesem Sinne sinnlos.

    Dass aber unsere Bewusstseinsvorgänge in permanentem Abgleich mit der Innen- und Außenwelt stattfinden, die eben auch sozial ist, halte ich für ausgemacht.

  3. Bewusstsein, für das wirklich-wahrhaftige / zweifelsfrei-eindeutige Zusammen-Leben, wird im Kreislauf, unserer zeitgeistlich-reformistischen Realität, durch ausbeuterisch-hierarichische Funktionalität unterdrückt – Bewusstseinsbetäubung und Bewusstseinsschwäche im geistigen Stillstand seit der “Vertreibung aus dem Paradies”.

    Die Frage nach dem Bewusstsein, ist all so ziemlich dumm, wenn nicht zynisch-verkommen, mit deutlichen Tendenz zu noch vielmehr davon, wenn Mensch mindestens einen weiteren geistigen Evolutionssprung macht!

  4. Ich möchte die Frage, “Was ist Bewusstsein” unterteilen und fragen: Was sind die biologischen Grundlagen für Bewusstsein und wodurch entsteht, was wir als bewusstes Erleben bezeichnen können.

    Im Blog von @Joe Dramiga (der gerade ebenfalls zu diesem Thema bloggt) wurde dazu diskutiert, nachdem Hameroff seine und Penroses Bewusstseinstheorie auf der ASSC in Peking vorgetragen hat- sie ist nicht weit von Esoterik entfernt, meine ich.
    Nur am Rande erwähnt wurden in der Diskussion die Untersuchungen von Perea & Araque sowie von Alfredo Pereira, die vermuten, dass Astrozyten (Stichwort Tripartite Synapse) an der Entstehung von Bewusstsein beteiligt sind. Andere Studien, wie die von Lissek et al. zu Aktivitätsmustern im Gehirn zeigen, dass “das Bewusstsein im Gehirn nicht einfach von der Anzahl an aktiven Nervenzellen im Kortex abzuhängen [scheint], sondern vielmehr von den Feinheiten, wie diese miteinander kommunizieren und inwiefern sie ihr Verhalten gegeneinander kontrastieren können. ”
    Mit anderen Worten: die Welt bewusst erleben zu können hängt von der geregelten internen Kommunikation ab.
    Die biologische Seite des Bewusstseins ließe sich also vermutlich erklären, die phänomenale dagegen dürfte erheblich größere Schwierigkeiten bereiten – womit wir beim hard problem of consciousness und der explanatorischen Lücke wären ….

  5. Vielen Dank für Ihren Aufsatz. Die Kontroverse des späten neunzehnten Jahrhunderts über die Grenzen des Wissens wurde allgemeinen beschrieben als Krise, von der die Wissenschaft noch nicht losgekommen sei. Meine Forschung unterstützt die entgegengesetzte Interpretation. Der Initiator der Kontroverse, Emil du Bois-Reymond, war ein Physiologe, der sein ganzes Leben gegen die Kräfte des Obskurantismus arbeitete, ob vorgebracht von Katholiken und konservativen Rechten oder von der szientistischen und chiliastischen Linken. Du Bois-Reymond Agnostizismus in Richtung der ultimativen Natur des Geistes und der Materie muss daher als Bekenntnis gesehen werden und nicht Ablehnung seines Glaubens an die Vernunft.

    Wenn Sie mehr über du Bois-Reymond erfahren möchten, lesen Sie bitte mein Buch:

    https://www.amazon.de/Emil-Bois-Reymond-Neuroscience-Nineteenth-Century-Transformations/dp/0262019507/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1508355920&sr=8-1&keywords=gabriel+finkelstein

  6. @Schleim: Was nutzt Bewusstseinsforschung im Alltag?

    Es kommt mir so vor, betrachtet man das Interesse an dem Thema, als gehöre die Frage nach dem Bewusstsein entweder nicht zu den großen Fragen, oder sie ist zu groß, als dass sie beantwortet werden könnte. Weshalb man sich, siehe die Diskussion in Zeit online, verzettelt und viele kleine Fragen, die sich beantworten lassen, daraus macht. Der Mangel an Interesse hier in scilogs könnte daran liegen, dass die Bewusstseinsfrage schon mehrfach gestellt und diskutiert wurde.

    Wie dem auch sei, Sie fragen, was Bewusstseinsforschung im Alltag für einen Nutzen haben könnte – was mich überrascht, weil die Frage nach dem Nutzen nun gerade nicht in Richtung einer großen Frage geht. Große Fragen haben eigentlich nur einen Nutzen: sie erzeugen Wissbegier, Hunger nach mehr an Erkenntnis. Und die nach dem Bewusstsein dient darüber hinaus dem Zweck, mehr von und über uns selbst zu erfahren.
    Ist diesem Zweck gedient, wenn die Erklärung lautet:

    Es ist keine eigenständige Entität, sondern ein Sammelbegriff für die bewussten psychischen Prozesse. Lebewesen mit Bewusstsein sind dann solche, die bewusste Prozesse haben; erstes Problem gelöst.

    Tatsächlich? Ich denke eher: Nein! Denn bewusste Prozesse sind etwas anderes als Bewusstsein, und wollte ich diese Definition stehen lassen, hätte ich ein Problem, wenn ich unbewusst ablaufende Prozesse, die mein Handeln durchaus beeinflussen können, nicht mehr dem Bewusstsein zuordnen könnte. Das wäre dann auch ein erhebliches juristisches Problem.
    Bleiben wir trotzdem dabei und sagen:

    Der bewusste Prozess ist erst einmal nur demjenigen zugänglich, der ihn hat, und er hat eine bestimmte Erlebnisqualität. Ersteres wird manchmal als Erste-Person-Perspektive ausgedrückt, Letzteres als “wie es sich anfühlt”.

    Dieses Problem haben zum einen Thomas Nagel (what is it like to be a bat) und Sabine Windmann in ihrem „Brief an einen Zombie“ behandelt, wobei Windmann sich auf Ned Blocks Unterscheidung zwischen Zugangs – und phänomenalem Bewusstsein bezog. Sie zeigte auf, dass wenn das „Sich anfühlen“ und die zugehörigen Prozesse im Gehirn dasselbe seien, müssten sie sich in denselben Termini beschreiben lassen – was aber nicht der Fall ist. Wenn Sie also schreiben:

    Es sind jedoch keine rein philosophischen oder intellektuellen Fragen.

    Dann sind Fragen wie die von Nagel nach meinem Dafürhalten sowohl philosophische als auch intellektuelle Fragen – wenn man nicht gerade auf der Stufe stehen bleibt zu sagen, Gefühle seien nicht diskutierbar.
    Aus Sicht der Kognitionswissenschaften ist das Bewusstseinsproblem – nicht die Frage nach dem Nutzen ihrer Forschung – mit der Antwort, bewusste Prozesse zu haben (von der Tautologie der Erklärung ganz abgesehen), keineswegs gelöst. Darauf gehen Sie ja auch ein, weshalb es mich gefreut hat, dass Sie das Integrationsproblem angesprochen haben:

    Mit Integration ist gemeint, dass unser Nervensystem aus den unterschiedlichen und komplexen Wahrnehmungseindrücken der Sinnesorgane ein zusammenhängendes Erlebnis bildet: Wir sehen eben keine Fläche grüner, gelber, roter und violettfarbener Kleckse unter einem blauen Rechteck, sondern eine blühende Sommerwiese; dazu hören wir vielleicht noch das Summen von Bienen, das Zwitschern von Vögeln und das Rauschen von Blättern im Wind. Philosophen sprechen daher manchmal auch von der “Einheit” des Bewusstseins.

    … denn nach der Integrationsformel- und nein, nicht nach Singers Theorie:

    Es scheint, dass bestimmte Gehirnareale, die an der bewussten Wahrnehmung beteiligt sind, in einem schnellen Gleichtakt feuern, den so genannten Gamma-Oszillationen. Dazu kommt die Selektion, das heißt, dass wir in unserem Bewusstsein die Aufmerksamkeit auf etwas richten, etwa die Falter, die vor unseren Augen über die Wiese schmetterlingen.

    – sondern nach der darunter liegenden Formel, mit der sich diese Prozesse formal beschreiben lassen, hatte Dörner mich ja damals gefragt. Da hatte ich sie noch nicht, inzwischen habe ich sie, nur ist es nicht eine, sondern es sind mehrere Formeln.
    Jedenfalls, mit bewussten Prozessen unabdingbar verbunden ist diese Frage:

    Was ist “Aufmerksamkeit”? Und wie richtet man diese auf etwas?

    Zur ersten Frage schrieb Joachim Hoffmann einmal, dass es bisher noch keine allgemein akzeptierte Theorie der Aufmerksamkeit gibt und keine Kriterien, um sie zu definieren. Als ich ihm damals mein erstes Buch zusandte, schrieb er mir zurück, er stimme mir insbesondere meiner Betonung der Funktion der Aufmerksamkeit zu. Das heißt, Ihre zweite Frage, wie man Aufmerksamkeit auf etwas richte, ist falsch gestellt, denn wir können das gar nicht. Nach meiner Definition richtet sich Aufmerksamkeit entweder auf Beziehungen (Prädikate) oder auf Funktionen (der mathematische Begriff ist gemeint), und die Aufgabe der Aufmerksamkeit dient dem Integrationsprozess. Und niemand von uns bekommt mit, wie die Aufmerksamkeit dies zuwege bringt, ganz abgesehen davon, dass sich unter einem Richten der Aufmerksamkeit auf Prädikate vs. Funktionen niemand etwas vorstellen kann.

    Aber Sie fragen ja nach dem Nutzen der Bewusstseinsforschung und kommen zur Aussage…

    Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wer sich von dieser Forschung Orientierungswissen für das eigene Leben erhofft, der sieht sich eher enttäuscht.

    Sie geben als Beispiel Hubels und Wiesels Arbeit an. Da Sie Bischofs „Psychologie. Grundkurs für Anspruchsvolle“ gelesen habe, wissen Sie, dass der erste, der diese Entdeckung gemacht hatte und als Pionier hätte bezeichnet werden müssen, Jerome Lettvin war. Nur kam er damit zu früh.

    … und zur Antwort, die nicht mehr die große Frage nach dem Bewusstsein, sondern eine eher banale ist:

    Wem sollten Philosophie und Wissenschaft Nutzen aber, wenn nicht den Menschen?

    Genau das ist das Problem der modernen Wissenschaft: Wenn ihre Daseinsberechtigung darin besteht, Nutzen und nicht Wissen zu vermehren, hört sie auf, Wissenschaft zu sein. Weshalb ich meine, es ist zum jetzigen Zeitpunkt vernünftiger, die Beschäftigung mit großen Fragen in die Zukunft zu verlagern bzw. sie allenfalls hobbymäßig zu betreiben – was im Übrigen wesentlich kostengünstiger ist – , die Antworten darauf künftigen Generationen zu überlassen und uns stattdessen mit nutzenbringenden präwissenschaftlichen Aufgaben und der Nachbereitung der bereits erfolgten großen Antworten zu beschäftigen.

  7. @Trice: Wissen und Nutzen

    Danke für Ihren Co-Kommentar. Sie brauchen sich übrigens nicht dafür zu entschuldigen, mich mit @Schleim anzusprechen; das ist mir aus Schultagen nicht unbekannt und auch nicht unangenehm, wenn es nicht so weit geht, mich wie ein sonst von mir sehr geschätzter Englischlehrer “Schleimi” zu rufen.

    Für mich ist Wissenschaft keine reine l’art pour l’art: Sicher muss es auch Grundlagenforschung geben, deren Nutzen sich im Voraus nicht abschätzen lässt; die Balance zwischen Grundlagen- und Anwendungswissen muss aber stimmen.

    Das aber, was sich heute als Anwendungswissen ausgibt (etwa in der Biomedizin), ist doch eine Scheinwelt, die sich etwa in fehlenden Therapie-Entwicklungen und gescheiterten Replikationen äußert.

    Dass Wissen auch einen Nutzen haben kann und so Weisheit wird, war nach meinem Verständnis in der antiken Philosophie ein wichtiger Punkt; in der östlichen Philosophie hat man sich davon nicht verabschiedet, oder jedenfalls sehr viel weniger. In der westlichen Akademie hat das Spezialistentum derart um sich gegriffen, dass “Anwendungsforschung” für viele ein Schimpfwort geworden ist. Dann aber noch einmal: Soll man sich am Wissen nur abstrakt erfreuen, wie an der Mona Lisa im Louvre?

    Nein, gerade von der Bewusstseinsforschung sollte man sich nicht nur “Was ist”- oder “Wie funktioniert”-Fragen erwarten, sondern auch: “Was bedeutet das für mich?” Also Selbsterkenntnis, Persönlichkeitsentwicklung, Transformation, Ethik. Das ist gerade in schwierigen Zeiten, in denen es konkrete Lösungen für große Herausforderungen braucht, viel wichtiger als immer mehr und immer feingliedrigeres Wissen um Mechanismen.

  8. @Stephan Schleim: Bewusstseinsforschung

    Bei der Frage nach dem Bewusstsein geht es m. E. nicht um die Auseinandersetzung Grundlagen- vs. Anwendungsforschung – weder die eine noch die andere Art der Forschung führt zu einer Antwort. Sie schreiben ja auch:

    von der Bewusstseinsforschung sollte man sich nicht nur “Was ist”- oder “Wie funktioniert”-Fragen erwarten, sondern auch: “Was bedeutet das für mich?”

    Denn bei dieser Frage, nämlich, was bedeutet das für mich, geht es nicht mehr um das Wissenwollen, sondern um die Forschung – was bringt mir diese Forschung, was bringt es mir, wenn ich weiß, worauf die Wissenschaft sich bei diesem Begriff geeinigt hat, welche Bedeutung hat das für mich und mein Leben.
    Das erinnert mich an eine Diskussion in der Xing-Community – damals leitete ich die Skeptiker-Gruppe in Xing -, in der ein Mitglied fragte: “Was bringt mir Darwins Evolutionstheorie, für mich und mein Leben ist sie ohne Bedeutung und die Erfindung der Schraube ist für mich eine wesentlich bedeutendere.”
    Ein überzeugendes Gegenargument fand damals niemand, weshalb ich denke, dass diese Frage falsch gestellt war.

    Sicher, für den Einzelnen ist bei der Forschung nach dem Bewusstsein relevant, was Sie erwähnen:

    Also Selbsterkenntnis, Persönlichkeitsentwicklung, Transformation, Ethik.

    Dazu aber lässt sich erst etwas sagen, wenn man weiß, womit man es zu tun hat, wenn man von Bewusstsein spricht.

    In diesem Punkt

    Das ist gerade in schwierigen Zeiten, in denen es konkrete Lösungen für große Herausforderungen braucht, viel wichtiger als immer mehr und immer feingliedrigeres Wissen um Mechanismen.

    bin ich bei Ihnen. Nur geht es bei der Frage nach dem, was Bewusstsein ist, gerade nicht um feingliedriges Wissen. Das kann erst mit der Antwort auf die Frage: was ist Bewusstsein? und mit den darauf folgenden Aufräumarbeiten (wie Kuhn es nannte) beantwortet werden.

    Das heißt: auch und gerade weil ich nicht zur prädikativen Gruppe gehöre, kann ich sehen, dass die Vorgehensweise, einen Schritt nach dem anderen zu machen, sinnvoll ist – und nicht beim vorletzten anzufangen, noch bevor man losgegangen ist.

    Ad “Schleimi”:
    Das klingt mir nach “Verniedlichung” – einer Form der Angstabwehr. Was haben Sie denn gemacht, um bei ihm den Eindruck zu erwecken, Sie wollten ihn in Frage stellen? 😉

  9. @Trice: Logik

    Welch interessante Schlussfolgerung:

    Ein überzeugendes Gegenargument fand damals niemand, weshalb ich denke, dass diese Frage falsch gestellt war.

    Vielleicht war das Argument auch einfach nur richtig gut?!

    Dazu aber lässt sich erst etwas sagen, wenn man weiß, womit man es zu tun hat, wenn man von Bewusstsein spricht.

    Das ist schon sehr mit dem Kopf gedacht… Unter der Annahme, dass uns Bewusstsein erst einmal intuitiv gegeben und vertraut ist, braucht man davon nicht unbedingt zu “sprechen”, um etwas zu lernen.

    Darum geht es mir ja gerade: Bewusstseinserweiterung durch Erfahrung, nicht durch die Suche nach Definitionen oder physiologischen Korrelaten.

  10. @Stephan Schleim: Schlussfolgerungen, Schlüsse und Fehlschlüsse

    Ein überzeugendes Gegenargument fand damals niemand, weshalb ich denke, dass diese Frage falsch gestellt war.
    Vielleicht war das Argument auch einfach nur richtig gut?!

    Möchten Sie sich etwa mit den Biologen anlegen? 😉

    Nein, im Ernst: Es gibt ein Gegenargument, weil es sich um unterschiedliche Sachverhalte handelt, die keine gemeinsame Basis haben. Im Fall der Evolutionstheorie geht es um Erkenntnisgewinn als Grundlage für ein neues Menschenbild, bei der Erfindung der Schraube um eine technische Neuerung, die praktischen Nutzen, aber keine Erneuerung eines Weltbildes zur Folge hat. Aber diese Vermengung von völlig verschiedenen Sachverhalten führt zu Fehlschlüssen – eine Logik ist da nicht zu erkennen.

    Das ist schon sehr mit dem Kopf gedacht… Unter der Annahme, dass uns Bewusstsein erst einmal intuitiv gegeben und vertraut ist, braucht man davon nicht unbedingt zu “sprechen”, um etwas zu lernen.

    Auch das ist falsch. Es geht doch wohl um die Erforschung des Bewusstseins. Wenn es ausreicht, dass es uns vertraut und intuitiv gegeben ist, muss es nicht mehr erforscht werden. Da dies aber geschieht, stellt sich doch die Frage: Warum, wenn es uns doch vertraut ist? Was soll denn da noch sein?

    Bewusstseinserweiterung durch Erfahrung, nicht durch die Suche nach Definitionen oder physiologischen Korrelaten.

    Es gibt keine Bewusstseinserweiterung. Es gibt eine Erweiterung des bzw. Zunahme von Wissen(s) durch Erfahrung, das ja. Aber Bewusstsein ist nichts anderes als der Mechanismus, der uns die Welt so erleben lässt, wie wir sie erleben. Es wäre uns schließlich nicht damit gedient, wenn wir die Muster der diversen elektrochemischen Prozesse im Gehirn wahrnehmen und erleben würden.
    Wenn Sie von Selbsterkenntnis, Persönlichkeitsentwicklung usw. sprechen, sind das letztlich auch nichts anderes als Produkte von Prozessen, auf die wir keinen Zugriff haben.

  11. Bewusstsein, was ist das?

    Diese Frage kann nur von einem Lebewesen gestellt werden, das Bewusstsein besitzt, sogar ein Selbstbewusstsein!
    Und damit sind wir bei der allgemeinsten Frage der Philosophie und gelangen zu zwei großen Kategorien:
    Der Materie und dem Geist und allem was sich daraus ergibt.
    Was war zuerst da, was ist das Primäre und welche Wechselwirkungen ergeben sich aus diesen grundlegenden Kategorien?

    Ich gehe mal von der Normalform des Erlebens aus, in dem sich diese beiden Kategorien verbinden.
    Da sind Lebewesen, die mehr oder minder unterschiedliche Formen von Bewusstsein entwickeln, um ihren Energiebedarf zu decken als Grundvoraussetzung des Überlebens in einer bestimmten Zeit und die sich in einer bestimmbaren Artund Weise verhalten, um ihre anderweitigen Bedürfnisse zu befriedigen.

    Leben ist Materie, die spezifische neue hochkomplexe Materie hervorgebracht hat, um Fähigkeiten der Orientierung und des Verhaltens hervorzubringen. sich in Raum und Zeit bewegen zu können und bestimmte Zielezu verfolgen.

    Wir haben genetisch codiertes Wissen und wir haben die Formen des unbewussten und des bewussten Lernens.
    Mit wir meine ich immer noch alle Lebenwesen.

    Der Mensch als gesellschaftliches Wesen der kooperativen Arbeit muss den größten Teil des notwendigen Wissen erlernen im Beispiel der Beobachtung von Interaktionen bis hin zu Prozessen systematischer Lerntätikeit nicht nur in unterschiedlichen Dimensionen der Raumzeit, sondern auch den kulturell-sozialen Räumen, in denen er aufwächst.
    Die Fähigkeit des Geistes ist die der Widerspiegelung sowohl materieller wie auch geistiger und auch sozialer, kultureller Prozesse, die wir sehr wohl erleben und erkennen, aber erst in der wissenschaftlichen Betrachtungsweise einer Bewusstheit zuführen können, die geeignet ist, uns zum Herrscher über die Materie aufzuschwingen.

    Da das Materielle selbst unendlich ist in Vielfalt, Raum und Zeit, findet unsere Erkenntnis keinen Endpunkt, sehr wohl aber Erkenntnis auf der Ebene subjektiver und objektiver Wahrheit.
    Diese beiden Unterscheidungen von Wahrheit ergeben sich aus den allgemeinsten Kategorien selbst, einmal subjektiv aus der jeweils begrenzten Sicht der individuellen Reife des eigenen Bewusstseins und aus einer Sicht aus den Naturgesetzen selbst, die auch jenseits des Bewussten ihre Geltung aufrecht erhalten.
    Bewusstheit ist damit eine Form des Begreifens der Welt und der Handlungsfähigkeit unter dem Willen zu einem bestimmten Zweck, der sich aus unserer Exisztenzweise und aus der angeborenen Neugier ergibt.
    Stirbt die Neugier, dann ist die Zeit nahe, wo der Mensch stirbt, wo sein Geist erlischt und der Körper allmählich in Auflösung übergeht.
    Nun arbeitet der Geist aber auch in einer Art und Weise der Abstraktion und Begrenztheit, in einer Parallelität in der einzelne Eigenschaften eines Objektes als Ganzes erfasst werden aber doch meist unvollständig oder sogar systematisch punktuell, um die zu verarbeitende Informationsmenge zu begrenzen.

    In dieser Parallelverarbeitung besteht ein gewaltiger Unterschied zur Neumann-Architektur eines Computers.

    Und doch können wir durch Aufmerksamkeit und systematische Methode unsere Sinne und unser Denken auf einzelne Aspekte eines Objektes lenken, wir können sogar über Hilfsmittel zeitliche Abläufe dehnen, Eigenschaften messen, die unseren Sinnen nicht zugänglich sind, Bilder vergrößern, Codierungen lesen lernen und chemische und eelektrische Reaktionsmuster messen. Mit der Quantität von Wissens entsteht irgendwann auch neue Qualität, dringen wir von den Erscheinungen zum Weesen der Dinge und Prozesse vor.
    Wohl deshalb ist dem Preis der Fleiß und eben auch der Schweiß des Mühens vorangestellt.

    Aufmerksamkeit ist ein Instrument der Analyse, das wir künstlich erweitern können, indem wir uns Fragen stellen, indem wir in der Analyse die Objekte der Welt zerlegen, ihre Aspekte systematisoieren, Strukturen erkennen und Bewegungsmuster und alles wieder in der Synthese oder manchmal blitzartig in der Intuition zusammensetzen können.

    Dann sollten wir das Ergebnis der Synthese mit dem realen Objekt vergleichen und wenn diese in den wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen, wenn wir die Bewegungsgesetze dieser Objekte in der Raumzeit erkennen, dann
    erst können wir von einer wirklichen Bewusstheit sprechen. Zu diesen Objekten gehören natürlich auch die Subjekte, also wir selbst und die anderen.

    Weil dieser Prozess nicht nur zeitlich determiniert ist sondern auch störanfällig ist, gibt es eben auch den Irrtum bis zum Irrtum der Wissenschaft, gibt es das (noch) benannte Nichtwissen und das unbekannte Nichtwissen.
    Diesen Nebel zu durchdringen, das Unbekannte zu ersetzen ist die Wurzel aller Religionen und aller daraus resultierenden
    Missverständnisse.

    Zukunft ist aber offen und Kausalität und Universalität schaffen einen Raum von Möglichkeiten, der nur zum Realen werden kann, wenn wir Herr des Handelns bleiben können.
    Wir befinden uns heute in den umfassendsten Krisen der Menschheit, weil Bewusstheit durch Propaganda ersetzt wurde,
    weil die Verbrechen des Kapitals durch das Framing der Politik die Aufdeckung der Wahrheit behindern.

    Bewusstheit setzt auch Vernunft voraus, doch Vernunft hat eine historische und individuelle Dimension.
    Vernunft ist nicht apriorie gegeben, sie setzt hohes Wissen, Kritik und Selbstkritik, Überwindung von Überholtem voraus.
    In Zeiten, wo das Geld aus dem Nichts erzeugt wird, jeden Monat in Höhe von 40 bis 60 Milliarden Euro, ist Vernunft längst durch Blindheit und Angst ersetzt worden.

    Nachdenken hilft aber, vorallem gemeinschaftliches und so hat die Uni Hamburg einen vernünftigen Verhaltenskodex zum Umgang mit Religionen entwickelt:

    „Die Religionsfreiheit der Einen kann nicht weiter reichen als die Religionsfreiheit der Anderen. Dies schließt die Freiheit, nicht zu glauben, ebenso ein wie die Freiheit, kein glaubensgemäßes Leben zu führen und keine religiösen Symbole zu verwenden sowie keine Bekleidungen zu tragen, die religiös motiviert sind. Ein religiös motivierter Druck zu einem ‚richtigen‘ Verhalten widerspricht der Religionsfreiheit.“

    Transparenz und Offenheit in einer Gesellschaft sind wohl unabdingbar, um jene Bewusstheit zu erzeugen, die zur Überwindung der Segregation der Gesellschaft aus sozial-ökonomischen Machtverhältnissen führen kann.
    Solange die Spaltung besteht, wird die Bewusstheit der Massen systematisch unterdrückt.

    Die Zeiten sind vorbei, wo die politische Elite die Kompetenz zur Lösung besitzt, sie sind sich nur einig in der Bewahrung ihrer Pfründe.

    Entwicklung braucht Evolution und Revolutionen, im Recht ist die Revolution längst überfällig geworden.

  12. Bewusstsein, was ist das?

    Diese Frage kann nur von einem Lebewesen gestellt werden, das Bewusstsein besitzt, sogar ein Selbstbewusstsein!
    Und damit sind wir bei der allgemeinsten Frage der Philosophie und gelangen zu zwei großen Kategorien:
    Der Materie und dem Geist und allem was sich daraus ergibt.
    Was war zuerst da, was ist das Primäre und welche Wechselwirkungen ergeben sich aus diesen grundlegenden Kategorien?

    Ich gehe mal von der Normalform des Erlebens aus, in dem sich diese beiden Kategorien verbinden.
    Da sind Lebewesen, die mehr oder minder unterschiedliche Formen von Bewusstsein entwickeln, um ihren Energiebedarf zu decken als Grundvoraussetzung des Überlebens in einer bestimmten Zeit und die sich in einer bestimmbaren Art und Weise verhalten, um ihre anderweitigen Bedürfnisse zu befriedigen.

    Leben ist Materie, die spezifische neue hochkomplexe Materie hervorgebracht hat, um Fähigkeiten der Orientierung und des Verhaltens hervorzubringen, sich in Raum und Zeit bewegen zu können und bestimmte Ziele zu verfolgen.

    Wir haben genetisch codiertes Wissen und wir haben die Formen des unbewussten und des bewussten Lernens.
    Mit wir meine ich immer noch alle Lebewesen mit graduellen Abstufungen.
    Selbst Pflanzen können kommunizieren.

    Der Mensch als gesellschaftliches Wesen der kooperativen Arbeit muss den größten Teil des notwendigen Wissen erlernen im Beispiel der Beobachtung von Interaktionen bis hin zu Prozessen systematischer Lerntätikeit nicht nur in unterschiedlichen Dimensionen der Raumzeit, sondern auch den kulturell-sozialen Räumen, in denen er aufwächst.
    Die Fähigkeit des Geistes ist die der Widerspiegelung sowohl materieller wie auch geistiger und auch sozialer, kultureller Prozesse, die wir sehr wohl erleben und erkennen, aber erst in der wissenschaftlichen Betrachtungsweise einer Bewusstheit zuführen können, die geeignet ist, uns zum Herrscher über die Materie und die Gesellschaft aufzuschwingen.

    Da das Materielle selbst unendlich ist in Vielfalt, Raum und Zeit, findet unsere Erkenntnis keinen Endpunkt, sehr wohl aber Erkenntnis auf der Ebene subjektiver und objektiver Wahrheit.
    Diese beiden Unterscheidungen von Wahrheit ergeben sich aus den allgemeinsten Kategorien selbst, einmal subjektiv aus der jeweils begrenzten Sicht der individuellen Reife des eigenen Bewusstseins und aus einer Sicht aus den Naturgesetzen selbst, die auch jenseits des Bewussten ihre Geltung aufrecht erhalten.
    Bewusstheit ist damit eine Form des Begreifens der Welt und der Handlungsfähigkeit unter dem Willen zu einem bestimmten Zweck, der sich aus unserer Exisztenzweise und aus der angeborenen Neugier ergibt.
    Stirbt die Neugier, dann ist die Zeit nahe, wo der Mensch stirbt, wo sein Geist erlischt und der Körper allmählich in Auflösung übergeht.
    Nun arbeitet der Geist aber auch in einer Art und Weise der Abstraktion und Begrenztheit, in einer Parallelität, in der einzelne Eigenschaften eines Objektes als Ganzes erfasst werden aber doch meist unvollständig oder sogar systematisch punktuell, um die zu verarbeitende Informationsmenge zu begrenzen.

    In dieser Parallelverarbeitung besteht ein gewaltiger Unterschied zur Neumann-Architektur eines Computers.

    Und doch können wir durch Aufmerksamkeit und systematische Methoden unsere Sinne und unser Denken auf einzelne Aspekte eines Objektes lenken, wir können sogar über Hilfsmittel zeitliche Abläufe dehnen, Eigenschaften messen, die unseren Sinnen nicht zugänglich sind, Bilder vergrößern, Codierungen lesen lernen und chemische und eelektrische Reaktionsmuster messen. Mit der Quantität von Wissens entsteht irgendwann auch neue Qualität, dringen wir von den Erscheinungen zum Wesen der Dinge und Prozesse vor.
    Wohl deshalb ist dem Preis der Fleiß und eben auch der Schweiß des Mühens vorangestellt.

    Aufmerksamkeit ist ein Instrument der Analyse, das wir künstlich erweitern können, indem wir uns Fragen stellen, indem wir in der Analyse die Objekte der Welt zerlegen, ihre Aspekte systematisieren, Strukturen erkennen und Bewegungsmuster und alles wieder in der Synthese oder manchmal blitzartig in der Intuition zusammensetzen können.

    Dann sollten wir das Ergebnis der Synthese mit dem realen Objekt vergleichen und wenn diese in den wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen, wenn wir die Bewegungsgesetze dieser Objekte in der Raumzeit erkennen, dann erst können wir von einer wirklichen Bewusstheit sprechen. Zu diesen Objekten gehören natürlich auch die Subjekte, also wir selbst und die anderen.

    Weil dieser Prozess nicht nur zeitlich determiniert ist sondern auch störanfällig ist, gibt es eben auch den Irrtum bis zum Irrtum der Wissenschaft, gibt es das (noch) bekannte Nichtwissen und das unbekannte Nichtwissen.
    Diesen Nebel zu durchdringen, das Unbekannte zu ersetzen ist die Wurzel aller Religionen und aller daraus resultierenden Missverständnisse.

    Zukunft ist aber offen und Kausalität und Universalität schaffen einen Raum von Möglichkeiten, der nur zum Realen werden kann, wenn wir Herr des Handelns bleiben können.

    Wir befinden uns heute in den umfassendsten Krisen der Menschheit, weil Bewusstheit durch Propaganda ersetzt wurde, weil die Verbrechen des Kapitals durch das Framing der Politik die Aufdeckung der Wahrheit behindern.

    Bewusstheit setzt auch Vernunft voraus, doch Vernunft hat eine historische und individuelle Dimension.
    Vernunft ist nicht apriorie gegeben, sie setzt hohes Wissen, Kritik und Selbstkritik, Überwindung von Überholtem voraus.
    In Zeiten, wo das Geld aus dem Nichts erzeugt wird, jeden Monat in Höhe von 40 bis 60 Milliarden Euro, ist Vernunft längst durch Blindheit und Angst ersetzt worden.

    Nachdenken hilft aber, vorallem gemeinschaftliches und so hat die Uni Hamburg einen vernünftigen Verhaltenskodex zum Umgang mit Religionen entwickelt:

    „Die Religionsfreiheit der Einen kann nicht weiter reichen als die Religionsfreiheit der Anderen. Dies schließt die Freiheit, nicht zu glauben, ebenso ein wie die Freiheit, kein glaubensgemäßes Leben zu führen und keine religiösen Symbole zu verwenden sowie keine Bekleidungen zu tragen, die religiös motiviert sind. Ein religiös motivierter Druck zu einem ‚richtigen‘ Verhalten widerspricht der Religionsfreiheit.“

    Transparenz und Offenheit in einer Gesellschaft sind wohl unabdingbar, um jene Bewusstheit zu erzeugen, die zur Überwindung der Segregation der Gesellschaft aus sozial-ökonomischen Machtverhältnissen führen kann.
    Solange die Spaltung besteht, wird die Bewusstheit der Massen systematisch unterdrückt.

    Die Zeiten sind vorbei, wo die politische Elite die Kompetenz zur Lösung besitzt, sie sind sich nur einig in der Bewahrung ihrer Pfründe.

    Entwicklung braucht Evolution und Revolutionen, im Recht ist die Revolution längst überfällig geworden. Die Gewaltenteilung braucht Erneuerung und Ergänzung durch direkte Demokratie.

  13. Nachtrag zum Bewusstsein:

    Bewusstsein ist jedenfalls eine spezifische Form von Widerspiegelung der Wirklichkeit, führt praktisch zu einer Verdoppelung der Welt.
    In der Kommunikation mit anderen werden diese bruchstückhaften Welten in den verschiedenen Köpfen nochmals individuell verzerrt.
    Wenn dann Selbstbild und Fremdbild divergieren, schlägt jede Kommunikation fehl.
    Wir können die äußere Welt nur dadurch interpretieren, dass wir diese intern nachzubauen versuchen.
    In unserm Denken existiert nur diese innere Widerspiegelung und wenn die falsch ist, dann wird unser Handeln, das in der richtigen Welt vollzogen wird, zu unerwartetetn Reaktionen führen.

    Hinzu kommt, dass wir alles in Bewegung begreifen müssen, in Veränderung in der Zeit, wir müssen den Prozesscharakter der Bewegungen begreifen aus dem Kampf und der Einheit dialektischer Widersprüche. Materie und Geist spiegeln sich deshalb auch im Widerspruch von Theorie und Praxis.
    Das Materielle muss sogar noch weiter gefasst werden in Bezug auf die Gesellschaft, wir gehen da nämlich Verhältnisse ein, die wirken, ob sie uns bewusst sind oder nicht.
    Das wird gern als die ordnende Hand des Marktes bezeichnet. Dabei wird vergessen, dass sich Märkte ändern, wir aber noch nicht die neue Marktform gefunden haben, die der 4. industriellen Revolution entspricht. Ich bezeichne die mal als intelligenten Markt, in dem sich die Menschen in Freiheit und Verantwortung verantwortungsbewusst und kooperativ verhalten in überschaubaren Strukturen.

    Die Geschichten, die uns als Narrative eingepflanzt werden, tun ein Übriges, uns zu verwirren.

    Interessen werden in gespaltenen Gesellschaften durch “gemeinsame” Werte überdeckt.
    So können eben Menschenrechte selbst zur Religion im Kapitalismus denaturiert werden.
    Von den sozialen Menschenrechten wird so gut wie nie gesprochen.

    Wer Bewusstheit über die Welt erlangen möchte, muss die Geschichte kennen, Hoffnungen und Fehler der Vorgänger begreifen und muss mit anderen eine Gesellschaft aufbauen, die den Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit aufhebt.

    Das erfordert einen neune Akkumulationstyp in der Gesellschaft, der auf zinslosen Anleihen der Bürgern beruht. auf direkter Demokratie und einer Grundsicherung, die keinen Missbrauch zulässt und aus der echten Wertschöpfung finanziert wird.
    Große Unternehmen fungieren dann auf dem gemeinsamen Organisationsvermögen, dessen Rechte und Pflichten in sozialen, ökologischen und wissenschaftlich begrundeten Standards demokratisch definiert werden. Da so der private Profit entfällt und durch leistungsgerechte Entlohnung ersetzt wird und wenn alle sich beteiligen können, die Zeit dafür sinkt, wächst die Zeit für freie Arbeit, für Bildung, fürSoziales, für Kommunikation und für echte Teilhabe.
    Wissen kommt von Können unnd Können befähigt zum Handeln.
    Das nennt sich Freiheit in Verantwortung und dort entsteht eine Ethik oder Moral aus diesen Fähigkeiten heraus, die so etwas wie den Kantschen Imperativ tatsächlich wirksam werden lässt.

    Das ist die Dialektik, die Moral ermöglicht, wo das Fressen nebensächlich geworden ist aus den Existenzbedingungen der menschlichen Gattung heraus.

    Das Globale kann man nur aus dem Lokalen heraus ändern, auch wenn unsere Politiker etwas anderes erzählen.

    Wie sollen die Vasallen eines untergehenden Systems auch etwas andere erzählen, wenn die merken müssen, dass sie selbst überflüssig werden könnten?

    Regionen, die sich weitgehend autark versorgen können, bleiben friedlich.
    Der Mensch als gesellschaftliches Wesen braucht adäquate Verhältnisse und er trägt eine
    Mitverantwortung, diese in seiner Heimat zu schaffen.

    Wenn der Fürst von Liechtenstein schon erkennt, dass Politiker heute nicht schlauer sind als viele andere Menschen bedeutet das noch nicht, dass wir schon schlau genug wären.
    Im Gegenteil, aber gerade deshalb sollten wir an dem Problem arbeiten.

    https://www.heise.de/tp/features/Mit-Territorien-auswandern-3867272.html

  14. @Trice: Charmant

    Auch das ist falsch.

    Was ist das doch immer für eine Freunde, mit so jemandem zu diskutieren, der einem so etwas gleich als erstes aufs Brot schmiert.

    Es geht doch wohl um die Erforschung des Bewusstseins. Wenn es ausreicht, dass es uns vertraut und intuitiv gegeben ist, muss es nicht mehr erforscht werden. Da dies aber geschieht, stellt sich doch die Frage: Warum, wenn es uns doch vertraut ist? Was soll denn da noch sein?

    Aha. Gibt es irgendwo einen logisch gültigen Schluss der Form: Wenn N Menschen X tun, dann muss X sinnvoll sein?

    Ich würde aber schon Ihrer Prämisse widersprechen (oder in Ihren Worten: Auch das ist falsch). Schließlich hat niemand behauptet, das Bewusstsein sei uns (intuitiv) bereits vollständig gegeben. Womit wir zum nächsten Punkt kämen, nämlich…

    Es gibt keine Bewusstseinserweiterung.

    Köstlich. Ich zitiere mal aus dem Duden: Bewusstseinserweiterung = Erweiterung des Bewusstseins.

    Aha, okay, das erklärt nicht viel; Bw. bedeutet aber doch, neue Erfahrungen zu machen, also bewusste Prozesse zu erleben, die man noch nicht hatte, oder besondere Erlebnisse zu wiederholen, insbesondere mit dem Ziel, mehr über das Bewusstsein (Platzhalter für: die Summe der bew. Prozesse) zu lernen.

    Das hört sich jetzt vielleicht tautologisch an, ist es aber nicht; denn zum Beispiel lernt man ja dadurch: Aha, solche Erlebnisse gibt es also; und unter diesen Umständen können sie auftreten; und sie führen zu solchen Gedanken und Verhaltensweisen; und sie zeigen mir, dass meine Wahrnehmung falsch sein kann; und und und.

    Das hört sich nach ziemlich viel an, das man lernen kann, dafür, dass es so etwas nicht gibt.

  15. @Stephan Schleim: … und Bewusstsein

    Danke erst einmal, dass Sie meinen unverblümten Satz mit Humor nehmen, das freut mich, 🙂

    Nun dazu:

    Womit wir zum nächsten Punkt kämen, nämlich…

    Es gibt keine Bewusstseinserweiterung.
    (…)
    Bw. bedeutet aber doch, neue Erfahrungen zu machen, also bewusste Prozesse zu erleben, die man noch nicht hatte, oder besondere Erlebnisse zu wiederholen, insbesondere mit dem Ziel, mehr über das Bewusstsein (Platzhalter für: die Summe der bew. Prozesse) zu lernen.

    Damit wir nicht aneinander vorbei reden: Wir verwenden zwar den Begriff Bewusstsein, obwohl wir keine Definition für ihn haben und auch überhaupt nicht klar ist, worum es sich handelt. Anderenfalls würde der Duden nicht mit einer Tautologie aufwarten, sondern mit einer Erklärung, was unter diesem begriff zu verstehen ist.
    Ich wiederhole es nur ungern, aber als ich Prof. Mausfeld vor einigen Jahren meinen Ansatz vorlegte, sagte er, es sei imgrund jenseits aller Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet jemand wie ich ihm die Lösung des Rätsels, wie das menschliche Gehirn arbeitet, auf den Tisch legt. Diese Lösung wäre keine, wenn ich nicht zumindest einen akzeptierbaren Vorschlag zu dem, was unter Bewusstsein zu verstehen ist, machen könnte. Und ich diskutiere auf dieser Basis.

    Neue Erfahrungen zu machen erweitert nicht unser Bewusstsein, sondern unser Wissen über die Welt und über uns. Die Fähigkeit, lernen zu können, ist keine Eigenschaft des Bewusstseins, sie ergibt sich über eine Folge von Verarbeitungsprozessen, die über die Leistungen wahrnehmen, erkennen und verstehen, bzw. wahrnehmen, verstehen, erkennen ablaufen. Das Bewusstsein macht nur die jeweiligen Ergebnisse dieser Prozesse für uns verfügbar, auf jeder dieser Leistungsstufen. Und auch das ist nur möglich, weil es eine Repräsentationsebene gibt, auf der diese Wissensinhalte in einer Form, die vom bewusst Erlebten verschieden sind, vorgehalten werden – sowas nennen wir Gedächtnis. Da sie dort präsent sind, kann auf sie über rückgekoppelte Prozesse nicht nur zugegriffen, sondern sie können auch miteinander kombiniert, assoziiert usw. werden. Mit anderen Worten: unser gesamtes bewusstes Erleben, die Erweiterung unseres Wissens, die Entwicklung unserer Persönlichkeit usw. basieren alle auf den Feedforward – und Feedback-Prozessen zwischen Gehirn, Repräsentationsebene und Bewusstsein.
    Ich hoffe, ich konnte etwas deutlicher machen, was zu meiner (un-)charmanten Reaktion geführt hat,für die ich mich entschuldige.

  16. BEWUSSTSEIN?

    Jeder ist es, aber keiner kann es wissen!

    Wittgenstein: Worüber wir nicht reden können müssen wir schweigen.

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