Löwenzahn-Zeit! Heilkraft, Tipps und Rezepte

Frühling ist Löwenzahn-Zeit. Löwenzahn färbt mit seinen Blüten die Wiesen nicht nur schön gelb, sondern ist auch essbar und sehr gesund. Ein kleiner Steckbrief dieser wertvollen, oft als Unkraut verkannten Heilpflanze und einige Rezeptideen.

Kühe und Bienen lieben Löwenzahn (Taraxacum officinale). Kinder lieben Pusteblumen. Für viele Erwachsene ist der Löwenzahn, der wegen seiner Bitter- und Mineralstoffe ein wirkungsvolles Heilkraut ist, jedoch eher ein ungeliebtes Unkraut. Denn die schier unverwüstlichen Pflanzen zerstören sehr wirkungsvoll das angestrebte Schönheitsideal vieler Ziergärten.

Botanik und Geschichte des Löwenzahns

Der zu den Korbblütergewächsen (Familie der Asteraceae) gehörende Löwenzahn soll im Volksmund über 500 verschiedene Bezeichnungen haben. Zu den bekanntesten zählen Pusteblume, Kuhblume, Butterblume, Ackerzichorie, Märzenbusch, Maienblume, Milchblume und wegen der harntreibenden Wirkung auch Pissblume oder Bettseicher.

Der botanische Name Taraxacum soll aus dem Arabischen “tarak” (lassen) und “sahha” (pissen) stammen. Schon im 11. Jahrhundert berichteten arabische Ärzte von seiner Heilwirkung. Der Namenszusatz “officinale” ist häufig bei Heilpflanzen anzutreffen und stammt vom französischen “officine” (Apotheke).

Löwenzahn ist eine sehr ausdauernde, mehrjährige Pflanze, die mehr als 30 cm hoch wachsen kann. Die Pfahlwurzeln können länger als 30 cm werden. Die Blätter sind grundständig und mit tiefen Zacken. Mit etwas Fantasie erinnern sie an das Gebiss eines Löwen. Löwenzahn hat einen hohlen, aufrechten Stängel, der einen weißen Milchsaft freisetzt, wenn man ihn bricht. Die goldgelben Blüten verwandeln sich nach der Blüte in Pusteblumen mit vielen kleinen Schirmchen, mit deren Hilfe die Samen ihre Reise antreten.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe

Medizinische Verwendung findet die zur Blütezeit gesammelte ganze Pflanze. Zu den pharmakologisch wichtigen Inhaltsstoffe zählen u.a. Bitterstoffe, Inulin, Triterpene, Flavonoide, Schleimstoffe, Steroide, Vitamin C und Kalium.

Verwendung

Löwenzahn regt erfolgreich die Aktivität von Leber und Nieren an. Auf Französisch heißt die Pflanze deswegen auch Pissenlit (“mach ins Bett”). Die enthaltenen Bitterstoffe fördern die Sekretion im Magen-Darm-Trakt. Seine entschlackende Wirkung macht Löwenzahn zum perfekten Bestandteil von Frühjahrs- oder Herbstkuren.

Auch bei der Behandlung von Diabetes und Übergewicht konnte die Wirksamkeit des Löwenzahns wissenschaftlich bewiesen werden. Weitere Anwendungsgebiete sind neben Erkrankungen der Leber und Galle, auch Gicht, Rheuma, Ekzeme, Hämorrhoiden, sowie Nieren- und Blasenleiden.

Bei einem Verschluss der Gallenwege oder des Darms sollte Löwenzahn allerdings nicht angewendet werden. Bei Gallensteinen sollte zuvor eine ärztliche Rücksprache erfolgen.

Nebenwirkungen sind wenige bekannt. Gelegentlich können allergische Reaktionen und Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Anwendungsarten & Rezepte

Löwenzahn-Tee:

Circa 1 EL Wurzeln mit 250 ml kaltem Wasser über Nacht ansetzen, am nächsten Tag aufkochen und abseihen. Diese Menge ein halbe Stunde vor und eine halbe Stunde nach dem Frühstück, schluckweise trinken.

Alternative: Circa 1 EL Wurzeln (zerkleinert) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Dreimal täglich eine Tasse vor dem Mahlzeiten trinken.

Löwenzahn-Salat:

Frische, rohe Blätter und Wurzeln eignen sich hervorragend als Beimischung zu einem Salat. Wie für alle Wildkräuter gilt dabei auch für Löwenzahn: Nicht vom Straßenrand sammeln, sondern von möglichst unbehandelten Wiesen.

14-tägige Frühjahrskur: etwa 5-10 frische, gewaschene Löwenzahnstengel essen. Wirkt belebend und entgiftend, hilft bei Zucker- und Leberkrankungen.

Löwenzahn-Sirup:

  • Zwei gehäufte Doppelhände frische Löwenzahnblüten bei Sonnenschein sammeln, ausschütteln, damit keine darin lebenden Tierchen mit verarbeitet werden und mit einem Liter kalten Wasser ansetzen.
  • Langsam einmal aufkochen und über Nacht stehen lassen.
  • Am nächsten Tag die Flüssigkeit durch ein feines Sieb in einen Topf gießen, abtropfen lassen und die Blüten gut ausdrücken.
  • 1 kg Zucker und 1/2 , in kleine Stücken geschnittene und gewaschene, unbehandelte Zitrone dazugeben.
  • Den Topf ohne Deckel auf die Herdplatte stellen und das Ganze langsam zum Kochen bringen. Über mehrere Stunden, am besten über Nacht, auf kleinster Stufe die Flüssigkeit verdunsten lassen, bis die richtige Konsistenz des Sirups erreicht ist. Hierfür ab und an eine Löffelprobe abnehmen und erkalten lassen.
  • Der so gewonnene „Honig“ ist vegan und eignet sich auch perfekt zum Backen.

Löwenzahn-Gelee:

  • Zwei gehäufte Doppelhände Löwenzahnblüten wie für den Löwenzahnsirup sammeln und mit einem Liter Wasser ansetzen.
  • Langsam einmal aufkochen und über Nacht stehen lassen.
  • Am nächsten Tag die Flüssigkeit durch ein feines Sieb in einen Topf gießen, abtropfen lassen und die Blüten gut ausdrücken.
  • 500 g Gelierzucker und 1/2 , in kleine Stücken geschnittene und gewaschene, unbehandelte Zitrone dazugeben und nach Anleitung zubereiten (einige Minuten aufkochen je nach Gelierprobe).
  • In vorbereitete, mit kochendem Wasser ausgespülte, trockene Gläser abfüllen, Deckel fest verschließen und die erste Zeit auf die Deckel gestellt erkalten lassen.

Guten Appetit und einen gesunden Frühling!

Löwenzahn in der Lyrik

Heut hab ich mich ganz verschaut In den unteren Himmel.
Er ist wiesengrün und abertausend kleine sanfte Sonnen
sind aufgegangen in ihm.

Gehorsame Kinder der großen Mutter, die sie aus dunkler Erdhaft befreit, dass sie das Licht verkünden
still und ohne zu blenden.

Christine Busta (1915 -1987)
Der Atem des Wortes / Löwenzahn

 

Quellen / weiterführende Literatur:

  • Ignat MV, Coldea TE, Salanță LC, Mudura E. Plants of the Spontaneous Flora with Beneficial Action in the Management of Diabetes, Hepatic Disorders, and Cardiovascular Disease. Plants (Basel). 2021 Jan 23;10(2):216. doi: 10.3390/plants10020216. PMID: 33498684; PMCID: PMC7911329.
  • Dr. Grünwald J, Jänicke C.: Grüne Apotheke. Das Standardwerk zur Pflanzenheilkunde. Mit wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen. Gräfe und Unzer, 1. Auflage 2004. 416 S. ISBN 3-7742-6464-3.
  • Treben M: Gesundheit aus der Apotheke Gottes: Ratschläge und Erfahrungen mit Heilkräutern. Ennsthaler. 33. Auflage 1987. ISBN 3 85068 090 8

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggte zunächst als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

2 Kommentare

  1. Irgendwie ist es typisch für uns Menschen, was sehr gut ist , gesund ist, im Überfluss wächst, wird nicht beachtet.
    Dabei ist eine Wiese mit Löwenzahn ein sinnliches Erlebnis. Und wer einmal gesehen hat , wie eine Windböe in einer Wiese abertausende von …..(ja wie heißen denn die Dinger) aufwirbeln kann, der freut sich. Kinder freuen sich besonders.

    Vielleich ist der Löwenzahn auch das Vorbild für den Fallschirm gewesen.

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