Einige Folgen der sogenannten Flüchtlingskrise – ein Differenzierungsversuch

Die sogenannte Flüchtlingskrise scheint die Kräfteverhältnisse der politischen Lager erheblich verschoben zu haben. Alles, was nicht „rechts“ ist, gehört zu den Verlierern. Wie man die verschiedenen Richtungen definieren könnte, ob sie nun rechts, in der Mitte oder links stehen, soll uns hier nicht interessieren. Man versteht, so glaube ich, das, was ich sagen will, auch dann hinreichend, wenn man sich an den üblichen Sprachgebrauch hält. Nur bezogen auf den Konservativismus ist wohl eine Bemerkung vorweg nötig. Die Konservativen waren früher dezidiert anti-demokratisch. Sie sind es heute in ihrer Mehrheit nicht mehr. Diejenigen von ihnen, die es noch sind, zählt man im allgemeinen zu den Rechten. Man wird aber nicht alle Rechten als dem Konservativismus entstammend ansehen dürfen. Insbesondere der Nationalsozialismus ist so nicht zu begreifen; es verhält sich mit ihm zumindest wesentlich komplizierter, siehe z. B. diesen Blog-Artikel.[1]

Die Gewinner sind also die Rechten. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ bringen in manchen deutschen Städten Massen auf die Straße, rechte Parteien haben erheblich mehr Zulauf als in den letzten Jahren, und einige mitteleuropäische Staaten (der Versuch, sie als „osteuropäische“ aus Mitteleuropa, damit aus dem „Abendland“ hinauszudefinieren, fruchtet offenbar nicht so recht) haben Regierungsparteien, die sich von jenen rechten Parteien wie der AfD oder dem Front Nationale nicht unterscheiden. Und vor allem: Im Internet bekommt man den Eindruck, als sei eine nicht-rechte Position in der Flüchtlingsfrage Sache einer Minderheit. Man sehe sich die Kommentare anläßlich eines beliebigen Artikels zu dieser Frage in der Online-Ausgabe einer der großen Zeitungen oder Zeitschriften an: Man hat den Eindruck, daß mindestens drei Viertel von ihnen von Wählern der AfD verfaßt wurden.

 

Diese Kommentare zeigen allerdings noch etwas ganz anderes. Die Frage stellt sich, ob denn die Rechten überhaupt noch rechts sind. Daß jemand ein Rechter ist, erkannte man seit eh und je an bestimmten Positionen, „typisch rechten“ eben, z. B. daß Demokratie oder Emanzipation von Minderheiten oder von Frauen abgelehnt werden. Manche von diesen Positionen findet man immer noch. Andere sind verschwunden und ersetzt durch solche, die bisher zuverlässige Indikatoren dafür waren, daß es sich bei denen, die sie vertreten, nicht um Rechte handelt.

Immer noch vorhanden ist die Fremdenfeindlichkeit – Feindlichkeit aber nicht gegen Fremde an sich Das betonen die Rechten immer wieder: daß sie nichts gegen Ausländer hätten, insbesondere nicht gegen Ostasiaten. Aber doch gegen bestimmte Fremde. Diese Aversion scheint den Rechten momentan ihre Stärke zu verleihen, denn mit dem Zuzug von Fremden war offenbar ein Thema aufgekommen, bei dem die Rechten auf Zustimmung weit über ihre bisherigen Kreise hinaus rechnen konnten.

Fremdenfeindlichkeit war über zwei Jahrhunderte am Rande des Konservativismus zu finden. Am Rande, wohlgemerkt. Der Konservativismus ist in seiner klassischen Variante durchaus offen für Fremdes und Fremde. Wie kam das? Für den Konservativismus war immer ein positives Verhältnis zur Tradition wesentlich. Die Aufklärung, so sagt man, zog alles, was in der Gesellschaft Geltung beanspruchte, z. B. bestimmte durch Tradition „geheiligte“ Verhaltensweisen, „vor den Richterstuhl der Vernunft “. Nur das, was diese Prüfung bestand, erhob diesen Anspruch den Aufklärern zufolge zu Recht.

Nun war es, bevor im 18. Jahrhundert rassistische und nationalistische Ideologien entstanden und sich im 19. Jahrhundert weithin durchsetzten, immer die christliche Tradition, die es zu bewahren oder zu der es zurückzukehren galt. Das Christentum ist essentiell für den Konservativismus und für die Gegenaufklärung insgesamt[2]. – Man muß sich, um nur ein Beispiel zu geben, vor Augen halten, in welchem Maße das Leben fast aller Menschen von biblischen Geschichten bestimmt war. Man wußte vielleicht nicht, wo London liegt, aber wo Bethlehem und Jericho liegen, das wußte über Jahrhunderte jedes Bauernkind. Daß aber das Christentum eine Religion fremder Herkunft ist, war nicht zu übersehen. Schon aus diesem Grund war es unmöglich, fremde Einflüsse für schlechthin negativ halten.

Nun stand der Konservativismus keineswegs nur für Bewahrung, sondern für Entwicklung, allerdings für Entwicklung unter Bewahrung des Wesens dessen, was da zu entwickeln war. Entwicklung hatte aus der Tradition heraus zu geschehen. Zuwanderung gehört zu dem, was Entwicklung in Gang setzt. Sie kann dies so tun, daß diese einen falschen Weg nimmt, aber auch so, und daß sie einen richtigen nimmt. Dazu müssen die Richtigen, die richtigen Menschen, die richtigen Ideen, auf die richtige Weise aufgenommen werden. Man nennt das heute „Integration“.

 

Was sind nun Tendenzen in diesem Denken, die wir als „rechtsextrem“ bezeichnen würden? Zum einen gab bzw. gibt es eine Verbindung des Konservativismus zum Nationalsozialismus. Die NS-Ideologie ist allerdings nicht einfach eine Radikalisierung des konservativen Denkens, wie man das vor allem von Seiten der politischen Linken hören kann. Warum nicht? Ich will nur einen Punkt nennen. Dem klassischen Konservativismus – man kann von einer Heimatideologie sprechen – war die unlösliche Zusammengehörigkeit von „Land und Leuten“ (W. H. Riehl) wesentlich. Die Heimat mußte man verteidigen, doch durfte man nicht anderen ihre Heimat nehmen. Der NS aber sprach der Herrenrasse das Recht, ja die Pflicht zu, anderen die Heimat zu nehmen und sie zu ihrer neuen Heimat zu machen. Der Konservativismus mußte sich mit Elementen ganz anderer, nämlich „moderner“ weltanschaulicher Herkunft verbinden, damit so etwas denkmöglich werden konnte.[3]

Es gibt aber auch Tendenzen im Konservativismus, die nicht in eine ihrem Charakter nach ganz andere Ideologie führten, eben die nationalsozialistische, welche, so habe ich eben behauptet, Elemente moderner weltanschaulicher Herkunft enthält (obwohl man sie durchaus zur „Antimoderne“ zählen muß). Auf das folgende bin ich in diesem Blog schon mehrfach eingegangen, siehe z. B. Blog-Artikel Das Glück der Heimat. Welche Tendenzen waren das? Zum einen tritt im 19. Jahrhundert die Idee der Entwicklung im Konservativismus zurück. Wenn aber Heimat grundsätzlich so sein muß, wie sie schon immer war, wird alles Fremde unausweichlich zur Störung. Die Heimat muß sich nach außen abschließen. Zum anderen verband sich die klassisch-konservative Idee der Heimat mit der Idee der Nation. Diese Idee kommt aus dem geraden Gegenteil des konservativen Denkens: aus der bürgerlich-fortschrittlichen Denkweise. Die Nation ist eine bewußte Vereinigung der Bürger. Die Herkunft zählt nicht. Man muß die Verfassung anerkennen, es ist gleichgültig, ob man eine französische Mutter hat und ob man ursprünglich französisch oder deutsch spricht. Aber in Deutschland (und in den meisten anderen Ländern) verband sich Idee der Nation mit einer ganz anderen Idee: Aus der Nation wurde das Volk. Das ist nicht die Vereinigung von Vertragschließenden, sondern eine Sprach- und Kulturgemeinschaft, in die man hineingeboren wird, und es wurde immer mehr zu einer Abstammungsgemeinschaft. Zum Volk kann nur gehören, wer die richtige Herkunft hat, kulturell und immer mehr biologisch.

im 19. Jahrhundert wurde es mehr und mehr wichtig, daß die Menschen der Heimat einem Volk angehören. In Deutschland haben die Juden keinen Platz mehr, auch nicht in der unterdrückten Position, die sie vorher hatten, obwohl sie hier, wie etwa im Rheinland, schon lange lebten, bevor es beispielsweise Sachsen oder Bayern gab[4], Im deutschen Volk setzt sich das fort: In Bayern haben die „Preußen“ keinen Platz mehr. Die deutsche Kultur, mit der zunächst nicht der Gedanke eines bestimmten Volksbodens notwendig verbunden ist, wird über die Idee der Land-und-Leute-Einheit zur Kultur, die alles, was ihr fremd ist, vom jeweiligen Ort ausschließt. So wird die konservative Vorstellung der sich entwickelnden und darum offenen Kultur (oder Heimat) zur Vorstellung einer abgeschossenen Idylle, und dies verbindet sich bald in paradoxer Weise mit Aggression gegen alles Fremde (paradox, denn der Begriff der Idylle paßt ja gar nicht so recht zum Begriff der Aggression).

 

Wo diese ideologischen Figuren auftraten insbesondere verbunden mit Gewaltbereitschaft, mit einer Ablehnung der Demokratie und dem, was diese zur Bedingung hat, nämlich vor allem die Ideen der Menschenwürde und der Menschenrechte, der Emanzipation insbesondere von Frauen und von sexuellen Minderheiten[5], der Ablehnung des Fortschritts überhaupt – kaum mehr, wie früher im konservativen Denken, des technischen, wohl aber des politischen –, da hatte man noch vor zwei oder drei Jahrzehnten mit großer Sicherheit Rechte vor sich. Sie konnten radikale Konservative[6] sein wie oben skizziert, aber auch Nazis. In diesem Fall kamen Ideologeme dazu wie der (völkische) Rassismus. Die konservativen Rechten mußten dagegen nicht rassistisch sein, sie konnten auch kulturalistisch sein, insbesondere in Form der Ablehnung bestimmter Religionen.

 

Dieses Bild von den Rechten hat sich, spätestens seit die „Flüchtlingskrise“ die öffentliche Diskussion bestimmt, erheblich geändert. Rechte verteidigen nun das, was bis vor kurzem von eben den Rechten kritisiert worden war, und sie kritisieren, was bis vor kurzem von ihnen verteidigt worden war. Das gilt zumindest für den Teil der Rechten, die ich oben als „radikalisierte Konservative“ bezeichnet habe; die Nazis im engeren Sinne sind ein anderer Fall, auf den ich hier nicht eingehen kann. Man sollte aber nicht vergessen, daß sie einen beträchtlichen Teil der heutigen Rechten ausmachen. (Das wird seit einiger Zeit heruntergespielt; Rechtsextreme, und mit ihnen Nazis, werden in den Mainstream-Medien nicht mehr so genannt, es handelt sich um vergleichsweise harmlose „Rechtspopulisten“ oder gar nur um „besorgte Bürger“ – ein Begriff, der ja neuerdings keineswegs nur als Selbstbezeichnung dieser Rechtsextremisten dient.)

Wie hat sich das Bild der Rechten geändert? Man verteidigt nicht mehr ein „deutsches Wesen“ oder auch ein „abendländisches“. Die Parolen von Pegida oder AfD können da täuschen. Fragt man genauer nach, bleibt von dem, wozu in den Parolen aufgerufen wird, wenig. „Abendland“ war immer das christliche Abendland, Abendland war durch das Christentum (bzw. seine westliche, römische Form) definiert. Kaum jemand unter denen, die unter der Fahne „Abendland“ marschieren oder die dazu aufrufen, dürfte aber mit dem Begriff „christlich“ etwas anfangen können. Nein, wenn „Abendland“ überhaupt irgend etwas bedeuten soll, dann dies: Es ist ein anderes Wort für „der Westen“. „Der Westen“ aber ist die Gegend, in der sich die „westlichen Werte“, und das heißt im wesentlichen: die Werte der Aufklärung durchgesetzt haben. Man attackiert mit einem Haß, wie man ihn bisher nur vom Antisemitismus her kannte, den Islam. Dies aber keineswegs deshalb, weil der Islam eine andere Religion ist als diejenige, die bei uns die Tradition bestimmt oder von der man überzeugt ist, also deshalb, weil er das Christentum bedroht. Ich vermute, die große Mehrzahl der heutigen Rechten ist atheistisch und lehnt das Christentum als Religion genauso ab wie den Islam als Religion. Man findet zahlreiche typische Argumentationsfiguren in den Leser-Kommentaren, die darauf hindeuten, daß zumindest ein großer Teil der Rechten das Übel in der Religion schlechthin sieht: Christentum und Islam hindern die Menschen am Denken (das unweigerlich zu einer individualistischen Weltanschauung führt). Im Westen ist man aber früher über die Religion hinweggekommen.

Man attackiert also den Islam, weil er von der Aufklärung unberührt ist. Die Ideen der Menschenwürde und der Menschenrechte seien dort nicht angekommen, und das gesamte Geflecht von Kultur und Politik sei dort so beschaffen, daß sie nie ankommen werden (ein Gedanke, der den des Rassismus im NS funktional einigermaßen ersetzt, denn für den rassistischen Antisemitismus sind gewisse kulturelle Dinge in Wirklichkeit naturbedingt und können deshalb nie durch Erziehung u. dgl. verändert werden). Jene Ideen bestimmen vor allem unter dem Titel „Emanzipation“ die fortschrittliche Politik seit über 200 Jahren, und eben „Emanzipation“ zieht seitdem den Haß der Rechten – aber auch der gemäßigten Konservativen – auf sich. Emanzipation kann die der Juden sein, der Arbeiterklasse, der schwarzen Sklaven, der Frauen und neuerdings die von sexuellen Minderheiten. Zusammengenommen ergab das einen Haß auf die moderne Lebensweise schlechthin, die Lebensweise, die weltweit alles gleich macht, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen auslöscht und für die Herkunft bzw. Tradition überhaupt nicht zählt, nur Zukunft; Zukunft hat das Nützliche. Es gibt keine bestimmte Kultur mehr, nur noch abstrakt Nützliches.[7] Das konkretisiert sich, als Feindbild, allerdings auch wieder in der Vorstellung einer bestimmten Kultur: dem american way of life. (Siehe Blogartikel Das Glück der Heimat.) Der klassische Konservative einschließlich seiner radikalisierten, „rechten“ Formen verteidigte die „Kultur“ (die abendländische, deutsche, bayerische…) gegen die „bloße Zivilisation“, die er vor allem in jenem way of life verkörpert sah. Und eben das tut der Rechte heute nicht mehr. Der american way of life ist für ihn vielleicht mehr als alles andere Verkörperung dessen, was es gegen den Islam zu verteidigen gilt: „westliche Werte“ – angeblich weil der Islam eine andere Kultur ist, tatsächlich aber, weil er überhaupt eine Kultur ist und nicht „bloße Zivilisation“.

 

Kurz: Die Rechten verstehen sich als die Verteidiger der Aufklärung gegen eine Bedrohung, die sie nicht da sehen, wo die Rechten sie immer sahen (american way of life, bloße Zivilisation), sondern da, wo sie nie eine Bedrohung sahen: In den von der Aufklärung nicht geprägten Kulturen. Sie mußten diese Bedrohung nicht sehen, weil diese Kulturen viel zu schwach waren. Diese Schwäche scheint den Rechten überwunden, seit es eine größere Zahl von muslimischen Immigranten gibt. Wie einst die Juden die abendländische „Kultur“ oder später, im völkisch-rassistischen Antisemitismus, die Kultur der „nordischen Rasse“, so „unterwandern“ jetzt die Muslime die „westliche Zivilisation“.

Tatsächlich sind diese Kulturen aber auch heute noch schwach. In dem Blog-Artikel „Ist die deutsche Kultur durch Zuwanderung bedroht?“ habe ich argumentiert, daß sie dies deshalb sind, weil es eine Übernahme auch nur von einigen Elementen islamischer Kultur und des Islam als Religion derzeit nicht gibt und auch in absehbarer Zeit nicht geben wird. Nirgends sieht man deutlicher die völlige Realitätsferne der Islam-Feindschaft. (Man kann außer auf jene – nennen wir es: kulturelle und ideologische – Schwäche auch noch auf anderes sehen, etwa die ungeheure militärische und technologische Überlegenheit des „Westens“ über die islamische Welt.) – Man erkennt an dieser Stelle aber auch, daß die Rechten doch nicht das geworden sind, was die politischen Forderungen, die sie neuerdings stellen, vermuten lassen: Verteidiger der Aufklärung (damit sozusagen koalitionsfähig mit Liberalen, Demokraten und Sozialisten). Denn was erkennt man da? Es sind Wahngebilde, vor denen man davonläuft. Der Islam (eine politische Ideologie, eine Ideologie der Herrschaft sei er, keine Religion, soll ins AfD-Programm geschrieben werden; als ob man das vom Christentum nicht genauso sagen könnte) ist dem „Westen“ so gefährlich wie der Rat der Weisen von Zion der „deutschen“ oder „nordischen“ Kultur.

Man darf, wenn es um das Eintreten der Rechten für die „westlichen Werte“ geht, die Werte der Aufklärung, doch nicht ganz vergessen, was sie dazu antreibt. Die Motivation hinter dem Eintreten der heutigen Rechten für Demokratie usw. ist offenbar eine ganz andere als die der Demokraten seit über 200 Jahren. Zunächst ging es gegen die Fremdbestimmtheit des Lebens durch gottgewollte Herren, später, von Seiten der „Sozial-Demokraten“, gegen von der Logik „der Wirtschaft“ gewollte Herren. Nun geht es gegen zum Objekt maßlosen Hasses stilisierte Schwache, die zugleich für eine außerordentliche Bedrohung gehalten werden. Es sind immer Schwache, denen diese Funktion zukommt; im Falle des Antisemitismus war es genauso.

Aber immerhin: Die Rechten treten heute für Errungenschaften der Aufklärung ein, warum auch immer. Es scheint keine politische Kraft mehr zu geben, die die deutsche Kultur (das deutsche Wesen) oder auch die abendländische Kultur verteidigt. Nicht eine „Kultur“ wird rechts verteidigt, wie ja der Begriff „rechts“ vermuten läßt, denn eben das war immer mit diesem Begriff verbunden, sondern ganz im Gegenteil Werte der Aufklärung gegen das, wofür die traditionellen Ideen von Kultur standen.[8] Wer das Grundgesetz und überhaupt die hier geltenden Gesetze anerkennt, erfüllt die wesentlichen Bedingungen der Integration, die Bedingungen, bleiben zu dürfen. Weder rechts noch in anderen Teilen des politischen Spektrums wird man heute eine andere Auffassung finden. Nur: Von den Angehörigen islamischer Kultur meint man unter den Rechten, daß sie eine Integration überhaupt nicht wollen oder daß sie dazu unfähig sind. Gewiß kann das vorgeschoben sein; man will sie nicht integrieren und sagt, sie wollen sich nicht integrieren oder sie seien dazu kulturell nicht in der Lage. Doch sollte man solche psychologischen Erklärungen trennen von der Frage, wie sich der Diskurs bzw. das ideologische Spektrum in jüngster Zeit verändert haben.

Soll man diese Veränderung begrüßen? Es gibt keine Stimme mehr im politischen Raum, die nicht für Demokratie, für die Freiheit der Meinung, für Menschenwürde und Menschenrechte, für die Emanzipation der Frauen wäre – kurz für alles, was die islamisch geprägte Kultur angeblich oder tatsächlich nicht kennt.[9] Man hörte gelegentlich, daß die Konfrontation mit einer Kultur, die durch Frauenunterdrückung gekennzeichnet sei, bei uns eine Diskussion in Gang bringen könnte mit dem Ergebnis, daß wir uns dessen bewußt werden, was wir an Werten zu verteidigen haben. Alles in allem werde also die Zuwanderung aus einer Kultur, die von der Aufklärung unberührt ist, zum Gegenteil dessen führen wird, was die Islamfeinde (angeblich) befürchten. Doch die Auflösung dessen, was bisher „die Rechten“ ausmachte – die anti-aufklärerische Grundeinstellung – wiegt die nicht schwerer? Ist damit jene Hoffnung, die man darein setzen wollte, daß über die sog. Flüchtlingskrise bei uns eine Bewußtwerdung dessen in Gang kommt, was wir zu verteidigen haben, nicht geradezu übererfüllt?

Oder wiegt etwas anderes schwerer: daß die Aufklärung von einem Mob verteidigt wird? Welches Bild von Aufklärung, Emanzipation, Menschenrechten, Demokratie usw. entsteht, wenn deren Protagonisten sich verhalten, wie man es von den Nazis her kennt? Mit dieser Frage will ich schließen.

 

[1] Ich benutzte nicht in allen meinen Texten diese Begriffe so wie hier, insbesondere nicht den Begriff Demokratie. Zu dem Zweck, den ich hier verfolge, scheint es mir aber sinnvoll, diese politisch-ideologischen Begriffe so zu verwenden, wie man es in jeder talkshow erleben kann.

[2] Zur Gegenaufklärung zähle ich auch die Romantik.

[3] Offensichtlich ist das nicht spezifisch für den Nationalsozialismus. Auch im Selbstverständnis der US-Amerikaner ist es ja so. Das gibt einen Hinweis darauf, welche Elemente moderner Weltanschauung sich mit dem Konservativismus verbinden mußten: liberale.

[4] Der Stamm der Bayern entstand nach vorherrschender Meinung in der Völkerwanderungszeit, die Sachsen – nicht die Niedersachsen – entstanden wesentlich später. Juden gab es seit der Römerzeit.

[5] Mit den sexuellen Minderheiten allerdings scheinen die heutigen Rechten Schwierigkeiten zu haben. Ich vermute, das wird sich geben.

[6] Rechtsextremisten im Sinne radikaler Konservativer fanden sich vor allem in der Bewegung der sog. konservativen Revolution (z. B. Odefey, Klages, E. J. Jung, O. Spann) in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

[7] Auf der Ebene der Ideologien entspricht dem der Liberalismus.

[8] Auch wenn es richtig ist, was christliche Funktionäre gern vorbringen (und überhaupt der Konservativismus gern vorbringt): daß die „Werte der Aufklärung“, insbesondere die Menschenwürde, christliche Wurzeln oder zumindest Wurzeln in der christlich geprägten Kultur haben – sie wurden doch gegen die christlichen Lehren theoretisch formuliert, gegen die christlichen Mächte politisch stark gemacht und mehr oder weniger durchgesetzt.

[9] Nicht einmal rassistisch ist man unter den Rechten mehr. Zu deren Vorwürfen gegen die islamische Kultur gehört vielmehr auch, daß sie rassistisch sei. Selbst ist man kulturalistisch. Den entscheidenden Unterschied (siehe Blog-Artikel https://scilogs.spektrum.de/landschaft-oekologie/rassismus-ohne-rasse/) bemerkt man unter den vermeintlichen Anti-Rassisten nicht einmal mehr. Der Stigmatisierung durch die „Rasse“ ist es unmöglich zu entkommen (Taufe half bekanntlich den Juden im NS nicht; Integration ist keine mögliche Politik, wenn die Ursachen für das, was man den Juden vorwirft, in ihrer Natur liegen). Dagegen werden von unseren Islamfeinden ehemalige Muslime, die sich von ihrer Religion abwenden, geradezu gefeiert.

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Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl

72 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Leute,
    ich habe nicht zuletzt deshalb einen Aufsatz zu einem ganz anderen Thema als in den letzten paar Wochen geschrieben, um mitdiskutieren zu können. Das war mir bei den physikalischen Fragen, um die es seit langem immerzu geht, nicht möglich. Nun sind die Physiker ungemein geschickt. Sie finden auch bei Themen, von denen man meinen sollte, sie hätten mit Physik überhaupt nichts zu tun, doch immer eine Stelle, an denen sie einhaken können, und schon ist ein neuer „thread“ entstanden, in dem es um Physik geht, bzw. erst um philosophische Fragen mit Bezug zu Physik, dann nur noch zu Physik. Ich hoffe, das ist diese Mal nicht so.

  2. “Was sind nun Tendenzen in diesem Denken, die wir als „rechtsextrem“ bezeichnen würden?”

    Faschismus ist die Tendenz – Faschismus, der im “gesunden” Konkurrenzdenken des “freiheitlichen” Wettbewerbs um … steckt, der in der zeitgeistlich-kreislaufend-reformistischen Bewußtseinssschwäche von systematisch-gepflegter Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein” steckt, der seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (erster und bisher einzige geistige Evolutionssprung) den geistigen Stillstand hierariesch-imperialistisch in Schuld- und Sündenbocksuche / in dumm und dümmer organisiert!!!

    “Flüchtlingskrise” und “arabischer Frühling”, aber es wird immernoch wie gewohnt gelabert über die entmenschlichende Symptomatik in “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei”.

  3. Interessanter Artikel . In der Wählerschaft der AfD dürfte sich mehr fortschrittliches Potenzial befinden , als man auf den ersten Blick denken sollte , da könnten viele Wähler auch strategisch wählen .
    Die , die sich heute für fortschrittlich halten , stecken tatsächlich eher fest in Denkstrukturen , die selbst fast schon reaktionär daherkommen , gerade , was die Frage der Frauen – und Minderheitenrechte angeht , aus der richtigen Forderung nach Gleichstellung ist heute oft eine Überhöhung geworden , die – ganz rechtes Denken – neue Formen des Gut-Böse-Schemas aufgebaut hat , nur in quasi umgekehrter Form .
    Dagegen scheinen viele anzuwählen , indem sie versuchen , Feuer mit Feuer zu bekämpfen , eigentlich jedoch sind viele Menschen auf der Suche nach einer neuen progressiven Kraft , die nicht länger steckenbleibt in Klischees über die für immer festgeschriebene Benachteiligung dieser oder jener Gruppierung.
    Ob die Rechten wirklich die Gewinner sind , wage ich zu bezweifeln , es gibt noch eine andere , versteckte Kraft , die am anderen Ende des Spektrums zieht ( nicht dem rein linken , aber dem fortschrittlichen ) , bei der letzten Dreiländerwahl war sie erstmals im Hintergrund zu erahnen, erstaunlicherweise erkannt in den medialen Analysen , wenn auch unter dem irreführenden Stichwort der “Zustimmung zu Merkels Flüchtlingspolitik”.

    • fortschrittliches Potenzial unter AfD-Wählern?

      @ DH

      „In der Wählerschaft der AfD dürfte sich mehr fortschrittliches Potenzial befinden , als man auf den ersten Blick denken sollte , da könnten viele Wähler auch strategisch wählen“

      Das glaub’ ich auch. Wenn man die Internet-Kommentare (meine Quelle; ein Programm oder auch nur ein Flugblatt aus dieser Richtung hab’ ich nie gesehen) liest, dann staunt man, daß man sich oft über lange Passagen zur Zustimmung gezwungen sieht; es stört einen nur der Tonfall – bis dann am Ende ein Satz kommt, der einem erlaubt, den ganzen Kommentar in die Schublade „reaktionär“ oder „rechts“ zu stecken, meist ein Satz, der erkennen läßt, daß man in erster Linie „diese Leute“ hier nicht will, weil sie eine andere Kultur oder Religion haben (selbst hat man im allgemeinen gar keine).

      „Die , die sich heute für fortschrittlich halten , stecken tatsächlich eher fest in Denkstrukturen , die selbst fast schon reaktionär daherkommen“

      Ja, und richtig unangenehm ist die Selbstgerechtigkeit, mit der man da daherkommt. Aber was sind das für Denkstrukturen? An die Frauenbewegung hätte ich dabei nicht gedacht, ich verstehe auch zu wenig davon. Mir fällt als erstes die Öko-Bewegung ein. Bereits in ihrer Entstehung wurde – meist von innen – heftig kritisiert, daß man dies oder jenes „grüne“ Denkmuster aus rechten Bewegungen v.a. der 20er Jahre kennt. Der typische Öko-Bewegte wußte davon nichts, war nicht belesen genug. Aber wenn er etwas z. B. von Klages gelesen hätte, er hätte begeistert zugestimmt – bis er auf Passagen gestoßen wäre, in denen dieser Philosoph offen seine Begeisterung für den NS zeigt. Heute hält keiner die Grünen noch für links, es ist ganz selbstverständlich geworden, daß sie konservativ sind und die Hauptkonkurrenten der CDU sind. Ich halte das für gut, denn das Konservative und nicht das Reaktionär-Rechte ist dominant geworden, vor allem in Gestalt der „Kretschmann-Grünen“. Es hätte auch anders kommen können.

      Was genau ist es, das man in den Medien unter dem „irreführende Stichwort der ‚Zustimmung zu Merkels Flüchtlingspolitik’“ erkannt hat? Soweit ich sehe, vereinigen sich darunter vor allem Leute wie Kretschmann, Göring-Eckardt und ein Teil der CDU selbst, also Leute mit christlich-konservativem („wertkonservativem“) Hintergrund, aber auch solche, die die gleichen Schlußfolgerungen aus einer ganz anderen, linken Tradition ziehen. Es gehören die meisten derer dazu, die „ehrenamtlich“ in der Flüchtlingshilfe tätig sind. Aber kann man da von einem politischen Potential sprechen? Es sind Menschen, die Notleidenden die Tür öffnen. Ich habe nicht den Eindruck, daß man sich da groß Gedanken macht, wie es darüber hinaus weitergehen könnte.

      Vielleicht kann man die Sache so sehen: Es gibt im christlichen Abendland, zumindest in den Städten, kaum mehr Kirchgänger, und es ist auch kaum mehr einer in einer im weitesten Sinne sozialistischen Partei, aber die wesentlichen ethischen Lehren aus diesen Traditionen hat man in ganz großen Teilen der Bevölkerung gezogen, und sie sind Teil des Alltagslebens geworden. Man läßt alles beiseite, was „ideologisch“ oder „utopisch“ ist. Niemand glaubt mehr an die Auferstehung, und sei es ist einer noch so verdünnten Form, niemand glaubt mehr an den Sozialismus oder macht sich wenigstens Gedanken darüber, wie der aussehen könnte. Aber man glaubt und tut, was nicht falsch sein kann: daß das „Liebe deinen Nächsten“ das Leben bestimmen soll oder die „Solidarität“. Das bestimmt bei vielen da tägliche Leben.

      • @Ludwig Trepl

        “Grüne” , “es hätte auch anders kommen lönnen”

        Zustimmung , so schlecht ist die Entwicklung der Grünen gar nicht .
        Die Öko-Bewegung aber muß in der Tat aufpassen , daß sie nicht von Leuten gekapert wird , die nicht mehr fortschrittlich denken , Sie haben Recht , da gibt es bedenkliche Tendenzen.

        Mit der “Zustimmung zu Merkels Flüchtlingspolitik” wurde etwas bezeichnet , was sich schon seit Jahren andeutet und sich z.B. bei Stuttgart 21 auch schon manifestiert hat , ein schemenhaft erahnbares , neues “Bündnis” ( im denkbar weitesten Sinne ) , das eher nach vorne will als zurück , und das sich ziemlich weit erstreckt , von Linksradikalen bis hin zu Wertkonservativen. Anhand des Flüchtlingsthemas beschreiben Sie das selber bereits , ein gewisser Konsens , der auch eher Gemeinsamkeiten betont als Unterschiede.
        Das Thema Flüchtlinge sollte dabei in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden , es war schon immer ein Indikator der gesellschaftlichen Grundstimmung , so haben wir heute eine völlig andere Situation als in den 90ern . Seinerzeit hatten die Rechten tatsächlich die Zukunft erstmal vor sich , sie waren die aufstrebende Kraft , oft auch die (beinahe) einzige Kraft , die noch konsequent den Kapitalismus infrage stellte und nicht zuletzt deshalb stark war.
        Heute hat sich der Wind gedreht , ich denke , daß auch dieser Umstand zur Gründung der AfD beigetragen hat , die fühlen sich nicht als Sieger , sondern als Unterdrückte , anders als in den 90ern .

      • Hier. also in dieser Nachricht, finden sich “Man-Fehler”, “Man-Fehler” sind zu vermeiden, stattdessen sind Aussagende klar zu benennen oder Passiv-Konstruktionen zu verwenden, die immer gehen, aber auch nicht viel besser sind, außer eben “Man-Fehler” zu vermeiden.

        Heute hält keiner die Grünen noch für links, es ist ganz selbstverständlich geworden, daß sie konservativ sind und die Hauptkonkurrenten der CDU sind.

        Hier liegt ein “Keiner-Fehler”, der dem “Alle-Fehler” ähnelt bzw. diametral ergänzt.
        Der Schreiber dieser Zeilen hält die bundesdeutschen Ökologisten mit neomarxistischem oder “neomarxistischem” (Sie legen hier Wert auf die Unterscheidung, woll?!, Herr Dr. Trepl, ihr Kommentatorenfreund verwendet neomarxistisch grundsätzlich metaphorisch) Hintergrund für hoch problematisch, zudem nicht für ‘konservativ’.

        Aber man glaubt und tut, was nicht falsch sein kann: daß das „Liebe deinen Nächsten“ das Leben bestimmen soll oder die „Solidarität“.

        Da ist was dran und auch deshalb hat sich Ihr Kommentatorenfreund noch kurz gemeldet,
        MFG
        Dr. Webbaer

        • @ Dr. W.

          Ich weiß nicht, welche Nachricht sie meinen, ich kann keine entdecken. Reden Sie sich nicht damit heraus, daß Sie kein Deutscher sind, daran liegt es nicht, daß Sie nicht deutsch können, sondern an irgendwelchen wirren Theorien, die Sie gelesen oder sich gemacht haben. Eine Nachricht ist in diesen Sprache nun mal etwas anderes.

          „Hier, also in dieser Nachricht, finden sich “Man-Fehler”, “Man-Fehler” sind zu vermeiden, stattdessen sind Aussagende klar zu benennen oder Passiv-Konstruktionen zu verwenden …“

          „Man-Fehler“ sind zu vermeiden, wenn es sich um Man-Fehler handelt, aber nicht die Verwendung von „man“. Ich weiß nicht, was ein „Man-Fehler“ ist, aber es wird schon welche geben. An der richtigen Verwendung von „man“ sieht man, ob einer deutsch kann. Passiv-Konstruktionen sind zu vermeiden, weil sie sich beschissen anhören; es wird sicher Ausnahmen geben. Vor allem sind sie nicht bedeutungsgleich mit den „Man-Konstruktionen“. „Man soll nicht ‚man’ sagen“ – demgegenüber „’Man’ ist zu vermeiden.“ Den letzteren Befehl empfängt man mit den Fingern an der Hosennaht, Ersteres nicht.

          „Heute hält keiner die Grünen noch für links“ (Zitat von mir) „Hier liegt ein “Keiner-Fehler [vor]“

          Quatsch, einfach Quatsch. Jeder, der lesen kann, weiß, daß das nicht bedeutet, daß es niemanden gibt, der die Grünen für links hält. „Tout le monde“ (schrieb ein Schriftsteller, dessen Namen ich vergessen habe) hing in Paris winkend am Fenster, als die Truppen des X vorbeizogen. Als der X von Y geschlagen war und dessen Truppen durch die Straßen zogen, hing wieder tout le monde jubelnd am Fenster. Es waren aber andere Leute. Lieber Webbaer, mich deucht, Sie verstehen nicht nur die deutsche Sprache nicht, sondern auch nicht die französische; vermutlich gar keine. Das liegt – vermute ich – daran, daß Sie gewisse Theorien gelesen haben, was Sie besser nicht getan hätten.

  4. Einige Anmerkungen zum ‘Differenzierungsversuch’

    Flüchtlingskrise
    Diejenigen, die zurzeit aus Afrika und Asien nach Europa immigrieren, bestehen aus Asyl-Antragsstellern, die womöglich Asylgründe nachweisen und ein zeitweiliges Aufenthaltsrecht erhalten können, aus sozusagen normalen Immigranten mit wirtschaftlichem Interesse und aus „Glücksrittern“ und Siedlern, die mit der Hidschra einem religiösen Impetus folgen.

    Rechts und Links
    …sind Metaphern für die grobe Zuordnung politischer Parteien und allgemeiner: politischer Meinung, sie orientieren sich an parlamentarisch geübter Sitzordnung.
    Der Linke ist der Kollektivist mit internationalistischem politischen Anspruch, er sitzt im Parlament.
    Er hatte aus rein praktischen Gründen im Parlament möglichst fern vom Kollektivisten mit nationalistischem Anspruch zu sitzen, denn die Parteien waren es von der Straße her geübt sich zu prügeln, also er links, der Andere ganz rechts.
    Der Rechte ist Anhänger des Konservativismus, er sitzt links neben dem Nationalsozialisten, aber insgesamt “mehr” rechts im Parlament.

    Konservativismus
    Der Konservativismus meint üblicherweise diejenige politische Einstellung, die bewahrend ist, vs. progressiv, gegen den Kollektivismus gerichtet ist, und nicht explizit liberal.
    Der Konservativismus stellt sich also wie der Progressivismus relativ, er ist sozusagen innen hohl.
    Viel mehr kann im Allgemeinen über den Konservativismus nicht gesagt werden, stattdessen ist jeweils ein bestimmter Konservativismus zu adressieren.

    Rechtsradikalität
    Der Rechtsradikale steht gegen die Verfassung, gegen die FDGO, was rechtlich erlaubt ist, es besteht Freiheit der Meinungsäußerung, aber zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz führen kann.
    Um gegen die Verfassung sein zu können, liegt in der Regel ein Kollektivismus vor, nämlich der Nationalsozialismus.

    Rechtsextremismus
    Der Rechtsextremist kämpft gegen die Verfassung, er ist vom Verfassungsschutz streng zu bekämpfen. Stichworte: Wehrsportgruppe Hoffmann, „NSU“, Anders Behring Breivik
    Um gegen die Verfassung kämpfen zu können, liegt in der Regel ein Kollektivismus vor, nämlich der Nationalsozialismus.

    Pegida
    …ist eine konservative („rechte“) Bewegung, die fleißig das Demonstrationsrecht nutzt, Lutz Bachmann, Michael Stürzenberger und der zurzeit besonders verfemte Akif Pirinçci sind keine Nationalsozialisten, keine „Nazis“, Pirinçci ist wohl auch eher dem liberal-libertären Spektrum zuzuordnen. Es finden sich bei der Pegida generell einige Liberale, bei der AfD anteilsweise mehr als bei der Pegida.

    Populismus
    …meint in positiver Konnotation, dass ein Mandatsträger oder einer der ein Mandat anstrebt, besonders auf die Wünsche des Volks, des Wahl- oder Staatsvolks, achtet und Meinungen aufnimmt und sich selbst ein wenig zurücknimmt, in negativer Konnotation einen Mandatsträger, der stets um Wählerstimmen und Ämter bemüht zynisch irgendwelche Versprechungen macht, sofern dies nur in der Menge gut ankommt.
    Das Antonym zum Populismus wird nicht gerne genannt, es ist der Elit(ar)ismus, der Elit(ar)ist fühlt sich als Person gewählt, auserwählt sozusagen, fühlt sich (s)einem Programm verbunden, das nicht dem Wählerwillen entsprechen muss.

    Rechtspopulismus
    Meint im politischen Meinungskampf Konservative („Rechte“), die Suffix ‘-populismus’ soll meist herabsetzend wirken, sie ist meist ohne Bedeutung, weil als Agitationsmittel verwendet.
    Der Rechte („Konservative“) ist für einige immer Rechtspopulist.


    Ein wenig geärgert hat sich der Schreiber dieser Zeilen beim Lesen des dankenswerterweise bereitgestellten WebLog-Artikels an zwei Stellen:
    1.) ‘Rechtsextreme, und mit ihnen Nazis, werden in den Mainstream-Medien nicht mehr so genannt, es handelt sich um vergleichsweise harmlose „Rechtspopulisten“ oder gar nur um „besorgte Bürger“’
    2.) ‘Welches Bild von Aufklärung, Emanzipation, Menschenrechten, Demokratie usw. entsteht, wenn deren Protagonisten sich verhalten, wie man es von den Nazis her kennt?’

    Dass sich der ‘Mob’, der in früherer Zeiten von den Herrschenden gefürchtet war, das mobil gewordene Volk, das doch zu gehorchen hat und nicht selbst zu handeln, nun im 21. Jahrhundert erhebt um u.a. auch die Ideen und Werte der Aufklärung zu verteidigen, kommunziert als Abendland, muss nicht verkehrt sein und deutet eher auf einen Fortschritt hin.

    Insgesamt wäre die Analyse des Artikels besser gelungen, wenn die Einwanderer nicht hauptsächlich junge muslimische Männer wären, ihr Anteil beträgt angeblich 80%.
    Und wenn der Islam kein theozentrisch-kollektivistisches und totalitäres Herrschaftssystem darstellen würde und nicht so gefürchtet wäre, wegen seiner Theorie und Praxis.
    Aber es ist oft so, dass der Islam im linksradikalen Spektrum verharmlost wird, weil es einfach nicht konveniert, dass es eine Bedrohung gibt, die weder nationalsozialistisch noch „kapitalistisch“ ist.

  5. Dr. Webbaer, Sie versprechen „Einige Anmerkungen zum ‘Differenzierungsversuch’“, aber leider machen Sie keine. Ich würde gerne mit ihnen über diese Dinge diskutieren, aber leider machen Sie nicht mit. Auf meinen Artikel gehen Sie nicht ein (mag sein, daß das hier und da doch geschieht, aber das hab ich übersehen). Sie stellen eine ganze Reihe von Behauptungen auf, und vor allem definieren Sie die hier relevanten Begriffe. Ich habe die meisten ihrer Versuche hier und an zahlreichen anderen Stellen kritisiert, mit Bezug auf Sie oder nicht (denn Sie sind ja nicht der Einzige, der solche Definitionen versucht). Man muß ihre Definitionsversuche also bis auf weiteres für falsch halten, das ist nun mal so in dem Spiel, das man “argumentieren” nennt.

    Aber Sie sind ja jetzt dran, Sie können dagegen argumentieren. Das tun sie aber nicht, haben es noch nie im Hinblick auf meine Kritik getan. Statt zu argumentieren, stellen Sie Behauptungen auf. Sie sagen z. B. „Der Konservativismus meint üblicherweise diejenige politische Einstellung, die bewahrend ist, vs. progressiv, gegen den Kollektivismus gerichtet ist, und nicht explizit liberal.“ Nun habe ich diese Art der Charakterisierung dieser politischen Richtung -zig mal kritisiert. Sie hätten also schreiben müssen: Trepl hat behauptet, daß es sich mit dem Konservativismus so und so verhält, das ist aber nicht richtig, und zwar aus folgendem Grund usw. Dann hätten Sie eine Definition bringen können, die meine Kritik auffängt und zurückweist. Aber Sie tun das nicht, ich vermute, einfach deshalb, weil Sie nicht wissen, was Argumentieren bedeutet. Sie schreiben Verlautbarungen, was etwas komisch wirkt, wenn ein einzelner Mensch das macht.

    • Lieber Herr Trepl,
      erst einmal ging es um Begriffsdefinitionen, die kurz angebunden und nicht mit wissenschaftlichem Anspruch vorgetragen worden sind, um klar zu machen, wie Ihr Kommentatorenfreund den gemeinten bundesdeutschen Verhalt analysieren kann.
      Nicht zuerst beabsichtigt war insofern der Widerspruch zu Ihnen; das Vorgehen erst einmal zu definieren, ist nicht unüblich, gerade dann wenn Begrifflichkeit erkennbar nicht geteilt wird.

      Old Webbaer und der liebe geschätzte Herr Trepl haben ja ihre eigenen Konzepte, die nur bedingt kongruent sind. Es bringt auch nicht viel Ihren Definitionen, die ja sehr ausgeklügelt sind, so dass sich ein längeres Einarbeiten empfiehlt, zu widersprechen, Ihr Kommentatorenfreund hegt keine Zweifel daran, dass sie kohärent sind.

      Insofern ist kommentarisch eine politische Sicht (“Theorie”) vorgestellt worden, die vielleicht nachvollzogen werden kann.

      Ein ganz wichtiger Punkt ist dies hier:
      Wenn Sie den Islam, Sie wenden sich ja ausdrücklich gegen seinen Literalismus (‘Worauf kommt es also an, wenn es auf die Grundtexte nicht ankommt?’ – (Quelle)), für eine mehr oder weniger gewöhnliche religiöse Veranstaltung halten, vs. Herrschaftssystem, und Sie richtig liegen, macht Ihre Analyse in weiten Teilen Sinn, mal von den zwei genannten Textpassagen abgesehen, die ‘ein wenig geärgert’ haben.

      Sie stellten dann auch gute, sofern der Schreiber dies beurteilen kann, Fragen, zumindest sehr nachvollziehbare.
      D.h. es gibt einen sogenannten Knackpunkt, der, sollte er nicht zu knacken sein, die Fortsetzung dieses kleinen Disputs nicht unbedingt wünschenswert erscheinen lässt; vielen Dank jedenfalls für die Geduld.

      MFG
      Dr. Webbaer (der pers. Einschätzung der Art ‘nicht wissen zu argumentieren’ und ‘komisch’ nicht benötigt, gerade auch dieser Logik nicht folgt: ‘Man muß ihre Definitionsversuche also bis auf weiteres für falsch halten…’, bei ‘Man’-Sätzen ohnehin immer ein wenig ungünstig aufsteift)

      • PS:
        Und so ein kleiner Disclaimer wäre womöglich nicht schlecht gewesen, den dankenswerterweise bereit gestellten Artikel mit seiner Analyse ergänzend, so in der Art “Icke linksradikal, icke dies so sehen’. [1]

        MFG
        Dr. Webbaer

        [1]
        Wobei sich der Schreiber dieser Zeilen sicher ist, dass es gut gemeint ist, also das mit dem Kollektivismus, zumal der werte hiesige Inhaltegeber ja auch nie müde geworden ist die Aufklärung, das Sapere Aude meinend und die Menge, auch den sogenannten Kleinen Mann, als wichtig zu betonen. *
        Der Schreiber dieser Zeilen als engagierter Vertreter der Aufklärung, insbesondere aus ordoliberaler Sicht meint auch oft den sogenannten Kleinen Mann, allerdings philosophisch dem Individualismus, vs. Kollektivismus, folgend.

        *
        Die Hinweise auf den als ‘wirkmächtig’ verstandenen Neomarxismus, Frankfurter Schule und so, sind hier verstanden worden.

        • @ Dr. W.

          Das glaub ich Ihnen gern, daß es Ihnen erst einmal um Begriffsdefinitionen ging, es ist ja nicht zu übersehen. Aber darum hat es hier nicht zu gehen. Hier soll diskutiert, also argumentiert werden. Und Sie wissen leider nicht, was das ist. Das ist keine persönliche Diffamierung oder was Sie da vermuten, sondern eine ganz nüchterne Feststellung. Wenn mir einer sagt, ich verstünde von 99% dessen, was es derzeit zu wissen gibt, rein gar nichts, so muß ich das hinnehmen, es stimmt nämlich. Lassen Sie sich doch einfach mal was sagen, es kann nicht schaden, wenn man dazulernt. – Nein, ich will nicht, daß hier lehrbuchartig definiert wird, was Liberalismus oder was Rechtsextremismus ist. Sondern wenn Sie der Meinung sind, daß irgendeiner einen falschen Begriff von Liberalismus hat, dann schreiben Sie: Dieser Begriff von Liberalismus ist falsch, und zwar aus folgendem Grund.

          Was soll den der unvermittelt auftauchende Satz „Die Hinweise auf den als ‘wirkmächtig’ verstandenen Neomarxismus, Frankfurter Schule und so, sind hier verstanden worden“? In dem Artikel und in meinen Kommentaren gibt es keine solchen Hinweise. Ständig kommen Sie mit dem „Neomarxismus“, der mich allenfalls am Rande interessiert und vor allem für die Themen, die ich gerade behandle, keine Rolle spielt.

          Ansonsten habe ich in den beiden Kommentaren rein gar nichts verstanden, und zwar deshalb, weil sie wirr sind. Bedingung dafür, daß Sie hier mitreden dürfen, war, daß Sie sich um Verständlichkeit bemühen. Das haben Sie eine Zeitlang getan, nun aber nicht mehr.

          • Lieber Herr Trepl,
            Sie sind beizeiten sehr streng und Ihr Kommentatorenfreund nimmt Kritik der Art, dass er nicht zu argumentieren weiß, nicht gerne an oder hin.
            Das hier – ‘Die Hinweise auf den als ‘wirkmächtig’ verstandenen Neomarxismus, Frankfurter Schule und so, sind hier verstanden worden“ – soll kurz erklärt werden:
            Ihr Kommentatorenfreund rechnet bestimmte Überlegung Ihrerseits, die nicht direkt in dem Zusammenhang steht, der im WebLog-Artikel hergestellt worden ist, dem “Neumarxismus” zu und Sie wussten richtigerweise zu ergänzen, dass der Neomarxismus (ohne Anführungszeichen) nicht direkt gemeint gewesen sein.
            Insofern hat Ihr Kommentatorenfreund benachrichtigt, dass Sie verstanden worden sind und er stattdessen “Neumarxismus” eben in Anführungszeichen schreibt, wenn er aktuelle(re) und politische Auswirkungen meint, die dem Neomarxismus (diesmal ohne Anführungszeichen) aus seiner Sicht letztlich zugesprochen werden dürfen.

            Vgl. auch mit diesem kleinen Zusatz an anderer Stelle in dieser Kommentatorik:
            ‘(Sie legen hier Wert auf die Unterscheidung, woll?!, Herr Dr. Trepl, ihr Kommentatorenfreund verwendet neomarxistisch grundsätzlich metaphorisch)’

            Sollten Sie das oben Geschriebene nicht umfänglich verstehen und / oder gehen Ihnen derartige kleine Einwürfe auf die Nerven, werden diese ab nun wieder abgestellt.
            Oder auf Ihren Wunsch hin ab nun sowieso abgestellt, bedingungslos, versprochen.

            MFG
            Dr. Webbaer (der hier bei den scilogs.de übrigens ebenfalls einen kleinen “Nager” pflegt, Frank Wappler sein Name, den er regelmäßig nicht versteht)

          • @DR. W

            “Ihr Kommentatorenfreund nimmt Kritik der Art, dass er nicht zu argumentieren weiß, nicht gerne an oder hin.”

            Das glaub ich Ihnen gerne. Aber dann zeigen Sie es doch mal!

          • Lieber Herr Trepl,
            Sie haben ja so-o recht, wenn es darum geht nicht “abgenervt” werden zu wollen, was im Web zwar geht und per se erwünscht sein könnte, die Veranstaltung meinend, ABÄR das Web ist zwar dazu da sich gegenseitig zu “nerven”, aber nicht dazu da sich gegenseitig kontinuierlich zu “nerven”.


            Warum sich Ihr Kommentatorenfreund noch ganz kurz gemeldet hat:
            Ihr Kommentatorenfreund kann Ihnen in vielen Punkten, gerade wenn Theoretisierungen (“Sichtenbildungen”) gemeint sind, nicht direkt widersprechen, weil Sie ja keine Fehler machen, i.p. Kohärenz.

            Insofern kommt es dann zu “Einwürfen”, “Geknödel” sozusagen, dies wird aber, versprochen, eingestellt.
            Die Alternative bleibt allerdings die Nicht-Nachricht.

            MFG
            Dr. Webbaer

  6. “Niemand glaubt mehr an die Auferstehung, und sei es ist einer noch so verdünnten Form, niemand glaubt mehr an den Sozialismus oder macht sich wenigstens Gedanken darüber, wie der aussehen könnte.”

    HAAAALLO, daß Problem ist doch die GEBILDETE Suppenkaspermentalität, in ihrer KONFUSION für den nun “freiheitlichen” Wettbewerb um …! Die daraus resultierenden Dogmen und Feindbilder sind aktiver denn je, so aktiv das die Kapitulation vor dem System eine Generation von nie dagewesenen Gutmenschen wie Margarine hervorgebracht hat, oder ist da noch einer der über eine logische FUSION von Christentum und Sozialismus KLARTEXT sprechen möchte, so daß die daraus resultierenden Konsequenzen eine SOZIALISTISCHE Wahrheit OHNE … generieren MUSS!?

    Stattdessen wartet man lieber darauf, daß die AfD anfängt VERSTAATLICHUNG zu rufen, so daß die “Linken” dann die Populisten sein werden, wenn die sich dann auch trauen und meinen etwas ganz anderes als Nationalsozialismus zu gestalten!

    • “Oder wiegt etwas anderes schwerer: daß die Aufklärung von einem Mob verteidigt wird?”

      Mob = Menschen ohne Bewußtsein, aber dafür schwer geschädigt durch hierarchiesch-funktionalisierten Intellekt = VIP (very infantil people)!? 🙂

  7. Das Erstaunliche an diesem langen Beitrag ist, es wird mit keinem Wort erwähnt, dass der Auslöser für ein Erstarken der sogenannten Rechten nicht etwa eine latente Fremdenfeindlichkeit ist, sondern der massenhafte Zuzug von Menschen aus einem Kulturkreis, dessen Religion zugleich auch eine Verfassung ist, allerdings eine, die mit dem Grundgesetz nicht so recht kompatibel ist. Aber vielleicht liegt darin ja der Charme der Befürworter der Bekommenskultur (Karin Göring-Eckhardt: Wir bekommen Menschen geschenkt), dass wir mit zwei Verfassungen uns jeweils heraussuchen können, welcher wir den Vorzug geben wollen.

    Der Grund, weshalb der einer Invasion gleichende Zuzug keine Berücksichtigung fand, könnte die irrige Annahme sein, die hierin:
    “weil es eine Übernahme auch nur von einigen Elementen islamischer Kultur und des Islam als Religion derzeit nicht gibt und auch in absehbarer Zeit nicht geben wird.”
    zum Ausdruck kommt. Es mag daher überraschen, dass für eine radikale Veränderung einer Gesellschaft keineswegs die Übernahme von auch nur einigen Elementen islamischer Kultur erforderlich ist. Denn nicht die Gesellschaft, die infiltriert wird oder werden soll, bestimmt, was übernommen wird oder nicht, sondern die Minderheit, die ein starkes Interesse hat an der Durchsetzung der eigenen Belange inklusive der Bewahrung ihrer Identität, setzt dies durch. Trifft sie zudem noch auf eine Gesellschaft, die ihr darin wenig Widerstand entgegensetzt – beispielsweise weil dies ihrem Selbstverständnis entspricht – setzt sich die andere Kultur entweder durch oder es kommt zu einer Vermischung der Kulturen.

    Verständlich ist aber schon, dass diese Aspekte nicht gesehen werden können, weil sie nicht gesehen werden wollen.
    Weniger verständlich, aber eben menschlich ist es, diejenigen, die die eigene Sicht der Dinge nicht ein- oder übernehmen wollen, deshalb zu diskreditieren, abzuwerten und zu entwürdigen:

    “Oder wiegt etwas anderes schwerer: daß die Aufklärung von einem Mob verteidigt wird? Welches Bild von Aufklärung, Emanzipation, Menschenrechten, Demokratie usw. entsteht, wenn deren Protagonisten sich verhalten, wie man es von den Nazis her kennt? ”

    Nur nebenbei: Wenn an Wände geschmiert wird: “AfD raus”, wenn Wirte bedroht werden, die Räume für Vorträge der AfD zur Verfügung stellen, wenn ihnen mit der Begründung “wir wollen keine Nazis” verweigert wird, einen Raum zu mieten oder wenn in die Fenster von Büroräumen der AfD Steine geworfen werden, erinnert mich das weit mehr an Verhaltensweisen der Nazis – nur hieß es damals “Juden raus” und “Kauft nicht bei Juden”…

    • @ Trice :

      Dem Artikel wohnt halt die Prämisse innen, dass es keine besonderen Probleme mit der Religion geben wird, zukünftig und in der BRD, dass AfD und Pegida in dieser Sache falsch liegen und hart zu kritisieren sind. Das eigentlich Erstaunliche für Ihren Kommentatorenfreund ist, dass ein so gebildeter wie kluger Mensch wie der geschätzte Ökologe Ludwig Trepl diese Prämisse setzen kann.

      Ansonsten, diese Sache in Syrien wie die gesamte Handhabung der arabischen Welt, beginnend mit der Kairoer Rede Obamas und der Ermutigung gerade auch islamischer Kräfte sich der Potentaten der Güteklasse Ben Ali, Gaddafi und Mubarak zu entledigen, war eine “westliche” Fehlleistung, so dass nach dem nahezu kompletten strategisch-politischen Scheitern in Betracht gezogen werden darf (begründbar) Schutzsuchende aufzunehmen.

      Es ist bitter, wie schlecht die “westliche” Politik seit einigen Jahren ist.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • “Das eigentlich Erstaunliche für Ihren Kommentatorenfreund ist, dass ein so gebildeter wie kluger Mensch wie der geschätzte Ökologe Ludwig Trepl diese Prämisse setzen kann.”

        Und eigentlich ist es auch wieder nicht erstaunlich, weil ein Weltbild, das man sich einmal als gültig zueigen gemacht hat, schon auch daran hindern kann, die Perspektive zu wechseln. Die Gegner Galileis waren auch keine ungebildeten Leute, im Gegenteil. Aber ihr Weltbild hinderte sie daran, eine andere Sichtweise einzunehmen – zumal mit diesem Weltbild auch ein Machtanspruch verbunden war. Wie ja derzeit ebenfalls.

        “Es ist bitter, wie schlecht die “westliche” Politik seit einigen Jahren ist.”

        Sie kennen Michael Lüders “Wer den Wind sät”?
        Auch bei der westlichen Politik geht es nur um Machtansprüche, und es ist schlimm, zu erleben, wie bereit die westlichen Staaten Europas sind, der Hegemonialmacht USA in der Durchsetzung dieser Ansprüche zu folgen.

        • @ Trice :

          Es ging Ihrem Kommentatorenfreund auch hier und an anderen Stellen darum den “alten Bären” zu wecken, auch darum nett zu sein.

          Bei Lüders weiß Ihr Kommentatorenkollege nicht so recht, der allerdings nicht bspw. das bundesdeutsche COMPACT abonniert hat, hier auch Kosten spart, womöglich: sinnhaft,
          MFG
          Dr. Webbaer

          • @Dr Webbaer

            ja, das habe ich schon bemerkt, :-). Ich fürchte nur, es wird anderenorts nicht zur Kenntnis genommen. Schade.

            Lüders würde ich jetzt nicht zu den Verschwörungstheoretikern zählen. Ich hatte gefragt, weil der Untertitel des erwähnten Buches lautet: Was westliche Politik im Orient anrichtet.

            Und COMPACT, upps, da musste ich googeln, das kannte ich zum Glück noch nicht – und muss es auch gar nicht erst kennenlernen. Geld gespart, 🙂

            Viele Grüße,
            Trice

            PS: Sie hatten nach meiner Internetpräsenz gefragt. Die steht zwar in meinen Angaben, aber ist es erlaubt, in einem Kommentar darauf zu verlinken?

    • “Oder wiegt etwas anderes schwerer: daß die Aufklärung von einem Mob verteidigt wird?

      “Aufklärung” – Man schmückt sich mit Federn eines Vogels der weit ÜBER DEN Köpfen kreist. Die ursächlichen Probleme, bzw. warum die Ideale von Aufklärung und Zivilisation nicht greifen, die sind wie die Kacke des Vogels: systembedingter Kommunikationsmüll, von oben nach unten in Konfusion verdingsbumst – “Schuld sind immer die anderen”.

      • ” “Aufklärung” – Man schmückt sich mit Federn eines Vogels der weit ÜBER DEN Köpfen kreist.Die ursächlichen Probleme, bzw. warum die Ideale von Aufklärung und Zivilisation nicht greifen,”

        Die Ideale von Aufklärung – momentan werden sie vor den Karren eines Weltbildes gespannt, mit dem postmodernen Moralvorstellungen das Feld bereitet wird.
        Aufklärung ist aber mehr als das, u.a. bezeichnet laut Wikipedia der Begriff “seit etwa 1700 das gesamte Vorhaben, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden.” Moralvorstellungen haben mit rationalem Denken allerdings wenig zu tun.
        Was Sie unter Aufklärung verstehen ist – wieder Wiki: ” Seit etwa 1780 bezeichnet der Begriff auch diese geistige und soziale Reformbewegung,”
        Dagegen aber wenden sich auch diejenigen nicht, die derzeit als “rechtspopulistisch” verunglimpft werden. Aber wenn man nur sieht, was man sehen will, dann kommt dabei heraus, was Sie sagen: Schuld sind natürlich immer die anderen, die nicht so denken wie man selbst.

        • @Trice

          “… aber dazu fällt Ihnen sicher auch ein Gemeinplatz ein.” Etwas anderes als Gemeinplätze haben Sie hier aber auch nicht gebracht. Versuchen Sie es doch nochmal.

        • @Trice

          “Moralvorstellungen haben mit rationalem Denken allerdings wenig zu tun.”

          Wenn überhaupt die Aufklärung in einem Punkt ganz überwiegend anderer Meinung war, dann in diesem. So erfreulich es ist, daß die Rechtsextremen nun plötzlich für die Aufklärung sind, so sollten sie sich doch einige Kenntnisse über sie aneignen, und zwar besser nicht aus Wikipedia.

      • @Fabian

        …und am Eigenhass sind natürlich auch alle anderen Schuld, oder wie?
        Aber Pauschalurteile entheben einen der Last, selber denken zu müssen – obwohl dieses natürlich allen erlaubt ist.

        Übrigens bedeutet Aufklärung auch den Kampf gegen Vorurteile, aber dazu fällt Ihnen sicher auch ein Gemeinplatz ein.

    • @Trice, @Webbaer

      „Das Erstaunliche an diesem langen Beitrag ist, es wird mit keinem Wort erwähnt, dass der Auslöser für ein Erstarken der sogenannten Rechten nicht etwa eine latente Fremdenfeindlichkeit ist, sondern der massenhafte Zuzug….“

      Mal abgesehen vom Inhalt dieser Aussage (die ich für rundum falsch halte) : Darum ging es in dem Artikel einfach nicht. Es gehört zum Basiswissen, das man Schülern beibringt, die das Schreiben von Aufsätzen lernen sollen: Wenn der Aufsatz von Elefanten handelt, dann darf man nicht über Kühe schreiben.

      „Verständlich ist aber schon, dass diese Aspekte nicht gesehen werden können, weil sie nicht gesehen werden wollen.
      Weniger verständlich, aber eben menschlich ist es, diejenigen, die die eigene Sicht der Dinge nicht ein- oder übernehmen wollen, deshalb zu diskreditieren, abzuwerten und zu entwürdigen:…Und eigentlich ist es auch wieder nicht erstaunlich, weil ein Weltbild, das man sich einmal als gültig zueigen gemacht hat, schon auch daran hindern kann, die Perspektive zu wechseln.“

      Mehr muß man von Ihnen gar nicht lesen, um Sie in die rechtsextreme Tüte zu stecken (worüber Sie dann sicher zu jammern anfangen). Nach diesem Muster geht es da immer: die anderen sind nicht in der Lage, die Perspektive zu wechseln, sie haben ein Weltbild, das sie daran hindert, und dann diskreditieren sie die anderen, und bestimmte Aspekte werden nicht gesehen, weil sie nicht gesehen werden wollen. – Sie haben recht, so ist es. Ich weiß das, weil ich schon 2 oder 3 mal in meinem Leben das „Weltbild“ von Grund auf gewechselt habe. Fragen Sie Ihren „Kommentatorfreund“ Webbaer, der schnüffelt mir immerzu nach, der hat es bestimmt schon herausgefunden.
      Aber: so geht es eben nicht nur in einem, in dem dem Ihrigen entgegengesetzten Lager zu, sondern bei Ihnen auch. (was in den letzten Monaten über Frau Merkel an Etwürdigendem geschrieben worden ist, das mußte keiner der Rechtsextremen aushalten) Wechseln Sie doch mal die Perspektive (falls Sie nun sagen: hab ich schon, dann geben Sie den Rat weiter an Ihre derzeitigen Gesinnungsfreunde).

      „Wenn an Wände geschmiert wird: “AfD raus”, wenn Wirte bedroht werden, die Räume für Vorträge der AfD zur Verfügung stellen, wenn ihnen mit der Begründung “wir wollen keine Nazis” verweigert wird…“ „erinnert mich das weit mehr an Verhaltensweisen der Nazis“ als ??? Als der Mob, der den Bus in dem sächsischen Dorf aufhielt. Denn darum ging es in dem Zusammenhang. Da kann ich nur sagen: Sie haben sie nicht mehr alle.

      Im Übrigen habe ich dazu in einer Antwort auf Dr. Webbaer schon Stellung genommen. Das kann Sie an die Exzesse der Jakobiner usw. erinnern, aber nie und nimmer an die Nazis. Wer das behauptet, hat einfach von Geschichte keine Ahnung. – Es mag genauso unangenehm sein, Zielscheide der Jakobiner zu sein wie Zielscheibe der Nazis (das wäre nun als Antwort gekommen, nicht wahr?, aber es ist eben nun mal etwas grundlegend anderes.

      Webbaer: „Dem Artikel wohnt halt die Prämisse inne, dass es keine besonderen Probleme mit der Religion geben wird, zukünftig und in der BRD, dass AfD und Pegida in dieser Sache falsch liegen und hart zu kritisieren sind.“

      Wie kommen Sie denn darauf? Darum geht es in dem Artikel überhaupt nicht, sondern um etwas ganz anderes: die historische Merkwürdigkeit, daß die politische Rechte für das eintritt, was sie immer bekämpft hat: Sie verteidigen die Werte der Aufklärung oder behaupten das zumindest. Selbst wenn ich insgeheim etwas ähnliches wie diese „Prämisse“ für richtig halten sollte, so hat das doch auf den Artikel gar keinen Einfluß (vielleicht auf andere Artikel, die ich geschrieben habe, Sie können ja mal suchen).

      • Lieber Herr Trepl. hierzu noch kurz:

        Mehr muß man von Ihnen gar nicht lesen, um Sie in die rechtsextreme Tüte zu stecken (worüber Sie dann sicher zu jammern anfangen).

        Alternativ ginge für die Zwecke der Einschätzung ‘konservativ’ (“rechts”) – was erlaubt Ihnen hier die Einschätzung ‘rechtsextrem’?

        Dies ist eine konkrete Nachfrage, die eigentlich kaum relativiert werden kann.
        Wie Sie von Ihnen i.p. Sacharbeit an anderer Stelle mehrfach gewünscht worden ist.

        Ihr Kommentatorenfreund sieht schon ein, dass ‘Trice’ und ‘Dr. Webbaer’ nicht in der selben Liga spielen, rein politisch [1], aber was soll das frickin ‘rechtsextrem’ an dieser Stelle?

        MFG
        Dr. Webbaer

        [1]
        Distanzierung liegt abär nicht vor, im Sinne sogenannter Loaded Questions distanziert sich der Schreiber dieser Zeilen nie; wobei eingeräumt wird diese Dame schon recht sympatisch zu finden, wie Sie selbst auch sympathisch gefunden werden oder wurden, also in ursprünglich altgriechischer Bedeutung.
        Natürlich nur.

        • Dr. W.

          “Alternativ ginge für die Zwecke der Einschätzung ‘konservativ’ (“rechts”) – was erlaubt Ihnen hier die Einschätzung ‘rechtsextrem’?”

          Na, inzwischen hat “Trice” sich ja selbst so bezeichnet. – Ich benutze “konservativ” und “rechts” nicht als Synonyme, das habe ich auch in dem obigen Artikel erklärt. Es gibt allerdings einen rechten Konservativismus, doch ist keineswegs alles Rechte konservativ (z.B. nicht der NS). Darüber habe ich einen längeren Blog-Artikel geschrieben.
          Was nun “Trice” angeht und Ihre “konkrete Nachfrage”: Es ist einfach Erfahrung. So gut wie immer, wenn man jemanden so argumentieren hört, stellt sich heraus, daß es sich um Rechte (die auch einen extremen Rand haben) handelt. Bei Konservativen fand ich diese Art des Argumentierens (oder besser: des Erstellens einer Psycho-Diagnose) bisher nicht.

          • @ Herr Trepl :

            Na, inzwischen hat “Trice” sich ja selbst so [“rechtsextrem”] bezeichnet. (Ergänzung: Dr. Webbaer)

            Wo? – Hier?

            ‘Ach ja, und es tut mir natürlich auch leid, Sie dahingehend enttäuschen zu müssen, weil ich nicht darüber jammere, dass Sie mich in die rechte Ecke stellen, ich betrachte es im Gegenteil als Kompliment.’ (Quelle: irgendwo in dieser Kommentatorik)

            Von der Erstellung einer ‘Psycho-Diagnose’ wird auch hier abgeraten, ‘Sie dahingehend enttäuschen zu müssen’ und Ähnliches bedeutet aber eher Polemik [1] und “Einseifen”, was als üblich bis nett gilt, im Web, gelegentlich.

            Sie bleiben also zumindest in zwei Sachen noch beleg-fähig:
            1.) Trice “rechtsextrem”
            2.) dass die politische Rechte (Konservative oder “Konservative” oder “Neue Rechte” zum Beispiel [2]) sinnhafterweise in Teilen “rechtsextrem” genannt werden kann, wenn der Begriff des Rechtsextremismus üblicherweise dem Nationalsozialismus vorbehalten ist

            MFG
            Dr. Webbaer

            [1]
            Diese Aussage hier – ‘Für den Systematiker ist eine Aussage zu einer Sache oder zu einem dbzgl. Verhalt immer zuerst als eine Aussage zu einer Sache oder zu einem dbzgl. Verhalt einer Person(enmenge zu bearbeiten.’ – begründet bereits, wenn sie angenommen wird, die Berechtigung bis Notwendigkeit der Polemik.

            [2]
            Die “Neue Rechte”, der Schreiber dieser Zeilen ist hier kein Experte, kennt aber konservative oder konservativ-reaktionäre oder eben neurechte Schriften dieser Art ein wenig, ist vielleicht irgendwie rechts-progressiv, lehnt bspw. auch den Liberalismus ab, den sie aber nicht versteht, ähnlich so wie Sie dies nicht tun, haha, ist aber nicht “rechtsextrem” und auch kein Einstiegstor Richtung Nationalsozialismus, auch weil nicht kollektivistisch und zudem recht intellektuell, eben rechts-intellektuell.
            Finden Sie nicht?

          • Dr. Webbaer
            15. Mai 2016 9:22

            “….dass Sie mich in die rechte Ecke stellen, ich betrachte es im Gegenteil als Kompliment” schreibt sie. Sie (Dr.W.) scheinen Wert auf den Unterschied zwischen rechts und rechtsextrem zu legen. Ich mache das nicht, weil man es im allgemeinen Sprachgebrauch auch nicht macht. Vielleicht macht man es intern, so wie man “linksextrem” unter Kommunisten als diffamierendes Wort benutzte, im allgemeinen Sprachgebrauch aber die Kommunisten selbst als linksextrem galten. In der “rechten Ecke” stehen die Rechtsextremen.

            “… dass die politische Rechte (Konservative oder “Konservative” oder “Neue Rechte” zum Beispiel [2]) …”

            Diese Art der Einteilung ist in Frankreich üblich, nicht in Deutschland. Konservative (Unionsparteien) bezeichnet man hier nicht als rechts, obwohl es insb. bei der CSU sicher angebracht wäre. “Rechts” und “rechtsextrem” werden ziemlich synonym gebraucht. Natürlich kann man für wissenschaftliche Zwecke diesen Sprachgebrauch verbessern, aber ich habe das nicht gemacht.

            “… wenn der Begriff des Rechtsextremismus üblicherweise dem Nationalsozialismus vorbehalten ist”

            Nein, das stimmt nicht. Als rechtsextrem würde man hier auch die Parteien/Bewegungen von Mussolini und Franco bezeichnen, aber das sind keine Nazis.

            Was ist denn ein “Verhalt”?

            “Finden Sie nicht?”

            Bis auf das “nicht kollektivistisch”. Das macht nicht den NS aus. Es gibt ja diverse nationalsozialistische Philosophien des “Tatmenschen”, die ausgesprochen individualistisch sind.

          • Lieber Herr Trepl,

            gute Frage:
            ‘Was ist denn ein “Verhalt”?’

            Ohne jetzt näher geprüft zu haben, i.p. Etymologie, es darf bis soll also nachgebessert werden, ist der Verhalt etwas, dass zwischen Haltenden gepflegt wird, die Präfix ‘ver’ hier im Sinne von ‘inter’.
            Verhalten und so, so wie es wohl auch in der Ökologie verstanden wird.
            “Wie verhält sich A zu B?” ist insofern eine grundlegende Frage im Bereich des Erkennens, wobei A und B zu erkennen sind wie einen möglichen Verhalt.

            Aber Spaß beiseite (ernst gemeint war das oben Geschriebene schon), Ihr Kommentatorenfreund hat ja in seinem Initialbeitrag ein wenig “geknödelt”, sich exponiert, um dann vielleicht besser später zusammen finden zu können, es ist schon wichtig Konzepte wie ‘Rechts’, ‘Rechtsradikalität’, ‘Rechtsextremismus’ oder ‘Links’, ‘LInksradikalität’, ‘Linksextremismus’ zu teilen, wenn sich auseinandergesetzt werden soll.

            Sie selbst bspw. waren an anderer Stelle so freundlich sich als linksradikal zu verorten, was sehr nett war und der Schreiber dieser Zeilen auch keine Zweifel daran hegt, dass Sie es gut meinen, auch weil Sie die Aufklärung zu referenzieren wissen, Sie sind also Kommunist – und zwar ein netter!
            Ansonsten sind Rechte, insbesondere Neurechte, Kommentatorinfreundin Trice bleibt hier als konservativ eingeschätzt, also eben als rechts, auch vglw. nett oder nett ohne Konditionalsatz, möglicherweise.

            Wollen Sie wirklich den Rechtsextremismus so aufbohren, dass auch Nicht-Nationalsozialisten dbzgl. zugeordnet werden können, fänden Sie es OK, wenn Sie ständig mit Vorhalten beknetet würden, wie es die Bolschewisten und Maoisten einstmals getrieben haben?
            Oder ließe sich vielleicht definitorisch zusammenfinden, wie im Feedback-Initialbeitrag angeregt?

            MFG
            Dr. Webbaer (der aber im Abgang nicht vergessen will erneut aufzufordern den I, der zu D gehören soll, normativ oder empirisch oder wie auch immer, erneut zu betrachten, hauptsächlich deshalb, weil Sie das Ding aus seiner Sicht nicht verstanden haben)

          • Dr. Webbaer
            15. Mai 2016 11:00

            “Sie sind also Kommunist”

            Nie und nimmer hab ich das behauptet. Ich war einer, das ist aber fast ein halbes Jahrhundert her, und zwar war ich einer von der maoistischen Sorte. Davon ist aber nichts, rein gar nichts mehr übrig. Wird Sie das hindern, zu behaupten, ich sei einer? Kann ich mir nicht vorstellen.

            “Wollen Sie wirklich den Rechtsextremismus so aufbohren, dass auch Nicht-Nationalsozialisten dbzgl. zugeordnet werden können …”

            Da muß man doch nichts “aufbohren”. Ich hab’s doch schon erklärt, und Sie haben es offenbar akzeptiert, sonst hätten Sie ja widersprochen. Es ist ja auch zu selbstverständlich. In der üblichen Sprechweise ordnet man Nicht-Nationalsozialisten den Rechtsextremisten zu, nämlich die südeuropäischen Faschisten. Niemand macht das anders.

      • @Ludwig Trepl

        Das ist ja köstlich, :-). Ich wäre beim Lesen Ihrer Antwort vor Lachen fast vom Stuhl gefallen. Wirklich, Sie sollten etwas Rücksicht auf Ihre Kommentatoren nehmen, ich hätte mich ja ernstlich verletzen können …

        Ja, wo fange ich jetzt an … ach, nehme ich gleich Ihre erste Aussage, dass es in Ihrem Beitrag ‘darum’ gar nicht ging. Tja, sehen Sie, genau das habe ich moniert. Ist Ihnen nur nicht aufgefallen, aber kann ja mal vorkommen.
        Also, worum ging es denn dann? Das ist nun etwas schwierig, aber so insgesamt sind es die Rechten… und/oder die Rechtsextremen, und/oder die Konservativen, den Konservativismus, die Werte der Aufklärung, die von den Rechten/Rechtsextremen/usw. vertreten werden und das Bild – wessen Bild? – verändern … ach ja, am Rande auch um Heimat und nicht zu vergessen den Islam, die Fremden- und Islamfeindlichkeit – mit anderen Worten, es wurde ein Minimum an inhaltlichem Gehalt unter einem Berg von Text begraben,es wurden Bezüge hergestellt, bei denen sich der Eindruck aufdrängt, dass durch sie zusammenwachsen soll, was nicht zusammengehört. Nur der Punkt, der massenhafte Zuzug, der überhaupt erst den Anlass gibt für Beiträge dieser Art, der wurde nicht erwähnt.

        Dass Herr Dr. Webbaer mit seinem Differenzierungsversuch in diese Konfusion etwas Struktur gebracht hat, konnte Ihnen natürlich nicht gefallen, dafür habe ich Verständnis, aber dann darf man sich halt auch nicht in dieser Weise exponieren.

        Und nun auch noch das: “??? Als der Mob, der den Bus in dem sächsischen Dorf aufhielt. Denn darum ging es in dem Zusammenhang. Da kann ich nur sagen: Sie haben sie nicht mehr alle.”
        Einmal abgesehen davon, dass Sie sich mit diesem letzten Satz in einer Weise zu erkennen geben, die Sie bestimmt nicht für sich rekamieren würden, wenn Sie sie kennten, hätten Sie mir keinen größeren Gefallen tun können, also ausgerechnet dieses Beispiel zu bringen, um Ihre eingeschränkte Sicht zu demonstrieren. Die Leute, die Sie als “Mob” bezeichnen, also als Pöbel, der mit kriminellen Mitteln vorgeht, waren einige Bewohner des Dorfes, die weder gepöbelt noch in irgendeiner Weise die Zuwanderer bedrohten. Sie hielten auch nicht den Bus auf, sondern dieser hielt vor der Unterkunft der Zuwanderer, und zu einer eskalation kam es, weil die Polizisten, die man dorthin geschickt hatte, die Zuwanderer mit gewalt aus dem Bus zerrten – keiner der Dorfbewohner war daran beteiligt. Die beiden Musliminnen, von denen eine gegen eine Scheibe des Busses gespuckt, und die andere eine obszöne geste gemacht hatte, entschuldigten sich am nächsten Tag bei den Dorfbewohnern und erklärten, dass ihr Zorn sich nicht gegen die Dorfbewohner, sondern gegen die Polizisten gerichtet hatten und deren Verhalten.
        Tja, entweder, Sie lesen nur, was in Ihr Weltbild passt oder Sie biegen sich die Dinge zurecht, wie sie Ihnen gefallen. Weshalb Sie bedauerlicherweise auch nicht in der Lage sind mir zu sagen, woran mich die Schmierereien und die Versuche der Ausgrenzung und Diffamierung der AfD erinnert. Aber wenn Sie das möchten, dann bestätige ich Ihnen gern, über viel Wissen zu verfügen. Wenn Sie dieses jetzt noch ein wenig ordnen – Sie wissen doch, Wissen ist erst dann eines, wenn man es verinnerlicht hat, nicht, wenn man es herbeten kann -, das wäre prima.

        Ach ja, und es tut mir natürlich auch leid, Sie dahingehend enttäuschen zu müssen, weil ich nicht darüber jammere, dass Sie mich in die rechte Ecke stellen, ich betrachte es im Gegenteil als Kompliment. Ich hätte ernsthaft über meine Einstellung nachdenken müssen, wenn Sie es nicht getan hätten. Und Sie sollten auch nichts Negatives zu Wikipedia sagen, denn Sie werden doch zugeben müssen, dass die beiden schwachmatischen Kommentare mit Zitaten von Locke, Lichtenberg, Voltaire oder auch Friedell oder Kondylis nachgerade aufgewertet worden wären. Wikipedia reicht da völlig.

        Noch als Nachtrag: Wenn Sie nicht einmal wissen, wie oft Sie Ihr Weltbild (angeblich) gewechselt haben, dann haben Sie es nicht gewechselt. Wenn man es tut, dann weiß man das sehr genau.

        • @Trice

          „Ich wäre beim Lesen Ihrer Antwort vor Lachen fast vom Stuhl gefallen.“

          Wetten, daß das nicht so war? Sie haben nicht einmal leise gelacht. Es sei denn, Sie sind hysterisch und lachen anlaßlos.

          „….Ihre erste Aussage, dass es in Ihrem Beitrag ‘darum’ gar nicht ging. Tja, sehen Sie, genau das habe ich moniert.“

          Eben, und das war auf eine kaum vorstellbare Weise daneben; selbst Anfängerstudenten passiert das nicht mehr. Wenn einer ein Buch in der Hand hat über Hermeneutik und er findet nichts über Carnap darin, obwohl der doch soo wichtig ist, viel wichtiger als die Hermeneutik, dann regt er sich auf, statt einfach nach einem anderen Buch zu suchen – das muß man sich mal vorstellen! Also ich hab es noch nicht erlebt, oder es ist doch so lange her, daß ich mich nicht mehr erinnern kann. Natürlich ist das wichtig, was Sie da monieren, und ich habe auch schon darüber geschrieben – wenn ich auch zu anderen Ergebnissen gekommen bin als Sie – und werde, wenn es mir noch möglich ist, darüber schreiben. Aber in diesem kurzen Text (warum Ihnen der lang vorkommt, sollten Sie mal erklären) ging es nun mal um etwas anderes.

          „Also, worum ging es denn dann?“

          Was Sie dann aufzählen, darum ging es überhaupt nicht, es mußte nur aus irgendwelchen Gründen angesprochen werden, damit man das versteht, worum es geht: daß die Rechten – oder was man so die Rechten nennt, denn der Begriff wird nun schwierig – seit kurzem Auffassungen vertreten, die das genaue Gegenteil dessen sind, was sie bis vor kurzem vertrete haben. Also eigentlich habe ich Ihnen einen Ball zugeworfen, aber Sie merken das nicht.

          Das sächsische Dorf: Ich hab mein Wissen aus der Zeitung. Gibt es noch andere Quellen? Oder lesen Sie nur andere Zeitungen als ich? Es wäre schön, wenn Sie recht hätten. Allein, mir fehlt der Glaube.

          „Weshalb Sie bedauerlicherweise auch nicht in der Lage sind mir zu sagen, woran mich die Schmierereien und die Versuche der Ausgrenzung und Diffamierung der AfD erinnern. Aber wenn Sie das möchten, dann bestätige ich Ihnen gern, über viel Wissen zu verfügen.“

          Woran Sie die Schmierereien und die Versuche der Ausgrenzung und Diffamierung der AfD erinnern, kann ich Ihnen natürlich nicht sagen. Ich könnte Ihnen höchstens sagen, woran sie objektiv erinnern, d.h. in welcher Tradition sie objektiv stehen. Aber das habe ich ja schon getan, mit meinem Hinweis auf die Jakobiner. Und was die Ausgrenzung der AfD angeht, so ist der Artikel – eigentlich leicht zu erkennen – ein Diskussionsangebot an diese. Allerdings möchte ich mich nicht persönlich mit einem von denen an einen Tisch setzen, ich mach’s lieber schriftlich.

          Was Sie mir in dem Absatz über Wikipedia sagen wollen, verstehe ich nicht. Ich soll nichts Negatives darüber sagen? Tue ich das?

          „Wenn Sie nicht einmal wissen, wie oft Sie Ihr Weltbild (angeblich) gewechselt haben, dann haben Sie es nicht gewechselt. Wenn man es tut, dann weiß man das sehr genau.“

          Wenn man mit Weltbild etwas Paradigmatisches meint, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Man weiß es, oder man merkt gar nicht, daß da etwas mit einem vorgegangen ist. Aber so habe ich „Weltbild“ gar nicht gemeint, ich hab’ politische Meinungen gemeint, und da ist es oft schwierig zu entscheiden, ob man gleich von einer Weltbildänderung sprechen soll oder ob es sich um eine kleinere Änderung handelt. Aber fragen Sie einfach Ihren Kommentatorfreund Dr. Webbaer, der weiß alles über mich.

          • @Ludwig Trepl

            “Wetten, daß das nicht so war?”

            Sie haben keinen Humor. Ich halte Ihnen allerdings zugute, dass Sie diese Diskussion sehr persönlich nehmen und Ihnen deshalb die Distanz fehlt. Aber nachdem Sie sich genötigt fühlten, Ihr Urteil noch einmal zu wiederholen finde ich es nun auch nicht mehr lustig, sondern nur langweilig.

            Was Sie allerdings nicht wissen können: Ich habe mein Examen zum Thema Abwehrmechanismen gemacht. Das gehörte zu meinem beruflichen Handwerkszeug, was heißt, ich achte nicht nur auf das, was jemand sagt, sondern auch darauf, wie er es sagt, was er nicht sagt, bzw. auslässt, usw. und welche Abwehrmechanismen er verwendet. Damit erfahre ich sehr viel über die Menschen und mehr, als ihnen überhaupt bewusst ist. Sprache, auch geschriebene, ist verräterisch. Z. B. haben Sie mehrfach geschrieben: darum geht es nicht – um dann etwas nachzuschieben, was völlig daneben ist, wie Ihre Aussage,
            “es mußte nur aus irgendwelchen Gründen angesprochen werden, damit man das versteht, worum es geht:”

            … aus irgendwelchen …? nicht aus einem bestimmten? Und von verstehen kann ja wohl auch keine Rede sein oder?

            Aber wenn Sie z. B. schreiben, ich hätte selbst gesagt, ich sei rechtsextrem, dann ist das Rabulistik, denn ich habe geschrieben, es sei ein Kompliment, wenn es von Ihnen kommt. Denn wenn Sie mich so nicht einschätzen würden, müsste ich ja meine Ansicht über Sie revidieren – es wäre tatsächlich das erste Mal nach Jahrzehnten, dass ich mich geirrt hätte.
            Aber diese perfide Technik, die auch Goebbels schon meisterhaft beherrschte, wird derzeit gern angewandt, um alle diejenigen zu desavouieren, die die gesinnungsethische Vorstellung einer schönen neuen Welt nicht teilen, dem Fiat humanitas et pereat mundi* nicht folgen wollen, sondern in beidem eine Gefahr für die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit sehen.

            Was die Clausnitz-Geschichte betrifft, wundert es mich nicht, dass Sie darüber nichts erfahren haben, wenn Sie Ihre Informationen aus der Zeitung beziehen. Man muss schon sehr recherchieren, um genauere zu bekommen. Z. B. nach Berichten von Gemeinderatssitzungen suchen:

            https://www.holzhau.de/2065-0-0-spuckerin-von-clausnitz-entschuldigt-sich-bei-den-demonstranten-von-clausnitz.html

            * Es heißt Fiat iustitia, ich weiß, aber humanitas passt in diesem Fall besser.

  8. @ Trice

    Es ist etwas schwierig, Ihre Kommentare zu diskutieren. Sie bestehen fast nur aus Beschimpfungen – ich sei unfähig, so ein kleines Aufsätzchen zu schreiben, und das Thema übersteige ohnehin meine Fähigkeiten usw. Wenn Sie es gründlich machen wollten, hätten Sie allerdings einige Mühe, denn Sie müßten eine ganze Reihe von Kommissionen widerlegen, die allesamt völlig anderer Meinung waren, und vor allem eine große Menge von Studenten.
    Aber einen Gedanken zur Sache habe ich doch gefunden, und er lohnt sich, genauer betrachtet zu werden.

    „Es mag daher überraschen, dass für eine radikale Veränderung einer Gesellschaft keineswegs die Übernahme von auch nur einigen Elementen islamischer Kultur erforderlich ist. Denn nicht die Gesellschaft, die infiltriert wird oder werden soll, bestimmt, was übernommen wird oder nicht, sondern die Minderheit, die ein starkes Interesse hat an der Durchsetzung der eigenen Belange inklusive der Bewahrung ihrer Identität, setzt dies durch. Trifft sie zudem noch auf eine Gesellschaft, die ihr darin wenig Widerstand entgegensetzt – beispielsweise weil dies ihrem Selbstverständnis entspricht – setzt sich die andere Kultur entweder durch oder es kommt zu einer Vermischung der Kulturen.“

    Darauf bin ich in der Tat nicht eingegangen (in diesem Artikel sowieso nicht, denn hier ging es um etwas anderes, jedoch in anderen). Mein Gedanke war der folgende: Die Befürchtungen der heutigen Rechten (oder „Rechten“) gehen in die gleiche Richtung wie die der Konservativen über die Jahrzehnte. Die deutsche Kultur droht von den Immigranten zerstört zu werden in ähnlicher Weise, wie sie von der angloamerikanischen Zivilisation zerstört wird: die Deutschen übernehmen Sprache und Kultur der englischsprachigen Länder. Das war die große Angst der Konservativen über ein halbes Jahrhundert. Und da sieht man gleich: Die Übernahme von auch nur einigen Elementen islamischer Kultur findet nicht statt. Ich nehme an, Sie stimmen dem zu.

    Aber Sie haben recht, es gibt noch eine Befürchtung anderer Art, und die haben sie angedeutet. Wie das aussehen wird, dafür haben wir genügend Beispiele. Zum einen sozusagen die ganze Vergangenheit, wo es der Normalzustand war, daß Minderheiten von anderswoher im allgemeinen gegen eine gleichgültige einheimische Bevölkerung sich ansiedelten und dabei ihr Sprache und Kultur bewahrten. Manchmal geschah das mit staatlicher Unterstützung, wie in Rußland, wo es kaum eine Stadt ohne deutsch sprechende und sich über Jahrhunderte abschottende Minderheit gab. Manchmal, wie in Südamerika, geschah es gegen den Willen des Staates. Zum anderen die USA: In allen größeren Städten gibt es Chinatowns oder spanisch sprechende Viertel usw.

    Die Frage ist nun: Was haben die Rechten dagegen? Daß sie gegen das Verschwinden der deutschen Kultur sind (was aber nicht zu befürchten ist), verstehe ich. Aber was haben sie dagegen, daß es Viertel gibt mit islamischer Mehrheit, mit türkischen Läden und Minaretten? Auf die umliegenden deutschen Viertel hätte das gar keinen Einfluß (außer, daß sich das Wort „Alter“ in der männlichen Jugend ausbreitet und daß es billige Reinigungskräfte gibt). Mir scheint, da paßt der Begriff Fremdenhaß und kein anderer. In diesen Vierteln gibt es Probleme, natürlich, und ihre Bewältigung kostet etwas. Denn es sind Unterschichtviertel mit den typischen Problemen solcher Viertel; würden da nicht Araber wohnen, wohnten halt Deutsche dort, und es wäre auch nicht anders.

    Wie es mit diesen Vierteln weitergeht, kann man in Amerika sehen (und hat man dort genau studiert: „Chicagoer Schule“). Sozialer Aufstieg ist mit dem Verlassen dieser Viertel verbunden und mit einem völligen oder teilweisen Aufgehen in der Mehrheitsgesellschaft. Die Leute, die neu hierherkommen, wenigstens die aus manchen Gegenden, drängeln sich aneinander, aber nach einer oder drei Generationen wollen sie voneinander nichts mehr wissen. Von diesem Muster gibt es Abweichungen. Bei Japanern und Polen fällt in Deutschland die erste Phase weg, daß die Phase der Auflösung wegfällt, ist selten (z. B. bei Deutschen gibt es Beispiele).

    Einige Einzelheiten:
    „Denn nicht die Gesellschaft, die infiltriert wird oder werden soll, bestimmt, was übernommen wird oder nicht“. Was soll das heißen? Vielleicht, daß Moscheen gebaut werden. Aber das hat mit „übernehmen“ nichts zu tun. Das bestimmt die Gesellschaft, die infiltriert wird oder werden soll (ach ja, soll? Hat der Zentralrat der Muslime in Riad beschlossen, oder? Und „infiltriert“ – meine Güte. Kanada wird z.Z. von Deutschen infiltriert. Und Berlin von Schwaben.)

    „…dass für eine radikale Veränderung einer Gesellschaft keineswegs die Übernahme von auch nur einigen Elementen islamischer Kultur erforderlich ist.“

    Ich kann nicht erkennen, daß sich da die Gesellschaft verändert, gar „radikal“ die Anwesenheit von China-Towns in den USA verändert die dortige Gesellschaft keineswegs nennenswert.

    „Trifft sie zudem noch auf eine Gesellschaft, die ihr darin wenig Widerstand entgegensetzt …“

    Sie wollen vermutlich sagen, daß die deutsche Gesellschaft so ist. Sie ist es aber weniger als die allermeisten anderen Gesellschaften. Es gibt fast überall mehr Einwanderer als hier, es ist normal, was hier für Aufregung sorgt. Vielleicht liegt das daran, daß die Deutschen es für normal halten, daß man in einem Land nur eine Sprache spricht. Das ist aber historisch ein Novum.

    • @Ludwig Trepl

      Nicht doch…

      “Es ist etwas schwierig, Ihre Kommentare zu diskutieren. Sie bestehen fast nur aus Beschimpfungen – ich sei unfähig, so ein kleines Aufsätzchen zu schreiben, und das Thema übersteige ohnehin meine Fähigkeiten usw.”

      Ich habe Sie nicht beschimpft. Wenn Sie es dennoch so empfinden, fragen Sie sich einmal warum Sie es so empfinden. Das ist dann aber etwas, das nicht in eine öffentliche Diskussion gehört.
      Wissen Sie, der Beruf prägt den Menschen. Wenn ich also jetzt darauf eingehen würde, wäre das ausgesprochen ungut, weil ich nicht übersehen kann, was mir “ins Gesicht springt”, von dem mein Gesprächspartner nichts weiß.

      Bleiben wir also bei den Sachthemen:
      “Die Befürchtungen der heutigen Rechten (oder „Rechten“) gehen in die gleiche Richtung wie die der Konservativen über die Jahrzehnte…. Die Übernahme von auch nur einigen Elementen islamischer Kultur findet nicht statt. ”

      Dies sind aber nicht Befürchtungen der Rechten bzw. Konservativen (eigentlich ein Begriff der in die Epoche der Moderne gehört, die aber nicht mehr unsere ist) und eine Übernahme der islamischen Kultur fürchte ich ebenfalls nicht, denn etwas zu übernehmen setzt Bereitschaft dazu voraus.
      Es geht vielmehr um einen wesentlich größeren Kontext, der nicht voraussetzt, dass eine Planung dahintersteht. Wenn, dann sind es Absichten, die verfolgt werden, die sehr verschieden sind, aber alle in die gleiche Richtung gehen.
      Ich weiß nicht, ob Sie Lenins “Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus kennen”. Lenin beschreibt darin fünf Hauptmerkmale des Imperialismus’, von denen man sagen kann, dass vier davon bereits eingetroffen sind. Das fünfte, bei dem es um die ökonomische Aufteilung dieser Welt unter den Monopolkonzernen geht, könnte mit CETA und TTIP Wirklichkeit werden. Diese Verträge können aber nur mit der EU-Kommission geschlossen werden, nicht mit den einzelnen Staaten, weshalb wir ein vereintes Europa brauchen, dessen nationale Grenzen abgeschafft und Hoheitsrechte der Staaten abgegeben werden an eine Kommission, die nicht mehr vom Volk gewählt werden kann.
      Die AfD war und ist übrigens immer noch die Anti-Euro-Partei, die sich gegen die derzeitige Politik wendet. Fragen Sie einmal, was uns der Lissabon-Vertrag gebracht hat – Ziel: eine demokratischere EU – wie, wenn man Verträge wie TTIP übergestülpt bekommt, was uns Bologna gebracht hat – von der macht eines Herrn Draghi ganz zu schweigen.

      Hinzu kommt: Wir leben derzeit in einer Gesellschaft, die sich sukzessive zu einer mit gesinnungsethischen Grundsätzen verändert hat, ohne dass auffällt, dass diese Entwicklung Züge annimmt, wie sie für nichtdemokratische Gesellschaften kennzeichnend sind. Es braucht daher keine Bereitschaft zur Übernahme einiger Elemente einer anderen Kultur, es genügt, ihr keinen Widerstand entgegen zu setzen und dies mit den Menschrechten zu begründen und diese als Waffe zu verwenden, wenn sich Widerstand regt.
      Der Unterschied zu den von Ihnen genannten Beispielen besteht darin, dass die Minderheiten in Länder einwanderten,deren Gesellschaft gefestigt war, die ihnen zwar Raum bot, ihre Kultur bis zu einem gewissen Grad zu bewahren, aber die sich dennoch den dort herrschenden Gesetzen anzupassen hatten.

      Dies ist bei uns nicht mehr der Fall, im Gegenteil haben wir hier Kräfte, die aktiv eine Auflösung unseres Staates betreiben, und wir haben sie z. T. in Schlüsselpositionen. Das ist die Gefahr, die zu einem Rechtsruck in der Bevölkerung bewirkt.

      Veränderungen fangen immer sehr klein an, aber ab einem bestimmten Punkt steigen sie exponenziell an – und das bedeutet in der Regel das Ende eines Systems.

  9. @Ludwig Trepl

    Bleibt noch nachzutragen: Russland ist ein Vielvölkerstaat, was nicht bedeutet, dass man Minderheiten gegenüber dort tolerant wäre, und zu Ostblockzeiten schon gleich gar nicht. USA hat eine ganz andere Geschichte, setzt sich aus verschiedenen Kulturen zusammen – und dennoch: Schauen Sie sich an, wie dort auf Zuwanderung reagiert wird.
    Ganz abgesehen davon fügen sich die Minderheiten in USA in die Gesellschaft ein, trotz aller Unterschiede. Bei uns wird gerade das Gegenteil propagiert – unter dem Vorwand der political correctness, tatsächlich aber zur Durchsetzung eigener politischer Ziele. Das heißt, eine radikale Veränderung trifft nicht nur deshalb ein, weil sie von einer Minderheit bewirkt wird, sondern weil man ihr entgegenkommt und ihr, beabsichtigt oder nicht, den Boden bereitet.

    Dass die deutsche Gesellschaft so ist, liegt zum einen daran, dass sie wohl wirklich so ist – wie Napoleon einmal sagte:” Es gibt kein leichtgläubigeres Volk als die Deutschen … Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten, ihre Pflicht zu tun.Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie..” Und es könnte zum anderen daran liegen, dass wir bereit zu sein scheinen, den Holocaust als zweite Erbsünde zu akzeptieren, eine Sündenschuld, die nicht durch Taufe, sondern durch die Auflösung des deutschen Volkes getilgt werden muss.

    Zum Weltbild: Es kommt darauf an, von welcher Art das präferierte Weltbild ist: Ist es ein wissenschaftliches, ein ethisches oder ein politisches. Ein wissenschaftliches verlangt keine Veränderung der Persönlichkeit, aber einen Wechsel der bisher als gültig erachteten Überzeugungen. Ein ethisches und eventuell auch ein politisches Weltbild zu ändern erfordert schon eine andere Einstellung und damit auch eine Änderung der Persönlichkeit – die Änderung eines politischen Weltbildes kann allerdings schon auch einfach ein Reifungsprozess sein. Aber in jedem Fall bemerkt man, dass sich etwas geändert hat, die Sichtweise eine andere geworden ist. Denn Überzeugungen und Einstellungen wechselt man nicht wie sein Hemd.

  10. Donnerwetter! Sie haben ein Examen zum Thema Abwehrmechanismen gemacht! Und jetzt sind Sie Expertin auf diesem Gebiet! Was da wohl die Experten auf diesem Gebiet sagen werden?

    Ich werde jetzt aufhören, mit Ihnen zu diskutieren und bitte Sie, keine Kommentare mehr zu schicken.

    • Ich schließe daraus, dass Sie kein Experte zum Thema Ihrer Examensarbeit geworden sind. Wie schade!

      Und wenn Sie das nächste Mal eine Bitte vorbringen, achten Sie auf einen angemessenen Kontext. Sonst wird Ihre Bitte nicht als solche verstanden, sondern als Bankrotterklärung.

      Aber wir werden jetzt aufhören, denn wenn es nicht mehr um in Thema, sondern die Person geht, ist es keine Diskussion.

      In diesem Sinne,
      ED aka Trice

    • @ Trice

      Welche Examensarbeit meinen Sie denn? Ich habe ziemlich viele geschrieben. Und was wäre denn ein angemessener Kontext? Aber bitte nur dazu, nicht mehr.

  11. @ Dr. Webbaer

    “Sie sind also Kommunist”

    Ich glaube, Ihnen ist nicht klar, welch ungeheure Dreistigkeit Sie sich da erlaubt haben. Wäre ich fünf Jahre jünger, müßte ich Sie anzeigen. Nun kann ich mir das noch überlegen, ich bin seit langem pensioniert.und habe außerdem vermutlich nicht mehr lange zu leben. Wenn Sie Äußerungen von mir in diesem Sinne interpretiert hätten, wäre das etwas anderes, das kann jeder machen, wie er will. Aber Sie haben behauptet, ich hätte mich bekannt, ich, ein Staatsbeamter. Dabei gibt es zahllose Äußerungen von mir in diesem Blog, aus denen eindeutig hervorgeht, daß ich ganz bestimmt kein Kommunist bin. Daß ich in meiner Studentenzeit – nun, sagen wir, etwas wirr im Kopf war und mich für einen Kommunisten hielt (dem die richtigen Kommunisten allerdings nicht zustimmten, darum durfte ich zwar demonstrieren, aber nicht Flugblätter schreiben) läßt sich nicht mehr ändern.

    Auch wenn ich nicht mehr im Dienst bin, möchte ich nicht, daß von dem, was Sie sich da geleistet haben, allzu viel hängen bleibt; ganz läßt sich das natürlich nicht vermeiden. Aber ich verlange von Ihnen, daß Sie Ihre Behauptung widerrufen, und zwar so, daß das nicht zu übersehen ist.

    • Sehr geehrter Herr Trepl,
      nehmen Sie bitte kurzfristig per E-Mail Kontakt auf,
      das wird sich alles sehr in Ihrem Sinne schnell klären lassen,
      Mit freundlichen Grüßen,
      Dr. Webbaer

    • Widerruf
      Hiermit wird die Aussage, die darauf zielt, dass der werte hiesige Inhaltegeber Kommunist sein könnte oder ist, widerrufen.
      Diese Aussage ist unbelegt, also unbegründet und war zuvörderst polemisch-satirisch gemeint.
      Es wird ganz besonderes Bedauern zum Ausdruck gebracht, dies rechtzeitig nicht so eindeutig klar gestellt zu haben.
      Diese Aussage wird weder Tatsachen meinend, noch in spekulativer oder in polemisch-satirischer Form vom Schreiber dieser Zeilen wiederholt werden.
      Dr. Webbaer

  12. Sagen Sie bitte,
    Das habe ich hoffentlich verstanden. Die Konservativen oder seine radikalisierte Form ,die Rechten ,verteidigen das ,was sie vorher mehr oder weniger abgelehnt haben, nämlich die Werte der Aufklärung,Ihrer Meinung nach jedenfalls.
    Was ist daran so schlimm? Soll man diese Werte, wie auch immer man sie definiert, nicht verteidigen?

  13. Was ist daran so schlimm? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es ja überhaupt nicht schlimm, sondern gut. Darum hab ich ja den Artikel geschrieben, damit man diese Frage diskutiert.

  14. Vielen Dank, wenn auch spät, für diese Gedanken Herr Trepl.
    Zu ihrer Frage: im Prinzip ist es zumindest mir völlig egal, wer die Aufklärung verteidigt. Nur sehe ich nicht, dass der “Mob” sich auch wirklich zu Werten bekennt, die man als aufklärerisch bezeichnen könnte.
    Das immer öfter zu hörende Bekenntnis zur Aufklärung scheint mir rein taktisch motiviert zu sein, um sich gegen die unaufgeklärten Horden die angeblich über uns hineinbrechen in Stellung zu bringen.
    Die Leute möchten signalisieren, dass sie die Guten sind, und das funktioniert halt mit dem Label “aufgeklärt” besser als mit dem Label “rechts”.
    Als besonders aufgeklärt empfinde ich die Verteidiger der Aufklärung in dem von Ihnen diskutierten Zusammenhang nicht. Sie scheinen mir eher recht finstere Gedanken zu haben, die sie ja auch in schöner Regelmäßigkeit äußern, diese neuen Aufgeklärten. Auch wenn sie helle Lichter zu tragen vorgeben, so bleibt doch ein dunkler, ja verdunkelnder Eindruck.

  15. @alisier: ich stimme Ihnen vollkommen zu: die Verteidigung der Errungenschaften der Aufklärung ist ein strategisch vorgeschobenes und allein eristisch verwendetes Pseudoargumentationsinstrument, um die von den einschlägigen Parteien angestrebten Dinge, die eher reaktionär sind, mit einem Kniff gegen die sognannten “Gutmenschen” zu drehen, die man damit in einen Argumentationsnotstand bringt, indem man ihr Alleinstellungsmerkmal durch Kampfrhetorik gegen sie selbst verwendet. Wer toleriert ist plötzlich kein Verteidiger der Toleranz mehr.

    Das muss man doch auch sehen, wenn man die Überzahl der rechtspopulistischen Postings sieht. Derartige politische Bewegungen haben außerdem bessere Mobilisierungsfähigkeiten für Internetpropaganda. Menschen, die weniger frustriert sind und andere Werte vertreten, die sich mit Einstellungen decken, die man bisher als liberal eingeordnet hat (also vor derartigen Umwertungsversuchen politischer Kategorien), nehmen weniger oft die Hürde auf sich, sich überhaupt zu äußern. Das schafft meiner Meinung nach eine Schräglage in der zahlenmäßigen Verteilung der unterschiedlichen politischen Positionen. Es gibt darüber hinaus einige psychologische Untersuchungen über Häufigkeiten von Charaktereigenschaften bei durchschnittlichen Diskutanten unter Zeitungsartikeln in Onlinediskussionen. Das ist geschlechtsmäßig stark unterschieden, beruht auf Kommunikativität bei Männern und Frauen und als hervorstechendes Merkmal bei Männern auf emotionaler Instabilität. Die Kampfposterei ist damit wie gemacht für bestimmte Parteien.

    Andererseits habe ich Herrn Trepl so verstanden, dass er die Veränderung der Rechtsparteien nicht von deren Intention her, sondern aus einer ideologie- oder ideengeschichtlichen Perspektive lesen will. Demnach ist es nicht unbedingt wichtig, was sich einzelne Mitglieder oder Vertreter der einzelnen Parteien wahrhaft oder verlogenermaßen erwarten/wünschen, sondern dass sich die Ideologie selbst, auch ohne (bzw. gegen) deren bewusstes Zutun, verändert.

    Ich verstehe eine solche Lesart, wenn ich das richtig begriffen haben sollte, halte sie aber für naiv. Ich sehe da eine Art von Missvertändnis am Werk, das Kampfrhetorik für Ideendialektik hält.

  16. Ich würde Herrn Trepl sicher keine wie auch immer geartete Naivität unterstellen wollen, Silvio Ricardo, schon allein deswegen nicht, weil wir uns sonst rhetorisch dem “Mob” annähern.
    Der Blogger hofft meiner Meinung nach auf eine Entwicklung, einen in unseren Augen positiven Effekt, der von den rechtskonservativen Kräften nicht einkalkuliert worden ist. Ich wünsche uns, dass er zumindest teilweise Recht behält.
    Was aber dagen spricht ist die eiskalte und berechnende Art und Weise in der die Aufklärungssprüche gestreut werden. Diese Ideologie ist viel zu gefestigt um aufklärerische Gedanken überhaupt zuzulassen. Außer taktischem Gesülze scheint mir da nicht viel zu finden zu sein.

  17. @alisier: Naivität ist aber von mir nicht rhetorisch verwendet. Herr Trepl spricht selbst über Postings, denen er einerseits zu gewissen Graden zustimmen kann, bis er dann zu offen rassistischen Stellen kommt, die dann eine starke Kategorisierung des jeweiligen Kommentarschreibers zulässt. Der rationale und für ihn nachvollziehbare Teil einiger Aussagen ist, so habe ich den Artikel verstanden, für ihn ein Indiz dafür, dass die sogenannte Rechte Dinge vertritt, die vormals dem rechtspopulisitscheen Spektrum entgegengesetzten Positionen zugerechnet wurden. Rassistische Aussagen sind dann nur noch Überbleibsel einer Seite, die plötzlich von Aufklärungsformeln angezogen und in sich von diesen subversiv überwunden wird?

    Wir stehen hier vor einer Gewissensfrage an “den Mob”, die wir nicht beantworten können. Sind die Behauptungen der Verteidigung der Aufklärung Strategie zur Torpedierung des rationalen Diskurses oder will man ernsthaft mit Intoleranz Toleranz, mit Geschlossenheit Offenheit und mit Ausgrenzung Inklusion verteidigen? Ersteres wäre strategisch nachvollziehbar, zweiteres paradox und unmöglich.

    Gibt es richtige Dinge aus falschen Gründen? Zählen Motive zu unserer Kultur? Maximen?

    Ich halte die Lesart, die Herr Trepl in Bezug auf Veränderungen in den Parteiwerten ausmacht für naiv. Vor allem, weil ich in Parteispielen keine ethische Bewegung sehe, sondern Spiegel anthropologischer Grundmuster. Und in vielen Fällen sind die einfach verschlagen, bösartig und ziemlich mehrheitsfähig.

    Stets durchscheinende Rassismen sind da keine überwindbaren Überbleibsel, sondern Schlüsselsymbole, die die Mehrdeutigkeiten und Scheinliberalismen an das große Stammklientel rückbinden.

    • @Alisier @Sylvio Ricardo

      Vielen Dank! Jetzt kommt die Diskussion so allmählich zu den Fragen, die ich hier diskutieren wollte.
      „Das immer öfter zu hörende Bekenntnis zur Aufklärung scheint mir rein taktisch motiviert zu sein“ (@Alisier) „ich stimme Ihnen vollkommen zu: die Verteidigung der Errungenschaften der Aufklärung ist ein strategisch vorgeschobenes und allein eristisch verwendetes Pseudoargumentationsinstrument …“ (@Silvio Ricardo).
      Ich bin da skeptisch. Da ist mir zu viel Verschwörungstheorie drin. Parteistrategen setzen sich zusammen und überlegen, mit welchen Mitteln sie möglichste viele auf ihre Seite ziehen könnten. Die Mittel sind Gedanken irgendwelcher Art. Und da gibt es erst mal zwei Möglichkeiten: (1) man geht von dem aus, von dem man vermutet, daß es die Adressaten hören wollen. Egal was man selbst für richtig hält: man tut so, als wäre man der Meinung der Adressaten. (2) Man sucht die Adressaten von der Richtigkeit der eigenen Auffassungen zu überzeugen (bzw. überreden). Die Parteistrategen entscheiden sich lieber für Methode (1): sie sind eben „Strategen“, nicht „Ideologen“. – So etwas kommt vor, aber nicht besonders häufig, und ich bezweifle, daß es bei einer ideologischen Veränderung des Ausmaßes, um das es hier geht, überhaupt vorkommen kann. Und: es ist mir zu nahe am Kern dessen, was die rechte Ideologie ausmacht, und an den Kern darf man nicht rühren. Man kann in der Rechten z. B. den Begriff der Rasse aufgeben zugunsten des Begriffs der Kultur, aber man kann nicht die Idee aufgeben, daß man einer Ethnie durch Geburt zugehört (ob das nun biologisch gemeint ist oder kulturell) zugunsten der Idee, die Einheit, der man zugehört, die „Nation“, entstehe durch Bekenntnis zu einer Verfassung. Damit würde man sich selbst aufgeben. Die Frage wäre also: Wie weit kann die neue Liebe der Rechten zur Aufklärung überhaupt gehen, ohne daß das rechte Gedankengebäude insgesamt zusammenbricht? Wenn es schon so eine strategische Nutzung aufklärerischer Gedanken gibt, dann müßte man sich vor allem um diese Frage kümmern – die Frage, wo das, was @Alisier als „paradox und unmöglich“ bezeichnet, anfängt und aufhört.

      „Ich halte die Lesart, die Herr Trepl in Bezug auf Veränderungen in den Parteiwerten ausmacht für naiv. Vor allem, weil ich in Parteispielen keine ethische Bewegung sehe, sondern Spiegel anthropologischer Grundmuster. Und in vielen Fällen sind die einfach verschlagen, bösartig und ziemlich mehrheitsfähig.“ (@Silvio Ricardo) Mir scheint es eher naiv, Haltungen wie Verschlagenheit, Bösartigkeit gegen „ethische Bewegungen“ zu setzen. In dem Zitat scheint mir gesagt zu sein: Das, was sich unter den Rechten tut, sind „Parteispiele“. Da ändern sich nicht Auffassungen von Massen von Menschen, sondern diese Auffassungen bleiben gleich, aber einige Parteistrategen setzen Gedanken, die nicht ihre sind, die sie vielmehr bekämpfen, ein, um ihren unveränderten Auffassungen zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Auffassungen haben zugleich eine Eigenheit: In ihnen kommen keine „ethischen Bewegungen“ zum Ausdruck. Das scheint zu bedeuten: Sie sind nicht durch Diskussion zustande gekommen, d. h. nicht „in Freiheit“, so daß sie durch Einsicht in Argumente verändert werden könnten. Sondern in ihnen drücken sich „anthropologische Grundmuster“ aus, also Natürliches, biologisch Bedingtes, Unveränderliches. Bösartigkeit wäre so etwas. So aber, meine ich, gehen Veränderungen ideologischer Art nicht vor sich. Es hieße ja: Es bleibt immer alles gleich, wenn es anders aussieht, so scheint das nur so. Oder man sagt aus strategischen Gründen etwas anderes als man meint und auch etwas anderes als das, wozu einem die eigene Ideologie einen zwingt oder drängt. Aber, wie gesagt, so ist es nicht. Daß z. B. einen moslemischen Bosnier seine Zugehörigkeit zur „nordischen Rasse“ nicht schützt, weil es allein auf die Religion ankommt, das ist echt, so echt wie ihn vor 70 Jahren seine „Rasse“ geschützt hat.

  18. Da möchte ich dann größtenteils zustimmen.
    Eine subversive Überwindung gefiele mir übrigens ausgesprochen gut.

  19. Entschuldigung, Herr Trepl, das scheint mir ihr bisher schlechtester Beitrag zu sein, weil er inhaltlich kaum schlüssig und nicht den Tatsachen entsprechend ist.

    Die (neue) Rechte hat nicht den “american way of life” als zu verteidigende Lebensweise erkoren. Wie man sowas erkennen will, ist mir unklar. Es gab sogar zeitweise eine Art antiamerikanische Tendenz (in Verbindung mit dem Ukraine-Konflikt). Ich verbinde hier die Pegida-Demonstrationen mit dieser neuen Rechten, weil es diese neue Rechte ohne Pegida wohl nicht geben würde. Nein, zu verteidigen gibt es allein seine eigene Existenz und einiges, was man als Idealisierung der Einzelteile einer Vergangenheit ansehen kann – was letztlich nie eine Einheit gewesen war und so existiert hätte, aber trotzdem ersehnt wird.

    Und die Islamfeindhschaft, die sie als Hauptzielgruppe der neuen Rechten sehen, ist letztlich nur eine Art Übersprung, weil man das eigentliche Problem mit solcher Zuwanderung aus solchen Kulturen nicht den rassischenFaktor dabei öffentlich populiert, sondern auf das Völkische/Kultur-Ding ausweicht.
    Im Kern aber geht es schlicht um das Rassische. Man merkt seine eigene Schwäche vor allem dann, wenn man der Stärke der meisten Zuwanderer gegenübersteht, am meisten und beginnt das rassisch zu erklären. Sarrazins Thesen sind dabei auch nicht von vollendeter Ehrlichkeit, weil sie ebenso eine Eigenschaft (Intelligenz) zum Anlass nimmt, die letztlich nicht der springende Punkt sei, wenn er sagt, wir werden aussterben und von Muslimen ersetzt. Dabei hilft uns ein hoher Intelligenzquotient nämlich überhaupt nicht (weil: nur doof bumst gut – ganz grob ausgesagt).

    Neee, dieses Mal hat mir ihr Beitrag gar nicht gefallen wollen.

    • @demolog

      „Und die Islamfeindhschaft, die sie als Hauptzielgruppe der neuen Rechten sehen, ist letztlich nur eine Art Übersprung, weil man das eigentliche Problem mit solcher Zuwanderung aus solchen Kulturen nicht den rassischen Faktor dabei öffentlich populiert, sondern auf das Völkische/Kultur-Ding ausweicht.
      Im Kern aber geht es schlicht um das Rassische.“

      Nein. Mir ist ganz unerfindlich, wie man auf so eine Idee kommen kann. Man könnte also ohne weiteres zum Islam konvertieren, ohne daß einer der Rechten etwas dagegen hätte, denn die Rasse ist beim Konvertieren ja gleichgeblieben? Und die nordischen Balkanbewohner, die arischen Perser und Pakistaner, an deren Zuwanderung hat man nichts auszusetzen, weil es ja auf die Rasse ankommt? Aber man hat etwas auszusetzen: sie sind Muslime. Wie soll es denn da „im Kern“ „um das Rassische“ gehen? Da müßte doch wenigsten ein einziges Mal der Gedanke „Rasse“ in diesen Sprüchen auftauchen, tut er aber nicht. Nein, das ist Kulturalismus, nicht Rassismus, so wie über viele Jahrhunderte der Haß auf die Juden nicht rassistisch, sondern kulturalistisch begründet war. Das ist keine Verharmlosung, es hat die blutigen Exzesse keineswegs verhindert.

      „Man merkt seine eigene Schwäche vor allem dann, wenn man der Stärke der meisten Zuwanderer gegenübersteht“. Wie kommen Sie denn darauf? Gibt es Statistiken über Gewichtheber-Wettkämpfe? Und welche Rolle im Kampf um gesellschaftliche Positionen soll denn heutzutage die körperliche Stärke spielen, die man merkt, „wenn man der Stärke der meisten Zuwanderer gegenübersteht“ (von der ich übrigens nichts gemerkt habe)? Die hat vielleicht einen Vorteil, wenn es um die Verteilung der Stellen bei der Müllabfuhr geht.

      „Die (neue) Rechte hat nicht den ‚american way of life’ als zu verteidigende Lebensweise erkoren.“

      Sie verteidigt die „westlichen Werte“, und als Lebensweise ergeben die den ‚american way of life’. Der gehörte zum Hauptfeindbild der alten Rechten, das war ganz essentiell. Die neue aber verteidigt „das Abendland“, „den Westen“, und da gehört nun mal Amerika dazu. Daß man politisch gegen die USA ist, widerspricht dem nicht, es steht aber auf einem anderen Blatt.

      • Tja, das ist ihre Sichtweise betreffend des Rassismus. Die taugt vielleicht nicht viel. Aber egal, das wird den Kohl nicht fett machen. Ich bleibe bei meiner Meinung. Obwohl natürlich auch das Kulturelle einflußreich ist. Mir ist es aber nur schwer gelungen, das Kulturelle, wie es derzeit oder immer schon gehandhabt wird, vom ethnischen/rassischen zu trennen. Es gibt da nicht ohne Grund Schwierigkeiten.

        Das sie auch nicht bemerken wollen, welche Art “Stärke” ich meine, finde ich auch “scheisse”. Oder es hat einen einfachen Grund, den man ihnen nicht nachtragen kann. Sie merkten es einfach nicht. Kann passieren. Auch gut. Schade nur, das sie mir da eben nicht folgen “können”. Ganz zu schweigen davon, dass sie womöglich auch gar nie folgen wollten.

        Vielleicht liegt es daran, dass ihre Intellektuelle Ebene, in der sie leben und aus der Sie in die Welt schauen, nicht begreifen können, wie viel Stärke man braucht, um in gewissen Gesellschaftsschichten zu etwas zu kommen; in der Welt etwas zu bewegen. Die Luft im intellektuellem WissenschaftsBurgfried ist wahrscheinlich etwas zu dünne, um das dicke Gemenge in der unteren Gesellschaft zu kapieren. Dort dürfen sie ihr epersönlichen Lebenerfahrungen nicht als Maßstab nehmen. Das Leben dort ist auf andere Art und Weise “hart” und erfordert eine andere “Stärke”, als bei ihnen in ihrer Lebenswelt.

        Glauben sie mir, es gibt sicher nicht wenig mitteleuropäische Männer, die schon ganz gerne islamische Verhältnisse hätten. Das wäre doch prima, wenn die Frau nichts zu sagen hätte in der Gesellschaft. Da gilt der Mann noch was. Da gibt es keine “naiven” Zwischenrufe oder Querschiesser(innen) die irgendwelche infantilen Eingaben machten.

        Sozusagen “kulturkonvertiten”, die aber nie zum Islam überwechseln würden. Das sie das nicht zun, hat wieder andere Gründe. Etwa, dass sie vielleicht zu schwach sind? Denn man kann vielleicht auch nur die Sehnsucht nach (diesen) islamischen Verhältnissen haben, wenn man in dieser Welt nicht klar kommt mit den Verhältnissen? Mit den Frauenbewegungen, Feminismus und so. Oder auch gewisse freiheitliche Werte, die einem gedungenem Manne schon mal auf den Senkel gehen könnten.

        Naja, auch hierhin wollen sie mir vielleicht nicht folgen. Sie sind wahrscheinlich schon viel zu alt, um sich das noch anzutun – um diese Szenarien probeweise zu verinnerlichen.

        Dabei hatten sie zum Thema Rassismus schon viel gescheites geschrieben. Auch, wenn das deutsche Nachkriegsszenario eher schlecht war zum erschliessen der Rassenfragen und alles das, was darin wirklich eine Rolle spielt.

        Mit dem ‚american way of life’ werden sie wohl recht haben. Wobei aber ausdrücklich das Abendland gemeint ist, und nicht der “american way of life”. Und mit dem Abendland ist historisch Europa gemeint. Das wir in Westeuropa den american way of life nachfröhnen (wenn auch nur mehr insgeheim, als ausdrücklich), ist eine andere Sache. Das es kaum andere konkurenzfähigen Lebensweisen zu geben scheint (Hollywood sei dank), spielt hier mit hinein.

        • “Dass sie auch nicht bemerken wollen, welche Art “Stärke” ich meine, finde ich auch scheisse.” Scheisse in Anführungszeichen.

          Ich hab es jetzt begriffen, halte aber für falsch, welche Schlüsse sie daraus ziehen. Es ist nicht so wichtig, was in der Unterschicht geschieht. Massen von Zigeunern beispielsweise (falls Sie es vorziehen, politisch korrekt zu sprechen: Sinti und Roma) sind in Europa eingewandert, und ein beträchtlicher Teil hat sich (biologisch und kulturell) mit der europäischen Unterschicht vermischt. Das was für das politische Geschehen vergleichsweise unerheblich.
          “Meine Lebenswelt” ist übrigens nicht 70 Jahre lang da gewesen, wo Sie sie vermuten. Anders denn als Baron wird man als Professor nicht geboren. Wie es in den unteren Gesellschaftsschichten zugeht, weiß ich recht gut. Wie Sie sich allerdings anmaßen können, “das dicke Gemenge in der unteren Gesellschaft zu kapieren”, verstehe ich nicht. Ihre Formulierungen klingen ganz und gar nicht so, wie man dort spricht.

          • Ich komme dorther, wo man nicht so spricht, wie ich heute spreche. Freilich am Randes dessen, was ich meine – von wo man gut beobachten konnte.

            Natürlich ist wichtig, was in der Unterschicht passiert. Nämlich für die Leute, die dort existieren müssen. Wie kann man sagen, das wäre nicht wichtig? Nur dann, wenn man meint, aus dem prekären Lebensbereich käme nichts produktives hervor; an die Oberfläche, diejenigen, in der die Politik und so, gemacht wird.

            Es bleibt aber natürlich dabei, dass auch dort “Leben” stattfindet. Nur anders eben.

            Zitat:

            “Das war für das politische Geschehen vergleichsweise unerheblich”.

            -> Solche Einstellungen sind das Problem, warum der Rechtsruck stattfindet. Weil man eben solche Perspektiven einfach ignoriert. Sie haben damit noch einmal den Beweis geliefert. Danke dafür.
            Überlegen sie doch mal, wie man das anders machen könnte.

            Wo sind sie aufgewachsen? Ich frage, weil sie ansprechen, dass sie nicht daherkommen, wo sie jetzt sind. War es eine Großstadt und darin die übliche Gegend/Bezirk, wo sich Migranten konzentrieren? Oder war es der Randbezirk, im beschaulichen bürgerlichen Vorstadtbezirk, oder Kleinststadt/Dorf, in dem die Welt vom Problem verschont blieb?

            Es könnte auch einfach sein, dass sie ihr früheres Leben einfach überwunden haben; zurückgelassen und keinen Einfluß mehr auf ihre jetzige Perspektive haben – immerhin sind auch sie offenbar vom humanistischen Ideal überzeugt und geben bezüglich diesem Ideal uneingeschränkt/Kompromislos das “sein sollen” zum Besten? Also nach Gusto des sogenannten “Gutmenschen”. Wir wissen doch alle, dass die Welt noch nicht so ist, wie sie idealerweise sein sollte, nicht wahr?

          • @demolog

            “Natürlich ist wichtig, was in der Unterschicht passiert.”
            Das bestreite ich doch nicht. Nur eben nicht so wichtig wie das, was anderswo geschieht, außer in seltenen Momenten der Geschichte. Die russische Revolution war so einer, die französische z. T. auch. Aber nehmen Sie z.B. Deutschland. Die Sozialdemokratie sorgte einige Jahrzehnte lang für eine gewisse Unruhe. Das war aber schon alles. Der NS war – anders als bürgerliche Ideologen uns heute glauben machen wollen – alles andere als eine Unterschicht-Bewegung. – Daß das, was dort geschieht, wichtig ist “für die Leute, die dort existieren müssen”, ist eine Tautologie und hier selbstverständlich nicht die Frage. Die politischen Bewegungen der Unterschicht (an die 100 Jahre lang i.w. kommunistisch) haben sich intensiv Gedanken darüber gemacht, wie sie bzw. diejenigen, die bisher eben als die unteren Schichten davon ausgeschlossen waren, im Hinblick auf das Ganze von Staat und Gesellschaft Bedeutung erlangen könnten. War das überflüssig, weil sie doch schon Bedeutung hatten?

            Ihre Versuche, eine Diagnose von mir zu erstellen, sollten Sie aufgeben. Sie verstehen es ja doch nicht.

            “immerhin sind auch sie offenbar vom humanistischen Ideal überzeugt und geben bezüglich diesem Ideal uneingeschränkt/Kompromislos das “sein sollen” zum Besten?”

            Ich kann in dem Satz keinen Sinn erkennen. – Vom humanistischen Ideal bin ich nicht überzeugt; vermutlich verstehen Sie unter “humanistisch” aber etwas anderes als ich.

          • Jetzt fangen sie an bockig zu blocken und krampfhaft auszuweichen. Keinen Sinn erkennen zu wollen, ist so ein Anzeichen für Intellektuelle, die nicht folgen wollen.

            Vielen Dank soweit.

          • @demolog

            “Keinen Sinn erkennen zu wollen, ist so ein Anzeichen für Intellektuelle, die nicht folgen wollen.”

            Daß ich keinen Sinn erkennen “will”, das schließen wir mal aus. Ich will das schon. Dann bleiben zwei Möglichkeiten (bezogen auf den Satz bzw. Satz-Teil “und geben bezüglich diesem Ideal uneingeschränkt/Kompromislos das ‘sein sollen’ zum Besten?”): (1) Der Autor ist nicht in der Lage, seine Sätze so zu formulieren, daß ein Sinn erkennbar wird (der Autor sind Sie), (2) Der Leser (also ich) bin nicht in der Lage, einen Sinn zu erkennen, obwohl der durchaus erkennbar wäre. Ich tippe auf (1). Denn natürlich will ich den Sinn erkennen, darum lese ich die Kommentare doch.

            Ich werde jetzt aufhören, auf Ihre Kommentare zu antworten. Ich habe keine Lust, Ihrem Intellektuellenhaß eine Bühne zu bieten.

  20. Sie haben in Ihrer Auslegung meiner Position schon recht genau getroffen, was ich meinte, Ihnen entgeht aber eine Sache, die ich für den Hauptkritikpunkt an Ihrer Analyse ideologischer Veränderungen halte. Ihr Gebrauch von Begriffen wie Rassismus, Religion und Kultur bzw. Ihre Beschreibung von Wechselbewegungen und Relevanzverschiebungen im politischen Zeitgeschehen weisen (und das ist Ihrer wissenschaftlichen Perspektive geschuldet) eine begriffliche Distinktion und Sauberkeit auf, die deren populären und relevanten Exemplaren in den mentalen Konzeptionen der Mehrheit der Menschen nicht entsprechen und schon gar nicht in den Konzeptionen der sogenannten Rechtswähler und Rechtsintellektuellen. Das lässt sich historisch vom zweiten Weltkrieg und weit davor bis zu heutigen Auseinandersetzungen verfolgen.

    Schon in sich selbst als „antifaschistisch“ bezeichnenden Bewegungen ist der Begriff des Rassismus eine semantische Wolke, die mit dem recht genau begrenzbaren Begriff der Rasse nicht übereinstimmt. Das mag für Menschen mit begriffsgeschichtlichem Interesse ärgerlich sein und einem Wunsch nach Sprachpräzision zuwiderlaufen, entspricht aber eben dem wirklichen Sprachgebrauch. Präzisierungen sind dort in der Regel höchstens Spiegelfechtereien und Ausweichmanöver ala „Das Judentum ist keine Rasse, ich kann also kein Rassist sein“. Schlussendlich trifft also die erwähnte unsaubere Rassismusdefinition die Realität besser als ein distinkter Sprachgebrauch.

    Ich habe eine passende Stelle schon einmal auf Ihrem Blog gelesen: damals ging es um „Genderwahn“ und unterschiedliche Auffassungsmöglichkeiten bzw. Tiefen bezüglich des Kulturbegriffes. Ich halte Aufklärungserrungenschaften in ihrer philosophischen Tiefe und modernere kulturwissenschaftliche Begriffskonzepte nicht für mehrheitsfähig. Die mentalen Konzeptionen von Rasse, Kultur und Religion- bzw. Religionskultur verschwimmen im Mehrheitsdiskurs zu einem Brei, der ethnopluralistische Positionen und rassistische oder religionsfeindliche Positionen nicht nur strategisch gleichsetzt, sondern auch einfach dem Fassungsvermögen des Durchschittsbürgers entspricht.

    Das ist auch der Grund dafür, dass ich eine seriöse Islamkritik für absolut unmöglich halte, weil 9 von 10 Diskutanten den Unterschied zwischen Kultur, Religion und Rasse nicht verstehen, nie verstehen werden und wohl auch gar nicht verstehen wollen. Das ließe sich auch an Diskussionen über christliche Einflüsse auf den Liberalismus mit militanten Atheisten illustrieren: viel Spaß dabei!

    Meiner Meinung nach muss in Auseinandersetzungen mit politischen Verschiebungen das Fassungsvermögen des Mobs mitberücksichtigt werden. Das tun Sie nicht. Sie beschreiben ein subversives Überwinden alter Positionen der Rechten durch Aufklärungsfiguren, das ich schön finde, das ich aber gleichzeitg für naiv halte, weil Sie Laborgegebenheiten und Arbeitsbegriffe in die Köpfe von Leuten kopieren, die eher mit gröberen Konzepten arbeiten, welche nach Belieben vermischt, vermanscht, verramscht und vergewaltigt werden.

    Meine subjektive Erfahrung, die ich von meinem Begriffsverständnis absetzen will, die ich aber für mich persönlich als Bestätigung verstehe:
    Ich wohne in Österreich. Ich bin hier seit über 30 Jahren fast täglich mit „Rassismus“ (oder was eigentlich?) konfrontiert. Ruhig sind Tage, an denen ich kein öffentliches Verkehrsmittel verwende. Ich spreche besseres Deutsch als die meisten Österreicher. Ich bin kein Moslem und auch kein Jude. Glauben Sie mir: das ist egal. Für die Leute bin ich ein „Kanacke“, „Muhammedaner“, „Untermensch“, „Gaspatient“ und vieles mehr. Das wird in den letzten Jahren sogar immer schöner. Und die Leute wählen Parteien, die mit Slogans wie „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ Wahlwerbung betreiben. Neuerdings sogar die Hälfte der Österreicher. Und dafür erfährt man von einschlägigen europäischen Schwesternparteien großen Zuspruch.

    Vielleicht überlesen die ja alle den „Rassismus“? Oder vielleicht wollen die die Werte der Aufklärung unterstützen? Vielleicht sehe ich die tollen Aufklärungswerte bei denen einfach nur nicht?

    • @ Silvio Ricardo

      „Ihr Gebrauch von Begriffen wie Rassismus, Religion und Kultur bzw. Ihre Beschreibung von Wechselbewegungen und Relevanzverschiebungen im politischen Zeitgeschehen weisen (und das ist Ihrer wissenschaftlichen Perspektive geschuldet) eine begriffliche Distinktion und Sauberkeit auf, die deren populären und relevanten Exemplaren in den mentalen Konzeptionen der Mehrheit der Menschen nicht entsprechen“.

      Daraus kann man aber nicht die Konsequenz ziehen, genauso unsauber zu reden wie die „Mehrheit der Menschen“. Dann versteht man nämlich genauso viel, also kaum etwas, wie diese Mehrheit. Man muß deren Begriffsgebrauch genau ansehen, zerlegen, zum Teil anders definieren usw., wie man es halt in der Wissenschaft so macht. Wenn man z. B. so wirr über „Rassismus“ redet, wie die „Antifa“, dann begreift man einfach nichts. Man begreift z. B. nicht, warum die Juden von den Nazis umgebracht wurden, obwohl sie sich doch hatten taufen lassen – das besonders Tragische war, daß diese Juden es selbst oft nicht verstanden, sie waren doch nun Christen. – „… „Ausweichmanöver ala ‚Das Judentum ist keine Rasse, ich kann also kein Rassist sein’ ist eben nicht alles, was man mit einem präziseren Rassismusbegriff anfangen kann.
      Die Begriffe, die man verwendet, müssen den „Konzeptionen der sogenannten Rechtswähler und Rechtsintellektuellen“ nicht „entsprechen“, indem sie genauso „unsauber“ sind, sie müssen es aber erlauben, sie genauer zu verstehen. Ich glaube – sicher mit Ihnen – daß viele Begriffe diese Forderung nicht erfüllen. Wer sie benutzt, tanzt in einem luftleeren Raum.

      „Ich halte Aufklärungserrungenschaften in ihrer philosophischen Tiefe und modernere kulturwissenschaftliche Begriffskonzepte nicht für mehrheitsfähig.“

      Und wenn es so wäre – was würde daraus folgen?
      Ideen haben es an sich, daß sie nicht in Gänze verwirklicht werden können. Sie können gewöhnlich auch nicht von Mehrheiten so verstanden werden, so wie ein Philosoph sie versteht. Verlangen Sie doch mal von einem Durchschnittsmenschen, er möge ein Referat über Freiheit halten. – Aber diese Ideen sind doch wirksam, denn In relevanten Hinsichten versteht so ziemlich jeder, was Freiheit und was Menschenrechte sind. Das liegt weniger daran, daß manche besondere Theoretiker Rücksicht auf das Unsaubere nehmen, was sie beschreiben, sondern daran, daß normalerweise die Theoretiker nur etwas genauer zu Papier bringen, was jeder denkt. Jedenfalls: Ohne Ideen geht gar nichts. Freiheit muß als Idee da sein, sonst wird sie nie Realität werden.

      Insgesamt folgt aus Ihren Ausführungen, daß man nie hätte anfangen sollen, ernsthaft zu denken, weil das prinzipiell das „Fassungsvermögen des Durchschnittsbürgers“ übersteigt. Aber das vertreten Sie nicht wirklich, denn selber denken Sie ja auf eine Art, bei der der Durchschnittsbürger nicht mitkommt.

      „Meiner Meinung nach muss in Auseinandersetzungen mit politischen Verschiebungen das Fassungsvermögen des Mobs mitberücksichtigt werden.“

      Stimmt, ich mache es aber nicht, und zwar weil ich nicht alles kann und dies z. B. nicht. Aber das ist nicht schlimm. Mit diesem Fassungsvermögen befassen sich Heerscharen von Wissenschaftlern, Psychologen z. B. Aber mit der Lücke, die ich zu schließen versuche, befaßt sich kaum einer.

      „Ich bin kein Moslem und auch kein Jude. Glauben Sie mir: das ist egal. Für die Leute bin ich ein ‚Kanacke’, ‚Muhammedaner’, „Untermensch’, ‚Gaspatient’ und vieles mehr.“

      Wären Sie Japaner, wären Sie all das nicht. Japaner können nämlich Autos bauen und verstehen es, dabei reich zu werden. – Darf ich fragen, was Sie dann sind in Österreich? Hindu? Buddhist? Religionslos, aber aus einem Land kommend, in dem man so ähnlich aussieht wie die Türken?
      Daß Sie besser deutsch können als die meisten Österreicher, wundert mich nicht. Ich habe Karl Kraus fast vollständig gelesen.

      „Vielleicht sehe ich die tollen Aufklärungswerte bei denen einfach nur nicht?“

      Die sind schon da bei denen, man geht nur mit denen, die sie nicht annehmen wollen, anders um. Wer weiterhin auf dem Recht besteht, seine Frau zu verprügeln (etwas, was vor Kurzem im Christlichen Abendland ganz selbstverständlich war), der wird an der Grenze erschossen (wenn das schon eine Spitzenfunktionärin sagt, darf man annehmen, daß das die weithin verbreitete Meinung ist, und daß die die Aussage zurückgenommen hat, sagt gar nichts). Das ist etwas untypisch für Menschen, die sich zur Aufklärung bekennen, aber immerhin: Ganz so, wie man als Rechter früher dachte, denkt man nicht mehr. Man haßt die Einwanderer für etwas, was man vor Kurzem noch an den „Fortschrittlichen“ im eigenen Land haßte. Und vor allem: das ist keine Veränderung, wie sie immerzu vorkommt, denn es wird ja das widerrufen, was bisher als essentiell für diese Bewegung galt.

      • ….das war dann wohl sein letzter Kommentar.

        Soweit ich weiß, glaubte er nicht an ein Leben nach dem Tod. Nun denn, dann hoffe ich mal, dass er es jetzt besser weiß. 🙂 ….und vom “anderen Ufer” aus aktiv wird.

  21. In vielem kann ich zustimmen, aber ich komme doch schnell zu dem Punkt vo ich aus meiner derzeit Osteuropäischen (Thüringen!)Perspektive nicht folgen will. Dass die “Neuen Rechten” Die Emanzipation der Frauen oder gar der homosexuellen verteidigen bzw. sie “wirklich” verteidigen.

    Nach meiner Wahrnehmung ist die Verteidigung einiger unserer “westlichen Freiheiten” gegen den Islam (zumindest hier im Osten) eher vorgeschoben, um auch ein weniger reaktionäres Publikum anzusprechen.

    Vielen, die hier der AfD hinterher laufen und einige mit denen ich auf einem anderen Forum zu tun habe ist die Aufklärung bzw. das was dahinter steht sogar offenbar völlig fremd. Da wird allen ernstes Argumentiert die Menschenrechte (genauer der Art 1 des Grundgesetzes) gelten für Syrer nicht, weil das Grundgesetz ja nur in Deutschland gilt.

    Bei vielen habe hingegen tatsächlich das Gefühl, dass es ihnen um “Heimat” und “Tradition” geht. Zwar von Religion weitgehend befreit, aber dennoch in christlicher Tradition. Sehr oft habe ich den Satz gehört/gelesen: “Ich will, dass es auch in 20 Jahren noch Weihnachtsmärkte gibt!” Dahinter steht, so unglaublich das klingen mag, ganz offenbar die reale Angst, Muslime könnten aus Deutschland einen islamischen Gottesstaat machen. Und einige meinen offenbar ihr Recht auf Schweinebraten, Feierabendbier und Glühweinbesäufnis in besinnlicher Atmosphäre tatsächlich gegen den Islam verteidigen zu müssen. Das erklärt die Aggression mit der gegen den Islam gehetzt wird.
    Da kann man leider noch so viel argumentieren, dass diese Ängste an den Haaren herbeigezogen sind, eine ganze Reihe glaubt das offenbar wirklich (und zwar so sehr, dass sie gegen jegliche Wiederlegungsversuche völlig resistent sind). Und der hiesige selbsternannte Ökologie-Experte Höcke rechnet diesen Leuten vor, warum in 20-30 Jahren die Muslime in Deutschland die Bevölkerungsmehrheit stellen wird. Davor kann einem leider ziemlich Angst werden: Es geht einigen, vielleicht so gar vielen die der AfD hinterher laufen eben nicht um irgend eine politische Richtung oder ein geschlossenes Ideologisches System. Bei einigen Leuten herrscht offenbar die Nackte existenzielle Angst, dass ihr kompletter Lebensstiel wie sie in kennen ernsthaft in Gefahr wäre. Und mit dieser Angst im Nacken, befürchte ich sind tatsächlich ansonsten gewöhnlcihe, besorgte Bürger zu einigem fähig.

  22. Hallo Scilogs und alle Blogger,
    weiß man hier eigentlich, dass Prof. Dr. Ludwig Trepl am 19. Dezember 2016 nach schwerer Krankheit verstorben ist? Habe hier lange nicht mehr reingeschaut, gab’ s da eine Meldung zu? Die Meldung von Blogger Dr. Wolfgang Achtners Tod hat mich nun auch hier einmal nachsehen lassen. Dann wurde ich aber nur auf Google fündig.

    http://www.landschaft.wzw.tum.de/fileadmin/news/Traueranzeige_Ludwig_Trepl.pdf

    http://www.landschaft.wzw.tum.de/system/nachricht-detail.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=13&cHash=083a5bbe78092158089dc42a65c02e18

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