Magische Mauer

Die Titelgeschichte Eine neue Kosmologie in der neuesten Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft dreht sich um die Frage: Was passierte in der ersten Sekunde des Universums – oder, wie die Unterzeile sagt: “Gab es den Urknall wirklich?” Unter den Kosmologen erfreut sich das Urknall-Konzept mit dem Inflationsmodell einer extrem kurzzeitigen Aufblähung derzeit weltweit größter Beliebtheit. Die Autoren dieser Spektrum-Geschichte gehören jedoch zur anderen, zur kleinen Fraktion der “Verweigerer”, stellen sie doch ein alternatives Szenario für den Beginn des Universums vor, das sie theoretisch herleiten. Sie sagen: Der „Urknall“ war in Wirklichkeit ein „Urprall“. Erstaunlicherweise berufen sich sowohl die „Inflationisten“ wie auch ihre Kritiker auf die aktuelle Datenlage, die aus der Hintergrundstrahlung ableitbar ist. Denn die gibt zwar Indizien pro Inflationstheorie, zeigt gleichzeitig aber auch Anomalien, die gegen das Modell sprechen.

Der Rand des sichtbaren Kosmos

Diese messbare Hintergrundstrahlung, die 380.000 Jahre nach dem vermuteten Urknall mit der Herausbildung der elektromagnetischen Strahlung der Materie begann, bietet aber nicht nur einen mächtigen, derzeit kontrovers diskutierten Datenschatz, dessen Umfang mit Raumfahrt-Missionen wie der amerikanischen Sonde WMAP oder dem europäischen Satelliten Planck in den letzten Jahrzehnten gewaltig angewachsen ist. Denn diese „leuchtende Wand“ der Hintergrundstrahlung ist für die Wissenschaft viel mehr als ein grandioser Datenpool fürs kosmische Theoretisieren – sie ist das absolute „Ende“ der für uns beobachtbaren Welt, denn direkt hinter ihr liegt die Mauer eines undurchdringlichen Materie-Nebels, der den Urknall, die Inflation und die daran anschließenden Kernreaktionen in der Frühphase des Universums für uns gänzlich verhüllt. Das beobachtbare Universum hatte zur Zeit der beginnenden Hintergrundstrahlung nicht nur eine mehrere Jahrhunderttausende währende Geschichte hinter sich, sondern bereits einen Umfang von etwa 180 Millionen Lichtjahren. Was auch immer Wissenschaftler über die Zeit davor wissen oder zu wissen glauben, können sie nur indirekt aus den Daten dieser Hintergrundstrahlung sowie den Kenntnissen der physikalischen Welt herleiten.

Als ich vor einigen Wochen bei der Redaktionsabstimmung von HYPERRAUM.TV mit Spektrum erfahren habe, dass die neue Titelgeschichte über die Frage gehen würde, ob es den Urknall überhaupt gegeben hat, machte ich mich auf die Suche nach einem Gesprächspartner für meine Teaser-Sendung in der Kooperation mit Spektrum. Bei dieser Recherche bin ich auf den Kosmologen Torsten Enßlin gestoßen und habe mich mit ihm eingehend über die Thematik Inflationsmodell unterhalten – allerdings fand ich dessen Wirkungsfeld um die Informationsfeldtheorie so spannend, dass ich diesem Thema zwei weitere, hier schon vorgestellte Sendungen gewidmet habe. Anders als die Autoren der Titelgeschichte von Spektrum gehört er zur heute (noch?) sehr großen Gruppe der Inflations-Anhänger, nicht so sehr, weil er absolut überzeugt davon wäre, dass sie richtig sein müsste – das “Absolute” liegt dem Theoretiker, der wissenschaftlich mit Wahrscheinlichkeiten jongliert, sowieso nicht -, nein, sondern weil er sie nach derzeitiger Indizienlage, auch und gerade durch die Daten der Sonde Planck gewonnen, “für die am wahrscheinlichsten richtige Theorie” ansieht, wie er das wissenschaftlich korrekt formuliert.

Der Himmelsatlas der Hintergrundstrahlung zeigt uns zuerst einmal nichts anderes als eine Verteilung minimaler Temperaturschwankungen von einigen hunderttausendstel Grad. Doch diese Temperaturverteilung ist für die Kosmologen von größter Bedeutung, denn sie folgt einer Gaußschen Statistik – einer, die auch für die Quantenfluktuationen am Anfang des Universums als gültig angenommen wird. Diese Quantenfluktuationen sind, so sagt uns die Inflationstheorie, in einem winzigen Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall universell eingefroren worden. 380.000 Jahre danach sind sie immer noch in der Hintergrundstrahlung wie „eingebrannt“ zu erkennen. Ja, sogar mehr: Diese Strukturen zeigen sich bis heute in der großräumigen Verteilung der Masse im Universum. Insofern nehmen die Inflations-Befürworter den heute gültigen Himmelsatlas der Hintergrundstrahlung als hervorragendes Indiz dafür, dass die Theorie über Urknall und Inflation richtig ist.

Der stille Klang des Urknalls

Enßlin führt in unserem Gespräch an, dass es aber nicht nur der Nachweis der Quantenfluktuationen ist, der für die Inflationstheorie spricht, auch andere Indizien gäben Aufschluss, dass die Inflationstheorie nach heutiger Kenntnis das beste aller möglichen Modelle ist. Von Kritikern wird dagegen gern ins Feld geführt, dass es in der Quantenstruktur nur schwer erklärbare Anomalien gibt und es zudem bisher nicht gelungen ist, die Gravitationswellen in der Polarisation der Hintergrundstrahlung zu detektieren. Für Enßlin heute keine überzeugenden Gründe. Die extrem schwachen Signale von Gravitationswellen würden in den gemessenen Planck-Frequenzbändern vom Staub im Universum als “Vordergrundeffekt” weitgehend verdeckt. Für deren Nachweis bräuchten wir wohl neue Messungen in weiteren Frequenzen wie auch noch weiter verbesserte Algorithmen für die Datenauswertung. Übrigens berichtet mir Enßlin sogar von Schallwellen, die in dieser frühen Phase des Universums nach Meinung der Kosmologen entstanden sein müssten. Eine Chance, den Klang des Urknalls nach dreizehn Milliarden Jahren zu hören, haben wir natürlich nicht, aber die Schallwellen sollten sich in der Hintergrundstrahlung ebenfalls manifestiert haben, wenngleich sie darin auch noch schwieriger nachzuweisen wären als die Gravitationswellen.

Festzuhalten bleibt am Schluss: Je näher wir mit unseren Vorstellungen an die Zeit des Urknalls rücken, desto mehr wächst die Unsicherheit der Faktenlage. Wahrscheinlich bleibt die Frage, ob es einen Urknall wirklich gegeben hat – oder vielleicht doch ein Urprall am Anfang des uns zugänglichen Kosmos stand -, wissenschaftlich noch lange diskussionsfähig. Denn was auch immer die Forschung über die erste Sekunde des Universums enthüllt: Es wird nie tatsächlich nachweisbar sein, sondern immer nur aus der indirekten Auswertung von Daten stammen. Die Theorie der ersten Sekunde bleibt auf Indizienbeweise reduziert, auf Vorgänge, deren Nachhall frühestens 380.000 Jahre nach dem Anfang indirekt beobachtbar wird, eingraviert in der Hintergrundstrahlung, jener undurchdringlichen universalen Mauer des ersten Lichts!

Veröffentlicht von

Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Jenseits der Theorie,
    welchen praktischen Nutzen kann ich daraus ziehen, ob es einen Urknall/Prall gegeben hat?
    Die Hintergrundstrahlung ist existent, aber ob der Urknall die Ursache ist, bleibt Theorie.
    Oder ist die Vorstellung vom Urknall nur ein notwendiger Puzzle Stein zum Verständnis von atomen, Quanten,
    elektromagnetischen Feldern usw. usw.

  2. Ganz sicher bin ich nicht, was gemeint ist. Theorie und Verständnis hängen ja ursächlich zusammen. Wenn Urknall und Inflation theoretisch falsch wären, dann könnte/müsste das auch direkte Auswirkungen beispielsweise auf unsere heutigen Vorstellungen von Dunkler Materie und Dunkler Energie haben. War das gemeint?

  3. Zitat:Die Theorie der ersten Sekunde bleibt auf Indizienbeweise reduziert Nicht nur die Theorie der ersten Sekunde, alle Theorien, die sich nur auf Beobachtungsdaten beziehen – also die gesamte Astronomie – sind auf Indizenbeweise allein angewiesen. Aussagen zu unserem Sonnensystem und unserer Milchstrasse sind einfach darum zuverlässiger und fundierter, weil es mehr Indizien, mehr Daten in Form von Bildern und spektroskopischen Untersuchungen gibt. Ob man mehr Licht ins Dunkle der ersten 380.000 Jahre oder gar der ersten Sekunde bringen kann, hängt von der Auswertung der heutigen Bilder des Mikrowellenhintergrunds und von zukünftigen Untersuchungen dazu ab. Zum Glück gibt es eine Möglichkeit Phänomene vor der Zeit der Rekombination (also vor der Zeit 380’000 Jahre nach Null) zu untersuchen. Nämlich mit Gravitationswellen. Es gibt nicht nur einen Mikrowellenhintergrund, sondern auch einen Gravitationswellenhintergrund – und anders als der Mikrowellenhintergrund reicht der Gravitationswellenhintergrund bis ganz ans Anfang der Zeit. Man hofft mit dem weltraumbasierten japanischen DECIGO-Gravitationswellenlabor solche primordialen Graviationswellen nachweisen zu können.

    Aber es ist so – eine Theorie, der die Beobachtungsdaten fehlen, mit denen sie plausibilisiert werden kann, bleibt immer umstritten und spekulativ – selbst wenn sie noch so plausibel ist.

  4. ……Auswirkungen,
    das war gemeint. Jede Theorie ist ein Puzzlestein für ein übergreifendes Verständnis.
    Ich kann nicht überblicken, welche Folgen es hätte, wenn es den Urknall in der Theorie nicht gegeben hätte.
    Ist der Urknall zwingend notwendig, oder nur eine einfache Lösung für alles.

    • Alternativen zum Urknall sind das oszillierende Universum (das von sich selbst abprallt, wenn es sich maximal kontrahiert hat), eine chaotische Inflation oder etwa dass Universen innerhalb schwarzer Löcher von höherdimensionalen Universen oder gar in schwarzen Löchern unseres eigenen Universums entstehen. Das oszillierende, zyklische Universum könnte – unter anderem – durch das Modell der epykrotischen Universumsentstehung erklärt werden.

  5. naja, die Lichtgeschwindigkeit beispielsweise ist doch experimentell bestätigt, das ist schon eine andere Qualität als indirekte Indizien oder rein theoretische Ableitungen … und klar, der Gravitationswellen-Nachweis wäre für die Inflationisten extrem wichtig. Hinzufügen möchte ich dabei, dass es nicht nur die japanische Mission gibt, sondern auch weitere Projekte in den USA sowie in Europa in Sachen primordiale Graviwellen zumindest in Planung sind. Schade: Bei der ESA ist “COrE” (für Cosmic Origins Explorer) erst mal auf Eis gelegt worden. Aber hoffen darf man noch, dass das keine endgültige Entscheidung ist. http://www.core-mission.org/
    Interessant finde ich ja auch Weltraum-Experimente im universalen Großlabor: Die alternative Suche nach durch Gravitationswellen ausgelösten Abweichungen in den Gammablitzen von Pulsaren.

    • Susanne Päch schrieb (24. Mai 2017 @ 11:57):
      > naja, die Lichtgeschwindigkeit beispielsweise ist doch experimentell bestätigt […]

      ???

      Wurden möglicher Weise in bestimmten Versuchen bestimmte Erwartungen hinsichtlich des Wertes (“n”) des Brechungsindex experimentell bestätigt?

      Wurden vielleicht gewisse Angaben betreffend die Distanz zwischen bestimmten Bestandteilen einer Versuchsanordnung experimentell bestätigt?
      Oder zumindest deren systematische (Un-)Richtigkeit abgeschätzt?
      Wie z.B. die berühmt-berüchtigten 31.450 +/- 0.0015 m für die (so mitgeteilte) Versuchsanordnung von T. Alväger et al. ?

  6. Martin Holzherr,
    …………..epykrotisch,
    das ist ja noch phantastischer. Auf die Gravitationswellen bin ich gespannt.

  7. …”ekpyrotisch” heißt’s korrekt, wie im Link zu lesen – so oder so, hatte ich bisher auch noch nie gehört! Danke für den Hinweis! Der Weltenbrand im Kosmos … muss ich mir unbedingt merken, da kann man intellektuell gut punkten, wenn’s nötig ist.

    • Paul Steinhardt, der Koautor des Spektrum 6.17 Artikels “Inflationsmodell in der Kritik” ist zugleich der Erfinder des oben erwähnten ekpyrotischen Universums-Entstehungsmodells (Zitat Wikipedia))
      Das Ekpyrotische Universum (von altgr. ekpyrosis „Weltenbrand“[1]) ist ein im Jahre 2002 von Paul Steinhardt und Neil Turok publiziertes kosmologisches Modell, welches eine theoretische Möglichkeit zur Entstehung unseres Universums beschreibt und als Alternative zur Inflationstheorie formuliert ist, zu der Steinhardt selbst früher wesentliche Beiträge leistete.
      Man muss sich also nicht wundern, wemm man im Spektrum-Heft liest: Angesichts der Beobachtungsdaten sollten die Kosmologen das herrschende Paradigma überdenken und andere Modelle für die Anfänge des Alls in Betrachtung ziehen
      Allerdings stimmt es nicht, dass die Beobachtungsdaten das Inflationsmodell diskreditieren. Vielmehr schliessen die Beobachtungsdaten andere Modelle als das Inflationsmodell nicht aus. Eines dieser anderen Modelle, das ekpyrotische Modell nämlich, stammt von Steinhardt, dem Koautor des inflationskritischen Autors selber. Steinhardt tritt hier wohl als versteckter Lobbyist für sein eigenes Universumsentstehungsmodell auf.

      • Dank an Sie für die informativen Ergänzungen zur Ekpyrotik (ist das so überhaupt substanzivierbar bzw. zulässig?). Und ja: “Lobbyist” ist eine gute Beschreibung, wenngleich ich das “versteckt” nicht so sehe, denn immerhin steht er ja als Ko-Autor mit drauf. Man muss sich halt – wie Sie – der Mühe unterziehen, die losen Fäden zusammen zu bringen. Die Begrifflichkeit des ekpyrotischen Universums geht jetzt jedenfalls schon richtig flockig über die Lippen. Übrigens bin ich vorauseilend (und gerade drüber brütend) auf Ihren Kommentar zur nächsten oder auch erst übernächsten Story hier im Blog gespannt, da gibt es nämlich ein Gegenmodell, oder in diesem Fall sogar korrekt – und im Sinn der gehorsam aufgenommenen Anmerkung von Frank Wappler – eine Theorie, gebaut auf festem deutschen Boden. Mehr dazu an dieser Stelle aber noch nicht.

  8. Susanne Päch schrieb (24. Mai 2017):
    > […] das Urknall-Konzept mit dem Inflationsmodell einer extrem kurzzeitigen Aufblähung […]

    Richtig: Es handelt sich um ein Modell,
    d.h. eine Zusammenfassung bestimmter Mess- oder Erwartungswerte;
    hier insbesondere um Messung und/oder Erwartung der (ausgeprägten) Zunahme der “räumlichen Ausdehnung” des Universums, in einer bestimmten Epoche.

    > […] Indizien pro Inflationstheorie

    > [… dass Torsten Enßlin] sie nach derzeitiger Indizienlage, auch und gerade durch die Daten der Sonde Planck gewonnen, „für die am wahrscheinlichsten richtige Theorie“ ansieht

    Ein Modell (wie z.B. das Inflationsmodell) ist keine Theorie (wie z.B. die bzw. eine Theorie, in deren Rahmen Begriffe wie “räumlichen Ausdehnung (des Universums)”, “Masse” sowie deren “Verteilung“, “Temperatur” und “Intensität (der Hintergrundstrhalung)” überhaupt erst als Messgrößen definiert werden, und sich bestimmte Zusammenhänge als Theoreme der entsprechenden Theorie ergeben und beweisen lassen).

    Unter Benutzung der Begriffe und (insbesondere) definierten Messgrößen einer bestimmten Theorie lassen sich i.A. zahlreiche und einander widersprechende Modelle aufstellen; und anhand von Messwerten (“Fakten“, “Indizien“) testen, die aus gegebenen Beobachtungsdaten für die (vorher) definierten Messgrößen gewonnen wurden.

    > diese „leuchtende Wand“ der Hintergrundstrahlung ist für die Wissenschaft viel mehr als ein grandioser Datenpool fürs kosmische Theoretisieren

    Ja, sicherlich auch fürs “(kosmische) Theoretisieren “, also das Aufstellen von innovativen Messgrößen zur Bewertung (insbesondere) der Hintergrundstrahlung bzw. von radio-astronomischen Daten.

    Aber wohl vor allem: fürs kosm(olog)ische Modellieren bzw. Phänomenologisieren; wodurch die vorhandenen Messwerte (“Fakten“, “Indizien“) zu verschiedenen Modellen bzw. “alternativen Szenarien” zusammengefasst werden mögen.

  9. Karl Bednarik,
    ……Hohlwelttheorie,
    Bei Distanzen von Milliarden von Lichtjahren können wir nicht entscheiden, ob unser Raum konkav oder konvex ist, wenn überhaupt. Mir fehlt durch die Einführung der “Raumzeit” jedes Vorstellungsvermögen über die Geometrie des Raumes.

  10. Hallo Bote17,
    dass man in der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung die Kontinente der Erde sehen kann, ist natürlich ein verspäteter Aprilscherz.
    Das Ekpyrotische Universum hat aber wirklich einige Probleme mit der Erklärung der Entstehung des Universums.
    Wenn man ein euklidisch flaches, endloses, aber nicht unendlich großes Universum annehmen will, dann ist dafür ein toroidales Modell gut geeignet.
    Bild:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Torus#/media/File:FLSCFLZ3_Flach_Schlauch_Flach_Zylinder.jpg
    Animation:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Torus#/media/File:VIDITO-2_vierdimensionaler_Torus.gif
    Vorsicht, Science-Fiction-Humor, das Graf-Hombug-Universum:
    https://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?18757

  11. Meiner Meinung nach wird das “Kosmologische Prinzip” zu oft vernachlässigt. Es ist zwar auch bloß eine Annahme, aber es erscheint mir wahrscheinlicher, daß das Universum an jedem Ort, für jeden Beobachter im großen Maßstab gleich aussieht. Weshalb sollte denn auch irgendein Ort bevorzugt sein und etwas Besonderes? Ein Beobachter in 13 Milliarden Lichtjahren – oder in 30 Milliarden Lichtjahren – Entfernung zur Erde, sollte also ebenfalls rund um sich herum ein expandierendes, kosmisches Netzwerk aus Galaxienclustern sehen, innerhalb eines begrenzten Sichtbereiches von 13,8 Milliarden Lichtjahren Radius. Für mich ergibt sich daraus ein unendlich großes Universum, das schon immer existierte.
    Allerdings existierte es nicht schon immer in dieser Form. Vielleicht expandiert es schon seit 30 Milliarden Jahren, vielleicht erst seit 14 Milliarden Jahren. Alles was hinter unserem Sichtbereich liegt, ist eine Welt der Spekulation. Auch Gravitationswellen sind nicht schneller als das Licht und können uns keine Information aus beispielsweise 17 Milliarden Lichtjahren Entfernung liefern. Tatsache ist aber, daß es nach der Abkühlung unter einen kritischen Wert zu Verklumpungen der Materie kam. Innerhalb von Sternen bildeten sich dann aus den einfachen, kleinen Wasserstoffatomen die heute vorhandenen, größeren chemischen Elemente. Nach derzeitigem Wissen ist das im Gesamtuniversum ein unumkehrbarer Vorgang. (Natürlich können wir in irdischen Teilchenbeschleunigern Atome wieder zertrümmern.)
    Ich gehe also von einem unendlich großen Universum mit heißem, dichtem, gleichmäßig wimmelndem Urzustand aus. (Okay, das ist keine besonders wissenschaftliche Formulierung. 😉 ) Jedenfalls brauche ich keinen Inflationsvorgang um die gleichförmige Verteilung von Urmaterie und Ur-Energie zu erklären. Wie sollen denn in einem ultraheißen Plasma auch Ungleichmäßigkeiten auftreten?
    Ein “Urknall” aus dem “Nichts” ist ebenfalls ein Eingeständnis der Hilflosigkeit. Von nichts kommt nichts. Hier zeigt sich auch der schlampige Umgang mit unserer Sprache, wenn Begriffe aus dem Alltäglichen für das Unerklärte verwendet werden. Aber das ist ein anderes Thema.
    Schon Stephen Hawking schrieb in seinem Buch “Eine kurze Geschichte der Zeit” daß eine Ur-Singularität mit Null Ausdehnung für ihn keinen Sinn macht. Damit komme ich zum Begriff “Ur-Prall”. Wenn schon aus “Schwarzen Löchern” mit nur 8 Sonnenmassen nichts mehr entkommen kann, dann erst recht nicht aus einem Bereich, in dem die gesamte Energie und Materie des Universums steckt. (Aber die Materie ist ja schließlich nicht eingesperrt.) Demnach sollte es also eine Minimaldichte der “RaumZeit” geben. Für mich ist allerdings unlogisch, weshalb diese kritische Dichte jemals erreicht werden sollte. Ein ultraheißes Plasma kontrahiert nicht, sondern versucht zu expandieren. Und wenn die Materie weit genug expandiert ist, kann sie auch durch die Schwerkraft nicht mehr zur Kontraktion gezwungen werden. Schließlich nimmt die Stärke der Schwerkraft im Quadrat zur Entfernung ab. Die inzwischen bekannte, beschleunigte Expansion des Universums bestätigt, daß die Schwerkraft im großen Maßsstab nichts mehr zu bestimmen hat.
    Zusammenfassend kann ich sagen, daß für mich in einem unendlich großen Universum, mit flacher Topologie, das schon immer da war, weder Ur-Singularität (und damit Urknall aus dem Nichts), noch Inflationsphase nötig sind. Von daher gefällt mit der kritische Artikel, auch wenn ich mich mit manchen Details, wie zum Beispiel zyklischem, “abprallendem” Universum nicht anfreunden kann.

  12. Bernhard Kletzenbauer,
    ……..für Atheisten,
    mich würde interessieren , ob die Kosmologen mehr in Richtung Religion tendieren oder rationale Atheisten sind.
    Frau Päch,was ist ihre Meinung?

    • … mal ganz ehrlich: Da fühle ich mich fast “überfordert”! Ich kann nur mit einem Bauchgefühl aufwarten, eine statistisch tragfähige Aussage kenne ich leider nicht, obwohl man die wahrscheinlich finden könnte, wenn man recherchiert. Aber das Bauchgefühl sagt: die Mehrzahl, wenn auch nicht die ganz große, ist im atheistischen Lager anzusiedeln. Trotzdem schöne Pfingsten!

      • .. und natürlich noch das: Religion gibt’s ja bekanntlich auch in anderen als den rein christlichen Prägungen!

  13. Wir sitzen in einem Schwarzen Loch.
    Wenn man annimmt, dass der sichtbare Teil des Universums eine Masse von 8,75*10^52 kg hat, und einen Radius von 1,375*10^10 Lichtjahren hat, dann passt der berechnete Schwarzschildradius von 1,374*10^10 Lichtjahren sehr gut dazu.
    Eigentlich müsste dann die Zeit bei uns unendlich langsam ablaufen, oder ausserhalb unendlich schnell.
    Vermutlich ist man deshalb im Hyperraum unendlich schnell 🙂
    Berechnung mit einigen Kontrollwerten:
    R Schwarz = 2GM/c^2
    G = 6,6742*10^-11 m^3/kgs^2 .. 6,674E-11
    M Erde = 5,972*10^24 kg .. 5,972E+24
    c = 2,99792458*10^8 m/s .. 2,998E+08
    r Erde = 6,37815*10^6 m .. 6,378E+06
    c^2 .. 8,988E+16
    M Universum = 8,75*10^52 kg .. 8,750E+52
    s/Jahr .. 3,156E+07
    m/Lichtjahr .. 9,461E+15
    R Schwarz Erde m .. 8,870E-03
    r Universum Lichtjahre .. 1,375E+10
    r Universum m .. 1,301E+26
    R Schwarz Universum Lichtjahre .. 1,374E+10
    R Schwarz Universum m .. 1,300E+26
    Alter Universum s .. 4,339E+17

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