My own private comet

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Es gibt Geschenke, über die freut man sich. Es gibt Geschenke, über die freut man sich besonders. Und es gibt Geschenke, über die freut man sich ganz unglaublich doll. Solche bekommt man nicht allzu oft. Ich habe gerade so eins bekommen. Ganz unverdient, denn ich habe nicht viel gemacht. Schon gar nichts, was ich als harte Arbeit bezeichnen würde. Ich habe nur ein bisschen bei der PR-Arbeit für die Philae-Landung mitgeholfen, natürlich freiwillig, unbezahlt und gern … wie zahllose andere auch.

Unbezahlt.

Ganz? Nein, nicht ganz.

Völlig unerwartet kommt heute ein Kollege in mein Büro, mit einem in Zeitungspapier eingewickelten etwas. Er legt es auf meinen Schreibtisch.

“Was ist das?”

“Na, pack’s aus!”

“Waaaah, ein Komet!”

“Dreh ihn mal um.”

“K-l-i … der ist ja handsigniert! Von Klim Churyumov! Wo hasten den her?”

“Nee, das ist deiner.”

“Nee, oder? Im Ernst jetzt?”

“Klar, Mann.”

Tja. War wahrscheinlich ein Irrtum von höherer Stelle, aber das rücke ich jetzt nicht wieder raus. Ein wunderbares Andenken an ein tolles Ereignis, zu dessen Gelingen ich gar nichts beitrug und bei dessen öffentlicher Vermittlung ich auch nur ein wenig mithalf. Aber wie auch immer der 12.11. war ein phantastischer Tag, an den ich mich immer erinnern werde.

Und der kleine Kometenkern bekommt einen Ehrenplatz.

3D-Druck vom Kern des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, Ansicht vom "Schaft", mit anvisierter Landestelle von Philae
Credit: Michael Khan, ESA / 3D-Druck vom Kern des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, Ansicht vom “Schaft”, mit anvisierter Landestelle von Philae
3D-Druck vom Kern des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, signiert von Klim Churyumov
Credit: Michael Khan, ESA / 3D-Druck vom Kern des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, signiert von Klim Churyumov

Wir brauchen die Jahre der harten Arbeit. Die Enttäuschungen. Die Herausforderungen. Die Probleme, die gelöst werden müssen. Denn wenn wir nach den vielen Jahren zurück blicken und uns überlegen, wie viel geleistet wurde, wie viele Menschen beteiligt waren, wie viel die alle dazu gelernt haben, dann wissen wir auch, dass die Leistung und das Lernen genau daran lag: not because it was easy, but because it was hard.

Einfach wäre langweilig.

Aber wir brauchen eben auch diesen einen Moment, wenn sich die ganze Spannung löst, der ganze Stress und Ärger, den man vorher hatte, gerade mal piepegal wird und man einfach nur glücklich ist, weil man weiß, dass man doch wohl offenbar das Wesentliche richtig gemacht hat. Den Moment, wo man sich freut wie ein kleines Kind, wie in diesem Foto von Stefan Oldenburg zu sehen.

 

Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

7 Kommentare

  1. Wirklich süß, herzliche Gratulation-
    und endlich ein verfrühter Weihnachtsstern der seien Blätter nicht verlieren kann 😉

  2. Glückwunsch! Ich hoffe Sie finden einen Ehrenplatz wo es nicht stört, dass der kleine Komet nach Schwefel riecht und eigenartige Geräusche von sich gibt! 🙂

  3. Nett. Der schaut auch richtig gut aus. Sogar recht realistisch schattiert. Welches Material ist das eigentlich? Lässt sich das abschätzen?

    • Ich denke, der wurde mit einem 3D-Drucker hergestellt.

      Ich überlege mir grad: Vielleicht ist gerade die Tatsache, dass ich am Projekt ROSETTA *nicht* beteiligt bin, mit ein Grund für den Erfolg von Philae. So gesehen war das Geschenk dann doch verdient.

      • Ich überlege mir grad: Vielleicht ist gerade die Tatsache, dass ich am Projekt ROSETTA *nicht* beteiligt bin, mit ein Grund für den Erfolg von Philae.

        Was soll das denn bedeuten? – Das verstehe ich im Umkehrschluss so, dass Projekte, an denen Sie beteiligt sind, dann irgendwann zu einem Miserfolg werden. Dass können Sie doch wohl nicht ernst meinen, oder?! – Oder ist mein Ironiedetektor gerade kaputt?

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