Die ISS am 14.6. vor hellem Himmel

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Der fast-zenitale ISS-Überflug über Darmstadt in der Nacht vom 14. auf den 15. begann 22:21 MESZ im Westen und ging im Norden durch 80 Grad Elevation. Die ISS verschwand kurz nach 22:28 im Osten in Wolken. Um diese Zeit ist der Himmel noch sehr hell; Sterne sind nur mit Mühe auszumachen.

Leser Harald Andresen beschrieb in seinem Kommentar zu meiner fotografisch dokumentierten Sichtung vom 7. Juni, wie er die sehr helle ISS vor einem Himmel beobachtete, der zwar klar, aber doch so hell war, dass man kaum Sterne ausmachen konnte. So ähnlich ging es mir dissmal auch. Nur Arktur war problemlos zu sehen. Der große Wagen erschien erst in der Fotografie. Dort sieht man auch, dass die ISS fast den Stern Merak (βUMa) bedeckte.

Diesmal musste ich wegen der Hintergrundhelligkeit mit einer Belichtungszeit von nur 2 Sekunden arbeiten, obwohl ich auf ISO 100 herunter geregelt hatte. Das führte zu der beeindruckenden Zahl von 79 Einzelaufnahmen. Diese manuell zu einer Gesamtaufnahme zusammenzufügen, war ein Haufen Arbeit. Technisch nicht schwierig, aber doch langwierig.

Was man auch sieht, ist ein kurzer Ausfall in der Sequenz. Da meinte mich ein Passant mit der Frage ablenken zu müssen, was ich denn da mache und ob er auch mal durchs Teleskop schauen dürfe. Wohlgemerkt – ich hatte gar kein Teleskop aufgebaut, sondern nur die Kamera mit Fisheye … und ich meine, ich war sichtbar beschäftigt. Zum Glück wurde ich den Kerl schnell wieder los.

Abgesehen von diesem kleinen Ärgernis bin ich zufrieden. Mit der Beobachtung sowieso – die ISS als leuchtender Diamant vor dem noch tief blauen Himmel war einfach nur schön. Aber eigentlich auch mit der fotografischen Ausbeute (Direkter Link zur Version mit Auflösung 2592×1728)

Überflug der ISS über Darmstadt am 14.6.2014, 22:25 - 22:28 MESZ, Komposit aus 79 Einzelaufnahmen. Kamera: Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 100, f2.8, 2 s Belichtungszeit pro Aufnahme
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Überflug der ISS über Darmstadt am 14.6.2014, 22:25 – 22:28 MESZ, Komposit aus 79 Einzelaufnahmen. Kamera: Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 100, f2.8, 2 s Belichtungszeit pro Aufnahme

Übrigens gelang es mir heute den zehnten Tag in Folge, den Mond zu fotografieren. So eine lange Glückssträhne habe ich noch nie gehabt. Wenn das so weiter geht, kriege ich am Ende noch eine ganze Lunation zusammen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare

  1. Beim gestrigen gemütlichen Terrassenabend waren die, die die ISS bisher noch nie bewusst gesehen haben schwer beeindruckt. Bei uns im Osten war es auch schon wesentlich dunkler; Mars, Vega, …. waren schon klar zu sehen. Mich hat gefreut, wie lange sie diesmal zu sehen war. Doch auch bei uns verschwand sie zum Schluss in den Wolken. Mal sehen, ob wir heute noch mal das Glück haben.

    Viel Erfolg mit dem Mond. Auf die Serie bin ich auch schon sehr gespannt.

    Schönes Wochenende

    • Heute Abend (15.6.) wird die ISS von meinem Wohnort gesehen um 23:16 noch bei einer Elevation von 18 Grad und einer Helligkeit von -1.8mag in den Erdschatten eintreten. Von weiter östlich aus gesehen müsste sie dann eigentlich sogar noch höher stehen.

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