Destination: Moon

Schön gemacht, informativ und erfreulich unaufgeregt – eine neue Doku-Animation der ESA, die die geologische Historie des Mondes, seine aktuelle Situation, seine Besonderheiten und die Zukunft seiner Erforschung durch den Menschen in acht Minuten zusammenfasst.

Ich finde so eine knappe Zusammenfassung sehr hilfreich, vor allem weil die Kürze hier nicht auf Kosten der Fakten geht, soweit ich sehen konnte.

Was die Erwartungen an die Zukunft angeht, bin ich bei einzelnen Punkten etwas weniger optimistisch als die Macher des Films. Ich sehe beispielsweise nicht, dass die ESA daran arbeitet, der Menschheit Zugang zum Weltraum jenseits des erdnahen Orbits zu gewährleisten. Ich wäre ja schon froh, wenn die ESA wenigstens daran arbeiten würde, Europa bemannten Zugang zum erdnahen Weltraum zu verschaffen, aber noch nicht einmal dafür hat sie von der Politik ein Mandat bekommen.

Es ist auch nicht abzusehen, dass einmal ein ESA-Lander auf einem Punkt ewigen Lichts landen wird. Die Webseite des diesbezüglichen ESA-Projekts ist jedenfalls seit zweieinhalb Jahren nicht mehr angefasst worden.

Ich bin gar nicht davon überzeugt, dass es besser ist, wenn solche Projekte wie bemannte Exploration als kooperative Projekte aller Nationen anstatt unter Führung einzelner Nationen und in Konkurrenz mit anderen durchgeführt werden. Es ist wie bei allen menschlichen Unternehmungen: Es muss immer einen geben, der sagt, wo es lang geht, sonst passiert nichts. In der Theorie mag das anders sein, aber in der Theorie soll es ja auch keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis geben – in der Praxis gibt es den dagegen sehr wohl.

Die bisherige Geschichte der Raumfahrt ist eine wirklich beeindruckende Demonstration dessen, was menschlicher Erfindungsgeist zu leisten vermag. Aber die wirklich bemerkenswerten Erfolge sind immer aus der Konkurrenz und der Angst geboren, von Anderen überholt zu werden.

Im Film wird die bemannte Erforschung des Mondes mit der Erforschung der Antarktis verglichen. Dem stimme ich zu – aber auch auf der Antarktis kocht im Endeffekt jede Nation ihr eigenes Süppchen, mit dem Engagement, das ihr angemessen erscheint. Kooperation gibt es bei der Antarktisforschung natürlich auch, vor allem in Notfällen, aber auch bei einzelnen Forschungsvorhaben, wo dies als Vorteil gesehen wird. Das ist gut so und wird hoffentlich auch auf dem Mond so sein. Aber internationale Kooperation ist kein Selbstzweck, ebenso wie nicht automatisch alles besser läuft, wenn es auf EU-Ebene angesiedelt wird.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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  1. Ja, bemannte Raumfahrt braucht Ambition und diese kommt vom nationalen Stolz. Jeder Raumfahrer ist zuerst einmal Repräsentant seines Landes, seiner Nation und sein Erfolg zeigt dem Rest der Menschheit wie weit die Nation, die er repräsentiert, es gebracht hat. Ein Satz wie “Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit” ist pure Grosszügigkeit zeugt aber auch vom Führungsanspruch der Nation, die den Erfolg errang, denn wenn im Satz von der Menschheit die Rede ist, steckt dahinter der Gedanke, dass der US-Amerikaner, der den Mond betritt dies für die ganze Menschheit getan hat, ja dass die USA an die Menschheit anführt und wiedereinmal ihr Frontier-Denken unter Beweis gestellt hat.
    Zudem: Raumfahrt braucht Geld und es gibt nun Mal kein globales Budget sondern nur nationale Budgets, die ein solches Unternehmen finanzieren können. Warum soll ein Staat Geld seiner Bürger in ein internationales Projekt stecken, in dem die nationalen Ziele nicht mehr zu erkennen sind? Zumal ein Projekt ohne klare Führung dazu tendiert immer komplexer und kaum noch lenkbar zu werden.

  2. Vom Luna Lander wird man auch nicht mehr viel hören, ist er doch am ESA-Ministerrat 2012 in Neapel gescheitert, was aber vielleicht gar nicht so schlimm ist, hat sich doch im Zuge der Exomars Kooperation mit Russland die Möglichkeit ergeben bei deren Luna-Programm mitzuarbeiten. Eine Kooperation in der beide Partner die Möglichkeit haben ihre technischen und wissenschaftlichen Kompetenzen auszubauen (im Gegensatz zu MPCV-ESM).

    • Wenn man nicht bereit ist, mal ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen, dann werden sich in keiner Kooperation, egal mit wem, technische oder wissenschaftliche Kompetenzen nennenswert ausbauen lassen.

      • Ich bin der Erste der sagt, mehr Geld für die Raumfahrt, dass da mal was weiter geht. Aber man muss auch wissen wie man das Geld einsetzt um maximalen Fortschritt zu erzielen. Die USA sind das beste Negativbeispiel – viel Geld, wenig erreicht (Shuttle-ISS). Für MPCV-ESM wird schnell einmal das Äquivalent einer ESA-M-Klasse sinnlos verbraten (vollmundige Pressemitteilungen, Wörner und Reiter-Interviews sind mehr peinlich als glaubwürdig). “Destination: Moon” oder sonst einem Reiseziel im Sonnensystem bringt uns das kaum einen Schritt näher – egal wieviel Geld in die Hand genommen wird – das sollte allen klar sein.

        • Projekte kranken doch am Ende immer an denselben Ursachen, egal ob in der Raumfahrt, in der Informatik oder im Bauwesen.

          Wesentlich ist, wie klar das Ziel definiert ist. Wenn das nicht gegeben ist, dann kommt es fast zwangsläufig zum gefürchteten “scope creep”, wo hier und da etwas eingefügt oder verändert wird, und plötzlich stellt man fest, dass man auf einmal an einer ganz anderen Sache arbeitet als ursprünglich vorgesehen (und budgetiert).

          Wenn es “stake holders” mit ganz unterschiedlichen Interessenlagen gibt, die jeder viel Einfluss nehmen können, dann lässt sich der scope creep kaum aufhalten.

          Apollo ist ein Fall, wo diese Probleme vermieden werden konnten. Das Ergebnis – within budget, on time.

          Das Space Shuttle ist in der Tat ein krasses Gegenbeispiel. Schon während der Entwicklung stellte sich heraus, dass das ganze Konzept keinen Sinn macht. Anstatt es einzustampfen, ließ man dann zu, dass die militärischen Anforderungen die Projektziele definierten, weil das Militär der verbleibende Geldgeber mit tiefen Taschen war. Aber auch der Einsatz des Shuttle für militärische Anwendungen macht keinen Sinn. Also stand man am Ende mit einem System da, das keiner brauchte, aber in das so viel Geld geflossen war, dass man es auf Biegen und Brechen einsetzen musste.

          Die ISS musste dann so ausgelegt werden, dass man das Shuttle brauchte, um sie aufzubauen – aus kleinen Modulen zusammengesetzt, mit vielen Außenbordeinsätzen, um Dinge anzubauen oder andere Dinge, die provisorisch an einer Stelle angebracht worden waren, an den endgültigen Standort zu verschieben.

          Shuttle und ISS mussten sich aneinander festhalten, um nicht beide umzufallen, und ihre Daseinsberechtigung bestand darin, dass es ohne den einen den anderen nicht geben würde. Gut, die ISS konnte dann auch noch die internationale Kooperation als Daseinsberechtigung aufzählen. Das ist natürlich keine unwichtige Sache, sollte bei einem Raumfahrtprojekt aber nicht ganz oben stehen.

          Klar, man hätte es alles anders machen sollen. Kein Shuttle, dafür Apollo weiter entwickeln und vor allem die Saturn V durch eine Saturn VI ersetzen, die deutlich geringere wiederkehrende Kosten pro Start anhäuft und Flexibilität zulässt, beispielsweise indem die Erststufe durch eine kleinere Kernstufe umgeben von einer Anzahl Boostern ersetzt wird. Das hätte nur einen Bruchteil der Entwicklungskosten beansprucht, die das Space Shuttle brauchte, und es hätten schon ab den 80ern Raumstationen in Betrieb sein können, die mit jeweils einem oder zwei Starts hoch gebracht werden und nur jeweils einige Milliarden gekosten hätten, also nach maximal 10 Jahren Betrieb abgeschrieben und durch etwas Neues ersetzt worden wären.

          Aber was soll’s. Es bringt nichts, immer zurück zu schauen und “Was wäre, wenn ..” zu sagen. Wichtig ist doch, dass im Prinzip vieles von dem, was damals hätte gemacht werden sollen, heute passiert. Es wird mit der SLS eine Schwerlastrakete geben. Es gibt mit dem MPCV und kommerziellen Anbietern die Möglichkeit, Menschen ins Orbit zu transportieren. Die nächsten Raumstationen werden radikal anders als die ISS sein, weniger komplex, weniger wartungsintensiv, sicherer und vor allem auch preiswerter und schneller in Bau und Betrieb.

          Über das Servicemodul für das MPCV rege ich mich schon gar nicht mehr auf. Europa will so wenig wie möglich machen und wird von niemandem wirklich ernst genommen.

          • Stimmt schon, über vertane Chancen zu lamentieren hat wenig Sinn, aber irgendwann sollte man schon seine Lektion aus der Geschichte lernen. In diesen mit geopolitischen Vorstellungen und innenpolitischen Interessen überfrachteten Programmen der NASA sollte man sich nicht im größeren Maßstab hineinziehen lassen, wenn man nicht zum abhängigen Zulieferer degradiert werden will.

            Was Europa braucht ist eine eigene unabhängige Satellitenplattform für Mikrogravitations-Forschung (ähnlich der russischen Foton oder Bion Satelliten). Nur so lässt sich Grundlagenforschung forcieren und vor allem die wissenschaftlichen-technischen Voraussetzungen für bemannte interplanetare Expeditionen schaffen. Über so ein eigenständiges Programm ergeben sich dann auch beiderseitig nützliche Kooperationen mit allen potentiellen Partnern.

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