Vulkan VS. Flugzeug, oder wieso Vulkanausbrüche den Flugverkehr lahmlegen

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Am indonesischen Vulkan Gunung Agung ist am 27. Novembr 2017 die höchste Alarmstufe ausgerufen worden, nachdem über das Wochenende hin die vulkanisch Aktivität zugenommen hatte. Der Agung auf der Insel Bali zeigte nach über 50 Jahren Ruhe bereits im September Anzeichen für ein vulkanisches Erwachen. Seit den 21. November stieg Asche und Dampf auf, die seismische Aktivität nahm zu, Lava war im Krater sichtbar und am 27. November sind auch einige Schlammlawinen die Abhänge heruntergedonnert. Der Agung hat das Potential für einen größeren Vulkanausbruch. Seit September hat sich ziemlich viel Magma unter dem Berg angesammelt, die Eruption könnte daher auch länger dauern. Eine Zone mit 10 Kilometern Radius um den Berg wurde evakuiert und die internationalen Flughäfen von Bali und Lombok wurden eine Zeit lang geschlossen. Um die 60.000 Passagier (darunter viele Turisten) saßen fest.

Vulkane können selbst modernen Flugzeugen gefährlich werden. Am 24. Juni 1982 kam es zu einen seltsamen Zwischenfall während des British Airways Flug 9 von Singapur nach Perth. In einer Flughöhe von 11.000 Metern und im indonesischen Flugraum, beobachteten die Piloten plötzlich seltsame Lichter rund um das Flugzeug. Das Leuchtphänomen wurde immer stärker, ein weißliches Licht, als plötzlich aus einem der vier Triebwerke Flammen schossen. Die Piloten beschlossen das Triebwerk abzuschalten. Plötzlich und fast zeitgleich, innerhalb von 90 Sekunden, fielen alle restlichen Triebwerke aus. Die 747 Passagiermaschine, mit 248 Passagieren an Bord, konnte zwar gleiten, begann aber an Höhe zu verlieren. Um den nächsten Flughafen für eine Notlandung zu erreichen, mussten die Piloten eine Bergkette überwinden und wenigstens zwei funktionstüchtige Triebwerke waren dafür nötig. Nach bangen 15 Minuten, während denen die Piloten die Triebwerke zu zünden versuchten, sprang eines der Triebwerke so plötzlich wieder an, wie es ausgefallen war. Kurz danach folgten die restlichen. Die Piloten stiegen auf, um über die Bergkette zu kommen, als wieder die seltsamen Lichter um das Flugzeug auftauchten. Noch bevor der Pilot reagieren konnte, fiel eines der Triebwerke wieder aus – diesmal vollständig. Zum Glück liefen die restlichen drei Triebwerke weiter. Der Flughafen war bereits in Sicht, als die Piloten bemerkten, das die Scheiben des Flugzeugs seltsam matt und undurchsichtig waren. Auch die Bordelektronik, die normalerweise die Landung unterstützt, zeigte Fehlfunktionen und konnte nicht verwendet werden. Eine kleine klare Stelle an der Seite eines der Fenster rettete letztendlich den Flug. Durch diesen Spalt konnte einer der Piloten den anderen einweisen. Die Boeing 747 landete sicher und es gab keine Verletzte.

Vulkanische Asche ist kein Produkt einer Verbrennung, sondern fragmentierte Lava, die durch Gasexplosionen zerrissen wurde. Die Partikel die dabei entstehen haben die Größe von Staub zu Sandkörnern.

Bei starken vulkanischen Explosionen kann die Asche bis in die Stratosphäre, um die 12 Kilometern, aufsteigen, wo sich auch die Flugkorridore für moderne Düsenflugzeuge finden. British Airways Flug 9 durchflog in jener verhängnisvollen Nacht die Aschewolke des Galunggung, der gerade einen starken Ausbruch erlebte. Die fein verteilte Asche wurde in die Brennkammer der Düsen-Triebwerke gesogen, wo sie bei über 2.000°C schmolz. Die geschmolzene Asche kristallisierte aber auf der relativ kühlen Beschaufelung der Turbine wieder aus. Diese glasige Schicht verhinderte das korrekte Verbrennen des Treibstoff-Luft Gemisch, es kam zu einer unvollständigen Verbrennung – was die riesigen Flammen aus dem Triebwerk erklärt – und schließlich zu einen Flammabriss bei allen Triebwerken.

Die Aschepartikel hatten sich durch die Kollision mit dem Flugzeug elektrostatisch aufgeladen, was zu den Leuchterscheinungen führte und auch die gesamte Bordelektronik durcheinander brachte. Schließlich wirkte die fein verteilte Asche, praktisch glasige Gesteinsfragmente, wie ein Schmirgelpapier, das die Scheiben des Flugzeugs so stark zerkratzte, das sie undurchsichtig wurden.

Man nur das professionelle Vorgehen der Piloten und auch viel Glück dafür danken, das es nicht zu einem verheerenden Unglück gekommen ist.

Zurzeit steigt die Eruptionskolonne des Agung von 3 auf 7 Kilometern. Die grau-schwarze Farbe weist darauf hin, das sie überwiegend aus Asche besteht. Um eine mögliche Gefährdung zu vermeiden, wurde der Flugraum über Lombok und Bali zeitweise gesperrt.
Es hängt nun von der weiteren Entwicklung der Eruption ab, ob es weitere Flugeinschränkungen geben wird.

Veröffentlicht von

David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in oder, wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

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