Geologie und das Höhlendrama in Thailand

Von den 13 Personen die in der ThamLuang Höhle (Thailand) eingeschlossen sind, wurden inzwischen acht Jungen gerettet. Der Rest und ihr Betreuer werden hoffentlich in den nächsten Tagen folgen. Die Höhle der schlafenden Schönen (wie sie nach einer lokalen Sage genannt wird) wurde 1988 zum ersten Mal von französischen Höhlenforschern erkundet, ist aber bis heute nur unzureichend bekannt. Sie ist mindestens 6 Kilometer lang und verzweigt sich im Inneren des Berges DoiNangNon.

Das Doi-Nang-Non-Massiv in der Chiang Rai Provinz besteht aus einer Abfolge von Sandstein, Ton und Kalkstein. Kohlensäurehaltiges Wasser hat hier das Kalkgestein aufgelöst und weggeschwemmt, tiefe Schächte und Höhlen bilden sich so im Inneren des Berges. Solche Höhlen, wie sie auch in Kalkgebieten in Europa gefunden werden können, sind oft begehbar während der Trockenzeit. Doch bei starken Regen steigt das Wasser gefährlich schnell an. Die Gruppe war auf einem Ausflug in der Höhle, als Starkregen und eine plötzliche Sturzflut sie überraschte und den Rückweg unpassierbar machte.

Karstsysteme wie im Fall der ThamLuang Höhle bilden sich zumeist dort, wo Regenwasser entlang von tektonischen Störungen in verkarstungsfähige Gesteine eindringen kann. Das Wasser greift den Kalkstein an und weitet bestehende Klüfte aus. Es bilden sich offenstehende Spalten und ein Röhrensystem. Mit fortschreitendem Alter der Höhle beginnt fließendes Wasser ein „Schlüsselloch“-Profil herauszuwaschen. Der Querschnitt der Höhle wird hier nach unten hin schmäler. Es kommt auch zum teilweisen Versturz, vor allem wenn es zu einem Abfallen des Bergwasserspiegels kommt und die Höhle „inaktiv“ wird. Ein Höhlensystem kann daher aus einer komplizierten Abfolge von Kavernen, steilstehende Kaminen, „Schlüsselloch“-Gängen und runden, engen Röhren bestehen.

Schuhe und Ausrüstung der Jungen wurden am 23. Juni am Höhleneingang entdeckt und rasch wurde klar, dass sich die Gruppe tief in die Höhle hineingewagt hatte. Herbeigerufene Höhlentaucher hofften, dass sich die Gruppe bis zu einem normalerweise trockenen Höhlenabschnitt 2 bis 4 Kilometer im Inneren des Berges, der als Pattaya Beach bezeichnet wird, gerettet hatte. Tatsächlich war aber auch dieser Bereich überflutet und die Gruppe wurde erst am 2. Juli, nochmals 400 Meter weiter im Inneren der Höhle, entdeckt. Die Höhle weitet sich hier zu einem typischen „Schlüsselloch“-Profil auf. Die Gruppe hatte auf einen Vorsprung oberhalb des überfluteten Bereiches Schutz gefunden.  Wasser spielt auch in anscheinend „inaktiven“ Karstsystemen noch eine gefährliche Rolle. Durch die offenen Spalten im Kalkstein und durch das verzweigte Röhrensystem kann Niederschlag rasch und tief in den Berg eindringen. Die starken Regenfälle der letzten Wochen in Thailand, die den Beginn des Monsun kennzeichnen, führten zu einem raschen Ansteigen des Grundwasserspiegels im Inneren des DoiNangNon Berges und mehrere Abschnitte des Höhlensystems wurden daraufhin geflutet. Die Gruppe wagte sich immer tiefer in die ansteigende Höhle, um den Wassermassen zu entkommen.

Um die Rettung zu ermöglichen haben in der letzten Woche über 1.000 Helfer versucht Wasser aus der Höhle zu pumpen. Durch die Umleitung von Oberflächenabfluss und einigen Schönwettertagen hat sich der Wasserspiegel auch tatsächlich leicht gesenkt. Es wurde daher kurzfristig beschlossen eine Rettungsaktion zu starten, bei der die Jungen von zwei professionellen Höhlentauchern durch die restlichen, noch überfluteten Höhlenabschnitten geleitet wurden.

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David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in oder, wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Solche oder ähnliche Höhlen gibt es auch im Alpenraum. Und auch ähnliche Unfälle/Einschliessungen hat es hier schon gegeben. Dass eine Fussballmannschaft zum Beginn der Regenzeit tief in eine solche Höhle vordringt, ist ziemlich leichtsinnig, ähnliches ist aber auch schon hier im Alpenraum vorgekommen.

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