Geologie-Geschichten: Macht der Vulkane

“Die Zivilisation existiert durch die Zustimmung der Geologie, Änderungen vorbehalten.”
Will Durant

Man denkt selten an die Rolle die Vulkane in der Menschheitsgeschichte gespielt haben. Wir kennen heutzutage Vulkane nur von Süditalien, mit dem Vesuv, dem Ätna und Vulcano, und doch prägten und prägen Eruptionen auch die Geschichte Europas. Im Jahre 1815 brach der Tambora in Indonesien aus, geschätzte 70.000 Menschen starben an den unmittelbaren Folgen des Ausbruchs. Allerdings verschlechterte sich bald darauf auch das Klima in Europa und 1816 wurde als das “Jahr ohne Sommer” berühmt. Die schlechte Witterung hatte Missernten und Hungersnöte zur Folge, die auch in Europa Tote forderten. Doch die Macht der Vulkane reicht viel weiter zurück.

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David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in oder, wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mit geologischen Megakatastrophen durch Vulkane ist etwa alle 100‘000 Jahre zu rechnen. Die immer wieder spektakulär in Szene gesetzten Grossasteroidentreffer à la Chicxulub (Vor 60 Mio Jahren im Golf von Mexiko) sind dagegen viel seltener. Ein Vulkanausbruch mit Vulkanexplosivitätsindex 8 mit mehr als 1000 Kubikkilometer Auswurf könnte unsere Zivilisation ohne weiteres beenden – wenn auch viele Menschen trotzdem überleben würden. Allein schon der Auswurf zusammen mit der globalen Abkühlung würde zu grossen Ernteausfällen führen und da die Welternährungsvorräte nur für ein paar Monate reichen, den Hungertod mehrer Milliarden Menschen bewirken. Es ist nur eine Frage der Zeit bis das passiert. Noch gefährlicher als Vulkane sind für die Menschheit nur noch die Menschen selbst.

    • Ergänzung: Der oben erwähnte Tambora-Ausbruch 1815, der zum Jahr ohne Sommer („Eighteen hundred and froze to death“) 1816 führte, hatte einen Vulkanitätsexplosivitätsindex (VEI) von 7 und ein Auswurfvolumen von 160 Kubikkilometer. Doch das reichte bereits für eine vorübergehende markante Abkühlung mit massiven Ernteeinbussen, Preissteigerungen beim Getreide und Hungersnöten unter den Ärmeren vor allem im (Zitat Wikipedia)

      Elsass, Deutschschweiz, Baden, Württemberg, Bayern und dem österreichischen Vorarlberg. Hier erreichte der Getreidepreis im Juni 1817 das Zweieinhalb- bis Dreifache des Niveaus von 1815.An einzelnen abgelegenen Orten wurde auch das Vierfache erreicht.

      160 Kubikkilometer Auswurf also 1815 durch den Tambora (VEI 7), aber 2800 Kubikkilometer Auswurf vor 74’000 Jahren durch Toba und 1170 Kubikkilometer Auswurf vor 26.500 Jahren durch Taupo. Das sind 10 Mal grössere Auswurfmassen als beim Tambora. Die Folgen würden mehrere Jahre anhalten und die Hungersnöte ähnlich wie beim Tambora ihren ersten Höhepunkt erst im 2. Jahr nach Ausbruch erreichen. Nach 5 bis 10 Jahren wäre es dann vorbei und die Bevölkerung auf einen Bruchteil der heutigen reduziert, denn die meisten wären in der Zwischenzeit verhungert. Die Zivilisation wäre wohl zusammengebrochen und es würde Faustrecht gelten. Eigentlich seltsam, dass es zu so einem Szenario keinen FIlm und keinen Roman gibt.

  2. Wir mögen Erdbeben und Vulkanausbrüche als Geißel empfinden. Allerdings sollten wir immer daran denken, dass sie lediglich Konsequenzen aus der Plattentektonik sind, ohne die wir vermutlich kein Leben auf der Erde hätten.

    • Vulkanismus ist eine natürliche Begleiterscheinung der Plattentektonik und in fast allen Fällen ist Vulkanismus ein rein lokales Ereignis. Vulkanausbrüche mit Explosivitiätsindex 8 haben dagegen globale Auswirkungen: Vulkanstaub gelangt dabei in die Stratosphäre und verdunkelt den Himmel vorübergehend so stark, dass die Temperaturen global absinken. Die Menschheit hat solche gewaltigen Ausbrüche von Supervulkanen zwar erlebt, aber noch vor der Kulturphase, also bevor es sprachliche Aufzeichnungen gab. Der Taupo (Oruanui-Ausbruch) auf Neuseeland vor 26’500 Jahren hatte einen Explosivitätsindex von 8.1 und der Toba auf Sumatra vor 74’000 Jahren eine von 8.8. Beide Ausbrüche würden heute wohl mehr als der Hälfte der Menschheit das Leben kosten, denn vorübergehend würde der landwirtschaftliche Ertrag stark zurückgehen. Europa könnte aber schon von einem erneuten Ausbruch der Phlägräischen Felder in der Nähe des Vesuvs vorübergehend schwer beinträchtigt werden. Vor 39’000 und 50’000 Jahren brach dieser Supervulkan aus mit einem Vulkanitätsindex von jeweils etwa 7.0, was vergleichbar mit dem Tambora-Ausbruch von 1815 ist.
      Dass die Menschheit bis jetzt nur Vulkanausbrüche mit einem Vulkanitätsindex bis 7 erlebt hat, bedeutet auch, dass sie auf einen weit stärkeren Ausbruch überhaupt nicht vorbereitet ist.

  3. Der Toba-Vulkanausbruch vor 74’000 Jahren (Explosivitätsindex 8.8) führte zu einem vulkanischen Winter mit 3 bis 5 Celsius tieferen Temperaturen während mehr als hundert Jahren und gemäss Computersimulationen 15 Celsius tieferen Temperaturen während den ersten 3 Jahren nach der Eruption. Solch ein Ereignis würde heute den meisten Menschen zum tödlichen Verhängnis und hat womöglich auch den damals lebenden Menschen so stark zugesetzt, dass ein Populationsflaschenhals mit nur wenig überlebenden Individuen enstand (nur 3’000 bis 10’000 Überlebende). Das ist allerdings nur eine Theorie und es gibt Hinweise, dass im damaligen Indien die Bevölkerung kaum tangiert wurde. Allerdings waren die damaligen Bevölkerungsdichten klein und die Menschen lebten vor allem von der Jagd und nicht von der Landwirtschaft wie heute.
    Auch der Ausbruch des Yellowstone Supervulkans vor 630’000 Jahren scheint eine dutzende von Jahren anhaltende Abkühlung verursacht zu haben mit 3 Grad Celsius kälterem Pazifik. Dies ist das Resultat einer gerade abgeschlossenen Arbeit (Zitat aus Yellowstone spawned twin super-eruptions that altered global climate):

    Wir haben hier entdeckt, dass es im Abstand von 170 Jahren zwei aschebildende Superuptionen gibt, die den Ozean jeweils um etwa 3 Grad Celsius abgekühlt haben.

    Mit vulkanischen Wintern bei Ausbrüchen mit Vulkanitätsindex 8 (oder höher) ist also zu rechnen. Die heutige Zivilisation würde bei einem solchen Ereignis wohl zusammenbrechen und nur ein Bruchteil der Menschen würden ein solches Ereignis überleben. Sollte die Menschheit in naher Zukunft auf einen nachhaltigeren Pfad einschwenken könnte man sich vorstellen, dass für ein solches Szenario Vorbereitungen getroffen werden. Heute gibt es keine solche Vorkehrungen.

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