Kinderträume und Künstliche Intelligenz

Meta AI (Facebook) hat ein neues “Künstliche Intelligenz”-Tool vorgestellt. Damit können Ihre Kinder ihre eigenen Zeichnungen zum Leben erwecken. Eine wunderhübsche Spielerei, an der Sie und Ihre Kinder sich gemeinsam in den Weihnachtsferien belustigen können. Dafür müssen Sie hier nur eine Kinderzeichnung hochladen. Gleich erfreuen Sie sich daran, wie Künstliche Intelligenz die von Ihrem Kind gezeichnete Oma in Bewegung setzt: Die KI kann aus Zeichnungen Animationen machen und so Figuren von Tieren und Menschen zum Leben erwecken. Auch Strichmännchen bringt man so zum Tanzen. (Quelle des Beitragsbilds oben: Screenshot der Meta-Blogseite).

Wenn Ihre Kinder schon zu alt sind, um Ihnen ihre Zeichnungen zu zeigen oder die ganzen Weihnachtsferien mit Ihnen zu verbringen, können Sie selbstverständlich versuchen, selbst wie ein Kind zu zeichnen. Das schaffe ich noch mit 65 wunderbar: Als Kind habe ich Ameisen-Zoos und Flugzeuge gebaut, im Wald hinter unserem Haus nach Indianerspuren gesucht – vergeblich -, mit zig anderen Kindern Schlittenzüge unsere Straße hinuntergefahren und viel zu viele Bücher gelesen, statt zu zeichnen. Meine Zeichnungen gehen auch jetzt locker als Kinderzeichnungen durch: So wie die Zeichnung, die ich heute gemalt habe, um sie von Metas KI animieren zu lassen: Das Verschmierte an der Hüfte kommt vom vielen Radieren :-):

Das Herz auf des Mannes Brust ist kein Kitsch, sondern hat für mich eine tiefenpsychologische Bedeutung: Mädchen und Frauen lassen sich von mir gern Herzchen in meine Bücher malen, wenn ich ihnen die Bücher nach den Lesungen signiere. Jungen und Männer lassen sich dagegen manchmal von zu viel Herz abschrecken: Bei einer Schullesung in Dresden hat ein Schüler mein Buch “Dönerröschen” gekauft. Automatisch habe ich ihm ein Herzchen hineingemalt, doch daraufhin ist der Junge geflüchtet! Ohne das Buch mitzunehmen. Meiner Meinung nach brauchen wir mehr Männer, die mit all dem Herzlichen besser umgehen können. Meinen Mann mit Herz habe ich hier hochgeladen (und ihn gleichzeitig meiner Freundin geschickt – gell Nicole? :-)):

Auf dem folgenden Bild sehen Sie die hochgeladene Zeichnung, die gleich von KI verarbeitet wird:

Ich klicke auf “Next”. Das Programm schlägt mir vor, ich solle die nicht weiß markierten Körperteile nachbessern:

Auf dem Bild oben ist die Halskontur nicht richtig durchgezogen und deswegen der Hals nicht weiß ausgefüllt, so verbessere ich die Halskontur und male den Hals mit dem angebotenen Stift (links unter meiner Zeichnung) aus. Kleine (weiße) Störungen, z. B. rechts am Hosenrand, radiere ich mit dem Radiergummi neben dem Stift aus. So sieht die nachgebesserte Zeichnung aus:

Wenn ich auf “Next” klicke, schlägt mir das Programm eine Strichstruktur der Zeichnung vor, die ich verbessern kann:

Ich klicke auf “Next” und das Programm lässt mich einen Animationsstil auswählen. Ich wähle einen Stil und voilà: zum ersten Mal im Leben wurde eine Zeichnung von mir zum Leben erweckt: Klar von Künstlicher Intelligenz! Wer sonst würde ein solches Kunststück hinbekommen?

Das Video mit der Animation meiner Zeichnung sehen Sie hier.

Kinderzeichnungen mit Künstlicher Intelligenz zum Leben zu erwecken ist viel schwieriger, als aus professionellen Zeichnungen Animationen zu machen. Im hübschen Blogbeitrag von AI Meta “Meta Has Created A New Tool To Animate Your Child’s Drawings Using AI” bekommen Sie recht ausführlich das Projekt vorgestellt. Anschließend können Sie auch Ihren Kindern erklären, wie es Künstliche Intelligenz schafft, die von ihnen hübsch gezeichneten Tiere und Menschen hüpfen und tanzen zu lassen. Hier sehen Sie noch den gesamten Workflow der Kinderzeichnung-Verarbeitung (Quelle: Screenshot der Blogseite von Meta).

Ein Tipp: Vielleicht könnten Sie heimlich eine Lieblingsfigur ihrer Kleinen zum Leben erwecken und sie erst dann den Kleinen zeigen. Das hätte ich früher mal sicher gemacht, als meine Jungs klein waren. Die hätten sich gefreut. Dafür freue ich mich jetzt, weil ich gleich nach dem Aufwachen schön spielen konnte. Jetzt sitze ich da und überlege: Kann Künstliche Intelligenz kreativ? Was ist Ihre Meinung? Ich freue mich über jeden Kommentar.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben hübsch poetische Weihnachtstage mit viel Herz!

Beitragsbild: Screenshot der Blogseite von Meta

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

 
willkommen auf meinem SciLogs-Blog "Gehirn & KI".
 
Ich möchte hier über alle möglichen Aspekte der Künstliche-Intelligenz-Forschung schreiben. Über jeden Kommentar und jede Diskussion dazu freue ich mich sehr, denn wie meine Mutter oft sagte:
 
"Solange die Sprache lebt, ist der Mensch nicht tot."
 
Neues über künstliche Intelligenz, künstliche neuronale Netze und maschinelles Lernen poste ich häufig auf meiner Facebook-Seite: Maschinenlernen
 
Hier etwas zu meiner Laufbahn: ich studierte Chemie an der TU München und promovierte anschließend am Lehrstuhl für Theoretische Chemie der TU über die Entstehung des genetischen Codes und die Doppelstrang-Kodierung in den Nukleinsäuren.
 
Nach der Promotion forschte ich dort einige Jahre lang weiter über den genetischen Code und die komplementäre Kodierung auf beiden Strängen der Nukleinsäuren:
 
Neutral adaptation of the genetic code to double-strand coding.
 
Stichworte zu meinen wissenschaftlichen Arbeiten: Molekulare Evolution, theoretische Molekularbiologie, Bioinformatik, Informationstheorie, genetische Codierung.
 
Zur Zeit bin ich Dozent für Künstliche Intelligenz an der SRH Fernhochshule und der Spiegelakademie, KI-Keynote-Speaker, Schriftsteller, Bühnenliterat und Wissenschaftskommunikator.
 
U. a. bin ich zweifacher Vizemeister der Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften.
 
Mein Buch „Doktorspiele“ wurde von der 20th Century FOX verfilmt und lief 2014 erfolgreich in den deutschen Kinos. Die Neuausgabe des Buches erschien bei Digital Publishers.
 
Mein Sachbuch über Künstliche Intelligenz "Ist das intelligent oder kann das weg?" erschien im Oktober 2020.
 
Im Tessloff-Verlag erscheinen meine von Marek Blaha wunderschön illustrierten Kinderkrimis "Datendetektive" mit viel Bezug zu KI, Robotern und digitalen Welten.
 
Viel Spaß mit meinem Blog und all den Diskussionen hier :-).
 
Jaromir

16 Kommentare

  1. Tolle Sache. Da weiß ich nun, was ich mit den vielen Zeichnungen meiner Kinder in meiner Klasse machen kann. Vielen Dank für die Anregung, lieber Jaromir.

  2. Herr Konecny,
    Computerprogramme, als kleines Beispiel die animierten .gif von Herrn Bednarik ,sind keine künstliche Intelligenz. Das ist nur menschliche Intelligenz.

    Kinder so zu kreativem Denken zu animieren, das ist wieder gut.
    Ein frohes Fest.

    • Guten Morgen hwied,

      danke! Das ist mir klar, dass die C++-Animationen keine KI sind. Das habe ich auch nirgendwo behauptet. 🙂 Ansonsten sehe ich das aber so wie Sie: Es ist sehr gut, wenn man Kinder zum kreativen Denken animiert.

      Ich wünsche Ihnen wunderhübsche Weihnachtstage!

      Jaromir Konecny

  3. Wenn schon wundere ich mich, dass solche Anwendungen von künstlicher Intelligenz erst jetzt erscheinen. Alle von uns verwenden zwar jeden Tag Programme der künstlichen Intelligenz, aber sie sind praktisch immer in den Händen von Firmen wie Apple (Steuerung/Verarbeitung von iPhone-Kameras), Google (intelligenter werdende Suchmaschine, Facebook oder in den Händen all derer die uns Tag für Tag mit personalisierter Online-Werbung traktieren.

    • Lieber Herr Holzherr,

      Kinderzeichnungen mit KI zum Leben zu erwecken ist schwierig. Im “Meta AI”-Blog dazu steht:

      “Während es für Eltern oder Lehrer ziemlich einfach sein kann, zu erkennen, was die Zeichnung eines Kindes zeigen soll, hat die KI mit dieser Aufgabe zu kämpfen. Kinderzeichnungen sind oft abstrakt und fantasievoll konstruiert. Wenn die Füße einer Figur also unsicher platziert sind oder beide Arme auf derselben Körperseite liegen, verwirrt dies selbst hochmoderne KI-Systeme, die sich beim Erkennen von Objekten in fotorealistischen Bildern und Zeichnungen auszeichnen.”

      Diese KI-Anwendung, aus Kinderzeichnungen Animationen zu machen, ist ganz neu – deswegen habe ich sie im Blog vorgestellt.

      Schon seit Jahren gibt es aber viele hübsche und kostenloses KI-Spielereien und KI-Anwendungen online, zum Beispiel von Google. Manche habe ich hier im Blog bereits erwähnt oder vorgestellt. Auch Google Lens gehört dazu.

      Auf Neural Network Playground (Tensorflow) kann man direkt selbst mit Feed-Forward-Netzen (Mehrschichtiges Perzeptron) spielen und schauen, was in den Modellen passiert, wenn Sie lernen, Funktionen bzw. Muster zu klassifizieren.

      Mit Deep Dream Generator (KI – GAN) kann man eigene Fotos zu Bildkunstwerken in verschiedenen Stilen malen lassen.

      Auch Microsoft bietet eine “Künstliche Intelligenz”-Spielwiese an.

      Sehr schön kann man auf NVIDIA-Spielwiese diverse Sachen mit KI anstellen, zum Beispiel aus eigenen Fotos Bereiche radieren und die Fotos mit KI anschließend vervollständigen. So was hätte Stalin gebraucht, als er auf Fotos seine früheren Kampfgenossen und jetzt Gegner wegretuschieren ließ. 🙂

      Auf NVIDIAs Beta-Seite von GauGAN2 können Sie mit GAN (Generative Adversial Networks) sogar aus kurzen englischen Landschaftsbeschreibungen echt aussehende Landschaften kreieren oder Ihre eigenen Landschaftsfotos hochladen und manipulieren. (Über GauGAN2 schreibe ich vielleicht noch einen Blogtext.) Und und und! Wenn man online mit KI spielen und experimentieren will, gibt es unzählige Gelegenheiten dazu.

      Ich wünsche Ihnen buntschöne Feiertage.

      Jaromir Konecny

    • AlphaFold habe ich in diesem Blog am 6. Januar 2019 vorgestellt, also vor bald drei Jahren. Am Anfang des Textes schrieb ich damals:

      “Haben Sie vor kurzem den Knall gehört? Mit ihrem Program AlphaFold hat die Google-Firma DeepMind eine Bombe gezündet und ließ es in der Molekularbiologie ganz schön krachen. Vielleicht wurde da aber keine Bombe gezündet, sondern eine Rakete, die uns in ein neues Zeitalter der Naturwissenschaften fliegt: Deep Minds AlphaFold – ein Modell aus künstlichen neuronalen Netzen – errang vor kurzem den ersten Platz der renommierten Bewertung von Programmen zur Proteinstruktur-Vorhersage (CASP – Critical Assessment of Structure Prediction).”

      Im Dezember 2020 hat Deep Mind mit AlphaFold2 weitgehend das Problem der Proteinfaltung gelöst. Zuerst wollte ich hier auch über AlphaFold2 schreiben (und wie schnell sich meine Prophezeiung erfüllt hat :-)), dann dachte ich aber, “nö, Jaromir, das wäre eine Angeberei”. Da Sie mir aber jetzt eine solch schöne Vorlage gegeben haben, könnte ich nicht widerstehen.

      Übrigens hat damals ein Kommentator meines Beitrags zu AlphaFold geschrieben:

      “Alphafold ist ein Computerprogramm, ein menschliches Produkt, das hat keine schöpferischen Kräfte.
      Alles nur Werberummel!”

  4. Herr Konecny

    Künstliche Intelligenz kann die menschliche Intelligenz um ein Vielfaches übersteigen, Vorallem wenn die Daten sehr groß und die Zusammenhänge komplex werden.

    Sie nennen Kinderträume und Künstliche Intelligenz in einem Satz. Die beiden könnten eine heilige Allianz eingehen , die Kinder liefern das, was die KI nicht kann, nämlich Phantasie und die KI liefert das, was die Kinder nur schwer können, ihre Träume ausleben.

    Da könnte eine ganz neue Art von Spielzeug entstehen, kleine Hunde, die den Kindern antworten, Hundegebell in menschliche Sprache übersetzen , Lieder in Vogelgezwitscher verwandeln, Farben in Melodien umwandeln, Sprache in Bewegung und die KI hört zu, wenn die Kinder ihr ihre Träume erzählen. Und die KI malt ein Bild dazu !

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