Warum haben die Russen Putin gewählt? Analyse einer Schmähschrift

Ist der Westen daran schuld, dass Putin die Präsidentenwahl in Russland gewonnen hat? Ein scheinbar wutentbrannter Artikel von Margarita Simonjan, der Chefredakteurin des russischen Auslandssenders RT behauptet das. Bei genauerer Betrachtung tritt aber eine ganz andere Botschaft hervor. Wie unter einem Brennglas fokussiert der Beitrag Ziele, Stereotypen und Probleme der aktuellen russischen Auslandspropaganda.

Niemand war wirklich überrascht, dass Wladimir Putin am 18. März 2018 die russische Präsidentschaftswahl gewann. Ernsthafte Gegenkandidaten wie der Kremlkritiker Alexei Nawalny waren vorher von der Wahl ausgeschlossen worden. Putin hat in den letzten Jahren den gesamten Machtapparat unter seine Kontrolle gebracht und schürte im Wahlkampf die Angst, dass ein Machtvakuum im Kreml Ungesetzlichkeit und Chaos über das Land bringen würde. Von den übrigen sieben Kandidaten verfügen lediglich der Ultranationalist Wladimir Schirinowski und der Kommunist Pawel Grudinin über eine kleine, aber stabile Gefolgschaft. Die übrigen fünf Kandidaten blieben von vornherein chancenlos. Sie erreichten zusammen keine 6 % der Stimmen. Das Ergebnis (76 % für Putin) entsprach deshalb weitgehend den Erwartungen (und den Umfragen).1

Wenn Frau Simonjan schreibt: „Im Grunde sollte der Westen nicht darüber entsetzt sein, dass 76 Prozent der Russen für Putin gestimmt haben, sondern dass 95 Prozent der russischen Bevölkerung konservativ-patriotische, kommunistische und nationalistische Ideen unterstützen“, verkennt sie die Reaktion der Welt oder stellt sie absichtlich falsch dar. Sie fährt fort: „Und das ist eure Schuld, my western friends.“

Simonjans Schmähschrift gegen den Westen

Was folgt, ist nach formalen Kriterien ein Pamphlet (eine Schmähschrift). Unter den Vorwürfen an die „westlichen Freunde“ finden sich beispielsweise Formulierungen wie „kurzsichtige Sanktionen“, „herzlose Erniedrigung“, „prahlerische Missachtung der grundlegendsten liberalen Werte“, „epileptische Massenhysterie“, „Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten“ und „inquisitorische Heucheleien“.

Der Westen habe Wladimir Putin, seinen ärgsten Feind, erst stark gemacht und die Russen gedrängt, sich um ihn zu versammeln. War er zuvor nur Präsident, sei er jetzt „ unser Anführer“ geworden. Im russischen Original verwendet Frau Simonjan für „Anführer“ das Wort „Woschd“, das seit dem Zweiten Weltkrieg als Attribut für Stalin verwendet wird (Quelle: FAZ).

Sie betont, das russische Volk werde nicht zulassen, dass Putin ausgetauscht werde. Sie schließt ihr Pamphlet: „Da sitzt ihr nun in eurem Dreck. Das wird für eine lange Zeit so bleiben“. 2

Die Schrift erschien auf Twitter in russischer Sprache und wurde von der Agentur RIA Nowosti in Russland veröffentlicht. Der russische Auslandssender RT Deutschland, dessen Chefredakteurin Frau Simonjan ist, verbreitete unter dem Titel „Warum wir den Westen nicht mehr respektieren“ eine Übersetzung. Die ZEIT ließ die Tweets unabhängig davon ins Deutsche übertragen.3

Wer Menschen überzeugen will, sollte ihnen keine Beleidigungen entgegenschleudern. Das hat eher eine gegenteilige Wirkung. Als langgediente Journalistin wird Frau Simonjan das sicherlich wissen. Sie leitet den russischen Auslandssender RT (früher Russia Today) bereits seit 2005. Folglich wird sie kaum erwarten, dass die angesprochenen „Western Friends“ demütig ihrer Tirade lauschen, um dann Besserung zu versprechen. In Russland zählt Frau Simonjan zu den einflussreichsten Frauen des Landes. Ihre Wut wirkt nicht echt, denn sie begrüßt den Wahlausgang ausdrücklich. Was will sie also sagen?

Tatsächlich schwört sie die Russen auf ein neues stalinistisches Zeitalter ein. Für alle Härten oder Entbehrungen, die möglicherweise bevorstehen, macht sie pauschal „den Westen“ verantwortlich. Sollte Putin also Bürgerrechte beschneiden oder die Modernisierung der Wirtschaft zugunsten des Militärs zurückfahren, so ist klar, wer schuld ist: „Der Westen“!

Stalin und das heutige Russland

Man muss aber auch wissen, dass Stalin in Russland nicht allein als grausamer Diktator gesehen wird. Seit meinem letzten Blogbeitrag über die russische Weltsicht im Jahr 2014 zeichnet die russische Presse und die russische Regierung ein zunehmend positives Bild des totalitären Herrschers. Man betont beispielsweise, dass er Russland gewaltsam von einem Agrarland in ein Industrieland verwandelt (Stichwort: „Neue ökonomische Politik“) hat. In Moskau erinnern noch immer viele sozialistische Prunkbauten an seine Regierungszeit. Dass seine totalitäre Politik für viele Millionen Menschen den Tod bedeutete, ist in Russland teilweise vergessen, oder wird als notwendiges Opfer der Modernisierung betrachtet. Offiziell gilt Stalin heute eher als strahlender Sieger über die Faschisten und als Vater der Weltmachtrolle der Sowjetunion. Viele Russen sehen die Ausdehnung der Sowjetunion noch immer als die wahren Grenzen Russlands. Beim Zerfall dieses von Stalin selbst geschaffenen Staatsgebildes im Dezember 1991 verlor Russland mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung und etwa ein Viertel seiner Fläche – zumindest sahen das viele Russen so, denn die Sowjetunion und Russland waren für sie weitgehend identisch. Die ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas schlossen sich der EU und der NATO an, und ein geschwächtes Rest-Russland war weitgehend auf sich gestellt. Immer mehr Russen machen dafür den amerikanischen „Kolonialismus“ verantwortlich. Das ist weit hergeholt, aber in Russland fühlen sich einige Nationalisten wie die amerikanischen Ureinwohner, die von den Weißen ihres Landes beraubt wurden.4 Das meint Frau Simonjan, wenn sie schreibt:

„Euer einziges verbliebenes Imperium wäre gut beraten, die Geschichte seiner Alliierten, die ehemals Imperien waren, zu studieren. Um zu erfahren, wie sie ihre Imperien vergeudet haben. Ausschließlich wegen ihrer Arroganz. White man’s burden, my ass.“

„The white man‘s burden“ ist ein Gedicht von Ruyard Kipling aus dem Jahr 1899, das als Verteidigung des Kolonialismus betrachtet wird.

Das Pamphlet von Frau Simonjan kann man also etwa so zusammenfassen:

„Ich sage es dem widerwärtigen Westen ganz deutlich: Wir Russen haben uns einen neuen Führer gewählt, weil wir uns nicht vom Westen kolonialisieren lassen wollen. Dieser (absolute) Führer ist ein erklärter, standhafter und unwandelbarer Feind des Westens und wird lange Zeit bleiben. Daran ist der Westen selber schuld. Er ist überheblich und moralisch verkommen. Und hat es deshalb nicht besser verdient. “

Aus sozialpsychologischer Sicht fällt auf, dass „der Westen“ hier pauschal als monolithischer Block gezeichnet wird. Frau Simonjan setzt auch bei anderen Gelegenheiten Russland gegen „den Westen“. Ein Beispiel:

Nachdem Putin im Februar neue futuristische Waffensysteme vorgestellt hatte, schrieb sie auf Twitter:

If a U.S. president delivered such an address, 99 percent of the population and certainly the entire establishment would support it. Here, though, we get all this moaning and indignation — why the hell do we need these weapons, what an aggressive message. Why don’t you just get the hell out!

(Keine Übersetzung, ist schon aus dem Russischen ins Englische übersetzt)5

Quelle: Bloomberg

Sozialpsychologen sprechen hier von dem Phänomen der „Fremdgruppenhomogenität“. Die Mitglieder von fremden Gruppen (outgroups) erscheinen untereinander ähnlicher, als sie tatsächlich sind. Natürlich sind nicht alle Franzosen Liebhaber guten Essens, nicht alle Iren trinkfest, und nicht alle Blondinen dumm. Trotzdem halten sich diese Stereotypen erstaunlich hartnäckig.

Wenn es sich bei den Fremdgruppen um solche handelt, die als feindlich wahrgenommen werden, kommt noch der Eindruck hinzu, sie arbeiteten heimlich zusammen – was eine klassische Grundlage für Verschwörungstheorien bildet.

Je weniger ein Mensch über die Fremdgruppen weiß, desto stärker der Hang zu negativen Stereotypen. Frau Simonjan sollte eigentlich ein differenzierteres Bild von ausländischen Kulturen haben. Vielleicht gibt ihr Pamphlet auch nicht ihre tatsächliche Meinung wieder, sondern soll in Russland eine bestimmte innenpolitische Wirkung entfalten. Andererseits hat sie es selbst international verbreiten lassen und schafft sich damit einige Probleme.

Das Pamphlet und seine Probleme

Als Chefredakteurin des russischen Auslandssenders RT ist es ihre Aufgabe, den Menschen im Westen den Standpunkt Russlands zu erklären. Wie soll das aber gelingen, wenn sie – nach eigener Aussage – ihre „Western Friends“ aus tiefster Seele verachtet?

AfD und Front National dürfen übrigens keineswegs annehmen, dass sie davon ausgenommen sind. Frau Simonjan hat in einem Interview für eine Arte-Sendung ausdrücklich erklärt, man habe im französischen Präsidentschaftswahlkampf den Front National nur unterstützt, weil das im Interesse Russlands sei. Auch Trump hat sie zwar unterstützt, aber nicht „weil sie ihn so toll fand“.

In ihrer Schrift positioniert sie Präsident Putin als standhaften Feind des Westens. Nun ist es für Autokraten aber entscheidend wichtig, sich vorzubehalten, dass sie ihre Politik jederzeit unerwartet umzukrempeln können – und zwar sowohl in der Innen- wie auch in der Außenpolitik. Zu Putins Vorbildern gehört nicht nur Stalin, sondern zweifellos auch der äußerst geschmeidige russische Kanzler und Außenminister Alexander Gortschakow (1798 – 1883). Der russische Präsident muss sich – schon aus taktischen Gründen – eine plötzliche Annäherung an den Westen vorbehalten. Das wird aber deutlich schwieriger, wenn die Chefredakteurin des wichtigsten Auslandssenders ihn immer wieder als überzeugten Feind des Westens porträtiert. Eine glaubwürdiges Umsteuern in der Außenpolitik wird für die russische Regierung jetzt sehr viel aufwendiger.

Damit schwächt Frau Simonjan Putins Verhandlungsposition. Er wird Schwierigkeiten haben, wechselnde Allianzen einzugehen, um seine Ziele zu erreichen. Der Westen wird ihm weiterhin misstrauen, und andere potentielle Partner werden härtere Bedingungen stellen, weil sie annehmen, dass Russland keine echten Alternativen hat.

Fazit

Die Schmähschrift von Frau Simonjan wirft ein spannendes Schlaglicht auf die innenpolitische Situation in Russland, und auf das Selbstverständnis einer regimetreuen Journalistin. Wenn sie wirklich die Adressaten ihrer Sendungen so sehr verachtet, wie sie selber sagt, erklärt das zwar den Tonfall von RT,  zeigt zugleich aber auf, warum er nur begrenzten Erfolg haben kann.

Aus sozialpsychologischer Sicht sind ihre Äußerungen durchaus nachvollziehbar, schaden aber letztlich der eigenen Sache.

Anmerkungen

[1] Die OZSE bestätigte, dass die Wahlen im wesentlichen fair abliefen, aber nur der Amtsinhaber wirklich Chancen auf den Sieg hatte. Russia, Presidential Election, 18 March 2018: Statement of Preliminary Findings and Conclusions. 19.3.2018 https://www.osce.org/odihr/elections/russia/375670

[2] Übersetzung aus „Die ZEIT“ vom 22.3.2018. In der Übersetzung von RT heißt es: „Nun reißt euch zusammen. Es wird von Dauer sein.“

[3] Der Englischsprachige Dienst von RT scheint keine Übersetzung veröffentlicht zu haben. Das MEMRI hat den russischen Originaltext aber ins Englische übertragen.

[4] Tatsächlich wollten russische Nationalisten gegenüber der US-Botschaft in Moskau ein Denkmal für „den Völkermord weißer Siedler an den amerikanischen Ureinwohner aufstellen. Das hat auf der einen Seite mit einer gewissen Gehässigkeit gegenüber den USA zu tun, auf der anderen Seite aber mit dem Gefühl, einer amerikanischen Kolonialisierung ausgesetzt zu sein. Das Denkmal ist allerdings nie errichtet worden.

[5] Auch die Artikel es deutschsprachigen Internetdienstes von RT zeigen die Tendenz zur Pauschalisierung des Westens. Ein Beispiel: „ … die westliche Welt [muss] entweder irgendwelche physischen Beweise produzieren, um ihre wüsten Anschuldigungen gegen Russland zu stützen, oder zugeben, dass es an der Zeit ist, das Blatt zu wenden und mit etwas Sinnvolleren fortzufahren: der Realität.“
In dem Artikel ging es um die Kritik des französischen Staatspräsidenten Macron an der einseitigen Berichterstattung von RT. In der Antwort schlug RT gleich auf den gesamten Westen ein.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. 1. Ich bin begeistert, durch einen Verweis in den Zeit online Kommentaren auf ihre Analyse gestossen zu sein.

    2. Wenn Sie dieser gestrigen ungeplanten Zufalls-Sendung weil ein Gesprächsgast kurzfristig ausgefallen ist, sehr aufmerksam zugehört haben, werden Sie erkennen, dass jene Frontfrau Putins Putin keineswegs ‹schadet› wie sie noch vermuten: https://youtu.be/cYDBuwrhrsA

    3. Herzlichen Guten Morgen

  2. Mir scheint, Putin ist es gelungen, den Russen sein eigenes Weltbild einzupflanzen und Frau Simonyan ist eine, die ihm dabei geholfen hat und die ihm immer noch hilft. Putin sieht im Zerfall der Sowjetunion die grösste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts, denn für Putin ist die Aussenwirkung Russlands als Grossmacht das Entscheidende und mit seinem Grossmachtsgehabe der letzten Jahre hat er nichts anderes versucht, als die alte Grösse wiederherzustellen oder mindestens die Illusion zu erwecken, Russland sei – auch ohne Kern des Sowjetreichs zu sein – immer noch eine Weltmacht. Putin hat sogar recht viele Westler davon überzeugt – und das obwohl Russlands angebliche Grösse auf tönernen Füssen steht.
    Das Hauptproblem Russlands und Putins liegt jetzt wohl darin, dass das Ende der Ära Putin abzusehen ist und dass mit dem Ende der Ära Putin, die zufälligerweise auch noch mit dem Erstarken Chinas zusammenfällt, abzusehen ist, dass die Idee, Russland sei eine Grossmacht, wie ein Kartenhaus in sich zu zerfallen droht. Doch dafür hat niemand in Russland eine Lösung – am wenigsten Putin selbst.
    Für mich ist vor allem erstaunlich wie stabil das inhärent instabile Gebilde Russland durch die Putinära gekommen ist. Der Grund für diese Scheinstabilität liegt wohl darin, dass es Putin gelungen ist, als alternativlos dazustehen. Während Angela Merkel das Wort „alternativlos“ immer wieder sagen muss, weil sie sehr wohl weiss, dass wenig in ihrem Umfeld alternativlos ist, muss Putin das nicht, denn es ist nirgendwo eine Alternative zu Putin und seinem Weltbild zu erkennen. Und das obwohl,das Ende der Putinära absehbar ist und Putin sich inzwischen fast schon selbst überlebt hat.

  3. Die “Dritte Welt”, Der Feind und Der Westen

    “… schaden aber letztlich der eigenen Sache.”

    Nun erleben wir derzeit das “Recht des Stärkeren” im nun “freiheitlichen” Wettbewerb um … – die Mehrheit / 4 Fünftel der / Weltbevölkerung / der Menschheit ist … und es sterben u.a. immernoch ca. 30000 Kinder täglich an Armut, Hunger und Krankheit -, reden / labern von neuer Verantwortung und Zukunft, der offensichtliche und zusammenhängende Gesamtschaden aber, wird weiter in HEUCHLERISCHER Schuld- und Sündenbocksuche verdingsbumst / systemrational untergeordnet und abgearbeitet!?

    Die Dummheit der Menschheit ist immer und überall, jedenfalls solange wie wir die Welt- und “Werteordnung” in “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” als menschenwürdig betreiben!!!

  4. Na ja, jedenfalls haben wir hier im Westen nicht weniger einseitige Propaganda, wenn nicht noch mehr.
    Das heißt nicht dass Putin nicht faktisch ein Despot ist, aber die Methoden im Westen sind nur weniger leicht durchschaubar.
    Die faktische Zensur im Westen, extrem einseitige Berichterstattung in den Massenmedien, drastischen Zensur in den sozialen Medien, ist von der Zensur in einer Diktatur nicht mehr unterscheidbar.
    Es ist nur nicht so offensichtlich und auch nicht so leicht durchschaubar, aber die Einseitigkeit und Zensur ist im Westen nicht weniger als in Russland.

  5. Der Imperialismus / die Imperien der Macht
    kann / können nichts anderes als Diktatur hervorbringen – Als Mensch anfing seine Toten zu bestatten, wurde Mensch zum Mensch. Als Mensch aber anfing auch daraus ein GESCHÄFT zu machen, war alles für’n Arsch, bzw. war der geistige Stillstand im Kreislauf der Dummheit MANIFESTIERT.

  6. Stellen wir uns doch einmal vor es gäbe Figuren wie Putin nicht – müssen wir uns dann nicht umso mehr vorstellen was der Wohlstands- und Gewohnheitsmensch dieser Welt- und “Werteordnung” leichtfertig und funktional vergisst, weil er ja Die “Treuhänder und Verantwortungsträger” durch das Kreuzchen auf dem Blankoscheck wählt und somit …??? 😎

    Wie langweilig wäre es dann wohl, wenn sich die Journalje und Möchtegern-Intellektualität, wie gewohnt, nur noch um die wachsende Zahl der systembedingten Probleme das Maul zerreißt und damit vor allem die Medien-Preise im Auge / Hinterkopf hat???

  7. arm & reich, Verlierer & Gewinner

    Aus sozialpsychologischer Sicht kann Mensch das “gesunde” Konkurrenzdenken nur sehr beschränkt … 😎

  8. Hat Putin nicht einmal vor dem Bundestag gesprochen? Wie kam es aus seiner Sicht zur Abkehr von Europa? Freilich liegen Minderwertigkeitskomplexe einerseits vor, denn Putin weiß zwar, daß ein Reich, das untergegangen ist, nicht wieder auferstehen kann, aber Größenverlust schmerzt natürlich. Eigentlich müßten wir das als Deutsche gut verstehen können, hatten wir doch nach dem ersten und zweiten Weltkrieg auch Gebietsverluste hinnehmen müssen. Anderseits, auch das kennen wir aus der eigenen Geschichte des deutschen Kaiserreichs, fühlt sich Putin durch die NATO-Osterweiterung eingekreist. Daß es sich bei den baltischen Staaten und Polen um souveräne Staaten handelt, die von sich aus auf die NATO zugegangen sind (aus Angst vor den Russen), ist bei Putin nicht angekommen. Warum hat er nicht selbst einen Antrag auf Aufnahme in die NATO gestellt? Damit hätte er “den Westen” zumindest auf die Probe stellen können, um herauszufinden, wie ernst es “dem Westen” ist, Frieden zwischen den Staaten zu schaffen bzw. zu erhalten.

    • Nein, Dietmar Hildebein, ein Anschluss an den Westen war für Putin nie eine Option, denn dann würde Russland auf seine wahre Grösse zusammenschrumpfen. Mit einer Wirtschaftskraft vergleichbar mit der von Spanien würde niemand mehr über Russland sprechen – weder die USA, noch Europa und auch nicht Thomas Grüter.

    • Russland strebt vermutlich aus zwei Gründen keine Aufnahme in die NATO an, die außer einem gesellschaftlich dreckigen System für diejenigen Gesellschaftssysteme stellvertretend steht, die aufklärerisch implementieren konnten :

      1.) Es ist zu groß und kann schlecht als eine Art Junior-Partner des Leaders (Vozhd >:->) USA in die NATO hinzugebaut werden, die USA wissen dies, Russland weiß dies.

      2.) Es ist als Vielvölkerstaat nicht stabil genug, um umfänglich rechtsstaatlich agieren zu können – oder fühlt sich zumindest so.


      Was die (sozusagen anti-realpolitischen) Obama-USA und stellvertretend die EU in der Ukraine mit ihren politischen Spielereien in den letzten Jahren versucht haben, war natürlich realpolitisch im sozusagen grundsätzlichen Einzugsgebiet Russlands, Kleinrussland (vs. Weißrussland, allerdings ebenfalls Einzugsgebiet), die Ukraine, ist gemeint, falsch.

      MFG
      Dr. Webbaer

    • Einen Antrag auf Aufnahme Russlands in die Nato?

      Eine interessante “Wendung” in die sich über jahrzehnte (oder länger) eingebrannte Denke! (des Ostwestkonfliktes)…

  9. @ Holzherr

    Mag sein. Es war wohl ein großer Fehler Obamas, Rußland als Regionalmacht bezeichnet und so die Minderwertigkeitskomplexe noch verstärkt zu haben.

  10. Interessant ist in diesem Artikel der Verweis auf “den Westen” als ein monolithischer Block. Wenn man dazu etwa Nordamerika und Europa anschaut, dann ist dieses Bild, wie man an dem Handelskrieg sieht, falsch. Und selbst Europa ist sich nicht wirklich einig. Im Heise-Forum wird sogar vom “Wertewesten” geschrieben. Wobei man doch bedenken sollte, daß für die Taliban auch Russland zum “Westen” gehört.

  11. Ja, so wird halt in Russland geschwätzt, gerade auch bei Russia Today, allerdings, allerdings sind die bundesdeutschen “Öffies” auch nicht mehr sonderlich regierungskritisch, dies nur zum Vergleich angemerkt.
    Frau Simonjan ist Armenierin, wird wohl nicht die schlimmste russische Nationalistin sein und reflektiert wohl auch die oft in Russland verbreitete Sicht, dass der Vielvölkerstaat ohne starke Führung zerfallen würde, was auch im “Westen” realpolitisch wenig Freude hervorrufen dürfte, wenn so eine Atommacht zerfällt.
    Stimmt’s oder hat Dr. Webbaer recht?

    Stalin, und deshalb meldet sich Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund, Herr Dr. Grüter, ist ein interessanter Fall.
    Er ist natürlich aus heutiger oder allgemein aus aufklärerischer Sicht ein Verbrecher, aber er ist als Vozhd (vgl. auch mit dem “Führer”, ohne Führung geht’s auch heute nicht, natürlich nur : semantisch so angemerkt) eher mit Mao als mit dem “Führer” vergleichbar.
    Beide haben aus unwirtlich zivilisatorischen Bedingungen Gesellschaftssysteme gemacht, die immerhin halbwegs funktionierten, Mao hat bspw. Gesundheit nach China gebracht und Stalin hat den Krieg gewonnen, wie auch zivilisatorisch ganz beträchtlich aufgebaut.

    Stalin kann gut über die Komödien “Der rote Monarch” (sehr empfehlenswert dieser TV-Film aus dem Hause BBC, ca. 1980) und “The Death of Stalin” verstanden werden, jedenfalls besser als ihn nur zu verdammt zu wissen.

    Putin ist politisch talentiert und Realpolitiker.
    Er spielt in ganz anderen Ligen als die drei weiter oben Genannten.

    MFG
    Dr. Webbaer

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