Langzeitrisiko für seltene Katastrophen

Elon Musk möchte eine Million Menschen zum Mars bringen, damit die Menschheit einen Zusammenbruch der Zivilisation überlebt, einen Zusammenbruch, den er für unvermeidlich hält. Aber jetzt fragen wir doch mal: Lässt sich die Wahrscheinlichkeit dafür irgendwie berechnen?

Man käme sich irgendwie dumm vor, wenn man für 500.000 € ein Ticket zum Mars gelöst hat, und dann feststellt, dass die Zivilisation auf der Erde keineswegs untergeht, sondern vielmehr blüht und gedeiht.

Elon Musks Interplanetary Transport System auf dem Jupitermond Europa. Aus Wikipedia, CC0, modifiziert

Eine seriöse Risikoabschätzung ist nicht ganz einfach. Immerhin gibt es eine ganze Reihe verschiedener Faktoren, die auch noch unterschiedlich stark ins Gewicht fallen. Trotzdem ist eine Überschlagsrechnung durchaus machbar. Keine Versicherung würde auf dieser Grundlage eine Prämie festlegen wollen, aber für unsere Zwecke genügt es. Der Einfachheit halber möchte ich hier nur drei mögliche Gefahren berechnen, aber mit der vorgestellten Methode lassen sich auch andere Risiken mit einbeziehen.

In der Bespielrechnung sind folgende Risiken berücksichtigt:

  1. Großer Vulkanausbruch mit weltweiten Missernten
    Die Gewalt eines Vulkanausbruchs wird mit dem VEI (Vulcanic Explosivity Index) gemessen. Die Skala ist logarithmisch. Die ausgestoßene Menge an Tephra (vulkanischem Lockermaterial)1 steigt ab VEI 3 jeweils um den Faktor 10 an. Bei VEI 6 speit der Vulkan mehr als 10 km³, bei VEI 8 mehr als 1000 km³ Tephra. Solche Größenordnungen reichen aus, um die Temperaturen und Niederschlagsmengen weltweit durcheinander zu bringen. Bei einem Ausbruch des Supervulkans unter dem Yellowstonepark vom Typ VEI 8 würde fast die gesamte USA unter einer Ascheschicht von 3 mm bis zu 3 Metern verschwinden2. Mindestens eine Ernte würde komplett ausfallen, alle Flugzeuge müssten monatelang am Boden bleiben. Wer die fliegende Asche einatmet, erstickt nach einigen Stunden.
    In den letzten 11 500 Jahren sind ca. 50 Vulkanausbrüche vom Typ VEI 6+ sicher nachgewiesen. Weil man den einen oder anderen übersehen haben könnte, darf man annehmen, dass ungefähr alle 200 Jahre ein verheerender Ausbruch zu erwarten ist, der das Potential hat, unsere Zivilisation einige hundert Jahre zurückzuwerfen.
  2. Sonneneruption
    Ein sogenannter koronarer Massenauswurf bläst große Mengen Plasma in den Weltraum. Wenn diese Wolke die Erde trifft, deformiert sie das Erdmagnetfeld und löst einen sogenannten geomagnetischen Sturm aus. Ein starker Sturm würde enorme Schäden anrichten, und die Stromversorgung der Welt über Monate lahmlegen. Die heftigen Schwankungen des Erdmagnetfelds induzieren Ströme in ungeschützten elektrischen Leitungen. Das könnte Satelliten und elektronische Geräte weltweit zerstören. Vor allem aber könnten die Transformatoren der Hochspannungsleitungen durchschlagen. Es würde Monate dauern, auch nur die wichtigsten von ihnen zu ersetzen. So lange hätten wir keine sichere Stromversorgung mehr. Das wäre möglicherweise das Ende unserer vernetzten digitalen Welt.
    Ein solches Ereignis kommt etwa alle 500 Jahre vor.
  3. Weltweiter Atomkrieg mit nuklearem Winter
    Ein Atomkrieg, bei dem mehr als ca. 20% des weltweiten Potenzials eingesetzt würde, hätte dramatische Folgen: Die Brände würden buchstäblich den Himmel verdunkeln. Die Temperaturen sinken weltweit für mehrere Jahre um mindestens 10° C ab. Für ein bis zwei Jahre wäre kaum noch ein Getreideanbau möglich. Weil Industrie und Transportwesen ebenfalls schwer getroffen würden, wäre ein kompletter Zusammenbruch der Zivilisation unvermeidlich. Im zwanzigsten Jahrhundert ist die Welt mindestens zweimal nur um Haaresbreite an der Katastrophe vorbeigeschrammt (siehe z. B. in diesem Bericht der WELT). Schon ein regionaler Atomkrieg mit einem Einsatz von weniger als 0,1% des weltweiten Potentials könnte eine weltweite Hungersnot auslösen.3 Wie oft müsste man mit einem solchen Ereignis rechnen? Ich nehme für diese Berechnung einmal an, dass alle 80 Jahre ein Atomkrieg stattfindet, der zum Zusammenbruch der Zivilisation führt.4

Und jetzt die entscheidende Frage: Wenn man den Einfluss aller drei Größen berücksichtigt, wie wahrscheinlich ist dann ein Zusammenbruch der Zivilisation in den nächsten 20, 50 oder 100 Jahren?

Der erste Ansatz wäre, die Wahrscheinlichkeit auf ein Jahr umzurechnen.

  • Atomkrieg: 1,25 %/a
  • Vulkanausbruch: 0,5 %/a
  • Geomagnetischer Sturm 0,2 %/a

Das a steht hier für annum (lateinisch das Jahr). Wenn ich die Zahlen addiere komme ich auf 1,95 % pro Jahr. Nach zehn Jahren wären das 19,5 %, und nach etwa 52 Jahren ist die Schwelle von 100 % überschritten. Moment mal, in spätestens 52 Jahren sollen wir sicher im Mittelalter landen? Dann wäre es jetzt wirklich Zeit, ein Ticket zum Mars zu buchen. Andererseits muss ja keines dieser Ereignisse eintreten, weder jetzt noch in den nächsten 52 Jahren. Oder in den nächsten 100 Jahren. Also stimmt etwas mit der Berechnungsmethode nicht.

Versuchen wir es anders.

Die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass im Laufe eines Jahres mindestens ein gefährlicher Vulkan (VEI 6+) ausbricht und dass alle Feuerberge stillhalten, ist stets 1 (=100 %). Das setzt sich zusammen aus 0,995 (kein Ausbruch) und 0,005 (Ausbruch). Für zwei Jahre haben wir dann folgende Möglichkeiten:

Wir sind damit einigermaßen sicher, dass in keinem von beiden Jahren ein verheerender Vulkanausbruch stattfindet (0,995 * 0,995). Nach drei Jahren sind wir bei 0,995 * 0,995 * 0,995.

Nach zehn Jahren steigt der Exponent auf 10: 0,99510= 0,9511. Der Zahlenwert sinkt dabei, ich multipliziere ja immer mit einer Zahl, die kleiner als 1 ist.

Aha, mit 95 % Wahrscheinlichkeit bleiben alle größeren Vulkane in den nächsten zehn Jahren friedlich. Die übrigen 5 % decken alles andere ab, also einen, mehrere oder viele Ausbrüche. Wenn wir also wissen wollen, wie sicher wir sein können, dass in 50 Jahren mindestens ein Vulkan 10 oder mehr Kubikkilometer Asche in Luft bläst, modifizieren die Formel wie folgt:

1 – 0,99550 = 0,2217 (oder 22,7 %).

Das sieht nicht ganz so schlimm aus, wie Sie vielleicht befürchtet haben.

Jetzt rechnen wir alle Gefahren zusammen. Dazu multiplizieren wir die Wahrscheinlichkeit, dass sie in einem Jahr nicht eintreten.

  • 0,995 (Vulkan)
  • 0,998 (Geomagnetischer Sturm)
  • 0,9875 (Atomkrieg)

0,995 * 0,998 * 0,9875 = 0,980597375 (wir runden das auf 0,9806)

Mit der Wahrscheinlichkeit 0,9806n bleiben wir in n Jahren von allen hier erwähnten Katastrophen verschont. Wenn wir das von 1 abziehen, erhalten wir die das Risiko, dass die Zivilisation an den Rand der Vernichtung gerät. Also:

f(n) = 1 – 0,9806n

Die folgende Kurve zeigt das Ergebnis:


Nach 20 Jahren beträgt der Wert 32,4 %, nach 50 Jahren 62,5 % und nach 100 Jahren 85,9 %. Andere existentielle Risiken der Menschheit, wie eine zufällige auftretende katastrophale Missernte5 oder eine weltweite Epidemie mit Milliarden Toten sind dabei noch nicht berücksichtigt.

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Aber wie gesagt, das hier ist nur eine Beispielrechnung. Das Risiko für den Atomkrieg habe ich grob geschätzt6, denn dafür gibt es bisher keine Erfahrungswerte. Trotzdem sieht man sehr deutlich: Auch scheinbar kleine Risiken werden über viele Jahre zur ernsthaften Gefahr. Wenn wir den Fortbestand der Zivilisation sichern wollen, machen wir uns besser schon jetzt Gedanken darüber, wie man die Auswirkungen von seltenen, aber verheerenden Ereignisse abmildern kann. Wenn wir alles einfach auf uns zukommen lassen, könnte es sein, dass unsere Nachfahren in hundert Jahren mit Speeren durch die Überreste unserer Städte streifen.

Anmerkungen

[1] Bei einen großen Ausbruch fliegt vulkanische Asche tausende Kilometer weit, im Gegensatz zur Lava, die aus dem Vulkan herausfließt, und sich nur in der Umgebung verteilt

[2] Quelle: Becky Oskin: What would happen, if Yellowstone‘s Supervulcano erupted? Livescience, 2.5.2016 Link

[3] Daniel Lingenhöhl: Nuklearer Winter: Welche Folgen hätte ein regionaler Atomkrieg für Welternährung? Spektrum der Wissenschaft 22.5.2015 Link

[4] In einem Fact Sheet hat die amerikanische Union of Concerned Scientists zusammengestellt, welche Unfälle mit Atomwaffen nur knapp vermieden wurden. Link: http://www.ucsusa.org/sites/default/files/attach/2015/01/nuclear%20weapons%20close%20calls.pdf

[5] Die Reserven der Grundnahrungsmittel Reis und Weizen liegen bei 60 – 70 Tagen, als 16 – 19% einer Jahresernte. Wenn drei Jahre lang der Ertrag unter 92% des Durchschnitts fällt, würde das bereits eine schwere weltweite Teuerung und Hungersnot auslösen. Wenn der Klimawandel eine plötzliche Verschiebung der Niederschlagsmuster auslöst, wäre eine solche Entwicklung durchaus denkbar.

[6] Dahinter steckt folgende Überlegung: etwa seit 1960 haben die USA und Russland (damals UdSSR) die Möglichkeit, aus dem Stand massive Atomschläge auszulösen. Seit dieser Zeit hat es mindestens drei Fälle gegeben, in denen ein Atomschlag in allerletzter Sekunde abgewendet wurde. Wenn in einem von fünf Fällen alle Sicherungen versagen, dann müsste man etwa alle 85 Jahre mit einem zufälligen Atomkrieg rechnen. Dazu kommt die Möglichkeit, dass ein unverantwortlicher Staatschef absichtlich auf den roten Knopf drückt. Das betrachtete ich als unverbesserlicher Optimist als unwahrscheinlich. Mir scheint also ein Wert von 80 Jahren einigermaßen realistisch zu sein.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

55 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn ein regionaler Atomkrieg, ein Vulkanausbruch der Stärke VE7 oder ein geogmagnetischer Sturm die Zivilisation kollabieren liesse, dann wäre unsere Zivilisation äusserst verwundbar.
    Die historischen Vulkanausbrüche der Stärke VE7 scheinen mir jedenfalls dafür nicht zu genügen:

    Mount Tambora, Lesser Sunda Islands, Indonesia 1815, Apr 10 VE7 150 km3 (36 cu mi) of tephra

    Changbai Mountains (Changbaishan), Eastern China/ North Korea border,
    also known as Tianchi eruption of the Baekdu Mountain 969 AD ±20 years[37] VE7 76 to 116 km3 (18.2 to 27.8 cu mi) of tephra[2]

    Taupo Volcanic Zone, Hatepe eruption of Taupo Volcano, New Zealand 230 AD ±16 VE7 120 km3 (29 cu mi) of tephra[40]

    Santorini (Thera), Greece, Youngest Caldera: Minoan eruption 1610 BC ±14 years VE7 99 km3 (24 cu mi) of tephra [2] Ended the Minoan settlement at Akrotiri and the Minoan age on Crete

    • Herr Holzherr, Ihr Kommentar ist hier mehrfach angekommen, ich habe die überzähligen Kopien gelöscht. Zum Inhalt: Unsere Zivilisation ist in der Tat sehr empfindlich, weil sie auf einer globalen Arbeitsteilung beruht, die maximal einige Jahre unterbrochen werden darf. Die Ernährungssituation ist gegenwärtig durchaus angespannt, weil die Erdbevölkuerng ständig wächst. Beim Ausbruch des Tamboravulkans 1815 lebten auf der Erde rund eine Milliarde Menschen, heute sind es 7,45 Milliarden. Die Auswirkungen auf den globalen Flug- und Schiffsverkehr wären ebenfalls kaum absehbar. Es gibt übrigens seit einigen Jahren die Theorie, dass frühe Hochkulturen im wesentlichen an einem temporären Zusammenbruch des Handels zugrundegegangen sind (z.B. Bryan Ward-Perkins: The Fall of Rome and the End of Civilisation, Oxford 2005, oder Eric H. Cline: 1177 B.C – The Year Civilisation Collapsed. Princeton, NJ, 2014).
      Über die Auswirkungen eines sehr starken geomagnetischen Sturm gibt es diverse Studien, z.B. von der OECD. Sie kommen zum Ergebnis, dass ein Sturm von der Größenordnung des Carrington-Events 1859 durchaus fatale Auswirkungen haben könnte. In meiner Beispielrechnung hat allerdings das anthropogene Risiko eines Atomkriegs die höchste Wahrscheinlichkeit und bestimmt damit weitgehend den Kurvenverlauf. Wenn ich die anderen Faktoren vernachlässige, läge, auf 50 Jahre betrachtet, das Risiko eines Atomkriegs immer noch bei 47%.

  2. Das größte Risiko wurde nicht beachtet. Die bestehenden Kernkraftwerke kommen in die Jahre. Wenn dann nur jedes Jahr ein Supergau stattfindet, dann wird die weltweite Verstrahlung durch Radionuklide die Erde auch schädigen. Wie sieht es mit Meteoriten aus ? Dann kommen noch die Viren.
    Wie haben sie die weltweite Klimaerwärmung berücksichtigt
    Aber wie die Engländer sagen : it could be worse.
    In diesem Sinne.

    • Erstaunlicherweise ist die Wirkung von Atomunfällen auf den weltweite Hintergrundstrahlung sehr gering. Während Unfälle wie in Fukushima und in Tschernobyl eine ganze Region unbewohnbar machen, wirken sie sich nur recht wenig auf die gesamte Welt aus. Nur zum Vergleich: bis 1993 zündeten die Atommächte 520 nukleare Sprengköpfe in der Atomsphäre. Die kumulative Sprengkraft betrug 545 MT. Quelle: O. A. Pavlovski Radiological Consequences of Nuclear Testing for the Population of the Former USSR (Input Information, Models, Dose, and Risk Estimates). Link. Diese Explosionen hatte eine merkliche Erhöhung der Hintergrundstrahlung zur Folge, ohne dass die menschliche Zivilisation merklich beeinträchtigt wurde. Große Meteore sind so selten, dass sie das Risiko nicht merklich verändern. Aber wenn man lange genug nachdenkt, kommt man bestimmt noch auf Gefahren, die ich vergessen habe. Die Plastikverschmutzung der Ozeane könnte zu einem Massensterben führen, der Klimawandel könnte eine ruckartige Verschiebung der Niederschlagsmuster mit einer längeren Folge von Missernten bewirken. Die Ausbreitung von Ernteschädlingen könnte ähnliche Folgen haben. Wie die Engländer sagen: It could be worse, and maybe it will.

  3. Beim Risiko eines Atomkriegs wurde die erst kürzlich entdeckte “Trump’sche Konstante” – T-stupid – vergessen! T-stupid vervielfacht das Risiko hierfür, konnte aber bislang noch nicht exakt bestimmt werden.

    • Ha ha, der war gut 🙂 aber die Konstante ist die Hierarchie in der nun “freiheitlichen” Welt- und “Werteordnung” im geistigen Stillstand seit der “Vertreibung aus dem Paradies” – der Stand in dieser gleichermaßenen Dummheit bestimmt den Grad der Ausbeutungs- und Unterdrückungsmöglichkeiten – eine Entwicklung unserer Vernunftbegabung, zu geistig-heilendem Selbst- und Massenbewußtsein und somit …, ist bisher im konfusionierten “Individualbewußtsein” auf Schuld- und Sündenbocksuche assimiliert, ad absurdum geführt, gedingstbumst! 😉

  4. Gerade jetzt ist das Risiko eines wechselseitigen Atomkrieges gering: Russland USA ist viel weniger wahrscheinlich als es Sowjetunion USA war, denn Russland ist ein gewöhnliches Land und steht nicht mehr für ein System. Wie der verlinkte Bericht über den Beinahe-Atomkrieg Sowjetunion USA zeigt, war aber auch dazumal die Zurückhaltung sehr hoch, denn beide Seiten wussten, dass es in so einem Fall nichts zu gewinnen gab. Atomwaffen wurden auf Hiroshima und Nagasaki und beinahe auch auf Hanoi abgeworfen, gerade auch, weil der Angreifer wusste dass es keine ebenbürtige Gegenwehr geben konnte.
    Je mehr Länder aber Atomwaffen haben umso grösser wird das Risiko. Ein Szenario, dass ich mir vorstellen kann, sieht so aus: Ein Land mit Atomwaffen setzt sie gegen ein Land ohne Atomwaffen ein und meint damit auf der sicheren Seite zu sein. Dann aber schlägt ein Verbündeter mit Atomwaffen zurück – und schon haben wir den Atomkrieg.

  5. Sehr schöne exemplarische Rechnung! Nur zwei kurze Anmerkungen:

    1. In den Fällen 1 und 3 liegt das Risiko künftig nicht nur in Ernteausfällen, sondern auch in globalem Energiemangel.

    2.

    Während Unfälle wie in Fukushima und in Tschernobyl eine ganze Region unbewohnbar machen

    “Unbewohnbar” aber nur im verwaltungstechnischen Sinne, da Wohnverbote ausgesprochen werden. Das tatsächliche medizinische Risiko dürfte weit unter den Schreckensszenarien liegen.

  6. Atomkrieg würde ich für eher unwahrscheinlich halten , in nichts ist die Menschheit beständiger als im erfolgreichen Reiten auf der Rasierklinge.

    Die Wahrscheinlichkeit dafür läßt sich meines Erachtens auf den Atomkrieg aus Versehen reduzieren.

    Sicher sind hingegen die genannten Naturkatastrophen (plus Einschlag eines großen Himmelskörpers).
    Bei Stromleitungen kann man sich noch ganz gut vorstellen , daß da prophylaktisch gehandelt werden könnte. Ansonsten steht zu fürchten , daß der Mensch erst die große Katastrophe braucht , um zu reagieren (wo überhaupt möglich).
    Im Gegensatz zur Atombombe sind große Natuereignisse nicht präsent als dauernde Gefahr , was tatsächlich zum “laufen lassen” führen könnte.

    Spekulative These der Hoffnung:
    Ausgerechnet die Atombombe , aber auch die Kernkraftwerke (nebst Atommüll) zwingen uns dazu , uns zusammenzureißen , weil sie langfristige Überwachung erfordern.
    Durch die Erhaltung eines guten technischen Niveaus schafft es der Mensch dann auch , mit den anderen Gefahren klarzukommen.

    Dafür könnte auch sprechen , daß es einen kompletten Zusammenbruch der Zivilisation bisher nicht gab. Irgendwo in der Welt gings immer weiter , auch während bei uns Pest und Aberglaube fröhliche Urständ feierten.

    • Zitat:

      Die Wahrscheinlichkeit dafür [eines Atomkrieges] läßt sich meines Erachtens auf den Atomkrieg aus Versehen reduzieren.

      Sie halten es also für unwahrscheinlich, dass ein Land bewusst Atombomben auf ein anderes Land abwirft? Günter Grass jedenfalls ist in seinem in der Süddeutschen Zeitung, der La Repubblica und in El País veröffentlichten Gedicht Was gesagt werden muss genau davon ausgegangen, dass Israel durch systematische Bombardierung des Iran mit Atombomben die Bevölkerung dieses Land auslöschen könnte. (Zitat):

      Das „behauptete Recht auf den Erstschlag“ könne „das von einem Maulhelden“ – gemeint ist Mahmud Ahmadinedschad – „unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen“. In seinem Machtbereich werde der Bau einer Atombombe lediglich vermutet, während Israel über ein geheimgehaltenes wachsendes unkontrolliertes atomares Potenzial verfüge.

      . Dass die genannten Zeitungen dieses “Gedicht” abgedruckt haben, nehme ich als Zeichen, dass diese ein solches Handeln Israels als plausibel, mindestens aber denkbar, hielten.
      Es kann natürlich sein, dass viele annehmen, ein Atombombenabwurf bedeute noch keinen Atombombenkrieg, wenn doch das angegriffene Land über keine eigenen Atomwaffen verfüge. So wäre es dann möglich, dass Israel den Iran ungestraft eliminieren könnte. Mir scheint es aber durchaus möglich, dass auf einen Atombombenabwurf auf ein schutzloses Land, ein anderes (mit dem angegriffenen Land befreundetes Land) mit Atomwaffen antwortet. Allgemein gilt, dass in Konflikten und Kriegen Eskalationen über jedes vorher vorgestellte Mass möglich werden.

      • Günter Grass hat ein kritisches Verhältnis zu Israel (vorsichtig ausgedrückt). Er hat seinen Vorwurf, dass Israel einen atomaren Erstschlag plant, nie begründet. Aus seinen Kommentaren lässt sich allen ein generelles Misstrauen gegen das Land ableiten. Seine Meinung hat deshalb keinen Einfluss auf meine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines atomaren Erstschlags von irgendeiner Seite.
        Ganz sicher falsch ist die Schlussfolgerung, die Zeitredaktion halte den Inhalt des Gedichts von Grass für plausibel. Sie habt ein Stück der Gegenwartskunst abgedruckt. Mit dem Inhalt muss sie in keiner Weise übereinstimmen. Im übrigen veröffentlicht die Zeit immer wieder Meinungsartikel von Gastautoren, ohne dass sie deshalb deren Ansicht teilt. Sie legt Wert darauf, in der ZEIT unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen. Das lässt keinen Rückschluss auf ihre eigene Position zu.
        Im Buch “Kriegsfolgen und Kriegsverhütung” (Hrg. Carl Friedrich von Weizsäcker, 1971) haben die Autoren die Atomkriegsgefahr spieltheoretisch analysiert. Sie haben für zwei Spieler durchgerechnet, welches Verhalten am ehesten den Frieden erhält, und welches zum Krieg führt. Sie haben aber auch darauf hingewiesen, dass eine solche Analyse bei mehr als zwei Spielern zu komplex wird, so dass eine Berechnung nicht mehr möglich ist. Das ist nach wie vor Stand der Dinge.

        • Wobei man natürlich beachten muß, daß die Spieltheorie eben das ist: eine empirisch nie auch nur in Ansätzen irgendwo geerdete Theorie. Von “Stand der Dinge” würde ich angesichts der weniger als mageren empirischen Evidenz bei der Spieltheorie nie reden. Auch wenn ich zustimme, daß die Welt zu komplex ist, als daß man das Verhalten von Staaten berechnen könnte. 🙂

          • @Tim;
            Die Spieltheorie ist ihrem Wesen nach vergleichbar mit Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik. Es sind mathematische Kalküle, um komplexe, manchmal miteinander konkurrierende (Teil)Vorgänge in der Natur oder im menschlichen Verhalten zu modellieren und zu simulieren. Mit naturwissenschaftlichen Theorien und Naturgesetzen hat das nichts gemein, ein Vergleich mit empirisch begründeten und prüfbaren, aber reduktionistischen Theorien und daher definitiv berechenbaren Vorgängen in der Natur ist irrelevant. Trotzdem kann die Spieltheorie nützliche, wertvolle und realistische Informationen liefern.

  7. Eine mehr als 80% Wahrscheinlichkeit, dass die Zivilisation in den nächsten 100 Jahren aufgrund einer einmaligen Katastrophe zusammenbricht wird hier angenommen. Und das nicht etwa wegen der menschengemachten Klimaerwärmung, sondern wegen einem Atomkrieg, einer die Erde treffenden Sonneneruoption oder eines grossen Vulkanausbruchs. Und ich stimme dem grundsäztlich sogar zu, und sehe am Horizont weitere Gefahren wie menschengemachte Epidemien mit pockenähnlichen Viren oder mit genomverändernden Viren.
    Der Klimawandel, der heute von vielen als grösste Gefahr wahrgenommen wird, kann zwar bei Überschreiten von Kipppunkten ebenfalls zivilsationsgefährdend wirken, doch insgesamt ist er viel berechenbarer, so dass sich die betroffenen menschlichen Gemeinschaften über Jahre hinweg anpassen können (die Anpassung kann auch Emigration aus “klimatisch abgewirtschafteten” Gebieten bedeuten).
    Ein plötzliches Ereignis dagegen, welches die Infrastruktur weltweit beeinträchtigt oder/und die Nahrungsproduktion über Jahre stark einschränkt, könnte dagegen tatsächlich zivilisationsgefährdend sein.
    Die Frage ist nur: Kann sich die Zivilisation oder können sich einzelne Länder auf einen solchen Fall vorbereiten? Und wie müsste die Vorbereitung aussehen? Ist es sinnvoll, einen solchen Notfall global (im Rahmen der UNO) zu planen oder ist es besser jedes Land tut dies selbst?

    • Herr Holzherr, mein Blogbeitrag zeigt nur eine Beispielrechnung. Sie berücksichtigt deshalb auch nur drei Faktoren, und bei zweien (Vulkanausbruch, Sonnensturm) davon ist das Risiko recht genau bekannt. Sie können die Rechnung problemlos erweitern. Mit jedem Risikofaktor steigt lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass unsere digital-vernetzte Zivilisation zusammenbricht.
      Deshalb stimme ich Ihnen zu: Deutschland, Europa und die internationalen Organisationen sollten Notfallpläne entwickeln und darüber nachdenken, welche Art von Reserven man anlegen sollte. Wie bei allen anderen Aktionen kann das nur funktionieren, wenn die Akteure sich untereinander abstimmen.

  8. Ein Frage zur Interpretation der Graphik “Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Katastrophe”:

    Die Abszisse zeigt ja relative Jahreszahlen beginnend mit “0”.
    Aktuell entspricht also “0” das Jahr 2017.
    Wenn jetzt z.B. bis 2027 “nichts passiert ist”, kann man dann die Graphik einfach wieder “neu ansetzen”, so daß in 10 Jahren die “0” dem Jahr 2027 entspricht?
    Mit anderen Worten: Falls nichts passiert, verschiebt sich dann der Zeitpunkt der ersten zu erwartenden Katastrophe damit immer weiter in die Zukunft, so daß er immer 52 Jahre entfernt bleibt?

    • Die kurve gibt die kumulative Wahrscheinlichkeit an, also die Wahrscheinlichkeit dass innerhalb der genannten Zeitspanne eine der genannten Katastrophen passiert. Wenn ich also sage, dass innerhalb von 50 Jahren die Zivilisation mit einer Wahrscheinlichkeit von 62,% einen tödlichen Schlag erhalten hat, dann weiß ich noch nicht, wann das geschehen wird. Es kann morgen sein, in 23 Jahren oder 46 Jahren. Hat Elon Musk recht mit seiner Ansicht, dass die Zivilisation auf der Erde gefährdet ist? Auf längere Sicht betrachtet: zweifellos ja. Ob Musks Marskolonie die richtige Abhilfe ist, wage ich durchaus zu bezweifeln. Aber versuchen darf er es natürlich …

  9. Jetzt habe ich doch glatt meinen Namen falsch geschrieben…
    Richtig ist: Jürgen Decker
    Bitte um Korrektur, falls möglich…
    Vielen Dank!

  10. @Jürgen Decker Ja, Sie dürfen die Kurve immer weiter verschieben. In die Statistik fließt dann die Information, dass bisher nichts passiert ist. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas sogar schon innerhalb des nächsten Jahres passiert, natürlich nie bei Null.
    @Thomas Grüter Vielen Dank für den sehr inspirierenden Artikel! Ich habe mich selbst mit den Risiken 2-3 bereits etwas eingehender beschäftigt. Dabei ist der nukleare Krieg nicht zu unterschätzen: Wenn man den Papern bezüglich der klimatischen Auswirkungen glaubt (Jahrzehntelang eine Eiszeit wesentlich kälter als jede bisherige soweit paläoklimatisch rekonstruiert, mit reduzierten Niederschlägen sowie reduzierter Sonneneinstrahlung, jedoch starker UV-Strahlung durch völlige Zerstörung der Ozonschicht, wobei stratosphärische Asche die meteorologischen Hemisphärengrenzen effektiv überwindet, so dass wirklich die globale Landwirtschaft betroffen ist), so hat dieser als einziges Risiko (neben äußerst unwahrscheinlichen Ereignissen wie nahen Gamma Ray Bursts) das Potential die Menschheit fast bis vollständig auszulöschen. Einen Vulkanausbruch sowie Meteoriteneinschlag mit vergleichbar verheerenden Auswirkungen sehe ich eher bei 1/(10 Mio.) oder weniger pro Jahr oder seltener gemäß der vergangenen Rate an Massenaussterben (lokal, z.B. für Deutschland sieht das anders aus: Es herrscht ein wesentlich größeres lokales Risiko von grob 1/20’000 a). Ein Sonnensturm wäre verheerend, würde aber nach meiner Ansicht maximal einige Prozent der Weltbevölkerung das Leben kosten, wegen temporären Stromausfällen, horrenden volkswirtschaftlichen Kosten sowie Schwierigkeiten den Handel zu organisieren – aber rudimentäre Kommunikation (z.B. militärische per Funk) wäre mE sehr schnell wieder möglich.

  11. Hier ein Beispiel für Literatur: “Climate and chemistry effects of a regional scale nuclear conflict” Stenke et al. 2013
    Ich subsummiere: Begrenzter nuklearer Konflikt von nur 50 Sprengköpfen. [Anm.: Heutige Sprengköpfe wirken deutlich anders, als Hiroshima/Nagasaki – die thermische Strahlung spielt im Verhältnis eine viel größere Rolle in der lokalen Schadwirkung im Vergleich zu Druckwelle und Fallout –> gigantische Flächenbrände, die meisten direkten Todesopfer verbrennen, die meisten Verletzten erleiden Strahlungsbrandwunden.] Hohe Unsicherheit bezüglich der Ascheemissionen (abhängig u.a. von dem Areal das abbrennt). Globale Landtemperaturen sinken im begrenzten Konflikt um 0-9K je nach Ascheemissionen. Durchschnittlich wird die Hälfte des Temperaturminimums der letzten Eiszeit erreicht (der Ozean kühlt küstenfern aber kaum ab). Niederschlag sinkt um ~30%, Ozon sinkt um 50-60% mit wesentlich größerer Abdeckung als vergangene Ozonlöcher. Dies alles bei nur 50 lokal eingesetzten Sprengköpfen.

  12. Trotz den katastrophalen Folgen eines Atomkriegs oder grossen Vulkanausbruchs kann ich mir schlimmeres vorstellen. Nämlich nicht nur ein temporaräres Zurückwerfen der Zivilisation, sondern ein Verlust an Potenzial überhaupt je wieder die gleiche Zivilsationhöhe wie heute erreichen zu können. Und genau für so einen Fall ist Musks Vision der Menschheit als einer multiplanetaren Spezies gedacht. Die Menschheit als multiplanetare Spezies hat Aussichten Milliarden von Jahren in unterschiedlichen Ausprägungen weiterzuexistieren, wobei einige sogar eine höhere Zivilisationsstufe erreichen werden als wir sie erreicht haben.
    Die Menschheit als eine globale Nation aber ist aufs höchste gefährdet, denn wenn sie getroffen wird wird sie wegen fehlender Dezentralisierung und fehlender Teilautonomie als Ganzes getroffen.
    Nick Bostrom hat sich hierzu unter dem Titel existential risks einige wertvolle Überlegungen gemacht (von mir übersetzt):

    – Die grössten existenziellen Risiken sind menschengemacht und gehen auf zukünftige Technologien zurück (künstliche Intelligenz, die die Herrschaft übernimmt etc.)
    – Nachhaltigkeit sollte konzeptionell neu in dynamischen Begriffen gefasst werden: Es geht um einen nachhaltigen Pfad und nicht um einen nachhaltigen Zustand
    – Kleine existenzielle Risiken wie Asteroidentreffer können mit heutiger Technologie abgemildert werden.
    – Grosse existenzielle Risiken sollten heute analysiert werden mit einem Blick auf die Langzeitperspektive

    Wertvoll finde ich Bostroms Unterteilung von existenziellen Risiken in folgende qualitative Risikokategorien:
    – Persönliche Risiken, Lokale Risiken, Globale Risiken, Transgenerationale Risiken und Pangenerationale Risiken.

    Musks Idee der mulitplanetaren Spezies hilft für die trans- und pangenerationalen Risiken. Diese Risiken bedeuten, dass sich die Menschheit nach dem Ereignis nicht mehr erholen kann, entweder nicht in einer Generation oder gar überhaupt nie mehr.
    Beispiel: Wenn eine zukünftige künstliche Superintelligenz die Menscheit bis auf ein paar für einen Zoo bestimmte Exemplare eliminiert, dann gibt es keine Erholung mehr davon – ausser es gibt Menschen, die ausserhalb der Sphäre des Ereignisses sind wie vielleicht zukünftige Marsianer.

    • Natürlich kann eine höhere (künstliche oder genetische) Spezies spekulativ zur ultimativen Bedrohung der Menschheit im heutigen Sinn führen. Wenn diese Spezies invasiv handelt und dazu motiviert ist und es schafft, uns auf der gesamten Erde auszurotten bis auf ein paar Zoo-Exemplare – dann sind wir auf dem Mars vor dieser Spezies aber in keinster Weise sicher. Wer Mittel und Motivation hat, unsere zukünftige Erd-Zivilisation vollständig(!) zu vernichten, wird auch unsere zukünftige Mars-Kolonie vernichten und selbst besiedeln. Umso mehr, als die Mars-Kolonie eine sehr lange Zeit noch von Lieferungen der Erde abhängig sein wird. Insofern sehe ich das Musk-Argument höchstens für eine andere Art von Katastrophe ein, ich sehe nur keine solche 100% auslöschende (künstliche Viren sind mE auch nicht gefährlicher als ein globaler Atomkrieg, d.h. sie töten vielleicht 95% der Menschheit, spätestens ab da überleben isolierte Habitate). Höchstens auf sehr langen Zeitskalen, wenn wir mehr als den Mars besiedeln, sehe ich einen relevanten Überlebensvorteil als Spezies. Desweiteren können weiter verteilte Raumkolonien die Evolution oder auch “nur” die Entstehung neuer Sozio-Kulturen beflügeln, und so erst eine überlegene Spezies erschaffen, die die klassische Menschheit evtl. erfolgreich bekämpft.

      • Zustimmung: Eine von der Erde abhängige Marskolonie gibt der Menschheit insgesamt kaum grössere Überlebenschance.
        Erst wenn sich die Kolonien völlig unabhängig weiter entwickeln gibt es grössere Sicherheit. Dabei kann es auch passieren, dass eine Kolonie eine andere überwältigt. Doch das ist immer noch besser als wenn die gesamte Menschheit im Orkus verschwindet.

  13. Wenn wir aber den Fortbestand der Zivilisation sichern wollen, machen wir uns besser schon jetzt Gedanken darüber, wie man die Auswirkungen von seltenen, aber verheerenden Ereignisse abmildern kann. Wenn wir alles einfach auf uns zukommen lassen, könnte es sein, dass unsere Nachfahren in hundert Jahren mit Speeren durch die Überreste unserer Städte streifen.

    Unkalkulierbare oder nur sehr spekulativ zu bemessende Risikolagen dürfen „einfach so“ hingenommen werden, es lohnt sich nicht hier vorzubauen.
    Insofern leidet auch die sogenannte Zukunftsforschung andauernd.

    Selbst wenn die spekulativ vorgenommene Rechnung korrekt wäre.
    Selbst dann wird wohl nicht den sogenannten Preppern zugesprochen, oder?! :
    https://en.wikipedia.org/wiki/Survivalism

    Das mit dem Herumlaufen mit Speeren ist übrigens nicht denkbar, also vermutlich nicht möglich.


    Ist auch in der Wirtschaft so, dass Risk Management bearbeitet absehbare Risiken und ist ohnehin „ein wenig“ zweifelhaft, wenn es exorbitant geübt wird.
    Das Leben wird einen Weg finden.
    >:->

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Damit wir uns nicht missverstehen: Bei der Beispielrechnung geht um die Gefahr, dass die gegenwärtige technische Zivilisation zusammenbricht. Sie ist auf ständigen weltweiten Handel angewiesen. Wenn er für mehr als zwei bis vier Jahre zusammenbricht, wäre die vernetzte digitale Gesellschaft am Ende. Der Survivialism ist deshalb keinerlei Hilfe, abgesehen davon würde er den Preppern allenfalls einige Monate erkaufen. In diesem Beitrag rechne ich nur einige Risiken zusammen, die teilweise gut bekannt sind. Und das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Wenn wir uns nicht Gedanken darüber machen, wie wir den Auswirkungen begegnen können, ist unser aktueller Zivilisationsstand ziemlich gefährdet.

      • Lieber Herr Dr. Grüter,
        was heißt das denn, wenn unter bestimmten Bedingungen ‘die vernetzte digitale Gesellschaft am Ende wäre’?
        Womöglich findet sich in der genauen Bestimmung dieser Aussage die Antwort.
        Was mit einem ‘Ende’ hier gemeint sein könnte.
        Ansonsten ist es schon so, dass bspw. die Staaten dem Rest der Welt „einen husten“ und dennoch bestehen und prosperieren könnten.
        Ähnlich mag es in anderen Erdregionen aussehen.
        Insgesamt haben Sie hier wohl einen Punkt, den Sie publizistisch bearbeiten, nicht ohne Erfolg hoffentlich, es soll nicht der Eindruck entstehen, dass Ihre Sichten und Anregungen grundsätzlich missbilligt werden.
        Dr. Webbaer ist hier allerdings wesentlich optimistischer, auch in Anbetracht dessen, dass es seit ca. 70 Jahren keine besonderen umgesetzten Krisen mehr gab – sollten diese nun emergieren, und es gibt hier gewisse Hinweise, die an dieser Stelle nicht näher erklärt werden sollen, es handelt sich hier um Umwälzung, die Ihnen sicherlich auch klar ist, aus Sicht einiger der „Knaller“ dieses Jahrhunderts wird, wären dies nicht zivilisationsgefährdend.
        Das mit dem Vulkanausbruch können sie knicken, der gefährdet die terrestrische Zivilisation nicht, der globale Atomkrieg mit 1,5 % p.a. scheint als Risiko zu hoch angesetzt, auch der würde überlebt werden, btw: Wer soll den denn gewinnen wollen?, und extra-terrestrische Risiken sind aus Sicht einiger kaum sinnhaft zu bestimmen.
        MFG
        Dr. Webbaer

  14. @Martin Holzherr

    Israels Arsenal dient der Abschreckung in einer politisch-geografisch sehr prekären Lage.Israel verfügt darüberhinaus über ein erhebliches , U-Boot-gestütztes Zweitschlagspotenzial , was eher auf eine Strategie der Verteidigung hinweist.
    Das Szenario “Atomstaat greift atomwaffenfreien Staat an” (weil er es kann) ist unwahrscheinlich , es wäre sonst bereits passiert.
    Das Eingreifen eines befreundeten Staates ist ebenfalls undenkbar , solche Bündnisse sind im Vorfeld ja bekannt und bedeuten dadurch faktisch den Angriff auf einen Atomstaat.

    Der begrenzte Atomkrieg , der nur einen Teil des Overkill-Potenzials ausschöpft , ist eine sehr theoretische Annahme , warum sollte er nicht eskalieren?
    Kleine Atomkriege zwischen kleineren Staaten , die nur über ein paar Waffen verfügen , sind in ihrem Schaden begrenzt.
    Ich denke schon , daß es einen Unterschied macht , ob der Mensch eine Technologie beherrschen will , es aber nicht immer kann – zivile Kernkraft – oder ob er es will und tatsächlich kann – gewollter Atomkrieg.
    Bei letzterem ist eine Wahrscheinlichkeit von gegen Null nicht unplausibel , ist allerdings ein Bauchgefühl , mit Zahlen o.ä. kann ich das nicht untermauern.

    • Atomwaffen werden wohl nur im Kriegsfall eingesetzt (Hiroshims&Nagasaki passen dazu). Nur bedeutet dies eben auch, dass das Risiko eines Atomkriegs grösser ist als man es in Friedenszeiten einschätzt, denn im Krieg können sich alle Massstäbe verändern und es kann genau die Situation eintreten für die Atomwaffen gedacht sind: es kann plötzlich um das Überleben des Staates gehen und wenn dies ein Atomstaat ist, ist die Versuchung gross, den letzten Trumpf auszuspielen in Form eines finalen Atomschlages gegen den finalen Feind.

  15. Bei starker Verminderung der Sonneneinstrahlung wird man sämtliche Pflanzen in geschlossenen Gebäuden züchten müssen, die mit Kernenergie beleuchtet und beheizt werden.
    Für die Beleuchtung der Pflanzen wurden vor kurzem besonders energiesparende rosa Leuchtdioden entwickelt.
    Um die Produktionskapazität der Nahrungsmittel deutlich zu erhöhen, verwendet man am besten einzellige Algen oder Cyanobakterien anstelle von mehrzelligen Landpflanzen.
    Eventuell sollten wir vorsichtshalber schon jetzt das Urban Farming intensivieren.
    Details:
    https://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?23741

    • Herr Bednarik, das sind gute Ideen und ich habe keinen Zweifel, dass die Menschheit bei entsprechender Vorbereitung einen nuklearen Winter besser übersteht. Nur wäre es extrem teuer, mit Kernenergie betriebene Treibhäuser in der notwendigen Größenordnung anzulegen. Und wenn eine der Atommächte ein solches Projekt vorantreiben sollte, würde sie von ihrenn Nachbarn verdächtigt, einen Atomkrieg vorzubereiten …

    • Synthetisch hergestellte Nahrung könnte in ferner Zukunft die Lösung für Nahrungskatastrophen oder/und für die Ernährung in Weltraumhabitaten und Marskolonien sein. Dazu fallen mir zwei Ansätze ein.
      1) Proteine, Fette und Kohlenhydrate werden in einem Reaktor direkt aus Grundchemikalien hergestellt (Vorgeschmack hier)
      2) Synthetische Organismen als Produkt der Synthetischen Biologie (DNA des Organismus wird komplett künstlich hergestellt) erzeugen gelöste Nahrung in Bioreaktoren mittels künstlicher Mikroorganismen, die an Eschericha Coli oder Hefe erinnern (der Huffingpton Post-Artikel You Need to Know: All About Synthetic Biology Foods diskutiert dieses Thema.

      • Spirulina gehört zu den Cyanobakterien und ist als Prokaryot nahezu die einfachste zur Assimilation fähige Lebensform.
        Die Trockenmasser von Spirulina enthält rund 59 Prozent Proteine mit allen essentiellen Aminosäuren.
        Spirulina wurde 1974 von der WHO als “Bestes Nahrungsmittel der Zukunft” bezeichnet.
        Die FAO erinnerte in 2008 an die Bedeutung von Spirulina und forderte alle Nationen auf, den Anbau weiterzuentwickeln und zu intensivieren.
        Die Vereinten Nationen haben die Organisation IIMSAM gegründet, die den Anbau von Spirulina weltweit zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung fördert.

        • Spirulina, Hefe und Pilze alles selbst in einem unterirdischen Bunker mit einer lokalen Energiequelle hergestellt wäre eine Möglichkeit zur Selbstversorung. Die zum Überleben Bestimmten könnten so Jahre bis Jahrzehnte nach einem grossen Atomkrieg oder dem Ausbruch eines Supervulkans überstehen. Wenn man an hunderttausende, ja Millionen von Jahren der menschlichen Besiedelung der Erde glaubt, dann werden solche fast die ganze Menschheit vernichtende Katastrophen mit Sicherheit eintreten. Eine am Überleben interessierte Menschheit sollte sich also auf solche Ereignisse vorbereiten.
          Zwar würde auch ohne Vorbereitung einige Menschen eine Katastrophe wie den Einschlag eines Asteroiden der Chicxulub-Klasse oder den Ausbruch eines Supervulkans überstehen, doch diese in der Natur Überlebenden würden möglicherweise über die Jahre der Entbehrung und des Kampes hinweg alles vergessen und verlieren was die menschliche Zivilisation ausgemacht hat.
          Die zum Überleben Bestimmten dagegen wären als Träger und Wiederaufbauer der Zivilisation gedacht.

          • Herr Holzherr, ich fürchte, dass auch die Überlebenden in einem sehr gut ausgestatteten Bunker die Zivilisation nicht aufrechterhalten könnten. Machen wir ein Gedankenexperiment: Mit 100, 1000 oder 10000 Menschen könnte man sicher keine Zivilisation nach heutigem Standard aufrechterhalten. Es würde einfach an Spezialisten fehlen, an Fachkenntnissen z.B. über den richtigen Bau von Abwasseranlagen oder selbst das Ziehen von großen Glasscheiben. Selbst eine Million Menschen wären noch zu wenig. Wenn man bedenkt, dass unsere Zivilisation Rohstoffe, Bauteile und Fertigprodukte aus der ganzen Welt bezieht, dann müssten wohl einige hundert Millionen Menschen überleben, um uns weiterhin mit Fernsehern, Handys und Antibiotika auszustatten. So groß könnten die Bunker aber kaum sein.

          • Man kann das gesamte Wissen der Menschheit, auch das Wissen über alle Details aller Produktionsvorgänge, und auch alle Nukleinsäuresequenzen und Proteinstrukturen, bequem in einem gut abgeschirmten Computer unterbringen.
            Dann benötigt man noch einige möglichst universell einsetzbare Produktionsmaschinen, Synthesesysteme, Roboter, und hoffentlich bald auch Nanomaschinen.
            Dieses Gesamtsystem sollte sich auch selbst reparieren und duplizieren können, was man von vornherein in der Art seiner Bauteile berücksichtigen sollte.
            Mit etwas Glück und technischer Phantasie schafft man dann sogar eine Ein-Personen-Zivilisation.

          • @Thomas Grüter: Einen grossen Atomkrieg oder den Ausbruch eines Supervulkans ( VEI 8+) würden wohl nur einige Millionen Menschen überleben. Die heutige Zivilisation wäre nicht aufrechtzuerhalten, aber eine reduzierte, aufbaufähige Zivilisation wäre möglich. Dazu müsste der Zerfall der Ordnung mit neu aufkeimender Gewalt mindestens lokal (im Wiederaufbaugebiet) gestoppt werden und das gerettete Wissen in den Umständen angepasste Kompetenzen umgeformt werden. Im Idealfall wäre die Restgesellschaft schon bald wieder auf einem Wachstums- und Fortschrittspfad. Ein paar tausend speziell für einen solchen Fall vorbereitete Experten könnten die Basis dafür bilden. Hochtechnologie würde nicht an erster Stelle stehen, sondern Expertise in den Bereichen Landwirtschaft, Rohstoffe, Transport, Infrastruktur und Unterhalt/Reparatur von “überlebenden” Technologien.
            Das wäre eine sinnvolle Vorbereitung auf eine Grosskatastrophe. Für kleinere Katastrophen wie ein Carrington-Event oder einen regionalen Atomkrieg wären spezifischere Vorbereitungen sinnvoll.

          • Man sollte sicherlich überlegen, wie man unter solchen Umständen den Fortbestand der Zivilisation sichern kann. Nach dem Zerfall des Römischen Reichs im fünften Jahrhundert vergingen allerdings etwa 1200 Jahre, bis ein vergleichbarer Stand wieder erreicht wurde.

          • @Thomas Grüter (Zitat):

            Nach dem Zerfall des Römischen Reichs im fünften Jahrhundert vergingen allerdings etwa 1200 Jahre, bis ein vergleichbarer Stand wieder erreicht wurde. Die hellenistische Kultur überlebte in vielen Städten und Ländern die Römische um Jahrhunderte und Renaissance und Humanismus bauten auf der griechischen, nicht der römischen Kultur auf. Warum war die römische Kultur so wenig resilient? Weil das römische Reich auf einem Zentrum beruhte, welches nur funktionieren konnte, wenn eine zielgerichtete Politik verfolgt wurde und genügend grosse, reichsweite Steuereinnahmen eingetrieben wurden. Die griechische, heutige und zukünftige Kultur und Zivilisation wird als Grundbaustein Städte und mit diesen Städten verbundene Personen haben. Die Zivilisation und Kultur der Zukunft optimiert das Potenzial seiner Mitglieder im Rahmen von kooperierenden Städten und nicht mehr im Rahmen von Grossmächten.

  16. Was wären realistische Vorbereitungen für eine globale Verdunkelungs-/Abkühlungs-Katastrophe nach einem Atomkrieg oder grossen Vulkanausbruch?
    Diese Frage sollte sich die UNO, aber auch jedes einzelne Land stellen. Meiner Ansicht nach sind Vorbereitungen ähnlich zu einer Kriegswirtschaft die beste Antwort: Man müsste Nahrungsmittel rationieren und zwar angepasst an die sich entwickelnde Lage. Zugleich müssten sofort Anbauprogramme an klimatisch günstigen Stellen gestartet werden um die Ernteausfälle mindestens teilweise zu kompensieren. Richtig schwierig würden die Entscheidungen dann, wenn es klar würde, dass nicht alle überleben können und viele Millionen dem Hungertod geweiht wären. Dennoch ist die Aufrechterhaltung der Ordnung und ein Nahrungsverteilungs- und rationierungsregime wohl immer noch besser als der Ausbruch von offenem Chaos.
    Mir scheint auch, dass es zu spät ist, erst zu reagieren, wenn eine solche Katastrophe eintritt. Die Antwort auf eine solche Situation müsste jetzt in Grundzügen ausgearbeitet werden.

  17. Nach einer Arbeit(1) des Physikers Peter Riley ist die Wahrscheinlichkeit für ein Carrington-ähnlichen Ereigbnis bedeutet höher (12% in den nächsten 10 Jahren). 2012 hatte unsere blaue Murmel nochmals SEHR, SEHR großes Glück…

    (1)http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2011SW000734/full

    • Mit einem Carrington Event wie 1959 (Telegraphen- und Stromausfälle) ist gemäss Eisschild-Archiven alle 500 Jahre zu rechnen. Umstritten sind die Auswirkungen, ein Zivilisationszusammenbruch aber gehört sicher nicht zu den Risiken. Gemäss Wikipedia sind milliardenteure Satellitenschäden/ausfälle ziemlich sicher und ebenso tagelange Strom- und Radioverbindungsausfälle (Mehrere Billionen Dollar Schäden weltweit). Glasfaserkabel sind dagegen sicher.
      Nach einem Carrington-Event muss vieles repariert werden, aber Systeme wie das Internet würden kaum vollständig ausfallen.

      Die Zerstörung New Yorks wäre um ein Mehrfaches teurer (160 Billionen Dollar) als die Folgen eines Carrington-Events (16 bis 48 Billionen Dollar).

      • Sorry, Die Zerstörung New Yorks (genauer Manhattans) würde nur 160 Milliarden (160 billions) Dollar kosten, also viel weniger als die mehreren Billionen (trillions) Dollar, die ein Carrington-Event kosten würde.

        Fazit: Ein Carrington-Event hinterliesse Schäden in der Grössenordnung von 1/10 bis 1/2 des Welt-BIP und würde damit für Jahre Spuren hinterlassen. Aber ein Zivilisationszusammenbruch würde dies wohl kaum auslösen.

        • Ich sehe das nicht annähernd so optimistisch. Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages hat im Jahr 2011 eine Studie über die möglichen Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls verfasst. Das Ergebnis lautet kurzgefasst: Nach einer Woche bricht die Ordnung zusammen. Wenn es zwei Monate dauert, um die Stromversorgung nach einem geomagnetischen Sturm von der Größe des Carrington-Events wieder herzustellen, wäre unvorhersehbar, in welchem Zustand sich Europa und Nordamerika befinden. Sollte auch China und Japan betroffen sein, dann wäre auch Produktion der modernen Mikroelektronik und Digitaltechnik komplett unterbrochen. Es ist eine gute Frage, wie schnell das repariert werden kann, wenn überhaupt.

  18. “Designated Survivors” als Zivilisations-Prepper wären eine mögliche Vorbereitungsmassnahme grosser Länder für den Fall eines Massensterbens in dem nur Promille der heutigen Menschheit überleben. Denkbar wäre, dass die USA, China, Indien, die EU, usw. eine ständige Mannschaft von je einigen hundert zum Überleben Bestimmten besitzt, die sich jederzeit an einem sicheren Ort befinden (zum Beispiel tief unter der Erdoberfläche) und die so ausgebildet sind, dass sie den Samen einer neuen Zivilisation bilden können. Jedes Mannschaftsmitglied wäre vielleicht 5 Jahre im Dienst und wüsste selbst nicht wo es sich befindet, so dass es sein Wissen auch nicht weitergeben könnte.

    Ohne solche vorbestimmten Überlebenden und die dazugehörige Überlebens- und Wiederaufbau-Technologie würden zwar möglicherweise ebenfalls einige tausend Leute eine noch so schlimme Katastrophe – wie einen weltweiten Atomkrieg – überstehen. Doch diese wären dann plan- und hilflos und mit nichts anderem als dem eigenen Überleben beschäftigt. Vorbestimmte Überlebende, die beispielsweise mindestens 10 Jahre ohne Verbindung zur Aussenwelt überleben könnten, hätten bessere Voraussetzungen für das Überleben und den nachfolgenden Wiederaufbau.

    • Grosse Atomkriege wären die Haupauslöser von Massensterben, die nur einige Millionen oder gar nur einige Tausend Menschen über Jahre/Jahrzehnte überleben liessen. Nach einer Studie von 2014 genügen aber schon 100 Nuklearexplosionen über Städten für eine starke Abkühlung mit einer Normalisierung erst nach 25 Jahren:

      Killing frosts would reduce growing seasons by 10–40 days per year for 5 years. Surface temperatures would be reduced for more than 25 years, due to thermal inertia and albedo effects in the ocean and expanded sea ice. The combined cooling and enhanced UV would put significant pressures on global food supplies and could trigger a global nuclear famine.

      In solche einem Fall eines regionalen Atomkrieges würden wohl mehr als eine Milliarde Menschen überleben, allerdings würde die Zivilisation wie wir sie kennen wohl vorübergehend zusammenbrechen. In solch einem Fall wäre es auch schwierig die Ordnung aufrechzuerhalten und beispielsweise eine sinnvolle Rationierung von Nahrungsmitteln durchzusetzen, denn die staatliche Ordnung würde wohl zusammenbrechen.

  19. Weiß man eigentlich etwas darüber, wie empfindlich elektronische Speicher auf ein Carrington-Ereignis reagieren könnten? Wären dann die Datenbanken von Ämtern, Banken, Firmen, wissenschaftlichen Institutionen unter Umständen futsch? Und die “Cloud”?

    • @Paul Stefan
      Die Speicher an sich sind wohl nicht direkt betroffen, da die erwarteten magnetischen Fluktuationen als langwellig angenommen werden und daher lange Stromleitungen betreffen. Allerdings wird das gesamte Stromnetz Überspannung erhalten und alles, was am Strom hängt, kann mWn ähnlich wie bei einem Blitzschlag ebenfalls betroffen sein. Das heißt, vom Netz abgekoppelte oder gegen Überspannung geschützte Datenträger wären wahrscheinlich sicher. Wie empfindlich angeschlossene Datenträger sind, weiß ich allerdings nicht – kann gut sein dass die auch überleben, wenn das PC-Netzteil zerstört wird.

  20. Es gibt viele Firmen, die Computerdaten unterirdisch oder in Bunkern gegen Atomkriege, EMP’s und geomagnetische Stürme sichern. Wenn aber anschliessend an solche Ereignisse die Zivilisation zusammenbricht, nützt das nichts. Ich denke, dass unsere Zivilisation resilienter werden muss und dass selbst Vorkehrungen getroffen werden sollten, um nach einem Massensterben mit Zusammenbruch der Zivilisation einen Wiederaufbau zu ermöglichen. Heute werden solche Gefahren von den alltäglichen Sorgen wie Kriegen oder gefährlichen politischen Entwicklungen in den Hintergrund gedrängt. Tatsächlich sind selbst Ereignisse wie der 2. Weltkrieg so disruptiv, dass sie alles andere vergessen lassen. Wenn ganze Städte zerbombt, Millionen von Falsch-Rassigen oder/und Lebensunwürdigen eliminiert werden und die Kriegsparteien an der ultimativ zerstörerischen Waffe bauen, dann befindet man sich schon am Zivilsationsabgrund und das nicht wegen eines externen Ereignisses, sondern bewusst herbeigeführt. Die Zivilisation resilienter machen durch Vorkehrungen gegen Karastrophen macht vor allem Sinn, wenn diese nicht vorhersehbaren, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwann eintretenden Katastrophen das grösste Risiko für die Menschheit darstellen und andere Risiken – wie die eines dritten Weltkrieges – im Vergleich dazu klein sind. Mehr Resilienz schaffen macht also vor allem Sinn, wenn die Menschen schon im Frieden leben und Ihre grösste Sorge ist, ob auch die Enkelkinder der Enkelkinder das noch tun können. Aber wer denkt heute an die Enkelkinder der Enkelkinder?
    Dass die langfristigen Folgen der Klimaerwärmung wie mehrere Meter Meeresspiegelanstieg die meisten wenig kümmert, zeigt, dass wir heute die nötige Langfristperspektive nicht besitzen, die es bräuchte um eine höhere Zivilisationsresilienz zum Thema zu machen.

  21. Leben wir in der besten aller Welten oder mindestens in der Welt zu der es keine Alternative gibt? Kann es unsere technische Zivilisation nur in einer Welt hoher Arbeitsteilung mit Millionen oder gar Milliarden Menschen geben, die darin eine bestimmte Aufgabe wahrnehmen?
    Ich denke nein. Eine hochtechnisiserte Zivilisation ist auch auf einer Welt mit nur einigen Millionen Menschen möglich. Es sind ökonomische Gründe, welche eine Arbeitsteilung über den ganzen Globus vorantreiben. Doch wenn es sein müsste, könnte beispielsweise die USA ganz für sich allein eine hochstehende technische Zivilisation aufrechterhalten. Oder gar Deutschland. Gerade die nächste, anstehende Industrialisierungsphase, die mit einer noch weitergehenden Digitalisierung einhergeht, benötigt eher geeignete Software und einige tausend ICT-Fachleute anstatt Millionen von Spezialisten aus allen möglichen Bereichen.
    Allerdings gibt es heute kein Rückfallszenario. Schon die Zerstörung einiger grosser Chipfabriken oder der Ausfall einiger wichtiger Herstellerländer könnte heute die gesamte technische Zivilisation gefährden. Doch das muss nicht so sein. Eine Welt, die mit dem Schlimmsten rechnet und die Vorsorge für solche Szenarien trifft, könnte auch ernsthafte Einbrüche in der globalen Lieferkette einstecken.

    • Allerdings gibt es heute kein Rückfallszenario. Schon die Zerstörung einiger grosser Chipfabriken oder der Ausfall einiger wichtiger Herstellerländer könnte heute die gesamte technische Zivilisation gefährden.

      Da bin ich ganz ihrer Meinung. Genau dieses Problem habe ich in meinem Buch “Offline” angesprochen. Und ich stimme Ihnen auch zu: die Welt sollte sich Gedanken machen, wie sie sich am besten darauf vorbereitet. Aber bisher wollen die meisten Menschen das alles gar nicht so genau wissen …

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