Glyphosat und Krebs – welche Studie stimmt denn nun?

So’n bisschen ist Krebs ja das, was Terrorismus für die Sicherheitspolitik ist: Man klebt das Label auf irgendwas drauf und jagt den Leuten so lange Angst ein, bis man seinen Willen bekommt. Aber: Nur weil Krebs instrumentalisiert wird, gilt noch lange nicht der Umkehrschluss, dass es kein Krebsrisiko gibt. Womit wir beim leidigen Thema Glyphosat wären, über dessen Neuzulassung die EU derzeit verhandelt.

Da gibt es nun also zwei prominente Studien, in denen zwei unterschiedliche Organisationen die verfügbare Literatur über Glyphosat und Krebs ausgewertet haben. Die Ergebnisse deuten in sehr unterschiedliche Richtungen. Jetzt kloppen sich alle ganz furchtbar, ob nun das BfR oder die IARC unwissenschaftlich, korrupt und gekauft ist.

Die Diskussion ist aber Unsinn, schon weil die ganze Glyphosat-Geschichte im Kern keine wissenschaftliche, sondern eine weltanschauliche Debatte ist.[1] Wissenschaftlich interessant daran ist vor allem das, was längst völlig unter den Tisch gefallen ist: Die beiden Institutionen bewerten zwei verschiedene Dinge. Der Unterschied zwischen ihnen ist so fundamental für das Thema Krebs, dass es sich lohnt, ihn noch mal aufzugreifen.

Potenzial und Risiko

Ich hatte ja schon gelegentlich anklingen lassen, dass ich die Einstufungsskala der IARC für sehr unglücklich halte (da bin ich auch nicht der einzige), die Bewertungen selbst sind aus wissenschaftlicher Sicht aber vertretbar, denke ich. Der springende Punkt ist aber, dass die Aussagen der Organisation aus praktischer Sicht eben nur die halbe Geschichte sind.

Die IARC bewertet das Potenzial von Stoffen, Krebs zu erzeugen – aber eben nicht das Risiko, das von diesen Stoffen ausgeht. So findet man in der Kategorie 1 (sicher krebserzeugend) der IARC neben Tabakrauch, der für zigtausende Krebstote im Jahr verantwortlich ist, auch Holzstaub und Sonnenstrahlung. Ich habe das Prinzip in WWAS Nummer 19 anhand einiger alltäglicher Stoffe kurz erklärt:

Die andere Hälfte der Geschichte ist die Frage, wie relevant das ist. Konkret, ob ich nun Krebs bekomme, wenn ich morgens auf der Terrasse in der Sonne frühstücke oder – konkret bei der letzten großen Krebsgeschichte – regelmäßig Wurst esse. Diese Frage ist etwas schwieriger zu beantworten, weil das Krebsrisiko durch eine Substanz auch von der Menge abhängt und von einigen anderen Sachen.

Dieses Risiko versucht das BfR in seinen Gutachten zu ergründen und vor allem zu bewerten, ob dieses Risiko relevant ist. Das ist – im Gegensatz zu den Gutachten der IARC – keine rein wissenschaftliche Einschätzung, sondern auch eine politische. Das muss auch so sein, weil diese Empfehlungen Teil eines politischen Prozesses sind. Man stelle sich vor, man wollte alles verbieten, was die IARC in ihren Kategorien 1 und 2 (sicher, wahrscheinlich, möglicherweise krebserregend) eingestuft hat.

Wissenschaft und Politik

Das BfR stellt sich nach seiner Analyse auf den Standpunkt, dass bei sachgerechter Anwendung kein höheres Krebsrisiko zu erwarten sei. Das gab natürlich großes Geschrei wegen der vermeintlichen Differenz zur IARC-Monographie. Bei Lichte betrachtet ist die BfR-Einschätzung mit der Bewertung der IARC aber völlig vereinbar, weil eben beide Gutachten zwei unterschiedliche Dinge betrachten: Die Möglichkeit, dass ein Stoff überhaupt Krebs erzeugt, und die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Alltag durch diesen Stoff Krebs bekommen.

Beim Lesen des IARC-Gutachtens sieht man ja auch, dass die Studien gerade in den Tierversuchen meist sehr hohe Glyphosat-Konzentrationen verwenden, die im Alltag kaum realistisch sind.[2] Die Aussagekraft solcher Studien für Stoffmengen, die um mehrere Größenordnungen niedriger sind, ist damit natürlich begrenzt. Die dadurch entstehende Wissenslücke müssen andere füllen. Das sind Organisationen wie das BfR, die EPA in den USA oder auch das Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues, die im Gegensatz zur IARC tatsächlich politische Empfehlungen abgeben.

Es gibt übrigens, nur so als Nachgedanke, einen weiteren Grund, weswegen man in Sachen Glyphosat mit einem Vergleich der IARC- und BfR-Urteile vorsichtig sein sollte. Anders als das BfR hat die IARC nicht nur den Wirkstoff Glyphosat betrachtet, viele der zitierten Studien prüften ganze Zubereitungen – und die sind Gemische des Herbizids selbst mit Hilfsstoffen.

Diese Hilfsstoffe sind ziemlich weit verbreitet, weil sie zum Beispiel Lagerstabilität oder Sprühfähigkeit erhöhen. Ich habe mich damit bisher nur kursorisch beschäftigt, aber mein Eindruck ist, dass diese Substanzen weit weniger gut geprüft sind als die eigentlichen Wirkstoffe. Ich möchte wetten, dass wir dieses Thema bald noch mal prominenter auf den Tisch bekommen – ob Glyphosat nun zugelassen wird oder nicht.
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[1] Das ist nicht Thema dieses Beitrags, deswegen führe ich das nicht weiter aus. Wenn man sich jedenfalls den Ursprung der Anti-Glyphosat-Bewegung mal anguckt, dann merkt man eben relativ schnell, dass die vermeintlichen oder tatsächlichen Gefahren des Herbizids nicht der Ausgangspunkt der Verbotsinitiative waren. Eigentlich kommt das aus der Anti-Gentechnik-Ecke.

[2] Für die Zielsetzung der IARC ergibt das auch Sinn, denn es geht ja erstmal nicht um realistische Risiken, sondern um das grundsätzliche Potenzial. Eine andere Frage ist natürlich, wie hilfreich das ist.

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting.

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31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein ehemaliger Mitarbeiter des “Bundesinstitut für Risikobewertung” zu dem Vorgehen dieser Institution:

    – Welche Stoffe von diesem Institut untersucht werden, bestimmt die Industrie selbst.

    – Die “Studien” zur Beurteilung eines Risikos kommen ebenfalls von der Industrie selbst.

    – Und die Daten auf denen diese Studien basieren, sind “Betriebsgeheimnis” der Industrie.

    Quelle:
    “Das stille Gift – Wenn Pestizide krank machen”
    https://www.youtube.com/watch?v=PkDdocC_7bQ
    ab Minute 22

    Auch ein Blick in Lobbypedia und Lobbycontrol zeigen wie unseriös dieser Laden ist. Das Ganze ist in meinen Augen eine reine White-Washing-Veranstaltung – es handelt sich eher um das Bundesinstitut für Risikoverschleierung.

    Dein Hinweis auf andere bedenkliche Wirkstoffe außer dem Glyphosat in den entsprechenden Produkten ist nicht neu, und kommt übrigens nicht aus irgendeiner Anit-irgendwas-Ecke, sondern von Wissenschaftlern. Auch gibt es viele entsprechende Erfahrungsberichte von Bauern und Anwohnern überall auf der Welt, Menschen die täglich Umgang haben mit diesen Produkten, die sich nicht wegdiskuttieren lassen.

    Quellen:

    Gift im Acker, Glyphosat – die unterschätze Gefahr, „WDR – Die Story“
    https://www.youtube.com/watch?v=tWZspPPB85U

    Chronisch vergiftet – Monsanto und Glyphosat (ARTE Doku)
    https://www.youtube.com/watch?v=_VO2E4O0YhU

    Wenn du den Angaben nachforschst die von den Wissenschaftlern in diesen beiden Reportagen gemacht werden, kannst du sicher mehr dazu sagen wie gefährlich diese Produkte sind.

    Was mich immer ärgert bei all den Nachrichten-Meldungen, ist, daß nie dazu gesagt wird, ob nun der reine einzelne Wirkstoff getestet wurde, oder das ganze Produkt. Denn das ist natürlich entscheidend.

    Ich sach mal, wenn ich jemandem ein Glas Apfelsaft hinstelle, und schütte heimlich Blausäure rein, und der kippt dann tot um, kann ich zu Recht sagen “Der Apfelsaft kanns aber nicht gewesen sein!”
    (“Plausible Denial” heißt das)

    Aber das Glyphosat an sich scheint mir schon giftig genug zu sein, um diese Produkte zu verbannen.

  2. Man könnte durchaus auch erwähnen, dass das IARC u.a. Séralini mehrfach zitiert und statistisch nicht sauber vorgeht.

    Muss man eigentlich nicht unter den Tisch fallen lassen, auch wenn draußen irgendwo WHO draufsteht. Das IARC macht deswegen nicht automatisch einwandfreie Arbeit.

    • Ob das IARC sauber arbeitet oder nicht, ist eigentlich auch nicht so wichtig bei der Frage, wie die unterschiedlichen Bewertun gen zustande kommen. Denn bei Licht betrachtet sind sie gar nicht so unterschiedlich. Das IARC prüft nur, ob ein Stoff einepotentielle Gefahr darstellt, egal, wie er genutzt wird. andere Institutionen, wie das BfR beispielsweise schauen dagegen, ob bei sachgemäßem Gebrauch ein Risiko besteht. Irgendjemand hat das mal so verglichen: Das IARC sieht in einem Hai eine potentielle Gefahr für den Menschen, denn er ist groß, hat kräftige Kiefer und sehr scharfe Zähne. Er kann einen Menschen verletzen oder sogar töten. Das BfR hingegen sieht auch nach, wo sich der gefährdete Mensch befindet, denn es macht durchaus einen Unterschied bei der Bewertung des vom Hai ausgehenden Risikos, ob ich gerade in seiner Umgebung bade, oder ob ich ihn in einem Aquarium beobachte.

    • Was heißt hier eigentlich “draußen WHO draufsteht” und “nicht automatisch”? Das ist eine ziemlich unverschämte Unterstellung.

      Ich habe die Monographie komplett gelesen und mir ein Urteil gebildet. Was heißt “statistisch nicht sauber” konkret?

      Unser Freund Séralini wird im Text, wenn ich mich recht erinnere, zwei mal referenziert. Und einmal schreibt die IARC explizit dazu, dass seine Studie zu schrottig ist, um berücksichtigt zu werden. Solche Anmerkungen sind für IARC-Gutachten nicht eben typisch.

      • >Was heißt hier eigentlich “draußen WHO draufsteht” und “nicht automatisch”? Das ist eine ziemlich unverschämte Unterstellung.

        Ich hatte das bewusst allgemein formuliert und du nimmst es persönlich… :). Unsere Presse tut sich derzeit schwer, weil beides mal “WHO” draufsteht… wie auch schon deine Überschrift sagt. Darauf spiel ich an. Hätte ich vielleicht anders formulieren sollen… sehe ich ein.

        Séralini und seine Mitarbeiter(Mesnage, Benachour und co.; CRIIGEN) werden mehrfach zitiert (siehe Literaturverzeichnis), und in der Regel eben nicht kritisch. Der Mann ist seit Jahren (unabhängig von der Rattenstudie!) einschlägig bekannt für seine voreingenommene und methodisch schlechte Arbeit, und das eben nicht grundlos. Daten werden verschleiert, es wird inkorrekt zitiert, merkwürdige Statistikmethoden verwendet, man veröffentlicht in predatory journals.

        Was auch auffällt ist, dass man Teile einzelner Paper zitiert, in der Effekte beschrieben werden, aber dann nicht umfassend genug auf die statistische Aufarbeitung eingeht. Siehe z.B. Bolognesi et al (2009). Dort steht: “Based on the applicable Bradford–Hill guidelines (Hill, 1965), it is not possible to assign causality to the increases in frequency of BNMN observed in our study.” Der Teil fehlt beim IARC. Wäre irgendwie wichtig, nicht?

        • Ah, OK, jetzt versteh ich was du meintest: IARC vs. JMPR. Das stimmt, das ist etwas unglücklich gelaufen.

          Seralini taucht tatsächlich im Literaturverzeichnis häufiger auf, das hatte ich nicht gesehen. Wie gesagt, im Text kriegt er auf die Nase. Der Mann ist ein Betrüger, das stimmt.

          Grundsätzlich bin ich aber dagegen, den kompletten Review wegen solcher und statistischer Schwächen zu verwerfen, in dem Sinne, dass man unterstellt, das Ergebnis bewusst herbeianalysiert zu haben. Mein Eindruck ist, dass die Evidenz bei den Tierversuchen in der Summe glaubwürdig ist.

          Die praktische Relevanz des ganzen bezweifle ich schon eher.

  3. Wenn jemand als “Quellen” nur bringen kann, was irgendwelche Fernsehfuzzies per youtube erzählen – dann kann man das gleich in die Tonne treten.

    Seriöse oder gar belegbar sind diese Vorwürfe alle nicht.

    • @R.A.: Weder zitierst noch widerlegst du auch nur einen der Wissenschaftler oder Bauern oder Patienten, die sich in den Reportagen geäußert haben. Solange du das nicht tust, ist dein Kommentar eine absolute Nullaussage.

      Ob eine Äußerung im Fernsehen geäußert wird oder im Internet oder in der Zeitung, ist außerdem völlig egal. Auf die Quelle kommt es an, nicht auf das Medium. Also: Widerlege doch erst mal die Erkenntnisse der Wissenschaftler, die in der Reportage zu Wort kommen, dann reden wir weiter. Dazu müßtest du freilich Quellenstudium betreiben, sprich, die Reportagen sehen und dann die Angaben darin nach-recherchieren…

      • @Annie: Falsche Herangehensweise. Um beim Hai-Beispiel zu bleiben: der Typ im Fernsehen sagt “letztes Jahr hat ein Hai zehn Robben totgebissen, also sind Haie gefährlich!” Du verlangst allen Ernstes, dass wir so eine Aussage diskutieren, ohne die Hintergründe zu kennen und ohne zu wissen, wie der Typ zu dieser Erkenntnis gelangt ist, die er da so hübsch verkürzt referiert?

        Sorry, aber so funktioniert das nicht. Zumal bekannt ist, dass einige dieser Studien methodisch unsauber hoch drei sind.

        Nicht zuletzt ist es für die Risikobewertung unzulässig, “Glyphosat” mit “kein Glyphosat” zu vergleichen. Stattdessen kommt man in einer vernünftigen Diskussion nicht drum herum, als Kontrollsituation “der vorher angewendete Pestizidcocktail und dessen Rückstände” zu verwenden.

  4. @Gunnar:
    Es ist nicht meine Aufgabe, sondern Aufgabe der Politik, festzustellen welche Stoffe gesundheitlich zulässig sind und welche nicht. Das ist immer die Aufgabe der Politik, nicht die des Bürgers, egal um welches Gebiet es geht – dafür wählen wir, weil eben nicht jeder Bürger sich auf allen Gebieten auskennt.

      • *hust* Da muss ich mal widersprechen. Einerseits haben Meinungen (also z.B. Weltanschauungen) sehr wohl einen Platz im politischen Diskurs, und zweitens sind Fakten oft nicht hilfreich.

        Zum Beispiel ist beim Thema Krebs durch Wurst Fakt, dass sich das allgemeine Krebsrisiko durch 50 Gramm Wurst etwa um ein Zehntelprozent (wenn ich mich Recht erinnere). Das heißt, es gibt nachweislich ein paar Krebstote mehr. Rechtfertigt das nun ein Verbot?

        • Da hab ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. ich wollte eigentlich nicht unbedingt Meinung als solche diskreditieren. Aber sie sollte begründbar und nachvollziehbar sein.
          So gesehen könnte man ein Verbot oder zumindest eine Einschränkung von beispielsweise Wurst diskutieren. Es wäre aber irgendwie seltsam, würden wie Wasser (DHMO) verbieten (immerhin ist das ja nachweislich auch gefährlich), aber andere, weit gefährlichere Stoffe ignorieren. Wenn wir Risiken nicht mehr akzeptieren, sollten wir das auch mit nachvollziehbaren Argumenten untermauern können.

  5. @Lars: Ich kenne den (deutschen) Wikipedia-Eintrag dazu. Und Nein, “plausible denial” ist *nicht* falsch, sondern einfach nur das passende Substantiv aus der Perspektive desjenigen der abstreitet: Ein glaubhaftes Abstreiten (aktiv). Das ist abgeleitet von der passiven Form, die du ansprichst.

    Im Übrigen hast auch du keinerlei Gegen-Argumente gebracht auf die Äußerungen in den Reportagen, warum weiß ich nicht, stattdessen redest du von Propaganda-Schlacht. Was soll dieses Vorgehen? Ich denke du bist auf Argumentation aus? Ich habe dir beigepflichtet, daß eben nicht nur ein Stoff allein bedenklich sein kann, und würde mir wünschen, du würdest das eben nicht als Rand-Notiz behandeln (du hattest ja in deinem Blogeintrag geschrieben, um dieses Thema solle es nicht gehen). Ich finde das Thema sehr wichtig, ich finde es ist eben nicht nur eine Rand-Notiz wert. Es ist doch eigentlich eine banale Erkenntnis, daß immer das gesamte Produkt zu betrachten ist, das auf die Felder ausgebracht wird, und nicht nur ein Teil-Wirkstoff. Warum wird diese aber nie beachtet?

    Und was hast du gegen Lobby-Kontrol, warum erheitert dich das? Argumente, bitte. Und zwar SACHLICH.

    • Hallo Annie.

      Nein. Ich kenn die Masche. Ich werde mich ganz sicher nicht darauf einlassen, von dir tonnenweise Links an den Kopf geworfen zu bekommen und dann jeden einzelnen zu diskutieren. Dann werd ich in der nächsten Runde nur mit noch nem Dutzend anderer Links beworfen.

      Und ja, ne Kommentarspalte mit einem Haufen vermeintlicher Beweis-Links zu fluten ist ein Standardmittel der Propaganda.

      Lobbycontrol finde ich deswegen immer ausgesprochen erheiternd, weil der Verein – anscheinend ohne es zu merken – selbst ein Beispiel für den Einfluss von Lobbyismus ist. Lobbycontrol zitiert nämlich selbst Lobbyorganisationen als Quellen, zumindest war das so als ich mich zum letzten mal damit befasst hat. Und was in der Lobbykritik ganz und gar nicht geht ist, sich auf die Seite bestimmter Interessenvertreter zu stellen.

  6. @ Annie

    Forschungsfrage: Wieviele Naturwissenschaftler gibt es eigentlich im Team bzw. Vorstand von Lobbycontrol? Hm, komisch – null. Erklärt aber viele ihrer Kampagnen.

  7. Die IARC-Studie wurde von einem Expertengremium geschrieben mit dem Vorsitzenden Christopher Portier, der bekannt ist als ein Anti-Gentech-Aktivist in mehreren fundamentalistischen Gruppen, u.a. dem ‘Environmental Defence Fund’, er hat sogar eine unterstützende Publikation für Séralini geschrieben, der nun wirklich nicht mehr ernst genommen werden kann:

    Portier, C., Goldman, L., & Goldstein, B. (2014). Inconclusive findings: now you see them, now you don’t! – Editorial. Environmental Health Perspective, 122(2), pp. A36. http://ehp.niehs.nih.gov/1408106/ AND http://www.ask-force.org/web/Seralini/Portier-Inconclusive-Findings-Now-You-20140201.pdf

    • Jaja, ich weiß. Aber das ist Vom Ding her wie der erste Kommentar: Das Ergebnis passt mir nicht, also diskreditiere ich die Organisation. Die gleiche Masche, die jetzt grad (wenn auch dreister) gegen das JMPR abgezogen wird, mit der angeblichen Bestechung um vier Ecken.

      Das wird langsam echt lahm. Das sind große Gremien, und so’n Vorsitzender ist nicht der allmächtige Gottkaiser, der das Ergebnis bestimmt. Und wenn solche Reviews nicht robust genug sind, um ein paar schlechte Studien abzufangen, können wir den Laden gleich dicht machen, denn manipulierte Papers gibt’s wie Sand am Meer.

      Man müsste mir da schon anhand konkreter Beispiele glaubhaft machen, wo da manipuliert wurde, wie zum Beispiel im Kommentar von David oben. Ich hab mir die Monographie durchgelesen und finde, dass die Schlussfolgerungen am Ende durchaus vertretbar.

      Wie oben schon angemerkt ist die Frage nach dem Sinn einer solch allumfassenden Analyse jenseits jeglichen Realitätsbezuges natürlich berechtigt.

      • Es ist nicht ganz fair um Herr Ammann der „Voreingenommenheit“ zu beschuldigen. Über Jahren hinweg haben NGOs wie Greenpeace sich zur perfekte Stimmungsmachinen hochgearbeitet. Wer deren Ideologie nicht gesonnen ist, kommt unter die Räder (siehe Kevin Folta). Diese Hirnwäsche ist schon beängstigend effektiv. Neulich brachte ein alter Bekannter das Thema GMO/Glyphosat. Da ich nicht unmittelbar mit ein Schreckensscenario loslegte, unterbrach er mich mit den Wörter: „redest du jetzt für Monsanto“. „Shoot the messenger“ ist fast ein Alleinstellungsmerkmal der NGO.
        Und die IARC? Als von wissenschaftlicher Seite die Kritik ihrer Glyphosatbeurteilung heranrollte, da verteidigte die IARC sich mit einer Liste von 96 Unterschriften von Leute die “so sind wie wir” (facebook science) und ein Beschuldigung an der Adresse der Kollegen beim BfR wegen „conflicts of interest“. Tja, und jetzt hat der Herr Ammann dieses Argument zurückgeworfen (siehe z.b. https://risk-monger.com/2016/04/16/iarcs-glyphosate-publication-another-organisation-captured-by-ngo-activist-shills) und schwups, ist er der böser Bube. Nicht ganz fair.

  8. Pingback:Glyphosat: Der Stellvertreterkrieg @ gwup | die skeptiker

  9. Ich bin gerade über die Kommentare im GWUP-Blog (http://blog.gwup.net/2016/05/21/glyphosat-der-stellvertreterkrieg/#comment-63035) hier gelandet. Danke für diese verständliche Beschreibung.

    Eine Ergänzung noch zu den Zusatzstoffen, die möglicherweise bedenklicher sind als der Wirkstoff Glyphosat selbst:
    Die POE-Tallowamine, die gerne kritisiert werden, sind zumindest in den in Deutschland vertriebenen Glyphosatprodukten schon seit Jahren nicht mehr enthalten (was natürlich viele nicht davon abhält, diese weiterhin als Argument gegen Glyphosat zu verwenden):
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/073/1807373.pdf

    Bemerkenswert finde ich, dass dieser Selbstverzicht? der Hersteller, der auf das Betreiben des BVL Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geschehen ist, offensichtlich keinerlei medialer Aufmerksamkeit bedurfte.
    Daher habe ich den Eindruck, dass dem Thema “Zusatzstoffe” hinter den Kulissen mehr Bedeutung eingeräumt wird, als in der Öffentlichkeit ersichtlich ist.

    Womöglich haben wir weniger ein Problem damit, dass Zusatzstoffe zu wenig geprüft sind, sondern eher damit, dass die zuständigen Behörden einfach zu wenig Information darüber herausgeben?

  10. Es ist doch einfach

    1 -> Lobbyverbände schmieren Wissenschaftler mit viel Geld -> Komm schreib mal Glysophat ist Ok , dann können wir den Dreck verkaufen (Gewinn Monsanto 4 bis 5 MRD)

    2 -> Die Studien werden veröffentlich -> BFR und öffentliche Behörden nehmen die “Wissenschaft” als Beweis -> Glysophat wird zugelassen ! -> Verkauf läuft

    Seit die Wissenschaftsszene ökonomisiert wurde ist Wissenschaft (für den Mainstream) TOD !

    Mit Milch und Fleisch wurde es nicht anders gemacht. Hauptsache ist das die Masse den Schrott kauft und kauft !!

    Wissenschaft soll Menschen dienen und nicht den Renditen Reicher Menschen !!

  11. Sehr geehrte Damen und Herren,

    meiner Meinung nach sind einige Kommentare sehr schlüssig. Andere widerrum zeugen von starker Isolation auf ein Themengebiet.
    Können nicht objektive Disskusionen geführt werden? An unserer Universität wird gute wissenschaftliche Praxis gelernt und dazu gehört sich beide Sachen anzuhören, die wissenschaftlich fundiert sein sollten. Siehe dazu die Beiträge weiter oben.

    @Ricardo: Sie sind sehr subjektiv und werden persönlich. Es gibt vielleicht bezahlte Arbeiten. Dem ist zu prüfen.

    Man merkt, dass viele Themen nicht mehr sachlich diskutiert werden können, da die Leute nur ihre eignen Interessen durchsetzen wollen und auf Kompromisse kaum Wert legen.

    @Lars Fischer: Ist es möglich einen Blog über Gülleausbringung, Transport und “Gülletourismus usw zu schreiben? Es gibt in dieser Sache nämlich noch erheblichen Aufklärungsbedarf meinerseits und in der Gesellschaft.

    Ich danke Lars Fischer für die Aufarbeitung des Themas Glyphosat um sich danach näher mit dem Thema zu beschäftigen.

  12. Pingback:Gefährliche Krebs-Erregung | Übermedien

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