Unser Mann in Riga: European Planetary Science Congress 2017 (I), eine kleine Vorschau

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Meteorite, Planeten, Sternenstaub (und was sonst so runterfällt)
Exo-Planetar

Nach einer längeren Sommerpause ein kurzes Lebenszeichen. Bald geht es in alter Frische weiter, und zwar mit einer der jährlichen Tagungen – dem European Planetary Science Congress (EPSC), welcher dieses Jahr in Riga, Lettland stattfindet. Wieso Riga ? Weiß ich jetzt auch nicht, soll aber schön dort sein. Und Tagungen sind immer ein idealer Ort, wo man sehr kompakt mitbekommt, was so in einem Forschungsgebiet gerade läuft, wo auch eher obskure, ältere Jungwissenschaftler (z.B. Ich) in Kontakt mit wichtigen Leuten kommen (können).

Die Tagung hat sich zu der gar nicht mal so kleinen Schwestertagung der ‘großen’ Lunar and Planetary Science Conference (LPSC, jeden März in Houston) gemausert, mit vielen Teilnehmern auch von außerhalb Europas. Die etwas umständliche Programmübersicht findet sich hier. Und da geht einiges – mit bis zu 8 parallelen Sitzungen (plus zwei Postersessions). Im Vergleich zur LPSC ist die EPSC etwas missionslastiger, ein idealer Ort für angehende Raumkapitäne. Es wird also viel über vergangene, laufende Missionen, aber auch solche in der Planung berichtet. Und solche kurz vor dem Start, wie ‘mein’ BepiColombo. Die klassische analytische Planetologie, also Laborstudien extraterrestrischen Materials, ist dagegen eher untergeordnet auf der EPSC.

Interessant unter anderem CASTAway, eine Sonde, die an einer größeren Zahl an Asteroiden vorbeifliegen soll. Oder AIM (Asteroid Impact Mission), wo ein Asteroid gar mit einem Projektil beschossen wird. ASPECT (Asteroid Spectral Imaging Mission) ist ein Proposal für einen CubeSat zur Untersuchung von Asteroiden. Alles auch für mich interessante Missionen, werde wenn möglich nächste Woche was drüber berichten. Generell scheinen kleine/einfache/günstige Missionen in Mode zu kommen, ist eine ganze Session darüber dabei. Auch macht man sich Gedanken über die längerfristige, internationale Zusammenarbeit: European Vision 2061 and NASA Planetary Science Vision 2050.

In der massiven Session unter Convener Matt Taylor What do we know and what don’t we know following the cessation of the operational phase of the Rosetta mission wird eine Übersicht über den Stand der Rosetta-Mission gegeben. Auch wenn die eigentliche Mission vorüber ist, geht es wissenschaftlich erst richtig los – gigantische Datenmengen wurden angehäuft, und da dürfen sich jetzt Generationen an Forschern durcharbeiten (soweit Geld dafür vorhanden ist…) Und auch DAWN, immer noch aktiv (10 Jahre!), hat eine umfangreiche Session Ceres and Vesta – 10th anniversary of Dawn Special Session..

Außerdem kommen auch die Planeten des äußeren Sonnensystems zu ihrem Recht, die LPSC ist da schon ziemlich auf das innere Sonnensystem fokussiert. Aber nicht viel über New Horizons, leider. Auch auffällig: Die eigentlich sehr populäre Astrobiologie ist nur sehr, sehr bescheiden vertreten, nur eine Session. Mal sehen, ob das ein Trend ist oder nur dem eher exotischen Tagungsort zu verdanken ist.

Meine Wenigkeit ist zum Glück schon am Montag (wenn auch am späteren Mittag in Cometary, asteroidal and meteoritic materials in the light of laboratory experiments) fälllig, da lässt sich der Rest der Tagung dann deutlich entspannter genießsen.

Das waren mal die ersten Eindrücke, mehr dann nächste Woche, ich werde versuchen eingermaßen regelmäßig von der EPSC zu berichten.

Mein Interesse an Planetologie und Raumforschung begann schon recht früh. Entweder mit der Apollo/Sojus Mission 1975. Spätestens aber mit dem Start der Voyager-Sonden 1977, ich erinnere mich noch wie ich mir mein Leben in der fernen Zukunft des Jahres 1989 vorzustellen versuchte, wenn eine der Sonden an Neptun vorbeifliegen würde. Studiert habe ich dann Mineralogie in Tübingen (gibt es nicht mehr als eigenständiges Studienfach). Anstatt meinen Kommilitonen in die gängigen Richtungen wie Keramikforschung zu folgen, nahm ich meinen Mut zusammen und organisierte eine Diplomarbeit über Isotopenanalysen von Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries Einschlagkrater. Dem folgte dann eine Doktorarbeit über primitive Meteorite in Münster. Nach 10 Jahren als PostDoc in verschiedenen Ecken der Welt arbeite wieder am Institut für Planetologie in Münster, an Labormessungen für die ESA/JAXA Raumsonde BepiColombo, die demnächst zum Merkur aufbrechen wird. Mein ganzes Arbeitsleben drehte sich bisher um die Untersuchung extraterrestrischer (und damit verwandter) Materialien: Gesteine aus Impaktkratern, die ganze Bandbreite Meteoriten (von den ganz primitiven Chondriten bis hin zu Marsmeteoriten). Zu meiner Forschung gehören auch Laborexperimente, in denen Vorgänge im frühen Sonnensystem nachgestellt wurden. Mein besonderes Interesse ist, die Laboruntersuchungen von extraterrestrischem Material mit Fernerkundungsdaten (im Infrarot) zu verknüpfen. Das vor allem mit Daten aus der planetaren Fernerkundung durch Raumsonden, aber auch mit Beobachtungen junger Sonnensysteme durch Teleskope.

1 Kommentar

  1. Es ist in der Tat Zeit für systematische Asteroidenforschung. Und warum soll so etwas nur im Rahmen grosser NASA und ESA-Projekte stattfinden – und nicht etwa initiiert von interessierten Universitäten. ASPECT (Asteroid Spectral Imaging Mission CubeSat
    to characterize resources on asteroid surfaces) scheint aus dieser Ecke zu kommen, sind doch alle Autoren der verlinkten Kurzzusammenfassung Finnen. Und ja, Cubesats wie sie von ASPECT eingesetzt werden, ermöglichen genau diese von einzelnen interessierten Universitäten ausgehende Raumforschung. Es wäre doch mal etwas, wenn München und Bayern nicht nur auf ihren FC Bayern stolz wären, sondern auch auf ihre bayrische Asteroidenforschung.
    Asteroidenforschung ausgehend von interessierten Universitäten wäre ein Startpunkt für eine breiter verankerte Erforschung unseres Sonnensystems. Später einmal könnten vielleicht sogar Missionen wie BepiColombo, die jetzt von einer Kooperation von ESA und JAXA getragen sind, von einem Zusammenschluss von Universitäten selbst organisiert und durchgeführt werden.

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