Unser Mann in Berlin: Die 79te MetSoc, Rückblick.

Uuuuund schon wieder ist mehr als eine Woche vorbeigedonnert. Eigentlich plante ich, direkt von der Jahrestagung der Meteoritical Society zu berichten, hat dann aber doch nicht geklappt. Wenn man als aktiver Teilnehmer dabei ist, geht dann doch zu viel ab, um dann Abends noch was in die Tasten zu hauen.

Aber nochmal alles von vorne. Die Tagung begann standesgemäß mit einer Icebreaker-Party (einer Eröffnungsfeier) und zwar in der Ausstellung des Naturkundemuseums in Berlin, dem Ausrichter der Tagung. Da traf man dann im Schatten des Brachiosaurus Kollegen, denen man oft lange nicht über den Weg gelaufen ist. Bier&Rotwein löste die Zunge, und lecker Essen gabs auch (darunter natürlich Currywurst). Die genaue Teilnehmerzahl ist mir zwar nicht bekannt, aber die Tagung scheint so zu den größeren MetSocs bisher zu gehören (die größte war 2001 im Vatikan/Rom). Aber die Tagung hat sich (subjektiv) gar nicht so groß angefühlt, was aber auch am eigentlichen Veranstaltungsort (Henry-Ford Bau) lag, da verlief sich die Meute ein wenig. Die eigentliche Tagung fand (leider) nicht im Museum statt, sondern auf dem Gelände der Freien Universität in Dahlem. Der Ort fühlt sich schon etwas vorstädtisch an, was aber ganz angenehm war, Abends traf man dann gerne auch viele Kollegen in den Gaststätten der näheren Umgebung.

Was aber ging wissenschaftlich ab? Hier war das Problem, dass es 3 parallele Sessions gab. Da geht dann (auch dank meiner schlechten Vorplanung) doch viel an einem vorbei. Die ganz großen Durchbrüche gab es aber auch nicht zu verkünden. Sind auch eher selten. Die moderne Wissenschaft ist hoch spezialisiert, zwangsläufig da die niedrig hängenden Früchte halt alle schon lange gepflückt sind, wie es Kollege Joe Nuth III immer so schön ausdrückt. Die Tagung reflektierte das natürlich – viele Präsentationen sind halt praktisch Zwischenberichte von laufenden Doktorarbeiten oder Forschungsprojekten. Man bekommt aber einen generellen Überblick, was halt so läuft in der Branche, den Finger in die Luft halten und so.

Mittwoch dann Morgens eine Serie an Preisverleihungen (nochmal Glückwunsch an die Gewinner), mittags dann zwei größere Ausflüge (gehört auch zu einer großen Tagung). Eine Ladung Busse ging nach Potsdam, die andere tingelte quer durch Berlin. Abends dann das Banquet, der soziale Höhepunkt der Tagung. Wie gesagt, der soziale Aspekt einer Tagung ist mindestens genauso wichtig wie die Vorträge und Präsentationen. Man trifft auf so einer Tagung eben viele ‘wichtige’ Leute auf einem Haufen.

Was also fiel (mir) auf ? Zum einen war die Tagung, wie schon früher angemerkt, recht gut ausbalanciert. Eigentlich von allem was dabei. Wegen zwei kürzlich verstorbenen Größen in der Meteoritenforschung und Kosmochemie gab es eine Reihe Sondersessions zu deren Ehren. Das war zum einen Ernst Zinner, gebürtiger Wiener der in St.Louis bahnbrechendes gerade in der Studie von präsolaren Körnern geleistet hat. In 4 Sessions zu diesem Thema wurde der Mann geehrt, ein beeindruckendes Zeugnis einer sehr einflussreichen Person in der Planetologie. Ein Vortrag der mir besonders Gefiel war von Takigawa et al. Der hatte jetzt zwar keine Isotopenstudien von präsolarem Material im Labor als Gegenstand, wie die meisten anderen in diesen Sessions. Hier wurde erfolgreich astronomische Fernerkundung eines roten Riesen mit den Laborstudien in Verbindung gemacht. Und zwar mittels ALMA. Das ist eine größere Anzahl an  (Sub-)Millimeter Radioteleskopschüsseln in der Atacama. Mit dieser kürzlich in Betrieb gegangenen Einrichtung können Objekte wie eben die abgestoßenen Massen eines Sternes in der Spätphase räumlich hoch aufgelöst beobachtet werden. Noch besser, es ist auch möglich, chemische Information in diesem Wellenlängenbereich zu erhalten. Und so konnten Staubpartikel mit verschiedenen Silizium zu Aluminium-Verhältnissen um einen roten Riesen (W Hya) beobachtet werde, Material wie die präsolaren Körner bei der Entstehung. Diese Technik ist äußerst vielversprechend, falls es gelänge, eine zircumstellare Scheibe auf diese Weise zu studieren, könnte vielleicht die Entstehung der CAI, der Frühkondensate in einem Sonnensystem, beobachtet werden.

Dann gab es noch mehrere Sessions im Gedenken an Heinrich Wänke. Dieser leitete fast 30 Jahre die Kosmochemie am MPI in Mainz, und begann schon in den frühen 1950ern (!) an Meteoriten zu forschen. Hier sein Fernsehauftritt während der Livesendung zu Apollo 11. Die Forschung von Wänke umfasste einige Gebiete der Kosmochemie, und so waren die Vorträge thematisch weit gestreut. Aufgefallen ist mir unter anderem ein Vortrag von McCubbin & McCoy über mögliche Merkur-Meteorite. Die Oberfläche des innersten Planeten wurde mit MESSENGER unter anderem chemisch erfasst, und so kann man spekulieren, wie ein Meteorit von selbigem Planeten aussehen müsste. Es gab da schon mal einen Kandidaten, der aber wohl doch nicht vom Merkur stammt. Richtig gut passt von den bekannten Meteoritengruppen eigentlich keine, am ehesten kommen die seltenen Aubrite in Frage. Aber wahrscheinlich hat man bisher einfach noch keinen gefunden.

Impakte spielten auch eine größere Rolle, da dieses Thema der große Schwerpunkt des Naturhistorischen Museums ist. Es gab sogar einen ganzen hochkarätig besetzten Workshop, also ein kleineres Treffen, das sich ganz auf ein Thema konzentriert, im Vorfeld der MetSoc. Eine Reihe an Vorträgen beschäftigte sich mit den ‘Impact Spherule Layern’, Gesteinsschichten mit hohem Anteil an kleinen Glaskügelchen aus Impakten im Barberton Greenstone Belt (BGB) in Südafrika. Diese wurden in Bohrkernen in diese sehr alte Gesteinschicht gefunden, die einen Zeitraum abdeckt, in dem man keine sonstigen Informationen über Impakte hat – diese sind alle durch Tektonik und Erosion ausgelöscht. Dummerweise ging es in den ersten paar Milliarden Jahren impakttechnisch so richtig ab (siehe Late Heavy Bombardement). Die 3.2 bis 3.5 Milliarden Jahre alten Kügelchen gehören so zu den ältesten Anzeichen für große Impaktprozesse auf der Erde. Ein Poster in der Einschlag-Thematik gab es dann noch über ein geplantes großes Bohrprojekt im Rochechouart Krater. Dieser etwas vernachlässigte Einschlagskrater (‘understudied’) ist so was wie das französische Gegenstück zum Nördlinger Ries, ähnlich groß und mit gut erhaltenen Auswurfschichten. Das könnte auch für mich von Interesse sein, mal sehen.

Auch interessant waren einige Präsentationen zum Thema Wasser in Achondriten. Wir erinnern uns, Achondrite sind Meteorite, die von Mutterkörpern stammen, die teilweise/komplett aufgeschmolzen sind und dadurch differenzierten – also Kern, Mantel und Kruste bildeten. Bisher wurden keine signifikanten Anzeichen von Wasser in diesen Meteoriten gefunden. Hillary Downes (Birckbeck, London) et al. präsentierten ein Poster über die Entdeckung von Opal in Ureiliten. Ureilite sind Achondrite, die den Rest darstellen, der nach einer teilweisen Aufschmelzung von chondritischem Ausgangsmaterial übrigbleibt. Opal is chemisch ähnlich wie Quarz – SiO2 –  ist aber amorph (Glas) und enthält Wasser, und entsteht auch in selbigem. Also ein Anzeichen dafür, das zumindest etwas Wasser auf dem (den ?) Mutterkörpern vorhanden war. Es gab auch einige Vorträge über ähnlich gelagert Funde in den HED Meteoriten, die wohl von Vesta stammen.

Donnerstag war dann ich fällig, aber erst abends auf der Posterssession II. Die Nachfrage an meinem Poster war dann aber etwas zurückhaltend, kann aber vorkommen, Merkur ist momentan ein wenig Nischenthema (was sich bald ändern wird, dank BepiColombo).

Das war es vorerst, was bei mir so hängen geblieben ist, vielleicht kommt noch ein Nachschlag.

Ach so, einen Hashstag gabs auch: #MetSoc2016.

Mein Interesse an Planetologie und Raumforschung begann schon recht früh. Entweder mit der Apollo/Sojus Mission 1975. Spätestens aber mit dem Start der Voyager-Sonden 1977, ich erinnere mich noch wie ich mir mein Leben in der fernen Zukunft des Jahres 1989 vorzustellen versuchte, wenn eine der Sonden an Neptun vorbeifliegen würde.Studiert habe ich dann Mineralogie in Tübingen (gibt es nicht mehr als eigenständiges Studienfach). Anstatt meinen Kommilitonen in die gängigen Richtungen wie Keramikforschung zu folgen, nahm ich meinen Mut zusammen und organisierte eine Diplomarbeit über Isotopenanalysen von Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries Einschlagkrater. Dem folgte dann eine Doktorarbeit über primitive Meteorite in Münster.Nach 10 Jahren als PostDoc in verschiedenen Ecken der Welt arbeite wieder am Institut für Planetologie in Münster, an Labormessungen für die ESA/JAXA Raumsonde BepiColombo, die demnächst zum Merkur aufbrechen wird.Mein ganzes Arbeitsleben drehte sich bisher um die Untersuchung extraterrestrischer (und damit verwandter) Materialien: Gesteine aus Impaktkratern, die ganze Bandbreite Meteoriten (von den ganz primitiven Chondriten bis hin zu Marsmeteoriten). Zu meiner Forschung gehören auch Laborexperimente, in denen Vorgänge im frühen Sonnensystem nachgestellt wurden.Mein besonderes Interesse ist, die Laboruntersuchungen von extraterrestrischem Material mit Fernerkundungsdaten (im Infrarot) zu verknüpfen. Das vor allem mit Daten aus der planetaren Fernerkundung durch Raumsonden, aber auch mit Beobachtungen junger Sonnensysteme durch Teleskope.

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