Unser Mann in Berlin: Die 79te MetSoc

Wie der Titel schon vage andeutet, findet die Jahrestagung der Meteoritical Society (gerne auch MetSoc genannt) in diesem Jahr in Berlin statt. Zum zweiten Male, letztes Mal war es 1996 (siehe auch meinen vorherigen Eintrag). Die MetSoc ist eine der beiden großen, internationalen Tagungen, die sich vor allem (oder zu einem großen Teil) auf die analytische Planetologie konzentrieren, also die Untersuchung extraterrestrischen Materials (und Impaktkrater) mit Labor- und fernerkundlichen Mitteln. Im Gegensatz zur LPSC konzentriert sich die MetSoc völlig auf diesen Zweig der planetaren Wissenschaften, die LPSC ist da doch deutlich weiter gestreut.

Während die LPSC immer in Houston oder Umgebung stattfindet, wechselt die MetSoc ihren Austragungsort jährlich. In der Regel findet sie alle 2-3 Jahre in Nordamerika statt, und dann im Folgejahr in Übersee. Früher nahm ich regelmäßig an der MetSoc teil, aber mein Hauptforschungsgebiet (Laborspektroskopie für die Fernerkundung von Merkur) ist dann fällt dann doch eher in LPSC-Territorium, da halt bisher wohl kein sicherer Meteorit von dem Planeten verfügbar ist. Dennoch, dieses Jahr ist eine prima Gelegenheit, mich mal wieder auf einer MetSoc blicken zu lassen, ist ja nicht weit von Münster nach Berlin.

Die MetSoc ist eine Nummer kleiner als die schon recht große LPSC, einsamer Rekordhalter für Teilnehmer war die MetSoc 2001 in Rom (ausgetragen vom Vatikan, ehrlich). Das waren 560 Teilnehmer, normal sind so um die 400. Also alles recht familiär, man lernt über die Jahre einen ordentlichen Teil der regulären Teilnehmer kennen.

Es ist aber auch so ordentlich was los in den fünf Tagen vom 7.-12. August. Das Programm findet sich hier. Je drei parallele Sitzungen, das ist schon ordentlich. Da das Ganze vom (leider nicht im) Museum für Naturkunde veranstaltet wird, gibt es einen gewissen Schwerpunkt auf Impakten und Einschlagskrater. Am Wochende vorher findet dazu noch ein Workshop mit einem Fokus auf diesem Thema statt. Ansonsten verteilen sich die Sitzungen recht gleichmäßig über das Gebiet. Hochgeladene Poster kann man sich schon hier anschauen.

Ich werde, wie gesagt, auch anwesend sein (Abstrakt hier zu meinem Meisterwerk von einem Poster),  und versuchen (wie schon von der EPSC in Cascais und Nantes), direkt von der Veranstaltung zu bloggen – soweit die Zeit erlaubt. Mal sehen.

 

 

Mein Interesse an Planetologie und Raumforschung begann schon recht früh. Entweder mit der Apollo/Sojus Mission 1975. Spätestens aber mit dem Start der Voyager-Sonden 1977, ich erinnere mich noch wie ich mir mein Leben in der fernen Zukunft des Jahres 1989 vorzustellen versuchte, wenn eine der Sonden an Neptun vorbeifliegen würde. Studiert habe ich dann Mineralogie in Tübingen (gibt es nicht mehr als eigenständiges Studienfach). Anstatt meinen Kommilitonen in die gängigen Richtungen wie Keramikforschung zu folgen, nahm ich meinen Mut zusammen und organisierte eine Diplomarbeit über Isotopenanalysen von Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries Einschlagkrater. Dem folgte dann eine Doktorarbeit über primitive Meteorite in Münster. Nach 10 Jahren als PostDoc in verschiedenen Ecken der Welt arbeite wieder am Institut für Planetologie in Münster, an Labormessungen für die ESA/JAXA Raumsonde BepiColombo, die demnächst zum Merkur aufbrechen wird. Mein ganzes Arbeitsleben drehte sich bisher um die Untersuchung extraterrestrischer (und damit verwandter) Materialien: Gesteine aus Impaktkratern, die ganze Bandbreite Meteoriten (von den ganz primitiven Chondriten bis hin zu Marsmeteoriten). Zu meiner Forschung gehören auch Laborexperimente, in denen Vorgänge im frühen Sonnensystem nachgestellt wurden. Mein besonderes Interesse ist, die Laboruntersuchungen von extraterrestrischem Material mit Fernerkundungsdaten (im Infrarot) zu verknüpfen. Das vor allem mit Daten aus der planetaren Fernerkundung durch Raumsonden, aber auch mit Beobachtungen junger Sonnensysteme durch Teleskope.

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