Der Mond kommt nach Münster: European Lunar Symposium 2017 und New Views of the Moon 2

Und noch eine Tagung. Eigentlich zwei.  Dieses Mal wird aber nicht in die Ferne geschweift, nein, wir bleiben gleich vor Ort, im lieblichen Münster, Westfalen. Münster ist eine der Hochburgen der Planetaren Forschung nicht nur in Deutschland, sondern auch generell. Es gibt eine eigenständiges Institut für Planetologie (IfP), von Planetarer Geologie (also Fernerkundung mittels Raumsonden), klassischer Meteoritenforschung bis hin zur Kosmochemie wird alles abgedeckt. Das bedeutet auch, dass hier öfters Tagungen und Treffen auf dem Gebiet stattfinden. Wie zum Beispiel letzte Woche, mit gleich zwei Treffen zum Thema Mond. Das ist zum einen das European Lunar Symposium (ELS), und dann noch die New Views of the Moon2 (NVM2). Unser Trabant erfreut sich wieder großer Aufmerksamkeit.

Veranstaltungsort war das Schloss in Münster (C) Andreas Morlok

Im Gegensatz zur ‚großen‘ LPSC handelt es sich beim European Lunar Symposium 2017 (Programm hier) um ein kleineres Treffen, mit dem Fokus auf ein Thema, eben den Mond. Und eben nicht mit mehreren parallelen Sitzungen, sondern nur einer, so dass Alle alles mitkriegen. Die Atmosphäre ist entspannter als sonst, man kennt sich meistens ohnehin. Natürlich beschränkt sich der Teilnehmerkreis nicht nur auf Europa, es sind gerade auch viele Kollegen aus den USA anwesend.

Und der Mond ist in den planetaren Wissenschaften schon seit einiger Zeit wieder im Kommen. Seit der mythischen Apollo-Ära hat sich einiges getan. Man hat die Mond-Meteorite als Ergänzung zu den Mondproben der Apollos und Lunas. Auch fernerkundlich hat sich viel getan. Und da hat sich gezeigt, dass die Mondproben eben doch nicht repräsentativ für die gesamte Mondoberfläche sind (wäre auch erstaunlich). Und darauf wurde gleich am Anfang in der ersten Session eingegangen, zwei Vorträge über die Notwendigkeit der Beprobung (oder Erkundung) genau definierter Oberflächenregionen von Neal and Lawrence und Bussey et al.

Dazu ist natürlich entsprechende Hardware nötig. Und darum ging es in einigen Vorträgen. Inzwischen ist es möglich, brauchbare Datierungen von Mondgestein vor Ort zu bekommen –  was fundamental wichtig ist. Damit lassen sich zwei Techniken der Altersbestimmung besser verknüpfen – eben die der direkten Datierung von Gestein, und die fernerkundliche Technik der Bestimmung der Kraterdichte und Orbiteraufnahmen.

Ein schönes Beispiel, wie auf so einer Veranstaltung ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln ‚beleuchtet‘ werden kann, war die Session über Volatile. Es ging vor allem Wasser als Bestandteile der Gesteine im Mond. Zuerst ein Block an Modellrechnungen zum Thema. Modelle müssen durch die Wirklichkeit bestätigt werden. Deshalb folgte dann eine Reihe Vorträge zu petrologischen Experimenten (schwierig) und dann über die Untersuchungen der Mondproben selber (und an die muss man erst rankommen). Das ist ein schöner Aspekt der analytischen Planetologie – wenn man schon in Person nicht hinkommt, hat man immerhin mit extraterrestrischem Material direkt Kontakt (natürlich brav mit Schutzhandschuhen).

Dann die zweite Tagung, die New Views of the Moon2. War die erste eine eher konventionelle Tagung, wo halt jeder etwas zum Gebiet beitragen konnte, so hatte die NVM2 ein konkretes Ziel (Programm hier). Denn bei aller (oft heftigster) Konkurrenz können sich Wissenschaftler durchaus aus auch zu Zusammenarbeit zusammenraufen. Bei der NVM2 geht es darum, eine Monographie zum Thema Mond zusammen zu stellen. 2006 erschien bei der Mineralogical Society of America New Views of the Moon. Das war eines der Standardwerke über den Mond, wo der Stand der aktuellen Forschung zusammengefasst wurde (einen Vorläufer von 1991, das Lunar Sourcebook kann man hier für umme runterladen). In den letzten 12 Jahren hat sich gerade zum Thema Mond derart viel getan, dass schon wieder eine Fortsetzung fällig ist. Ein ganz großes Thema waren z.B. die Volatilen (vor allem Wasser) auf dem Mond. Lange Zeit wurde der Mond gerade aufgrund seiner wohl recht gewaltsamen Entstehung als extrem trockener Körper betrachtet. Bis sich dann, eben auch dank verbesserter Analytik herausstellte, das es um Größenordnungen mehr Wasser auf unserem Nachbar gibt als vermutet.

So wurden in den verschiedenen Session praktisch die einzelnen Kapitel für das Werk abgesprochen – und das trotz zum Teil intensiver Diskussionen in angenehmer Atmosphäre. Da trafen dann Analytiker, experimentelle Petrologen, Leute aus der Fernerkundung und Modellierer aufeinander, und mussten sich einig werden. Nicht ganz einfach, aber machbar.

Das Werk wird eigentlich alle Aspekte unseres Trabanten abdecken, von der Entstehung, Zusammensetzung der Oberfläche und des Inneren über eben die Volatilen, diffizile Datierungsfragen und Impaktgeschichte bis hin zu potentiellen Lagerstätten (bestes Zitat der Tagung eines britischen Kollegen: I am a Helium3 sceptic.)

Die Tagungen wurden von meinen Kollegen sehr gut und flüssig organisiert, und war hochkarätig besetzt – die meisten wichtigen Leute auf dem Gebiet waren anwesend. Und es war generell eine angenehme Erfahrung – auch für jemanden wie mich, der eigentlich mit anderen Himmelskörpern beschäftigt ist.

 

 

Mein Interesse an Planetologie und Raumforschung begann schon recht früh. Entweder mit der Apollo/Sojus Mission 1975. Spätestens aber mit dem Start der Voyager-Sonden 1977, ich erinnere mich noch wie ich mir mein Leben in der fernen Zukunft des Jahres 1989 vorzustellen versuchte, wenn eine der Sonden an Neptun vorbeifliegen würde. Studiert habe ich dann Mineralogie in Tübingen (gibt es nicht mehr als eigenständiges Studienfach). Anstatt meinen Kommilitonen in die gängigen Richtungen wie Keramikforschung zu folgen, nahm ich meinen Mut zusammen und organisierte eine Diplomarbeit über Isotopenanalysen von Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries Einschlagkrater. Dem folgte dann eine Doktorarbeit über primitive Meteorite in Münster. Nach 10 Jahren als PostDoc in verschiedenen Ecken der Welt arbeite wieder am Institut für Planetologie in Münster, an Labormessungen für die ESA/JAXA Raumsonde BepiColombo, die demnächst zum Merkur aufbrechen wird. Mein ganzes Arbeitsleben drehte sich bisher um die Untersuchung extraterrestrischer (und damit verwandter) Materialien: Gesteine aus Impaktkratern, die ganze Bandbreite Meteoriten (von den ganz primitiven Chondriten bis hin zu Marsmeteoriten). Zu meiner Forschung gehören auch Laborexperimente, in denen Vorgänge im frühen Sonnensystem nachgestellt wurden. Mein besonderes Interesse ist, die Laboruntersuchungen von extraterrestrischem Material mit Fernerkundungsdaten (im Infrarot) zu verknüpfen. Das vor allem mit Daten aus der planetaren Fernerkundung durch Raumsonden, aber auch mit Beobachtungen junger Sonnensysteme durch Teleskope.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Alle Mondproben stammen noch aus den frühen 1970er Jahren. Dabei ist der Mond so nah. Und damit für die Chinesen eine Gelegenheit ihr raumfahrerisches Können zu zeigen auf ihrem langen Marsch an die Spitze.
    Das Chinese Lunar Exploration Program wird auch beeinflusst von (Zitat)Ouyang Ziyuan, a geologist and chemical cosmologist, was among the first to advocate the exploitation not only of known lunar reserves of metals such as titanium, but also of helium-3, an ideal fuel for future nuclear fusion power plants. He currently serves as the chief scientist of the Chinese Lunar Exploration Program.

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