Philae in Darmstadt

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Astronomie mit eigenen Augen
Clear Skies

Es ist vollbracht! Rosettas Landesonde Philae ist auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko gelandet. Das klingt fast so “normal” wie etwa der Satz “Der ICE 2595 ´Friedbert Meyer` hat den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe planmäßig um 17.03 Uhr erreicht.” Leicht reagieren wir abgeflaut in Zeiten, da alles als “historisch” bezeichnet wird. Diese Landung aber ist in der Tat ein historisches Ereignis. Es war dies die erste Landung einer Raumsonde auf einem Kometen!

Leider ist da ein “Ja-Aber”. Zwar landete Philae – wie wir inzwischen wissen – auf dem derzeit rund 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Kometen “Tschuri” – jedoch: Die Sonde befindet sich nicht an dem geplanten (und ausreichend mit Sonnenlicht beleuchteten) Landeort. Und leider ist sie auf der Kometenoberfläche weder so verankert noch so ausgerichtet wie geplant. Aber sie arbeitet, auch wenn sie etwas unglücklich hinter einem Felsen festzuhängen scheint. Vielleicht auch ist genau dieser Felsen ihr Glück, und sie hob nicht ein drittes Mal ab von der Oberfläche des Kometen “Tschuri”, weil sie sich genau dort verhakte? Acht der zehn wissenschaftlichen Instrumente an Bord der kühlschrankkleinen Sonde sammeln Daten. Das ist höchst erfreulich. Nun empfangen die Solarzellen Philaes an ihrem ungeplanten Standort im Schatten eines Felsen offenkundig nicht genügend Sonnenlicht für ihre Solarzellen. Inwieweit das ein Problem darstellt, werden wir in den kommenden Tagen erfahren.

Die ESA lud am Landungstag in die Centralstation Darmstadt ein, um bei der Landung Philaes ganz nah dabei sein zu können. Und wie schon so oft war dieser “Wissenschaftstag” eine geniale Angelegenheit. Das ist Öffentlichkeitsarbeit auf hohem Niveau. Der HR-Moderator Dirk Wagner führte auch diesmal souverän, informativ  und gleichsam unterhaltsam durch das Programm. Es gelang ihm, die vielen Phasen der Unklarheiten und des Wartens galant zu überbrücken.

Ich verfolgte die Landephase in der Centralstation Darmstadt mit meiner Kamera:

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Bild 1: Der Star des Tages: Ein Modell Philaes auf der noch leeren Bühne.

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Bild 2: Es ist voll, sehr voll im Saal. Die breite Streuung der Altersklassen ist auffällig: Von ganz jung bis hochbetagt sind alle dabei.

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Bild 3: Der HR-Moderator Dirk Wagner.

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Bilder 4 und 5: Gruppenbild mit Dirk Wagner, Michael Khan und Modellen Philaes und der Trägerrakete Ariane 5 G+, mit der Rosetta und Philae am 2. März 2004 vom Weltraumzentrum Kourou starteten.

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Bild 6: Michael Khan berichtet über grundlegende Aspekte der Rosetta-Mission. Rosetta hier als Modell.

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Bilder 7 und 8: Michael Khan referiert zum Thema “Warum erforschen wir Kometen, auf der Suche nach dem Ursprung unseres Sonnensystems und ggf. sogar dem Leben auf der Erde?”

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Bild 9: Ein Blick ins ESA-Kontrollzentrum. Hier laufen Daten zusammen, welche die am Morgen abgekoppelte Philae via Rosetta zur Erde sendet. Michael Khan trifft den Kern: “Dieser Abend wird bestimmt durch die Lichtgeschwindigkeit.” Denn Funksignale vom Kometen “Tschuri” zur Erde sind derzeit 28 Minuten und 20 Sekunden “unterwegs”. Das ist die rund dreieinhalbfache Entfernung Erde-Sonne. Schneller als das Licht geht es nicht. Auch deshalb heißt es: Warten.

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Bilder 10 und 11: Es ist für außenstehende Betrachter ein wenig wie im Zoo: Immer wieder gibt es Bilder aus dem Kontrollzentrum. Im Vordergrund der Leiter der Rosetta-Mission Paolo Ferri.

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Bild 12: Michael Khan schätzt den Erfolg der Landung Philaes auf 70:30. Thomas Reiter nennt am Morgen in einem Rundfunkinterview nur eine Wahrscheinlichkeit von 50:50.

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Bild 13: Paolo Ferri findet auch kurz vor Empfang des Philae-Signals Zeit für sein Smartphone.

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Bilder 14 und 15: Gespanntes Warten auch in der Centralstation Darmstadt. Wo bleibt das Signal Philaes? Allesamt sind wir Zeugen eines historischen Ereignisses.

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Bild 16: Einen solch perfekt für eine Landung geeigneten Untergrund wie auf diesem künstlerischen ESA-Bild findet man wohl auf Kometen eher selten. Heute sind wir schlauer. Übrigens war auch vor der ersten bemannten Mondlandung völlig unklar, wie die Mondoberfläche beschaffen sei.

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Bild 17: Die ESA veröffentlichte verschiedene Bilder, welche die Größe des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko demonstrieren. Markus Pössel zeigt in seinem Blog einen originellen, eigenen Größenvergleich: https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/rosettas-komet-in-den-alpen/


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Bild 18: Bei der ESA sind die oberen Zehntausend versammelt. Thomas Reiter, ESA-Direktor für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb im Gespräch mit dem hessischen Ministerpräsidenten.

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Bild 19: Warten, warten auf ein Signal Philaes. Es ist kurz vor 17 Uhr MEZ.

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Bild 20: 17.03 Uhr MEZ: Da ist es, völlig pünktlich, das erste Signal Philaes nach der Landung. Zu diesem Zeitpunkt ist allerdings nicht klar, dass Philae wieder vom Kometen abprallte. Die Harpunen, die beim “Touchdown” automatisch hätten auslösen sollen, funktionierten offenbar nicht.

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Bilder 21 bis 25: Zunächst Jubel im Kontrollzentrum und bei den in zweiter Reihe Beobachtenden. Bis hierhin scheint alles nach Plan verlaufen zu sein. Michael Khan merkt zum perfekten Zeitplan lakonisch an: “Deutsche Beteiligung.”

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Bilder 26 bis 29: Fragende Blicke im Kontrollzentrum. Da scheint etwas nicht zu passen.

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Bild 30: Auch Thomas Reiter und der Esa-Generaldirektor Jean-Jaques Dordain warten auf weitere Informationen.

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Bild 31: ESA-Generaldirektor Jean-Jaques Dordain beginnt den Reigen der Reden. Er hebt die historiche Bedeutung dieser Mission hervor, der allerersten Landung auf einem Kometen!

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Bild 32: Auch der hessische Ministerpräsident freut sich.

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Bild 33: Planmäßig steht eine Fragerunde in der Centralstation an. Diese Besucherin beispielsweise möchte wissen, wieso Rosetta den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko ansteuerte, und nicht einen anderen “Wandelstern”. In der Tat war “Tschuri” nur zweite Wahl. Ursprünglich war der Komet 46P/Wirtanen Ziel der Rosetta-Mission. Der Fehlstart einer Ariane-Rakete machte die zügige Suche eines “Ersatzkometen” notwendig.

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Bild 34: Jungs wollen immer Genaueres über Raketen wissen. Er hier bekommt so manche Info über die Trägerrakete Ariane 5 G+, welche Rosetta & Philae den Anfangsschub auf dem langen Weg zu “Tschuri” gab.

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Bild 35: Lustig, wenn Eltern ihre Kinder ans Mikro halten. Übrigens möchte dieser Junge Astrophysiker werden! Wow! Ob Mutter und Sohn auf dem Weg zurück zum Sitzplatz Michael Khans Anmerkung hören? Er sagt: “Besser Ingenieur!”

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Bild 36: Diese beiden sind alt genug, um eigene Fragen selbst zu stellen.

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Bild 37: Nach einer Weile sind Fragen zum eigentlichen Thema des Abends abgehakt. Es folgen Fragen zum Ursprung des Universums etc., auf die Michael Khan ausweichend – um nicht zu sagen, nicht so gerne – antwortet.

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Bild 38: Twitter ist ja DAS Tor zur Welt, einer Welt voller bedeutender Persönlichkeiten, die allesamt stets Bedeutendes mitzuteilen haben. Kaum ist die Nachricht der geglückten Landung Philaes durch den Äther, gratulieren selbst Steffen, François oder Martin via Twitter. Waaahnsinn!

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Bild 39: Nun, ist es etwa langweilig? Mein Lieblingsfoto des Abends als Großbild.

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Bilder 40 und 41: Das kleine Modell Rosettas in den Händen Dirk Wagners

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Bild 42: Die beiden erörtern viele interessante Aspekte der Rosetta-Mission. Zum Beispiel, dass Rosetta für knapp 31 Monate auf ihrem Flug weit jenseits der Marsbahn in einen “Winterschlaf” versetzt wurde.

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Bilder 43 und 44: Der zweite Experte betritt nach einer Pause die Bühne: Gerhard Drolshagen referiert über das Thema “Stellen Kometen- und Asteroiden evtl. eine Gefahr für die Erde dar? Ist der ‚Armageddon‘-Film reine Hollywood-Fiktion, oder…?”

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Bild 45: Es wimmelt vor “Near Earth Objects” im inneren Sonnensystem. Wer mehr darüber wissen möchte: Im Rahmen des “Near Earth Object Program” sucht die NASA gezielt nach Objekten, die der Erde gefährlich werden könnten.

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Bild 46: Den 1852 entdeckten und rund 100 km großen Asteroiden (21) Lutetia passierte Rosetta am 10. Juli 2010 mit 3200 km Abstand. Gegen ihn ist “Tschuri”, wie wir sehen, ein Winzling.

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Bild 47: Verheerende Einschläge von Asteroiden oder Kometen auf der Erde sind zum Glück selten. Bild 47 als Großbild

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Bild 48: Auch über Abwehrmöglichkeiten größerer Objekte berichtet Gerhard Drolshagen. Viel ist da derzeit nicht zu machen. Je früher man einen potentiellen Kandidaten aufspürt, desto besser.

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Bild 49: Dies ist erste Bild, das Philae während des Abstiegs aufnahm, und das Michael Khan – ganz frisch während des Vortrags von Gerhard Drolshagen – präsentieren kann.

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Bild 50: Das erste Panorama-Bild, das Philae automatisch nach der Landung aufnehmen sollte, hätte die Erde gegen 19 Uhr MEZ erreichen sollen. Allein: Es kommt nicht.

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Bild 51: Esa-Generaldirektor Jean-Jaques Dordain zum Stand der Dinge. Inzwischen wissen wir mehr.

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Bild 52: Sorgenvolle Blicke.

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Bild 53: Stephan Ulamec (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR) berichtet gegen 20 Uhr MEZ bereits davon, dass die Verankerung Philaes offenbar nicht wie geplant funktionierte.

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Bild 54: Auch der Leiter der Rosetta-Mission, Paolo Ferri, kann noch kein genaueres Bild abgeben. Wie gesagt: Zum jetzigen Zeitpunkt am Tag nach der Philae-Landung ist klar, dass acht der zehn wissenschaftlichen Instrumente an Bord Philaes arbeiten und Daten sammeln. Wie weit die Energieversorgung reichen wird: Schauen wir und hoffen!

Die hier gezeigten Fotos habe allesamt ich aufgenommen. Die grau eingerahmten Bilder sind mit der Kamera aufgenommene Screenshots von Bildern und Videos der ESA, die während der Infoveranstaltung in der Centralstation Darmstadt gezeigt wurden.

Clear Skies! Stefan Oldenburg

 

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Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

17 Kommentare

  1. Bert Brecht schrieb: “Und man siehet die im Luchte, die im Dunkeln sieht man nicht.” Im Fall der Centralstation-Veranstaltungen sind “die im Dunkeln” die technische Crew der Centralstation und ein freiwilliges Mitglied des Astronomieclubs “AAW Darmstadt e.V.”, die punktgenau die richtige Einspielung vorhielt und auf die Saalanlage schaltete und so manches technische Problem so gekonnt löste, dass im Publikum keiner was davon merkte. Von meiner Seite aus ein großes Dankeschön an diese Leute, ohne deren kompetentes Schalten und Walten wir drei auf der Bühne auf verlorenem Posten gestanden hätten.

  2. Trotz des ganzen Enthusiasmus bei den Wissenschaftlern und in den Medien darf man kritisch anmerken, dass die Landemission ieigentlichein Misserfolg war. Der simultane Ausfall dreier entscheidender Komponenten (ein Haltetriebwerk und zwei Harpunen) und eine auf der Seite liegendes Modul bei einem Projekt dieser Größenordnung dürfte den Planungs- und Reviewteams einige Gedanken machen und nüchterne Fehleranalyse erfordern. Ja, es ist eine himmelsmechanische Leistung, eine Sonde in eine Kometenumlaufbahn zu bringen. Doch das können auch andere Nationen. Von einem historischen Meilenstein zu sprechen ist daher wohl eher etwas für die Medien.

    • Sie scheinen die Mission nicht sonderlich aufmerksam verfolgt zu haben. zumindest ist Ihr Wissensstand nicht mehr aktuell. Soweit mir bekannt – falls Sie Näheres wissen, bitte ich um Mitteilung – werden die beiden Harpunen durch den gleichzeitigen Kontakt von zwei der drei Landefüße mit dem Boden ausgelöst. Das Kaltgastriebwerk selbst wird nach meinem Kenntnisstand durch das Auslösen der Harpunen, die eigentlich Anker sind, ausgelöst. Ohne den Abschuss der Harpunen auch kein Triebwerk. Ob das Triebwerk tatsächlich funktioniert hätte, werden wir nicht erfahren.

      Philae funktioniert seit der Trennung von Rosetta planmäßig. Er hat die Landung(en) überlebt, die nach dem sehr zielgenauen Absetzen offenbar zu einer ungünstigen Endposition geführt haben. Das Modul liegt, wie heute auf der Pressekonferenz via Google Hangout (Link) gesagt, keineswegs auf der Seite. Inzwischen ist ein großer Teil des wissenschaftlichen Programms absolviert worden, eine neue Tranche wurde angegangen. Zwar ist das nicht einfach zu beziffern, weil man nicht einfach Experimentenzeit zusammenzählen kann, aber Projektleiter Stephan Ulamec schätzt, dass das wissenschaftliche Programm, falls die bereits angefangene Experimenttranche zuende geführt und die Daten hochgeladen werden können, sich auf rund 90% des nominalen Programms bveläuft. Sollten die Batterien morgen auch noch durchhalten, wird das wissenschaftlioche Programm voll erfüllt werden.

      Wo genau sehen Sie also den Misserfolg der Mission?

      Eine Sonde in eine Kometenumlaufbahn zu bringen, ist zwar eine Leistung, aber keine wirklich bemerkenswerte. Ob das andere Nationen können, müssen sie noch zeigen. Eine Sonde fast punktgenau auf einem Kometen landen zu lassen, ist dagegen eine ganz andere Sache.

      Ich kann Ihnen versichern, dass die technischen Daten (nicht nur die wissenschaftlichen) in jedem Fall den Entwicklungsteams Gedanken machen werden und dass alles erworbene Wissen sehr nüchtern analysiert werden wird. Aber das wäre auf jeden Fall erfolgt und ist bei jeder Raumfahrtmission so.

      Ich sehe auf keinen Fall, wieso diese erste Landung auf einem Kometen, noch dazu einem aktiven Kometen ein historischer Meilenstein ist. Sie dürfen das gerne anders sehen.

      Was die Medien angeht, so kann ich mich an die Berichterstattung auf dem Nachrichtensender hr-info am Abend des 12.11.2014 erinnern. Deren erster Satz war: “Bei der ersten Landung einer Sonde auf einem Kometen hat es Probleme gegeben”. In diesem Stil ging es weiter. Man hätte den Eindruck gewinnen können, da läge jetzt nur ein Haufen Trümmer oben. Die Medien, und selbst Wissenschaftsjournbalisten, gefallen sich darin, das Haar in der Suppe zu suchen und auch zu finden. Das müsste bei Ihnen eigentlich Anklang finden.

  3. @ Michael: Danke, freut mich. Zwischen “Merbold” und “Philae” gab es in der Centralstation Darmstadt die ebenfalls tolle ESA-Veranstaltung – bzw. Spieleinheit mit der Kamera für mich – zum Isolationsexperiment “Mars-500”: Mars on Stage

  4. Guten Tag, Herr Thelen, nee, das sehe ich völlig anders: Einen Totalverlust oder -ausfall könnte man als einen Mißerfolg bezeichnen. Aber doch nicht die Landung Philaes auf 67P/Churyumov-Gerasimenko, auf dem die Gravitationsbeschleunigung nur etwa ein Hunderttausendstel der Erdbeschleunigung beträgt, was zu den bekannten Landeproblemen führte. Zu erwarten, dass nach einer zehnjährigen Reise von annähernd sieben Milliarden Kilometern durch Finsternis und Kälte noch alles bestens funktionieren soll, sehe ich als vermessen.

    Zudem ist Philae ein Teil der bislang äußerst erfolgreichen Rosetta-Mission, die noch Monate Daten sammeln wird. Und Philae sendet fleißig Daten. Im übrigen: Welche Nation was an Raumfahrt betreibt, ist mir persönlich egal. Ergebnisse zählen.

    • Ich denke, wir werden abwarten müssen, was genau die Ursache für den Ausfall des Ankersystems war. Im Prinzip war das das einzige nennenswerte technische Problem, das dann allerdings weitere Probleme nach sich zog. Ursache könnten andere Bodeneigfenschaften sein als erwartet. Vielleicht auch ein Sensorproblem. Das wird eien Analyse der Daten vielleicht zeigen. Nicht alles kann man immer von jetzt auf gleich herausfinden. Man arbeitet dran.

      Aber wesentlich ist – Philae funktioniert. Sie spult, während Herr Thelen das eifrig leugnet, ein anspruchsvolles wissenschaftliches Programm ab und sendet bei jedem Kontakt die wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse zur orbitersonde Rosetta, die sie zur Erde weiter leitet, wo die Daten begierig von Ingenieuren und Wissenschaftlern erwartet werden.

      Ein Misserfolg sieht anders aus.

  5. Tut mir leid, Herr Oldenburg, Sie irren sich. Die Gravitationsbeschleunigung hat nicht zu dem Landeproblem geführt, es waren ausfallende Systeme. Die geringe Gravitation war ja vorher bekannt. Wenn ich mich richtig erinnere sollte sogar eine noch geringere Anziehung am ursprünglichen Ziel Wirtanen bewältigt werden. Die Landung war rein passiv, ohne irgendwelche Korrekturen. Und wenn Ergäbnisse zehlen, ja dann bestätigen Sie meine Bewertung ja.

  6. Sehr geehrter Herr Khan,

    wenn ein “einziges” technisches Problem weitere Probleme nach sich zieht (Harpune => Triebwerk), stimmt doch etwas in der Planung nicht, wie ich meine. Und wenn die wesentlichen Ziele der Landemission nicht erreicht werden, betrachte ich das als Fehlschlag. Ob Ihre nun onkelhaft-herablassende Art gegen meine “eifrige” Kritik angemessen ist, müssen die Leser entscheiden. Ich jedenfalls halte Ihre Rückmeldungen für wenig hilfreich. Von Autoren bei den Scilogs erwarte ich eine gewisse Selbstreflektivität.

    Herbert Thelen

    • Guten Tag, Herr “Thelen”, das ist genau die Art von Kommentaren, die wir in den SciLogs so gar nicht mögen: unsachlich, persönlich und beleidigend. Zudem schreiben Sie unter einem Pseudonym, oder deute ich Ihre komische E-Mail, die ich im System sehen kann, falsch?

    • Wer persönliche Angriffe nötig hat, dem gehen wahrscheinlich gerade die sachbezogenen Argumente aus.

      Zur Sache: Philae hat insgesamt rund zweieinhalb Tage auf der Oberfläche funktioniert und dabei sein komplettes wissenschaftliches Programm absolviert. Einige Experimente wurden dadurch behindert, dass die Bodenbeschaffenheit offenbar ganz anders war als noch zum Zeitpunkt der Entwicklung des Landers und seiner wissenschaftlichen Nutzlast gedacht.

      Auch das ist aber informativ. Unser Bild der Oberflächen von Kometenkernen hat sich in den letzten 10 Jahren massiv geändert. Es hat in der Zeit einige Missionen gegeben, die Datenmaterial lieferten, das nicht zum vorherigen Bild passte. Als Rosetta und Philae gebaut wurden, hatte man diese Daten noch nicht. Aber gerade Rosetta und Philae liefern wesentliceh Daten hinzu, mit denen unser Verständnis wesentlich erweitert wird.

      Ihre Darstellung eines Missionsversagens mit, wie Sie wörtlich sagen, einem auf der Seite liegenden Lander, ist nachweislich falsch.

      Mir ist nicht klar, was das Herumgekrittel soll. Wozu einen Erfolg nun mit Gewalt klein reden wollen? Auch die Erwartungshaltung in Teilen der Presse ist mir nicht einsichtig. Was wurde denn erwartet? Eine Mission mit Erfolgsgarantie? Dann hätte man gar nicht hin fliegen müssen. Kometenmissionen macht man gerade deswegen, weil man so wenig über diese Objekte weiß. Und genau deswegen ist das Risiko auch hoch.

      Philae hat es trotzdem geschafft, und das ist eine großartige Sache. Es gehörte zweifelsohne eine Menge Glück zu diesem Erfolg. Das weiß niemand besser als die Projektbeteiligten.

  7. Allgemein:

    Planetare Landungen sind das kritischste Problem der Raumfahrt. Da gibt es immer eine Sequenz von komplexen technischen Prozessen, für die man schwer ein glaubhaftes Backup finden kann, und die in einer vorgegebenen Sequenz innerhalb von engen Zeitfenstern oder ausgelöst durch messbare Ereignisse statfinden müssen.

    Wenn einer dieser Prozesse nicht stattfinden kann, dann ist in der Regel die Mission verloren. Das ist bei Marslandern so, das ist bei Mondlandern so und bei Kometenlandern ist es im Prinzip auch nicht anders.

    Da sollte man sich nichts vormachen. Wenn man den Zielkörper schon einigermaßen kennt und deswegen zutreffende Modelle der Umweltbedingungen (dazu gehört auch die Beschaffenheit der Oberfläche) hat, dann ist das natürlich dem Erfold der Landemission förderlich. Aber um solche Modelle zu bekommen, muss man in der Regel schon mal gelandet sein. Die ersten Missionen, auf jeden Fall aber die allererste, ist deswegen mit einem höheren Versagensrisiko behaftet.

    Das weiß jeder Beteiligte, und jeder halbwegs realistisch denkende Außenstehende wird das einsehen. Wenn es dann trotzdem klappt, ist man doppelt froh. Wie bei Philae. Wenn es aber nicht klappt, dann schaut man sich die Daten an, die man noch bekommen konnte udn versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Auch ein Problem so wie bei Philae ist lehrreich und selbst ein Totalversagen wie bei Beagle 2 ist lehrreich, wenn man Informationen hat, woran der Fehlschlag lag.

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