Wissenschaft live – oder doch nicht? Pale Red Dot und die Entdeckung Proxima Centauri b

Gestern Abend endete das astrophysikalische Sommerloch mit einem Paukenschlag: Die Europäische Südsternwarte (ESO) gab die Entdeckung eines Planeten vom Kaliber „Gesteinsplanet“ um unseren Nachbarstern Proxima Centauri bekannt, und unmittelbar darauf lief die Nachricht dazu über alle Kanäle. Bereits am Vortag hatten Medienvertreter vorab Zugang zu einer entsprechenden Pressemitteilung und weiteren Hintergrundinformationen erhalten und sich außerdem einige Stunden vor der Freigabe auf einer Pressekonferenz informieren können.

Die Entdeckung schlug erwartungsgemäß hohe Wellen, denn damit wurde der mittlerweile langen Liste der bekannten Exoplaneten nicht einfach nur ein weiteres Objekt hinzugefügt, es war eine besondere Botschaft, die alle Informationen der Meldung zusammengenommen mit sich trugen, nämlich daß die nähere Erforschung einer womöglich sogar erdähnlichen* fernen Welt damit in greifbare Nähe gerückt ist. Eine Botschaft, die selbstredend Wunschvorstellungen hinsichtlich Leben auf diesem Planeten oder gar einer Reise dorthin mit sich bringt.

Nicht daß das, was man bislang über den Planeten weiß, eine einzigartige Sensation gewesen wäre: Exoplaneten in der habitablen Zone ihres Muttersterns, also dem Abstandsbereich, in dem Wasser flüssig sein könnte, kennt man mittlerweile einige. Auch Planeten mit einer Masse von der Größenordnung einer Erdmasse hat man schon eine Handvoll zusammengetragen, wenn auch allesamt mit dem Kepler-Satelliten, der mithilfe der Transitmethode Planeten nachweist, die von uns aus gesehen vor ihrem Stern vorbeiziehen, und nicht wie im Fall von Proxima b mit der Radialgeschwindigkeitsmethode, mit der vor über 20 Jahren mit 51 Pegasi b der erste Exoplanet um einen „normalen“ Stern nachgewiesen wurde. Die weiteren sich daraus ergebenden Daten muten im Vergleich zu unserer Erde und den übrigen Planeten des Sonnensystems exotisch an – ein Jahr auf Proxima b dauert ganze 11 Tage, sein Abstand zum Stern Proxima beträgt nur 7 Millionen km, also etwa 5% des Abstands Erde-Sonne – sind aber im Zoo der übrigen bekannten Exoplaneten gar nicht mal so ungewöhnlich.

Dennoch, einen solchen Planeten um den nächstgelegenen Stern überhaupt zu entdecken (auch wenn die ermittelte Masse nur eine Mindestmasse ist), deutet etwas an, das sich bisher in erster Linie in Statistiken niederschlug, insbesondere aus solchen, die sich aus den vergleichsweise seltenen Entdeckungen von Exoplaneten über den Mikrogravitationslinseneffekt ergaben: Das Vorhandensein von Planeten bei anderen Sternen – durchaus auch erdähnlichen Planeten – ist der Normalfall. Fast jeder Stern dürfte einen oder mehrere Begleiter haben, und das wiederum macht es immer wahrscheinlicher, daß uns unter den Funden in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich so etwas wie eine zweite Erde begegnen wird.

Dementsprechend ist auch die Fachwelt durchaus angetan, zumal die Wahrscheinlichkeit eines Irrtums im Gegensatz zu dem vor vier Jahren angepriesenen Planeten um eine der Komponenten des Sterns α Centauri äußerst gering ist. Einen solchen Planeten direkt vor unserer kosmischen Haustür zu haben, eröffnet ungeahnte Möglichkeiten was beispielsweise den Versuch einer direkten Abbildung oder die spektroskopische Untersuchung einer gegebenenfalls vorhandenen Atmosphäre mit der nächsten Generation von Teleskopen angeht. Es wird fleißig diskutiert, über ein eventuelles Vorhandensein von flüssigem Wasser, mögliche klimatische Bedingungen, den Einfluß der Helligkeitsausbrüche Proximas auf mögliches Leben usw. Begleitartikel zur eigentlichen Studie mit der Entdeckung sind bereits eingereicht. Soweit so gut – wäre da nicht die Geschichte wie alles begann.

Pale Red Dot

Eigentlich war Pale Red Dot mit dem Versprechen angetreten, die Öffentlichkeit am Forschungsprozeß teilhaben zu lassen – davon ist allerdings nicht viel übriggeblieben. Bildnachweis:  ESO/Pale Red Dot (CC BY 4.0)

Im Januar diesen Jahres begann die Kampagne Pale Red Dot, in deren Rahmen die Entdeckung von Proxima b gelungen ist. Mit Kampagne war hierbei nicht nur der Beginn der Beobachtungen gemeint, die den Grundstock dafür gelegt haben, sondern auch die Ansage, die allgemeine Öffentlichkeit über einen Blog und mit entsprechender Bewerbung in den sozialen Medien praktisch live an dem Projekt teilhaben zu lassen: Man sollte den Wissenschaftlern dabei über die Schultern schauen können, wie zunächst die Daten gewonnen und dann ausgewertet werden, um dann schließlich zu sehen, wie aus den Ergebnissen ein wissenschaftlicher Fachartikel wird. Das klingt gut – haben viele Menschen doch recht verklärte Vorstellungen davon, wie Astronomen oder ganz allgemein Naturwissenschaftler arbeiten und wie eigentlich die Vorgehensweise beim Erarbeiten einer wissenschaftlichen Fragestellung ist. Wenn man das im Detail dokumentiert – inklusive aller Auf und Abs mit schiefgelaufenen Beobachtungen, gedanklichen Sackgassen, der Suche nach Programmierfehlern und plötzlichen Eingebungen, die zu unerwarteten Schlußfolgerungen führen, und mit persönlicher Note –  würden Wissenschaftler gleich ein ganz schönes Stück menschlicher erscheinen, und ihre Forschungen als ganz normale Tätigkeit, fernab jenes sprichwörtlichen Elfenbeinturms, der uns vom Rest der Welt trennt.

Schaut man sich auf dem Blog von Pale Red Dot um, findet sich davon aber leider nur sehr wenig. Stattdessen sammelte die Seite mehr und mehr – durchaus gut gemachte – Beiträge zum Thema Exoplanetenforschung allgemein von Autoren, die gar nicht an dem eigentlichen Forschungsprojekt beteiligt waren. Direkten Bezug dazu hatten dementsprechend nur die wenigsten Texte, geschweige denn, daß man wirklich mal „live“ echte Daten oder vorläufige Ergebnisse zu Gesicht bekommen hätte. Plötzlich hieß es dann Ende Mai ganz knapp: Wir haben einen Fachartikel geschrieben und bei einer Zeitschrift zur Veröffentlichung eingereicht, und die wiederum ist gestern gewesen.

Wer sich die Hintergrundinformationen des Blogs genau angeschaut hat, konnte allerdings bereits im Vorfeld erahnen, was sich in den Daten verbergen könnte, denn die Auswertung älterer Daten hatte nicht nur entsprechende Hinweise geliefert, sondern auch schon Grenzen für einen eventuell vorhandenen Planeten gesetzt. Einzig die Variabilität des Sterns aufgrund seiner Aktivität als Störfaktor galt es sicher auszuschließen. Entsprechend einfach war es auch für jemanden vom Fach bereits während der Kampagne, die richtigen Schlüsse zu ziehen – was sich letztlich Der Spiegel vor zwei Wochen zunutze gemacht hat, um ohne Kenntnis der konkreten Ergebnisse einen Artikel zu lancieren, einfach nur um der Erste zu sein.

Und warum nun die Heimlichtuerei? Es sind oft gerade die Zeitschriften, die unter Wissenschaftlern großes Renommee haben, wie Science oder eben Nature, wo die Studie über Proxima b erschienen ist, die von den Beteiligten absolutes Stillschweigen über die Inhalte im Vorfelde der Veröffentlichung verlangen, denn ein Artikel mit einer öffentlichkeitswirksamen Entdeckung ist für das gedruckte Heft ein Verkaufsargument. Wer einen Beitrag in einer solchen Zeitschrift plazieren möchte, darf nicht mal auf wissenschaftlichen Tagungen vorab darüber berichten – was sonst häufig einem Fachartikel vorausgeht.

Mit dem Konzept der öffentlichen Wissenschaft und dem wissenschaftlichen Prozedere sind bei Pale Red Dot also letztlich doch wieder zwei Welten aufeinandergeprallt. Allerspätestens zu dem Zeitpunkt, als die Beteiligten beim Blick auf die Daten gesehen haben, daß die erhoffte Sensation sich tatsächlich abzeichnet, mußten sie zur Verschwiegenheit greifen, wenn sie die Ergebnisse in dieser Form publiziert haben wollten. Und da nach wie vor derart hochkarätige Fachartikel das Maß der Dinge sind, wenn es um die berufliche Karriere eines Wissenschaftlers geht, gerät der Informationsbedarf der Öffentlichkeit dann schnell ins Hintertreffen. Es wäre durchaus an der Zeit, hieran etwas zu ändern – vollkommen unabhängig davon, ob die PR-Abteilung der ESO, die bei der Vermarktung von Pale Red Dot die Fäden in der Hand hatte, ohne den Fachartikel in Nature überhaupt eine lebensnähere Darstellung der astronomischen Forschung vorgesehen hätte oder nicht.


*Über die Frage wann ein Exoplanet nun als erdähnlich zu bezeichnen ist und wann nicht, kann man sich trefflich streiten, das soll hier aber nicht Thema sein.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wie ich finde eine gelungene und bei aller Freude über die zweifellos tolle Entdeckung doch auch nötige kritische Betrachtung des status quo der Veröffentlichung und weiteren Verbreitung wissenschaftlicher Resultate. Danke!

  2. Guter Beitrag! Tja, Wissenschaft „live“ und große Fachzeitschrift geht halt (noch) nicht gut zusammen. Wobei ich mich frage, ob das Verkaufsargument für eine Zeitschrift (es handelt sich ja nicht um populäre Zeitschriften, sondern um meist von Forschungsinstituten abonnierte Fachblätter) wirklich zieht. Vielleicht geht es eher darum, die eigene Wichtigkeit (der Zeitschrift) zu bewahren, denn ein Embargo von Informationen ist ja zunächst nichts anderes als eine Machtdemonstration.

    Gewundert habe ich mich auch, dass lange Zeit niemand auf die Sache aufmerksam geworden ist, denn was bei Pale Red Dot gerade passiert und wohin die Reise gehen soll, war auf dem Blog schon im Januar nachzulesen.

  3. Guter Kommentar. Die Idee einer live Doku war wirklich gut, aber leider hat es nicht geklappt. Die Antwort des PaleRedDot Teams zu einem entsprechnden Einwand meinerseits war, dass der Reviewer des wissenschaftlichen Papers unvoreingenommen bleiben sollte (auf Twitter: „We agree, but we couldn’t think of an agreable way to make things public without biasing the peer review“).
    Das ist eine andere Facette, als die von Ihnen dargestellte. Beide halte ich aber für verantwortlich, dass das Projekt von WIssenschaft „live“ letztendlich als gescheitert angesehen werden muss. Sehr schade.

    • Eine echte Neuerung wäre natürlich, den Peer Review ebenfalls live zu gestalten – indem unbeteiligte Wissenschaftler entsprechende Anmerkungen und Hinweise nicht erst geben, wenn das Paper schon geschrieben ist, ohne sich damit Mitautorenschaft einzukaufen. Aber das wäre eine echte Revolution und organisatorisch natürlich ziemlich aufwendig.

      Abgesehen davon finde ich das Argument aber schon ziemlich wacklig, denn wenn Ergebnisse auf Konferenzen bekanntgegeben werden, werden potentielle Reviewer ja auch beeinflußt. Bestes Beispiel: 51 Pegasi b damals bei Cool Stars 9.

  4. Ein weiterer Grund, weswegen „Wissenschaft live“ nicht besonders gut funktionieren würde, ist, dass dem Wissenschaftsjournalismus die verantwortungsvolle Aufgabe zufallen würde, unfertige und ungeprüfte Zwischenergebnisse richtig einzuordnen. Da bin ich doch skeptisch, was die Erfolgsaussichten betrifft. Man sieht das auch jetzt an vielen Berichten, in denen der an sich noch völlig unbekannte Planet zur „Erde 2.0“ erklärt wird. Vielleicht ist es doch besser, wenn Forschung bis zu einem gewissen Punkt unter Forschern bleibt.

    • Guter Punkt, bietet aber natürlich auch jede Menge Diskussionsstoff. Die Frage wäre letztlich, wer den höheren Geltungsbedarf hat – der Wissenschaftler, der seine Ergebnisse bekannt machen möchte, sich womöglich damit auf einen Job bewerben möchte usw. oder der Journalist, der von seinem Verlag die Vorgabe hat, die Auflage zu pushen. Zumindest mein derzeitiger Eindruck ist noch der, daß es am ehesten die PR-Abteilungen der Forschungsinstitute sind, die die Meldungen entsprechend reißerisch gestalten, was viele Medien gerne aufnehmen bzw. noch einen draufsetzen, während die Wissenschaftler selber meist beschwichtigen müssen.

      • Bei einem peer-rereviewten Papier hat man als Wissenschaftsjournalist immerhin noch die Gewissheit, dass es durch einen gewissen Qualitätssicherungsprozess gegangen ist, bei dem auch außenstehende Forscher einen Blick auf die präsentierten Ergebnisse werfen konnten. Dass das keine absolute Sicherheit gibt, ist mir bewusst, aber das System funktioniert in den meisten Fällen schon recht gut.

        Bei „Live-Ergebnissen“ in einem Blog habe ich als Wissenschaftler die zusätzliche Aufgabe, die evtl. anderen Forschern zur Bewertung vorzulegen, den Peer-Review-Prozess also gewissermassen selbst durchzuführen. Zumindest, wenn ich meinen Job ernst nehme. Dafür ist in vielen Redaktionen keine Zeit (oder vielleicht ist man auch zu faul, ich weiss es im Einzelnen nicht), und die Nachricht muss halt raus, besser noch vor der Konkurrenz. Das wird mMn dazu führen, dass noch mehr halbgares als „Wissenschaftler haben entdeckt, dass…“ in die Welt gesetzt wird. Ob das gut ist?

        Zitat: „Zumindest mein derzeitiger Eindruck ist noch der, daß es am ehesten die PR-Abteilungen der Forschungsinstitute sind, die die Meldungen entsprechend reißerisch gestalten, was viele Medien gerne aufnehmen bzw. noch einen draufsetzen, während die Wissenschaftler selber meist beschwichtigen müssen.“

        In den meisten Fällen ist das auch mein Eindruck. Es gibt aber auch Ausnahmen, spektakulärstes Beispiel BICEP2. Da haben Wissenschaftler ganz schön „mitgepusht“.

  5. BICEP2 war natürlich ein Megaflop, sowohl wissenschaftlich als auch vom selbst initiierten Hype im Vorfeld der Veröffentlichung. Das verleitet mich zu der Annahme, dass ein Projekt wie PaleRedDot, von dem man im Vorfeld schon annehmen konnte (wie Frau Liefke sagt), was herauskommen würde und was voraussehbar von der Presse als Sensation aufgegriffen werden würde, schlicht nicht geeignet war, für das Live Projekt: es ging um zu viel, als dass man sich Fehler oder auch nur Abweichungen von der Norm der Herangehensweise leisten konnte.
    Persönlich fände ich so ein Live Projekt auch dann interessant, wenn es nur um „durchschnittlichen“ Erkenntnisgewinn ginge. Aber als jemand, der am public outreach arbeitet, ist ein durchschnittliches Projekt natürlich wenig reizvoll zur Demonstration der Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Organisation.

    Man erkennt, dass es leider nicht so einfach ist, seriös live zu dokumentieren.

    Der vorliegende Artikel könnte aber eine schöne Grundlage sein, dass die PR Leute der ESO sich weiter Gedanken machen, wie sie es in Zukunft besser machen können. Dann kriegen wir vielleicht mal einen besseren Eindruck, wie spannend es wirklich abläuft. Gänsehautmomente, wie zB bei der Live Übertragung der Curiosity Landung auf dem Mars kann man vielleicht nicht oft erwarten, aber in Teilen sicherlich auch fesselnd und womöglich inspirierend für den Nachwuchs.

    • Ich kenne die PR-Leute der ESO leider gut genug um zu wissen, daß sie mit dem, was sie tun, viel zu zufrieden sind, als daß sie was daran ändern würden 😉

  6. Publikumsinteresse für ein Thema wie Exoplaneten, Teilchenlphysik oder Missionen zum Mars scheinen mir kein Problem zu sein. Das CERN beispielsweise ist froh darum und auch die Exolplanetenforschungsgemeinschaft wünscht sich wohl sogar Aufmerksamkeit von seiten des Publikums – schliesslich gehören zum Publikum im weiteren Sinne auch die Leute, die darüber entscheiden welche Projekte wie stark finanziert werden.
    Anders aber kann es aussehen, wenn sich das Publikumsinteresse auf ein einzelnes Projekt richtet – speziell wenn dieses Projekt mit Hoffnungen, Erwartungen und Kontroversen beladen ist. Ein Beispiel ist das CLOUD-Experiment (Cosmics Leaving OUtdoor Droplets) am CERN, Zitat:

    The primary goal of the CLOUD experiment is to understand the influence of galactic cosmic rays (GCRs) on aerosols and clouds, and their implications for climate

    . Die Forscher in diesem Projekt müssen sich entweder glaubhaft distanzieren von allerhand Klimaskeptikern etc. oder von vornherein so unabhängig und sachfixiert sein, dass ein Verdacht der Befangenheit gar nie aufkommt. Am ehesten gelingt das noch Physikern. Wenn das nicht passiert können Artikel wie CERN Alert: The Cloud Experiment, Weather Manipulation & Portals mit (hier wohl nicht ganz ernst gemeinten) Texten wie diesem auftauchen:

    CERN is directly responsible for weather manipulation and the opening of portals, under an operation called The CLOUD Experiment. Strange “coincidences” are popping up surrounding CERN that may make you think twice about things.

    Auch der Pale Red Dot (Proxima Centauri b) gehört für mich in die Kategorie der erwartungsbeladenen Projekte, in die alles mögliche hineinprojiziert werden kann. Ich verstehe es deshalb sehr gut, wenn sich die Mitarbeiter ab einem gewissen Punkt nur noch um das Projekt, aber nicht mehr um das Publikum gekümmert haben.

  7. Interessanter Debattenbeitrag. Nur eine Korrektur: Es ist falsch, dass uns bei der Veröffentlichung keine konkreten Ergebnisse vorlagen. Das Gegenteil ist richtig. Unsere Geschichte basierte keineswegs nur auf „Gerüchten“. Aus naheliegenden Gründen, etwa um die Informanten zu schützen, haben wir allerdings nicht alles geschrieben, was wir wussten.
    Natürlich geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit. In diesem Fall aber war der Peer-Review-Prozeß bereits abgeschlossen. Aus journalistischer Sicht gab es daher keinen Grund mehr, diese bedeutende Entdeckung länger zu verschweigen.
    Über das Diktat einiger Fachzeitschriften sollte es in der Tat eine Debatte geben.

    Olaf Stampf
    DER SPIEGEL
    Wissenschaftsressort

    • „Informanten“ sind aber so gesehen „unzuverlässige“ Mitarbeiter, die sich für „was halten, nur was?“, aber ihrer Arbeitsgruppe durchaus Schaden zufügen (können).
      Nett, daß der Empfänger sie schützt des eigenen Vorteils „schnelle Zeile“ wegen.
      Ich kann auf solche Schlagzeilen verzichten, die sind nicht zuverlässiger als der Informant, also eigentlich wertlos.

    • In der Tat ist fast alles, was ich zur Entstehung des Spiegel-Artikels anmerken kann, letztendlich nur Spekulation und meine subjektive Sicht darauf, wie sich mir die Situation darstellt. So streng wie Herr Senf würde ich das allerdings nicht sehen, denn die Zusammenarbeit mit Informanten ist wesentlicher Bestandteil der journalistischen Arbeit und es ist nunmal Aufgabe des Journalismus, Unbekanntes aufzudecken. Seriöser Journalismus hieße in dem Falle aber auch, daß eine auf diesem Weg erhaltene Information von einer weiteren, unabhängigen Quelle bestätigt werden sollte. Und wenn die dann wiederum nicht ganz so viel weiß oder bestätigen mag wie erste…

      Ein Nicht-Veröffentlichen der Daten zum Schutz der Quelle erscheint mir dagegen wenig plausibel, denn was ich wiederum definitiv sagen kann, ist daß die Inhalte des Fachartikels schon vor Einreichen breit gestreut waren und damit eine größere Zahl an Leuten als Informant in Frage kämen. Außerdem ist zwischen Akzeptanz des Artikels und dem Erscheinen des Spiegel-Artikels ja durchaus einige Zeit ins Land gegangen.

      • Natürlich waren es ZWEI unabhängige Quellen. Wäre es nur eine einzige gewesen, hätten wir die Geschichte nicht gebracht. Aber da beide Informanten zum Pale-Red-Dot-Team gehörten, war zumindest mir nicht klar, welche Informationen tatsächlich schon über die Entdeckergruppe hinaus in der Community Verbreitung gefunden hatten.
        Die wirklich relevanten Daten (erdgrosser Planet, habitable Zone, Entdeckungsmethode etc.) standen im übrigen in dem Artikel bereits drin. Wir richten uns ja an ein Massenpublikum. Alle weitere Details sind nur für ein Fachpublikum interessant. Allenfalls die Umlaufzeit hätten wir noch nennen können.
        Aus nachvollziehbaren Gründen war es aber notwendig, den zitierten Forscher, der Teammitglied ist, zu anonymisieren.

  8. „Eine Botschaft, die selbstredend Wunschvorstellungen hinsichtlich Leben auf diesem Planeten oder gar einer Reise dorthin mit sich bringt.“

    Vielleicht weiche ich vom Thema ab, aber diese Reise wird nicht mal die Elektronik überstehen. Wir reden doch von Tausenden von Jahren… Na ja, man kann wieder mit den Röhren versuchen, aber dafür wird die Apparatur schwerer… Einfach unmöglich, alles nur PR.

    • Einmal entdeckt werden sich Forscher und Publikum noch viele Jahrhunderte mit Proxima b beschäftigen und jedes zukünftige Schulkind wird wohl nicht nur die 8 Planeten, sondern auch Proxima b und die zu Proxima b in Kinderbüchern auftauchenden Phantasielandschaften kennen. Millionen von Menschenjahren also in denen Proxima b Menschenhirne beschäftigt. Vor diesem Hintergrund wird es auch irgendwann Ideen geben wie eine Reise dorthin realisiert werden kann. Die Zukunft kann anders aussehen als wir uns heute vorstellen mit ganz anderen Technologie wie beispielsweise sich selbst wartenden und erneuerenden Raumfahrzeugen oder mit Minifähren, die mit 1/5 der Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind.
      Sag niemals nie – oder jedenfalls nur selten.

      • „… wird es auch irgendwann Ideen geben …“
        ist doch schon geplant: Milner/Hawking-Fond ca. 1 Mrd US$
        Start 2030, Ankunft 2050, erste Photos 2055 zurück

  9. Milner/Hawking… ist wohl ein Aprilscherz bzw. PR für Fondsmitglieder. Sie hoffen, dass nötige Technologien demnächst entwickelt werden… 100 Tausend ungesteuerte Minisonden. Offensichtlich hoffen sie, dass wenigstens eine von ihnen den nächsten Stern erreicht… Aber, wie gesagt, die ganze moderne Elektronik wird durch kosmische Strahlung kaputt gemacht noch bevor die Sonden das Sonnensystem verlassen.

    • Das Millner/Hawking Projekt zeigt vor allem etwas sehr deutlich: Millner und Hawking und letzlich wir alle denken in Menschengenerationen. Was nicht von uns oder unseren Kindern realisiert werden kann gewinnt nur wenig Unterstützer, gewinnt keine Fans, keine Gläubigen, keine Umsetzer.
      Nur so kann man sich erklären, dass ein Physiker wie Hawking etwas hyped, was mit heutigen physikalischen Mitteln nicht realisierbar ist.
      Dabei ist eine stufenweise Eroberung der erdnahen Milchstrasse durchaus möglich – nur eben wäre eine solche Expansion nicht in erster Linie von Menschen getragen, sondern von einem System von Automaten, deren eingebauter Lebenssinn (ihre DNA, ihr eingebautes Ziel) die eigene Verbreitung über unsere Milchstrasse unter Ausnutzung lokaler Ressourcen wäre.

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