Vulkane um Manderscheid

Manderscheid ist ein gutes Ausgangszentrum für einige geologische und, wenn man die beiden Burgen dazunimmt, historische Wanderungen.

Mosenberg-Vulkane

Die Mosenberg Vulkangruppe vom Belvedere aus gesehen. Eigenes Foto

 

Die Mosenberg-Vulkangruppe

Mit der Mosenberg-Vulkangruppe gibt es ein größeres vulkanisches Zentrum in der Nähe von Manderscheid. Die Gruppe besteht aus 5 Förderzentren, die sich jeweils deutlich voneinander unterscheiden lassen. Wenn man das Meerfelder Maar besucht hat, lohnt es sich, hier ebenfalls einen Abstecher zu machen.

Südlich der eigentlichen Vulkangruppe sind vor einigen Jahren beim Abbau von Tephra in einer Grube einige Schlackenkegel zutage getreten. Hierbei könnte sich um das älteste vulkanische Zentrum der Gruppe handeln, da sie vollständig von Lapilitephra der Mosenberg-Vulkane bedeckt gewesen waren.

Mosenberg

Der südlichste Krater des Mosenbergs stellt einen nach Süden geöffnetes Halbrund dar. Der Schlackewall des Kraters wurde durch einen Lavastrom durchbrochen, der sich durch das Horngraben in die Kleine Kyll ergossen hat. Der Strom ist abgerissen und scheint keine direkte Verbindung mehr zum Förderzentrum zu besitzen.

Der 517 m hohe Gipfel des Mosenbergs ist ein Teil des Kraterwalls des sich nordwestlich anschließenden Kraters.An seiner westlichen Seite befindet sich ein kleiner Lavastrom sowie nördlich davon einige basaltische Radialgänge.

Mosenberg-Vulkane

Der Windsborn, ein echter Kratersee, kein Maar. Eigenes Foto.

 

Windsborn-Krater und Hinkelsmaar

Von diesem Krater durch einen Sattel getrennt liegt der Windsborn. Dieser mag auf den ersten Blick an ein Maar erinnern, es handelt sich aber um einen echten Kratersee. Im vorigen Jahrhundert wurde das Wasser des Kratersees abgelassen, um den bis zu 7,5 m mächtigen Torf abzubauen. Der Kraterwall ist gut erhalten und besteht aus verschweißten Pyroklastika wie Schlacken und Lapili und kann gut erkundet werden. Es handelt sich, zumindest soweit ich weiß, um den einzigen echten Kratersee in der Westeifel.

Das nördlich des Windsborn gelegene Hinkelsmaar vermutlich ebenfalls kein Maar. Hier scheint sich die Literatur nicht ganz einig zu sein. Laut Wilhelm Meyer, (Geologie der Eifel, 2013) handelt es sich um einen Schlackenring. Auch hier befand sich früher ein Kratersee, der aber 1840 zur Torfgewinnung trockengelegt wurde.

Mosenberg-Vulkane

Schweissschlacken am Windsborb. Mir ist nicht ganz klar, wie da die gerundeten Quarzkiesel (unteres Foto) mit hineinpassen. Vermutlich sind sie im Zuge von anthropogenen Maßnahmen hierhin gekommen. Eigenes Foto.

Mosenberg-Vulkane

Wie diese gerundeten Kiesel in die Schweissschlacken passen, ist mir unklar. Eigenes Foto.

Geologisches Alter

Ein Vegetationsprofil im Hinkelsmaar zeigte in 4,8 bis 9,5 m Tiefe Tephra, die dem Hinkelsmaar Vulkanzugeschrieben wird. Es ist damit vermutlich älter als 17 000 Jahre. Überlagernd fanden sich organische Ablagerungen eines Seebeckens. In 4,15 bis 4,25 m Tiefe finden sich Tephren, die früher dem Meerfelder Maar zugeschrieben werden und damit etwa 11 350 Jahre alt sind. Ihre geringe Mächtigkeit und die an sich geschützte Lage lassen aber die Vermutung zu, dass sie umgelagert wurden. Denn die Meerfelder Tephren sind in der direkten Umgebung erheblich mächtiger. Radiokarbondaten für das Meerfelder Maar deuten auch auf ein höheres Alter hin.

Der Hinkelsmaar Vulkan dürfte jünger sein als der des Windsborn, da er aus dessen Kraterwall ein Stück heraus gesprengt hat. Der Windsborn hat aufgrund seines guten Erhaltungszustandes vermutlich auch kein sehr hohes Alter und dürfte auf jeden Fall jünger als die südlich gelegenen Vulkane der Mosenberg Gruppe sein.
Wenn man das Mosenberg-Vulkansystem besucht, sollte man auch einen Abstecher zu den Manderscheider Burgen (Oberburg und Niederburg) machen. Den besten Blich auf die beiden Burgen sowie den Mosenber-Vulkankomplex hat man wohl vom Belvedere aus. Den Spaziergang sollte man sich eigentlich nicht entgehen lassen.

Die Burgen Obermanderscheid und Niedermanderscheid

Die Die Oberburg und die Niederburg von Manderscheid. Eigenes Foto.

 

Maarmuseum Manderscheid

Eine andere geologische Sehenswürdigkeit in Mandersheid ist das Maarmuseum. Wobei ich persönlich nicht zu einem Besuch raten kann. Die Ausstellung fand ich sehr konfus und ohne einen wirklichen roten Faden. Didaktisch scheint hier noch etwas viel Luft nach oben und auch an der Aktualität hapert es zuweilen. Es verstört einen unvoreingenommenen Besucher doch ein wenig, wenn der Text zu der Eifel-Maarbohrung besagt, dass für das Jahr 2000 erste Ergebnisse erwartet würden. Und das aktuelle Jahr (zum Zeitpunkt meines Besuchs) 2016 ist. Manches schien auch außer Funktion zu sein, wie das etwas unmotiviert im Raum stehende (als weltweit einziges angepriesene) begehbare Modell eines Maares. Anderes scheint dann zwar funktionsfähig, aber ungeschickt angeordnet. Es ist schön, wenn man sich Maarsedimente mit einer Lupe anschauen kann. Blöd nur, wenn gerade die interessanten Tephralagen von der Beschriftung verdeckt werden. Und dann überall die Terrarien mit den Stabheuschrecken. Da wäre eine Erklärung wirklich angebracht gewesen. Die hatten ja auch eine Bedeutung.

Immerhin finden sich im Museum auch sehr wertvolle Ausstellungsstücke, wie die Fossilien vom Eckfelder Maar. Dieses ist das älteste Maar der Vulkaneifel und mit 44 Mio. Jahren nur wenig jünger als das Maar von Messel. Auch hier im Eckfelder Maar wurden Urpferde (sogar eine trächtige Stute!) und weitere für die Evolutionsforschung wichtige Fossilien geborgen. Sie haben einen eigenen Raum im Museum. Aber auch hier wieder einiges zu kritisieren. Geheimnisse sind ja schön, aber ein Museum sollte sie lüften helfen. Die Ausstellung ist sehr dunkel gehalten, die Vitrinen nicht beleuchtet und die Leuchtlupen etwas funzelig. Das ist, so finde ich, schade. Sogar sehr schade. Dabei hat doch das kleine Vulkanhaus in Strohn gezeigt, wie man auch mit wenig Mitteln eine gute und spannende Ausstellung machen kann.

 

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Vulkane um Manderscheid werden im Wikipedia-Artikel über Manderscheid nicht erwähnt – auch nicht im UnterkapitelGeographie. Ich folgere daraus, dass die Überbleibsel des Vulkanismus in Deutschland in der Öffentlichkeit keine grosse Beachtung gefunden haben.
    Interessant finde ich, dass es gemäss Liste von Vulkanen in Deutschland in Norddeutschland überhaupt keine Vulkane gibt. Die deutschen Vulkane sind scheinbar alle der Alpenhebung zu verdanken.

    • Hallo Martin,

      die nördlichsten Vulkane (zumindest soweit mir bekannt) stehen im Raum Göttingen, genauer gesagt um den Ort Adelebsen. Ich will doch mal sehen, ob mir dazu nicht auch ein Beitrag einfällt.

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