Lavabomben und Lavaspalten – Die Vulkane um Strohn

Der kleine Ort Strohn in der Vulkaneifel ist für alle geologisch interessierten sicher einen Besuch wert. Immerhin rühmt er sich, die größte bekannte vulkanische Bombe zu zeigen.

 

Der in der Vulkaneifel gelegene Ort Strohn befindet am Rande der Wartgesberg-Vulkangruppe. Diese ist ein langgestreckter Bergrücken aus basaltischen Schlacken, die weitflächig abgebaut werden. Bei dieser Vulkangruppe handelt es sich vermutlich um ein recht komplexes, aus bis zu 7 Einzelvulkanen zusammengesetztes vulkanisches Zentrum. Zwei Lavaströme sind daraus in Richtung Nord und Süd in das Tal der Alf geflossen.

Lavabomben

Die größte “Lavabombe” ist vermutlich nicht geflogen, sondern mehrfach wieder in die Schmelze zurück gerollt. Das würde ihre runde Form gut erklären. Außerdem wäre sie mit einem Gewicht von 120 Tonnen wohl auch zu schwer dafür. Eigenes Foto.

 

Lavabomben

Der eigentliche Wartgesberg ist der nördliche und höchste Teil der Gruppe. Es handelt sich um einen Spaltenvulkan, der einer NNW streichenden Spalte aufsitzt. In dem Steinbruch, der hier abbaut, wurden immer wieder teilweise sehr große Lavabomben gefunden. Von hier stammt auch die rund 4 m durchmessende Lavabombe, die am südlichen Ortsende ausgestellt ist. Es handelt sich aber um keine vulkanische Bombe im eigentlichen Sinn. Vulkanische Bomben müssen zumindest kürzere Wegstrecken ballistisch, das heißt fliegend, zurückgelegt haben. Dies scheint mir aber für die hier vorgestellte Riesenbombe nicht wahrscheinlich. Vermutlich handelt es sich hier um eine Bombe, die während einer längeren Eruption immer wieder vom Rand in die Schmelze zurückgefallen ist. Nach dem selben Prinzip, wie ein gerollter Schneeball immer größer wird, wuchs sie so in mehreren Schichten. Dies erklärt auch, warum ihre Form rund und nicht aerodynamisch geformt ist.

Lavabomben

Die größte hier gefundene echte vulkanische Bombe. Mehr als 2 m lang und 1,4 Tonnen schwer. Ihre Form belegt einen Lufttransport im geschmolzenen Zustand. Eigenes Foto.

 

Direkt neben dieser „größten“ Lavabombe befinden sich auch mehrere echte vulkanische Bomben, darunter auch ein bemerkenswert großes Exemplar. Das zeigt deutlich, dass es für einen ambitionierten Vulkan kein großes Problem darstellt, Lava vom Gewicht eines normalen PKW durch die Luft zu befördern. Diese Bombe zeigt auch deutliche Hinweise auf ihren Lufttransport. Sie ist aerodynamisch geformt, also war sie im Flug zumindest noch teilweise geschmolzen.
Neben diesen beiden Riesen werden vor Ort noch weitere Beispiele für charakteristische Formen der vulkanischen Bomben gezeigt.

vulkanische Bomben

Verschiedene Formen vulkanischer Bomben, die am Wartgesberg gefunden wurden. Eigenes Foto.

 

Die Strohner Lavaspalte

Der Abbau am Wartgesberg hat auch einen kleinen Leckerbissen für alle geologisch interessierten zu bieten. Dort fand man eine komplett erhaltene Lavaspalte, also einen spaltenförmigen Förderschlot mit Lavastalagmiten und Lavavorhängen oder -zungen. Die Spalte war außerdem von Hämatitschüppchen bedeckt, so dass sie einen bläulichen Glanz besaß. Dieser ist aber leider in Folge der Verwitterung fast vollständig verloren gegangen. Von dieser Spalte konnte ein 6 x 4 m großes Stück geborgen werden. Seit 2002 ist es in einem eigens dafür eingerichteten kleinen Museum (Vulkanhaus Strohn) im Ort zu besichtigen. Den ursprünglichen blauschwarzen Anblick versucht man hier, durch entsprechende Beleuchtung zumindest ansatzweise zu vermitteln. Einzelne kleinere Lavastalagmiten in den Vitrinen zeigen zudem noch deutliche Spuren der bläulichen Farbe. Nicht nur die wirklich beeindruckende Spalte ist absolut sehenswert. Auch die kleine Ausstellung drumherum bietet viele Informationen und ist sollte auf jeden Fall besucht werden.

Strohn - Museum

In der Umgebung von Strohn kann man noch viele weitere vulkanische Erscheinungen beobachten. So hat zum Beispiel der Lavastrom des Wartgesberg talabwärts südlich der Straße Strotzbüsch – Oberscheidweiler ein Moor überflossen. Der dabei entstehende Wasserdampf hat die Stromoberfläche aufgewölbt, so dass sich hier zwei rund 4 m hohe Kuppeln aus porösem Basalt befinden.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich seh’ schon: Da muss ich mit meinen Kindern mal hin. Bei deren plakativ-morbidem Sinn für Humor sind Lavabomben genau das Richtige. *g*

  2. Pingback:Vulkane um Manderscheid » Mente et Malleo » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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