Video eines Gletscherlaufs am Lhotse Gletscher, Nepal

Ein ziemlich spektakuläres Video eines Gletscherlaufs vom Lhotse Gletscher in Nepal. Der Lhotse Gletscher hat seinen Namen nach dem viert höchsten Berg der Welt, dem Lhotse, an dessen Flanken er liegt. Gletscherläufe sind ziemlich beeindruckende und auch nicht ungefährliche Ereignisse. Und trotzdem wissen wir vergleichsweise wenig über sie. Und noch seltener wurden oder werden sie beobachtet. In diesem Fall gelang es einer Forschungsgruppe nicht nur, das Ereignis direkt zu beobachten, sie konnten es auch noch filmen.

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Gletscherläufe

Bei einem Gletscherlauf entleert sich das in oder auch unter einem Gletscher befindliche Wasser sehr schlagartig. Diese Fluten können für Menschen oder Infrastruktur unterhalb der Gletscher verheerende Konsequenzen haben. Daher ist es eigentlich wichtig, mehr über diese Vorgänge zu erfahren. Zumal viele Gletscher durch den Klimawandel bereits sehr unter Druck geraten sind und abschmelzen. Dadurch befindet sich oft sehr viel Wasser in oder unter den Gletschern.

Lhotse Gletscher am 12. Juni 2016

Über das Jahr 2016 arbeitete ein Team von Wissenschaftlern um Elizabeth Byers von der Beratungsgesellschaft Appalachian Ecology in West Virginia in der Nähe des Imja Sees, um Gletscherläufe der dortigen Gletscher zu studieren und die lokale Bevölkerung besser vor ihnen zu schützen. Am 12. Juni hörten die Mitarbeiter erst ein Geräusch wie von einem Erdrutsch und kurz darauf einen schwarzen Strom aus Geröll und Schlamm, der sich vom Gletscher in Richtung der Ortschaft Chukhung wälzte. Elizabeth Byers konnte noch rechtzeitig ihre Kamera schnappen, um das Ereignis zu dokumentieren.

Der Gletscherlauf hatte die Gruppe von der Ortschaft abgeschnitten, der einzige verbliebene Weg führte über den Gletscher selber und war wegen des Gletscherlaufes zu gefährlich. Das Ereignis dauerte über gut eine Stunde.
Glücklicherweise kam in der Ortschaft Chukhung niemand zu schaden, nur ein Nebengebäude wurde zerstört. Eine Wand aus Gabionen, die kurz zuvor als Schutz gegen Gletscherläufe errichtet worden war, hatte den Ort wirkungsvoll geschützt.

Wasser im Gletscher

Bereits am 14. Juni konnten die Wissenschaftler wieder an den Gletscher zurückkehren, um die Ereignisse zu rekonstruieren.
Geschätzte 2 Millionen Kubikmeter Wasser waren während des Gletscherlaufes zu Tal gegangen. Satellitenbilder des Gletschers vom Mai des Jahres zeigten 274 Seen auf dem Gletscher. Da die Größe der Seen bekannt war und das Verhältnis der Oberfläche zu deren Tiefe auch, konnte deren Volumen recht genau abgeschätzt werden. Selbst wenn alle Seen vollkommen entleert worden wären, hätte deren Wasser nur 20% der Wassermenge des Gletscherlaufs gestellt. Es muss also sehr viel Wasser in dem Gletscher selber versteckt gewesen sein. Der Gletscher glich wohl mehr einem Schwamm als einem massiven Eisblock.

Der Gletscher gleicht einem Schwamm

In einem Gletscher kann sich das Wasser durch Leitungsbahnen bewegen, die bis zu einigen Metern Durchmesser erreichen können. Solange diese Bahnen frei sind, kann der Gletscher gut entwässern. Der Lhotse Gletscher ist, zumindest sieht es auf dem Video so aus, mehr ein Blockgletscher. Zumindest befindet sich auf und vermutlich auch in ihm sehr viel Schutt von den umliegenden Bergen. Dieser Schutt kann die Leitungsbahnen verstopfen und das Wasser dahinter stauen. Zumindest solange, bis der Druck zu groß wird.

Das Problem ist, dass man einem Gletscher nicht ansehen kann, wie viel Wasser er gespeichert hat, und ob ein Gletscherlauf bevorsteht. Die Geologen werden im April diesen Jahres wieder an den Lhotse Gletscher zurückkehren, um ihm und seinen Gletscherläufen weitere Geheimnisse zu entreißen.

Rounce, D., Byers, A., Byers, E., & McKinney, D. (2017). Brief communication: Observations of a glacier outburst flood from Lhotse Glacier, Everest area, Nepal The Cryosphere, 11 (1), 443-449 DOI: 10.5194/tc-11-443-2017

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. .. Interessant ( „abenteuerlich“) .. Ich bin Mal in der Gegend gewesen – ansonsten zu Geologie jedoch keine fachliche Verbindung habe .. Hier noch ein Link (ggfls. zoomen) der die Vorstellungskraft („gewaltige“ Natur) anregt – insb. eben wenn man Mal in Hochgebirgen war ..

    https://www.google.de/maps/place/Chukhung+56000,+Nepal/@27.9058081,86.8279701,20755m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x39e9aa8fcd05aa9f:0x58e33a57e890d140!8m2!3d27.9045488!4d86.8712742

  2. Hallo Herr Dr. Ries,

    nur eben gerade Mal an Sie die Frage – weil im Moment bei Ihnen diese (und gleich) drei fake „posts“ auftauchen. Wie gelangen die eigtl. hierher – was löst die aus – (sah man ja schon öfters bei SciLogs)? Ich hab schon gedacht (da ja nach meinem post schon Mal einer da war, den Sie dann gelöscht haben), dass das vll. (indirekt, d.h. natürlich unwissend meinerseits) mit mir (meiner E-mail?) zu tun haben könnte, d.h. bei mir im Computer ein entsprechender „Virus“ sitzt? Oder sind das eben „einfach“ diese sog. Bots? Was hieße es kommt über einen der (vier) Links von Ihnen hier im thread (plus dem Video-Link) od. meinem ..

    • Hallo Axel,

      keine Ahnung, wo die herkommen. Das scheint im Moment so eine Kampagne zu sein. Sobald ich Zeit habe, werden die auch wieder fliegen (Im Moment ist die Macht nicht so stark in meiner Tastatur). Die Maildresse haben die vermutlich einfach vom Vorgängerpost abgekupfert und eingetragen. Ich glaube nicht, dass das irgendwas mit einem Virus bei Ihnen zu tun hat, auch wenn das vermutlich irgendwelche Bots sind. Und der „Dr“ sollte bei der Kommunikation hier im Internet eigentlich keine Rolle spielen.

  3. Hallo Gunnar,

    nicht dass ich ein ausgeprägtes Interesse für Geologie hätte, aber das ist (vll. auch für Dich) ein nicht uninteressanter Artikel. Die Fotos (insb. im vergrößerten Format) finde ich beeindruckend. Was/wo („on top of the image“) ist denn nun aber bei der Aufnahme v. 04.10.2016 der Kluane Lake?

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