Reden wir über Gebäudeschadstoffe – Nachlese zur DCONex 2017

Anfang Februar fand in Essen wieder die DCONex statt. Diesmal zum ersten Mal mit einem neuen Konzept als zweitägiger Fachkongress. Die Hauptschwerpunkte bildeten neben Asbest Polychlorierte Biphenyle (PCB) und deren Ersatzstoffe, die Chlorparaffine.
PCBs wurden lange Zeit unter anderem als Weichmacher und als Flammschutzmittel eingesetzt. Da sie sich in der Natur nicht bzw. extrem langsam abbauen und daher dort anreichern, werden sie zu dem „dreckigen Dutzend“ ( das in Wirklichkeit längst mehr als ein Dutzend darstellt) der POP, der „persistent organic pollutants“ gezählt. Die Bezeichnung „dreckiges Dutzend“ bezieht sich auf die ersten 12 POP, die nach dem 2004 in Kraft getretenen Stockholmer Abkommen weltweit aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Die Liste ist seither durchaus gewachsen.

DCONex 2017

Eröffnung der DCONex durch den Vorsitzenden des Gesamtverbandes Schadstoffsanierung e.V., Christoph Hohlweck. Eigenes Foto

PCB und Chlorparaffine

PCB in Gebäuden

Bereits 1973 empfahl die OECD ihren Mitgliedsländern, PCB nicht mehr in offenen Systemen zu verwenden. Es dauerte dann noch 5 Jahre, bis der Gesetzgeber in Deutschland dem folgte und erst 1983 wurde in Deutschland die Produktion eingestellt. Von den insgesamt in Deutschland hergestellten rund 85 000 Tonnen PCB entfielen mehr als 24 000 Tonnen auf offene Anwendungen wie z. B. Fugendichtungen im Baubereich. Vermutlich sind, nach einem Bericht des UBA, noch rund 12 000 bis 19 000 Tonnen PCB in deutschen Bauwerken verbaut.

Dr. Gerd Zwiener stellte den Fall des Kölner Uni Centers vor, eines Hochhauses, das mit PCB-haltigen Dichtungen belastet ist. Der Streit der Wohnungseigentümergemeinschaft, wie diese Belastung zu sanieren sei, beschäftigt die Gerichte. Die PCB-Richtlinie sieht für den Fall einer Belastung in der Regel den Ausbau vor, und nur in begründeten Ausnahmen eine Überdeckung.

Laser zum Dekontaminieren von PCB

Manchmal kann auch High Tech bei der Beseitigung PCB-haltiger Anstriche helfen, auch wenn es sich zunächst ein wenig wie Star Trek anhören mag. Dr. Anton Philipp Anthofer benutzt zur thermischen Zersetzung der PCB Hochleistungs-Laser.
PCB-haltige Anstriche wurden in hohem Maße besonders in Kernkraftwerken verwendet, um das Eindringen von radioaktiven Partikeln in den Beton zu verhindern. Ironischer Weise ist aber jetzt das in den Beton eingedrungene PCB das große Problem.
So ganz unproblematisch ist die thermische Zersetzung von PCB aber auch nicht. Wie bei chlorhaltigen organischen Stoffen kommt es auch hier bei Temperaturen zwischen 340°C und 800°C zur Bildung von Polychlorierten Dibenzodioxinen und Polychlorierten Furanen (PCDD/F). Auch während der Abkühlung im Fenster zwischen 250°C und 550°C der Rauchgase kann es zur Bildung von PCDD/F durch Rekombination kommen. Dies gilt es, unbedingt zu minimieren, um die notwendigen Filter zu entlasten. Durch quenchen der Rauchgase soll die Bildung der PCDD/F weitgehend unterbunden werden. Letztlich haben Lasersysteme den Vorteil, dass sie staub- und vibrationsfrei arbeiten. Wenn der Laser über Lichtleitkabel bis in den Arbeitsbereich geleitet wird, kann das Lasergerät selber außerhalb des kontaminierten Bereichs bleiben. Bislang scheint mir diese Technik zwar viel versprechend, aber sie ist wohl noch im Versuchsstadium.

Chlorparaffine als Ersatzstoffe für PCB

Die PCB wurden ja aus einem ganz bestimmten Grund verwendet, um bestimmte Stoffeigenschaften zu erzielen. Als die Verwendung verboten wurde, musste daher dringend ein Ersatz gefunden werden. Diesen glaubte man in Chlorparaffinen gefunden zu haben. Auch hier schien eine Verwendung zunächst recht problemlos zu sein. Dr. Pascal Diefenbacher erläuterte aber, dass dem bei Weitem nicht so ist.
Bei Chlorparaffinen handelt es sich um recht komplexe Mischungen aus polychlorierten, unverzweigten Kohlenwasserstoffen mit einem typischen Chlorierungsgrad zwischen 40 und 70 Massen%. Unterteilt werden sie meist in kurzkettige Chlorparaffine (C10 bis C13), mittelkettige Chlorparaffine (C14-C17) und langkettige Chlorparaffine (C18-C30).
Insbesondere die kurzkettigen Chlorparaffine stehen im dringenden Verdacht, auf ähnliche Weise wie PCB zu wirken und werden daher als besonders besorgniserregende Stoffe eingestuft. Die Produktion der Chlorparaffine stieg in den letzten Jahren sehr stark an und betrug alleine im Jahr 2007 rund 600 000 Tonnen. Ein Vergleich mit mit der Gesamtproduktion von 1,5 Mio. t PCB zeigt die Dimension. In der EU ist die Verwendung der kurzkettigen Chlorparaffine rückläufig, da sie unter anderem in der Leder- und Metall verarbeitenden Industrie verboten wurden und vielfach durch weniger problematische Stoffe ersetzt wurden. Ein Problem dabei ist, dass die mittelkettigen Chlorparaffine, die hier die kurzkettigen ersetzen, selber durchaus nicht unverdächtig sind und gleichzeitig produktionsbedingt mit bis zu 1% kurzkettigen Chlorparaffinen verunreinigt sind. In Baumaterialien haben die kurzkettigen Chlorparaffine vielfach PCB ersetzt. Sie finden sich daher in vergleichbaren Stoffen wie Fugendichtungen oder Farben und Lacken. Die damit belasteten Materialien haben eine relativ lange Nutzungsdauer und sind vermutlich noch in vielen bestehenden Bauwerken vorhanden. Sie werden uns, wie auch schon PCB, wohl über einen sehr langen Zeitraum als Gebäudeschadstoff begleiten.

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Das Auditorium. Eigenes Foto

Notwendigkeit einer VDI-Richtline für PCB

Bei der Bedeutung der PCBs als Gebäudeschadstoff ist es vielleicht etwas verwunderlich, dass (zumindest soweit ich weiß), die Regeln dafür etwas, ganz vorsichtig ausgedrückt, altbacken sind. Die PCB-Richtlinie stammt aus dem Jahr 1994. Daher fordert Martin Kessel eine VDI Richtlinie 6202Blatt 4, PCB. Er führte dazu auch einige Punkte auf, die in dieser VDI-Richtlinie zu behandeln sein sollten. So sollte die Unterscheidung von Primär- und Sekundärquellen zugunsten einer Hinwendung zu den Gehalten als Maßstab des Handelns erfolgen. Gleiches gilt für den in der PCB-Richtlinie von 1994 verwendeten begriff „im Jahresmittel“, was im Alltag durchaus zu seltsamen Diskussionen führen kann. Zudem hat sich gerade im Bereich der Abfallentsorgung seither einiges getan.

Schadstoffe und Bauen im Bestand

Die Gebäudeschadstoffe wurden ja eigentlich zu einem bestimmten Zweck in die Gebäude eingebracht. Hans-Dieter Bosselmayer lenkte die Aufmerksamkeit auf gebäutetechnische Anlagen und deren Schadstoffe. Hier in erster Linie Asbest, wie er sich zum Beispiel oft in den Brandschutzklappen von Lüftungsanlagen findet. Aber auch andere Schadstoffe wie die oben erwähnten PCB und Chlorparaffine, PAK und eventuell biologische Belastungen durch Schimmelpilze und Legionellen sind hier bei der Bauinstandhaltung zu bedenken.

Kühltürme und Legionellen

Überhaupt Legionellen. Diese sind als bakterielle Belastungen in Warmwasseranlagen gefürchtet. Aber um die Sache so richtig auf die Spitze zu treiben, braucht man eine Verdunstungskühlanlage oder Kühlturm. Dr. Martin Strathmann erläuterte das Risiko, das von derartigen Anlagen ausgehen kann. Die Verrieselung des Kühlwassers in Kühltürmen erhöht die Verdunstung und soll so möglichst effektiv kühlen. Dabei wird aber auch ein Aerosol erzeugt, und damit lassen sich hygienisch relevante Organismen sehr effektiv verbreiten. In der Vergangenheit ist das durchaus schon vorgekommen, wie ein Fall von 2013 im Raum Warstein mit 160 erkrankten und 3 Todesfällen zeigt. Seit Januar 2015 ist daher die VDI-Richtlinie 2047 Blatt 2, „Sicherstellung des hygienegerechten Betriebs von Verdunstungskühlanlagen“ in Kraft.

Wärmedämmverbundsysteme

Dr. Jürgen Kisskalt berichtete über Schadstoffe in Wärmedämmverbundsystemen. Wärmedämmung ist schon seit einiger Zeit ein wichtiger Zweig der Sanierung und Renovierung von Gebäuden. Spätestens seit der ersten Ölkrise in den 1970´er Jahren kommen Wärmedämmverbundsysteme zum Einsatz. Damals waren viele der heute verbotenen Schadstoffe noch regulär im Einsatz, so dass sich diese Schadstoffe heute in vielen Dämmungen wieder finden. Der Hickhack um das Flammschutzmittel HBCD ist ja noch nicht allzu lange her. Aber auch andere Schadstoffe sind hier häufig anzutreffen, nicht zuletzt Asbest in den Putzen auf den Mauern hinter den Dämmungen als auch in den Putzen darauf oder in den Klebern. In den Dicht- und Fugenmassen kommen zudem auch PCB und Chlorparaffine vor. Außerdem kann die Dämmung selber aus alter Mineralwolle bestehen.

Alte Mineralwolle

Beim Thema Wärmedämmung kommt man irgendwann auch zur Mineralwolle (KMF). Auch diese zeichnet sich durch einige sehr gute Materialeigenschaften und günstige Herstellung aus. Dies führte unter anderem dazu, dass sie gerne zur Dämmung eingesetzt wurde und auch noch immer wird. Leider wird ihre Fähigkeit zur guten Wärmedämmung damit erkauft, dass sie alveolengängige Fasern aufweist. Also Fasern, die von ihren Abmessungen in die Lungenbläschen eindringen können. Wie man alte Mineralwollen erkennen und bewerten kann, thematisierte Oliver Becker. Die Fasern von Glaswollen haben eine Verweildauer in den Lungenbläschen, die sie in den Verdacht stellt, Krankheiten zu erzeugen. Je länger sie in den dort verbleiben, desto kritischer werden sie gesehen.
Alte Mineralwollen, die vor 1996 verbaut wurden, stehen daher im Verdacht, Lungenkrebs auszulösen. Für Glaswollen der Jahre 1996 bis 2000 ist die Lage vergleichsweise ungeklärt, ab 2000 werden die Glaswollen mit einem RAL-Gütezeichen freigezeichnet.
Die Gefahrstoffverordnung, Anhang II Nr. 5 regelt, dass lungengängige Mineralfasern mit einem Massengehalt von mehr als 18% an Na, K, Ca, Mg und Ba nicht zur Wärme- und Schalldämmung eingesetzt werden dürfen, es sei denn, diese Fasern erfüllen eines der folgenden Kriterien:

Sie zeigen keine Anzeichen einer übermäßigen Kanzerogenität im Intraperitonealtest
Ihre Halbwertszeit bei intratrachealer Instillation von 2 mg WHO-Fasersuspension liegt unter 40 Tagen (für Hochtemperaturanwendungen kann der Wert länger sein).
Ihr Kanzerogenitätsindex (KI) liegt über 40.

Diese Werte bzw. Tests dienen der Beurteilung des kanzerogenen Potentials der lungengängigen Fasern. Dabei ist der KI ein deutsches Unikum. Er geht, schlicht gesagt, davon aus, dass die Verweildauer der Fasern im Lungengewebe mit dem Aluminiumgehalt der Fasern zusammenhängt. Er ist die Differenz zwischen der Summe der Massengehalte (in Prozent) der Oxide von Natrium, Kalium, Bor, Calcium, Magnesium, Barium und dem doppelten Massegehalt (in Prozent) von Aluminiumoxid. Aufgrund des KI werden in Deutschland künstliche Mineralfasern in mehrere Kategorien eingeordnet:
Fasern mit einem KI ≤ 30: K1B – Stoffe, die beim Menschen erwiesenermaßen Krebs erregen
Fasern mit einem KI > 30 und > 40: K2, Stoffe, die als krebserzeugend angesehen werden sollten.
Fasern mit einem KI ≥ 40: Freizeichnung von Krebsverdacht.
Allerdings ermöglicht der KI keine sichere Unterscheidung zwischen alter und neuer Mineralwolle.

Asbest – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Asbest ist fast so eine Art Dauerbrenner unter den Gebäudeschadstoffen. Auch über 20 Jahre nach dem Verwendungsverbot. Andreas Feige-Munzig betrachtet dieses Thema als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, denn die von dieser ehemaligen Wunderfaser ausgehenden gefahren erreichen jeden von uns, sei es als Eigentümer oder als Nutzer von Gebäuden oder als Arbeitnehmer, der mit den diversen Verwendungen in Berührung kommt. Vielleicht ist ein Nationaler Asbestdialog hier der richtige Weg.

DCONex 2017

Schutzausrüstung und Bigpack für die Asbestsanierung. Eigenes Foto

 

Verdeckte Asbestprodukte – Ergebnisse und Erkenntnisse

in jüngster Zeit traten die so genannten verdeckten Asbestprodukte wie Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber immer mehr in den Fokus. Denn obwohl hier oft nur sehr wenig Asbest zu finden ist, kann es bei der Bearbeitung dieser Produkte durchaus zu nennenswerten Faserexpositionen kommen.
Dr. Bernd Sedat, Dr. Alexander Berg, Reiner König und Andrea Bonner gingen der Frage nach, wie man die dabei auftretenden Faserexpositionen vernünftig messen kann. Das ist nämlich weit weniger einfach, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn bei vielen Tätigkeiten, die diese Produkte betreffen, kommt es zu einer erheblichen Staubfreisetzung. Dieser Staub kann die zur Fasermessung eingesetzten Filter sehr schnell zusetzen, so dass sie im Labor nicht mehr auswertbar sind. Man kann natürlich die Messzeit entsprechend verkürzen, aber das löst das grundsätzliche Problem auch nicht, da hier die Messunsicherheit deutlich zunimmt. Trotz aller Probleme zeichnet sich aber ab, dass fast alle Arbeiten an Produkten, die selber unter 0,1 Massen% Asbest enthalten, durchaus Faserkonzentrationen von mehr als 100 000 Fasern/m³ freisetzen können. Selbst die Verwendung staubarmer Systeme kann die Faserkonzentration nicht unter 10 000 Fasern m³ drücken.

Was ist asbesthaltig?

Olaf Dünger ging der Frage nach, was denn eigentlich asbesthaltig bedeutet. Dies ist ja auch im Zuge der verdeckten asbesthaltigen Produkte eine wichtige Frage, können diese doch auch Asbestgehalte von weniger als 0,1 Massen% enthalten. Das Problem dabei ist, dass dies nicht ganz so eindeutig festgelegt ist, wie es hier vielleicht wünschenswert wäre. So ist laut Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) die Gewinnung, Aufbereitung, Weiterverarbeitung und Wiederverwendung von natürlich vorkommenden mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Produkten mit einem Massengehalt von 0,1 % Asbest schlicht verboten.
Damit die Entfernung von asbesthaltigen Produkten möglich bleibt, sind bestimmte Arbeiten über die Regelungen der GefStoffV ausgenommen, solange angemessene Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Allerdings können auch bei Produkten mit weniger als 0,1 Massen% im Falle von Bearbeitung durchaus nennenswerte Fasermengen freigesetzt werden. In der TRGS 517 wird als untere Schwelle ein Gehalt von 0,008 Massen% Asbest genannt, welcher der Nachweisgrenze des Verfahrens nach BIA 7487 entspricht. Ich persönlich halte ja immer eine Koppelung eines Grenzwertes an die Nachweisgrenze analytischer Verfahren für problematisch. Allerdings können auch bei Asbestgehalten unter diesem Wert deutlich Fasern freigesetzt werden und eine Gefährdung ist auch bei niedrigen Faserkonzentrationen nicht vollkommen auszuschließen. Hier sollte gründlich überlegt werden.
Dies gilt auch hinsichtlich dem Ziel einer Kreislaufwirtschaft und dem Recycling von Baustoffen. Dabei sollte eine Anreicherung von Schadstoffen dringend vermieden werden.

Staubminimierung

Asbest ist beileibe nicht das einzige Problem. Andreas Feige-Munzig stellte die alltägliche Staubbelastung auf Baustellen vor. Asbest stellt hier nämlich nicht das einzige Problem dar, denn schon der normale Staub, ob als einatembarer Staub (E-Staub, < 10 – 2µm) oder als alveolengängiger Staub (A-Staub <1 µm) kann die Lungen schädigen. Von wegen es ist ja nur Staub. Bei Dieselruß, Bleistaub oder KMF-Stäuben wären sicher viele sehr vorsichtig. Aber auch Quarzstaub und sogar Holzstäube gelten als krebserzeugend.
Bei so feinen Partikeln in der Luft spielt die jeweilige Verweildauer in der selben eine große Rolle. Sie nimmt bekanntlich mit abnehmender Größe der Staubpartikel deutlich zu. Beträgt sie bei den großen Fraktionen nur wenige Minuten, 10 µm große Partikel sinken in bewegungsloser Luft z.B. mit 0,3 cm/s ab, so bleiben die feinen Fraktionen sehr viel länger in der Schwebe. Bei einer Partikelgröße von 0,1 µm beträgt sie Sinkrate nur noch 0,004 cm/s, was bedeutet, dass man quasi die ganze Schicht was davon hat. Aus rund 1 m Höhe dauert es hier bereits 417 Minuten oder 6 Stunden bei bewegungsloser Luft, bis ein Partikel am Boden ankommt. Diese Strecke legt ein 10 µm Partikel in 5,6 Minuten zurück. Dies dürfte einer der Gründe sein, dass der allgemeine Grenzwert für A-Staub auf 1,25 mg/m³ gesenkt wurde.
Unter den Stäuben dürfte Quarzstaub vermutlich der wichtigste sein. Er fällt Material bedingt bei sehr vielen Arbeiten an sehr vielen Stoffen an. Auch er gilt als krebserzeugend und der Beurteilungsmaßstab beträgt seit 2015 hier 0,05 mg/m³. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass Tätigkeiten wie Bohren in Beton bereits 7,0 mg/m³ A-Staub produzieren kann. Selbst ganz normales trockenes Fegen schlägt mit 8,4 mg/m³ A-Staub zu Buche. Staubminimierung kann hier schon bedeuten, nass zu arbeiten (Nassschleifen, und Schneiden) oder/und mit entsprechender Absaugung.

Asbest – Erfahrungen aus der Schweiz

Asbest ist auch in anderen europäischen Ländern ein großes Problem. Dr. Stefan Scherer stellt einmal die Schweizer Sicht dar. Hier wurde seit 1990 die Verwendung und Inverkehrbringung von Asbest und asbesthaltigen Produkten verboten. Und auch hier sind vor allem bei Sanierungs- und Rückbauarbeiten die betreffenden Menschen gefährdet. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt hat daher zusammen mit den betroffenen Berufsverbänden eine Präventionskampagne gestartet. In Informationsmaterialien sind die Tätigkeiten entsprechend mit einem Farbcode gekennzeichnet. Grün für Tätigkeiten mit keiner oder nur sehr geringer Belastung, Gelb für Tätigkeiten mit geringer Belastung, die instruierte Arbeitnehmer unter beschriebenen Schutzmaßnahmen ausführen dürfen. Arbeiten mit großer Freisetzung sind rot gekennzeichnet. Diese dürfen nur von anerkannten Asbestsanierungsunternehmen ausgeführt werden.

Nachhaltiges Bauen und Asbest

Asbestzementdächer

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden verschiedene Aspekte der Asbestsanierung und des nachhaltigen Bauens betrachtet. Den Beginn machte Henk Schepers mit der Beschleunigung der Sanierung von Asbestzementdächern in den Niederlanden. Denn die Dächer aus den bekannten Asbestzementen kommen so langsam in die Jahre. Stellen frische und intakte Asbestzemente noch kein Problem dar, so ändert sich die Lage stark, wenn das Material mit zunehmender Verwitterung verstärkt Fasern freisetzen kann.In den Niederlanden wurde daher ein generelles Asbestverbot in Faserzementdächern für 2025 ausgesprochen. Gebäudeeigentümer müssen bis zu diesem Zeitpunkt asbesthaltige Faserzementdächer entfernt haben. Das ist leichter gesagt als getan. Schätzungen gehen in den Niederlanden von einer betroffenen Dachfläche von 120 Mio. m² bis 250 Mio. m² aus. Davon werden pro Jahr rund 4 – 6 Mio. m² entfernt.

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Teilnehmer der Podiumsdiskussion unter der Leitung von Jürgen Zurheide. Sitzend von links: Sarah Philipp, Henk Schepers, Martin Wesselmann, Dr. Bettine Schröder, Christoph Hohlweck und Heinz Kropiunik. Eigenes Foto

Schadstoffmanagement in Österreich

Heinz Kropiunik bot einen Blick auf die Situation in Österreich. Auch hier stellen mineralische Abfälle den Hauptteil des Abfallaufkommens dar. Bemühungen, die Abfallmengen zu reduzieren und gleichzeitig nachhaltig zu Wirtschaften bedeutet, bedeutet; verstärkt Baustoff-Recycling zu betreiben. Das hilft, sowohl Rohstoffe als auch wertvollen Deponieraum zu schonen. Dabei hängt die gesellschaftliche Akzeptanz von Recycling-Baustoffen maßgeblich von deren Qualität ab. Hier ist ganz besonders die Schadstofffreiheit hervorzuheben. Nachhaltiges Bauen sollte eben nicht bedeuten, dass wir heute die Schadstoffe von morgen verbauen, damit die Sanierer auch später noch gut zu tun haben (das haben sie vermutlich eh).

Asbest und Arbeitsschutz

Asbest und Arbeitsschutz sind in Deutschland sehr eng miteinander verknüpft. Ging es zunächst darum, sicheres Arbeiten mit dem Werkstoff Asbest zu gewährleisten, so geht es nach dem Asbestverbot zunehmend darum, die betroffenen Gebäude zu betreiben und zu sanieren. Dr. Bettina Schröder referierte über aktuelle Arbeitsschutzmaßnahmen sowie das Problem, dass der zunehmende Informationsverlust über asbestbelastete Stoffe darstellt. In was soll hinsichtlich nachhaltigen Bauens mit asbesthaltigen Materialien geschehen, die auch Jahrzehnte nach dem Asbestverbot noch immer vorhanden sind?

Sozialer Wohnungsbau und Nachhaltigkeit

Sarah Philipp als MdL NRW berichtete über die neue Landesbauordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Wie können immer mehr Menschen mit bezahlbarem Wohnraum versorgt werden, ohne dabei Abstriche an der Qualität zu machen?

 

Weitere Fotos der Vortragenden

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Herr Ries,

    Ihre Zusammenfassung der aktuellen Tagung DCONex, verbunden mit kurzen eigenen Kommentaren und weiteren Links, ist definitiv eine wichtige Basisinformation für alle (ob Bauarbeiter, Ingenieure oder Heimwerker), die mit dem Bau, der Sanierung oder dem Abriss von Gebäuden befasst sind.

    Danke dafür!

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