Vulkane und ihre Auswirkungen auf das Klima

Am Abend des 10. April 1815 explodierte der Tambora auf der Indonesischen Insel Sumbawa.  Der Tambora schleuderte, während des stärksten Vulkanausbruchs in historischen Zeiten, gewaltige Mengen von Asche und Schwefelverbindungen in die höheren Schichten der Atmosphäre. Der folgende Sommer 1816 war besonders kalt und nass, die Temperaturen lagen bis zu 1°C  unter den langjährigen Durchschnitt. Der folgende Winter war hart und der Schnee blieb bis weit in den Mai 1817 auf den Feldern liegen. Noch in 1820 gibt sich der Salzburger Kreishauptmann Graf Welsperg-Raitenau über „die Verwilderung der Alpen“ besorgt, als zahlreiche Gletscher vorstoßen und drohen Almen und Täler unter sich zu begraben.

Die vulkanische Asche, Dampf und Gase, darunter speziell Schwefeldioxid, gelangten während des Ausbruchs des Tamboras hoch in die Atmosphäre, wo sie von Jetstreams über die Erde verteilt wurden. Schwefeldioxid formt mit der Luftfeuchtigkeit Tröpfchen, die als Dunstschleier wirken und die Sonneneinstrahlung reflektieren. Auch die Asche wirkt als eine Art Decke, die die Sonneneinstrahlung beträchtlich abschwächt. Einer verminderten Sonneneinstrahlung folgt aber auch eine Abnahme der Temperaturen an der Oberfläche der Erde. Der Dunstschleier des Tambora verblieb für 2 bis 4 Jahre in der Erdatmosphäre, erst nach 1818-20 stabilisierte sich das Wetter wieder.

Der Amerikanische Politiker und Naturforscher Benjamin Franklin (1706-1790) war wohl einer der Ersten, der eine Beziehung zwischen Vulkanausbrüchen und Klima erkannte. Nach den Ausbruch des Laki in Island (Juni 1783) schreibt er:
„Über einige Sommermonate des Jahres 1783, als die erdwärmende Wirkung der Sonnenstrahlen in diesen nördlichen Regionen größer hätte sein sollen, lag ein konstanter Nebel über ganz Europa und großen Teilen Nordamerikas. Dieser Nebel war von einer dauerhaften Natur; er war trocken, und die Sonnenstrahlen schienen wenig Erfolg darin zu haben ihn aufzulösen, was sie bei feuchten Nebeln, die vom Wasser aufsteigen, leicht vollbringen. Sie waren nach dem Durchdringen tatsächlich so abgeschwächt, dass sie, durch ein Brennglas gebündelt, braunes Papier nur gerade entzündeten. Natürlich war ihre sommerliche Wirkung bei der Erwärmung der Erde überaus vermindert. Folglich war die Oberfläche früh gefroren. Folglich blieben die ersten Schneefälle liegen, ohne zu schmelzen, und erhielten kontinuierliche Ergänzungen. Folglich war die Luft frostiger, und die Winde waren kälter. Folglich war der Winter 1783/84 schwerer als irgendeiner in vielen frühen Jahren.
Die Ursache dieses allgegenwärtigen Nebels wurde bisher nicht ermittelt. Es ist noch unsicher, ob es sich lediglich um Dunst handelt, der von einem dieser großen Feuerbälle herrührte, denen wir auf unserem raschen Weg um die Sonne begegnen; oder ob es die riesige Menge an Rauch war, die während des Sommers von Hekla in Island und diesem anderen Vulkan, der nahe dieser Insel aus dem Meer stach, herrührte und durch verschiedene Winde über den nördlichen Teil der Welt verteilt wurde. Wie dem auch sei, scheint es eine Untersuchung wert zu sein, ob anderen harten Wintern in der Geschichte ähnliche andauernde und weit ausgedehnte Sommernebel vorausgingen.“
(Auszug aus „Memoirs of the Literary and Philosophical Society of Manchester, London, 1789)

Klimatische Auswirkungen von starken Vulkanausbrüchen beschränken sich nicht nur auf die Vergangenheit. Der schwefelige Nebel des Pinatubo (Philippinen, 1991) wirkte als Schattenspender weltweit, die Temperaturen sanken auch diesmal merklich, im Schnitt um die 0,6°C.

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David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in, oder wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Eine vorübergehende Abkühlung der Erde mittels Aerosolen wie beim Tambora oder Pinatubo-Ausbruch geschehen, scheint nicht besonders schwierig zu bewerkstelligen. Nicht nur Vulkane können so etwas, auch der Mensch könnte es. Die künstliche Ausbringung eines Aersolos wäre die einfachste und billigste Geoengineering-Massnahme. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass einem globalen Geoengineering alle oder auch nur viele Staaten zustimmen würden. Wenn schon wäre ein solch temporäres Abschatten mittels Aerosolen eine mögliche Massnahme gegen Hitzewellen, wie sie beispielsweise im März 2012 die USA heimsuchten (March 2012 North American heat wave). Eigentlich ist es erstaunlich, dass bis jetzt noch keine der oft verheerenden Hitzewellen mit einem künstlichen Aerosol bekämpft wurde.

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