Klimaschutz nicht nach Plan

Es sollte die große Feierveranstaltung werden. Ein Jahr nach dem historischen Abkommen von Paris, das in Rekordzeit von der Welt ratifiziert wurde, sollten ambitionierte Ziele schnell in konkrete Pläne umgesetzt werden. Und dann kam es doch ganz anders. Mit der Wahl des neuen US-Präsidenten liegt ein Schatten über den Klimaverhandlungen in Marrakesch und nichts läuft mehr nach Plan.

Ein Kommentar von unserem Klimapolitikexperten Professor Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, der vor Ort von dem aktuellen Geschehen mit Hintergründen berichtet.

Die Weltgemeinschaft hatte sich für das Undenkbare gewappnet. Im Rekordtempo wurde das Pariser Klimaabkommen durch die nationalen Gremien geboxt, damit es noch vor den US-Wahlen in Kraft treten kann. Ein Präsident Trump sollte so daran gehindert werden, sich dem Abkommen zu verweigern. Genau der Fall ist jetzt eingetreten, Donald Trump ist Präsident geworden. Trotz des Gewaltakts der Ratifikation hatte kaum jemand ernsthaft damit gerechnet.

Schlimmer konnte es nicht kommen: Wiederbelebung der Kohle, neue Öl- und Gaspipelines, Aufkündigung des Paris-Abkommens – das ist das Programm des Republikaners. Ob es tatsächlich dazu kommen wird, oder ob ein Präsident Trump klimapolitisch geläutert sein wird, bleibt ungewiss. Allein die Unsicherheit aber reicht, um den Verhandlungen in Marrakesch jeden Schwung zu nehmen. Seither geht hier nichts mehr nach Plan.

Ein erster Ausfall ist schon zu vermelden: Die USA verlassen die „Koalition der hohen Ambitionen“ mit Europa und den Inselstaaten. Diese Staatenkoalition hatte das Paris-Abkommen erst möglich gemacht. Jetzt erklärt diese Gruppe, dass man bereit ist, mit allen Ländern der Welt „einschließlich den USA“ zusammenzuarbeiten.

Aber auch beim „Musterschüler“ Deutschland geht es chaotisch zu. Die große Transformation zu den Erneuerbaren Energien, die mit dem Klimaschutzplan 2050 eingeleitet werden sollte, gerät ins Stocken. Erst kurz vor der Abreise der Umweltministerin Barbara Hendricks nach Marrakesch fand die Regierung zu einem Kompromiss. In dem stehen nun auch nur luftige Versprechungen in Deutschland. Und außerdem ein Katalog mit Klimaschutzzielen für Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft. Für diese Bereiche sind allerdings Technologien nötig, die es heute noch gar nicht gibt, wie die Umweltministerin im Interview erklärt hat.

Das Gesicht von Deutschland bleibt in Marrakesch so zwar gewahrt, aber eine überzeugende Umsetzung des Übereinkommens von Paris hätte grundlegend anders aussehen müssen. Sie müsste auf Märkte setzen, statt auf Pläne. Denn wer kann wissen, was im Jahr 2050 das Beste wäre, um Deutschland in eine kohlenstoffneutrale Zukunft zu führen. Und sie müsste an europäischen und internationalen Mechanismen ansetzen, um die Suche nach den besten Lösungen voranzutreiben. Das gute Beispiel eines Landes zählt am Ende nichts, wenn nicht alle Länder von der Lösung überzeugt sind.

Das Paris-Abkommen war in diesem Sinne angelegt. Von unten, in den Nationen sollte die Überzeugung wachsen, dass sich Klimaschutz lohnt. Wer auf Kosten anderer sich in die Ecke drückt, sollte beschämt werden. Bestraft werden sollte er nicht, denn das war die Lehre aus dem Kyoto-Protokoll: Wenn den Ländern Klimaschutz von oben aufgedrückt wird, treten sie einfach aus dem Vertrag aus.

Das hat die USA bereits 1998 getan – jetzt droht Trump erneut damit. Wir Deutschen können daraus lernen: Anstatt sich über Trump und die U.S.-Amerikaner zu mokieren, sollten wir die Fehler vermeiden, der zu diesem Wahlergebnis geführt haben. Keine Pläne von oben, keine intransparenten, für den Bürger nicht nachvollziehbaren Tabellenanhänge, sondern überzeugte Mehrheiten und ein langfristig angelegter gesellschaftlicher Diskurs über den Klimaschutzplan 2050. Die Klimawissenschaftler mögen im Besitz der Wahrheit sein, über die Politik müssen am Ende die Bürger entscheiden. Das verlangt der Respekt vor der Demokratie und das ist der gute Grundsatz des Weltklimarats.

Mit der Wahl von Donald Trump wird der Abschied von den fossilen Energien in den USA und vielleicht auch in der Welt verlangsamt, aufhalten wird auch der nächste US-Präsident diese historische Entwicklung nicht.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kommentar zum Kommentar :

    Wir Deutschen können daraus lernen: Anstatt sich über Trump und die U.S.-Amerikaner zu mokieren, sollten wir die Fehler vermeiden, d[ie] zu diesem Wahlergebnis geführt haben.

    Janz jenau.
    Und ein Fehler könnte darin bestanden haben :

    Die große Transformation zu den Erneuerbaren Energien, die mit dem Klimaschutzplan 2050 eingeleitet werden sollte, gerät ins Stocken.

    Vgl. mit :
    -> http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011_ZfE.pdf (hier die Zusammenfassung für Entscheider webverwiesen)

    Die Situation ist für die Stakeholder, insbesondere große Staaten der “freien Welt” sind hier gemeint, dilemmatisch.

    Herr Trump mag gelegentlich ungünstig hervorgekommen sein, vgl. bspw. mit :
    -> https://twitter.com/realdonaldtrump/status/265895292191248385?lang=de
    …er gilt aber schon, für einige, als hoch verständig und adaptiv.
    Soll u.a. heißen, dass ihn “sein Geschwätz von gestern” nicht belangen muss, wenn es um die Klima-Problematik geht, vielleicht entsteht hier auch eine Chance, denn Herr Trump denkt wirtschaftlich und in potentiell wirtschaftlich funktionierenden Systemen, ist nicht sozusagen klima-religiös, wird so nicht postreligiös Anhängerschaft suchen, anzunehmenderweise.

    Ein Präsident Trump sollte so daran gehindert werden, sich dem Abkommen zu verweigern. Genau der Fall ist jetzt eingetreten, Donald Trump ist Präsident geworden. Trotz des Gewaltakts der Ratifikation hatte kaum jemand ernsthaft damit gerechnet.

    Dieser ‘Gewaltakt’ ist hier ebenfalls bemerkt worden, kann er revidiert werden?!

    Aber auch beim „Musterschüler“ Deutschland geht es chaotisch zu.

    Barbara Hendricks stand wohl auf der gemeinten Konferenz “im Hemd”.

    Sie müsste auf Märkte setzen, statt auf Pläne.

    Klingt gut, im Sinne rahmengebender Handhabung des (weitgehend) freien wirtschaftlichen Handelns vor dem gemeinten, leider dilemmatischen Hintergrund.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • PS und Variante:

      Wer auf Kosten anderer sich in die Ecke drückt, sollte beschämt werden.

      Wer auf Kosten anderer sich in die Ecke drückt, sollte überredet und am besten: überzeugt werden.

    • Trump “hoch verständig” zu nennen ist sehr gewagt. Der Psychologe Dan McAdams hält Trump für hochgradig instabil und neurotisch narzistisch. Von Trump gibt es eine Selbstbeschreibung: “Ich glaube, ich liebe vor allem die Jagd an sich”. (SPIEGEL, Nr. 46/2016, S. 12).
      Wie soll so einer als Präsident arbeiten?

      • @ Herr Stefan :

        Der US-Präsident als Jäger sozusagen, sofern das Zitat stimmt, er sollte eher Sammler sein, korrekt.
        Auf pers. Anfeindung mit pers. Anfeindung (auf gleichem oder ähnlichen Niveau) zu reagieren, hat er sich abzugewöhnen. [1]

        MFG
        Dr. Webbaer (der nichts gegen die Püschölogie hat, auch nichts gegen Fern-Püschologie, ihr aber keine besondere Bedeutung zuspricht)

        [1]
        Wer über weitere Muster Donald J. Trumps lesen möchte, ist bei Scott Adams (“Dilbert”) gut bedient.

  2. Ja, es gibt den Weg des Binnen- und nationalen Marktes zur Postfossilität und den Weg der internationalen Abkommen, der internationalen Zusammenarbeit und der internationalen Marktregeln. Und nur der Weg der internationalen Zusammenarbeit – mit oder ohne Markt – verspricht überhaupt, dass der nötige Zeitplan eventuell eingehalten werden kann.
    Der nationale und lokale Marktweg dagegen führt über das selbstfinanzierte Solardach mit einer Lithiumionenbatterie als Puffer (Teslas Power Wall) und das in der Garage stehende Elektroauto zur autonomen Selbstversorgung. Das können sich heute nur die Wohlhabenden leisten und das werden sich auch in Zukunft nur die Wohlhaben leisten können weswegen diese Art von Marktdurchsetzung der Klimaziele wohl nicht vor Ende des Jahrhunderts ans Ziel kommt.

    Der Klimawandel ist ein globales Problem, das global, inter- und übernational angegangen werden muss, wenn es in absehbarer Zeit gelöst werden soll. Die Tendenz zur Antiglobalisiserung auf der politschen Bühne – und das sowohl rechts wie links -, ist Gift für eine konzertiere Aktion weg von der Fossilität hin zur Treibhausneutralität.

    Was ist im Licht dieser Ausführungen zu folgendem zu sagen:

    Sie müsste auf Märkte setzen, statt auf Pläne. Denn wer kann wissen, was im Jahr 2050 das Beste wäre, um Deutschland in eine kohlenstoffneutrale Zukunft zu führen.

    Ja, Märkte sind kein Gegensatz zu Internationaliät und Globalität und Märkte sind sehr effektiv, wollen doch meist möglichst viele daran teilnehmen. Eine globale Martkordnung, welche Fossilität bestraft (CO2-Steuer) oder verbietet, wäre sehr effektiv. Globale Märkte mit globalen klimakonformen Marktregeln wären das ideale Umfeld für den schnellen Weg zur Klimaneutralität. Das tragische ist, dass Donald Trump genau aus diesen globalen Märkten aussteigen will, dass er den internationalen Handel (egal ob mit Öl oder Solarpaneln) erschweren und die Ausbeutung der nationalen fossilen Energieressourcen erleichtern will.

  3. Ja, der Weg zur CO2-freien Zukunft ist weitgehend offen, die Technologien nur teilweise bekannt, die Forschung erst angelaufen. Somit stimmt einfach nicht, was sogar viele Klimawissenschaftler behaupten: Dass nämlich alles nur eine Sache des politischen Willens sei. Dies als Zustimmung zum obigen Abschnitt:
    Zitat:

    Und außerdem ein Katalog mit Klimaschutzzielen für Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft. Für diese Bereiche sind allerdings Technologien nötig, die es heute noch gar nicht gibt. … Sie [die Umsetzung des Pariser Abkommens] müsste auf Märkte setzen, statt auf Pläne. Denn wer kann wissen, was im Jahr 2050 das Beste wäre, um Deutschland in eine kohlenstoffneutrale Zukunft zu führen. Und sie müsste an europäischen und internationalen Mechanismen ansetzen, um die Suche nach den besten Lösungen voranzutreiben.

    Genau so ist es: Klimapolitik und Dekarbonisierung sind globale Aufgaben, die globaler Märkte bedürften. Märkte, die CO2-arme Produkte anbieten, welche das Resulat von internationaler und nationaler Forschung zur Dekarbonisierung sind.

    Doch die Menschheit hat gegenüber dieser globalen Aufgabe bisher phänomenal versagt. Die Wahl Trumps ist nur eine Bestätigung des Versagens, eine Bestätigung, die zeigt, dass ein einzelner wichtiger Akteur, der abspringt, alles in Frage stellen kann.

    Folgende Schlüsse lassen sich aber aus der ganzen Geschichte ziehen: Politik ist unzuverlässig und führt nicht über eine geradlinigen Pfad zum Ziel. Wenn die Menschheit etwas vorangebracht hat und voranbringt und das unabhängig von einzelnen Akteuren (wie Trump) und weltpolitischen Stimmungen, dann ist es Wissenschaft und Technologie. Deshalb hätten bereits nach dem Gipfel von Rio 1992 internationale und nationale Forschungsprogramme zur Dekarbonisierung gestart werden müssen. Die Politik erreicht also am meisten, indem sie Programme anstösst, die die Zukunft verändern und nicht indem sie Gesetze erlässt und Abkommen unterzeichnet, bei denen nichts als die politische Absicht dahintersteht.

  4. Auch wenn die Administration Trump den Wandel der Energieversorgung hin zu erneut beschleunigtem Abbau fossiler Energieträger, mit all den “Nebeneffekten” (“it’s just effects, just not anticipated ” – Prof. John D. Sterman, MIT Sloan School of Management) angekündigt und in weiten Teilen bereits eingeleitet hat sind es aus meiner Sicht weniger die Technologien, die den vermeintlich “rettenden Anker” in Bezug auf den Klimawandel.

    Das Verhalten der Akteure, vom Konsument hin zu den Unternehmen, Rohstofflieferanten und den politischen Kräften wird auch bei neu auftauchenden Technologien in den bisherigen Verhaltensmustern verharren.

    Die letztens erschienene Studie zu den Pendlerbewegungen in Deutschland bezeugt einmal mehr, dass wir als Gesellschaft noch immer am Verständnis des “Arbeitens vor Ort” festhalten.

    Wie anders wären die Klimaauswirkungen, wenn Technologien nicht in Hinblick auf verbesserte Motoren und Produktionsverfahren sondern in die Richtung “Wie können wir die Arbeit der Zukunft so mit der Digitalisierung, insbesondere Kommunikation verknüpfen, dass klimarelevante Folgen um ein Vielfaches gegenüber Heute verringert werden?” geht.

    Es wird nicht einfach sein und wahrscheinlich braucht es einen längeren Atem, um die Themen Systems Thinking und System Dynamics für das Verstehen von komplexen Dynamiken (z.B. Umsetzung der Energiewende, Ausweitung von Pendlerbewegungen) im alltäglichen Miteinander zu etablieren. Bislang, obwohl es in den 70er Jahren mit Erscheinen von “The Limits to Growth” positive Entwicklungen auch in Deutschland gab, gibt es zur Zeit keine Integration in das Bildungswesen.

    Dass es zarte Ansätze gibt zeigte sich bei einem Workshop im Rahmen des bundesweiten Projekts “Zukunftstadt” in Dresden #DDzu2030 im Januar 2016 https://www.facebook.com/schuleruniondresden/posts/197430857277989 – “Systemdynamik als Schulfach”

    Am Ende muss die junge Generation ein Verständnis dafür entwickeln, wie sie als Einzelne oder Gruppen mit ihren Entscheidungen, die Prosperität von Regionen und zugleich Auswirkungen auf das Klima (nicht immer in unmittelbarem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang) beeinflusst. Sie dafür fit zu machen sollte die Intention aller Nationen sein.

    • wir haben kein Klimaproblem und wenn das Klima tatsächlich einmal überwiegend problematisch werden sollte, dann existieren bereits heute genügend billige und wirksame Technologien, um Schlimmes zu verhindern. Die Klima Panik Mache ist doch nur ein Mittel für den Krieg gegen die fossile Gruppe, da man mit sachlichen Argumenten mit PV und Wind Null Chancen hätte. Europa treibt den Irrsinn (noch) voran, dass macht aber langfristig auch nur Sinn, weil wir von Öl immer abhängiger werden und unsere Energieversorgung unbedingt sicher stellen müssen. Unser Einfluss auf das Klima (EU, rund 15%) ist dermaßen gering, dass jede Ambition bzgl. Klimawandel an sich als ideologische Dummheit bezeichnet werden darf.

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