Im Auge des Sturms

Umweltforsch

Die Klimaverhandlungen im polnischen Katowice (COP24) standen unter keinen guten Vorzeichen. Die vorhergesagten Stürme zogen auf und wirbelten alles durcheinander. Doch in der Verlängerung wurde nach 16 Tagen ein Gesamtergebnis erreicht, das sich mehr als nur sehen lassen kann, das positiv überrascht.

von UFZ-Klimaökonom Reimund Schwarze

Credit: Benjamin von Brackel Konferenzpräsident Michał Kurtyka springt vor die versammelten Delegationschefs und lässt sich und das Ergebnis des Gipfels feiern.

Ein erfolgreicher Abschluss der UN-Klimaverhandlungen COP24! Spannend bis zuletzt, vor allem weil hier weltpolitische Kräfte wie Wirbelstürme aufgezogen sind und alles durcheinander brachten. Zunächst Brasilien in rechtspopulistischen Händen. Das führt jetzt schon nach ersten Ankündigungen des Präsidenten zu einer Vervielfachung der Regenwaldrodung in Brasilien und setzte das Thema „Schutz der Wälder gegen Abholzung und Waldzustandsverschlechterung“ (Konferenzsprech: REDD+) ungeplant auf die Tagesordnung. Jetzt drohte Brasilien unter Bolsonaro auch eine Beschränkung zur Nutzung von Kohlenstoffsenken im Rahmen der Marktmechanismen des Parisabkommens zu torpedieren. Dann kamen die reichen Ölländer. Sie intervenierten bei der scheinbar belanglosen Förmlichkeit der „Begrüßung“ oder nur „Zurkenntnisnahme“ des Sonderberichts des Weltklimarats zum 1,5 Grad-Ziel. Dahinter steht die Angst der Saudis, dass die Welt die Treibhausgasemissionen bis 2030 halbieren muss und die Ölländer daher mit einem Nachfrageeinbruch nach ihren Produkten im gleichen Umfang rechnen müssten. Dass sich da die Begeisterung der Saudis und Kuwaitischen Delegation in Grenzen hielt, ist klar. Dass sie aber nun gerade Unterstützer für ihre Position in Russland und den USA fanden, war ad hoc, eine Anti-Koalition aus dem Stand. Denn Russland will hier nicht Kohle und Erdöl verteidigen, sondern dagegen Erdgas als grüne Energiequelle in Szene setzen und vielleicht auch wieder Nuklear. Und die USA haben sich aus dem Parisabkommen verabschiedet. Sie wollten nur jede zwischenstaatliche Haftung für Klimaschäden während der Kündigungsfrist bis Ende 2020 ausschließen. Das sind äußerst unterschiedliche Interessen. Unwahrscheinlich also, dass das vorher abgesprochen war. Allenfalls war es eine taktische, aber keine strategische Koalition.

In diesem anhaltenden Störfeuer schien ganz in Vergessenheit zu geraten, worum es hier eigentlich ging: Das Regelwerk für das Parisabkommen. Es sollte nach der Chefin des Klimasekretariats Espinoza zu einem „Paris 2.0“ werden und glanzvoll gefeiert. Dass das jetzt am Ende mit einem Federstrich tatsächlich geschafft wurde, ist ein unglaublicher Erfolg im Auge des Sturms. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Transparenzsystem zur Anhebung der freiwilligen nationalen Beiträge (NDCs) ist in allen Bereichen Klimaschutz, Klimaanpassung, Finanzhilfen und Technologietransfer durch, konkretisiert und abgesegnet. Es gibt klare Regeln, um die nationalen Beiträge vergleichen und zusammenzählen zu können, so dass man sich ab 2023 weltweit an den Zielen des Parisabkommens messen kann. Und für alles andere gibt es einen geregelten Prozess. So ist seit langem aus Vorverhandlungen klar, dass Klimaschäden und -verluste im Rahmen des sog. Warschau-Mechanismus in 2019 eingebettet werden, gleiches gilt für Anstrengungen der Industrieländer vor 2020. Jetzt gibt es dafür in den Kattowitz-Texten auch jeweils einen Aufhänger: Also ein Grund zum Feiern!

Eine große Party im Eisstadion von Katowice (Spodek) war schon zur Mitte der zweiten Verhandlungswoche angesetzt. Die Stimmung verhagelte dann eine Initiative der umweltorientierten Nichtregierungsorganisationen und der Inselstaaten AOSIS, die auf Nachbesserungen und Verschärfungen des Regelwerks zielten. Auch dabei handelte es sich eher um spontane Lobby-Aktionen, die Themen highlighteten, die nur am Rande mit der Umsetzung des Parisabkommens zu tun haben, etwa eine weltweite Kohlenstoffsteuer oder scharfe Regeln für die Klimagerechtigkeit. Am Ende ist es dennoch manches gelungen und viel besser gelaufen im kleinen Katowice als Unkenrufe zuvor vermuten ließen. Das Kohlethema der polnischen Regierung hat nicht verfangen; stattdessen „bedankt“ sich die Weltgemeinschaft heute für die Anstrengungen der Wissenschaft zur Erstellung eines Berichts, der im Ergebnis eine Emissionshalbierung in der nächsten Dekade fordert. Dass dies jetzt nicht mehr in den Kattowitz Texten steht, wie zunächst von der Präsidentschaft gefordert, ist nicht gravierend, denn es gibt einen „Aufhänger“ für zukünftige Verhandlungen zum Thema. Das gleiche gilt für die zuletzt sehr umstrittenen Marktmechanismen des Regelwerks. Sie wurden vertagt auf die nächste Klimakonferenz (COP25) in Chile. Insgesamt hat die Weltgemeinschaft jetzt eine Zielsetzung und auch das Handwerkszeug, diese ab 2020 umzusetzen. Erstaunlich, was im Auge des Sturms alles geschafft wurde!

30 Kommentare

  1. Die Saudis haben sich unter Obama noch begingungslos hinter den Pariser Vertrag gestellt, doch das soll nur auf Intervention von Obama gelungen sein. Nun unter Trump können sich die Saudis und Kuwait mit ihrer eher ablehenden Haltung gegenüber einem 1.5 Grad Ziel ebenfalls wieder hinter den US-Präsidenten stellen. Die USA, Russland und Saudiarabien sind in dieser Reihenfolge auch die grössten Erdöl- und Erdgasförderer.
    Wenn man hier liest russisches Erdgas sei grün (Zitat): Denn Russland will hier nicht Kohle und Erdöl verteidigen, sondern dagegen Erdgas als grüne Energiequelle in Szene setzen und vielleicht auch wieder Nuklear., so muss man das schon etwas in Frage stellen. Denn 1) fördert Russland auch sehr viel Erdöl (wobei die Fördermengen bald sinken) und 2) wird ein Europa welches beim Heizen und Verstromen voll auf (russisches) Erdgas setzt, das 1.5 Grad Ziel mit Sicherheit nicht erfüllen – und selbst das 2 Grad-Ziel ist kaum erreichbar.

  2. Mit der Katastrophe leben
    Offenbar wird das mit dem Klimaschutz nicht so viel werden. Da wird sich der Mensch wohl anpassen müssen. Aber Angesichts der Zeiträume von vielen Jahrzehnten gibt es aber Anpassungsmöglichkeiten, die gut denkbar sind.

    Am Beispiel Deutschland. Wenn sich in den nächsten 60 Jahren klimabedingt die Produktivität der Landwirtschaft bei uns um 30% reduziert, muss man dann eben gucken, dass sich auch die Bevölkerung bis dahin um 30% reduziert. Da müsste man nicht mal was ändern, sondern einfach den Geburtentrend so lassen wie er ist. Wenn die Geburtenzahlen so bleiben wie sie heute sind, wird sich das sowieso einstellen. Also einfach den Rückgang zulassen, und nicht durch Einwanderung ausgleichen.

    Die sinkende Bevölkerung sorgt dann auch für einen deutlichen Rückgang beim Wohnraumbedarf. So kann man dann auch Hamburg, Bremen und noch einiges mehr aufgeben, und diese Gebiete dem ansteigenden Meeresspiegel überlassen. Das würde noch nicht mal was kosten. Einfach in 20 Jahre anfangen, dort nicht mehr in die bestehenden Immobilien zu investieren, und dann nach und nach da wegziehen und die nicht mehr nutzbaren Häuser abreißen und den Schrott gut recyceln.

    Einen neuen Hafen weiter im Hinterland bauen wäre für Deutschland auch nur eine Kleinigkeit. Ich denke, man wird in 60 Jahren auch nicht mehr diesen übermäßigen Welthandel haben. Die Roboter werden da betrieben werden, wo die Güter, die sie herstellen, auch verkauft werden. Die derzeitigen Verhältnisse, dass China mit seinen niedrigeren Löhnen uns mit Massenwaren versorgt, und dass wir hier die ganze Welt mit Qualitätsprodukten versorgen, wird es dann längst nicht mehr geben.

    Insbesondere die Rohstofftransporte werden ganz wegfallen, wenn bis in 60 Jahren die Energiewende – wenn auch sehr spät – vollzogen ist, und durch umfassendes Recycling kaum mehr frische Rohstoffe wie Eisen, Lithium oder Kobalt benötigt werden.

    Wir werden uns nicht gegenseitig umbringen müssen, um genug zu essen zu haben. Und wir müssen auch keine riesigen Investitionen leisten müssen, um mit dem Anstieg des Meeresspiegels klar zu kommen. Eine grundlegende Anpassung der Bevölkerungszahl machts möglich. Will man das aber? Wollen wir die Gene der weissen Rasse gegenüber den anderweitigen Genen der Menschen dieser Welt durchsetzen? Wenn man das nicht will, dann steht einem geordneten Rückgang der Bevölkerung eigentlich nichts im Wege. Nur wer gerne viele Kinder hat, der muss sich hier einschränken.

    Manch andere Länder trifft es härter, wie Holland etwa, aber Länder wie Russland werden vom Klimawandel sogar profitieren, wenn ein Teil der riesigen Taiga Landwirtschaftlich nutzbar wird. Man könnte sich dann ja auch gegenseitig helfen.

    Klar wäre es machbar, den Klimawandel aufzuhalten, und in den nächsten 100 Jahren sogar teilweise wieder rückgängig zu machen. Bei dem technischem Fortschritt, der zur Zeit stattfindet und der noch zu erwarten ist, eigentlich ein Klacks. Aber wenn es kaum einen interessiert, wirklich was für den ganzen Planeten zu tun, geht’s ja nicht.

  3. (Unsichtbare) Koalitionen zwischen Klimavertragsstaaten
    Saudiarabien und Kuwait (durch US-Militär gerettet) waren und sind Vasallen der USA und Russland hat Donald Trump ungemein im Wahlkampf geholfen (auf allen denkbaren Kanälen wie man gerade vernimmt).

    Russland, Saudiarabien und Kuwait sind somit entweder US-Verbündete (Saudis,Kuwait) oder aber Donald-Verbündete (Russland). Deshalb sind sie gemeinsam in eine schwache Form der Opposition gegenüber den Klimazielen eingetreten.

    Fazit: Sobald Trump weg ist, ist auch die Koalition Saudiarabien, Kuwait, Russland, USA weg. Bei den nächsten Klimaverhandlungen könnte also alles wieder ein bisschen anders aussehen. Allerdings wird bei den nächsten Klimaverhandlungen auch für alle sichtbar werden wie weit weg die Ideale des Paris-Abkommens von der Realität sind.

  4. @Tobias Jeckenburger: Nein, um 30% wird sich der landwirtschaftliche Ertrag Deutschlands durch den Klimawandel nicht reduzieren. Er wird tendenziell sogar etwas ansteigen wegen einer längeren Vegetationsperiode. Allerdings wird es häufiger sporadische Ernteausfälle wegen Extremwetter geben und die angebauten Pflanzen müssen angepasst werden.
    Gemäss Klimawandel, das sind die Folgen für Deutschland gilt: Wärmeres Frühjahr, heissere, trockenere Sommer, und feuchtwarme Winter, Etragseinbrüche durch Extremwetter (Dürren,Starkniederschläge), weniger gute Klimabedingungen für die heute verwendeten Weizensorten.

    Sie schreiben noch: Wir werden uns nicht gegenseitig umbringen müssen, um genug zu essen zu haben.
    Damit haben sie sicher recht. Nur ist Deutschland eben keine Insel. Wenn der Klimawandel sich andernorts katastrophal auswirkt, dann ist indirekt auch Deutschland betroffen – über die Klimamigration beispielsweise, aber auch über den Handel auf den Deutschland so angewiesen ist (bis jetzt mindestens).

  5. Herr Gawel, Herr Lehmann, Herr Schwarze,

    Sie schreiben

    „…Doch in der Verlängerung wurde nach 16 Tagen ein Gesamtergebnis erreicht, das sich mehr als nur sehen lassen kann, das positiv überrascht.“…

    Insgesamt hat die Weltgemeinschaft jetzt eine Zielsetzung und auch das Handwerkszeug, diese ab 2020 umzusetzen. Erstaunlich, was im Auge des Sturms alles geschafft wurde!

    Was genau meinen Sie damit?

    Die verabschiedeten Regeln sind kein “Muss”, sollen aber durch “Naming and Shaming” (“Nennen und Beschämen”) wirksam werden, indem entsprechende Länder bei Verletzungen öffentlich angeprangert werden. Siehe die Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Kattowitz 2018.

    Bei genauer Sicht wurde neben Absichtserklärungen rein gar nichts beschlossen, was im Fall der Zuwiderhandlung sanktioniert wird. Im Englischen sagt man dazu in einfacher Sprache „Talk is cheap“.

    Mich würde noch interessieren, was die große Anzahl an Teilnehmern und die Veranstaltung gekostet haben? Es finden sich im Internet keine (verbindlichen) Angaben dazu. Es ist schon bezeichnend, daß bei dem Suchstring »Kosten der UN-Klimakonferenz in Kattowitz 2018« weder bei der allgemeinen noch bei der wortgetreuen Suche relevante Ergebnisse erscheinen.

    Zur Erinnerung, was Absichtserklärungen wert sind…und wie die Realität aussieht…

    „Für unsere Welt eine Schicksalsfrage. Daher stehen wir zum Pariser Klimaabkommen. Es geht um Vertrauen und es geht um Verlässlichkeit.“ So Angela Merkel im November 2017. Statt eines Rückganges ist die CO2-Emission auf einen historischen Höchstwert angestiegen.

  6. Gibt es eine Alternative zum 1.5° oder 2° -Ziel?
    Die für die Klimapolitik wichtigste Erkenntnis der Klimawissenschaft ist folgende:
    CO2 ist das wichtigste Treibhausgas und es verbleibt hunderte von Jahren im System, so dass die Summe allen ausgestossenen Kohlendioxids seit Beginn der Industrialisierung bestimmt, wie stark der Treibhauseffekt zunimmt.

    Folgerung 1: Um die Erderwärmung zu stoppen, muss der Nachschub von technisch erzeugtem Kohlendioxid stoppen.
    Schätzungen der Klimawissenschaft: Um die Erwärmung unter 1.5°-Ziel zu halten ist ein Emissionsstopp etwa ab 2050 (Unsicherheit 2030 bis 2060) nötig, um das 2°-Ziel zu erreichen, ein Emissionsstopp etwa ab 2070 (Unsicherheit 2060 bis 2080).

    Folgerung 2: Ein CO2- Emissionsstopp ab einem bestimmten Datum bedeutet: Im Durchschnitt muss jedes Land der Erde seine CO2-Emissionen pro Jahr um einige Prozent erniedrigen – und das Jahr für Jahr.

    Folgerung 3: Jährlich eingehaltene Emissionsreduktionen sind sinnvoller als Langfristziele, zumal es umso schwieriger wird, Emissionen zu reduzieren, je tiefer sie schon sind (Schweden mit seinen 4 Tonnen CO2 pro Jahr hat es schwieriger als Deutschland, weiter zu reduzieren (eine Zitrone bis zum letzten auspressen ist schwierig)).

    Folgerung 4: Jedes Land sollte sich jähriche CO2-Emissionsziele setzen, die es auch einhalten kann. Für Deutschland etwa wäre eine Emissionsreduktion von 3% pro Jahr verkraftbar. Zwischen 2014 und 2018 hat Deutschland kaum reduziert, also muss es dies in den folgenden Jahren kompensieren und beispielsweise 4 Jahre hintereinander um 5% reduzieren.

  7. Vielen Dank für Ihren Bericht, Herr Dr. Schwarze!

    Es war sehr nett, wie Sie auch Interessen der Verhandlungsteilnehmer schilderten bzw. anzudeuten wussten und zwei Extra-Bonuspunkte gibt es für 1.) die Charakterisierung der von Jair Bolsonaro angeführten brasilianischen Regierung als ‘rechtspopulistisch’ (vs. ‘rechtsextrem’ – wobei ‘politisch rechts’ ebenfalls gegangen wäre) und 2.) für die Verwendung des deutschen Verbs ‘highleiten‘ in der Form ‘highlighteten’ (nur 59 Treffer bei Google)!

    Ist ein “hartes Brot” und Sie waren womöglich mittendrin.

    MFG + schöne Festtage,
    Dr. Webbaer

  8. @ Kommentatorenkollege ‘Tobias Jetzenburger’ und hierzu :

    Klar wäre es machbar, den Klimawandel aufzuhalten, und in den nächsten 100 Jahren sogar teilweise wieder rückgängig zu machen. Bei dem technischem Fortschritt, der zur Zeit stattfindet und der noch zu erwarten ist, eigentlich ein Klacks. Aber wenn es kaum einen interessiert, wirklich was für den ganzen Planeten zu tun, geht’s ja nicht.

    Es ist halt so, dass es für diesen durchaus denkbaren ‘Klacks’ dedizierte, auch : dezidierte ( :-> ) Verabredungen geben muss, zwischen Kulturen und Staaten, womöglich in dieser Reihenfolge, die dann aber womöglich, bei näherer Betrachtung zumindest, ebenfalls nicht wünschenswert wären, vgl. mit den diesbezüglichen Kosten und der zivilisatorischen, ja reaktionären, Aktion, die diesbezüglich anfallen würden.
    Auch Menschenleben kostend oder den Erfolg oder insbesondere auch : die Würde von Menschen missachtend.


    Der Planet an sich ist nicht schützenswert.
    Sondern das auf ihm vorkommende Subjekt.
    Würde es “übel” wärmer werden und dies könnte “gemanagt” werden, wäre wieder alles im Lot, im Mittelpunkt steht das erkennende Subjekt.
    Dr. W liest hier, bei Herrn Dr. Schwarze, auch deshalb gerne, weil der als im Wirtschaftlichen erfahrene Kraft, aus diesseitiger Sicht, all dies versteht.

    Wir wollen nicht Planeten anbeten, auch diesen nicht, sondern im Sinne des biblischen Dominium Terrae handeln und gehandelt sehen wollen.

    MFG + schöne Festtage,
    Dr. Webbaer (der sich immer auch ein wenig amüsiert, darüber, wie Herr Dr. Schwarze hier mittendrin ist – und dankenswerterweise auch im wissenschaftsnahen WebLog-Wesen gelegentlich berichtet)

  9. Bonuskommentar hierzu, auch weil Dr. W ob der anscheinend ganz richtigen Einschätzung ein wenig schmunzeln musste :

    Unwahrscheinlich also, dass das vorher abgesprochen war. Allenfalls war es eine taktische, aber keine strategische Koalition.

    Developing Countries können, neben den o.g. Taktikern (vs. Strategen), nicht von zusätzlicher Beschaffung von klimarelevanter Ausgasung abgehalten werden, ohne deren Zivilisationsfortschritt entscheidend zu hemmen.
    Dr. W zumindest sieht hier kein Entkommen, im klimatologisch-politisch womöglich Wünschenswerten.
    Sisyphos fällt hier ein, wobei Dr. W hier abär nicht defätistisch, schicksalhaft ergeben, fatalistisch werden will, sondern muss.
    Abhilfe i.p. terrestrischen Klima schaffend, so wird hier angenommen, wird in nicht ferner Zukunft sog. Geo-Engineering schaffen, unilateral oder multilateral angeleitet, nicht als globale Veranstaltung.
    So eine Art Geo-Thermostat, gerade auch einzelne Landstriche meinend, wäre auch dann nicht schlecht, wenn es keine (teilweise) anthropogen angeleitete terrestrische Erwärmung geben würde; die Wirtschaftlichkeit würde dazu anleiten.

  10. Nach KATOWICE kommt der KATER!
    KATOWICE war in meinen Augen eine der letzten Klimakonferenzen wo es um Versprechen und Zusagen der Teilnehmer ging und wo die Konferenz mit einem Freudenhüpfer endete.
    Irgendwann nach KATOWICE werden die Teilnehmer realisieren, dass nun geliefert, statt nur gelafert werden muss (liefern statt lafern = etwas tun, anstatt nur daherreden).

    Wie aber können die Klima-Übereinkunftsstaaten (merke: Übereinkunft, nicht Vertrag), dafür sorgen, dass geliefert wird, dass also die CO2-Emissionen der sich an COP’s (Conference of the Parties) beteiligenden Länder in Übereinstimmung mit nationalen oder internationalen Zielen sinken?

    Es ist ganz einfach und an irgend einer Nachfolgekonferenz von KATOWICE wird sich diese Lösung wohl durchsetzen:
    Das CO2-Reduktionsversprechen jedes Landes muss in eine järliche CO2-Reduktionsrate für dieses Land umgerechnet werden und in jedem Jahr, in dem diese Reduktionsrate nicht erreicht wird ist ein NAMING and SHAMING fällig.

  11. @Der Planet an sich ist nicht schützenswert. Sondern das auf ihm vorkommende Subjekt.

    Ich denke auch Tiere und Pflanzen sind schützenswerte Subjekte, auch wenn man mit ihnen hier nicht diskutieren kann. Die Natur ist wunderschön, auch die geologische Grundlage des Lebens ist wunderschön. Das gefällt nicht nur uns Menschen, sondern das ganze Leben auf dem Planeten hat sich hier eingerichtet.

    Wir können, wenn wir wollen, dies erhalten und auch einiges an Erdoberfläche absichtlich nicht nutzen, um dort der Natur freien Lauf zu lassen. Wir können da mitfühlen, und wir können da wandern gehen, und in der freien Natur Campen, wenn das Wetter mitspielt. Das wir hier zuhause sind, ist ein Geschenk nicht nur an uns Menschen, auch all die andere Lebewesen leben in ihrer eigenen Natur in sich und in ihrer Umgebung.

    Wir müssen uns selbst drum kümmern, hier ein Dach über dem Kopf und was zu essen zu haben, insofern geht der Mensch erstmal vor. Aber der Natur selbst Raum geben, das kommt gleich als zweites finde ich. Je weniger Menschen die Erde bevölkern, desto einfacher ist das, die Natur leben zu lassen. Aber wir können uns auch im Lebensstandart zurückhalten, mit weniger PS herumfahren und ohne Flugreisen Urlaub machen und vieles mehr.

    Nicht nur um uns selber willen, sondern mit Rücksicht auf die Natur um uns herum. Wenn es darum geht, wie wir uns selbst hier zuhause fühlen, wie wir mit der Natur um uns mitfühlen, macht das einen Unterschied. Man ist ja auch ein Geisteswesen, und der Rest der Welt irgendwie auch. Ich sehe das so, und lebe danach. Ich habe keine Lust, irgendwelche Götter anzubeten, ich halte mich an das, was um mich herum lebt. Insofern mag ich auch kein Weihnachten.

    Trotzdem schöne Festtage

  12. @Tobias Jeckenburger (Zitat, zusammengefasst): 1) Weniger Menschen oder 2) weniger Güter/Flugreisen etc. bewahren die Natur.
    Vorschlag für Alternative 3): eine 100% -ige Kreislaufwirtschaft mit Menschen nur noch in hoch verdichteten Stadträumen und Nahrung aus dem Labor würde einen Grossteil der Natur wieder aus den Fängen der Menschheit freigeben. Anstatt Flugzeuge gäbe es Hyperloops (Verkehr in evakuierten Röhren), anstatt Schweinsfilet, pflanzenbasiertes “Scheinfleisch” (sieheImpossible Foods), Reis und Weizen würden in 15 Tonnen Ertrag/Hektar-Versionen gezüchtet werden oder man würde Nahrung direkt aus Bioreaktoren gewinnen und das innerhalb des bewohnten Stadtraums.
    Diese Vision hat bereits Cesare Marchetti in seinem Vorschlag “10^12 – A Check on Earth Carrying Capacity for Man” gemacht, einer Vision in dem alle Menschen in riesigen Städten leben, die auch als Rohstofflager und Ernährungsbasis dienen und wo nur 10% der Erdoberfläche vom Menschen beansprucht wird.

    Fazit: In meinen Augen muss der Mensch sich nicht die Erde untertan machen, sondern nur gerade seine Wohn-undLebensraum (die Stadt). Den Rest kann er unbeeinflusst lassen.

  13. @Bioreaktoren in Megastädten

    Hört sich gut an, nur 10% der Fläche nutzen zu müssen. Nehmen wir aber lieber doch noch ein bisschen mehr, dass die Mega-Städte mit ganz viel Grün und mit Gärten durchsetzt sind, in denen man doch noch Pflanzen anbaut und Tierhaltung in kleinem Maßstab praktizieren kann. Als Erfahrungsraum für den Gärtner und seine Nachbarn und Besucher, und dass es doch auch mal was ganz Leckeres neben der Reaktornahrung zu futtern gibt.

    Ob dass denn dann schmeckt mit Nahrung aus dem Reaktor, es gibt ja den berühmten ersten Retortenburger, der 100.000 € gekostet hat. Rein gefühlsmäßig megaeklig, aber erstmal probieren. Insekten sollen ja auch interessant sein, weil sie bessere Futterverwerter sind und mit Abfällen gefüttert werden können. Fortschritte in dieser Richtung könnten noch sehr interessant werden. Flächensparende Neuerungen, ob jetzt Hochertragssorten für den Acker oder tatsächlich Algenzucht mit LED-Licht mitten in der Stadt, könnten als Grundnahrungsmittel und Tierfutter doch sehr interessant werden.

  14. @Tobias Jeckenburger: Laborburger und Pizzas aus dem 3D-Drucker könnten für Bewohner von Mars- oder Mondsiedlungen sogar ohne Alternative sein, denn auf dem Mond oder Mars ist jeder Kubikmeter Lebensraum irre teuer. Der auf pflanzlicher Basis erzeugte Impossible Burger der Firma Impossible Foods soll übrigens (fast) so gut schmecken wie ein echter Burger, vor allem weil der verwendete Blutfarbstoff pflanzlicher Basis dem Ganzen auch einen delikaten Fleischgeschmack verleiht.
    Wichtig: Wer den Fussabdruck des Menschen deutlich reduzieren will, der muss die Anbaufläche stark reduzieren, die nötig ist um einen Menschen zu ernähren. Pro US-Bürger werden auf 0.5 Hektar Nutzpflanzen für Tier und Vieh angebaut. Das sind 5000 Quadratmeter und damit etwa die Hälfte eines Fussballplatzes. In Bangladesh dagegen gibt es Bewohner nur gerade 0.05 Hektar Anbaufläche und die Bevölkerungsdichte Bangladesh ist so gross, dass jeder Bangladeshi nur gerade eine Sechstel eines grossen Fussballplatzes insgesamt zur Verfügung hat (zum Wohnen, Anbauen, Sport, Wandern, etc): Mit anderen Worten: Würde man Bangladesh mit Fussballfeldern parkettieren, wären auf jedem Fussballfeld 6 Bangladeshi. Wäre die Bevölkerungsdichte auf der ganzen Landoberfläche der Erde so gross wie in Bangladesh, so gäbe es 150 Milliarden Menschen auf der Erde. Umgekehrt hätten alle heutigen 7.6 Milliarden Menschen auf der Landfläche Chinas genügend Platz, wenn sie so dicht beieinander wohnten wie heute in Bangladesh. Und China macht nicht einmal 10% der Gesamtoberfläche der Erde aus.

    Zurück zum (Zitat) Auge des Sturms, also dem Klimawandel und den Klimakonferenzen, die diesen stoppen wollen: Der zunehemnde Energieverbrauch der Menschheit zusammen mit der Tatsache, dass etwa chinesische Investoren in den von China unterstützten Ländern Kohlekraftwerke planen, spricht dagegen, dass die CO2-Emissionen bald schon zum Stillstand kommen. Die US-Energie-Behöre EIA nimmt im Referenzmodell an, die CO2-Emissionen stiegen von heute 33.9 Gigatonnen pro Jahr auf 39.3 Gigatonnen 2050 (Zitat Carbon dioxide emissions are expected to increase): Im Referenzfall des International Energy Outlook 2017 (IEO2017) der U.S. Energy Information Administration steigen die weltweiten energiebedingten Kohlendioxid-(CO2)-Emissionen von 33,9 Milliarden Tonnen im Jahr 2015 auf 36,4 Milliarden Tonnen im Jahr 2030 und auf 39,3 Milliarden Tonnen im Jahr 2040 – ein Anstieg von 16% gegenüber diesem Zeitraum.
    Auch die IEA (international Energy Agency) der OECD geht im “New Policies Scenario” von einem Anstieg der CO2-Emissionen aus, denn im New Policies Scenario findet das Energie-und Emissionswachstum vor allem in Asien statt und wird zu einem nicht geringen Grade durch Kohle bewerkstelligt. Gemäss diesem Szenario senken die entwickelten Länder ihre CO2-Emissionen bis 2040, aber die sich entwickelnden steigern die CO2-Emissionen stärker als die entwickelten sie senken.

  15. @Pro US-Bürger werden auf 0.5 Hektar Nutzpflanzen für Tier und Vieh angebaut

    Meintest Du Nutzpflanzen für Mensch und Vieh? Soweit ich weiß, exportieren die USA eine Menge Nahrungsmittel aller Art, und nutzen reichlich Mais als Energiepflanzen. Ist das hier mitgerechnet?

    Man muss den USA aber auch zugestehen, dass sie ein kostenintensiveres Klima haben als wir in Europa. Man muss im Schnitt im Winter mindestens doppelt so viel heizen, und braucht im Großteil des Landes für den Sommer eine Klimaanlage. Dazu kommt, dass in den USA die Wege viel länger sind als bei uns. So verbrauchen US-Bürger bei gleichem ökotechnischem Niveau doppelt so viel Energie zum Heizen und Klimatisieren und verbrauchen auch mindestens doppelt so viel Energie für Verkehr aller Art. Dazu kommt das schon traditionelle Außenhandelsdefizit, dass hier die ganze Volkswirtschaft tatsächlich gut aufpassen muss, dass nicht das ganze Land pleite geht, wenn ökotechnische Maßnahmen die Exportchancen noch weiter belasten.

    Ganz im Gegenteil zu Deutschland. Wir haben seit ewig einen richtig dicken Außenhandelsüberschuss, dass sich regelmäßig unsere Handelspartner zu recht darüber beschweren. Da ist Luft für Ökotechnik. Wenn bei uns wegen Klimaschutzmaßnahmen die Herstellungskosten steigen würden, würde sich endlich mal unser Export reduzieren. Dann hätten wir auch keinen Facharbeiter- und Krankenpflegermangel. Unsere Wirtschaft ist so überhitzt, dass hier die Einwanderung den sozialen Frieden und vielleicht sogar die Demokratie gefährdet. Und was macht die Politik? Lässt die privaten Stromverbraucher die Energiewende bezahlen, und das noch so, dass die Industrie ihren Strom so günstig wie nie bekommt.

    Eine Reduktion der deutschen Exporte wegen höheren Kosten durch Klimaschutzmaßnahmen würde auch die Überlebensfähigkeit der Europäischen Union verbessern, wenn die anderen Mitgliedsländer mehr Arbeitsplätze in der Produktion abgekommen würden. Auch würde eine Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen beim Wähler in Deutschland besser ankommen, wenn hier erst einmal die Industrie an der Reihe wäre, dann die richtigen Verschwender und zum Schluss erst der kleine Stromverbraucher, der kaum was anderes machen kann als LEDs anzuschaffen und seinen Kühlschrank zu testen und bei Bedarf mal zu erneuern.

    Wer hier mit fetten SUWs rumgurken muss und 2 mal im Jahr auf die Malediven fliegt, hätte hier doch etwas mehr die Möglichkeit, Klimagase einzusparen.

    Vielleicht sollten wir wirklich mal unsere Chance sehen, aus unserer komfortablen Situation heraus den Klimaschutz und die zugehörige Technik voranzutreiben, und nicht mit den Fingern auf die USA zu zeigen, die dort tatsächlich mit zu viel Ökotechnik schnell in wirtschaftliche Not geraten könnten.

    Nebenbei ist der Stress auf der Arbeit zur Zeit recht hoch. Das ist nicht nur ungesund, sondern eben auch ziemlich überflüssig. Die Verschwendung ist ein anderes Thema, da muss jeder selber wissen, was er meint was er an Lebensstil braucht.

  16. Fast 30.000 (lt. Link 28.141) Personen waren mindestens 18 Tage (mit An- und Abreise) in Katowice:
    https://cop24.gov.pl/news/news-details/news/basic-facts-about-the-cop24-conference-in-katowice/
    Letztes Jahr in Bonn waren es „noch“ ca. 25.000 Teilnehmer.

    Wozu waren so viele Leute, eine ganze Kleinstadt, „nötig“? Was war die Aufgabenstellung oder das Ziel dieser Veranstaltung, dass derart viele Personen kommen mussten oder sollten? Nach meinem Verständnis ging es um zwei Punkte, um ein Regelwerk zur Umsetzung des nun auch schon drei Jahre alten Pariser Abkommens und um die Umverteilung des Weltvermögens (wie es Prof. Dr. Edenhofer mal formulierte, siehe https://www.nzz.ch/klimapolitik_verteilt_das_weltvermoegen_neu-1.8373227 ).
    Da insgesamt 196 Staaten mit Delegierten teilnahmen, waren im Schnitt pro Staat 153 Teilnehmer dabei. Wie aus den Teilnehmerlisten zu entnehmen waren z.B. aus dem Kongo 273 Delegierte, aus Côte d’Ivoire 208 und aus Guinea sogar 406 anwesend. Wozu so viele Personen und dann auch noch aus Ländern wo Gewalt an der Tagesordnung ist? Aus Deutschland kamen 153 Delegierte. Bei diesen Zahlen sind nur die Delegierten berücksichtigt, nicht die sogenannten Beobachter der NGOs und die Journalisten.
    Eine einfache Rechnung: wenn pro Staat zur Ausarbeitung des Regelwerks je 2 bis 3 Personen und unabhängig davon als Entscheidungsträger nochmal 2 bis 5 Personen gekommen wären, wäre die Teilnehmerzahl irgendwo zwischen 800 und 1500 Personen – im Mittel also gut 1000 Personen.
    Wozu nur waren dann die andern mehr als 27.000 Leute nur angereist? Haben Sie wirklich alle aktiv an der Formulierung des Regelwerks mitgearbeitet oder Entscheidungen zur Geldvergabe getroffen? Sicher nicht, denn es ist völlig unmöglich, dass so viele Leute hierzu sinnvolle Beiträge leisten können, das würde total ins Chaos ausarten und zu keinem Ergebnis führen.
    Ein solches Regelwerk in 2 Wochen auszuarbeiten und verabschiedungsreif zu bekommen ist unmöglich mit tausenden oder gar zehntausenden Personen, ja wohl nicht mal mit ein paar hundert Personen. Ich kenne das aus der erst kürzlich aus Altersgründen zu Ende gegangenen Zeit, als ich als Experte mithalf in mehreren Arbeitskreisen internationale Regelwerke für immerhin 86 Staaten festzulegen. Je größer der Arbeitskreis war, desto länger dauerte es ein neues oder geändertes Regelwerk fertigzustellen: bei 20 bis 25 Personen etwa halb so lange als bei 40 bis 45 Personen im Arbeitskreis – denn nicht alle Staaten schickten Experten in diese Arbeitskreise.
    Ich bin der Meinung, da waren mindestens 27.000 Menschen zu viel in Katovice. Was haben diese überzähligen Personen dort gemacht, die weder aktiv am Regelwerk mitgearbeitet haben noch über die Geldvergabe entscheiden durften? Wollten sie sich einfach nur im Kreise Gleichgesinnter treffen und sich als „Weltretter“ fühlen? Warum haben Sie nicht die Veranstaltung zuhause im Internet verfolgt?
    Laut obigem Link der UN waren 6035 NGOs dabei, also Nicht-Regierungs-Organisationen, wobei die Anzahl der Personen derNGOs gar nicht genannt ist. Wozu überhaupt diese NGOs in Katovice? Diese NGO vertreten schließlich keine Staaten und sind deshalb weder berechtigt über die Bereitstellung und Verteilung der Gelder zu entscheiden noch ein für die beteiligten Staaten gültiges Regelwerk zu erstellen – das ist Hoheitsrecht der Staaten. Wieso kommen diese dann überhaupt zu einer solchen UN-Veranstaltung? Gerade wenn es um das Vermeiden von CO2-Emissionen geht sollten die NGOs doch das Beste Vorbild sein.

    Für widersinnig halte ich, dass es zwar um die Vermeidung des CO2-Ausstoßes durch die Menschheit als zentralen Punkt ging (und geht) aber durch die 2-wöchige Veranstaltung und das Reisen von fast 30.000 Menschen der CO2-Ausstoß nicht gerade unerheblich vergrößert wird. Laut offizieller UN-Mitteilung wird geschätzt, dass alleine die Veranstaltung selbst 55.000 t Kohlendioxid erzeugte (siehe obiger Link), das durch die Flugreisen usw. und durch die Hotelübernachtungen erzeugte CO2 ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Dass dies jährlich schon seit sogar 26 Jahren passiert, auch wenn es anfangs in Rio „nur“ ca. 15.000 Teilnehmer waren.
    Ausgerechnet diese Menschen wollen die Erde vor einem Klimakollaps „retten“, erzeugen aber selbst jährlich große Mengen CO2 durch einen „Massenauflauf“ irgendwo und immer wieder woanders auf der Erde. Dieses CO2 ist unwiderbringlich für lange Zeit (wohl 120 Jahre) in der Erdatmosphäre und beschleunigt laut IPCC den befürchteten Klimawandel. Da nutzen alle Ausgleichzahlungen an Projekte zur CO2-Einsparung nichts, passiert ist passiert. Prof. Rahmstorf hat dieses physikalische Problem in anderm Zusammenhang (Kohlekraftwerke) in der Diskussion bei Maybritt Illner in dieser Woche gerade erläutert:
    https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/klimaretter-deutschland-gut-gedacht-schlecht-gemacht-sendung-vom-13-dezember-2018-100.html ( ab 25:30 ).
    Angenommen ca. 3000 Personen sind mit dem Zug oder dem Auto angereist und weiter angenommen aus dem europäischen Raum sind 9000 Personen mit je insgesamt 8 Stunden Flugzeit für Hin- und Rückflug und interkontinental 16.000 Personen mit je 20 Stunden Flugzeit in Katowice gewesen, käme das laut CO2-Rechner für das Fliegen zusammen auf eine Summe von rund 90.000 Tonnen CO2. Ob ich so falsch liege, wenn ich für das Reisen, die Veranstaltung und die Hotelübernachtungen in Summe über 150.000 t CO2 annehme?
    Als Kompensation für die 55.000 Tonnen CO2-Emissionen werden lt. UN Bäume in großer Anzahl gepflanzt. Das bedeutet, dass es noch sehr sehr lange dauern wird bis diese Bäume auch diese 55.000 t CO2 eingespeichert haben, abhängig vom Wachstum dieser Bäume. Von wirklicher Kompensation kann also physikalisch betrachtet gar keine Rede sein, das ist Augenwischerei.

    Und dann kommt noch hinzu, dass die polnischen Kohlekonzerne Tauron, JSW und PGE sowie der Gaskonzern PGNIG die Veranstaltung COP24 gesponsert haben. Warum ausgerechnet diese?

    Und noch ein letzter Punkt im Zusammenhang mit dem Weltklimafond und der vorgeblich damit angestrebten Rettung der Erde vor einem Klimakollaps: die Gelder aus dem Klimafond kommen angeblich nur den ärmsten und bedürftigsten Ländern zugute, doch das extrem reiche Land Bahrein hat 2 Millionen Dollar aus diesem Fond bekommen, und China bekommt ebenfalls Geld.

    Wenn man sich das alles mal durch den Kopf gehen lässt, dann frägt man sich ernstlich, ob wir alle da nicht ein Theater vorgespielt bekommen. Wenn ausgerechnet die, die so lautstark die CO2-Emissionen reduzieren und auf Null bringen wollen jährlich selbst mit einer einzigen Veranstaltung bereits ein fünzigstel so viel CO2 emittieren wie als Beispiel das Kohlekraftwerk Mannheim (im Jahr), dann scheint mit der Argumentation bzgl. CO2 etwas nicht zu stimmen. Ist die Klimasensivität vielleicht doch nur sehr gering?
    Wenn man den Worten Prof. Edenhofers, heute einer der beiden PIK-Leiter, folgt, dann versteht man warum so viele Delegierte gerade aus armen und kriegsgebeutelten Ländern kamen, warum die Kohlekonzerne die Veranstaltung gesponsert haben, warum die großen CO2-Emissionen infolge der Veranstaltung gar nicht interessieren: „Der Klimagipfel in Cancún Ende des Monats ist keine Klimakonferenz, sondern eine der grössten Wirtschaftskonferenzen seit dem Zweiten Weltkrieg. Warum? Weil wir noch 11 000 Gigatonnen Kohlenstoff in den Kohlereserven unter unseren Füssen haben – und wir dürfen nur noch 400 Gigatonnen in der Atmosphäre ablagern, wenn wir das 2-Grad-Ziel halten wollen. 11 000 zu 400 – da führt kein Weg daran vorbei, dass ein Grossteil der fossilen Reserven im Boden bleiben muss.“ – mit andern Worten fortgeführt: eine so hohe CO2-Bepreisung ist notwendig, dass die heutige Wirtschaft ganz schnell komplett CO2-emissionsfrei wird.

    Dass diese CO2-emissionsfreie Wirtschaft auf Basis der heutigen Technik und allem was schon an neuen umsetzbaren Erfindungen da ist, nicht möglich ist, das will leider keiner wissen, bzw. wer das Thema auch nur anschneidet wird als Querulant und/oder „Klimaleugner“ gemaßregelt. Doch man schaue sich nur mal das Agorameter für die Tage 16. bis 19.12.2018 an: https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/16.12.2018/19.12.2018/
    ..kaum Windenergie, kaum Sonnenenergie, da nutzen auch noch so viele Windräder europaweit nichts.
    Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: die Temperaturdaten sind weltweit seit 2 Jahren im Rückgang, ob nun per Satelliten oder an Land gemessen, und sogar James Hansen (in seinem Blog vom 18.1.2018) rechnet mit einem „global warming hiatus“ während der nächsten 10 Jahre. Wenn der Trend so weiter ginge wie seit 2016, dann stünde uns schon sehr bald die nächste „kleine Eiszeit“ bevor, nachdem die letzte mit Hungersnöten und Hexenverbrennungen noch gar nicht so lange vorbei ist. Die Klimamodelle kennen jedoch weder einen „hiatus“ noch den aktuell gemessenen Temperaturrückgang. Aber alle, die das Klima retten wollen glauben an die Prognosen aufgrund der Modelle.

    Die Sache wird in den nächsten paar Jahren richtig spannend! Wie hoch ist nun die Klimasensivität des CO2 wirklich?

  17. @Tobias Jeckenburger: Technologie und Wissenschaft machen grosse Fortschritte, aber wie die Ökonomie wirklich funktioniert und was ihre Möglichkeiten sind, das wissen wir heute im Tiefsten noch genauso wenig wie zu Zeiten von John Maynard Keynes.
    Beispiel: Technologisch wäre das 1.5 oder 2 Grad Ziel zu erreichen. Ist es aber ökonomisch, volkswirtschaflich unter den heutigen Rahmenbedingungen erreichbar? Ich bezweifle es, denn nur schon die Aufteilung der Länder in Entwickelte und sich Entwickelnde zeigt, dass es ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Ziele in Volkswirtschaften unterschiedlicher Entwicklungsstufen gibt. Wenn China das neue Leitmodell für die Entwicklungsländer wird, dann jedenfalls ist das 2 Grad-Ziel nicht erreichbar, hat doch China seinen Kohlekonsum in 2 bis 3 Jahrzehnten von weltweit vernachlässigbar zu weltweit dominierend geändert und dabei die CO2-Emissionen pro Chinese von 2 Tonne pro Person auf 7.8 Tonnen pro Person heute erhöht. Im Rahmen der Belt And Road-Initiative exportiert China dieses Entwicklungsmodell und baut in anderen Entwicklungsländer Kohlekraftwerke.

    Auch ihre Ausführungen zum deutschen Aussenhandelsüberschuss als Problem der nicht deutschen EU-Länder kann je nach Standpunkt ganz anders eingeschätzt werden. Wäre die EU ein Bundesstaat und kein lockerer Verbund von Nationen, dann wäre der Aussenhandelsüberschuss von Deutschland überhaupt kein Problem, denn auch in den USA exportiert Kalifornien sehr viel, die meisten US-Staaten des mittleren Westens aber exportieren nur gerade Landwirtschaftsgüter.

  18. @Martin Holzherr 09:17
    Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es ist, eine Volkswirtschaft und die Weltwirtschaft so genau zu modellieren, dass man ihre Entwicklung einigermaßen genau einschätzen könnte. Letztlich spielt da so viel Psychologie der unterschiedlichsten Beteiligten mit, die kaum zu fassen ist.

    Aber das muss nicht dazu führen, dass man nichts Neues mehr ausprobieren kann. Die Wirtschaft ist sowieso prinzipiell instabil, z.B. haben einfach nur Banker-Zocker in der Finanzkrise 2008 ein Riesenproblem verursacht, an dem Staaten wie Griechenland oder Italien heute noch dran zu knacken haben. Vorher wollte niemand überhaupt davon wissen, dass solch eine Zockerblase dabei ist, ein Problem zu verursachen. Aber natürlich weiß man, dass sowas immer wieder passieren kann.

    Auch weiß niemand, ob der Kapitalismus nicht sowieso irgendwann endgültig vor die Wand fahren muss, wenn die weltweiten Wachstumsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen und auch nicht wieder hergestellt werden können. Das müssen keine verbrauchten Ressourcen sein, die Wachstum verhindern, dass kann auch einfach die Robotertechnik sein, wenn sie zu schnell so viele Arbeitsplätze kostet, dass die Arbeitslosigkeit Dimensionen erreicht, die von den Sozialsystemen, die immer noch größtenteils von den Arbeitnehmern alleine getragen werden, das nicht mehr ausgleichen können. Wenn der Konsum auf breiter Front zusammenbricht und auch die Investitionen in die Konsumgüterindustrie und die Immobilien ihren Wert verlieren, ist keiner mehr da, von dem man noch neue Steuern zur Wiederankurbelung der Weltwirtschaft nehmen könnte.

    Das 2-Grad-Ziel käme dann auf bittere Art und Weise doch noch in den Bereich des Möglichen, wenn das Ende des florierenden Kapitalismus in den nächsten 20 Jahren schon kommt. Ansonsten stimme ich Ihrer Einschätzung zu, dass das 2-Grad-Ziel ökonomisch und volkswirtschaftlich unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht mehr erreichbar ist.

    Unsere Chancen, die sich aus unserer – meiner Ansicht nach – übermäßigen Konkurrenzfähigkeit in Deutschland ergeben, sollten wir dennoch nutzen, um hier klimapolitisch sehr viel mehr zu unternehmen. Mir persönlich ist es wichtig, nicht unnötig Teil eines Problems zu sein, auch wenn die Lösung des Problems weltweit gesehen durch meinen Beitrag noch nicht gesichert ist.

    So oder so, nach 2-Grad kommen 3-Grad und 4-Grad, und wenn dann immer noch nichts passiert irgendwann 5-Grad und 6-Grad. Jeder, der Emmissionen einspart, trägt ein Stückchen dazu bei, das sich das Klimaproblem entschärft.

    Ich glaube auch nicht, das volkswirtschaftliche Bedenken in Deutschland der Grund dafür sind, dass die Bundesregierung kaum was unternimmt, sondern zur Zeit schlicht eine Maximierung des Profits der Wirtschaft das Maß aller Dinge ist, vorbei an allen demokratischen Prozessen.

    Was die Verschwendung seitens des Konsumenten angeht, das ist ein Thema für sich. Da kann jeder, der Geld zum Ausgeben hat, was dran ändern, ohne auf die Politik zu warten. Sorgen um die Wirtschaft würde ich mir zumindest in Deutschland dabei nicht machen. Der weltweite Kapitalismus bleibt gefährdet und gefährlich, das hängt kaum vom privaten Konsum in Deutschland ab. Die Prozesse der Weltwirtschaft laufen weiter und gehen den Weg, den sie gehen müssen, ob wir das jetzt vorhersehen können oder nicht.

  19. Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), das Pariser Übereinkommen und die Klimakonferenzen (COPs) sind Ausdruck des Glaubens, politische Entscheidungen seien der entscheidende Teil der Lösung des Klimawandelproblems und nach Paris (Übereinkunft aller Länder) und KATOWICE (Durchführungsregularien) seien in der UNFCCC vereinigten Lände nun bereit zu implementieren was sie beschlossen haben und bald schon würden sich Resultate zeigen. Oder verkürzt: wenn die politische Führung eines Landes etwa beschliesst, wir reduzieren unsere CO2-Emissionen bis 2020 auf nur noch 40% der Emissionen von 1990, dann passiert das auch, wobei es allenfalls Verzögerungen von ein paar Jahren gibt. Deutschlands Regierung hat ja genau das versprochen. Doch wenn sie dieses Versprechen nicht einhält, kann das eben auch Gründe haben, die durch die Politik gar nicht steuerbar sind. Es sind Gründe wie folgende: Deutschland benötigt Strom+Wärme sowohl für die weiterhin starke industrielle Fertigung als auch für die Mobilität und den Konsum einer vom jüngsten wirtschaftlichen Wachstum profitierenden Bevölkerung und diesen Bedarf muss es nun weitgehend mit erneuerbaren Energien abdecken, wenn es seine Emissionsziele erreichen will. Mit dem Wegfall von Kernenergie und bald schon Kohle sinkt aber Deutschlands Fähigkeit jederzeit unabhängig von Wind und Sonne die benötigte Energie bereitzustellen, zumal Deutschland kaum über Wasserkraft verfügt. Deutschland ist also mit der Entscheidung für Erneuerbare in eine Falle gelaufen, in der es seine selbst gesetzten Tiele nicht mehr so einfach erreichen kann. Aus dieser Falle kann es herauskommen, wenn es etwa die durch die erneuerbaren verursachten Produktionsschwankungen durch Stromexport und -import in die europäische Union ausgleicht – etwa über ein europäisches Supergrid – oder indem es auf neue Technologien wartet mit denen es seinen erneuerbar erzeugten Strom speichern kann. In beiden Fällen aber wurde der nationalen Klimapolitik die Enscheidungsgewalt aus den Händen genommen und es sind nun europäische Entscheidungen (Supergrid) oder technologische Entwicklungen (baldige billige Speichermöglichkeiten für Strom), die bestimmen wie und wann Deutschland seine selbst gesetzten Klimaziele erreicht.
    Tatsächlich werden Erneuerbare nun weltweit als DIE Alternative zu Kohle, Erdöl, Erdgas und auch Kernenergie gesehen, obwohl Erneueuerbare, also vor allem Wind und Sonne, keine alleintragende Lösung sein können, da sie unkontrollierbar schwanken. Die Welt wartet darum auf eine noch nicht existierende Speichertechnologie für Strom beispielsweise in Form von billigen Batterien hoher Kapazität und Lebensdauer oder in Form von Wärmespeichern oder gar in Form noch kaum bekannter Speichertechnologien. Vorläufig – als Brückentechnologie – wird nun auf Erdgas gesetzt: die USA tun das schon, Europa folgt bis 2030/2040. Das allein schon bedeutet, dass das 1.5 Grad-Ziel nicht mehr erreichbar ist – da können die in der UNFFFC vereingten Länder das politisch noch so wollen.
    Fazit: Es genügt nicht zu wollen, man muss auch können. Oft kann ein Staat gar nicht was er will oder er kann es nur in Zusammenarbeit mit anderen. Autonomie im Energiebereich wird aber immer noch grösser gehandelt als Zusammenarbeit.

  20. @Tobias Jeckenburger (Zitat): Das 2-Grad-Ziel käme dann auf bittere Art und Weise doch noch in den Bereich des Möglichen, wenn das Ende des florierenden Kapitalismus in den nächsten 20 Jahren schon kommt.
    Genau: das Ende der Welt wie wir sie kennen, würde auch das Klimaproblem lösen, denn wenn es keine florierende Wirtschaft mehr gibt oder gar die Zivilisation zusammenbricht, dann sinken auch die CO2-Emissionen.
    Besser also das Klimaproblem als eine Welt in der sich das Klimaproblem erledigt hat, weil sich der Mensch erledigt hat!

  21. @Ende des Kapitalismus
    Ich hätte auch Angst vor einer finalen Krise des Kapitalismus, wenn sie denn kommt. Auch wenn ich selbst relativ genügsam bin, und in meinem Konsum unter 50% vom deutschem Durchschnitt lebe. Richtig dicke Wirtschaftskrisen erscheinen mir auch gefährlicher als der Klimawandel, zumindest in meiner Perspektive. Ich bin jetzt 55, und werde mehr als 2 Grad in keinem Fall mehr miterleben. Für jüngere Menschen sieht das etwas anders aus. Man müsste mal darüber nachdenken, wie eine Weltwirtschaft ohne Wachstum funktionieren könnte. Aber das ist jetzt nicht das drängenste Problem. Noch leben Milliarden Menschen im Elend, und Wachstum macht deshalb Sinn.

    Die Frage ist also, was können wir jetzt tun. Ich meine ja gerade, das Deutschland als Exportweltmeister durch entschieden mehr Klimaschutz eher noch zur Stabilität der europäischen und weltweiten Wirtschaft beitragen würde. Wenn unsere Exporte wegen Ökotechnik teurer würden, hätte das einen ausgleichenden Effekt auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Handelspartner und würde damit Wirtschaftskrisen weniger wahrscheinlich machen.

    Sollten wir tatsächlich in den nächsten Jahren die Installation von Windkraftanlagen und Fotovoltaik nochmal verdoppeln, könnten wir das glaube ich noch national verwerten. Erstmal, wenn wir nennenswert Elektroautos haben, kann man die auch eher bei Stromüberschüssen aufladen, weil Elektroautos nur einen Teil ihrer Kapazität in den Akkus an einem Tag nutzen müssen. Bei Windflaute müssen nur die Autos voll aufgeladen werden, für die eine weitere Fahrstrecke geplant ist. Und bei Überschüssen im Stromnetz können dann die anderen Fahrzeuge, die nur halb aufgeladen waren, dann damit ganz aufgeladen werden, was in den meisten Fällen bis zu einer Woche halten kann. Das würde schon bei 10% Anteil von Elektroautos nenennswerten Effekt haben. Auch steigt mit Elektroautos insgesamt der Strombedarf, und damit die nutzbare Leistung von Wind und Solarenergie.

    Wir könnten mit Stromüberschüssen auch unterschiedliche flüssige Treibstoffe herstellen, die dann die immer noch wohl zahlreichen genutzten Benzin und Dieselfahrzeuge tanken können.

    Europäisch gemeinsam handeln ist aber für den Klimaschutz eine gute Sache. Was die Fotovoltaikanlangen betrifft, wundert es mich etwas, dass man die nicht erstmal rund ums Mittelmeer aufstellt. Dort ist der wirtschaftliche Ertrag bei gleicher Investition rund doppelt so hoch, und zugleich auch die Klimawirksamkeit. In Deutschland wären weitere Windkraftanlagen am wirtschaftlichsten, vor allem im Hinterland, und nicht etwa mitten in der Nordsee. Dort ist das Aufstellen teuer, und der Strom muss weitere Strecken transportiert werden, in Küstennähe ist wohl bald der Bedarf an Windstrom gesättigt.

    In ganz Europa sind noch reichlich Investitionen möglich, die von den Kosten von Kohlestrom nicht so weit entfernt sind, dass das nicht finanzierbar wäre.

  22. @Tobias Jeckenburger: Ja, Solarstrom sollte in Südeuropa, Windstrom in windreichen Gegenden (z.B. Deutschlands) produziert werden und alles mit einem Supergrid untereinander verbunden werden. Ohne lange Leitungen muss Strom abgeregelt werden. In Deutschland wurden 2017 5 Terawattstunden Windstrom abgeregelt.
    Ihr Vorschlag, Autobatterien als Ausgleichsspeicher zu nutzen, ist ebenfalls sinnvoll, ist aber praktisch nicht so einfach umzusetzen, denn wie will man erzwingen, dass jemand seine Batterie nich volllädt? Eventuell könnte man das über einen flexiblen Strompreis erreichen, der bei Strommangel stark ansteigt?

  23. @flexibler Strompreis
    5 Terawatt abgeregelter Windstrom entsprechen 4% von meinem privaten Stromverbrauch, umgerechnet auf 80 Millionen Einwohner, das ist schon schade drum.

    So weit ich weiß, hat Norwegen schon seit 20 Jahren einen flexiblen Strompreis. Die haben sehr viel Wasserkraft, die so billig ist, dass man dort am günstigsten fährt, wenn man komplett mit Strom per Heizlüfter heizt. Aber nicht immer. In einem Winter hat es im sonst regelmäßig verregneten Norwegen monatelang nicht geregnet, und ein Wasserkraftwerk nach dem anderen ist ausgestiegen.

    Auf einmal war der Strom richtig teuer. Manch einer hatte noch Alternativen und hat mit Holz geheizt, manch einer hat die Gelegenheit genutzt und in Griechenland Urlaub gemacht. Aber es soll auch Leute gegeben haben, die sind im eigenen Haus erfroren.

    Das interessante daran war, das viele Gewerbebetrieben Verträge mit Festpreisen hatten. Dann hat man diesen Betrieben dann viel Geld dafür angeboten, dass sie vorrübregehend die Produktion einstellen, dass genug Strom für die privaten Haushalte und andere essentielle Bereiche da ist. Wer konnte, hat das Angebot angenommen, und ein paar Wochen oder Monate den Laden stillgelegt und die Belegschaft in Urlaub geschickt. So ist es selbst in dieser Extremsituation nicht zu Abschaltungen gekommen.

    Bei uns mit der Windernergie sind die Schwankungen einiges kleiner als bei Wasserkraft in Norwegen, Niederschläge sind unregelmäßiger als Wind und Sonne.

    Mit einem flexiblem Strompreis könnte man nicht nur Elektoautobesitzer motivieren,
    denn Akku nur voll zu laden wenn weite Fahrten geplant sind oder eben wenn Stromüberschüsse im Netz sind. Man könnte aber auch vielen Betrieben anbieten, ihre Produktion vielleicht 1 oder 2 Mal im Jahr für eine Woche einzustellen und Urlaub zu machen, wenn große Windflaute ist und der Strom besonders knapp ist.

    So kann man das europäische Supergrid vielleicht doch langfristig etwas kleiner dimensionieren, wenn man alle Möglichkeiten der Regulation der Stromnachfrage nutzt. Das könnte auch vielleicht schneller gehen, als Planung, Genehmigung und Finanzierung von neuen Stromtrassen noch brauchen werden. Auch eben mit Überschüssen in den Überschussregionen selbst Kraftstoffe herzustellen, würde hier wirksam sein. Die kann man dann auch vor Ort in den Regionen zum Auftanken von Fahrzeugen anbieten.

  24. @Tobias Jeckenburger: Ja, künstlich hergestelltes Öl muss in Zukunft alles Erdöl ersetzen, welches von grossen Trucks, Schiffen und Flugzeugen verbraucht wird. Nur so können Schiffe und Flugzeuge in einer von CO2 Emmissionen befreiten Technologie der Zukunft weiterbetrieben werden. Der Strom dafür muss aber extrem billig sein. In Deutschland wird man nie synthetischen Treibstoff herstellen, denn sein Preis wäre zu hoch, Solarstrom aus der Attacamawüste (der nur noch 2 US-Cents kostet) wäre da die bessere Option.
    Der Preis von Strom, Energie und Treibstoff kann in keiner denkbaren Zukunft ignoriert werden. Viele betrachten ja die Energiewende in Deutschland allein schon wegen dem Preisanstieg von Strom als gescheitert.

  25. @Treibstoffe aus Stromüberschüssen
    Also wenn an der deutschen Küste hergestellter Treibstoff statt mit 2ct aus Solarstrom in der Atacamawüste mit 5ct teurem Überschussstrom aus Offshore-Windenergie hergestellt wird, wird das dann nur 33ct pro Liter teurer. Das ist weniger als die Mineralölsteuer, die man auf diesen Überschusssprit wohl reduzieren kann. Den überschüssigen Windstrom kann man durchaus für 5ct anbieten, wenn man ihn abregelt, gibt es gar nichts dafür, auch keine CO2-Einsparung.

    Wenns denn mal den flexiblen Strompreis gibt – die Zähler, die das können, werden zur Zeit schon angeboten so weit ich weiß – könnte man auch in Überschusszeiten einfach mal den Heizlüfter anwerfen. Gas kostet ab 1.1.2019 für mich 5,6 ct die Kwh, und meine Etagenheizung hat schätzungsweise nur 80% Wirkungsgrad. Ein einfacher Heizlüfter könnte dann ab einem Strompreis von 6 ct oder weniger zum Einsatz kommen. Wenn man denn zumindest den Überschussstrom zum Marktpreis auch dem Privatverbraucher anbieten würde, anstatt ihn einfach abzuregeln.

    Sollte sich solche Überschussverwertung langfristig als Option erweisen, wird es vielleicht sinnvoll, einen kleinen 2-Kw-Heizstab auch in Gas-Zentralheizungen und Heißwasserbereitern einzubauen, der automatisch die Heizung unterstützt, sobald der Überschussstrom günstiger als das Gas ist. Das könnte in unseren Breiten kostengünstiger sein als Warmwassersonnenkollektoren, und wäre genauso emmissionsfrei.

    Klar ist es energetisch günstiger, den Strom im Supergrid europaweit zu verteilen und auch als Strom zu nutzen, aber hier muss man gut ausrechnen, was jetzt kostengünstiger ist. Eventuell ist hier das Heizen mit Überschüssen und das Herstellen von Treibstoffen eine gute Alternative, in jedem Fall als Ergänzung zu einem kleinerem Supergrid. Perspektivisch noch mehr Elektromobilität von über 50% bei den gefahrenen Kilometern in vielleicht 20 Jahren brächte auch noch einiges zusätzlich an Stromnachfrage-Flexibiliät und insgesamt mehr Stromnachfrage und damit auch verwertbare Windstromleistung.

    Dass die Energiewende in Deutschland weniger Freunde hat, als eigentlich nötig wäre, ist das Ergebnis der Konstruktion der Ökostrom-Umlage. Da werden einfach alle Kosten der Energiewende den Privathaushalten zugeschoben, und die Industrie darf den Strom zu Dumpingpreisen einkaufen.

    Hätte man mehr auf Windkraft, und dann vor allem im Hinterland, gesetzt und die Fotovoltaik in Deutschland weniger gefördert, wäre das mit dem selben Einspareffekt auch noch locker zum halben Preis gegangen. Das scheint insgesamt so konstruiert worden zu sein, um der Strompreis für den Privatverbraucher so hoch wie irgend möglich treiben zu können.

    Wenn die Politik mit diesem Kurs weitermacht, wird die Energiewende wohl wirklich irgendwann demokratisch abgewählt. So macht Klimaschutz nicht viel Freude. Das Beseitigen der Umweltschäden durch den ungebremsten Klimawandel werden dann wohl die Arbeitsplätze der Zukunft sein.

    Es wird Zeit, alle Stromkunden an den tatsächlichen Kosten gleichmäßig zu beteiligen. Ein paar Exportprodukte weniger können wir meiner Meinung nach locker verkraften. Zumal wir bei einer erfolgreichen Energiewende auch immer weniger Gas, ÖL und Kohle importieren müssen.

  26. @Tobias Jeckenburger betreffend synthetische Treibstoffe: Gemäss Euan Mearns ( LCOE and the Cost of Synthetic Jet Fuel ) müsste der Strompreis bei 0.2 Cents pro Kilowattstunde sein, damit synthethischer Treibstoff gleich teuer wäre wie heutiger Diesel, heutiges Benzin. Mit anderen Worten: Synthetischer Treibstoff ist noch fast unendlich weit weg von der Zapfsäule in ihrer und meiner Nähe. Hier die DeepL-Übersetzung der Zusammenfassung von Euans Mearns Artikel: Das Haupthindernis für einen weit verbreiteten Einsatz sind die nicht wettbewerbsfähigen Kosten für den produzierten Kraftstoff. Die Hauptkostenstelle ist der Stromverbrauch, wobei z.B. die Nutzung von Onshore-Wind als Quelle dazu führen würde, dass der Jet A1 über 200 $ / bbl kostet, verglichen mit 62 $ / bbl heute. Das ist ein Showstopper.

    Die Kosten von Synfuel können aus zwei Richtungen angepackt werden. Der erste ist, den Prozess effizienter zu gestalten, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Aber das wird irgendwann unweigerlich auf eine thermodynamische Barriere treffen, die nicht überschritten werden kann. Der andere Ansatz besteht darin, die Kosten für den verbrauchten Strom zu senken. < $20 / MWh ist die magische Zahl, die Audi's e Diesel und Extra Virgin Jet Fuel wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Kraftstoffen machen würde. Die Windkraft in großer Höhe ist die einzige (theoretische) Möglichkeit in der Stadt, die alle Erwartungen erfüllt (denn theoretisch lässt sich in grosser Hlhe mit Drachen und anderem Gerät billig Windstrom generieren).

  27. @Martin Holzherr
    „..müsste der Strompreis bei 0.2 Cents pro Kilowattstunde sein, damit synthethischer Treibstoff gleich teuer wäre wie heutiger Diesel, heutiges Benzin“
    In Ihrer eigenen Quelle steht „…< $20 / MWh ist die magische Zahl, die Audi's e Diesel und Extra Virgin Jet Fuel wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Kraftstoffen machen würde…“

    Nach meiner Rechnung sind 20 $/MWh nicht 0.2 ct/KWh sondern 2 ct/KWh. Das ist ja schon ein Unterschied.

    Da hier nur Überschüsse verarbeitet werden sollen, sind die 2ct nicht weit weg. Preise von unter 5ct für Überschusswindstrom halte ich für realistisch.

    In Ihrer Quelle sind die Zahlen für Flugbenzin von „..der Jet A1 über 200 $ / bbl kostet, verglichen mit 62 $ / bbl heute…“ genannt. In Liter und Euro umgerechnet sind das 34ct/L heute bzw. 111 ct/L für synthetisches Flugbenzin aus Onshore-Wind.

    Wenn man denn endlich mal Steuern auf fossiles Flugbenzin einführen würde, wären wir nach meiner Rechnung mit synthetischem Flugbenzin aus Stromüberschüssen wohl dabei. Die Preise für Stromüberschüsse sind ja durchaus niedriger anzusetzen als für den regulären Strom zu Zeiten jenseits von Überschüssen. Das könnten bei 3 oder 4ct/KWh vielleicht um die 90ct/L Sprit sein.

    Die Nutzung von 2 oder 3 mal mehr installierter Windstromleistung als heute halte ich in 10 oder 15 Jahren für realistisch. Vor allem, wenn man mehr neue Windräder im Hinterland aufstellen könnte. Die dann regelmäßigen zeitweiligen Überschüsse wären energetisch am besten zum mehr oder weniger flexiblen Aufladen von Elektroautos einzusetzen. Die nächstbeste Möglichkeit, lokale Überschüsse zu verwerten wäre dann den Strom einfach zum Heizen zu verwenden, vorausgesetzt man schafft es endlich einen flexiblen Strompreis einzuführen.

    Wenn man dann immer noch Überschüsse hat, dann wären die synthetischen Kraftstoffe an der Reihe. Supergrid und neue Stromspeichertechnik würden noch mehr Möglichkeiten bieten, aber darauf warten brauchen wir keineswegs. Es ist auch so genug Gelegenheit, die Windenergie in Deutschland auszubauen.

    Und die Akzeptanz beim Wähler könnte man ganz leicht damit bewirken, endlich mal die Industrie und den Flugverkehr an den Kosten für den Klimaschutz zu beteiligen. Die derzeitige Konstruktion der Ökostromumlage ist auf Dauer komplett kontraproduktiv für die Energiewende. Bei wieder sinkenden Strompreisen für den Privatverbraucher wäre die Zustimmung für eine Fortsetzung des Klimaschutzes ziemlich sicher. Schließlich haben wir lange genug mit unserer privaten Stromrechnung die Industrie subventioniert.

  28. @Tobias Jeckenburger: Ja, da haben sie recht. Im Artikel ist zu lessen, dass der Strompreis deutlich unter 2 Cents pro Kwh zu liegen hätte, damit Treibstoff über die Eletrolyse von Wasser und anschliessende weitere Reaktionen erzeugt werden kannn.

    Was ihre übrigen Ausführungen zu Windstrom, CO2-Steuern auf Flugbenzin etc. angeht muss man sich einfach bewusst sein, dass das in einer globalen Wirtschaft auch global durchgesetzt werden müsste, denn sonst haben Länder, die das allein tun, Nachteile gegenüber den Andere. Und in Bezug auf die Erneuerbaren wie Wind und Sonne gilt: Je grösser der Anteil von Wind- und Sonnenenergie, desto kleiner der Wert von Wind- und Sonnenstrom, weil dann immer mehr Windstrom und Sonnenstrom abgeregelt werden muss – ausser dieser Strom könnte auf sehr billige Art und Weise gespeichert oder exportiert werden. Doch der Export von Sonnenstrom dürfte bei hohen Anteilen schwierig sein, scheint doch bei benachbarten Ländern meist gleichzeitig die Sonne.

    Meine Prognose: Erneuerbare werden in schon 2 Jahrzehnten weltweit einen Anteil von über 40% an der Stromerzeugung haben, doch über diese 40% hinaus wird es nur noch sehr langsamen Zuwachs geben, so dass die Welt auch 2045 noch sehr viel Erdgas oder auch Erdöl verbrennen wird. Begründung: Nur billige Stromspeicher oder Supergrids extremer Ausdehnung können dafür sorgen dass Erneuerbare 80 oder gar 100% der Energie bereitstellen.

  29. @Ausssichten
    „Erneuerbare werden in schon 2 Jahrzehnten weltweit einen Anteil von über 40% an der Stromerzeugung haben,…“ Dieser Teil Ihrer Prognose erscheint mir plausibel. Insbesondere wenn wir anfangen auf Elektromobilität umzusteigen, haben wir die nächsten Jahre durchaus Gelegenheit, reichlich Erneuerbare Energien auf dem Stromsektor dazu zu bauen.

    Was die Zeit nach 2 Jahrzehnten angeht: bis dahin kann noch viel passieren. Ich halte den Menschen für intelligent und die Kultur für wandlungsfähig. Insbesondere neue Generationen kommen auf ganz neue Ideen, und setzen die auch um, wenn sie an die Reihe kommen, die gesellschaftliche Realität bestimmen zu können.

    So habe ich die Hoffnung, dass wir eine wachstumsfreie Weltwirtschaft einrichten können, und sogar unseren übertriebenen Wohlstand auf ein vernünftiges Maß reduzieren können. Wenn wir in 20 Jahren in den meisten Ländern einen passablen Wohlstand erreicht haben, macht noch mehr Wachstum keinen Sinn mehr, und ich hoffe, dass die Menschen das dann eben einsehen und entsprechend reagieren.

    Supergrids, billige Speichertechnologien und vor allem auch noch deutlich kostengünstigere Photovoltaik-Paneele würden auch die Situation entscheidend verbessern. Aber eben auch ein Rückgang von Verschwendung bei Flugreisen und PKWs würde die Karten ganz neu mischen. Auch Neubau und Renovierung von Häusern bringt über die Jahrzehnte gesehen entscheidende Verbesserungen auf dem Energiesektor.

    Die Robotertechnik in Verbindung mit nicht weiter steigendem Wohlstand eröffnet in einer wachstumsfreien Wirtschaft natürlich Kapazitäten in der Produktion von erneuerbarer Energietechnik, dass wir gut möglich in 40 oder 50 Jahren bei 100% Erneuerbar in allen Bereichen ankommen werden. Naturgemäß sind Prognosen für diese Zeiträume Sciencefiction. Die Menschheit könnte auch in Wirtschaftskollaps, (Atom-/Bio-/Cyber-)Krieg und Chaos untergehen.

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