Naked Eye Astronomy – Help us!

Alle können mitmachen! Zumindest alle Menschen mit sehenden Augen. Wir wollen herausfinden, was das menschliche Auge sehen kann – und zwar mit Blick auf die Astronomen früherer Jahrhunderte, Jahrtausende. Mitmachen ist sehr einfach: App runterladen, Sterne beobachten, Upload zu uns. Fertig.

Im Augenblick ist unsere kleine App noch recht rudimentär. Sie funktioniert schon und alle gesammelten Daten sind nützlich und wichtig. Aber man sollte sich ein bisschen am Himmel auskennen, um die Sterne sicher zu identifizieren. Darum schreibe ich dies zunächst nur hier im Blog und hoffe, die richtige Klientel von Hobby.AstronomInnen damit zu erreichen. Da die Sache noch in der Entwicklung ist, sehen wir derzeit noch von Verbreitung in AppStores etc. ab – hoffen aber auf Ihr Feedback, um diesen Schritt irgendwann gehen zu können!

Doch im Detail: Ziel ist eine weltweite Massenstudie. Viele Menschen (d.h. viele verschiedenen Augen) sollen den Himmel beobachen. Und zwar in der Dämmerung. Auf einer Sternkarte klicken diese Menschen diejenigen Sterne an, die sie gerade mit freiem Auge sehen können. Mehr ist nicht zu tun.

Aufgabe/ Challenge: Beobachten Sie bitte in der Dämmerung den Sternhimmel! Etwa 1.5 bis 2 Stunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang ist für uns am interessantesten. Suchen Sie sich dafür einen Platz mit freier Horizontsicht! Im Augenblick (Weiterentwicklung wird folgen) kann unsere App nur 30° überm Horizont anzeigen.
Das erschwert die Identifikation von Sternen (wie wir bei bisherigen Tests merkten) leider mehr als gedacht und steht auf unserer to-do-Liste. Wir hoffen trotzdem, dass es schon Menschen gibt, die mitmachen.

Gern können Sie das auch beim Tag der Astronomie überübermorgen (30.03.) weiter erzählen!

Aufgabe im Detail: Klicken Sie an (mit dem Finger klappt überraschend gut), welche Sterne Sie gerade sehen. So sieht die Eingabe aus:

Während der Beobachtung sieht man diesen Screen. Im Mittelfeld können Sterne antippt werden. Falls mehrere Sterne eng beeinander stehen, öffnet sich eine Lupe, in der Sie auswählen können, was Sie meinen. Wenn Sie fertig sind tippen Sie den orangefarbenen “+” Button und dann den roten Pfeil “nach oben in die Wolke” für den Upload in unsere Datenbank.

Was macht die App im Hintergrund?

Start-Bildschirm der App. Bitte kleinen Augenblick warten bis die Daten von GPS und Wetterstation gelesen sind. Dann “Select Stars” klicken. Danke.

Während der Beobachtung macht sie nichts anderes als die HIP-Katalognummern der angeklickten Sterne sowie die genaue Uhrzeit des Anklickens zu speichern.
Vor der Beobachtung hat sie den GPS Sensor des Geräts nach geographischen Koordinaten gefragt und dann die nächstgelegene Wetterstation gefunden und nach Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit befragt.
Nach der Beobachtung lädt sie auf Knopfdruck die genannten Daten (und nicht mehr! also keine persönlichen Daten) zu uns hoch.

Die Sache ist also datenschutzrechtlich unbedenklich und dient der Forschung. Wir möchten von Ihnen einfach nur wissen, was Sie sehen (ohne etwas über Ihre konkrete Person zu erfahren). Wenn viele Menschen mitmachen, wird sich herausstellen, dass z.B. zu einem bestimmten Zeitpunkt *alle* den Sirius gesehen haben, 80% der Menschen sehen bei gleichem Dämmerungsgrad und Wetterbedingungen die drei hellen Sterne im Hinterleib vom Großen Hund und die noch schwächeren Sterne zwischen ihnen (da gibt’s viele, denn das ist mitten in der Milchstraße) werden nur von 30% oder weniger gesehen… Wenn also viele Menschen mitmachen, bekommen wir langfristig eine solide Statistik, was Menschen typischerweise sehen können. Darauf freuen wir uns: Bitte helfen Sie uns!

… und die Wetterdaten brauchen wir, um abzuschätzen, wie sich das Sehvermögen bei gleichem Kontrast in Abhängigkeit von Luftfeuchtigkeit, Smog (erhöhte Extinktion) und verschiedenen Klimaten verändern.

Mitmachen! – How to.

App Download , Kurzanleitung und mehr Infos auf meiner Webseite urania-uhura.de. Herzliches DANKE an alle, die schon jetzt oder später mitmachen!

Die App ist kostenlos und ungefährlich.

Gerne können Sie diese App auch im Urlaub und auf Dienstreisen nutzen, uns mit Ihren Beobachtungsdaten versorgen von Teneriffa, Mallorca oder wo immer Sie sonst hinreisen. … Die App bietet auch die Möglichkeit, eine Datenliste erstmal intern zu speichern und später (wenn Sie wieder im deutschen Netz sind) hochzuladen. Vielen Dank!

Hinweis: Diese App wurde von einem Studenten “mal eben rasch” in einem Praktikum programmiert. Leider gibt es sie derzeit nur für Android, nicht für iOS: Das soll im Laufe des Jahres kommen. Diese und andere geplante Weiterentwicklungen sind ebenfalls auf meiner oben genannten Webseite schon aufgezählt. Wir wissen, dass das noch nicht perfekt ist, hoffen aber, dass wir trotzdem Mitstreiter finden. Getestet haben wir bisher nur in Mitteldeutschland und Indonesien – das automatische Finden geeigneter Wetterstationen klappt mit diesen Stichproben gut.

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Susanne,

    die Idee der wissenschaftlichen Sternbeobachtung finde ich grundsätzlich gut, jedoch fehlt mir etwas der “Tiefgang”. Wichtig wäre aus meiner Sicht, das Zeitfenster der Beobachtung exakter zu fassen (eineinhalb Stunden – zwei Stunden ist wahrscheinlich zu ungenau) und auch den Himmelsausschnitt (nur so groß, dass er auch wirklich überschaubar ist, ohne den Kopf drehen zu müssen!) genau definieren. In der Dämmerung entscheiden Sekunden, bzw. Minuten ob ein Stern sichtbar wird oder nicht. Das hat dann nur weniger mit der Leistung der Augen zu tun. Daneben kommt es auch auf den Standort und die Lichtverschmutzung an, welche die Beobachtung beeinträchtigt – nicht nur die Wetterverhältnisse und die Atmosphäre.
    Die App sollte auf einen Rotlichtmodus schaltbar sein, da sonst die Augenadaption empfindlich gestört wird.

    Liebe Grüße Uwe

  2. Lieber Uwe, danke für den Kommentar. Da ist genug Tiefe, in dem Sinn, dass wir auswertbare Daten kriegen. Zudem: Haben Sie die App ausprobiert? Alle Displays sind schwarz und rot, also gehen gar nicht anders als im Nachtmodus zu betreiben bzw. anders gesagt: es gibt keinen Tagmodus (denn man braucht sie nur nachts). Ich selbst habe auch recht empfindliche Augen – in diesem Fall hilft es, den Blauanteil des Displays oder seine Gesamthelligkeit zu reduzieren (d.i. meist Hardware.Taste).
    Eben *weil* die Dämmerungsbeobachtungen so kritisch sind, haben wir entschieden, die App in diesem frühen Stadium schon zu veröffentlichen. Es geht uns nicht darum, Ihre persönlichen Augen zu testen oder Ihr persönliches Horizontprofil zu ermitteln, sondern wir wollen (später) eine Big Data Statistik, was Menschen typischerweise sehen können. Wenn Sie nur einen bestimmten Bereich am Himmel anschauen wollen, um den Kopf nicht drehen zu müssen (und vllt in der Abenddämmerng nach Osten schauen möchten, weil der Himmel da am dunkelsten ist oder in eine andere Richtung, weil nur dort die Nachbarhäuser die Sicht frei geben), dann machen Sie das. Da die App Standort und Uhrzeit abspeichert, sind auch diese Daten langfristig nützlich.
    Fühlen Sie sich aber gern frei, während einer Dämmerung mehrfach den Himmel abzuscannen: Ich habe das mitunter auch gemacht, dass ich einmal 360° herumgeschaut habe ab Beginn der naut. Dämmerung und wenn ich einmal rum war, gleich nochmal und so weiter; bis zu 3mal. Was im Hintergrund dann passiert ist, dass man eben für einen Standort und Stern bis zu drei Zeiten speichert. Schadet nicht. Wenn Sie aber beim zweiten Durchgang die hellsten Sterne weglassen und nur die neu hinzugekommenen auflisten, schadet es auch nicht (dass man Sirius dann immer noch sieht, ist klar). Egal, wie Sie es machen: Es gibt für uns nur Positiv-Informationen (Stern gesehen). Negativ-Infos (Stern nicht gesehen) bekommen wir nicht, d.h. die App liefert stets nur eine helle Grenze. Der Einzelbeobachter ist somit allein wertlos; erst die Summe aus vielen Beobachtern lässt Rückschlüsse zu.

    Ein gewisses Problem stellen der erwähnte Faktor Lichtverschmutzung dar. Um diese messen zu können, müssten Handys dafür einen Sensor haben, alle Leute mit SQM rausgehen (illusorisch) oder wir Sie Sternfelder zählen lassen. Letzteres ist für eine spätere Version vorgesehen. Wir sind uns noch nicht sicher, ob die (Veränderung der) Lichtverschmutzung evtl auch etwas ist, das wir hiermit rauskriegen.

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