Skypen mit Oma in Corona-Zeiten – Was haben die Kleinen davon?

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Wohnen Großeltern nicht in der Nähe ihrer EnkelInnen oder können sie die während der Corona-Pandemie nicht besuchen, ermöglichen ihnen Skype und Co., ihre Entwicklung dennoch mitzuerleben. Ob dabei auch die Kleinen vom Videochat profitieren, untersuchte eine Studie aus den USA.

Mit zunehmender Digitalisierung kann Kommunikation spielerisch räumliche Distanzen überwinden. Das weiß auch schon der zweijährige Lukas, der per Skype regelmäßig mit seiner Oma in Brasilien in Verbindung steht. Natürlich freut sich Lukas‘ Oma immer, ihren Enkel zu sehen. Doch was hat Lukas davon? Kann Lukas über den Bildschirm vielleicht sogar ein bisschen portugiesisch lernen? Dieser Frage gingen Forscherinnen aus den USA nach und untersuchten, wie gut Kleinkinder im Alter von etwa zwei Jahren neue Worte per Videochat erlernen.

Die Forscherinnen zeigten den Kleinen Handlungen und benannten diese mit neuen Worten: Etwas auf und ab hüpfen zu lassen, hieß jetzt zum Beispiel „blicking“. Dieses Vermitteln neuer Worte fand in verschiedenen Situationen statt. Entweder die Kinder befanden sich in einem Austausch mit einem Versuchsleiter, welcher real vor dem Kind saß oder per Videochat auf einem Bildschirm zugeschaltet war. Oder die Kleinkinder sahen ein vorher aufgezeichnetes Video eines Versuchsleiters, der das Wort vermittelte.

In den ersten beiden Situationen (live Interaktion und Videochat) war es dem Versuchsleiter möglich, abgestimmt auf das Kind zu reagieren, da sich beide in einem echten Austausch miteinander befanden. Bei der eingespielten Videoaufzeichnung fiel dieser Aspekt weg.

Wann lernten die Kinder die Bedeutung des neuen Wortes am besten? Ein anschließender Test des Wortverständnisses zeigte, dass die Kleinkinder nur im aufeinander abgestimmten Austausch mit einer echten Person das Wort erlernten. Dabei war es egal, ob der Versuchsleiter anwesend oder per Videochat zugeschaltet war. Durch ein abgespieltes Video konnten die neuen Worte jedoch nicht an die Kinder vermittelt werden.

Solange es eine Abstimmung im Austausch zwischen Kind und PartnerIn gibt, können Kleinkinder neue Worte auch über einen Videostream lernen. Bei Lukas und seiner Oma löst das Wiedersehen auf dem Bildschirm jedes Mal große Freude aus. Wie die Forschung zeigt, bringt der Videochat mit Oma womöglich noch einen Lerneffekt, der darüber hinausgeht.

(Dieser Beitrag ist auch auf dem In-Mind Blog erschienen.)

Christine Michel

Veröffentlicht von

Christine hat in Heidelberg Psychologie studiert und wurde dort 2016 promoviert. In ihrer Forschung interessiert sie sich dafür, wie Babys und Kinder die Welt wahrnehmen und von anderen lernen - und natürlich vor allem dafür, was dabei im (Baby-)Gehirn vor sich geht.

2 Kommentare

  1. Mal ganz praktisch . So eine kleine “Videokonferenz” hatte die Wirkung, dass die Oma ihren Enkeln ein Paket geschickt hat. In dem Paket war ein Sparschwein aus Porzellan, das man bemalen konnte. Das war der Renner.
    Stolz schickten die Enkel die Fotos von ihrem bemalten Sparschwein.
    Also die Kombination von altertümlichem Spielzeug und moderner Kommunikation ist gut.
    Das nächste Spielzeugpaket wartet schon.

  2. Skype kann den direkten Kontakt nicht ersetzen.
    Mein Enkelkind (4) darf seinen besten Freund aus der Kita wegen der Kontaktsperre nicht mehr sehen.
    Als wir sie über Skype verbunden haben, fingen beide Kinder an zu weinen.

    Viele Grüße,Andreas Schulz

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