Buchtipp: Wunderbarer Sternenhimmel (Helmut Hornung)

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… aber nicht einfacher
RELATIV EINFACH

Mit Helmut Hornung habe ich derzeit vor allem Kontakt, wann immer wieder einmal eine Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie ansteht. Rechtzeitig an Herrn Hornung mitgeteilt besteht die Chance, dass auch die Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft die Mitteilung aufgreift. Das gibt nicht nur weitere Verbreitung, als wenn wir die Mitteilung nur als Institut versenden, sondern hat den großen Vorteil, dass Herrn Hornung so gut wie immer deutlich griffigere Überschriften für die Pressemitteilungen einfallen als mir (die ich dann gerne übernehme).

Vom Namen her kannte ich Helmut Hornung aber schon deutlich länger, nämlich durch seine “Der Sternenhimmel im [Monatsname]”-Beiträge in der Süddeutschen Zeitung. Diese Serie hatte Hornung ab 1994 geschrieben. (Zuvor war sie lange Jahre von der Astrophysikerin Rhea Lüst verfasst worden.) Online sind eine Reihe der Beiträge hier zugänglich.

Hornung beschreibt in seinen Beiträgen nicht nur jeweils aktuelle Himmelsereignisse, sondern nutzte die Gelegenheit auch, um jeweils einen Aspekt der Astronomie zu beleuchten. Das konnte etwas Aktuelles sein wie Hanny’s Voorwerp, die sonderbare Struktur, die 2007 von einer Lehrerin im Rahmen des Citizen-Science-Projekts Galaxy Zoo entdeckt worden war, aber auch die zu einem Sternbild gehörige griechische Sage; eine historische Betrachtung wie zum Teleskop “Leviathan” von Lord Rosse oder der Tscheljabinsk-Meteoritenregen im Februar 2013.

Gelungene Integration

Im Laufe der Jahre kam so Episode für Episode ein kleiner Reiseführer durch die gesamte Astronomie zustande. Daraus ein Buch zu machen, lag nahe, und genau dieses Buch hat Hornung dann 2014 unter dem Titel “Wunderbarer Sternenhimmel” im Anaconda-Verlag veröffentlicht.

Die Integration der Abschnitte zu einem großen Ganzen gelingt im allgemeinen gut. Allenfalls an einigen ganz vereinzelten Stellen gibt es kleine Unebenheiten und Formulierungen, die auf die separate Vergangenheit der einzelnen Abschnitte hindeuten. Das Buch ist in vier große Abschnitte geteilt. Im ersten wird “Der Himmel im Jahreslauf” vorgestellt, nach Jahreszeiten getrennt als Übersicht. Im zweiten Teil geht es um die Mythen, die zu den Sternbildern gehören; im Gegensatz zur Kinderbuch-Aufbereitung, die ich aus meiner eigenen Kindheit erinnere, fand ich hier schön, dass Hornung auch einige der klassischen Autoren nennt und an einer Reihe von Stellen Informationen darüber vermittelt, wann bzw. wie die entsprechende Geschichte entstanden ist.

Im dritten Teil geht es dann um die moderneren astronomischen Forschungsgegenstände. Auch in diesem Bereich fand sich unter den rund 250 SZ-Beiträgen offenbar alles, was man beschreiben muss, um von Gammastrahlenblitzen und Roten Riesen bis zu Zwerggalaxien oder der “Großen Debatte” die Grundlagen des Faches Revue passieren zu lassen. Ein ganz kurzer vierter Teil gibt Tips für eigene Beobachtungen mit bloße Auge, mit dem Fernglas und mit dem eigenen Teleskop.

Bildlos glücklich?

Seiner Herkunft nach hat das Buch einige charakteristische Eigenschaften. Zunächst einmal verzichtet es fast völlig auf Bilder – bis auf ein paar Sternkarten und einige schematische Sternbilder gibt es keinerlei Abbildungen. Im Original war jedem Beitrag in der Süddeutschen eine Sternkarte für den betreffenden Monat beigefügt.

Das klingt bei der an Bildern doch so reichen Astronomie wie ein beachtlicher Nachteil, macht aber gar nicht soviel aus, wie ich gedacht hätte. Die “nur Text”-Variante der Astronomie-Einführung funktioniert sehr gut – und wäre sicherlich auch eine interessante Grundlage für ein Astronomie-Hörbuch. Durch die Aufteilung in kleine, weitgehend autonome Abschnitte eignet sich das Buch außerdem als Quelle regelmäßiger, kurzer Lese- oder Vorlesehäppchen.

Insgesamt ein schönes Buch, und als Einführung in die Astronomie durchaus zu empfehlen. Wenn ich jetzt nur noch eine griffigere Überschrift für diesen Blogbeitrag finden könnte…

Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

2 Kommentare

  1. Habe das Buch LEIDER gekauft,Nach den ersten Seiten ist es im Müll gelandet.Das bisher schwächste Buch aus dem Bereich Astronomie.