Gut verschüttelte Argumente für Homöopathie

Auf den Webseiten der Frankfurter Rundschau fand sich letzten Freitag mal wieder eine Verteidigung der Homöopathie. Der Titel Runter vom hohen Ross, ist dabei schon einmal ein klassisches Ad-Hominem-Argument: Nicht die Argumente gegen Homöopathie seien falsch, Mediziner hätten schlicht nicht das Recht, Homöopathie zu kritisieren. Wie gut, dass ich kein Mediziner bin.

Interessant finde ich den Artikel aufgrund der Verknüpfung dreier völlig unterschiedlicher Argumentations-Ebenen zu einem Ganzen, das dann für die Homöopathie spricht, obwohl jede einzelne Ebene für sich betrachtet eher gegen Homöopathie spricht:

1. Wirksamkeitsnachweis

“Die Homöopathie hat aber nicht die Spur eines Wirksamkeitsnachweises vorzuweisen. Naturwissenschaftlich betrachtet ist sie ein fauler Zauber, eine leere Versprechung.” steigt der Autor ganz zu recht ein. Doch dann kommt das Aber:

2. Ausführliches Arztgespräch

Der Autor bringt den Placebo-Effekt ins Spiel. Er hebt hervor, dass mit einer homöopathischen Behandlung ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt verbunden ist, das für einen Placebo-Effekt sorgen kann. Also dafür, dass unabhängig von der (fehlenden) Wirksamkeit des Präparats eine subjektive Besserung eintritt.1

Der Fehler in dieser Argumentation ist, dass der Autor so tut, als sei das ausführliche Gespräch der homöopathischen Behandlung zuzurechnen. Die Popularität der Homöopathie mit dem Placebo-Effekt zu erklären ist kein Argument für sondern gegen sie. Es bedeutet, dass das Ergebnis der ausführliche Anamnese unerheblich ist, weil im Anschluss ohnehin nur ein Placebo verabreicht wird.

Ausführliche Beratung wäre auch in der konventionelen Medizin wünschenswert. Ein persönliches Gespräch, das angemessen vergütet wird, würde das Gefühl der Patienten steigern, in guten Händen zu sein. Der Placebo-Effekt lässt sich auch bei medizinischer Behandlung nutzen. Und vielleicht würde ein Gespräch oft dazu führen, dass Arzt oder Ärztin einfach ein paar Tipps zur Ernährung oder Bewegung oder die Empfehlung eines guten Tees mitgeben. Das gäbe, ähnlich wie die homöopathische Scheinmedikation, das Gefühl etwas getan zu haben.

“Eine solche Medizin ist der Gesundheitswirtschaft ein Dorn im Auge.” schließt der Autor sein Argument, “Für eine solche Medizin ist weder in der überfüllten Kassenpraxis noch im gehetzten Krankhausalltag [sic] Platz.” Vielleicht, aber die Krankenkassen gehören ja nicht der “Gesundheitswirtschaft”. Sie sind bereits jetzt in der Lage, Kassenpatienten die ausführliche Anamnese bei einer homöopathischen Behandlung zu bezahlen. Warum also nicht auch bei richtiger Medizin? Und mit der Forderung nach einer besseren Personalausstattung in Krankenhäusern rennen wir dort ohnehin offene Türen ein. Dass Beratung in der Homöopathie besser bezahlt wird, ist eher guter Lobbyarbeit der Homöopathen als einer Verschwörung der “Gesundheitswirtschaft” anzulasten.

3. Fehler in der Medizin

Nun holt der Autor zum finalen Schlag gegen die Homöopathie-Kritik aus: Unlauterer Wettbewerb von Pharmaunternehmen, Skandale durch ungenügend geprüfte Medikamente und “Krankenhausinfektionen” führt er an. Eine Medizin, die sich durch all das angreifbar mache, könne “die Leere, die Inhaltslosigkeit der homöopathischen Globuli” nicht so scharf kritisieren. Aber auch dieses Argument fällt auf die Homöopathie zurück. Wirbt diese doch mit einer Wirksamkeit, die sie seit 200 Jahren nicht nachweisen kann.

Selbstverständlich muss man der Pharmaindustrie, sowohl der konventionellen als auch der homöopathischen, auf die Finger schauen. Sie sollten keine falschen Versprechen machen dürfen. Natürlich birgt die teure und aufwendige Medizinforschung gefahren: Das Prüfverfahren ist so teuer und aufwendig, dass der Anreiz zur Übertreibung von Wirksamkeit und Vernachlässigung von Nebenwirkungen groß ist. Die Pharmahersteller müssen gut überwacht werden. Und natürlich ist Hygiene im Krankenhaus unerlässlich, Qualitätskontrolle notwendig. Aber das alles ist kein Grund auf wirkungslose Behandlungsmethoden zurückzugreifen. Wir müssen die wirksamen besser überwachen.

Fazit

Kurz und prägnant finden wir also drei Argumente für drei unterschiedliche Dinge:

  1. Homöopathie wirkt nicht und sollte deshalb nicht als Therapie eingesetzt werden.
  2. Gute medizinische Beratung wirkt und sollte nicht nur Homöopathen angemessen bezahlt werden.
  3. Falsch angewendet kann Medizin gefährlich sein. Deshalb ist unabhängige Qualitätskontrolle wichtig. Falsche Versprechungen sind nicht zielführend.
Anmerkungen:
1. Das Homöopathie auch bei Kindern wirkt, glaub ich ungesehen. Bei meinem Kleinkind hilft Pusten gegen fast gegen jedes Aua. Auch ohne Wirksamkeitsnachweis. Gerade das ist der wichtigste Grund, warum ich keine Homöopathie für mein Kind möchte: Ich möchte ihm nicht beibringen, für jedes Wehwehchen ein Medikament einzunehmen.

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

32 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hat meinem Kind auch bei Mittelohrentzündung geholfen. Und bei heftigem Tritt eines Pferdes. Mir selbst bei hartnäckiger Blasenentzündung (2 trotz Antibiogramm erfolglose Antibiotika-Behandlungen, Cranberrysaft, Mannose, alles probiert). Warum, ist mir dann eigentlich nicht so wichtig. Vll. kann man in 50 Jahren was messen, woran man heute noch nicht mal denkt.

  2. J. Paulus,
    unser Kinderarzt, der kein Homöopath ist, hat trotzdem einen Versuch gestartet, und Erfolg gehabt. Der zweite Kinderarzt wollte eine Operation durchführen. Unser Kinderarzt sagte: “Wir probieren jetzt mal die globuli, wenn sie nicht helfen , können wir immer noch operieren. ” Nach 3 Wochen hatten sich die Polypen zurückgebildet.
    Gilt jetzt : Wer heilt hat Recht oder was nicht sein kann, das nicht sein darf ?

    • In der Medizin gibt es viele unglaubliche Dinge. Sogar spontane Rückbildungen von Darmkarzinomen wurden schon beobachtet. Doch das heisst noch lange nicht, dass überall wo (scheinbar) Wunder geschehen das gerade dann abgegebene Globuli der Grund für das Wunder war.

    • Hätte der Kinderarzt gesagt: “Warten wir mal drei Wochen ab, wenn’s dann nicht besser ist, können wir immer noch operieren”, wäre der Effekt derselbe gewesen, aber Sie hätten ihm nicht zugute gehalten, das Kind geheilt zu haben. Was er ja auch nicht getan hat.

      Die drei Wochen Abwarten sind für das Kind – und ja, manchmal ist Abwarten besser als gleich eingreifen – und die Globuli sind für die Eltern, damit die Ruhe geben, weil sie das Gefühl bekommen, ihr Kind wird behandelt.

      Manchmal ist drei Wochen Abwarten aber eben auch nicht besser als gleich eingreifen. In den drei Wochen Verweigerung der Behandlung kann sich das Krankheitsbild verschlimmern und die Heilung erschwert oder unmöglich gemacht werden.

      Die Kunst des Arztes liegt darin, zu erkennen, welcher Fall vorliegt.

      Wenn Abwarten das Beste ist, dann ist die homöpathische “Behandlung” zumindest nicht schädlich. Der Placeboeffekt hilft vielleicht noch etwas mit, aber vielleicht auch nicht.

      Wenn aber Abwarten nicht das Beste ist, dann ist die homöopathische “Behandlung” ein Kunstfehler.

      Wie man aber von da (bestenfalls nicht schädlich, schlimmstenfalls eine Verzögerung der dringend erforderlichen Behandlung) zur Annahme kommt, die homöopathische “Behandlung” hätte eine Heilung bewirkt, ist für mich nicht nachvollziehbar.

  3. Ausführliches Arztgespräch? Wie bitte? Wenn ich zum Apotheker gehe, muss ich doch schon mit Händen und Füßen gegen den Versuch des Verkaufspersonals wehren, mir gleich irgendwelche Globuli oder rhythmisch geschütteltes informiertes Wasser aufzuschwatzen.

  4. Homöopathie lässt sich eventuell noch rechtfertigen, wenn sie keine Alternative ist, sondern dazu dient “Alternative” doch noch unter medizinische Kontrolle zu bringen. Wobei ich mit “Alternative” in Anführungszeichen, Menschen meine, die die Schulmedizin scheuen und an alternative Methoden glauben. Wenn diese zu jemanden gehen, der ihnen alternative Behandlung verspricht zugleich aber etwas von Medizin versteht, dann besteht die Chance, solche “Alternativen” (und ihre Familienangehörigen) dennoch vor dem Schlimmsten zu bewahren.

  5. Ich stimme Ihrem Artikel voll zu: Wenn Krankenkassen dem Arzt das Patientengespräch ordentlich bezahlen würden, würden sich die Patienten auch ernst genommen fühlen. Dann würden sie Homoöpathen und anderen Scharlatanen gar nicht erst auf den Leim gehen. Kann sich der Arzt keine Zeit nehmen, dann fühlt sich der Patient vernachlässigt und sucht sich Alternativen.

  6. “Der Autor bringt den Placebo-Effekt ins Spiel. Er hebt hervor, dass mit einer homöopathischen Behandlung ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt verbunden ist, das für einen Placebo-Effekt sorgen kann.”
    (…)
    “Der Fehler in dieser Argumentation ist, dass der Autor so tut, als sei das ausführliche Gespräch der homöopathischen Behandlung zuzurechnen. ”

    Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Homöopathen sind oft ausgesprochen geschickt und manipulativ in ihrer Gesprächsführung. Patienten werden u.U. beim Folgebesuch nicht direkt nach ihren Beschwerden gefragt, sondern danach, “was das verordnete Mittel mit ihnen angestellt hat” bzw. “ob mit der Einnahme des Mittels irgendwelche ungewöhnlichen Dinge, z.B. Träume (sic) oder besondere Sinneseindrücke verbunden waren”.
    Ein Problem von Patienten mit psychosomatischen Beschwerden kann sein, dass sie belastende Faktoren aus einer persönlichen Perspektive nur schwer artikulieren können. Das projezieren auf ein “Medikament” kann diesen blinden Fleck u.U. umgehen helfen.
    Hinzu kommt, dass ein geschickter Therapeut im Gespräch über die Wirkung des Präparats die Aufmerksamkeit des Patienten ganz gezielt auf positive Effekte lenken und damit Aufmerksamkeit und Selbstwahrnehmung verschieben kann: Wenn der Patient eine weitere Behandlungsrunde durchläuft, konzentriert er sich stärker auf die Besserung der Symptome und erlebt damit tatsächlich eine Besserung seines ganzen Befindens.
    Das ist natürlich hochgradig manipulativ und erlaubt in keiner Weise eine Aussage über die Wirksamkeit der homöopathischen Präparate.
    Aber es könnte erklären, warum manche Studien homöopathischer Behandlung eine, über den reinen Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung bescheinigen.

  7. Martin Holzherr,
    ….Ursache,
    das ist ja das Kreuz mit der Homöopathie, man kann nicht direkt feststellen, was geholfen hat. Mit Schwerpunkt auf direkt.
    Wenn mir schwindelig ist und ich gehe joggen und trinke dann anschließend einen Kaffee, dann weiß ich auch nicht, war es die Bewegung oder war es der Kaffee, der geholfen hat. Ist mir auch egal. Hauptsache der Schwindel ist weg.
    Bei der HP wollen die Betroffenen auch nur nebenbei wissen, ob es die globuli waren, der Placebo Effekt oder auch die Selbstheilung. Das ließe sich nur sehr schwer messen.

    • Man kann tatsächlich nicht im Einzelfall feststellen, was geholfen hat, aber man kann es mit systematischen Studien versuchen herauszufinden. Und da ist die Datenlage eben: Placebo Effekt ist praktisch immer dabei, Selbstheilung kommt vor, Globuli haben keinen Effekt.

  8. Es gibt an der LMU in München eine Ringvorlesung zum aktuellen Stand der Forschung zur Homöopathie. Die Vorlesungsreihe richtet sich wie immer an Studenten in der ärztlichen Ausbildung, aber auch an ärztliche Kolleginnen und Kollegen sowie an Wissenschaftler, interessierte Laien, einfach an alle, die an einem fairen und offenen Dialog zur Homöopathie interessiert sind.

    Kontakt: Sigrid.Kruse@med.uni-muenchen.de

    Wissen kann man ersetzen – durch mehr Wissen

  9. Meine Mutter ist dement. Sie neigt zu Wutausbrüchen verbaler Art, aber das sehr heftig!

    Das ging lange Zeit so, bis ein Homöopath 2 Mittel dagegen verschrieben hat. Davon gibts abends jeweils 2 Tropfen. Die heftigen Wutausbrüche sind weg.

    Werden die Tropfen vergessen, gibts am nächsten oder übernächsten Tag wieder Aggression. Und das dann bis genau dann die Tropfen wieder eingesetzt werden. Sie werden ohne Kommentar auf einem Löffel gegeben, keine Erklärung dazu, vor allem nicht, warum sie genommen werden sollten.
    Und dann sind am nächsten Tag die Wutausbrüche wieder gemildert und bald wieder weg…

    Placebo? Ohne jedes Wissen, was das mit dem Löffel nun zu bedeuten hat? Mit einem gleichen Löffel gibts Heilhonig bei Husten, aber das mildert nicht die Wut und die Tropfen lindern nicht den Husten.

    Was ist es nun, was hilft?

    • @Eva Steiner
      Wenn das exakt so stimmen würde, wie Sie es schildern, wäre das in der Tat beeindruckend.
      – Zwischenfrage: Wundern Sie sich nicht, dass Zuckerwasser ohne Wirkstoffe Ihrer Mutter hilft? –
      Unter den gegebenen Umständen aber ist Skepsis geboten. Ich würde zwei Möglichkeiten ausschließen wollen: 1. Vielleicht reagiert Ihre Mutter auf bestimmte zwischenmenschliche Elemente (z.B. leichte Anspannung der Pflegeperson), die die Pflegeperson nicht aufweist, wenn die Pflegeperson weiß, dass Ihrer Mutter angeblich wirksame Medikamente gegeben wurden?
      2. Vielleicht wünschen Sie sich bewusst oder unterbewusst, dass Homöopathika wirken und übertreiben die tatsächlichen Vorkommnisse bewusst oder unterbewusst. Stichworte: Confirmation Bias und Erinnerungsverfläschung, beides sehr gut psychologisch untersucht und bestätigt: Wir Menschen manipulieren uns quasi selbst unterbewusst, einziger Ausweg ist eine verblindete kontrollierte Studie. Das heißt unter anderem, dass Ihrer Mutter auch ab und zu unwirksame Kugeln verabreicht werden müssten, ohne dass irgendeine Pflegeperson dies weiß, damit sich das Verhalten und die Interpretation der Ereignisse durch die Pflegeperson nicht durch subjektive Effekte ändert.
      Und solche Studien kommen immer zu dem Schluss, dass Homöopathika nicht besser wirken als ohne Hokuspokus aufgelöster Zucker.

      Disclaimer: Pflanzliche Präparate mit Wirkstoff sind etwas anderes – Homöopathika sind keine pflanzlichen Präparate, denn in Homöopathika wird der Wirkstoff über die Unwirksamkeitsgrenze hinaus verdünnt (oft sogar über die Nachweisgrenze); zudem ist das homöopathischen Prinzip “Symptomverursachende Substanz heilt Symptomursache” natürlich völliger Unfug.

    • Ich bin kein Fan von Globuli und nehme sie selber auch nicht. Ehrlich gesagt Zweifel ich auch an ihrer Wirkung.
      Jedoch bekommen unsere Pferde diese, wenn es zu einer Schwellung aufgrund einer Verletzung kommt. Früher wurde da dann einfach geschont, gekühlt und abgewartet. Solche Sachen können sich dann aber doch mal schnell eine Woche ziehen. Werden Globuli zugefüttert verkürzt sich die Zeit bis wieder alles verheilt ist. Das Ganze kann man jetzt deuten wie man will. Sicher ist jedenfalls, die Tiere glauben weder dran noch merken sie ob man ihnen was untergemischt hat. Woher der Effekt auch kommt, Fakt ist die Schwellungen sind schneller weg. Warum auch immer.
      Daher bin ich mittlerweile der Meinung, wenn es hilft, ist es durchaus in Ordnung so etwas zu nutzen. Schaden tut es zumindest nicht. Ob das jetzt wissenschaftlich belegt ist oder nicht…der Nachweis von Gravitationswellen hat auch 100 Jahre gedauert – geglaubt hat man trotzdem dran.

  10. Zur Erläuterung:

    Ein Bestätigungsfehler
    (engl. confirmation bias) ist in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Die erste Theorie zu dieser kognitiven Verzerrung stammt von Peter Wason (1960, 1968).

    Erinnerungsverfälschung
    bedeutet unabsichtliches Verfälschen bestehender eigener Gedächtnisinhalte. Sie wird unterschieden von Erinnerungsfälschung, der fantasierenden Einbildung neuer eigener Gedächtnisinhalte. Beide Vorgänge unterscheiden sich von der bewussten Falschaussage (Lüge) dadurch, dass die sich erinnernde Person selbst ihre Aussage für richtig hält. Die hiermit beschriebenen Selbsttäuschungen haben große Bedeutung in der Psychiatrie, vor Gericht und in der Gedächtnisforschung.

  11. @ Wizzy,

    für mich ist es beeindruckend, in der Tat. Es ist nicht so, daß Mutter keine andren Medikamente bekommt, samt und sonders aber aus dem naturheilkundlichen Bereich. Sie nimmt mehr oder weniger willig ihre Tropfen und Kapseln, ohne noch mitzubekommen, wofür sie sind, sei es Weißdorn fürs Herz oder Mariendistel für die Leber, ebenso fastgar als Medizin täglich fünf getrocknete Pflaumen mit etwas Trinken dabei. Und eben auch diese Tropfen, die grad ebenso wie Mariendistel aufm Löffel gegeben werden. Nimmt sie diese bestimmten 4 Tropfen, ist die Wut weg, nimmt sie das mal nicht, dann tauchen die Aggressionen auf.
    Hä, das also ist des Pudels Kern: Nur weil ICH es möchte, ‘übertrage’ ich meinen dringlichen Wunsch nach Wirkung? Und wieso klappt das mit der ‘Übertragung’ nicht, wenn ich wünsche, daß sie ißt, daß sie mit mir spricht, daß sie sich aufrappelt? Neeee, DIE Tropfen und nur da wirkt mein Einfluß. *Grins*

    PS: Wenn sie die Pflaumen stehen läßt, gibts am nächsten Tag mehr Probleme mit der Verdauung. Wünsche ich mir einfach nur, daß mit dem Trockenobst der Darm schön richtig durchwalkt, sinds garnicht die Pflaumen?

    • “Neeee, DIE Tropfen und nur da wirkt mein Einfluß. *Grins* ”
      Das kann ich nicht beurteilen, aber in der Medizin ist anekdotische Evidenz aus gutem Grund nicht akzeptiert. Denn seltsame Ansichten seltsamer Leute gibt es viele. Eine meiner Bekannten meint, dass ihr Sohn deshalb besonders gesund sei, weil sie ihn rein vegan ökologisch fair trade ohne Fruktose, Laktose, Gluten ernährt. Alle anderen jedoch haben Mitleid mit dem armen, geistig retardierten und schwächlichen Kind. Genau deshalb, weil solche Einzelmeinungen fehlerbehaftet sind, gibt es Studien. Genau deshalb können wir in unserer heutigen Zeit viel mehr Krankheiten heilen als im Mittelalter, genau deshalb ist unsere Lebenserwartung heute höher als je. Anekdotische Evidenz hoch zu bewerten bringt keinen gesellschaftlichen Gewinn, Sie privat mögen das meinetwegen gerne so handhaben.

  12. Pingback:Homöopathie – The Movie: „Stirb langsam“ oder „Gib dem Affen Zucker?“ @ gwup | die skeptiker

  13. @Eva Steiner Es gibt hier eine tiermedizinische Dissertation miteiner Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie
    http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3248/1/Freismuth_Alexandra.pdf
    bei der es um die Wirkung einer Supplementierung mit Vit E und Selen für Pferde ging.

    Meßbare Unterschiede gab es kaum, aber die Reiter, meistens Profis, fühlten sowohl beim Verum als auch beim Placebo große Verbesserungen im Verhalten der Tiere.

  14. Pingback:Die Offensive der Globulisten und das Facepalmface der Homöopathie-Kritiker @ gwup | die skeptiker

  15. Homöopathie ist Magie, so wie “Aua-Wegpusten”. Kann durchaus helfen (jedenfalls bei Befindlichkeitsstörungen), die Versuche der Homöopathen, die Placeboeffekte “hochwissenschaftlich” (inklusive Wassergedächtnis und an den Haaren herbeigezerrter Quanten) zu erklären, sind einfach nur peinlich.

    • Der Begriff Shitstorm wird ja sehr schnell verwendet um eine Kritik zu delegitimieren. Dass solch ein Thema Diskussionen auslöst und das bei unmoderierten Diskussionen im Internet auch Beschimpfungen vorkommen, sollte nicht überraschen. Ich beanspruche für diesen Beitrag, dass er sachlich ist. Ich denke auch nicht dass ich den Autor in einem wesentlichen Punkt missverstanden habe. Ich bleibe also bei meiner Kritik.

  16. “Ich halte nichts von Homöopathie. Die Kügelchen haben keinerlei materielles Substrat, und es existiert auch kein einziger nachvollziehbarer Wirkungsnachweis. Wissenschaftlich ist an der Homöopathie nichts dran. ” (Zitat des Autor Dr. Hontschik)
    Ich würde das nicht unbedingt eine Verteidigung der Homöopathie nennen.

    • Nun ja. Ich habe ja beschrieben, wie der Autor aus drei Argumenten, die tendenziell eher gegen die Homöopathie sprechen, eine Verteidigung macht. In Ihrem Zitat deutet sich das schon durch die Einschränkung “Wissenschaftlich ist an der Homöopathie nichts dran.” In einem anderen Sinne sei also schon etwas dran.

      Tatsächlich setzt der Autor sich absichtlich zwischen die Stühle, indem er nicht argumentiert, die Homöopathie sei gut, sondern die moderne Medizin sei nicht besser. Dass er so von beiden Seiten Kritik bekommt, überrascht mich nicht.

      Mir ist keines seiner Argumente neu. Die Kombination fand ich interessant.

  17. “Die Homöopathie hat aber nicht die Spur eines Wirksamkeitsnachweises vorzuweisen.”

    Dazu stellt sich mir eine Frage: Kann man den Globuli keine Wirksamkeit nachweisen oder kann man nachweisen, dass Globuli keine Wirksamkeit haben? Das ist nämlich ein entscheidender Unterschied! Wenn man nur keine Wirksamkeit nachweisen kann, liegt das evtl. an einer unzureichenden Methode, und man hat die Wirksamkeit übersehen. Wenn man aber definitiv die Wirkungslosigkeit nachweisen kann, ist das eine viel stärkere Aussage.

    Ich meine jetzt natürlich nicht die theoretischen Argumente gegen die Homöopathie (Verdünnung!). Die teile ich. Sondern mir geht es um die empirischen Nachweise.

    • Naja, es ist wir immer in der Wissenschaft:
      Wenn es trotz negativen Befundes doch einen Effekt geben sollte, ist der so klein, dass er nicht einmal unter kontrollierten Bedingungen erkennbar ist. Ein so kleiner Effekt ist aber auch keinen Aufwand wert. Da kann ich auch pusten.

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