Nature – the simple life

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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… in der Tierwelt

Früher war das anders. Da mussten sie (die Tiere) nur niedlich und possierlich sein, und alle waren zufrieden. Aber heute reicht das nicht mehr. Heute wollen die Menschen mehr von ihnen sehen, mehr Action. Man verlangt von ihnen, dass sie sich jagen, hetzen und zerfleischen. (…) Früher, das waren noch Tierfilme. Ewig zeigt da die Kamera z.B. eine Gämse, die nur so dastand, im Berg, 2, 3, 4, 5 Minuten und länger nur die Gämse, und dann, die Stimme aus dem Off:“Eine Gämse“, dann wieder lange nix, man döst langsam weg, bis plötzlich die Gämse sich bewegt, durch den Berg stakst:“Mit großem Geschick bewegt sich die Gämse behände durch den Berg.“ Dann überschlagen sich die Ereignisse, die Gämse frisst. (…) Die Kamera bleibt noch ein paar Minuten drauf. (…) Und dann Schnitt. Ein Murmeltier auf einer Bergwiese. Und die Stimme:“Ein Murmeltier. Es guckt.“

… in der Menschenwelt

Der technologische Fortschritt wird von den einen begrüßt, von anderen verteufelt. Während sich die einen auf die positive Seite der Entwicklung konzentrieren und die Annehmlichkeiten durch bspw. moderne Kommunikationswege genießen, gibt es die kritischen Stimmen der anderen, die befürchten, dass gerade durch den heutigen Medienkonsum dem Menschen einerseits die Zeit für Gedanken sowie kritische Fragestellungen z.B. der Sinnfrage und andererseits der Sinn für Genuss geraubt wird.

Mit dem Umschwung, dass das Angebot die Nachfrage überstieg, begann der steile Aufstieg des Marketing. Seitdem scheint der Lärm zu zunehmen. Werbung schreit nach Aufmerksamkeit. Und die Welt hat sich dieser Lautstärke angepasst. Der Alltag scheint komplexer, schneller geworden zu sein. „Denn wir haben 24 Stunden Licht, 24 Stunden TV, 24 Stunden Action.“ Wir werden tagtäglich mit einer Informationsflut beschallt, so dass wir gewohnt sind, dass um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt wird ohne dass wir etwas tun müssen.

… und wenn die Natur uns nichts bietet, dann werden wir sie eben ignorieren?

Quelle: Auszug aus dem amüsanten Buch „ Die Welt ist nicht immer freitag “ von Horst Evers, (2. Aufl. 2006, Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag), dessen grundsymphatische Hauptfigur sich durch die Wirren des Alltags kämpft. Horst Evers ist einer der Mitbegründer der Vorleseveranstaltung namens „Dr. Seltsams Frühschoppen“, die regelmäßig in der Kalkscheune in Berlin stattfindet oder stattfand.
Zitat aus Brand Eins, 9. Jahrgang, Heft 01, Januar 2007, Pause

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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